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Rechte Neofolk Konzerte in Halle

sol invictus Am 23.02.08 fand in der Palette ein Konzert mit den Bands „Barditus“ und „Triarii“ statt. Barditus ist das neue Musikprojekt von Uwe Nolte. Dieses Konzert und die am 23.03. und 30.04. werden vor allem auf Noltes Homepage beworben. Im Publi­kum befanden sich Menschen mit Braunhemden und Runen.
Am 23.03.08 (Ostersonntag) soll die Band „Sol Invictus“ und „Deutsch Nepal“ auftreten. Die Palette kündigt dieses Konzert als besonderen Tipp an und erwähnt die Biographie des Bandprojekts von Tony Wakeford auch richtig, dass er die umstrittene rechte Band „Death in June“ mitgründete. Dass Tony W. aus dieser Band 1984 ausgeschlossen wurde, da er Mitglied der rechtsextremen Partei National Front in GB war, wird nicht erwähnt.
Tony W. gründete dann das Projekt „Above the Ruins“ und beteiligte sich an dem Sampler „No Surrender! Volume 1″ mit dem Song „The Killing Zone“. Der Sampler wurde bei Rock`O`Rama 1985 veröffentlich. Weitere Bands auf dem Sampler waren „Skrewdriver“, „Ultima Thule“ und andere RAC (Rock against Communism) Bands. Ian Stuart spielte bei „Skrewdriver“ und gründete das Nazinetzwerk „Blood & Honour“. 1991 wurde der Sampler als Doppel-LP mit weiteren RAC/rechtsextremen Bands als Soli-Sampler für Ian Stuart, der in der BRD vor Gericht stand, veröffentlicht. Der Song „Killing Zone“ befand sich auch auf diesem Sampler.
Tony W. brach nach eigenen Angaben ´86/´87 mit dem Rechtsextremismus bevor er die Band „Sol Invictus“ (lateinisch der unbesiegte Sonnengott, oft ungenau übersetzt als der unbesiegbare Sonnengott) gründete. Bei den Römern galt Sol vielfach als höchster und mächtigster Gott. Daneben war damals im Römischen Reich der orientalische Kult des Mithras populär, besonders unter den Soldaten.
Nach der Christianisierung im 5. Jahrhundert gab es noch viele Sol-Verehrer, denn der Kirchenvater Augustinus hat gegen sie gepredigt, und noch im späten 6. Jahrhundert kam es im römischen Syrien zu einem Aufstand gegen die Christianisierungspolitik des Kaisers Tiberios I., der von Anhängern des Sol invictus Mithras getragen wurde. – Auf Mithras wird sich besonders gern in rechtsextremen Kreisen bezogen.


Am 30.04.08 sollen in der Palette „Fire & Ice“ spielen. Fire & Ice ist eine 1991 gegründete englische Neofolk-Band um den Frontmann Ian Read. fireicehalleRead beteiligte sich u.a. an Alben wie „Swastikas for Noddy“ 1996 (Swastika = Hakenkreuz) von Current 93 und „Brown Book“ Death In June. Wenig später wirkte er bei Sol Invictus mit und gründete die Band Fire & Ice.
In einem Interview mit dem Dark Wave Fanzine „Sigill“ (Nr. 8 ) erklärt Read, als er auf „faschistische und rassistische Ideen“ angesprochen wird: „Keine Idee ist völlig wertlos. Die Deutschen hatten einen riesigen Komplex, der ihnen, ehrlich gesagt, von einer Nachkriegsgehirnwäsche eingeimpft worden war. (…) Deutsche Magier sollten sich wirklich von den Meinungen darüber was „korrekt“ ist und was nicht (…), die ihnen die Leute aufgedrängt haben, befreien.“ Das Fanzine „Sigill“ wurde von Stephan Pockrandt herausgegeben.
Stefan Pockrandt betreibt auch das Label „Eislicht“. Laut www.nonpop.de ist „Eislicht- Label aus Dresden, dessen Gründungsimpulse das Erscheinen von Orplids Album „Orplid“ war. Eislicht gilt seit jeher als Label für neofolkloristische Qualitätsmusik und konnte somit auch stilprägend in der deutschen Neofolklandschaft wirken.“


www.nonpop.de wird von Christian Kapke betrieben. Sein Vorgängerprojekt war „Lichttaufe“ und „Lichtreigen“, eine Konzertreihe, die er in Jena und Umgebung organisierte. Sowohl die Homepage nonpop.de als auch lichttaufe.de sind auf ihn angemeldet. Auf nonpop.de wird für die Konzerte am 23.02., 23.03 und 30.04. in der Palette geworben. Die Homepage von Barditus und Orplid, den Bandprojekten von Uwe Nolte, noltex.de zitiert die Konzertbesprechungen und Bandreviews von lichttaufe.de ausführlich. Auf lichttaufe.de wird Uwe Nolte als Dichter vorgestellt. Als Bands kommen Blood Axis, Kirlian Camera, Sol Invictus, Sonne Hagal, Triarii und weitere Bands, die den rechten Rand des Wave-Gothic darstellen, vor.
Christian Kapke selbst war seit Juni 2000 Vorsitzender des Thüringer Landesverbandes der ‚Jungen Landsmannschaft Ostpreussen‘ (JLO), die den jährlichen Naziaufmarsch zur Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 organisiert.


Sein Bruder Andre Kapke ist organisatorischer Leiter des „Fest der Völker“, das internationale Nazi-Event in Jena seit 2005. Kapke, der in der Vergangenheit in der Neonaziorganisation „Thüringischer Heimatschutz“ organisiert war, hielt gemeinsam mit dem Pressesprecher der Veranstaltung und NPD-Mitglied Patrick Wischke den Polizeikontakt. Ralf Wohlleben NPD-Thüringen war Anmelder und Moderator der Veranstaltung.
Laut „Future“, der Zeitung des Jenaer Infoladens war Christian Kapke aktiv als Mitglied im Thüringer Heimatschutz, Mitglied der NPD, Mitglied der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen und im Landesvorstand in Thüringen, Mitglied des rechtskonservativen Arbeitskreises Christlicher Publizisten ACP, Gitarrist, Sänger und Texter der rechtsextremen Balladentruppe Eichenlaub und Anti-Antifa-Aktivist.


