Archiv der Kategorie 'The days of the trumpet call'

Braunes aus der Schwarzen Szene

Ein aktueller Überblick über rechte Bands in der Darkwave-Szene und ihre Absichten

Innerhalb der Darkwave-Szene1 hat sich seit Mitte der 90er Jahre ein kleiner, dafür um so frecher agierender Kreis von Aktivisten herausgebildet, die bewusst rechtes Gedankengut aufgreifen und propagieren. Im kulturellen Faschistische Ästhetik beim Auftritt rechter Darkwave-Bands (Juni 1999 auf Burg Falkenstein).Gewand bezieht man sich auf alte Denker der Konservativen Revolution und des Faschismus und bekämpft die Moderne mit all ihren Facetten. Dabei agieren die Protagonisten nicht als geschlossene Gesellschaft, sondern können sich vielmehr in der Grauzone zwischen Darkwave und Rechtsextremismus tummeln – schließlich kommt man aus der gleichen Szene, nur die Intentionen bei der Beschäftigung mit Tod, Religion, Symbolen etc. sind andere.

Als einer der Stars des extrem rechten Flügels der Darkwave-Szene gilt nach wie vor die englisch-australische Gruppe Death in June mit ihren kulturpolitischen Inhalten, ihrer militaristischen Ästhetik, ihrer Musik und den gängigen Vieldeutigkeiten, mit denen die Band spielt und sich damit Kritik entziehen will. Gemeinsam mit dem Sozialdarwinisten Boyd Rice tourt Death in June seit geraumer Zeit durch die USA und Europa. Der europäische Auftakt fand am 10. April in Brest statt, wo die Intervention französischer Antirassismus-Gruppen die Vorbereitung des Konzertes behinderte und zur Verlegung der Veranstaltung führte. Im Gegensatz zu den anderen Konzerten wurde der deutsche Auftritt von Death in June am 27. April im Raum Chemnitz sehr konspirativ vorbereitet. Der ursprünglich geplante renommierte Veranstaltungsort Kraftwerk wurde im Vorfeld gekündigt, weshalb der Gig dann in Bucha bei Jena stattfand.

Zur jüngsten Veröffentlichung von Death in June wurden offiziell keine Liedtexte veröffentlicht, was an den offensichtlich antisemitischen Ausfällen liegen dürfte. So wird im Lied »We said destroy II« offen auf das orthodoxe Judentum angespielt, aus Shakespeares »Der Kaufmann von Venedig« zitiert und indirekt die dort handelnde Person des Shylock2 aufgerufen. In einem anderen Lied ist von »shylock piggies« die Rede, der Titel der gesamten Veröffentlichung lautet dann »All pigs must die«.

Albin Julius, Sänger von Der Blutharsch. Bereits im März gastierten zwei andere extrem rechte Bands auf Einladung der Dresdner Gruppe LAS-Kulturavantgarde3 in Sachsen. blutharschHier musste ebenfalls ein in Claußnitz geplantes Konzert wegen antifaschistischer Interventionen verlegt werden und fand schließlich im Gasthof Goldener Anker in Marbach statt. Die ungarische Band Scivias trug an diesem Abend die Odal-Rune offen zur Schau und Der Blutharsch aus Österreich präsentierte sich in schwarzen Uniformen. Die Bands kreierten eine militaristische Atmosphäre und griffen oftmals Elemente der nationalsozialistischen Ästhetik auf. Abgerundet wurde dieser Eindruck durch die Verkaufsstände, wo es u.a. Bücher aus den rechtsextremistischen Verlagen Grabert und Arun zu kaufen gab und die extrem rechten Zeitschriften Hagal (Dresden) und Die Tat (Halle) feilgeboten wurden.

