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„Völkische Graswurzelrevolution“

In der Juli-Ausgabe der NPD-Zeitschrift Deutsche Stimme finden sich zwei bemerkenswerte Artikel. Einer ist „Angst vor der völkischen ‚Graswurzelrevolution‘. Nationale Jugendkultur setzt sich zunehmend durch“ betitelt. Bemerkenswert sind die Zeilen des Mitglied des sächsichen Landtags Jürgen W. Gansel insofern, als der Autor hier kein Wort der im Untertitel konstatierten Dominanz „nationaler Jugendkultur“ widmet, und statt dessen die Bemühungen verspottet, dem etwas entgegen zu setzen:

„Solche ‚Argumentationstrainer‘ werden ganz sicher keine Schutzdämme gegen den modernen Nationalismus errichten können, der mit seinem glaubhaften Widerstand gegen Zuwanderung, EU-Fremdbestimmung und Globalisierung schlicht und einfach den Nerv der krisenhaften Zeit trifft.“1

Wo nur noch konstatiert wird, „Nationale Jugendkultur setzt sich zunehmend durch“, und nicht durch Argumente und Fakten belegt, ist zumindest in der Wahrnehmung der extremen Rechten erreicht, was Roland Bubik in der Zeitschrift Junge Freiheit bereits 1993 einfordert hatte:

„[Der Machtfrage] gilt es, sich zu stellen, die Jugendkultur von heute bietet erfolgversprechende Ansätze hierfür.
[…]
So kennzeichnet es die Lage trefflich, dass im besten Sinne reaktionäre Ästhetik und Lebensauffassung nicht von ‚rechten Postillen‘ am erfolgreichsten verbreitet wurden, sondern mittels silberner CD-Scheiben. Neo-Folk, Gothic, Gruppen wie ‚Dead can dance‘ oder ‚QNTAL‘ (Leser der JF-Musikkritik wissen Bescheid) sprechen eine andere Sprache als die der Moderne.“2

„Die Kultur als Machtfrage“ war der Text übertitelt. In ihm griff Bubik zumindest implizit Vorstellungen der Neuen Rechten auf, wonach vor einem politischen Umsturz in einem „ideologischen Stellungskrieg“, wie es der neurechte Vordenker Alain de Benoist formuliert hatte, das Feld der „kulturellen Macht“ zu besetzen sei. Diese habe den Vorteil, dass „ihr direktiver und suggestiver Charakter als solcher nicht klar erkannt wird und folglich nicht auf die dieselben rationalen und bewussten Widerstände stößt“.

„So vollzieht sich unter der Wirkung der kulturellen Macht die Umkehrung der ideologischen Mehrheit3

Ganz ähnlich argumentierte Bubik, als er den „nicht-kognitiven“, also den verstandesmäßig nicht erfahrbaren Charakter von Jugendkulturen bei der Übermittlung ihrer Botschaften hervorhob. Hier werde, s. o., eine „andere Sprache als die der Moderne“ gesprochen.

Welche Sprache dort gesprochen wird, wo jene „Jugendkultur“ sich versammelt, an die schon Bubik seine Hoffnungen geknüpft hatte, das berichtet die Deutsche Stimme Nr. 7 / 06 in ihrer Reportage über das 15. „Wave-Gotik-Treffen“ vom 2. bis 5. Juni 2006 in Leipzig.

Am Abend des 4. Juni hatte die NeoFolk-Band Orplid zu Konzert und Lesung ausgerechnet in die Krypta des Leipziger Völkerschlachtdenkmals geladen.

„[…] dann blicken die vier zehn Meter hohen Statuen der Totenwächter auf den Besucher herab, die die deutschen Volkstugenden Glaubensstärke, Tapferkeit, Volkskraft und Opferbereitschaft personifizieren sollen. […] In dieser weihevollen Atmosphäre warten am frühen Abend des 4. Juni 2006 Hunderte von Freunden neufolkloristischer Musik und deutscher Dichtung […] Die gespannte Atmosphäre löst sich, als Uwe Nolte eines der frühesten Lieder von ‚Orplid‘, den ‚Bruder Lucifer‘ anstimmt und mit seiner getragenen Stimme die Zuhörer sofort in ihren Bann zieht. […] Frank Machau und Uwe Nolte gehören zu der kleinen Gruppe von Künstlern, die noch ganz stilsicher und sprachfertig aus dem abendländisch-antiken Erbe Europas schöpfen und dabei heidnische, romantische und christliche Motive verarbeiten.“4

Mit von der Partie war der Dichter Rolf Schilling, der, wie das Online-Lexikon Wikipedia ohne Arg meldet, die „Beschwörung eines endzeitlichen Rausches“ zu seinem Hauptthema mache. Im Rahmen des Orplid-Konzertes las Schilling aus seinem Essay „Geheimes Deutschland“, in dem er dafür plädiert, Adolf Hitler nicht zum „Universal-Erben und Allein-Eigentümer des deutschen Mythos“ zu machen, der „fruchtbar für künftige Zeiten“ bleibe.

