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Offener Brief gegen rechtes Darkwave-Konzert

Für den 16. April 2005 hatte die Rosenheimer Discothek Blackout ein Konzert der rechten Darkwave-Band Allerseelen angekündigt. AntifaschistInnen aus Rosenheim wanten sich in einem offenen Brief an das Blackout und die Öffentlichkeit, in dem sie über die Aktivitäten und den extrem rechten Hintergrund der österreichischen Band informierten. Wir dokumentieren im Folgenden den Offenen Brief:

Infogruppe Rosenheim,
Oberaustr. 2 , 83026 Rosenheim
infogruppe-rosenheim@web.de
www.infogrupperosenheim.tk

Offener Brief

An das
Blackout
Am Rossacker 7, 83022 Rosenheim
info@club-blackout.de
Tel.: 08031/380328

Nachrichtlich an:
+ Regionale Presse
+ Lokale Parteien, Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen

Rosenheim, 14.03.05

Betr.: Rechtsextremes Konzert im Rosenheimer Club „Blackout“?

Laut Ankündigung auf Ihrer Homepage soll am 16. April 2005 in Ihrem Club „Blackout“ in Rosenheim ein Konzert mit der österreichischen Dark-Wave-Band „Allerseelen“ stattfinden. Da wir davon ausgehen, dass das blackout kein Interesse daran hat Faschisten eine Plattform zu bieten, wollen wir Sie, mit diesem offenen Brief, über den rechtsextremen Charakter dieser Band informieren und Sie gleichzeitig dazu auffordern, dieses Konzert abzusagen.

Die Band Allerseelen wurde 1989 von dem Wiener Gerhard Petak, alias Kadmon, der aktuell – nach eigenen Angaben – im Raum Berchtesgaden wohnt, gegründet und seitdem maßgeblich geprägt. Nach Einschätzung von Alfred Schobert, Mitarbeiter des „Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung“, gehen die „Pioniertaten (Petaks; Anm. Infogruppe) über die Rehabilitierung faschistischer Symbolik hinaus. Er rehabilitiert komplette nazistische Ideolgiebestände.“ So vertonte Petak beispielsweise auf der CD „Gotos-Kalanda“ einen Gedichtzyklus des Karl Maria Willigut, der bis 1938 maßgebliches Mitglied des SS-Ahnenerbes war und der den SS-Totenkopfring entworfen hatte. Willigut wird entkontextualisiert – die SS als verbrecherische Organisation erscheint bei Petak nicht – als bewundernswerter „Geschichtsforscher“ und Runendichter dargestellt. Weitere von Petak angepriesene „Persönlichkeiten“ sind Leni Riefenstahl, Ernst Jünger, Otto Rahn, ebenfalls Mitglied im SS-Ahnenerbe, und der rumänische Faschist Corneliu Z. Codreanu, der in den 1920er und 1930er Jahren Mitbegründer und Führer der extrem antisemitischen Eisernen Garden war. In Lieder von Allerseelen baut Petak auch Gesänge und Märsche der Eisernen Garde bzw. eine Rede Codreanus ein.

Die Band veröffentlichte bis dato mehrere CDs, sog. Split-Singles und beteiligte sich an diversen Samplern, die der Hommage an verschiedene „Persönlichkeiten“ dienen sollten. Genannt seien hier Sampler zum Gedenken an Leni Riefenstahl, der vom rechtsextremen, (vom Verfassungsschutz beobachteten) VAWS-Verlag produziert wurde, an Ernst Jünger oder an den italienischen faschistischen Theoretikers Julius Evola. Eine Rezension dessen Buches „Den Tiger reiten“ von Gerhard Petak in der rechtextremen Berliner Wochenzeitung „Junge Freiheit“ ist als nichts anderes als eine Ehrerbietung an den Autor Evola zu werten. Dieser Evola empfahl im Jahr 1928: „Wir machen Schluss mit jeder Schwäche, mit jeder Nachsicht gegenüber allem, was von der semitisch-christlichen Wurzel herkommt. Anti-Europa, Anti-Semitismus, Anti-Christianismus, das ist unsere Losung.“

Gemeinsam mit der amerikanischen Formation „Blood Axis“ um den Rechtsextremisten Michael Moynihan veröffentlichte Allerseelen im Jahr 1998 die Split-Single „Käferlied/ The March of Brian Boru“. Dieser Moynihan berichtete in einem Interview mit dem Magazin „No longer a Fanzine“: „Einerseits denke ich, dass die Zahl 6 Millionen nur zufällig und ungenau und wahrscheinlich eine grobe Übertreibung ist. Ich habe revisionistische Bücher gelesen, die gut gegen den Holocaust- ‚Kanon’ argumentieren, und selbst die jüdischen Historiker verändern fortlaufend ihre Ansprüche. Doch mein Hauptproblem bezüglich der Revisionisten ist, dass sie von der Annahme ausgehen, das Töten Millionen unschuldiger Menschen sei als solches ‚böse’. Mehr und mehr neige ich zur entgegengesetzten Schlussfolgerung. Ich geriete nicht aus der Fassung, wenn ich herausfände, dass die Nazis jede ihnen zugeschriebene Grausamkeit begangenen hätten – ich zöge es vor, wenn es wahr wäre“.

Kritik an seiner Ideologie, die er mit seiner Musik transportiert, vergleicht Gerhard Petak alias Kadmon mit der Judenverfolgung im Dritten Reich. So formulierte er in einem Szene-Magazin: „Offenbar braucht jede Kultur ein Hexenmal, einen Judenstern. (…) Heute ist der Faschismusvorwurf gegen die industrielle Musik und Dark Wave ein Judenstern. (…) Die Judensterne sehen heute anders aus, es sind ariosophische völkische Zeichen, Runen, Thorshammer, Kruckenkreuz, Hakenkreuz.“ [Black 14/1998]

Zusätzlich neben der Band Allerseelen nutzte Gerhard Petak die Zeitschrift „Aorta“, die er später in „Ahnstern“ umbenannte als Möglichkeit, um seine Ideologie zu verbreiten. In den beiden Publikationen findet sich ein obskurer Mix aus Heidentum, Nazi-Esoterik und völkischem Denken. Neben Huldigungen an die bereits genannten Julius Evola und Corneliu Z. Codreanu, veröffentlichte Petak hier u.a. Artikel über sog. Flugscheiben, die als „geheime Wunderwaffen“ der Nazis verklärt werden. Nach gerade in rechtsextremen Kreisen weit verbreiteten Theorien seien diese Flugscheiben u.a. in Neuschwabenland, einem Gebiet in der Antarktis, das in den Jahren 1938 und 39 Ziel einer SS-Expedition gewesen ist, stationiert worden. Eine „Rest-SS“ hätte sich bis 1955 in Neuschwabenland aufgehalten. „Neuschwabenland“ ist im Übrigen auch der Titel einer Allerseelen-CD. Gerade die Tatsache, dass der vermeintliche Konstrukteur dieser Nazi-Flugscheiben mit dem mittlerweile verstorbenen Andreas Epp ein Rosenheimer gewesen soll [siehe u.a. Oberbayerisches Volksblatt vom 22.12.2004, S. 12], erscheint das Konzert von Allerseelen bzw. von Gerhard Petak samt seines Faibles für Neuschwabenland und Flugscheiben in Rosenheim in einem ganz besonderen Licht.