Heute versucht er sich ein bürgerliches Äußeres zu geben. Auf nonpop.de stellt er sich als Homepagegestalter und mehr vor und will von seinen Aktivitäten nichts wissen.

Uwe Nolte
versucht sich auch als Künstler und Freigeist darzustellen, ohne ein Rechter zu sein.


Uwe Nolte beteiligte sich mit seiner früheren Band „Rückgrat“ 1996 am Sampler zu Ehren Leni Riefenstahls, dieser wurde vom extrem rechten Verlag und Agentur Werner Symanek VAWS) veröffentlicht. VAWS hat u.a. den „okkultistischen Roman ‚Dunkle Wege‘ vom Nazi-Dichter und Hitler-Lehrer Dietrich Eckart, Bildbände von Nazi-Künstlern, Leni-Riefenstahl-Filme und CDs aus den Bereichen Industrial, EBM und Neo-Folk“ in seinem Programm. Weiterhin „arbeitet Symanek eng mit dem antisemitischen Musiker Joseph Maria Klumb alias Jay Kay (Forthcoming Fire, Weissglut, Von Thronstahl) zusammen, der in Anlehnung an den Autor Jan van Helsing an eine ‚jüdischen Weltverschwörung‘ glaubt und positiv auf Benito Mussolini Bezug nimmt“ (AFA Halle).
Die Debüt-Veröffentlichung von Orplid wurde 1997 neben Eis & Licht (Eislicht) auch vom Ultima Tonträger Versand beworben. Inhaber war der hallesche neonazistische Führungskader Sven Liebich („Nationaler Beobachter Halle-Merseburg“).
1998 beteiligte sich Orplid an der Compilation zu Ehren des hundertsten Geburtstages des italienischen Faschisten Julius Evola, die vom Label Eis & Licht produziert wurde.
Das Organ der NPD, Deutsche Stimme, schrieb in der Nr. 10, 1999 zur Maxi CD von Orplid: »Wem Frank Rennicke und Jörg Hähnel nicht ausreichen, der kommt an dieser Scheibe nicht vorbei.«
2000 posierte Uwe Nolte im Nazi-T-Shirt für den Katalog des Ultima Tonträger Versand von Sven Liebich.
Am 30.01.2001 verklagte er gemeinsam mit Martin Koller (Prophecy Productions) und Markus Stock (Empyrium, Klangstudio E) und Kim Larsen (Of The Wand And The Moon) die Grufties gegen Rechts, da diese sagten, sie würden ihnen „Verbreitung rechtsextremer Ideologien unterstellen“. Die Kläger bezogen sich auf die Broschüre „Die Geister die ich rief…“ von den Grufties gegen Rechts. Das Ermittlungsverfahren endete am 19.03.01 mit einem Freispruch der Grufties gegen Rechts.
Am 29./30.06.05 war Uwe Nolte mit einem Stand für Noltex auf dem Festival „Rock for Roots“. Dort spielten diverse rechte Bands und der Stand von Nolte war direkt neben einem Stand von Enrico Marx (Barabarossa Records). Die beiden unterhielten sich freundschaftlich. Enrico Marx ist sog. „Stützpunktleiter“ der JN-Sangerhausen. Sein Hof wurde im Rahmen der Razzien gegen JN-Strukturen am 10.03.08 wegen Volksverhetzung von der Polizei durchsucht. Die Nazis, die am 07.01.07 einen Brandanschlag auf die Asylbewerberunterkunft in Sangerhausen verübten, waren vorher bei einer Party von Enrico Marx. Der Prozess wegen versuchtem Mord findet gerade in Halle statt.
Der Auftritt von Orplid im Rahmen des Dark-Wave Festivals 2006 in Leipzig wurde auch von der NPD-Zeitung Deutsche Stimme positiv besprochen: „Frank Machau und Uwe Nolte gehören zu der kleinen Gruppe von Künstlern, die noch ganz stilsicher und sprachfertig aus dem abendländisch-antiken Erbe Europas schöpfen und dabei heidnische, romantische und christliche Motive verarbeiten.“
Die neurechte Schülerzeitung „Blaue Narzisse“ aus Chemnitz machte auf ihrer Internetseite für den Auftritt von Orplid am 25. Dezember 2006 Werbung. Eingetragen wurde dieser Veranstaltungshinweis von Felix Menzel einem Autor der „Jungen Freiheit“, welcher auch Kontakte zum rechten Institut für Staatspolitik unterhält.
2007 tauchte Uwe Nolte bei einem Nazikonzert im Saalkreis mit dem T-Shirt „Good Night – Left Side“ auf.


Auch die Zusammenarbeit der Labels und Bands um Uwe Nolte und Christian Kapke geht weiter: 07.03.08 haben Sol Invictus und Prophecy Production einen Plattenvertag abgeschlossen – Quelle: nonpop.de.


Konzerte in der Palette die von Uwe Nolte organisiert wurden waren unter anderem:
25.12.03 Bands: Fire & Ice, Sonne Hagal und Sonnentau
21.05.04 Bands: Heidevolk, Gernotshagen, Orlog und Haruc – fand durch Proteste in Thüringen statt
24.09.04 Bands: Backworld & Grünland
30.04.06 Bands: Quellenthal, Sonne Hagal, Fire+Ice
25.12.06 Bands: Orplid, Kammer Sieben und Quellenthal
23.02.08 Bands: Barditus, Triarii


weiteres unter:

Pressemitteilung der Grufties gegen Rechts zur Anklage von Nolte, Stock und co http://www.geister-bremen.de/presse.htm

Turn it down zur Palette
http://www.turnitdown.de/186.html?&type=98

Turn it down zu Sol Invictus
http://www.turnitdown.de/314.html?&type=98

Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Tony_Wakeford

auf Englisch zu Tony Wakeford:
http://www.stewarthomesociety.org/wakeford.html

Quelle: Indymedia

Quo vadis Darkwave? Ästhetische Mobilmachung revisited

Vor fünf Jahren erschien der Sammelband »Ästhetische Mobilmachung«, der die musikalischen Genres des Dark-Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien thematisierte.

