Archiv der Kategorie 'Verlag Zeitenwende'

Verlage am rechten Rand

Esoterik und Holocaustleugnung

Verlage am rechten Rand. Beispiele

Das Spektrum an deutschsprachigen Verlagen, die im weiteren Sinne einen “rechten” Leserkreis bedienen, ist groß. So unterschiedlich jedoch die inhaltliche Ausrichtung im Einzelnen sein mag, lässt sich eine Reihe an Gemeinsamkeiten feststellen:

* Insgesamt hat in den letzten Jahren der Büchermarkt innerhalb der rechten Szene stark an Bedeutung gewonnen. Dabei erfüllt der Buchverkauf zwei Aufgaben: einerseits dient er selbstverständlich der Informationsvermittlung, andererseits stellt er eine nicht unerhebliche Einnahmequelle auch des organisierten Rechtsextremismus’ dar.

* Die meisten Verlage, die eine rechte Leserschaft bedienen, zeichnen sich durch einen hohen Grad an Vielfältigkeit aus. Kaum ein Verlag ist auf nur ein Themengebiet spezialisiert, und fast nie finden sich in den Verlagsprogrammen Titel, die ausschließlich politischer Natur sind. Im Gegenteil: Oft geht die offen rechtsextreme Literatur gegenüber der vermeintlich unpolitischen fast unter. Darüber hinaus umfasst die verlegerische Tätigkeit längst nicht nur Buchproduktionen, häufig finden sich gleichermaßen Zeitschriften, Musik-CDs und Videos in den Programmen der Verlage.

* Nahezu alle Verlage führen nicht nur die Titel des eigenen Verlagsprogramms, sondern betreiben darüber hinaus Bücherversände, die den Kunden sämtliche lieferbaren Bücher im deutschprachigen Raum offerieren.

* Der Grad an personeller und organisatorischer Vernetzung sowie an Zusammenarbeit zwischen den Verlagen ist gemessen an der Konkurrenzlage deutlich höher als bei herkömmlichen Verlagen.

Grabert-Verlag und Hohenrain-Verlag

1959 vom ehemaligen Mitarbeiter Alfred Rosenbergs im „Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete“, Herbert Grabert, gegründet und seit 1972 von dessen Sohn Wigbert Grabert geführt, publiziert der Verlag u. a. die Arbeiten führender Revisionisten. So beispielsweise den Begründer des sog. „wissenschaftlichen Revisionismus“, David L. Hoggan, oder den Holocaust-Leugner David Irving. Im Klappentext zu Hoggans “Der erzwungene Krieg” wirbt der Grabert-Verlag mit klassisch revisionistischen Schlagworten: Die Kriegschuld Deutschlands am 2. Weltkrieg sei eine “Kriegs- und Lügenpropaganda” der Alliierten. Im Grabert-Verlag erscheinen zudem vierteljährlich die Zeitschrift Deutschland in Geschichte und Gegenwart, das zweimonatige Info-Blatt Euro-Kurier sowie die Publikationen des neurechten Thule-Seminars und der Stiftung Kulturkreis 2000 als “Plattform für nach ultrarechts abdriftende rechtskonservative Professoren”, so der Historiker Martin Dietzsch.

Um nicht nur eine möglichst breit gefächerte Leserschaft zu erreichen, gründete Wigbert Grabert 1984 den Hohenrain-Verlag, der mit Themen wie der Euro-Einführung oder dem Palästina-Konflikt aktueller operiert, womit, so der Verfassungsschutzbericht 2000, “auch nicht-rechtsextremistische Leser angesprochen und so der Kunden- und Wirkungskreis des Verlags erweitert werden [sollen].”

Gute Kontakte unterhält das Verlagshaus um Wigbert Grabert zu der NPD-nahen Zeitschrift Nation und Europa, zu dem DVU-Chef und Verleger Gerhard Frey und der neurechten Jungen Freiheit. Außerdem betreibt der Verlag den Grabert Buchversand, dessen Prospekte u. a. von dem Schutzbund für das Deutsche Volk und der Zeitschrift Nation verteilt wird. Der Verleger Grabert wurde 1998 wegen Volksverhetzung und Vergehen gegen § 86a StgB zu einer Zahlung von 10.500 DM verurteilt.

Arndt-Verlag

Auch der Arndt-Verlag publiziert vorwiegend revisionistische Schriften, darunter Autoren wie Gustav Sichelschmidt (“Tollhaus Deutschland”) und David Irvings Göring-Biographie. Daneben wendet er sich mit den Schwerpunkten “Die Heimat im Bild und Buch” sowie “Flucht und Vertreibung” an ein “Vertriebenen”-Publikum. Der Verleger Dietmar Munier betreibt zudem den Orion-Heimreiter-Verlag mit Autoren wie dem Verhaltensforscher Irenäus Eibel-Eibesfeld und den “Pour le Merite”-Verlag, die beide eine nicht-rechtsextremistische Leserschaft ansprechen und doch rechtsextreme Argumentationen stützen sollen, sowie den Arndt-Buchdienst / Europabuchhandlung.