Der Sampler »Fidelis Legio« als Beispiel

Wofür eine Band wie Scivias ideologisch steht, macht deren Beteiligung am Sampler »Fidelis Legio« deutlich, der sich als Huldigung an Corneliu Zelea Codreanu (1899-1938) versteht. Der Gründer und Führer der rumänischen Legion des Erzengels Michael (alias Eiserne Garde) propagierte einen christlich orthodox fundierten Faschismus und war ein fanatischer Antisemit. Bis heute bieten die Positionen der ehemaligen Legionäre wichtige ideologische Bezugspunkte für europäische Neonazis. Erstellt wurde der Sampler von Calin Dan Ghetu, der als Aktivist der reanimierten Eisernen Garde von Rumänien aus Verbindungen zu verschiedenen Neonazis in ganz Europa hält. Martin Schwarz (Wien) bemüht sich im Begleitheft, die Vorzüge des rumänischen Faschismus im Gegensatz zum Nationalsozialismus herauszuarbeiten. In der ebenfalls maßgeblich von Schwarz editierten Kshatriya-Mailingliste wird Codreanu als der »asketisch-religiöse Erwecker der rumänischen Seele« bezeichnet, der eine »Leitfigur für die Elite der national-europäischen Erhebung wider die dekadente Welt [ist], der er anders als der Duce oder der Führer mit keiner Faser seines Leibes angehörte«.

Die teilnehmenden Bands aus dem Darkwave-Spektrum4 betonen in ihren Beiträgen die Bedingungslosigkeit des Kampfes der Eisernen Garde und ästhetisieren den Tod als Höhepunkt im Dasein eines Legionärs. Exemplarisch ist der Beitrag »Europa – long live death!« der italienischen Band Londinium SPQR.5 Das Stück beschwört den fanatischen Kampf der Eisernen Garde, deren Schlachtruf »long live death« war: »Europas Wind bläst wieder auf diesen Fahnen. (…) Das Sterben im Kampf hieß ewige Ehre. Sag mir, was ist los mit meinem Land? Es lässt sich nicht mehr erkennen. Und wir sind jetzt bereit, mit unseren Brüdern den Kampf zu teilen bis zum Sieg«. Die insgesamt fünf Sprachen, in denen das Lied vorgetragen wird, sollen die europäische Ausrichtung der Band bzw. des gesamten Samplers verdeutlichen.

Eine Szene mit Abgrenzungsschwierigkeiten

Ebenfalls ein Werk zu dem Codreanu-Sampler beigesteuert hat die Band Darkwood aus Dresden, die Mitte Mai beim Wave-Gotik-Treffen (WGT) in Leipzig anzutreffen sein wird, dem weltgrößten Treffen der schwarzen Szene. Derartige Auftritte (extrem) rechter Bands sind mittlerweile normal, schließlich sind hier alle kulturellen, musikalischen und politischen Facetten vertreten. darkwoodDie (extrem) rechten Bands werden geduldet, indem beim WGT jeder seine eigene Party feiert. Mit dabei ist in diesem Jahr beispielsweise auch Camerata Mediolanense (angekündigt als Camerata Sforzesca), die sich vor zwei Jahren für das deutsche Blood & Honour-Magazin interviewen ließen und mehrmals bei rechtsextremen Veranstaltungen spielten.

Kritik an den politischen Aussagen einzelner Bands wird in der schwarzen Szene nur ungern angenommen; in der Vergangenheit in die Szene hineingetragene Diskussionen waren wenig ergiebig. Dies liegt zum einen an einem verkürzten Begriff des Rechtsextremismus: Bestimmend ist das Klischee von Glatze und grüner Bomberjacke; die viel größere Gefahr der Mischung von sozialen, politischen, kulturellen und ästhetischen Werten in der Szene wird nur selten gesehen. Verkörpert wird diese z.B. von dem Neonazi Christian Kapke, der vor wenigen Jahren mit seiner Band für Blood & Honour aufspielte und heute federführend beim Neofolk-Internetprojekt lichttaufe.de [nonpop.de] aktiv ist.

Die zweite Schwierigkeit bei Diskussionen in der Szene besteht in den absichtlichen Uneindeutigkeiten der einschlägigen Bands. O-Töne wie »genaugenommen gab es Runen doch schon vor dem Nationalsozialismus« oder »Vertreter der Konservativen Revolution der 20er Jahre wurden schließlich auch im Nationalsozialismus verfolgt« gehören in der Argumentation zum Standardrepertoire. Problematisch für antifaschistische KritikerInnen ist also, dass jeder einzelne Aspekt eines Projektes aus dem extrem rechten Darkwave-Spektrum fast immer vieldeutig zu interpretieren ist. Für eine fundierte politische Bewertung ist daher die Addition aller Einzelaspekte (Texte, Ästhetik, Bezüge, Fans, Rezensionen etc.) zu einem Gesamtbild notwendig.