In der Publikation „Musik-Mode-Markenzeichen“ des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes wird Gerhard Petak mit seiner Band Allerseelen selbst erwähnt. Petak, außerdem Autor in diversen rechtsextremen Theorieorganen, wie „Staatsbriefe“, „Opposition“ und „Junge Freiheit“, wird eine „Affinität zum Rechtsextremismus“ attestiert. Weiter heißt es hier, dass „Allerseelen“ einer der Bands dieses Musikgenres sei, die seit Anfang der 1990er Jahre „NS-Symbolik aufgegriffen und positive Bezüge zu Leitfiguren des Rechtsextremismus hergestellt“ habe.

Die Band Allerseelen um ihren Kopf Gerhard Petak ist einer der führenden Protagonisten, die das Musikgenre Dark Wave nutzen um ihre rechtsextreme Ideologie zu transportieren. Seit Anfang der 1990er Jahre ist in der Dark-Wave-Szene, aber auch in anderen Subkulturen, zu beobachten, dass neu-rechte Akteure bemüht sind, ihre rechtsextreme Ideologie zu verbreiten. Ansatzpunkte in der „schwarze Szene“ sehen diese durch angeblichen Mystizismus, Irrationalismus sprich Heidentum und Esoterik, Anti-Modernes-Denken, das sich in positiven Bezügen auf Mittelalter und Romantik äußert, und letztendlich durch ein in der Szene weit verbreitetes elitäres, antiegalitäres Selbstverständnis. Auch in diversen Verfassungsschutzberichten der letzten Jahre wurde auf diese Ausbreitungsversuche in der Dark-Wave-Szene mit Besorgnis hingewiesen. So heißt es beispielsweise im Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen aus dem Jahre 2003, dass „der Versuch, Musik mit rechtsextremistischen Inhalten oder mit einem solchen Hintergrund in einer Subkultur zu verankern, nur in solchen Bereichen Erfolg versprechend (sei), wo Anknüpfungspunkte und Schnittmengen mit rechtsextremistischem Gedankengut und Symbolen feststellbar sei. Die Jugendszenen des Black Metal und des Dark Wave können Anknüpfungspunkte und Schnittmengen mit rechtsextremistischem Gedankengut bieten.“ [VS-Bericht NRW 2003, S. 40]

Vor dem Hintergrund dieser hier gelieferten Informationen über die Band Allerseelen fordern wir Sie – die Betreiber – des Club „Blackout“ auf, das Konzert mit Allerseelen abzusagen. Vorbild können hier die Vermieter – das Hotel Hilton – eines Veranstaltungsortes in der Bremer Innenstadt sein, die ein Konzert mit den Bands Allerseelen und Belborn aus Rosenheim kurzfristig, nachdem sie über den Charakter dieses „Events“ informiert worden sind, abgesagt haben.

Mit freundlichen Grüßen

i.A, Michael Kurz

AK Antifaschismus Rosenheim
GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) Jugendvertretung
Grüne Jugend Rosenheim (www.gruene-jugend-rosenheim.de)
Infogruppe Rosenheim (www.infogrupperosenheim.tk)
Trümmernacht (www.truemmernacht.com)

Quelle: a.i.d.a.

Sommernachtstraum

Trotz antifaschistischer Öffentlichkeitsarbeit fand am 31. Juli 2004 das extrem rechte Dark Wave-Konzert „Mitternachtsberg-Fest“ in der Burg Vondern in Oberhausen (NRW) statt.

Als Veranstalter trat der „Forsite-Verlag“ [Trojaburg Versand] auf. Dieser gehört dem 31-jährigen Dennis H. Krüger aus Bottrop. In seinem Verlagsangebot zu „Frühgeschichte-Mythologie-Esoterik“ sind einschlägige Standardwerke der nationalsozialistischen „Rassenkunde“ ebenso zu finden wie die Werke der völkischen Antisemiten Guido von List und Jörg Lanz von Liebenfels. Aufgrund seiner häufigen Teilnahme an neonazistischen Demonstrationen wird Krüger von der örtlichen Antifa der neonazistischen Szene im Ruhrgebiet zugerechnet.

Aufgetreten sind die Neo-Folk-Bands „Cawatana“ (Ungarn) und „Lux Interna“ (USA) sowie die österreichische Formation „Allerseelen“. Angekündigt wurde diese Gruppe um den extrem rechten Esoteriker Gerhard Petak lediglich unter dem Namen „Aar“ – zu groß war scheinbar die Sorge vor der kritischen Öffentlichkeit hinsichtlich der seit Jahren formulierten Kritik an der Band und dem Musiker. Jüngst erst steuerte „Allerseelen“ einen Song zur Compilation „Wir rufen Deine Wölfe“ bei, die dem Begründer des „Neuen Nationalismus“ und Kämpfer gegen die Weimarer Republik Friedrich Hielscher gewidmet ist. Die CD wurde im übrigen auf dem Label „Aorta“ von Petak veröffentlicht, die LP-Fassung auf „Ahnstern“, einem Sublabel von „Steinklang Records“ (Österreich).

Nachdem die örtliche Presse berichtet hatte, versuchte der Vermieter, der „Förderkreis Burg Vondern“, den Vertrag zu kündigen, scheiterte aber an juristischen Schwierigkeiten. Auch die Stadt fand keinen Grund, die Genehmigung für das Konzert zurückzunehmen, engte aber über Auflagen den Veranstaltungsrahmen ein.