Orplid-Mann Uwe Nolte las aus seinem Barbarossa-Zyklus, ein Thema, das in Noltes Bearbeitung an den Wieland-Mythos angelehnt ist.

„Noch atmend, gefangen im Wort der Legende,
Mit Fesseln von Flüchen an Armen und Hals,
Jahrhunderte grüßend, verharre ich durstig
Am Born meines Schicksals, in steinerner Pfalz.
Es ist eine Lüge, das stumm ich die Jahre
Durchschlafe als leblose Sagengestalt.
Mein Name im Blute erkorener Völker
Mit lockendem Klange fanfarengleich hallt.“5

Diese Zeilen zitiert auch der Deutsche-Stimme-Autor Arne Schimmer. Sie sind für ihn der „intensive und unter die Haut gehende Abschluss“ eines Auftritts, der den „unbezweifelbaren Höhepunkt des diesjährigen ‚Wave-Gotik-Treffens‘“ markiert. Schimmer schwärmt von der „entspannt-kameradschaftlichen Atmosphäre im heidnischen Dorf“ während des Treffens. Getrübt sei es einzig durch die Medienberichterstattung und ihren „Alarmismus über vermeintliche und tatsächliche ‚Rechte‘ unter den Besuchern“ worden. Er zitiert aus der Leipziger Volkszeitung vom 6. Juni 2006, die vom „BDM-Look einiger Blondinen“, von „Braunhemden und Uniformen einiger Scheitelträger“ berichtet hatte: „Da kapituliert der Verstand“. Diese Vorlage lässt sich der Deutsche-Stimme-Autor nicht entgehen:

„Nun, gerade beim ‚Wave-Gotik-Treffen‘, bei dem sich alljährlich alle künstlerischen Formen der Romantik – ob nun in ihrer populären oder auch klassischen Form – präsentieren, darf der Verstand ruhig einmal für vier Tage Pause machen.“6

Man mag einwenden, dass kein Künstler sich sein Publikum aussucht: Niemand ist davor gefeit, nach einem öffentlichen Auftritt von Medien der extremen Rechten besprochen zu werden. Auch, dass zentrale Themen des historischen Nationalsozialismus und des Neonazismus aufgegriffen werden können, ohne dass sie dadurch automatisch diskreditiert sind, mag mancher anführen. Im Neofolk hingegen ist es neurechtes Konzept: Anlässlich des Wave-Gotik-Treffens im Jahr 2000 bemühte Sabine Behrendt für die Zeitschrift Metapo Nr. 3 / 2000 des neurechten Thule Seminar (www.idgr.de) die in der Szene durchaus übliche Sprachregelung von der „Hatz- und „Diffamierungs-Kampagne“, die von einer Allianz aus Verfassungsschutz, der APO-Generation der 68er, Antifas und Medien lanciert werde. Auch sei die „Schwarze Szene“ unpolitisch, referiert sie eine andere beliebte Mär: „in den Liedtexten [ist] von Politik keine Rede“. Mit dieser Mischung aus Verschwörungsparanoia und vorgeschobener Naivität bewies Frau Behrendt in ihrem Artikel „Gothik-Festival in Leipzig“ eine gehörige Portion Kaltschnäuzigkeit, denn im selben Heft der Metapo sprach ein anderer Vordenker der Neuen Rechten Klartext:

„Wir wissen ja, warum wir kämpfen: für unseren Boden, für unser Volk, die gefährdet sind, für ihre Identität, für den langfristigen Aufbau Eurosibiriens […]
Es hat keinen Sinn, das gegenwärtige System ‚reformieren‘ zu wollen: Das Übel sitzt zu tief, der Punkt, ab dem es kein Zurück mehr gibt, ist schon erreicht worden. […]
Die Machtübernahme dank die identitäre Weltsicht [sic!] sowie ihre Übersetzung im Bereich der Großpolitik bleiben unser übergeordnetes, strategisches Endziel. […]
Der ‚Gesellschaftswechsel‘ wird nunmehr nur aus einem Prozess des Umbruchs und des Chaos hervorgehen können. […]
Das politische Endziel aller ideologischen, kulturellen, aufklärerischen Arbeit muss nie aus den Augen verloren werden. […] Das Politische dagegen dient der Volksgemeinschaft. […]“7