Kern der Kritik an der Szene ist, dass verschiedene Musiker und Szeneprotagonisten einem rechten Kulturpessimismus Vorschub leisten und als Gegenentwürfe anti-egalitäre, anti-demokratische und anti-modernistische Dichter und Denker präsentieren. Die Vermittlung erfolgt allerdings weniger über eine intellektuelle kognitive Ebene, als vielmehr über eine (neo-)romantische, ästhetisierte Gefühlsduselei mit esoterischen, naturellen und naturreligiösen Bezügen. Die Grufti- bzw. »Schwarze Szene« reagierte seinerzeit verhalten auf das Buch: Während sich die eher kritischen »Geister« mit dem Inhalt auseinandersetzten, tat es der rechte Flügel als »Übertreibung« und »Lügengespinst« ab.

Ambivalenzen

Eine der Grundthesen des Buches war schon 2002, dass der rechte Flügel der Darkwave-Szene kein Äquivalent zur Rechts- Rock-Szene mit deren Eindeutigkeiten darstellt. Vielmehr sind die Musik bzw. die Interpreten in ihrer ganzen Ambivalenz zu betrachten. Die von Julius Evola inspirierte Kritik an der Moderne im Song »Death of the West« von »Death in June« setzt etwa nicht zwingend voraus, dass der Kopf der Band, Douglas Pearce, Antisemit und Israel-Hasser sein muss. Andersrum macht der permanente Verweis auf seine Homosexualität aus ihm noch keinen Antifaschisten (für einige eingefleischte Fans scheint Pearce im Übrigen seit seiner aktiven Rolle im australischen Schwulen-Porno »Vignettes« (2006) passé).

Ebenso kritisiert wird bei der Wiener Band »Allerseelen« um Gerhard Petak unter anderem die 1995 veröffentlichte CD »Gotos=Kalanda«, die auf Gedichten des SS-Brigadeführers und Himmler-Beraters Karl Maria Wiligut (»Weisthor«) basiert und mit Bildern von der Wewelsburg und deren »schwarzer Sonne« gestaltet wurde. Der 2006 veröffentlichten Vinyl-Fassung fügte Petak nun das »Lied der Häftlinge« bei, das ein ehemaliger Häftling des Konzentrationslagers Wewelsburg um 1944 geschrieben hat. Doch diese posthume »Ambivalenz« verliert ihre Überzeugung angesichts dessen, dass bei »Allerseelen « Marcel Petri mitspielt, der ansonsten auch bei »Von Thronstahl« und »Halgadom« involviert ist – letztere ist die Band von Frank Krämer, einem Mitglied der Nazi-Rock-Band »Stahlgewitter«.

Status Quo

Der rechte Rand der »Schwarzen Szene« zeigt sich nach wie vor insbesondere im Industrial und Neofolk, den heute in Deutschland vor allem »Orplid« repräsentiert. Die Band um Uwe Nolte und Frank Machau aus Halle an der Saale scheint nach wie vor voller Elan. 2006 erschien auf »Auerbach Tonträger« ihr achter Tonträger mit dem Titel »Sterbender Satyr« und jüngst veröffentlichte Nolte auf seinem Label »NolteX« alte Aufnahmen der Band sowie des frühen Parallelprojekts »Rückgrat«.

Musikalisch wirkt er unter anderem bei »Sonnentau « und »Barditus« mit. Machau indes debütierte 2005 mit seinem Soloprojekt »primus inter pares« beim Dresdener Label »Eis & Licht«, nach wie vor eine der bekanntesten Adresse für Neofolk. Aus Halle stammt auch die Gruppe »Leger des Heils« von Mario Ansinn, deren Namen sich auf eine niederländische christliche Heilsarmee bezieht und deren jüngste CD »Gloria« ebenso auf dem Dresdener Label von Stephan Pockrandt erschien. Bis 2000 hatte der die Zeitschrift »Sigill« herausgegeben und bis 2003 das Folgeprojekt »Zinnober«, das dann in die Hände von Dominik Tischleder überging und nach zwei Ausgaben eingestellt wurde. Die für Neofolk-HörerInnen entstandene Lücke füllten zwischenzeitlich nur bedingt die Zeitschriften »Black« und »Ikonen«, bis im Dezember 2006 die erste Ausgabe des Magazins »Zwielicht« erschien: »Sie ist unsere Antwort auf die uns allesamt langweilenden Musikmagazine in Internet und Zeitschriftenhandel«, schreibt Pockrandt in einer »Eis & Licht«-Rundmail. Während »Sigill« offensiv strittige Symbole abgebildet hatte und sowohl »Sigill« als auch »Zinnober« zur weltanschaulichen Bildung der Szene beitrugen, präsentiert »Zwielicht« zwar wie gehabt Interviews mit teils einschlägig bekannten Bands und rezensiert die entsprechenden Platten, doch fehlen mehr oder weniger eindeutige programmatische Einlassungen.

Im Szene-Mainstream wird neofolkloristische Musik vor allem in »Zillo« gefeatured und seit vergangenem Jahr in der »Szene-Bravo«, dem »Orkus«- Magazin. Nach und nach publizierte das Magazin Interviews oder Berichte über Bands wie »Der Blutharsch«, »Death In June« oder »Allerseelen« und präsentierte sie teilweise auf der CD zum Heft. Die Industrial-Bands vom rechten Rand der Szene, die auf strittige Symbole, markige Worte, militantes Auftreten und militaristischen Gestus setzen, fehlen indes noch. Musik von »NON«, »Genocide Organ« oder »The Grey Wolves« bricht wohl doch zu sehr mit den gängigen Hörgewohnheiten der LeserInnen. Um so mehr erstaunt, dass im Shop vor allem CDs des österreichischen Labels »Steinklang« angeboten werden, darunter die polnische Band »Cold Fusion«: »45 Minuten wunderschöner symphonischer Marschmusik… «, heißt es in der Kurzbeschreibung. Ihre Musik, eine Mischung aus Neo-Klassik und Militärmusik im düsteren Arrangement wird neuerdings als »Military Pop« bezeichnet.

