Archiv der Kategorie 'Zinnober'

»Ästhetischer Sprengstoff«1

Am 25. Dezember 2003 fand in der halleschen Diskothek »Tanzbar Palette« ein Konzert mit den Bands Fire & Ice, Sonne Hagal und Sonnentau statt. Als Veranstalter dieses Konzertes traten Uwe Nolte (NOLTEx) und das Label Eis & Licht um den Dresdner Stephan Pockrandt auf. Sowohl die Bands als auch die Organisatoren gehören dem rechten Rand der Gothic- bzw. Gruftiszene an.
Die Betreiber der »Palette« wurden im Vorfeld mehrfach auf den Charakter des Konzertes und den politischen Background der Veranstalter aufmerksam gemacht, sie weigerten sich jedoch, die Veranstaltung abzusagen. Der folgende Text wurde im Vorfeld des Konzertes als Hintergrundinformation an verschiedene Initiativen und Institutionen verschickt.

Zu Weihnachten 2003 finden sich Uwe Nolte (NOLTEx) und Stephan Pockrandt zur Zusammenarbeit in Halle ein. Gemeinsam wollen sie in der bekannten Disko »Palette« ein ganz besonderes Konzert veranstalten. Am 25. Dezember sollen die Bands Fire & Ice, Sonne Hagal und Sonnentau ein Seitenprojekt von Uwe Nolte auftreten. Uwe Nolte ist mit der Band Orplid ebenso wie Sonne Hagal mit einigen Veröffentlichungen beim Label Pockrandts unter Vertrag. Pockrandt zeichnete als Chefredakteur für das Magazin Sigill und die ersten Ausgaben des Nachfolgeprojektes Zinnober verantwortlich und betreibt das Musiklabel Eis & Licht. Das Label veröffentlicht vor allem Bands, »deren Musik in unterschiedlicher Gewichtung Romantik, Militarismus, nordische Götterwelt und elitäres Gedankengut beinhaltet«.2

Musikalisch bewegen sich die Künstler im so genannten Neofolk, einer Richtung des Dark Wave, düsterer, melancholischer Musik unterschiedlicher Ausprägung, die üblicherweise mit den Grufties bzw. Gothics verbunden wird. Thematisch verarbeiten die Musiker im Neofolk heidnische und spirituelle Bezüge, die in einer neuen Form von Folk, also Volksmusik an die Wurzel des eigenen Daseins erinnern sollen. Wo man diese Wurzeln verortet, wird bei einem näheren Blick klar. Die Weitergabe »Runischen Wissens« durch die Band Sonne Hagal im Magazin Zinnober lobt die rechtsextreme Junge Freiheit als Annäherung an germanische Mystik.3 Sowohl Ian Read von Fire & Ice als auch Sonne Hagal gestalten ihr Artwork mit Verweis auf die »nordische Kultur« mit Runen, Read hat auf einer Veranstaltung beim Dark-Wave-Festival in Leipzig 2003 eine einschlägige Lesung gehalten.

Ian Read gehört mit der aus dem Split von Death in June hervorgegangen Band Sol Invictus zu den Gründungsfiguren des Neofolk. Sein Interesse für Odinismus, Heidentum und Magie führte u.a. zu seiner Mitgliedschaft bei der heidnischen Gruppe Illuminates of Thanateros (IOT). Nach seiner Trennung von Sol Invictus gründete er die Band Fire & Ice und sein eigenes kleines Label Fremdheit.

In einer der ersten Veröffentlichungen im Jahr 2000 kommt u. a. der amerikanische Neonazi Eric Owens zu einem musikalischen Auftritt.4 Uwe Nolte (Sonnentau, gemeinsam mit Frank Machau Orplid) hat die pathetische, deutschtümelnde musikalische Arbeit Beifall von extrem rechts verschafft.

So schreibt das Organ der NPD Deutsche Stimme zu einer 1999 erschienenen Maxi CD: »Wem Frank Rennicke und Jörg Hähnel nicht ausreichen, der kommt an dieser Scheibe nicht vorbei.«5 Das selbe Blatt analysiert 2003: »Eine Gruppe, die Musik wie Orplid macht, kann wohl nur aus Sachsen-Anhalt kommen, dem vielleicht mythengesättigsten deutschen Gau.«6 Dass es sich dabei nicht um Missverständnisse handelt, beweisen die musikalischen Beiträge auf zwei Samplern.