Quelle: Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung

  1. Deutsche Stimme Nr. 07 / 06, Juli 2006 [zurück]
  2. Junge Freiheit Nr. 10 / 93 [zurück]
  3. A. de Benoist: Kulturrevolution von rechts. Gramsci und die Nouvelle Droite. Krefeld 1985, S. 51; Benoists Hervorhebung [zurück]
  4. Deutsche Stimme Nr. 7 / 06, Julin 2006 [zurück]
  5. www.noltex.de [zurück]
  6. Deutsche Stimme Nr. 07 / 06, Juli 2006 [zurück]
  7. Guillaume Faye: Die Strategie der Vorkriegszeit (in: Metapo Nr. 3 / 2000, S. 6f.) [zurück]

»Ästhetischer Sprengstoff«1

Am 25. Dezember 2003 fand in der halleschen Diskothek »Tanzbar Palette« ein Konzert mit den Bands Fire & Ice, Sonne Hagal und Sonnentau statt. Als Veranstalter dieses Konzertes traten Uwe Nolte (NOLTEx) und das Label Eis & Licht um den Dresdner Stephan Pockrandt auf. Sowohl die Bands als auch die Organisatoren gehören dem rechten Rand der Gothic- bzw. Gruftiszene an.
Die Betreiber der »Palette« wurden im Vorfeld mehrfach auf den Charakter des Konzertes und den politischen Background der Veranstalter aufmerksam gemacht, sie weigerten sich jedoch, die Veranstaltung abzusagen. Der folgende Text wurde im Vorfeld des Konzertes als Hintergrundinformation an verschiedene Initiativen und Institutionen verschickt.

Zu Weihnachten 2003 finden sich Uwe Nolte (NOLTEx) und Stephan Pockrandt zur Zusammenarbeit in Halle ein. Gemeinsam wollen sie in der bekannten Disko »Palette« ein ganz besonderes Konzert veranstalten. Am 25. Dezember sollen die Bands Fire & Ice, Sonne Hagal und Sonnentau ein Seitenprojekt von Uwe Nolte auftreten. Uwe Nolte ist mit der Band Orplid ebenso wie Sonne Hagal mit einigen Veröffentlichungen beim Label Pockrandts unter Vertrag. Pockrandt zeichnete als Chefredakteur für das Magazin Sigill und die ersten Ausgaben des Nachfolgeprojektes Zinnober verantwortlich und betreibt das Musiklabel Eis & Licht. Das Label veröffentlicht vor allem Bands, »deren Musik in unterschiedlicher Gewichtung Romantik, Militarismus, nordische Götterwelt und elitäres Gedankengut beinhaltet«.2

Musikalisch bewegen sich die Künstler im so genannten Neofolk, einer Richtung des Dark Wave, düsterer, melancholischer Musik unterschiedlicher Ausprägung, die üblicherweise mit den Grufties bzw. Gothics verbunden wird. Thematisch verarbeiten die Musiker im Neofolk heidnische und spirituelle Bezüge, die in einer neuen Form von Folk, also Volksmusik an die Wurzel des eigenen Daseins erinnern sollen. Wo man diese Wurzeln verortet, wird bei einem näheren Blick klar. Die Weitergabe »Runischen Wissens« durch die Band Sonne Hagal im Magazin Zinnober lobt die rechtsextreme Junge Freiheit als Annäherung an germanische Mystik.3 Sowohl Ian Read von Fire & Ice als auch Sonne Hagal gestalten ihr Artwork mit Verweis auf die »nordische Kultur« mit Runen, Read hat auf einer Veranstaltung beim Dark-Wave-Festival in Leipzig 2003 eine einschlägige Lesung gehalten.

Ian Read gehört mit der aus dem Split von Death in June hervorgegangen Band Sol Invictus zu den Gründungsfiguren des Neofolk. Sein Interesse für Odinismus, Heidentum und Magie führte u.a. zu seiner Mitgliedschaft bei der heidnischen Gruppe Illuminates of Thanateros (IOT). Nach seiner Trennung von Sol Invictus gründete er die Band Fire & Ice und sein eigenes kleines Label Fremdheit.