Ihren Vorläufer findet die Stilistik bei »Laibach«, Les Joyaux De La Princessederen militaristisches Moment bereits das Projekt »Puissance« des schwedischen Duos Fredrik Söderlund und Henry Möller Mitte der 1990er Jahre in den Mittelpunkt rückte. Unter dem Namen »Arditi« steigerten sie das Militaristische ins Absolute und vermengten es mit offensichtlich affirmativer Faszination für den Faschismus. Anleihen nehmen die heutigen Bands auch bei der französischen Formation »Les Joyaux De La Princesse« von Erik Konofal, der seine Begeisterung für die nationalistische Rechte nie sonderlich kaschierte. Als »Military Pop« gelten ferner Gruppen wie »Allerseelen«, »Triarii« (Berlin), »A Challenge Of Honour« (Niederlande) und »Dernière Volonté« (Frankreich). Letztere konnten sich auf dem jüngsten »Wave-Gotik-Treffen« (WGT) zu Pfingsten in Leipzig präsentieren. Nach wie vor tummeln sich dort rechte Fans, teilweise auch Autoren der »Junge(n) Freiheit« oder Aktivisten der NPD. Doch längst nicht jeder Besucher, der Camouflage trägt, ist auch ein Rechter oder Neonazi.


It´s still the same old story

»Diese Szene rekurriert auf dezidiert europäische Kulturtraditionen«, erklärte Peter Matzke, Sprecher des WGT, im Interview mit der »Junge(n) Freiheit« im Juni 2003, »sie lebt etwas, das vor allem der nordeuropäischen Mentalität und Denkart entgegenkommt.« Einschränkend fügt er hinzu, dass die »Szene […] an sich apolitisch [ist] – insofern, als dass sich kein politischer Meinungs- Mainstream ergibt, der in das gängige Politikmodell eingeordnet werden könnte. Allerdings«, betont er, »ist die weitgehende Ablehnung des Wertesystems der europäischen und amerikanischen Wohlstandsgesellschaft in meinen Augen eine hochpolitische Aussage.« Diesem ablehnenden Gefühl, dem Zweifel an der Moderne und der daran anknüpfenden Suche nach Alternativen versuchen die Künstler und Szene-Protagonisten vom rechten Rand eine Richtung zu geben. Der italienische Kulturphilosoph und Vordenker des italienischen Faschismus, Julius Evola, ist nach wie vor en vogue in der Szene, wie die 2006 veröffentlichte Split-CD der US-amerikanischen Band »Changes« und »Allerseelen« zeigt. Deren Titel »Men among the ruins« ist die englische Übersetzung des Evola-Werkes »Menschen inmitten von Ruinen«.

Mit dem französischen Schriftsteller und Faschisten Pierre Drieu la Rochelle setzte sich »Dernière Volonté« auseinander. Das chilenische Projekt »Der Arbeiter« zeigt sich indes inspiriert vom »esoterischen Hitleristen« Miguel Serrano, während sich der Titel des »Barditus«-Albums »Die letzten Goten« auf einen Abschnitt aus dem Roman »Ein Kampf um Rom« von Felix Dahn bezieht. Dahn gilt als einer der wichtigen Romanciers völkischen Gedankenguts des späten 19. Jahrhunderts. Und die Compilation »Die Geburt des Jahrtausends«, 2003 auf »Steinklang« verlegt, erschien in »Gedenken an Kurt Eggers und Ludwig Fahrenkrog«. Ersterer war während des Nationalsozialismus zunächst Dichter und Autor völkischer Literatur und im Krieg Panzerkommandant bei der Waffen-SS. Fahrenkrog gehörte zu den Völkischen und gründete 1912 die »Germanische Glaubens-Gemeinschaft«.

»Jenseits von Sieg und Niederlage eint uns der Wille und die Vision. Wir marschieren gegen den Geist der Zeit, Ausbeutung, Egoismus, Korruption. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, mit ihrer Kraft sind wir verbunden. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, für Europas neue Sternstunde. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, denn sie ist unser Erbe. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, auf dass es morgen werde!«, singen »Belborn« auf einer gemeinsamen CD mit »Rose Rovine e Amanti« 2006 mit Blick auf die »Eiserne Legion« des rumänischen Faschistenführers Corneliu Zelea Codreanu. Und im »Hagal«-Magazin betonte Michael Moynihan von »Blood Axis« im vergangenen Jahr, nachdem er auf die »Referenzen« seiner Musik angesprochen wurde: »Im weitesten Sinne gilt unser Bekenntnis dem indo-europäischen Raum, und hierin besonders den germanischen und keltischen Völkern, deren Blut noch immer in unseren Adern strömt. Ich habe vor jedem Respekt, der treu zu den Traditionen seiner Ahnen steht, was in diesem Zeitalter der Atomisierung und Anomie selbst schon zunehmend als ketzerisch gilt«.

Wiederbelebte und gerufene Geister »Ein großes Verdienst dieser Jugendkultur ist es sicherlich, das Interesse jüngerer Generationen für jene Ideen geweckt zu haben, die in der One-World keinen Platz mehr haben dürfen, nämlich das Wissen um das Heimatgefühl, die Riten und Traditionen, die Volksseele, das Europa der Vaterländer. Diese Kunstgattung transportiert jene Inhalte besser, weil spielerisch, als jede Vortragsreihe eines Theoretikers«, urteilte Brynhild Amann im Herbst 2006 begeistert in der österreichischen Zeitung »Neue Ordnung«. Sie muss es wissen: Hinter dem Pseudonym steht die ehemalige Sängerin des Duos »The Moon lay hidden beneath a Cloud«, das sich 1998 auflöste.

Pathos und Hang zu großen Worten, blutharschKulturpessimismus und Verherrlichung des Vergangenen sowie Begeisterung für die so genannten »Männer der Tat« faszinieren aber nicht nur die »Grufties« am rechten Rand der Szene. An der Kasse des »Blutharsch«- Konzerts im April 2006 saß Hartwin Kalmus, Betreiber des RechtsRock-Label »Ragnarök Records«, ehemaliger Vize von »Blood & Honour« Baden und angeblich »zweiter Chef« der vermuteten Nachfolgeorganisation »Division 28«. Auf den Rezensionsseiten des Magazins »Hier & Jetzt« der »Jungen Nationaldemokraten « werden mehr Darkwave-Scheiben besprochen als RechtsRock-Produkte und seit Jahren schon berichtet die NPD-Postille »Deutsche Stimme« regelmäßig über das WGT, auf dem vor ein paar Wochen auch wieder der »Verlag und Agentur Werner Symanek« mit einem Verkaufsstand präsent war.