Mit seiner früheren Band Rückgrat beteiligte sich Nolte 1996 am Sampler für Leni Riefenstahl, der vom extrem rechten Verlag und Agentur Werner Symanek (VAWS) veröffentlicht wurde. Mit einschlägig bekannten Bands des rechten Dark Wave folgte 1998 ein Beitrag Orplids am Sampler zu Ehren des hundertsten Geburtstages des italienischen Faschisten Julius Evola, produziert von Eis & Licht.

Die Debüt-Veröffentlichung von Orplid wurde neben Eis & Licht auch vom Ultima Tonträger Versand beworben. Inhaber war der hallesche neonazistische Führungskader Sven Liebich. Auch ein aktueller Blick bestätigt die ideologische Nähe. Nolte versteht sich nicht nur als Musiker, sondern auch als Photograf und Dichter. Auf der offiziellen Website seiner Band Orplid findet man den Link zu www.godenholm:de.7 Die Seite widmet sich dem nationalrevolutionären Kreis um Ernst Niekisch und seiner in den zwanziger und dreißiger Jahren erschienen Zeitschrift Widerstand. Niekisch begann seinen politischen Weg in der Münchner Räterepublik mit einem antiegalitären, nationalistischen Sozialpatriotismus, der sich später zu einem faschistischen Entwurf von Staat und Gesellschaft verdichtete. Unter Wahrung der ökonomischen Struktur des Kapitalismus ging es ihm um die Errichtung eines Staates, in dem Kapitalinteresse und die sozialen Existenzbedingungen der Lohnabhängigen völlig dem Primat der Nation untergeordnet sind. Seine Kritik an der aufstrebenden NSDAP, heute oft als antifaschistische Kritik verklärt, führte zu seiner Inhaftierung ab 1935. Dabei galt sein Angriff einer in seinen Augen »legalistischen« Bewegung, motiviert in einem Konkurrenzkampf innerhalb des starken rechten, antidemokratischen Lagers der Weimarer Republik.

Uwe Noltes Dichtungen finden sich auf www.godenholm.de in einer Reihe mit Texten der so genannten Nationalrevolutionäre Ernst Niekisch, der Ikone nationalkonservativen Denkens, Ernst Jünger, und Ernst von Salomon, der 1922 am Mord an dem jüdischen Außenminister der Weimarer Republik, Walther Rathenau, beteiligt war. 8 Mit seinen Gedichten ist Nolte weiterhin im Arnshaugk Verlag vertreten, der auf www.godenholm.de ebenso verlinkt ist wie das nationalistische Querfrontblatt Wir selbst und die »neurechte« Zeitschrift Criticon.9