In einer der ersten Veröffentlichungen im Jahr 2000 kommt u. a. der amerikanische Neonazi Eric Owens zu einem musikalischen Auftritt.4 Uwe Nolte (Sonnentau, gemeinsam mit Frank Machau Orplid) hat die pathetische, deutschtümelnde musikalische Arbeit Beifall von extrem rechts verschafft.

So schreibt das Organ der NPD Deutsche Stimme zu einer 1999 erschienenen Maxi CD: »Wem Frank Rennicke und Jörg Hähnel nicht ausreichen, der kommt an dieser Scheibe nicht vorbei.«5 Das selbe Blatt analysiert 2003: »Eine Gruppe, die Musik wie Orplid macht, kann wohl nur aus Sachsen-Anhalt kommen, dem vielleicht mythengesättigsten deutschen Gau.«6 Dass es sich dabei nicht um Missverständnisse handelt, beweisen die musikalischen Beiträge auf zwei Samplern.

Mit seiner früheren Band Rückgrat beteiligte sich Nolte 1996 am Sampler für Leni Riefenstahl, der vom extrem rechten Verlag und Agentur Werner Symanek (VAWS) veröffentlicht wurde. Mit einschlägig bekannten Bands des rechten Dark Wave folgte 1998 ein Beitrag Orplids am Sampler zu Ehren des hundertsten Geburtstages des italienischen Faschisten Julius Evola, produziert von Eis & Licht.

Die Debüt-Veröffentlichung von Orplid wurde neben Eis & Licht auch vom Ultima Tonträger Versand beworben. Inhaber war der hallesche neonazistische Führungskader Sven Liebich. Auch ein aktueller Blick bestätigt die ideologische Nähe. Nolte versteht sich nicht nur als Musiker, sondern auch als Photograf und Dichter. Auf der offiziellen Website seiner Band Orplid findet man den Link zu www.godenholm:de.7 Die Seite widmet sich dem nationalrevolutionären Kreis um Ernst Niekisch und seiner in den zwanziger und dreißiger Jahren erschienen Zeitschrift Widerstand. Niekisch begann seinen politischen Weg in der Münchner Räterepublik mit einem antiegalitären, nationalistischen Sozialpatriotismus, der sich später zu einem faschistischen Entwurf von Staat und Gesellschaft verdichtete. Unter Wahrung der ökonomischen Struktur des Kapitalismus ging es ihm um die Errichtung eines Staates, in dem Kapitalinteresse und die sozialen Existenzbedingungen der Lohnabhängigen völlig dem Primat der Nation untergeordnet sind. Seine Kritik an der aufstrebenden NSDAP, heute oft als antifaschistische Kritik verklärt, führte zu seiner Inhaftierung ab 1935. Dabei galt sein Angriff einer in seinen Augen »legalistischen« Bewegung, motiviert in einem Konkurrenzkampf innerhalb des starken rechten, antidemokratischen Lagers der Weimarer Republik.

Uwe Noltes Dichtungen finden sich auf www.godenholm.de in einer Reihe mit Texten der so genannten Nationalrevolutionäre Ernst Niekisch, der Ikone nationalkonservativen Denkens, Ernst Jünger, und Ernst von Salomon, der 1922 am Mord an dem jüdischen Außenminister der Weimarer Republik, Walther Rathenau, beteiligt war. 8 Mit seinen Gedichten ist Nolte weiterhin im Arnshaugk Verlag vertreten, der auf www.godenholm.de ebenso verlinkt ist wie das nationalistische Querfrontblatt Wir selbst und die »neurechte« Zeitschrift Criticon.9