Nachdem aber dieses Jahr Festivalbesucher mit einschlägigen Band-T-Shirts, SS-ähnlichen Uniformen und »Thor-Steinar«-Klamotten angegangen wurden, stellte der NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel knapp vier Tage später eine »Kleine Anfragen zu linksextremistischen Überfällen auf Konzertbesucher« im sächsischen Landtag. Sein Ärger rührt wohl noch von dem im letzten November durch antifaschistische Öffentlichkeitsarbeit verhinderten Konzert von »Sagittarius« und »Shava Sadhana« her, das im Haus der Burschenschaft »Dresdensia-Rugia« in Gießen stattfinden sollte, zu deren »Alten Herren« er gehört. Beworben wurde die Veranstaltung mit dem Titel »Wolfstanz« vor allem von »Neo: Form«, dem »Portal für konservative Musik« von Mirko Peters von der »Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks«.

Am rechten Rand der »Schwarzen Szene« hat sich ein illustrer Kreis etabliert. In München tummelten sich gar Aktivisten der Kameradschaft »Autonome Nationalisten München« wie selbstverständlich im lokalen Szenetreff »Club Millenium«. Selbst der örtliche Führungskader Hayo Klettenhofer eckte mit seinem SS-Generalsmantel nicht an.

von Christian Dornbusch

dieser Artikel erschien im Rechten Rand Nr.107, Juli / August 2007

Quelle: Turn it down

Verlage am rechten Rand

Esoterik und Holocaustleugnung

Verlage am rechten Rand. Beispiele

Das Spektrum an deutschsprachigen Verlagen, die im weiteren Sinne einen “rechten” Leserkreis bedienen, ist groß. So unterschiedlich jedoch die inhaltliche Ausrichtung im Einzelnen sein mag, lässt sich eine Reihe an Gemeinsamkeiten feststellen:

* Insgesamt hat in den letzten Jahren der Büchermarkt innerhalb der rechten Szene stark an Bedeutung gewonnen. Dabei erfüllt der Buchverkauf zwei Aufgaben: einerseits dient er selbstverständlich der Informationsvermittlung, andererseits stellt er eine nicht unerhebliche Einnahmequelle auch des organisierten Rechtsextremismus’ dar.

* Die meisten Verlage, die eine rechte Leserschaft bedienen, zeichnen sich durch einen hohen Grad an Vielfältigkeit aus. Kaum ein Verlag ist auf nur ein Themengebiet spezialisiert, und fast nie finden sich in den Verlagsprogrammen Titel, die ausschließlich politischer Natur sind. Im Gegenteil: Oft geht die offen rechtsextreme Literatur gegenüber der vermeintlich unpolitischen fast unter. Darüber hinaus umfasst die verlegerische Tätigkeit längst nicht nur Buchproduktionen, häufig finden sich gleichermaßen Zeitschriften, Musik-CDs und Videos in den Programmen der Verlage.

* Nahezu alle Verlage führen nicht nur die Titel des eigenen Verlagsprogramms, sondern betreiben darüber hinaus Bücherversände, die den Kunden sämtliche lieferbaren Bücher im deutschprachigen Raum offerieren.

* Der Grad an personeller und organisatorischer Vernetzung sowie an Zusammenarbeit zwischen den Verlagen ist gemessen an der Konkurrenzlage deutlich höher als bei herkömmlichen Verlagen.

Grabert-Verlag und Hohenrain-Verlag

1959 vom ehemaligen Mitarbeiter Alfred Rosenbergs im „Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete“, Herbert Grabert, gegründet und seit 1972 von dessen Sohn Wigbert Grabert geführt, publiziert der Verlag u. a. die Arbeiten führender Revisionisten. So beispielsweise den Begründer des sog. „wissenschaftlichen Revisionismus“, David L. Hoggan, oder den Holocaust-Leugner David Irving. Im Klappentext zu Hoggans “Der erzwungene Krieg” wirbt der Grabert-Verlag mit klassisch revisionistischen Schlagworten: Die Kriegschuld Deutschlands am 2. Weltkrieg sei eine “Kriegs- und Lügenpropaganda” der Alliierten. Im Grabert-Verlag erscheinen zudem vierteljährlich die Zeitschrift Deutschland in Geschichte und Gegenwart, das zweimonatige Info-Blatt Euro-Kurier sowie die Publikationen des neurechten Thule-Seminars und der Stiftung Kulturkreis 2000 als “Plattform für nach ultrarechts abdriftende rechtskonservative Professoren”, so der Historiker Martin Dietzsch.

Um nicht nur eine möglichst breit gefächerte Leserschaft zu erreichen, gründete Wigbert Grabert 1984 den Hohenrain-Verlag, der mit Themen wie der Euro-Einführung oder dem Palästina-Konflikt aktueller operiert, womit, so der Verfassungsschutzbericht 2000, “auch nicht-rechtsextremistische Leser angesprochen und so der Kunden- und Wirkungskreis des Verlags erweitert werden [sollen].”

Gute Kontakte unterhält das Verlagshaus um Wigbert Grabert zu der NPD-nahen Zeitschrift Nation und Europa, zu dem DVU-Chef und Verleger Gerhard Frey und der neurechten Jungen Freiheit. Außerdem betreibt der Verlag den Grabert Buchversand, dessen Prospekte u. a. von dem Schutzbund für das Deutsche Volk und der Zeitschrift Nation verteilt wird. Der Verleger Grabert wurde 1998 wegen Volksverhetzung und Vergehen gegen § 86a StgB zu einer Zahlung von 10.500 DM verurteilt.

Arndt-Verlag

Auch der Arndt-Verlag publiziert vorwiegend revisionistische Schriften, darunter Autoren wie Gustav Sichelschmidt (“Tollhaus Deutschland”) und David Irvings Göring-Biographie. Daneben wendet er sich mit den Schwerpunkten “Die Heimat im Bild und Buch” sowie “Flucht und Vertreibung” an ein “Vertriebenen”-Publikum. Der Verleger Dietmar Munier betreibt zudem den Orion-Heimreiter-Verlag mit Autoren wie dem Verhaltensforscher Irenäus Eibel-Eibesfeld und den “Pour le Merite”-Verlag, die beide eine nicht-rechtsextremistische Leserschaft ansprechen und doch rechtsextreme Argumentationen stützen sollen, sowie den Arndt-Buchdienst / Europabuchhandlung.