Anmelder der Webpräsenz von Orplid und www.godenholm.de ist Thomas Michael aus Halle. Mit dessen Unternehmungen schließt sich der Kreis wiederum zu Stephan Pockrandt. Unterstützt wird der fragwürdige kulturpolitische Hintergrund seines Labels durch das Zeitungsprojekt Sigill bzw. durch das Nachfolgeprojekt Zinnober. Das Blatt ist als Kultur- und Musikmagazin besonders durch seine affirmativen Darstellung nationalkonservativer Autoren »der extremen Rechten zuzuordnen«.10 Nachdem Pockrandt offiziell als Chefredakteur des Hochglanzmagazins zurückgetreten ist, haben Dominik Tischleder und Thomas Michael (Layout) die Redaktion übernommen. Die Zeitung, die ebenso wie das Label Eis & Licht begeisterte Rezensionen in rechtsextremen Publikationen findet, ist nicht das einzige politische Projekt, das Michael mit vorantreibt. Neben seinen theoretischen Reflexionen zu Ernst Jünger auf www.godenholm.de arbeitet er ebenfalls für das rechtsintellektuelle Institut für Staatspolitik (IfS) im Rittergut Schnellroda. Für das Zentrum um den in der Grauzone zwischen nationalkonservativ und rechtsextrem altgedienten Karl Heinz Weißmann gestaltet er deren Zeitschrift Sezession und entwickelte die Website des IfS. Die Aktivitäten auf den unterschiedlichen Ebenen von Musik, Zeitschriften, Verlagen bis zu rechten Denkfabriken decken sich in ihrem Bemühen rechte Ideologie hoffähig zu machen. Mit Jünger, Niekisch, Evola werden seit Jahrzehnten Modethemen der neuen Rechten bedient. Die Rezeption der rechten Protagonisten der Weimarer Republik und des Vordenkers des italienischen Faschismus soll nationales, antidemokratisches und elitäres Denken in einer von nationalsozialistischen Verbrechen freien Form präsentieren. Dies soll das Anknüpfen für die Rechte heute ebenso erleichtern wie ein bestimmter sprachlicher Gestus. So reiht man sich zum einen mit Eindeutschungen für gebräuchliche Anglizismen in die Praxis der rechtsextremen (Jugend)Szene ein, so wird das Internet zum Weltnetz, Links werden Verweise, CDs zu Lichtscheiben… Andererseits wird der politische Gehalt der kultur-politischen Aktivitäten vehement abgestritten, nationalsozialistische Bezüge gern ausgeklammert, elitäre und antidemokratische Einstellungen als »nonkonform« und »anarchisch« etikettiert.

Das Konzert am 25. Dezember werden nicht wenige Fans besuchen, die sich dieser ideologischen Bezüge bewusst sind. Bei vergleichbaren Anlässen kamen Darkwaver in schwarzen oder Tarn-Uniformen, bündischen Kniebundhosen, komplettiert mit SS-Symbolik wie Sigrunen oder Schwarzer Sonne zusammen. So findet sich die Aufforderung durch Uwe Nolte und Stephan Pockrandt in ihrer Veranstaltungsankündigung: »Anschließend möchten wir sie bitten, anlässlich der für uns alle festlichen Zeit in welcher das Konzert stattfindet, auf ein stilistisch sicheres und ordentliches äußeres Erscheinungsbild zu achten.«11 Dass damit weder Weihnachtsmannkostüm noch Smoking gemeint sind, ist bei dieser Veranstaltung offensichtlich.

AfA Halle,

November 2003

Quelle: Turn it down

  1. Claus-M. Wolfschlag, Autor der Jungen Freiheit, bezeichnete die Inhalte des Magazins Zinnober mit der Formulierung „Ästhetischer Sprengstoff“. Claus-M. Wolfschlag: Zinnober. Anarchistischer Ästhetizismus (Rezension), in: Junge Freiheit, Nr. 48 (2003), S. 3. [zurück]
  2. Thomas Naumann, Patrick Schwarz: Von der CD zur »Lichtscheibe«, in: Andreas Speit (Hg.): Ästhetische Mobilmachung. Dark Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien, Münster 2002, S. 175. [zurück]
  3. Claus-M. Wolfschlag: Zinnober. Anarchistischer Ästhetizismus (Rezension), in: Junge Freiheit, Nr. 48 (2003), S. 12. [zurück]
  4. Christian Dornbusch: Von Landsertrommeln und Lärmorgien. Death in June und Kollaborateure, in: Andreas Speit (Hg.): Ästhetische Mobilmachung. Darkwave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien, Münster 2002, S. 134ff. [zurück]
  5. Musikrezensionen, in: Deutsche Stimme, Nr. 10 (1999), S. 13. Frank Rennicke und Jörg Hähnel sind als Liedermacher bei der NPD aktiv. [zurück]
  6. Hugo Fischer: Gegenkultur. Klänge zwischen Heimat, Kultur und Tradition, in: Deutsche Stimme, 3 (2003), o.S. [zurück]
  7. Http://www.orplid.de/verweise/oben-frames.html , November 2003. [zurück]
  8. Http://www.godenholm.de/1.Ebene/menue.htm , November 2003. [zurück]
  9. Http://www.godenholm.de/1.Ebene/link.htm , November 2003. [zurück]
  10. Christian Dornbusch: Zinnober, in: Bulletin. Schriftenreihe des Zentrums für Demokratische Kultur, 3 (2003), S. 26. [zurück]
  11. Mailinglist , Oktober 2003: Betreff: Fire & Ice/Sonnentau/ SonneHagal live. [zurück]

Der unaufhaltsame Weg von Schloß Freudenstein vom Punktreff zur schwarzbraunen Ordensburg?