Munier war in den 70ern führendes Mitglied des Bundes volkstreuer Jugend und Funktionär der NPD-Jugendorganisation. 1991 gründete er die Aktion Deutsches Königsberg, danach folgen eine Reihe weiterer Vereine und Firmen mit Tätigkeitsschwerpunkt im ehemaligen Ostpreußen.

Verlag & Agentur Werner Symanek (VAWS)

Ein ganz anderes Publikum als Grabert- und Arndt-Verlag hat der Verlag & Agentur Werner Symanek (VAWS) im Blick. Das Verlagsprogramm, bestehend aus Merchandise-Artikeln, Videos, Büchern und Musik-Produktionen, richtet sich vorwiegend an eine jugendliche Zielgruppe aus dem Dark-Wave-Bereich. Inhaltlich bedient es sich einer Mischung aus okkultistischen Themen und NS-Ästhetik à la Leni Riefenstahl. Im Programm u. a. der Nachdruck des okkultistischen Romans “Dunkle Wege” vom Nazi-Dichter und Hitler-Lehrer Dietrich Eckart, Bildbände von Nazi-Künstlern, Leni-Riefenstahl-Filme und CDs aus den Bereichen Industrial, EBM und Neo-Folk – allesamt Subgenres des Dark Wave. Gerade im Bereich Musik / Dark Wave arbeitet Symanek eng mit dem antisemitischen Musiker Joseph Maria Klumb alias Jay Kay (Forthcoming Fire, Weissglut, Von Thronstahl) zusammen, der in Anlehnung an den Autor Jan van Helsing an eine “jüdischen Weltverschwörung” glaubt und positiv auf Benito Mussolini Bezug nimmt.
Darüber hinaus ist Symanek für Druck und Vertrieb der rechtsextremistischen Zeitschrift Unabhängige Nachrichten verantwortlich, für die er auch als Autor tätig ist.

Verlag Zeitenwende

Zwischen Esoterik, Revanchismus, Rechtsextremismus und Dark-Wave-Lifestyle bewegt sich der Verlag Zeitenwende und versucht damit ebenfalls, eine breite Leserschaft zwischen Neuer Rechter und jugendlicher Subkultur zu erreichen. Für den Verlag schreiben u. a. der Holocaust-Leugner Bernhard Schwab, der regelmäßig “germanisches Heidentum” gegen demokratische Prinzipien in Stellung bringt, oder Martin Schwarz, der “deutschen Geist und Spiritualität” durch Werteverlust und Spaßgesellschaft gefährdet sieht und dagegen in enger Anlehnung an den italienischen Faschismus das Ideal einer streng hierarchischen Gesellschaft stellt. Besonderen Wert legt Verleger Sven Henkler auf neoheidnisches Gedankengut, mit dem er nicht nur rechtsextreme Intellektuelle umwirbt, sondern auch jugendliche Sinnsucher. Folgerichtig erscheint im Verlag Zeitenwende vierteljährlich die Dark-Wave-Zeitschrift Hagal, in der neben jugendkulturellen Themen auch heidnische und rechtsextremistische Positionen vertreten sind. Hier heißt es beispielsweise über den hochrangigen Nationalsozialisten Georg Werner Haverbeck, er sei im geistigen wie im menschlichen Sinne “wie ein Großvater” für die Redaktion. Haverbeck leugnete bis zu seinem Tod 1999 beharrlich den Holocaust und war eine der Führungspersönlichkeiten anthroposophischer Theologie und des rechts-ökologischen Spektrums.
Tatsächlich hat der Verlag Zeitenwende enge Kontakte zu Haverbecks Collegium Humanum und dem neurechten Netzwerk Synergies Européennes (Synergon), mit denen zusammen er jährlich Tagungen veranstaltet.

Jan Buschbom / Violence Prevention Network e. V.