Fazit

Nicht zuletzt muss man sich der Logik entziehen, dass das Wirken (extrem) rechter Bands, Zeitschriften etc. ausschließlich kulturell verstanden werden soll. Für den erwähnten Christian Kapke ist klar, »dass man bewusst versucht, politische Inhalte über Kunst zu transportieren, einfach weil es dadurch unscheinbarer oder entsprechend eingängiger erscheint«.

Thomas Naumann

Quelle: Turn it down

  1. Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Darkwave-Szene ist nicht per se (extrem) rechts. [zurück]
  2. Der verhasste jüdische Geldverleiher symbolisiert den antisemitischen Stereotyp vom gierigen Juden. Für Alfred Rosenberg vereinte das Wesen Shylock »äußerlich (…) alle jüdischen Rassenzüge (…). Shylock ist also sowohl Einzelmensch wie Typus, ein Jude sowohl wie das Judentum«. Vgl.: Rosenberg, Alfred: »Der Mythus des 20.Jahrhundert«. München 1934, S.411. [zurück]
  3. Ein ebenfalls von LAS anberaumtes Konzert mit der Band Ostara (früher Strength through Joy) Ende April 2002 wurde aufgrund bandinterner Gründe abgesagt. [zurück]
  4. Mit dabei sind unter anderem Blood Axis, Spiritual Front, Ain Soph, The days of the trumpet call, Belborn (Rosenheim) und Von Thronstahl, die am 29./30.Juni 2002 beim Pressefest der rechtsextremen Zeitschrift Signal in Köln spielen sollen. [zurück]
  5. Die Band ist der Identitätsrock-Bewegung zuzurechnen und spielte in den vergangenen Jahren bei zahlreichen neonazistischen Skinhead-Konzerten. [zurück]

Zum abgesagtem VAWS-Festival in Kärnten/Koroska 2004

VAWS geht unter in Kärnten/Koroska

Durch entschlossenen Widerstand von AntifaschistInnen konnte das vom 9. bis 11. Juli geplante, „Heiliges Österreich“ genannte Festival des rechtsextremen deutschen VAWS-Verlages in Kärnten/Koroska verhindert werden. Während die Band „Von Thronstahl“ des Antisemiten und VAWS-Mitarbeiters Josef Maria Klumb auf ihrer Homepage von einem „Untergang“ spricht, sehen die kärntner Behörden das „wahre Gefahrenpotential“ bei den AntifaschistInnen.

Gestern war es dann offiziell – der VAWS-Verlag sagte das Festival komplett ab. Schon vor Wochen wurden Verlagsleiter Werner Symanek und seine braunen FreundInnen aus der anfänglich angemieteten Location, der Burg Glanegg bei Feldkirchen ausgeladen. Am 29. Juni plärrte „Von Thronstah“-Leader Josem Klumb in einem französischen Internetforum, dass es ein „Krieg“ wäre, den die Grünen gegen das Festival führen würden, obwohl die österr. Grünen nur eine von vielen Gruppen und Einzelpersonen waren, die gegen das Festival mobil machten. „its an horror“ schreibt Klumb da im, naja, nicht ganz lupenreinen Englisch.

Am Donnerstag, dem 8. Juli sagte der VAWS das Fest (in weiser Vorraussicht?) auf seiner Internetseite schon mal ab, die KarteninhaberInnen erhielten jedoch ein Schreiben in dem darauf hingewiesen wurde, dass es sich bei der Meldung um ein Fake handelt. Ebenfalls am 8. Juli fand dann in Klagenfurt/Celovec eine antifaschistische Demo gegen das Fest statt, an der sich ca. 150-200 Menschen beteiligten. Einen Bericht dazu gibts hier nachzulesen.

Im laufe der folgenden Stunden wurde es immer klarer, dass das Konzert in der Nähe des Oberkärntner Städchens Spittal stattfinden soll, also meldeten AktivistInnen der Grünalternativen Jugend (GAJ) am Nachmittag des 9. Juli am Spittaler Burgplatz kurzfristig eine kleine Gegenkundgebung an, bei der über die rechten Machenschaften des VAWS informiert wurde, Redebeiträge vorgelesen wurden etc. etc. (ein Dankeschön hiermit an die Aktiven in Spittal! :-) ) Mittlerweile wurde klar, dass das Konzert als private Geburtstagsfeier im der 2000-Seelen-Örtchen Obervellach bei Spittal getarnt wurde, laut „Kärntner Tageszeitung“ waren sowohl eine deutsche als auch eine italienische Band gerade dabei ihre Anlage aufzubauen, als sie von der Polizei daran gehindert wurden. Für die Nazis war also zusammenpacken angesagt, nix mit Festival. Leute wären wahrscheinlich eh keine gekommen, aufgrund des Stresses mit Behörden und AntifaschistInnen stornierten viele Fans ihre Karten, von den angekündigten Bussen aus Berlin und Oberhausen schaffte es wegen mangelnder Nachfrage keiner auch nur einen Meter weit.