[a.he.] Am 18. April fand im ehemaligen Freiberger Punkklub „Schloß“ ein Konzert mit dem Titel „Pagan Folk Festival“ statt. Den meisten LeserInnen dürfte dies rätselhaft sein, einzig Anhängern der Dark Wave Szene sollte der Begriff nicht neu erscheinen. Angetreten den Abend zu gestalten waren die Bands „Soul Cripple“, „Axon Neuron-Vagwa/Aurum Nostrum“, „Hekate“ unterstützt von einem DJ. Dass diese Veranstaltung in unserem Blatt Erwähnung findet, liegt aber weder in der Wahl des Veranstaltungsortes, noch in der Exklusivität der Bandnamen. Nein, hier soll vielmehr der politische Charakter sowohl der Bands als auch des Veranstalters beleuchtet werden, der in Teilen ein sehr rechter ist. So sind zumindest die Bands „Hekate“ und „Aurum Nostrum“ als einschlägig rechts im Dark Wave Bereich bekannt.

„Aurum Nostrum“ spielte unter anderem beim Flammenzauber-Festival, das unter anderem von Christian Kapke organisiert wurde, der sich in der Vergangenheit sowohl bei der „Jungen Landsmannschaft Ostpreußen“ als auch bei der extrem rechten Band „Eichenlaub“ engagierte. Unter anderem spielten sie auch Konzerte mit der Creme de la Creme der rechten Dark Wave Szene wie „Kirlian Camera“, „Les Joyaux de la Princesse“ und „Death In June“ für deren Konzerte nicht nur Blätter der Schwarzen Szene, sondern auch Neonazigruppen wie die „Freie Nationale Jugend Celle“ werben. Auch die Band „Hekate“ bewegt sich in der rechten Dark Wave Szene wie ein Fisch im Wasser. Sie tourten unter anderem mit den einschlägig bekannten Bands „Sol Invictus“ und „Dies Natalis“ und das Bandmitglied Arne Thau ist unter anderem Autor der völkisch- heidnischen Zeitschrift „Arcana Europa“.

Diese Konstellation ist jedoch kein Zufall oder Unwissen des Veranstalters. Im Gegenteil, Ronny Scheiding, der Organisator des Konzerts und Besitzer des „Yggdrasil“ Ladens in der Freiberger Kirchgasse ist selbst Protagonist der rechten Dark Wave Szene. Scheiding ist unter anderem Mitbegründer des LAS e. V. im Oktober 1995. Laut Satzung war der „Zweck des Vereins (…) die Pflege und Förderung von Kunst und Kultur, insbesondere der populären Musik und der Jugendkultur“. Dieser wurde „verwirklicht durch die Herausgabe der Zeitschrift „Sigill“ (…)“. Aus dem Dark-Wave –Fanzine „Sigill“ entwickelte sich im Laufe seines siebenjährigen Bestehens ein kultur-politisches Magazin der „Neuen Rechten“. Spätestens aber das Nachfolgemagazin „Zinnober“ gehört ins Lager der extremen Rechten. Das Magazin war geprägt von antimodernistischer Kulturkritik, basierend auf den Idealen der präfaschistischen Ideologieträger Julius Evola und Ernst Jünger. So bekam das Blatt, wenig verwunderlich, viel Applaus von der extremen Rechten. Nicht nur die faschistoide „Junge Freiheit“ lobte den „Nonkonformismus“ des Blattes, auch das NPD-Parteiblatt „Deutsche Stimme“ befand die antimodernen, antiliberalen und völkischen Positionen des Blattes für positiv. Ähnlich deren Jugendorganisation die „Jungen Nationaldemokraten“, die mehrmals Anzeigen für das Magazin aus Dresden schaltete und selbst neonazistische Skinhead-Fanzins wie das „Foier Frei“ aus Chemnitz beurteilten „Sigill“ als empfehlenswert.