Letztendlich fanden nur ca. 60 zahlende Gäste den Weg zur Burg. Der angekündigte „Mitternachtsberg“ wurde nicht erreicht, denn pünktlich um 22 Uhr musste das Konzert beendet sein. Verfassungsfeindliche Symbole wurden, wie sonst auf vielen derartigen Veranstaltungen üblich, hier nicht zur Schau gestellt. Die Präsenz der Polizei sorgte wohl für dieses verhaltende Auftreten. Unscheinbar am Rande platziert wurden Interessierten lediglich die aktuellen Ausgaben der Magazine „Zinnober“ und „Wolfszeit“ sowie ein paar CDs angeboten.

Um die Burg herum hielt sich eine Hundertschaft der Polizei auf. Sowohl in der verhältnismäßig zahlreich anwesenden Security als auch unter den Gästen befanden sich einige Neonazis aus dem Ruhrgebiet. Als geschäftsfördernden Einstand im neuen Metier der Konzertveranstaltungen dürfte dieser Abend für den Veranstalter jedenfalls mächtig daneben gegangen sein.

von Jochen Koblinski

dieser Artikel erschien im Rechten Rand Nr. 90

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Im folgenden dokumentieren wir einen aktuellen offenen Brief der antifaschistischen Zeitung „Lotta“ und des Antifaschistischen Bündnisses Oberhausen (ABO):

Offener Brief

An:

- Stadt Oberhausen – Der Oberbürgermeister u.a.

- Förderkreis Burg Vondern e.V.

Nachrichtlich an:

- Regionale Presse

- Lokale Parteien, Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen


Konzert der extremen Rechten auf Burg Vondern?

Oberhausen, 29. Juli 2004

Sehr geehrte Damen und Herren!

Am übermorgigen Samstag, 31. Juli 2004, soll laut Einladung des Veranstalters „im Burghof der Burg Vondern / Oberhausen (Ruhrgebiet)“ ein so genanntes „Mitternachtsberg-Fest“ stattfinden. Diese Veranstaltung wird von Aktivisten der extremen Rechten organisiert.

Bei dem Event handelt es sich um ein musikalisch der Darkwave- bzw. Gothic-Szene zuzuordnendes Konzert. In dieser auf Individualität, Romantik und religiöse Sinnsuche ausgerichteten Szene existiert seit einigen Jahren auch ein kleiner rechter Bereich. Dieser ist jedoch weder inhaltlich noch von seinem Äußeren her z.B. mit der rechten Skinhead-Szene vergleichbar.

Hier wird Individualität zu Elitedenken erhöht, romantische Retrospektiven wandeln sich zu einer Ablehnung der Moderne inklusive der Ablehnung des demokratischen Denkens.

Auch in den Kreisen der extremen Rechten, z.B. der „Neuen Rechten“ wird versucht, die Darkwave-Szene zu agitieren und den rechten Teil dieser Szene zu fördern und daraus Nutzen zu ziehen. Sei es seitens der rechtsintellektuellen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ oder Werner Symanek, der bis vor kurzem in Oberhausen seinen extrem rechten Versand VAWS betrieb1.

Auch bei dem „Mitternachtsberg-Fest“ existiert ein solcher Hintergrund und es lassen sich Verbindungen zur extremen Rechten nachweisen. Als Veranstalter wird der „Forsite-Verlag“ genannt. Über diesen in Bottrop ansässigen Verlag können auch die Eintrittskarten bezogen werden.

Dass es sich hierbei um einen der extremen Rechten angehörigen Verlag handelt, zeigt schon ein kurzer Blick in sein Internet-Angebot2. In nahezu jedem Bereich des Angebots finden sich Vertreter der extremen Rechten, sogar des Nationalsozialismus. Im Bereich „Frühgeschichte“ wird z.B. die

„Rassenkunde des deutschen Volkes“ von Hans F. K. Günther angeboten und als „gründliche Untersuchung des bekannten Wissenschaftlers zur Eugenik“ gepriesen.

Bei dem Werk handelt es sich um ein Standardwerk der nationalsozialistischen „Rassenkunde“. Ebenfalls in diesem Bereich wird „Die symbolhistorische Methode“ des Gründers der SS-Forschungsorganisation „Ahnenerbe“, Herman Wirth, beworben. Im Bereich der „Kelten & Indogermanen“ wird Karl Penkas: „Die Herkunft der Arier“ angepriesen, unter „Mythologie“ die Werke „Guido von List: Die Armanenschaft der Ariogermanen“ und „Jörg Lanz von Liebenfels: Theozoologie“. Bei List und Liebenfels handelt es sich um äußerst rassistische und antisemitische Mystiker der vorvorigen Jahrhundertwende, die als Vordenker des NS bezeichnet werden können3. Ebenfalls im Angebot zu finden sind die Schriften der neuheidnischen „Goden“ und „Armanen“, welche in der Fachliteratur als extrem rechts gewertet werden4.

In der Rubrik „Zeit-Schriften“ wird u.a. auch die Folge 2/1997 des Heftes „Sol Invictus“ angeboten. Das Heft zum Thema „Mitternacht“ umfasst nach Angaben des Verlages „Texte zum Mythenkomplex Mitternachtsberg -Schwarze Sonne – Lichtbringer – Thule u.a Auszüge aus Wilhelm Landig, Julius Evola, Otto Rahn, Kurt Eggers, Rudolf Mund, Werner von Bülow.“ Das Titelblatt der Publikation ist mit einem Foto der „Schwarzen Sonne“, einem von der SS entworfenen Bodenmosaik aus der Wewelsburg, gestaltet. Diese Wewelsburg sollte unter Leitung von Reichsführer SS Heinrich Himmler zur Ordensburg der SS ausgebaut werden und der mystische Mittelpunkt der Welt werden.

Bei den Personen, deren Texte abgedruckt sind, handelt es sich durchweg um Personen, die mit dem Faschismus bzw. dem Nationalsozialismus in Verbindung stehen, so z.B. um den italienischen Mussolini-Berater und antidemokratischen Theoretiker Julius Evola, dem Dichter der SS Kurt Eggers, den SS-Mystikern Otto Rahn und Rudolf Landig.

Es ist naheliegend, dass dieser Personenkreis und dieses Themenheft auch den ideologischen Hintergrund des angekündigten „Mitternachtsberg-Festes“ bilden und es sich bei diesem „Fest“ mitnichten um ein harmloses Konzert handelt.

Zumal sich auch die angekündigten Bands des Abends in einem Spektrum bewegen, die eben jenen Ideologen huldigen. Womit hier nicht gesagt werden soll, dass es sich bei den Bands zwingend um extrem rechte Formationen handeln muss.