Für den VAWS-Verlag bedeutet das einen schweren Schlag, insbesondere in finanzieller Hinsicht. Wie aus einer ziemlich beleidigt klingenden Verlautbarung der Band „Von Thronstahl“ rauszulesen ist, ging organisatorisch so ziemlich alles den Bach runter, was möglich war. „Es war schlichtweg die alte Misere des rechten Nachschubs zur rechten Zeit am rechten Ort, an welchem es mangelte. Wir wurden aus den eigenen Reihen und Führungsriegen wieder mal so dermaßen im Frontregen stehen gelassen, daß der Zusammenbruch unabwendbar wurde und hiermit kundgetan sei.“ ist nur eines der Zitate, die in der Meldung mit dem Namen „Wir kapitulieren nicht, wir gehen unter!!“ der/dem AntifaschistIn mehr als nur ein grinsen ins Gesicht zeichnen, schon allein weil nachzulesen ist, dass viele Menschen aufgrund des Antifa-Widerstandes die hosen Voll hatten und daheim geblieben sind. Zur feier des Tages noch ein Zitat von Josem Klumb und Co.: „Wir hatten Visionen, Kraft und Mut, aber offenbar doch keinen Rückhalt. So scheiße zu scheitern, das ist Tragik.“

Die Polizei interessierte das Festival anfangs natürlich ziemlich wenig, wollte sie wie es ausschaut doch auf eine „still sein, damit nix an die Öffentlichkeit dringt“-Taktik setzen. Erst als AktivistInnen die Presse informierten, rechtfertigten sich die Bullen damit, dass sie schon „seit Wochen“ irgendwelche komischen Gegenstrategien in Petto haben, ob ein völlig hilfloser Anruf in die Redaktion der „Kleinen Zeitung“ („habt ihr vielleicht irgendwelche Infos?“) auch zu dieser hochprofessionellen Gegenstrategie gehört…?

Jedenfalls scheinen Sicherheitsdirektor Slamanig und seine Mannen nun die wirklichen TäterInnen gefunden zu haben, nämlich „die Antifaschisten“. Dort läge das „wahre Gefahrenpotential“, der VAWS-Verlag war noch einen Tag vor dem Festival laut Polizei nur „mutmaßlicher“ Veranstalter, es wurde kein „rassistisches oder Militantes verhalten“ festgestellt und siehe da: Es gab entwarnung. Eh nicht so schlimm, nur ein paar rechte Grufties, Hauptsache schönes Wetter. Die Kronen Zeitung, öserreichs größtes Boulevardblatt, übernahm die Darstellung der Polizei ein zu eins.

Übrigens noch was interessantes: Der Kärntner Landtag sprach sich am Dienstag, dem 6. Juli einstimmig gegen die Durchführung des VAWS-Festes aus. Sogar Haiders FPÖ war dabei, laut Information der grünen Landtagsabgeordneten Barbara Lesjak aber unfreiwillig, da bei der Causa VAWS im Landtag halt (wie schon den ganzen Tag lang) der Einfachheit halber halt die Hand gehoben wurde, zugehört hat in den Abendstunden, als der Antrag seitens der SPÖ eingebracht wurde, eh keiner mehr. „Sowas interessiert uns nicht, wenn nicht darüber geredet wird, dann bekommen sie auch keine Publicity“ war die Aussage eines FPÖ-Abgeordneten.