Scheiding ist aber noch auf anderen Feldern aktiv wie zum Beispiel als DJ unter dem Pseudonym „September GK“. Dieses Pseudonym wurde auch im Layoutbereich benutzt unter anderem bei der Gestaltung von Büchern des rechten Arun-Verlages und des Versandkataloges des Freiberger Yggdrasil Ladens. Der Yggdrasil ist unter anderem Organisator des „Heidnischen Dorfes“ beim Wave-Gothic-Treffen 2000 gewesen. Laut eigenem Bekunden bei einem Sol-Invictus-Konzert in Berlin waren Personen aus dem Umfeld des Ladens an der Herstellung der Schwarze-Sonne-Box beteiligt. Die Box beinhaltet ein T-Shirt mit eingestickter Schwarzer Sonne und ein Foto von dem Marmormosaik im „Gruppenführersaal“ der ehemaligen SSOrdensburg Wewelsburg.Dies ist jedoch nur ein kleiner Einblick in die Aktivitäten von Ronny Scheiding im Umfeld von „Sigill“ und der rechten Dark Wave Szene. Auch über die Bands, die am 18. April ein einschlägiges Publikum im Schlossklub beglückten, ließe sich einiges mehr schreiben, was hier jedoch den Rahmen sprengen würde. Dem interessierten Leser sei für die weiterführende Lektüre das Buch von Andreas Speit (Hg.) „Ästhestische Mobilmachung“ empfohlen.

Den Sponsoren vom Freiberger Brauhaus und Stadtfernsehen sei gesagt, dass man in einer Region, die über einen Mangel an Neonazis nicht klagen kann, nicht auch noch rechte Konzerte subventionieren sollte. Das Geld ist bei alternativen Jugendprojekten wesentlich sinnvoller aufgehoben. Den Gönnern und Fürsprechern des „Yggdrasil“ von „Freie Presse“ und Stadtverwaltung sei empfohlen, doch besser zweimal hinzuschauen, wen sie sich ins Haus bzw. Schloß holen. Ein weiteres Problem mit Rechten, nur diesmal eben aus einer anderen Ecke, stünde dem „weltoffenen“ Freiberg gar nicht gut zu Gesicht.

Quelle: FreibÄrger

Black nach rechts

Das Darkwave-Magazin Black lobt neuerdings den rumänischen Faschisten Corneliu Codreanu und übt sich in rechten Statements.
von christian dornbusch und andreas speit

Fetisch- und SM-Fotos sowie Friedhofsszenen werden mit Vorliebe auf den Covern von Fanzines der Darkwave-Szene abgedruckt. Nur geheimnisvoll muss es aussehen. Man kann die einschlägigen Heftchen inzwischen fast an jedem Bahnhofskiosk kaufen. Eines von ihnen heißt Black und gehört zu den bekannteren Publikationen.

Schon seit 1995 schreibt die Black-Redaktion über »Industrial, Noise, Electro, EBM, Neofolk, Dark-Ambient, Synthie-Pop and more«. Das Konzept des Chefredakteurs Thomas Wackert ist erfolgreich. Inzwischen ist das Underground-Magazin aus der subkulturellen Nische herausgetreten und erscheint in einer Auflage von 5 000 Exemplaren. Selbst in den Filialen von World of Music (WOM) kann Black erworben werden.

In den mehr als 100 Seiten umfassenden Ausgaben von Black waren direkte politische Statements bisher kaum zu finden. Warum auch, schließlich sollte es ja um Musik gehen, um die Subkultur. Doch das hat sich nun geändert.

Bereits Ende des Jahres 2000 übernahm Dominik Tischleder, ein Politikstudent aus Trier, eine Redakteursstelle bei Black. In der Frühjahrsausgabe dieses Jahres rezensiert er den Sampler »Codreanu: Eine Erinnerung an den Kampf«, ein Machwerk zu Ehren des rumänischen Faschisten Corneliu Codreanu. Wohlwollend stellt Tischleder fest: »Die Eiserne Garde und Corneliu Codreanu bieten offensichtlich einer jungen Generation von heute den Stoff, aus dem Mythen sind. (…) Hier haben die Kulturkämpfer dieser Tage wirklich etwas besonderes geleistet, (…) jedes Projekt liefert das Beste«. Zum Weiterlesen empfiehlt er seinem Publikum Armin Mohlers »Der faschistische Stil«.