Anmelder der Webpräsenz von Orplid und www.godenholm.de ist Thomas Michael aus Halle. Mit dessen Unternehmungen schließt sich der Kreis wiederum zu Stephan Pockrandt. Unterstützt wird der fragwürdige kulturpolitische Hintergrund seines Labels durch das Zeitungsprojekt Sigill bzw. durch das Nachfolgeprojekt Zinnober. Das Blatt ist als Kultur- und Musikmagazin besonders durch seine affirmativen Darstellung nationalkonservativer Autoren »der extremen Rechten zuzuordnen«.10 Nachdem Pockrandt offiziell als Chefredakteur des Hochglanzmagazins zurückgetreten ist, haben Dominik Tischleder und Thomas Michael (Layout) die Redaktion übernommen. Die Zeitung, die ebenso wie das Label Eis & Licht begeisterte Rezensionen in rechtsextremen Publikationen findet, ist nicht das einzige politische Projekt, das Michael mit vorantreibt. Neben seinen theoretischen Reflexionen zu Ernst Jünger auf www.godenholm.de arbeitet er ebenfalls für das rechtsintellektuelle Institut für Staatspolitik (IfS) im Rittergut Schnellroda. Für das Zentrum um den in der Grauzone zwischen nationalkonservativ und rechtsextrem altgedienten Karl Heinz Weißmann gestaltet er deren Zeitschrift Sezession und entwickelte die Website des IfS. Die Aktivitäten auf den unterschiedlichen Ebenen von Musik, Zeitschriften, Verlagen bis zu rechten Denkfabriken decken sich in ihrem Bemühen rechte Ideologie hoffähig zu machen. Mit Jünger, Niekisch, Evola werden seit Jahrzehnten Modethemen der neuen Rechten bedient. Die Rezeption der rechten Protagonisten der Weimarer Republik und des Vordenkers des italienischen Faschismus soll nationales, antidemokratisches und elitäres Denken in einer von nationalsozialistischen Verbrechen freien Form präsentieren. Dies soll das Anknüpfen für die Rechte heute ebenso erleichtern wie ein bestimmter sprachlicher Gestus. So reiht man sich zum einen mit Eindeutschungen für gebräuchliche Anglizismen in die Praxis der rechtsextremen (Jugend)Szene ein, so wird das Internet zum Weltnetz, Links werden Verweise, CDs zu Lichtscheiben… Andererseits wird der politische Gehalt der kultur-politischen Aktivitäten vehement abgestritten, nationalsozialistische Bezüge gern ausgeklammert, elitäre und antidemokratische Einstellungen als »nonkonform« und »anarchisch« etikettiert.

Das Konzert am 25. Dezember werden nicht wenige Fans besuchen, die sich dieser ideologischen Bezüge bewusst sind. Bei vergleichbaren Anlässen kamen Darkwaver in schwarzen oder Tarn-Uniformen, bündischen Kniebundhosen, komplettiert mit SS-Symbolik wie Sigrunen oder Schwarzer Sonne zusammen. So findet sich die Aufforderung durch Uwe Nolte und Stephan Pockrandt in ihrer Veranstaltungsankündigung: »Anschließend möchten wir sie bitten, anlässlich der für uns alle festlichen Zeit in welcher das Konzert stattfindet, auf ein stilistisch sicheres und ordentliches äußeres Erscheinungsbild zu achten.«11 Dass damit weder Weihnachtsmannkostüm noch Smoking gemeint sind, ist bei dieser Veranstaltung offensichtlich.

AfA Halle,

November 2003

Quelle: Turn it down

  1. Claus-M. Wolfschlag, Autor der Jungen Freiheit, bezeichnete die Inhalte des Magazins Zinnober mit der Formulierung „Ästhetischer Sprengstoff“. Claus-M. Wolfschlag: Zinnober. Anarchistischer Ästhetizismus (Rezension), in: Junge Freiheit, Nr. 48 (2003), S. 3. [zurück]
  2. Thomas Naumann, Patrick Schwarz: Von der CD zur »Lichtscheibe«, in: Andreas Speit (Hg.): Ästhetische Mobilmachung. Dark Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien, Münster 2002, S. 175. [zurück]
  3. Claus-M. Wolfschlag: Zinnober. Anarchistischer Ästhetizismus (Rezension), in: Junge Freiheit, Nr. 48 (2003), S. 12. [zurück]
  4. Christian Dornbusch: Von Landsertrommeln und Lärmorgien. Death in June und Kollaborateure, in: Andreas Speit (Hg.): Ästhetische Mobilmachung. Darkwave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien, Münster 2002, S. 134ff. [zurück]
  5. Musikrezensionen, in: Deutsche Stimme, Nr. 10 (1999), S. 13. Frank Rennicke und Jörg Hähnel sind als Liedermacher bei der NPD aktiv. [zurück]
  6. Hugo Fischer: Gegenkultur. Klänge zwischen Heimat, Kultur und Tradition, in: Deutsche Stimme, 3 (2003), o.S. [zurück]
  7. Http://www.orplid.de/verweise/oben-frames.html , November 2003. [zurück]
  8. Http://www.godenholm.de/1.Ebene/menue.htm , November 2003. [zurück]
  9. Http://www.godenholm.de/1.Ebene/link.htm , November 2003. [zurück]
  10. Christian Dornbusch: Zinnober, in: Bulletin. Schriftenreihe des Zentrums für Demokratische Kultur, 3 (2003), S. 26. [zurück]
  11. Mailinglist , Oktober 2003: Betreff: Fire & Ice/Sonnentau/ SonneHagal live. [zurück]