Angekündigt sind die Bands folgendermaßen: „Aar (Apocalyptic-Folk Österreich), Cawatana (Neo-Folk/Ungarn), Lux Interna (Neo-Folk/USA)“. Zumindest die beiden Bands „Cawatana“ und „Lux Interna“ veröffentlichten ihre CDs beim Dresdner Label „Eis & Licht“. Bei diesem Label von Stephan Pockrandt handelt es sich um das wichtigste Label in Deutschland, welches rechte Einflüsse im Darkwave fördert. Pockrandt etablierte als Herausgeber die rechte Musikzeitschrift „Sigill“ (später „Zinnober“), welche eine Mischung aus Ideologie und Musik darbot5. In diesem Spannungsfeld bewegen sich auch die Bands, so ist „Cawatana“ mit einer Version des Gedichtes „Michelsgebet/Wir rufen Deine Wölfe“ von Friedrich Hielscher auf dem Sampler „Wir rufen deine Wölfe“ vertreten. Hielscher, einer der Begründer des „Neuen Nationalismus“ und Kämpfer gegen die Weimarer Republik, wird auf dieser Compilation von extrem rechten Bands wie „Blood Axis“, „Waldteufel“ und „Turbund Sturmwerk“ interpretiert.

Es steht zu befürchten, dass sich der extrem rechte „Forsite-Verlag“ mit dem Konzert am 31. Juli präsentieren möchte, dort gar extrem rechte Literatur etc. angeboten wird. „Daneben erwartet Sie ein Bücher-/Tonträger-Verkauf“ heißt es in der Einladung.

Inhaber des „Forsite-Verlages“ und damit Veranstalter des Konzertes ist der 31-jährige Dennis Henry Krüger, früher in Duisburg, dann in Mülheim/Ruhr und heute in Bottrop wohnhaft. Er gehört seit langen Jahren der nazistischen Szene an und war bereits häufig auf neonazistischen Aufmärschen anzutreffen, so z.B. in Dortmund, Bottrop, Frankfurt am Main, Hagen und in vielen anderen Städten. Er wird dem Kreis um die neonazistische Zeitschrift „Der Förderturm“ (FT) zugerechnet6, die zunächst im Ausland, dann in Duisburg, später in Mülheim/Ruhr erschien und aktuell über eine Bottroper Adresse zu beziehen ist. Auch der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz stuft diese Postille als neonazistisch ein und spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer „in dieser Weise noch nie da gewesene[n] kämpferische[n] Aggressivität, was die Durchsetzung der neonazistischen Ziele angeht“7.

Wir gehen davon aus, dass Ihnen diese Hintergründe bisher nicht bekannt waren. Wir bitten Sie hiermit höflichst und fordern Sie gleichzeitig nachdrücklich dazu auf, das Ihrige zu tun, damit das Konzert nicht stattfinden kann.

Für Rückfragen steht Ihnen ein Vertreter des „Antifaschistischen Bündnis Oberhausen“ (ABO) heute und morgen von jeweils 14.00 bis 16.00 Uhr unter der Telefon-Nummer 0208 / 23037 zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Jan Brüsser (i.A. der Absender/innen)

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Laut einer Meldung der Neuen Rhein Zeitung (NRZ) Oberhausen vom 30.7.04, sieht die Stadt keine Möglichkeit, die Genehmigung zurückzuziehen.

Mehr Infos gibts bei der Lotta.

Quelle: Turn it down

  1. Zu VAWS siehe: Martin Dietzsch/Helmut Kellersohn/Alfred Schobert: Jugend im Visier, Duisburg 2002, Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, S. 57 ff. [zurück]
  2. hXXp ://forsite-verlag.de [zurück]
  3. Vgl. Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Graz 1997 [zurück]
  4. Vgl. Jens Mecklenburg: Handbuch deutscher Rechtsextremismus, Berlin 1996, S. 368, 372 [zurück]
  5. Vgl. zu dem gesamten Bereich: Andreas Speit: Ästhetische Mobilmachung. Dark Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien, Münster 2002 [zurück]
  6. Vgl. JD/JL Duisburg: Duisburg – rechts um!? Neonazismus im Großraum Duisburg/Oberhausen, Duisburg 2002, S. 60-64, sowie: Der Rechte Rand, Nr. 88, Mai/Juni 2004, S. 9 [zurück]
  7. Innenministerium des Landes NRW: Verfassungsschutzbericht des Landes NRW über das Jahr 2003, S. 34. Siehe auch WAZ Lokalausgabe Bottrop vom 08.02.2003: „Volksverhetzung bleibt jetzt doch ungesühnt“. Bei dem Halter des dort genannten Fahrzeuges, in dem Neonazi-Material transportiert wurde, handelte es sich um Dennis Henry Krüger, sein damaliges Autokennzeichen: DU-FT 1488, wobei „FT“ hier für „Förderturm“ stehen dürfte, die „14″ als Code für eine neonazistische Formel dient, die aus 14 Wörtern besteht („14 words“: „We must secure the existance of our people and a future for white children“) und die „88″ für „Heil Hitler“ (die „8″ für den 8. Buchstaben im Alphabet, also das „H“) steht. [zurück]

Zum abgesagtem VAWS-Festival in Kärnten/Koroska 2004

VAWS geht unter in Kärnten/Koroska

Durch entschlossenen Widerstand von AntifaschistInnen konnte das vom 9. bis 11. Juli geplante, „Heiliges Österreich“ genannte Festival des rechtsextremen deutschen VAWS-Verlages in Kärnten/Koroska verhindert werden. Während die Band „Von Thronstahl“ des Antisemiten und VAWS-Mitarbeiters Josef Maria Klumb auf ihrer Homepage von einem „Untergang“ spricht, sehen die kärntner Behörden das „wahre Gefahrenpotential“ bei den AntifaschistInnen.

Gestern war es dann offiziell – der VAWS-Verlag sagte das Festival komplett ab. Schon vor Wochen wurden Verlagsleiter Werner Symanek und seine braunen FreundInnen aus der anfänglich angemieteten Location, der Burg Glanegg bei Feldkirchen ausgeladen. Am 29. Juni plärrte „Von Thronstah“-Leader Josem Klumb in einem französischen Internetforum, dass es ein „Krieg“ wäre, den die Grünen gegen das Festival führen würden, obwohl die österr. Grünen nur eine von vielen Gruppen und Einzelpersonen waren, die gegen das Festival mobil machten. „its an horror“ schreibt Klumb da im, naja, nicht ganz lupenreinen Englisch.