Tischleder hat mit Theoretikern der »neuen Rechten« offensichtlich keine Probleme, mit Antifas und den mit ihnen verbündeten »Grufties« jedoch um so mehr. »Die Frage ob ‚unsere Szenen‘ von (…) ‚Faschisten‘ oder gar von ‚Nazis‘ unterwandert wird, erhitzt schon lange die Gemüter«, hat er beobachtet. Oft würden »regelrechte Anklageschriften verfasst (…), um anschließend mit einem gewissen Timbre eine ‚glasklare Distanzierung‘ (…) zu verlangen«. Doch statt das »kultivierte Gespräch« zu suchen, werde mit »Schlagwörtern« und »emotionalen Kampfbegriffen wie ‚Faschismus‘ oder ‚rechts‘« zugeschlagen.

Denn »wer sich heute ‚Antifaschist‘ nennt«, der sei »entweder Vertreter einer extremistisch-sektiererischen Ideologie oder er/sie ist ein meist jugendlicher Mensch auf Identitätssuche«, meint Tischleder. Diese »ganze Gefühlsduselei« müsse endlich »einer rationalen Sichtweise Platz machen«. Über die VVN spottet er: »Sie gründen Organisationen mit lustigen Namen wie ‚Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten‘, wobei sie mit ‚Opfern‘ sich selbst meinen.«

»Im übrigen«, so behauptet der Kenner der Neofolk-Szene, sei »der Zusammenhang zwischen ‚Nouvelle Droite‘ und Neofolk vollkommen konstruiert«. Man müsste schon ein »Talent für Verschwörungstheorien mitbringen, um Künstlern finstere ‚metapolitische‘ Strategien zu unterstellen«, schreibt Tischleder und zitiert ausgerechnet den Cheftheoretiker der französischen Nouvelle Droite, Alain de Benoist, um seine Argumentation zu untermauern.

So offen rechtsextreme Töne wurden bisher bei Black nicht angeschlagen. Auch wenn das Blatt schon öfters teils zustimmend über den rechten Rand der Szene berichtet hat, sei es in Rezensionen von Platten einschlägig bekannter Bands oder in Interviews mit bekannten Rechten wie Stephan Pockrandt vom Zinnober-Magazin, Gerhard Kadmon von der Band Allerseelen oder Henryk Vogel von der Gruppe Darkwood. Aber das Magazin war immer um eine vermeintliche »Ausgewogenheit« bemüht.

Wohl um die Illusion dieser »Ausgewogenheit« aufrechtzuerhalten, präsentiert die aktuelle Ausgabe auch ein längeres Interview mit der Bremer Initiative Grufties gegen Rechts. Die Vertreter der Initiative sprechen über die Probleme der Szene mit rechten Tendenzen und merken an, dass sie sich auch vom Black etwas mehr »Zurückhaltung wünschen«.

Der Wunsch ist verständlich. Denn der rechtsextreme Vormarsch in der Schwarzen Szene geht trotz der inzwischen seit Jahren geführten Auseinandersetzungen munter weiter. Schon vor dem diesjährigen Wave-Gotik-Treffen, das über Pfingsten in Leipzig stattfand, kritisierten die Bremer Grufties den Auftritt der Bands Kirlian Camera, Stalingrad und Darkwood, die sie dem rechten Rand der Szene zuordnen.

In ihren Statements wollten die Bands glauben machen, dass sie weder rassistisch noch antisemitisch seien. So argumentierte Henryk Vogel, der Bandleader von Darkwood, dass sie sich als ein »reines Kunstprojekt« verstünden.