Quelle: Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung

Verlag Zeitenwende

Gründung:
unbekannt
Sitz:
Dresden
Eigentümer/Leiter:
Sven Henkler
Autoren/Titel im Angebot:
u.a. Vierteljahreszeitschrift Hagal – Die Allumfassende (offizielle Zeitschrift von Synergon Deutschland), Mensch und Mythos

Programmschwerpunkte:
Der Verlag bringt die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift Hagal heraus. Ihm angeschlossen ist ein kleiner Buchvertrieb.
Die Themenschwerpunkte der Zeitschrift sind eine Mischung aus Heidentum, Esoterik und Dark Wave sowie der Idee vom „Reich Europa“. Letzteres ist an die europapolitischen Konzeptionen der sogenannten „Neuen Rechten“ angelehnt.
Der Buchvertrieb bietet u.a. Publikationen der „Neuen Rechten“ an, wie z.B. die Broschüre Ausbruch aus den Ideologien, aus dem Synergon-Forum. Neben Publikationen zu neuheidnischen Themen kann man über den Verlag auch das germanisch-mythologische Spiel „Der Weltenwandler“ beziehen.
Neben den eigenen Produkten können über den Vertriebsdienst des Verlages Zeitenwende auch Publikationen anderer rechtsradikaler Verlage bezogen werden. Dazu gehören insbesondere der Grabert- (Tübingen) und der ARUN-Verlag (Engerda/Thüringen).

Historischer Überblick:
Genaue Angaben über den Zeitpunkt der Gründung des Verlags existieren nicht. Seit 1996 ist der Verlag den Verfassungsschutzbehörden in Sachsen bekannt.
Anfang 2000 wurde in der Zeitschrift Hagal die Idee eines „eurasischen Reiches“ aufgenommen. Schon einige Jahre zuvor, erschienen im Verlag Broschüren mit den Titeln „Reich Europa“ und „Adler und Rose“. In diesen Broschüren wurde die Abschaffung der Demokratie zu Gunsten eines autoritären Führerstaates gefordert sowie der Holocaust verharmlost.
Seit 2000 existiert eine enge Zusammenarbeit mit der Deutsch-Europäischen Studiengesellschaft (DESG) und Synergon Deutschland. Hierbei geht es um eine Stärkung eines speziellen Europa-Gedankens innerhalb der „Neuen Rechten“. Auf der Webpage des Verlages wird für die „Europäischen Synergien“ ausdrücklich geworben. Die Ziele dieser „Synergien“ werden in der „Charta“ von Synergon beschrieben. Hier wird u.a. die „Schaffung einer Synergie selbstbewußter Kräfte zur Umsetzung der Einheit eines Europas mit einem wirklichen Machtwillen“ gefordert sowie die „Förderung der die Beziehungen und den Austausch zwischen Europäern ermöglichenden Bedingungen mit dem Ziel, die Freundschaft und das Verhältnis zu entwickeln, das zur Aufrichtung einer wahren Schicksalsgemeinschaft notwendig ist“ und die „Anerkennung der herausragenden Stellung des europäischen Geistes, die dieser seit den Zeiten unserer heidnischen Vorfahren bis zu den heutigen Tagen besitzt“. Gemeint ist hier ein „Reich Europa“ im Sinne der Neuen Rechten. Die Ideologie von der Überlegenheit einer Nation tritt hinter die Idee eines geeinten, „überlegenen“ Europas. Der auf der Homepage des Verlags zitierte französische Ideologe der Neuen Rechten, Guillaume Faye, hatte vor mit dieser Bewegung: „alles, was die soziologische Rechte darstellt, zu überwinden, sich allen neuen Impulsen aus der Gesellschaft zu öffnen und konsequent der nostalgisch-folkloristischen Rechten eine definitive Absage“ zu erteilen. Die bisherige völkische Definition der radikalen Rechten von Nation und Volk, wird somit um die europäische Dimension erweitert. Einfach formuliert geht es nicht mehr um „Deutschland den Deutschen“, sondern um „Europa den Europäern“.

Bedeutung:
Dem Verlag kommt durch die Zusammenarbeit mit den neurechten Vordenkern eines „Reichs Europas“, eine „Multiplikatorenrolle“ zu. Diese konnte er nach bisherigen Erkenntnissen nicht sehr erfolgreich einlösen. Europapolitische Konzepte und Überlegungen innerhalb der radikalen Rechten werden allerdings aufgrund der Vernetzung in Europa zunehmend interessanter und Themen wie Globalisierung stehen auch auf der rechtsradikalen Tagesordnung ganz oben. Ob der Verlag mit seiner Publikation Hagal dabei eine Rolle zu spielen hat, bleibt abzuwarten.
Der Verlag Zeitenwende organisiert verschiedene Veranstaltungen wie sog. Lesertreffen. Das „5. Zeitenwende-Lesertreffen“ im März 2001 stand unter dem Motto „Der Gral – Der Mythos des Abendlandes“. Im Umfeld der vom Verlag maßgeblich mitorganisierten „Synergon-Sommerakademie“ ist auch der belgische Rechtsradikale und Generalsekretär der Europäischen Synergien, Robert Steuckers aktiv.

Dieser Text ist aus dem Buch Handbuch Rechtsradikalismus, Thomas Grumke und Bernd Wagner (Hrsg.), Leske + Budrich, 2002

Quelle: Netz gegen Nazis