Am Donnerstag, dem 8. Juli sagte der VAWS das Fest (in weiser Vorraussicht?) auf seiner Internetseite schon mal ab, die KarteninhaberInnen erhielten jedoch ein Schreiben in dem darauf hingewiesen wurde, dass es sich bei der Meldung um ein Fake handelt. Ebenfalls am 8. Juli fand dann in Klagenfurt/Celovec eine antifaschistische Demo gegen das Fest statt, an der sich ca. 150-200 Menschen beteiligten. Einen Bericht dazu gibts hier nachzulesen.

Im laufe der folgenden Stunden wurde es immer klarer, dass das Konzert in der Nähe des Oberkärntner Städchens Spittal stattfinden soll, also meldeten AktivistInnen der Grünalternativen Jugend (GAJ) am Nachmittag des 9. Juli am Spittaler Burgplatz kurzfristig eine kleine Gegenkundgebung an, bei der über die rechten Machenschaften des VAWS informiert wurde, Redebeiträge vorgelesen wurden etc. etc. (ein Dankeschön hiermit an die Aktiven in Spittal! :-) ) Mittlerweile wurde klar, dass das Konzert als private Geburtstagsfeier im der 2000-Seelen-Örtchen Obervellach bei Spittal getarnt wurde, laut „Kärntner Tageszeitung“ waren sowohl eine deutsche als auch eine italienische Band gerade dabei ihre Anlage aufzubauen, als sie von der Polizei daran gehindert wurden. Für die Nazis war also zusammenpacken angesagt, nix mit Festival. Leute wären wahrscheinlich eh keine gekommen, aufgrund des Stresses mit Behörden und AntifaschistInnen stornierten viele Fans ihre Karten, von den angekündigten Bussen aus Berlin und Oberhausen schaffte es wegen mangelnder Nachfrage keiner auch nur einen Meter weit.

Für den VAWS-Verlag bedeutet das einen schweren Schlag, insbesondere in finanzieller Hinsicht. Wie aus einer ziemlich beleidigt klingenden Verlautbarung der Band „Von Thronstahl“ rauszulesen ist, ging organisatorisch so ziemlich alles den Bach runter, was möglich war. „Es war schlichtweg die alte Misere des rechten Nachschubs zur rechten Zeit am rechten Ort, an welchem es mangelte. Wir wurden aus den eigenen Reihen und Führungsriegen wieder mal so dermaßen im Frontregen stehen gelassen, daß der Zusammenbruch unabwendbar wurde und hiermit kundgetan sei.“ ist nur eines der Zitate, die in der Meldung mit dem Namen „Wir kapitulieren nicht, wir gehen unter!!“ der/dem AntifaschistIn mehr als nur ein grinsen ins Gesicht zeichnen, schon allein weil nachzulesen ist, dass viele Menschen aufgrund des Antifa-Widerstandes die hosen Voll hatten und daheim geblieben sind. Zur feier des Tages noch ein Zitat von Josem Klumb und Co.: „Wir hatten Visionen, Kraft und Mut, aber offenbar doch keinen Rückhalt. So scheiße zu scheitern, das ist Tragik.“

Die Polizei interessierte das Festival anfangs natürlich ziemlich wenig, wollte sie wie es ausschaut doch auf eine „still sein, damit nix an die Öffentlichkeit dringt“-Taktik setzen. Erst als AktivistInnen die Presse informierten, rechtfertigten sich die Bullen damit, dass sie schon „seit Wochen“ irgendwelche komischen Gegenstrategien in Petto haben, ob ein völlig hilfloser Anruf in die Redaktion der „Kleinen Zeitung“ („habt ihr vielleicht irgendwelche Infos?“) auch zu dieser hochprofessionellen Gegenstrategie gehört…?

Jedenfalls scheinen Sicherheitsdirektor Slamanig und seine Mannen nun die wirklichen TäterInnen gefunden zu haben, nämlich „die Antifaschisten“. Dort läge das „wahre Gefahrenpotential“, der VAWS-Verlag war noch einen Tag vor dem Festival laut Polizei nur „mutmaßlicher“ Veranstalter, es wurde kein „rassistisches oder Militantes verhalten“ festgestellt und siehe da: Es gab entwarnung. Eh nicht so schlimm, nur ein paar rechte Grufties, Hauptsache schönes Wetter. Die Kronen Zeitung, öserreichs größtes Boulevardblatt, übernahm die Darstellung der Polizei ein zu eins.

Übrigens noch was interessantes: Der Kärntner Landtag sprach sich am Dienstag, dem 6. Juli einstimmig gegen die Durchführung des VAWS-Festes aus. Sogar Haiders FPÖ war dabei, laut Information der grünen Landtagsabgeordneten Barbara Lesjak aber unfreiwillig, da bei der Causa VAWS im Landtag halt (wie schon den ganzen Tag lang) der Einfachheit halber halt die Hand gehoben wurde, zugehört hat in den Abendstunden, als der Antrag seitens der SPÖ eingebracht wurde, eh keiner mehr. „Sowas interessiert uns nicht, wenn nicht darüber geredet wird, dann bekommen sie auch keine Publicity“ war die Aussage eines FPÖ-Abgeordneten.

Da ist es natürlich nicht verwunderlich, dass sich der VAWS aufgrund der politischen Lage in Kärnten „weniger Stress“ erwartet hat.

mehr unter: http://www.noborder.at.tt/

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VAWS-Fest in Kärnten/Koroska

Der VAWS-Verlag des deutschen Rechtsextremisten Werner Symanek plant vom 9. bis 11. Juli ein Fest unter dem Motto „Heiliges Österreich“ im österreichischen Kärnten/Koroska (sprich: „Koroschka“). Das Konzert sollte im April eigentlich schon in Oberösterreich stattfinden, wurde dort jedoch behördlich untersagt. Dass Symanek und Co. jetzt ausgerechnet in Österreichs südlichstes Bundesland ausweichen, ist nicht wirklich verwunderlich.

ein kurzer Rückblick auf den April diesen Jahres:

Zwischen dem 23. und 25. April sollte das Festival stattfinden, höchstwahrscheinlich im Wasserschloss Aisterheim, eine Bestätigung für diesen Ort gab es aber nie. Kurz nachdem bekannt wurde, dass das Konzert abgehalten werden sollte, gründete sich eine Antifa-Initiative mit dem ziemlich streitbaren Namen „haltet Österreich sauber“, die gegen das Konzert agitierte, es folgte eine Presseaussendung des Welser Infoladens, in dem die Behörden angefordert wurden für ein Verbot des Festes zu sorgen.