Da ist es natürlich nicht verwunderlich, dass sich der VAWS aufgrund der politischen Lage in Kärnten „weniger Stress“ erwartet hat.

mehr unter: http://www.noborder.at.tt/

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VAWS-Fest in Kärnten/Koroska

Der VAWS-Verlag des deutschen Rechtsextremisten Werner Symanek plant vom 9. bis 11. Juli ein Fest unter dem Motto „Heiliges Österreich“ im österreichischen Kärnten/Koroska (sprich: „Koroschka“). Das Konzert sollte im April eigentlich schon in Oberösterreich stattfinden, wurde dort jedoch behördlich untersagt. Dass Symanek und Co. jetzt ausgerechnet in Österreichs südlichstes Bundesland ausweichen, ist nicht wirklich verwunderlich.

ein kurzer Rückblick auf den April diesen Jahres:

Zwischen dem 23. und 25. April sollte das Festival stattfinden, höchstwahrscheinlich im Wasserschloss Aisterheim, eine Bestätigung für diesen Ort gab es aber nie. Kurz nachdem bekannt wurde, dass das Konzert abgehalten werden sollte, gründete sich eine Antifa-Initiative mit dem ziemlich streitbaren Namen „haltet Österreich sauber“, die gegen das Konzert agitierte, es folgte eine Presseaussendung des Welser Infoladens, in dem die Behörden angefordert wurden für ein Verbot des Festes zu sorgen.

Die beiden Antifa-Gruppen hatten zwar sicher wenig damit zu tun, aber das Fest wurde, nachdem Berichte in der Lokalpresse auftauchten, dann wirklich behördlich verboten, schon allein weil Symanek sich nicht mal bemühte eine für eine Veranstaltung dieser Größenordnung erforderlichen behördlichen Auflagen zu erfüllen. Ein anderer, weitaus gewichtigerer Grund war ein Neonazi-Konzert im oberösterreichischen Vorchdorf, bei dem im August letzten Jahres an die 1000 Faschos ungestört feiern konnten. Nochmal wollte die Polizei sowas nicht durchgehen lassen, Oberösterreich blieb verschont vom VAWS-Festival.

Als vor einigen Wochen dann bekannt wurde, dass das Festival nach Kärnten/Koroska verlegt wird, tat sich erst mal – nichts. Verwunderlich? Nicht wirklich, doch dazu noch später. Weder Antifas, Presse oder Behörden reagierten. Seit gestern ruft die Grünalternative Jugend (GAJ) als bisher einzige Gruppe zu Protesten gegen das Treffen auf. Der Aufruf der Gruppe befindet sich weiter unten im Beitrag, wo auch näher auf des VAWS-Verlag und die von ihm verlegten Bands eingegangen wird.

Aber was hat es damit auf sich, dass in Kärnten ein Fascho-Fest so stillschweigend hingenommen wird?

Es gibt einen alten Witz über Kärnten, der lautet „Kärnten ist wie ein Punschkrapfen – aussen rot und innen braun“. Praktisch ohne Widerstand und mit sonst kaum zu beobachtender gesellschaftlicher Akzeptanz gibt es alle paar Wochen Aufmärsche der beiden führenden kärntner rechtsextremen Organisationen, dem „Kärntner Abwehrkämpferbund“ (KAB) sowie dem „Kärntner Heimatdienst“ (KHD). Beide Organisationen werden vom Land Kärnten großzügig gefördert, eine Mitgliedschaft bei einem der Vereine ist auf jeden Fall Karrierefördernd. Hauptziel beider Vereine ist in erster Linie die Vernichtung der slowenischen Minderheit.

Gerne wird Kärnten auch seine Täterrolle im zweiten Weltkrieg abgesprochen, so steht in so gut wie jeder Gemeinde ein Denkmal für die „Opfer der Partisanen“ oder für die „Gefallenen Kameraden“, die fürs „deutsche Heimatland“ gefallen sind.

Am alljährlichen berühmt-berüchtigten Ulrichsbergtreffen (vergleichbar mit dem Gebirgsjäger-Treffen in Mittenwald, nur weitaus größer) beteiligen sich tausende Leute, in den letzten Jahren auch zunehmend junge Neonazis aus Deutschland (vom strammen Scheitelträger bis hin zum Prügelskin ist da alles dabei). Dass sich Landeshauptmann Jörg Haider an den meisten dieser Aufmärsche beteiligt ist natürlich ehrensache.