Munier war in den 70ern führendes Mitglied des Bundes volkstreuer Jugend und Funktionär der NPD-Jugendorganisation. 1991 gründete er die Aktion Deutsches Königsberg, danach folgen eine Reihe weiterer Vereine und Firmen mit Tätigkeitsschwerpunkt im ehemaligen Ostpreußen.

Verlag & Agentur Werner Symanek (VAWS)

Ein ganz anderes Publikum als Grabert- und Arndt-Verlag hat der Verlag & Agentur Werner Symanek (VAWS) im Blick. Das Verlagsprogramm, bestehend aus Merchandise-Artikeln, Videos, Büchern und Musik-Produktionen, richtet sich vorwiegend an eine jugendliche Zielgruppe aus dem Dark-Wave-Bereich. Inhaltlich bedient es sich einer Mischung aus okkultistischen Themen und NS-Ästhetik à la Leni Riefenstahl. Im Programm u. a. der Nachdruck des okkultistischen Romans “Dunkle Wege” vom Nazi-Dichter und Hitler-Lehrer Dietrich Eckart, Bildbände von Nazi-Künstlern, Leni-Riefenstahl-Filme und CDs aus den Bereichen Industrial, EBM und Neo-Folk – allesamt Subgenres des Dark Wave. Gerade im Bereich Musik / Dark Wave arbeitet Symanek eng mit dem antisemitischen Musiker Joseph Maria Klumb alias Jay Kay (Forthcoming Fire, Weissglut, Von Thronstahl) zusammen, der in Anlehnung an den Autor Jan van Helsing an eine “jüdischen Weltverschwörung” glaubt und positiv auf Benito Mussolini Bezug nimmt.
Darüber hinaus ist Symanek für Druck und Vertrieb der rechtsextremistischen Zeitschrift Unabhängige Nachrichten verantwortlich, für die er auch als Autor tätig ist.

Verlag Zeitenwende

Zwischen Esoterik, Revanchismus, Rechtsextremismus und Dark-Wave-Lifestyle bewegt sich der Verlag Zeitenwende und versucht damit ebenfalls, eine breite Leserschaft zwischen Neuer Rechter und jugendlicher Subkultur zu erreichen. Für den Verlag schreiben u. a. der Holocaust-Leugner Bernhard Schwab, der regelmäßig “germanisches Heidentum” gegen demokratische Prinzipien in Stellung bringt, oder Martin Schwarz, der “deutschen Geist und Spiritualität” durch Werteverlust und Spaßgesellschaft gefährdet sieht und dagegen in enger Anlehnung an den italienischen Faschismus das Ideal einer streng hierarchischen Gesellschaft stellt. Besonderen Wert legt Verleger Sven Henkler auf neoheidnisches Gedankengut, mit dem er nicht nur rechtsextreme Intellektuelle umwirbt, sondern auch jugendliche Sinnsucher. Folgerichtig erscheint im Verlag Zeitenwende vierteljährlich die Dark-Wave-Zeitschrift Hagal, in der neben jugendkulturellen Themen auch heidnische und rechtsextremistische Positionen vertreten sind. Hier heißt es beispielsweise über den hochrangigen Nationalsozialisten Georg Werner Haverbeck, er sei im geistigen wie im menschlichen Sinne “wie ein Großvater” für die Redaktion. Haverbeck leugnete bis zu seinem Tod 1999 beharrlich den Holocaust und war eine der Führungspersönlichkeiten anthroposophischer Theologie und des rechts-ökologischen Spektrums.
Tatsächlich hat der Verlag Zeitenwende enge Kontakte zu Haverbecks Collegium Humanum und dem neurechten Netzwerk Synergies Européennes (Synergon), mit denen zusammen er jährlich Tagungen veranstaltet.

Jan Buschbom / Violence Prevention Network e. V.

Quelle: Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung

Rechte Tendenzen in der Wave- und Gothic-Szene

Rechte Tendenzen in der Wave- und Gothic-Szene
Von Arne Gräfrath

Zum Anfang eine Erklärung zum Begriff Wave- und Gothic-Szene. In dem folgenden Text umfasst dieser Begriff die gesamte Bandbreite der sogenannten schwarzen Szene mit all ihren Spielarten von Darkwave, Gothic, EBM, Industrial bis hin zur Fetisch-Szene, auch in dem Bewusstsein, dass manche(r) in eine Ecke gedrückt wird, in der sie/er nicht hineingehören.

Seit etwa Ende der Achtziger Jahre wurde in der Wave- und Gothic-Szene immer wieder rechte Tendenzen im Bezug auf Musik-Bands beobachtet. Aber weder allgemeingültige (rechte) Entwicklungen lassen sich in der Wave- Gothic-Szene (WGS) definieren, noch lassen sich die Inhalte der Gruppen und Personen repräsentativ für diese Musik- und Kulturszene ableiten. Es handelt sich aber hier um akzeptierte Erscheinungen in dieser Szene.

Rechte Einflüsse auf die Wave-Gothic-Szene

Versuche von Neonazis in die Wave-Szene einzudringen, gibt es schon so lange, wie die Szene an sich existiert. Die Wave-Gothic-Szene entwickelte sich aus der Punkbewegung der Siebziger Jahre – sie verstand sich allerdings als unpolitische Gegenkultur. Jeder Meinung, die verbindende Elemente zur Wave Szene besass, stand man tolerant gegenüber (und ermöglichte so den Rechten erste Erfolge). Auffällig ist dabei, dass Toleranz oftmals mit Kritiklosigkeit, Ignoranz und Beliebigkeit verwechselt wird. Gerade bei der Kritiklosigkeit gegenüber neofaschistischen Meinungen und Inhalten wird ein Widerspruch innerhalb der Szene am deutlichsten – einerseits versteht sich die WGS als Kritik und Gegenkultur zur menschenverachtenden-technokratischen Gesellschaft, anderseits wird selber mit Symbolen kokettiert, die menschenverachtender nicht sein können. Verbindende Elemente zur Neonaziszene sind Esoterik, Okkultismus und Neoheidentum.