Die beiden Antifa-Gruppen hatten zwar sicher wenig damit zu tun, aber das Fest wurde, nachdem Berichte in der Lokalpresse auftauchten, dann wirklich behördlich verboten, schon allein weil Symanek sich nicht mal bemühte eine für eine Veranstaltung dieser Größenordnung erforderlichen behördlichen Auflagen zu erfüllen. Ein anderer, weitaus gewichtigerer Grund war ein Neonazi-Konzert im oberösterreichischen Vorchdorf, bei dem im August letzten Jahres an die 1000 Faschos ungestört feiern konnten. Nochmal wollte die Polizei sowas nicht durchgehen lassen, Oberösterreich blieb verschont vom VAWS-Festival.

Als vor einigen Wochen dann bekannt wurde, dass das Festival nach Kärnten/Koroska verlegt wird, tat sich erst mal – nichts. Verwunderlich? Nicht wirklich, doch dazu noch später. Weder Antifas, Presse oder Behörden reagierten. Seit gestern ruft die Grünalternative Jugend (GAJ) als bisher einzige Gruppe zu Protesten gegen das Treffen auf. Der Aufruf der Gruppe befindet sich weiter unten im Beitrag, wo auch näher auf des VAWS-Verlag und die von ihm verlegten Bands eingegangen wird.

Aber was hat es damit auf sich, dass in Kärnten ein Fascho-Fest so stillschweigend hingenommen wird?

Es gibt einen alten Witz über Kärnten, der lautet „Kärnten ist wie ein Punschkrapfen – aussen rot und innen braun“. Praktisch ohne Widerstand und mit sonst kaum zu beobachtender gesellschaftlicher Akzeptanz gibt es alle paar Wochen Aufmärsche der beiden führenden kärntner rechtsextremen Organisationen, dem „Kärntner Abwehrkämpferbund“ (KAB) sowie dem „Kärntner Heimatdienst“ (KHD). Beide Organisationen werden vom Land Kärnten großzügig gefördert, eine Mitgliedschaft bei einem der Vereine ist auf jeden Fall Karrierefördernd. Hauptziel beider Vereine ist in erster Linie die Vernichtung der slowenischen Minderheit.

Gerne wird Kärnten auch seine Täterrolle im zweiten Weltkrieg abgesprochen, so steht in so gut wie jeder Gemeinde ein Denkmal für die „Opfer der Partisanen“ oder für die „Gefallenen Kameraden“, die fürs „deutsche Heimatland“ gefallen sind.

Am alljährlichen berühmt-berüchtigten Ulrichsbergtreffen (vergleichbar mit dem Gebirgsjäger-Treffen in Mittenwald, nur weitaus größer) beteiligen sich tausende Leute, in den letzten Jahren auch zunehmend junge Neonazis aus Deutschland (vom strammen Scheitelträger bis hin zum Prügelskin ist da alles dabei). Dass sich Landeshauptmann Jörg Haider an den meisten dieser Aufmärsche beteiligt ist natürlich ehrensache.

Ob sich gegen das VAWS-Fest kraftvolle, radikale Proteste organisieren lassen ist mehr als fraglich. Bei einer Demo gegen eine Kundgebung des KAB am 2. Mai beteiligten sich gezählte 11 AntifaschistInnen und das bei groß angelegter Mobilisierung. Das VAWS-Fest ist sowohl für den Großteil der kärntner Bevölkerung und natürlich erst recht für die Behörden etwas „normales“, etwas wofür mensch sich wundert, warum dagegen überhaupt demonstriert wird. Wirklich große Proteste gab es in Kärnten Beispielsweise dagegen, das kärntner-slowenische Partisanen ein Ehrenabzeichen der österreichischen Republik verliehen bekamen…

Der Ort des VAWS-Festes ist wie gesagt immer noch unbekannt. Es wäre schön, falls sich UnterstützerInnen aus „übrige Welt“ melden würden, die Infos haben oder in sonstwelcher Art und Weise die Proteste unterstützen wollen.

Hier der Aufruf, der für die Proteste raus ist:

Kärnten – Wo die Nazis feiern gehn

Vom 9. bis 11. Juli plant der rechtsextreme VAWS-Verlag ein Festival unter dem Motto „Heiliges Österreich“ in Kärnten/Koroska, der genaue Ort ist noch unbekannt. Eigentlich sollte es ja schon ende April in Oberöterreich stattfinden, es wurde jedoch ein behördliches Verbot verhängt. Nun wollen die Nazis dorthin ausweichen, wo sie sich schon seit Jahrzenten wohl fühlen. Ins Land vom Ulrichsbergtreffen, Abwehrkämpferbund und Heimatdienst: Nach Kärnten.

Was ist der „VAWS“?

VAWS steht für „Verlag und Agentur Werner Symanek“, ist im deutschen Duisburg ansässig und gehört, wie der Name schon sagt, einem gewissen Herrn Symanek (mehr über ihn weiter unten). Auf der ersten Blick möchte mensch denken, es handle sich um einen Gothic-Versand, wie es sie so viele gibt. Bei näherer Betrachtung fällt dem/der BetrachterIn die neonazistische Einstellung des VAWS auf. Zum einen wurde Symanek wegen Volksverhetzung geklagt, sein Verlag steht unter Beobachtung des deutschen Verfassungsschutzes. Symanek gehört schon seit Jahren zur internen Struktur der „Unabhaengigen Freundeskreise“(UFK). Die UFKs sind wohl eine der ältesten, wichtigsten und einflussreichsten Kadergemeinschaften der NS-Szene. Sie verfügen über zahlreiche Unterorganisationen und beste Verbindungen zur rechten Terrorszene. Im Internet verbreitet Symanek eine Reihe von antisemitischen, rassistischen und Shoa-verharmlosenden Schriften und CDs, unter anderem eine Tribut-CD zu „Ehren“ von Nazi-Filmerin Leni Riefenstahl.

Spiel mir das Lied vom Tod

Auch die durch VAWS verlegten Bands sind keine unbekannten in der rechten Szene. Selbstredend sollen einige von ihnen auch auf dem „Heiliges Österreich“-Festival auftreten. Beispiele gefälligst? Bitte!