Die Songtexte der Band lassen jedoch andere Schlüsse zu. So heißt es in dem Lied »Mord und Lüge«, mit dem die Band auf der Compilation zu Ehren von Codreanu vertreten ist: »Aufrechter Blick, ein Herz voller Güte. Dem Freunde Freund, dem Feinde Tod. Entschlossen handeln für die Sache, den Kameraden Vater in jeder Not. Die Erde ihres Heimatlandes, für ihren Kampf ist sie das Blut, sei alles Gold vergessen. Die Tugend ist ihr höchstes Gut.«

Obwohl in diesen Zeilen der politische Charakter mehr als deutlich wird und bei vielen Zuhörern durchaus ankommt, was gemeint ist, betonen Bands wie Darkwood in der Öffentlichkeit fortwährend ihre »Harmlosigkeit«.

Doch ähnlich wie beim Magazin Black scheint es auch für die Veranstalter des Wave-Gotik-Treffens zur »Ausgewogenheit« zu gehören, rechte Bands zu präsentieren und rechtsextremen Unternehmen wie etwa der Firma Verlag und Agentur Werner Symanek (VAWS) Platz einzuräumen. Solange die nicht rechten Fans und Bands so etwas hinnehmen, dürfte sich daran auch nichts ändern.

Wenigstens einige Redakteure von Black haben inzwischen ihre Konsequenzen gezogen. Sie haben das Blatt aus politischen Gründen verlassen.

Von den Autoren ist soeben das Buch »Ästhetische Mobilmachung, Dark-Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien« im Unrast-Verlag erschienen.

Quelle: Jungle World

Stirb und Werde

Das rechtsextreme Dresdner Musikmagazin Sigill feiert die 20. Ausgabe und macht den Laden dicht. Doch unter neuem Namen geht es weiter.
von christian dornbusch

Zwanzig Ausgaben von Sigill sind Herausgeber Stephan Pockrandt genug. Von einem Scheitern kann bei dem Magazin, das sich bisher vor allem an der politischen Vereinnahmung der DarkwaveóSzene versucht hat, aber kaum die Rede sein. Aus Sigill wird künftig Zinnober.

Schon jetzt wirbt die Sigill-Garde für das Nachfolgeprojekt, ein »Kulturmagazin« für extreme, okkulte, reaktionäre und obskure Positionen, wie sie auch in Sigill vertreten wurden. Zukünftig will man sich aber weniger um Darkwave kümmern – der Schwerpunkt soll auf esoterischóheidnischen Themen liegen. Der Name ist Programm: Zinnober ist ein Begriff aus der Alchemie und steht für die Polarität von Feuer und Eis, beides sind zentrale Elemente von naturreligiösen Vorstellungen. Ideologisch setzen die Macher auf Kontinuität: »Der Weg des Zinnober« – so heißt die Autobiografie des italienischen Faschisten Julius Evola, der als Lieblingstheoretiker der Dresdner Kulturkämpfer gilt.

Das Blatt will aber nicht nur Zinnober sein, sondern auch Sigill bleiben: Pockrandts Magazin hat sich vor allem als Sprachrohr für die »konservative Kulturavantgarde Europas« verstanden. Der Begriff »konservativ« bezieht sich auf die Konservativen Revolutionäre der Weimarer Zeit sowie auf die Theoretiker des italienischen und französischen Faschismus.

Das nationalrevolutionäre Ideologie-Gemisch ist bei Sigill nicht nur durch eine breite Rezeption von esoterischen Vorstellungen ergänzt und mit naturreligiösóheidnischen Themen angereichert worden. Ästhetisch sah man sich vor allem dem »Schönen Schein des Dritten Reichs« verpflichet, ausführlich wurden Werke von NS-Künstlern besprochen.

Doch in erster Linie fungierte das Blatt als Kulturmagazin einer modernisierten Rechten: Sigill hatte als Zeitschrift für die Gothic-Techno-Wave-Avantgarde begonnen und sich bei der Berichterstattung auf den rechtsextremen Teil dieser Subkultur konzentriert: Neo-Folk-Bands wie Death In June oder Sol Invictus besprach man ebenso wie die esoterischen Klänge des österreichischen Musikprojektes Allerseelen und die Industrial-Collagen von Blood Axis oder NON.