Als The Cure 1979 den Song »Killing an Arab« veröffentlichte, gab es die ersten Versuche britischer Neonazis (die der BNP – British National Party) in der Punk-/Wave-Szene Fuss zu fassen und den Song und die Band für sich zu vereinnahmen. Dies scheiterte jedoch daran, dass The Cure sich sofort vehement gegen diese Entwicklung aussprachen und es auf den Konzerten regelmässig zu Auseinandersetzungen zwischen anwesenden Neonazis und Grufties kam. Mit dem Aufkommen von sogenannten Neofolk-Bands Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre bestimmten immer mehr Heidentum und Elemente faschistischer Ideologie die Ikonographie der WGS. Auch ein deutliches Interesse der sogenannten »Neuen Rechte« (besonders der rechtsextremen Zeitschrift Junge Freiheit) an der Gegenkultur der Grufties war zu erkennen.

Roland Bubik, Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und Autor der Jungen Freiheit (JF) schrieb im Kulturteil der JF im Herbst 1993: »…die Jugendkultur von heute bietet erfolgversprechende Ansätze (…) Ein merkwürdiges Bewusstsein, in einer Phase des Niedergangs zu leben, ist virulent, vom ’age of destruction’ ist die Rede, die Parties der Tekkno-Szene gleichen makabren Totenfeiern einer Epoche. Man (…) misstraut der Erklärbarkeit der Welt, wendet sich sogar rückwärts, etwa in Form der verschiedenen Independent-Szenen.« In seinen Texten beruft sich Bubik auf den italienischen Kulturphilosophen und Vertreter der Anti-Moderne Julius Evola (1898 – 1974), den Umberto Eco einen »faschistischen Guru« nannte. Evolas »Revolte gegen die moderne Welt« glaubt Bubik in der Dark Wave Szene wieder zu finden. Nachdem Bubiks Träume von der Techno-Szene (»Stahlgewitter als Freizeitspass«) sich bald als Schäume entpuppten (»seelische Vergewaltigung durch Beat-Computer und Masse«), vermeinte er in der Neo-Folk- und Gothic-Szene Anknüpfungspunkte zu finden. Er nennt Bands wie Dead Can Dance oder Qntal, deren »mittelalterliche ‚Musik’ eine andere Sprache als die der Moderne« spreche. In Wahrheit haben beide Bands nichts mit rechtem Gedankengut zu tun. Qntal gehören in den Kreis der deutschen Dark Wave – Bands (Deine Lakaien, Estampie, Das Ich), die sich wiederholt und vehement gegen den rechten Kulturkampf zu Wort gemeldet haben (siehe auch Aufruf zum Dark-X-Mas-Festival 1992). Und Bubiks Redaktionskollege Peter Bossdorf (s.u.) musste feststellen, dass Dead Can Dance längst nicht auf eine Rezeption mittelalterlicher Musik zu reduzieren sind und keine (musikalischen) Grenzen kennen. Anlässlich ihrer CD »Spiritchaser« (4 AD/Rough Trade 1996) stellt er enttäuscht fest: »Man parodiert in gezierter Pose den Orient, (…) begleitet von nicht mehr an Langeweile zu übertrumpfenden Percussion-Einlagen der Marke Dschungel. (…) Wenn dies Weltmusik sein soll, ist die Welt nicht zu beneiden.« (JF 29/96).

Doch es gab durchaus reale Anknüpfungspunkte in der Szene: Bubiks Lebensgefährtin Simone Satzger (alias Felicia), Sängerin der Gruft-Band Impressions Of Winter, propagierte 1995 eine rechte Kulturinstrumentalisierung und empfahl, »sich aktuellen kulturellen und politischen Phänomenen zu öffnen, um sie für die eigenen Zwecke zu nutzen.«1

Darüber hinaus existierten schon damals eine Reihe von Bands mit tatsächlich rechten Inhalten. Von Interesse für die »Neue Rechte« war zudem ein in der Gothic-Szene verbreiteter Hang zum Mystischen. Auch die Bezüge von Teilen der Szene zu Romantik, Heidentum und Esoterik sind für die Rechten von Interesse, da sie ein Anknüpfungspunkt für rechte Propaganda sind.

Bands, Verlage, Fanzines – die Verquickung von Kommerz und Ideologie

Die »Operation Dark Wave« nahm in der Jungen Freiheit ihren Lauf. &Üuml;ber einen Nachwuchswettbewerb konnte eine mit Dark Wave vertraute Schreiberin gefunden werden, die freilich bald das Handtuch schmiss. Sie warnte in einem offenen Brief an Rainer »Easy« Ettler, dem Herausgeber der Szenezeitschrift Zillo, eindringlich vor dem rechten Kulturkampf und gab den Gothics mit auf den Weg, dass sie für die Rechten nur »nützliche Spinner auf dem Weg zur Macht« seien. (Leider wurde der Brief vom Zillo nie abgedruckt, obwohl er 1996 genau dort hingehört hätte und bis heute keine breite Debatte darüber stattgefunden hat).

Mit Peter Bossdorf, der auf eine lange Vergangenheit u.a. im Thule-Seminar und bei den Republikanern zurückblicken kann, konnte Mitte der 90er Jahre ein Junge Freiheit-Redakteur in der auflagenstärksten Zeitschrift der »Independent Szene« platziert werden: Das Zillo war sich zudem nicht zu schade, wiederholt rechte Anzeigen abzudrucken, darunter auch der Jungen Freiheit (Zillo 2/96). Die Liaison Zillo/Junge Freiheit war aufgrund von Protesten aus der Szene bekannt geworden: das Hamburger Wave-Label »Strange Ways« (u.a. »Goethes Erben«) und der Vertrieb Indigo machten den Skandal öffentlich. Nach dem Tod des Zillo-Chefredakteurs Rainer Ettler wurde Peter Bossdorf im Frühjahr 1997 endlich vor die Tür gesetzt.

Doch damit ist der rechte Kulturkampf nicht zu Ende. Mittlerweile haben sich feste Strukturen herausgebildet und vernetzt. Verlage, Zeitschriften und eine ganze Reihe von Bands sind durch eine kontinuierliche Arbeit für die Sache einer rechtsextremen »Kulturrevolution« aufgefallen.