Ob sich gegen das VAWS-Fest kraftvolle, radikale Proteste organisieren lassen ist mehr als fraglich. Bei einer Demo gegen eine Kundgebung des KAB am 2. Mai beteiligten sich gezählte 11 AntifaschistInnen und das bei groß angelegter Mobilisierung. Das VAWS-Fest ist sowohl für den Großteil der kärntner Bevölkerung und natürlich erst recht für die Behörden etwas „normales“, etwas wofür mensch sich wundert, warum dagegen überhaupt demonstriert wird. Wirklich große Proteste gab es in Kärnten Beispielsweise dagegen, das kärntner-slowenische Partisanen ein Ehrenabzeichen der österreichischen Republik verliehen bekamen…

Der Ort des VAWS-Festes ist wie gesagt immer noch unbekannt. Es wäre schön, falls sich UnterstützerInnen aus „übrige Welt“ melden würden, die Infos haben oder in sonstwelcher Art und Weise die Proteste unterstützen wollen.

Hier der Aufruf, der für die Proteste raus ist:

Kärnten – Wo die Nazis feiern gehn

Vom 9. bis 11. Juli plant der rechtsextreme VAWS-Verlag ein Festival unter dem Motto „Heiliges Österreich“ in Kärnten/Koroska, der genaue Ort ist noch unbekannt. Eigentlich sollte es ja schon ende April in Oberöterreich stattfinden, es wurde jedoch ein behördliches Verbot verhängt. Nun wollen die Nazis dorthin ausweichen, wo sie sich schon seit Jahrzenten wohl fühlen. Ins Land vom Ulrichsbergtreffen, Abwehrkämpferbund und Heimatdienst: Nach Kärnten.

Was ist der „VAWS“?

VAWS steht für „Verlag und Agentur Werner Symanek“, ist im deutschen Duisburg ansässig und gehört, wie der Name schon sagt, einem gewissen Herrn Symanek (mehr über ihn weiter unten). Auf der ersten Blick möchte mensch denken, es handle sich um einen Gothic-Versand, wie es sie so viele gibt. Bei näherer Betrachtung fällt dem/der BetrachterIn die neonazistische Einstellung des VAWS auf. Zum einen wurde Symanek wegen Volksverhetzung geklagt, sein Verlag steht unter Beobachtung des deutschen Verfassungsschutzes. Symanek gehört schon seit Jahren zur internen Struktur der „Unabhaengigen Freundeskreise“(UFK). Die UFKs sind wohl eine der ältesten, wichtigsten und einflussreichsten Kadergemeinschaften der NS-Szene. Sie verfügen über zahlreiche Unterorganisationen und beste Verbindungen zur rechten Terrorszene. Im Internet verbreitet Symanek eine Reihe von antisemitischen, rassistischen und Shoa-verharmlosenden Schriften und CDs, unter anderem eine Tribut-CD zu „Ehren“ von Nazi-Filmerin Leni Riefenstahl.

Spiel mir das Lied vom Tod

Auch die durch VAWS verlegten Bands sind keine unbekannten in der rechten Szene. Selbstredend sollen einige von ihnen auch auf dem „Heiliges Österreich“-Festival auftreten. Beispiele gefälligst? Bitte!

Forthcoming Fire:

Der Hauptact von „Heiliges Österreich“. Sänger dieser im deutschen Bingen entstandenen Band ist Josef Maria Klumb. In den 70ern und 80ern noch in der Punkszene aktiv, vollzieht er einen Wandel hin zur Gothic/Dark Wave Szene, gründet 1990 „Forthcoming Fire“ und ist in u.a. an den Musikprojekten „Von Thronstahl“ und „Weissglut“ beteiligt. Ab 1994 ist Klumb angestellter beim VAWS-Verlag. Tritt als Autor der rechtsextremen Zeitschrift „Sleipnir“ in Erscheinung. In Interviews faselt er von der „jüdischen Weltverschwörung“, bezeichnet die 1945 erfolgte Befreiung vom Nazifaschismus als „Vergewaltigung der Volksseele“, spricht im Interview mit der rechtsextremen „Jungen Freiheit“ von „der Reinheit und dem Lichtgehalt der Nation“ und ist „kein Freund von Multi-Kulti und Vermischung“.