Ästhetisch abgerundet wurden die Ausgaben gerne mit Aufsätzen über Dichter und Denker der europäischen Rechten, wie zum Beispiel den Nationalisten und Vordenker des italienischen Faschismus Gabriele D‘Annunzio und den norwegischen Hitler-Verehrer Knut Hamsun. Die Sigill-Reportagen über okkulte Gruppierungen waren überdies immer wieder für tiefe Einblicke in die Abgründe des esoterischen Faschismus gut.

Zu den Autoren des Musikmagazins zählt neben Pockrandt und Gero Mielczorek, dem Schriftleiter des Magazins, der Europa Vorn-Autor Martin Schwarz, der auch im NPD-Organ Deutsche Stimme veröffentlicht. Daneben finden sich Beiträge von Stefan Björn Ulbrich, der seine Karriere bei der mittlerweile verbotenen Wiking-Jugend begonnen hatte. Heute führt Ulbrich den Arun-Verlag, der hauptsächlich Schriften aus dem heidnischen Spektrum vertreibt. Auch Sigill-Chef Pockrandt arbeitet seit kurzem bei Arun.

Andere Sigill-Autoren kommen direkt aus der Musikszene: Gerhard Petak alias Kadmon von der Formation Allerseelen, der auch für die geschichtsrevisionistischen Staatsbriefe schreibt und Jens Hermann, der Sigill verlassen hat, um sich seinem auf völkische Tonkunst spezialisierten Label Mjölnir zu widmen. Ein weiterer Stammautor ist Markus Wolff, der mit seiner Band Waldteufel vor kurzem ein Lied aus der Feder von Hermann Wirth, dem Gründer des SS-Ahnenerbes, neu vertont hat.

Neben ihrem Zeitungsprojekt hat die Sigill-Garde 1995 den Trägerverein Las e.V. gegründet. Der Verein organisiert neben Tanzveranstaltungen im Raum Dresden auch größere Konzerte: So zum Beispiel die Indo-European-Sacrifice-Tour der faschistischen US-Band Blood Axis in Deutschland.

Später wurde das Label Eis und Licht Tonträger initiiert, um »heimischen« Bands die Möglichkeit zur Veröffentlichung zu bieten. Das Label hat vor allem Neo-Folk-Gruppen wie Orplid, Dies Natalis oder Forseti im Programm. Aber auch eine Platte der Formation Von Thronstahl um den Sänger Josef Maria Klumb wurde hier produziert. Klumb hat bereits mehrfach erfolglos juristisch zu verhindern versucht, ein Antisemit genannt zu werden.

Einer der ersten Tonträger von Eis und Licht war die Compilation »Cavalcare la Tigre« zum 100. Geburtstag von Evola; mit Beiträgen von Allerseelen, Von Thronstahl, Blood Axis, Waldteufel und anderen Bands aus dem rechtsextremen Spektrum der Darkwave-Szene.

Die Sigill-Garde macht aus ihrer kulturpolitischen Ausrichtung an der extremen Rechten keinen Hehl, die visuelle und inhaltliche Präsentation der Zeitschrift ist eindeutig. Dass sie dennoch ein fester Bestandteil der deutschen Darkwave-Szene ist, wurde nicht nur durch die in Sigill geschalteten Annoncen von verschiedenen Labeln und Versand-Agenturen der Szene deutlich.

Auch die Events des Las e.V. erfreuen sich großer Beliebtheit, ebenso die Produktionen von Eis und Licht, die in vielen Darkwave-Fanzines und Magazinen wohlwollend besprochen wurden. Ein Großteil der sich oft unpolitisch gebenden Gothics grenzt sich zwar vordergründig von Rechtsextremen ab. Doch unter dem Deckmantel einer falsch verstandenen Toleranz können rechte Kulturkämpfer meist ungestört in der Szene agieren.

Die von Sigill vertretenen Inhalte scheinen aber auch mit Vorstellungen von Teilen der Schwarzen Szene übereinzustimmen: Für das kommende 9. Wave-Gotik-Treffen über Pfingsten in Leipzig sind eine Reihe von rechten bis rechtsextremen Bands angekündigt. Und wie im letzten Jahr wird es wahrscheinlich einen Sigill-Stand geben. Dort wird wohl Feuer und Eis verkauft. Zinnober eben.

Quellen: Jungle World