Forthcoming Fire:

Der Hauptact von „Heiliges Österreich“. Sänger dieser im deutschen Bingen entstandenen Band ist Josef Maria Klumb. In den 70ern und 80ern noch in der Punkszene aktiv, vollzieht er einen Wandel hin zur Gothic/Dark Wave Szene, gründet 1990 „Forthcoming Fire“ und ist in u.a. an den Musikprojekten „Von Thronstahl“ und „Weissglut“ beteiligt. Ab 1994 ist Klumb angestellter beim VAWS-Verlag. Tritt als Autor der rechtsextremen Zeitschrift „Sleipnir“ in Erscheinung. In Interviews faselt er von der „jüdischen Weltverschwörung“, bezeichnet die 1945 erfolgte Befreiung vom Nazifaschismus als „Vergewaltigung der Volksseele“, spricht im Interview mit der rechtsextremen „Jungen Freiheit“ von „der Reinheit und dem Lichtgehalt der Nation“ und ist „kein Freund von Multi-Kulti und Vermischung“.

Death in June:

Werden in Kärnten/Koroska zwar nicht auftreten, sind in Nazi-Kreisen aber auch keine unbekannten. Mit ihrem Namen spielt die 1981 gegründete Gruppe um Douglas Pearce auf die Ausschaltung der SA im Juni 1934 an. »Auf der Suche nach einer zukünftigen Perspektive stolperten wir über den nationalistischen Bolschewismus, der sich wie ein Leitfaden durch die Hierarchie der SA zog«, gab Röhm-Fan Pearce im „Zillo“ (Nr. 5/1992) zum Besten. Mit Nazi-Symbolik hat Pearce keine Probleme: Der SS-Totenkopf dient als Bandsymbol und soll für »den totalen Glauben und die Hingabe« an das Projekt stehen. 1992 besuchte Pearce während des Bürgerkrieges in Ex-Jugoslawien das Hauptquartier der kroatischen HOS-Miliz, die sich in der Tradition der mit NS-Deutschland verbündeten Ustascha sieht. (Text geklaut aus „Jungle World“, Ausgabe 23 Jahrgang 2000 – www.jungle-world.de)

Allerseelen:

Bandprojekt des Österreichers G. Petak alias Kadmon. Verharmlost die medizinischen „Experimente“ der Nazis als „bloße Gewalttaten“, mit denen der Himmler-Berater Wiligut (dessen „mystische Liebeslieder“ Petak übrigens auch vertont hat) nie etwas zu tun gehabt habe.

Urlaub bei Freunden

„Nazis raus!“ – eine weit verbreitete Parole, die auf Antifa-Demos immer wieder gerufen wird. An sich ist es natürlich richtig und wichtig mit der Forderung Nazis keinen Raum zu geben an die Öffentlichkeit zu treten, trotzdem sollte aber gerade in Kärnten bedacht werden, welche gesellschaftliche Akzeptanz rechtsextremen Ideologien in diesem Land gegenübergebracht wird. Es ist nicht einfach eine rechtsextreme „Invasion“ aus Deutschland, die mittels des VAWS-Festes über Kärnten brausen wird. Vielmehr ist Kärnten der Ort, wo sich RechtsextremistInnen aller Lager wohlfühlen und mit finanziellen Mitteln des Landes großzügig gefördert werden. Jedes Jahr treffen sich Beispielsweise tausende Jung und Altnazis unter der Patronanz von hochrangigen LandespolitikerInnen am klagenfurter Ulrichsberg um den „gefallenen Kameraden“ des SS und der Wehrmacht zu gedenken. Mit dem Kärntner Abwehrkämpferbund und seiner Schwesterorganisation, dem Kärntner Heimatdienst hat Kärnten zwei gesellschaftlich fast völlig integrierte Vereine (die MitgliederInnenzahlen gehen in die zehntausende), die schon seit Jahrzenten ein rassistisches, SlowenInnenfeindliches Klima schaffen, das in den 70er Jahren mit dem „Ortstafelsturm“ genannten Ortstafelpogrom seinen vorläufigen Höhepunkt fand. Kein Wunder, dass Oberkamerad Jörg Haider ein überall gern gesehener Gast und so ganz nebenbei noch Landeshauptmann ist. Deutschnationales Gedankengut ist Garant für Stimmenmaximierung bei SPÖ-ÖVP-FPÖ, teilweise auch bei den Grünen. Anstatt sich klar hinter den antifaschistischen Widerstand der slowenischen PartisanInnen zu stellen, wird in revisionistischer Manier eine Aufrechnung der Opferzahlen betrieben, ganz so als wäre der Holocaust in seiner grausamen Einmaligkeit mit irgendetwas anderem vergleichbar. Es gilt also nicht nur Werner Symanek seine Arbeit zu vermiesen, sondern insbesondere auch jenen, die glauben in Kärnten ein Braunes Eck gefunden zu haben, in dem sie ungestört ihre Hasserfüllte Ideologie verbreiten können: Dem KAB, dem KHD, der „deutsch-kärntner Volksgemeinschaft“ und in letzter Konsequenz dem Land Kärnten.

Sollen die VAWS-Nazis also „raus“ aus einem Land, das rechts bis ins Mark ist? Nein, ein Land das rechts bis ins Mark ist gehört verraten. Kärnten raus! Österreich Abschalten!

It’s time to act!

Was also tun? Wartet nicht darauf, bis „irgendwer was macht“. Organisiert euch selber, redet über Rechtsextremismus, plant Aktionen und lasst euch von niemenschen vorschreiben, wie ihr euren Widerstand artikulieren wollt. Eine befreite Gesellschaft ohne Faschismus braucht auch freie Individuen, die nicht darauf warten, bis ihnen jemensch sagt, was zu tun ist.

Dezentral, hierarchiefrei, kreativ und offensiv gegen Nazis. Wer zuschaut ist selber schuld.

Grünalternative Jugend (GAJ) Kärnten/Koroska

Quelle: Turn it down

Black nach rechts

Das Darkwave-Magazin Black lobt neuerdings den rumänischen Faschisten Corneliu Codreanu und übt sich in rechten Statements.
von christian dornbusch und andreas speit

Fetisch- und SM-Fotos sowie Friedhofsszenen werden mit Vorliebe auf den Covern von Fanzines der Darkwave-Szene abgedruckt. Nur geheimnisvoll muss es aussehen. Man kann die einschlägigen Heftchen inzwischen fast an jedem Bahnhofskiosk kaufen. Eines von ihnen heißt Black und gehört zu den bekannteren Publikationen.