Exkurs: Death in June

In erster Linie sind Death in June zu nennen. Sie schafften es zu einem Novum: 1997 erschien ein Artikel über die Band in der »Bravo« der Nazi-Skins, der RockNord, einer rechtsextremen Skinheadzeitschrift. Der Name ist bei der Band Programm: Sie berufen sich offen auf den »national bolschewistischen« Flügel der NSDAP um SA-Führer Röhm, der am 30. Juni 1934 in der sogenannten »Nacht der langen Messer« auf Weisung der NSDAP- Führung umgebracht wurde.

Ebenfalls zu nennen wäre das Fanzine »Sigill« (Untertitel: Magazin für die konservative Kulturavantgarde Europas), das in seiner Konzeption vielleicht ernstzunehmendste rechte Blatt der schwarzen Szene. In Sigill kommt der Kern des rechten Segments der Dark-Wave-Szene zu Wort: Death In June, Sol Invictus, Radio Werewolf, Kirlian Camera, Orplid, Strength Through Joy, Allerseelen, Forthcoming Fire, The Moon Lay Hidden Beneath a Cloud usw. Auch wenn Sigill viel Wert darauf legt, nicht als Nazi-Blatt angesehen zu werden, so spricht doch die Autorenschaft von Leuten wie Markus Wolff (Waldteufel), Kadmon (Allerseelen) oder Martin Schwarz, der auch für das NPD-Blatt Deutsche Stimme schreibt, eine andere Sprache. Ebenso ihre durch die »Deutsch-Maschine« gezwirbelten Artikel: so heissen Compact Discs bei Sigill nicht CDs, sondern Lichtscheiben… So wird auch sprachlich vorbereitet, was Sol Invictus mit Freude besangen: »The Death Of The West«. Das rechtsextreme Label mit angegliederten Buchverlag VAWS ist ein weiteres Beispiel.

Viele Mitglieder rechter Neo-Folk und Industrial-Bands arbeiten nebenbei in rechtsextremen Verlagen und an Zeitschriften, die das auch in den Songtexten vorhandene rechte Gedankengut in intellektueller Form vertiefen. Fans werden auf Dauer nicht dabei stehen bleiben, nur die Platten ihrer geliebten Künstler zu kaufen, sondern sich auch für die schriftlichen äusserungen interessieren. Gemeinsam ist praktisch allen der genannten Zeitschriften ein Mix aus Berichterstattung über neurechte Bandprojekte aus dem Neo-Folk, Black Metal und Industrial, heidnischen Themen, Germanen-, Kelten- und Wikinger-Kult, Runenkunde und mehr oder weniger deutlich ausgeprägten nazistischen, antisemitischen oder nationalrevolutionären Themen. Immerwiederkehrend ist auch die Berufung auf die »Meinungsfreiheit«, die »Künstlerische Freiheit« und ein »Freidenkertum« jenseits von »Schablonen« wie links und rechts. Auf den ersten Blick macht das die Sache sehr verwirrend und widersprüchlich, wenn Leute wie Moynihan sich etwa als »Anarchisten« bezeichnen, gleichzeitig aber liberale und demokratische Freiheiten ausnutzend sozialdarwinistisches, antisemitisches und rassistisches »Blut und Boden«-Gelaber vom Stapel lassen und sich in rechten Zirkeln tummeln oder sie gar selbst gründen.

Auch wenn die Auflage aller rechten »Wave«-Zeitschriften kein Anlass zur Panik gibt, so sind sie doch wichtige Bindeglieder zwischen Grufties, die an den besprochen Bands oder am Heidentum interessiert sind, und dem rechten Kulturkampf. Dieser rehabilitiert auf diesem Wege die ganze esoterisch-mystische Seite des Nazi-Regimes (etwa das SS-Ahnenerbe und seine Wewelsburg bei Paderborn), die nationalrevolutionären Strömungen des NS wie etwa die SA, den italienischen Faschismus und die eng mit ihm verwobene Kunstrichtung des Futurismus, die faschistischen Eisernen Garden aus Rumänien und ihren Gründer Corneliu Codreanu Nazi-Künstler wie Riefenstahl, Thorak und Speer, Germanenkult, Sozialdarwinismus und Antisemitismus und damit entscheidende Ideologiebestandteile faschistischer, nationalrevolutionärer und nationalsozialistischer Gruppen und Organisationen. Auch über die oft spielerisch verbrämte Enttabuisierung von Symbolen wie dem Haken- oder dem Kruckenkreuz und der Etablierung von germanischen Runen versuchen die Rechten Schritt für Schritt den Blick auf das Dritte Reich und letztlich das ganze Weltgeschehen in ihrem Sinne zu verändern.

Auf bestimmten Festivals wie dem Internationalen Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, auf Konzerten sowie in entsprechenden Plattenläden ist ein Grossteil der erwähnten Magazine zu erwerben und die Platten stehen auch in Läden, deren Betreiber weder rechts noch ahnungslos sind. Kommerzielle Interessen machen es dem rechten Kulturkampf besonders leicht.

Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang, dass ein Grossteil der Fans von Bands wie Death In June, Sol Invictus oder Kirlian Camera selbst nicht rechts ist, sondern nur auf die Musik dieser Neo-Folk-Bands steht. Das »rechte Image« der Bands ist den meisten bekannt. Doch gerade in Deutschland ziehen sich die Fans gerne auf in Musikzeitschriften veröffentlichte Distanzierungserklärungen und Ausreden der Bands zurück, die besagen, dass die Kritiker die Bands ja nur »missverstehen« würden. Es gibt aber belegte Fälle von Fans, die über die Beschäftigung mit Neo-Folk-Bands sich plötzlich für die protegierten Ideologen wie Ernst Jünger oder Julius Evola interessierten und schliesslich fasziniert davon selbst Teil des rechten Kulturkampfes wurden. Den Fans, die tatsächlich nichts damit zu tun haben wollen, fällt der Abschied von »ihrer Band« oft schwer. Immer wieder konnten wir regelrechte schmerzliche Abschiedsprozesse beobachten, was wohl jeder nachvollziehen kann, der sich vorstellt, sich von seiner Lieblingsband trennen »zu müssen«.

Quelle: D-A-S-H

  1. in: »Elemente«, veröffentlicht in Bubiks (Hg.) »Wir 89er«, 1995 [zurück]