Death in June:

Werden in Kärnten/Koroska zwar nicht auftreten, sind in Nazi-Kreisen aber auch keine unbekannten. Mit ihrem Namen spielt die 1981 gegründete Gruppe um Douglas Pearce auf die Ausschaltung der SA im Juni 1934 an. »Auf der Suche nach einer zukünftigen Perspektive stolperten wir über den nationalistischen Bolschewismus, der sich wie ein Leitfaden durch die Hierarchie der SA zog«, gab Röhm-Fan Pearce im „Zillo“ (Nr. 5/1992) zum Besten. Mit Nazi-Symbolik hat Pearce keine Probleme: Der SS-Totenkopf dient als Bandsymbol und soll für »den totalen Glauben und die Hingabe« an das Projekt stehen. 1992 besuchte Pearce während des Bürgerkrieges in Ex-Jugoslawien das Hauptquartier der kroatischen HOS-Miliz, die sich in der Tradition der mit NS-Deutschland verbündeten Ustascha sieht. (Text geklaut aus „Jungle World“, Ausgabe 23 Jahrgang 2000 – www.jungle-world.de)

Allerseelen:

Bandprojekt des Österreichers G. Petak alias Kadmon. Verharmlost die medizinischen „Experimente“ der Nazis als „bloße Gewalttaten“, mit denen der Himmler-Berater Wiligut (dessen „mystische Liebeslieder“ Petak übrigens auch vertont hat) nie etwas zu tun gehabt habe.

Urlaub bei Freunden

„Nazis raus!“ – eine weit verbreitete Parole, die auf Antifa-Demos immer wieder gerufen wird. An sich ist es natürlich richtig und wichtig mit der Forderung Nazis keinen Raum zu geben an die Öffentlichkeit zu treten, trotzdem sollte aber gerade in Kärnten bedacht werden, welche gesellschaftliche Akzeptanz rechtsextremen Ideologien in diesem Land gegenübergebracht wird. Es ist nicht einfach eine rechtsextreme „Invasion“ aus Deutschland, die mittels des VAWS-Festes über Kärnten brausen wird. Vielmehr ist Kärnten der Ort, wo sich RechtsextremistInnen aller Lager wohlfühlen und mit finanziellen Mitteln des Landes großzügig gefördert werden. Jedes Jahr treffen sich Beispielsweise tausende Jung und Altnazis unter der Patronanz von hochrangigen LandespolitikerInnen am klagenfurter Ulrichsberg um den „gefallenen Kameraden“ des SS und der Wehrmacht zu gedenken. Mit dem Kärntner Abwehrkämpferbund und seiner Schwesterorganisation, dem Kärntner Heimatdienst hat Kärnten zwei gesellschaftlich fast völlig integrierte Vereine (die MitgliederInnenzahlen gehen in die zehntausende), die schon seit Jahrzenten ein rassistisches, SlowenInnenfeindliches Klima schaffen, das in den 70er Jahren mit dem „Ortstafelsturm“ genannten Ortstafelpogrom seinen vorläufigen Höhepunkt fand. Kein Wunder, dass Oberkamerad Jörg Haider ein überall gern gesehener Gast und so ganz nebenbei noch Landeshauptmann ist. Deutschnationales Gedankengut ist Garant für Stimmenmaximierung bei SPÖ-ÖVP-FPÖ, teilweise auch bei den Grünen. Anstatt sich klar hinter den antifaschistischen Widerstand der slowenischen PartisanInnen zu stellen, wird in revisionistischer Manier eine Aufrechnung der Opferzahlen betrieben, ganz so als wäre der Holocaust in seiner grausamen Einmaligkeit mit irgendetwas anderem vergleichbar. Es gilt also nicht nur Werner Symanek seine Arbeit zu vermiesen, sondern insbesondere auch jenen, die glauben in Kärnten ein Braunes Eck gefunden zu haben, in dem sie ungestört ihre Hasserfüllte Ideologie verbreiten können: Dem KAB, dem KHD, der „deutsch-kärntner Volksgemeinschaft“ und in letzter Konsequenz dem Land Kärnten.

Sollen die VAWS-Nazis also „raus“ aus einem Land, das rechts bis ins Mark ist? Nein, ein Land das rechts bis ins Mark ist gehört verraten. Kärnten raus! Österreich Abschalten!

It’s time to act!

Was also tun? Wartet nicht darauf, bis „irgendwer was macht“. Organisiert euch selber, redet über Rechtsextremismus, plant Aktionen und lasst euch von niemenschen vorschreiben, wie ihr euren Widerstand artikulieren wollt. Eine befreite Gesellschaft ohne Faschismus braucht auch freie Individuen, die nicht darauf warten, bis ihnen jemensch sagt, was zu tun ist.

Dezentral, hierarchiefrei, kreativ und offensiv gegen Nazis. Wer zuschaut ist selber schuld.

Grünalternative Jugend (GAJ) Kärnten/Koroska

Quelle: Turn it down