Schon seit 1995 schreibt die Black-Redaktion über »Industrial, Noise, Electro, EBM, Neofolk, Dark-Ambient, Synthie-Pop and more«. Das Konzept des Chefredakteurs Thomas Wackert ist erfolgreich. Inzwischen ist das Underground-Magazin aus der subkulturellen Nische herausgetreten und erscheint in einer Auflage von 5 000 Exemplaren. Selbst in den Filialen von World of Music (WOM) kann Black erworben werden.

In den mehr als 100 Seiten umfassenden Ausgaben von Black waren direkte politische Statements bisher kaum zu finden. Warum auch, schließlich sollte es ja um Musik gehen, um die Subkultur. Doch das hat sich nun geändert.

Bereits Ende des Jahres 2000 übernahm Dominik Tischleder, ein Politikstudent aus Trier, eine Redakteursstelle bei Black. In der Frühjahrsausgabe dieses Jahres rezensiert er den Sampler »Codreanu: Eine Erinnerung an den Kampf«, ein Machwerk zu Ehren des rumänischen Faschisten Corneliu Codreanu. Wohlwollend stellt Tischleder fest: »Die Eiserne Garde und Corneliu Codreanu bieten offensichtlich einer jungen Generation von heute den Stoff, aus dem Mythen sind. (…) Hier haben die Kulturkämpfer dieser Tage wirklich etwas besonderes geleistet, (…) jedes Projekt liefert das Beste«. Zum Weiterlesen empfiehlt er seinem Publikum Armin Mohlers »Der faschistische Stil«.

Tischleder hat mit Theoretikern der »neuen Rechten« offensichtlich keine Probleme, mit Antifas und den mit ihnen verbündeten »Grufties« jedoch um so mehr. »Die Frage ob ‚unsere Szenen‘ von (…) ‚Faschisten‘ oder gar von ‚Nazis‘ unterwandert wird, erhitzt schon lange die Gemüter«, hat er beobachtet. Oft würden »regelrechte Anklageschriften verfasst (…), um anschließend mit einem gewissen Timbre eine ‚glasklare Distanzierung‘ (…) zu verlangen«. Doch statt das »kultivierte Gespräch« zu suchen, werde mit »Schlagwörtern« und »emotionalen Kampfbegriffen wie ‚Faschismus‘ oder ‚rechts‘« zugeschlagen.

Denn »wer sich heute ‚Antifaschist‘ nennt«, der sei »entweder Vertreter einer extremistisch-sektiererischen Ideologie oder er/sie ist ein meist jugendlicher Mensch auf Identitätssuche«, meint Tischleder. Diese »ganze Gefühlsduselei« müsse endlich »einer rationalen Sichtweise Platz machen«. Über die VVN spottet er: »Sie gründen Organisationen mit lustigen Namen wie ‚Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten‘, wobei sie mit ‚Opfern‘ sich selbst meinen.«

»Im übrigen«, so behauptet der Kenner der Neofolk-Szene, sei »der Zusammenhang zwischen ‚Nouvelle Droite‘ und Neofolk vollkommen konstruiert«. Man müsste schon ein »Talent für Verschwörungstheorien mitbringen, um Künstlern finstere ‚metapolitische‘ Strategien zu unterstellen«, schreibt Tischleder und zitiert ausgerechnet den Cheftheoretiker der französischen Nouvelle Droite, Alain de Benoist, um seine Argumentation zu untermauern.

So offen rechtsextreme Töne wurden bisher bei Black nicht angeschlagen. Auch wenn das Blatt schon öfters teils zustimmend über den rechten Rand der Szene berichtet hat, sei es in Rezensionen von Platten einschlägig bekannter Bands oder in Interviews mit bekannten Rechten wie Stephan Pockrandt vom Zinnober-Magazin, Gerhard Kadmon von der Band Allerseelen oder Henryk Vogel von der Gruppe Darkwood. Aber das Magazin war immer um eine vermeintliche »Ausgewogenheit« bemüht.

Wohl um die Illusion dieser »Ausgewogenheit« aufrechtzuerhalten, präsentiert die aktuelle Ausgabe auch ein längeres Interview mit der Bremer Initiative Grufties gegen Rechts. Die Vertreter der Initiative sprechen über die Probleme der Szene mit rechten Tendenzen und merken an, dass sie sich auch vom Black etwas mehr »Zurückhaltung wünschen«.

Der Wunsch ist verständlich. Denn der rechtsextreme Vormarsch in der Schwarzen Szene geht trotz der inzwischen seit Jahren geführten Auseinandersetzungen munter weiter. Schon vor dem diesjährigen Wave-Gotik-Treffen, das über Pfingsten in Leipzig stattfand, kritisierten die Bremer Grufties den Auftritt der Bands Kirlian Camera, Stalingrad und Darkwood, die sie dem rechten Rand der Szene zuordnen.

In ihren Statements wollten die Bands glauben machen, dass sie weder rassistisch noch antisemitisch seien. So argumentierte Henryk Vogel, der Bandleader von Darkwood, dass sie sich als ein »reines Kunstprojekt« verstünden.

Die Songtexte der Band lassen jedoch andere Schlüsse zu. So heißt es in dem Lied »Mord und Lüge«, mit dem die Band auf der Compilation zu Ehren von Codreanu vertreten ist: »Aufrechter Blick, ein Herz voller Güte. Dem Freunde Freund, dem Feinde Tod. Entschlossen handeln für die Sache, den Kameraden Vater in jeder Not. Die Erde ihres Heimatlandes, für ihren Kampf ist sie das Blut, sei alles Gold vergessen. Die Tugend ist ihr höchstes Gut.«

Obwohl in diesen Zeilen der politische Charakter mehr als deutlich wird und bei vielen Zuhörern durchaus ankommt, was gemeint ist, betonen Bands wie Darkwood in der Öffentlichkeit fortwährend ihre »Harmlosigkeit«.

Doch ähnlich wie beim Magazin Black scheint es auch für die Veranstalter des Wave-Gotik-Treffens zur »Ausgewogenheit« zu gehören, rechte Bands zu präsentieren und rechtsextremen Unternehmen wie etwa der Firma Verlag und Agentur Werner Symanek (VAWS) Platz einzuräumen. Solange die nicht rechten Fans und Bands so etwas hinnehmen, dürfte sich daran auch nichts ändern.

Wenigstens einige Redakteure von Black haben inzwischen ihre Konsequenzen gezogen. Sie haben das Blatt aus politischen Gründen verlassen.

Von den Autoren ist soeben das Buch »Ästhetische Mobilmachung, Dark-Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien« im Unrast-Verlag erschienen.

Quelle: Jungle World