Archiv der Kategorie 'Strength Through Joy'

„Ostara“ – Reaktionäres poppig verpackt

„Ostara“ ist eine sog. „Darkpop“-Band, die 1999 von Richard Leviathan und Timothy Jenn gegründet wurde, um, nach eigener Aussage, tiefer ihr „abendländisches Erbe“ zu ergründen.

Die Band gilt als Nachfolgeprojekt der neonazistischen Formation „Strength Through Joy“ („Kraft Durch Freude“), die eine intensive Zusammenarbeit mit der rechten Band „Death in June“ pflegte, offen nationalsozialistische Inhalte affirmativ wiedergab (Titel wie „The Blond Beast“, z.B. spielen klar auf das „Ariertum“ an) und völkischen Ritualen ganze CDs widmete (wie mit „Salute to Light“, basierend auf Bildern des Hitler-Malers Fidus).

Der Name „Ostara“ spielt dabei einerseits auf eine germanische Frühlingsgöttin, andererseits auf die 1905 gegründete Zeitschrift gleichen Namens ostaraalbumvon Jörg Lanz von Liebenfels an. Diese okkulte Publikationsreihe hatte sich die „Erforschung und Pflege des heroischen Rassentums und Mannesrechts“ zum Ziel gesetzt und übte wesentlichen Einfluss auf die Ideologie der Nationalsozialisten aus. Die „Ambiguität“ des Bandnamens sei gewollt, gibt Leviathan in Interviews zu.

Die Band besteht heute aus vier Mitgliedern (Leviathan, Stu Mason, Tim Desmond und Dave Renwic) und spielt melodisch massentauglichen Pop – als Vorbilder gibt man Placebo und NIN an – mit antichristlichem und okkultem Inhalt. Die Bezugnahme auf rechte Ideologie ist dabei, wenn auch nicht mehr so eindeutig wie bei „Strength Trough Joy“, weiterhin Bestandteil der Band.

Die Veröffentlichung „Ultima Thule“, z.B., beschäftigt sich thematisch mit dem Thule-Mythos, der Legende einer germanischen „Urheimat“ am äußersten Nordrand („Ultima Thule“) der Welt, an. Schlagworte wie „Arier“ etc. werden dabei vermieden, stattdessen ergeht man sich in okkulten Untergangsphantasien.
Zwei Lieder der CD sind Leni Riefenstahl gewidmet. Die Propagandistin Hitlers gilt heute im rechten Rand der Neofolk-Szene als Ikone. Ihr gewidmet sind zahlreiche Sampler rechter Bands und ihre Bilder zieren so manches CD-Cover (u.a. auch von „Strength Through Joy“).

Dass rechtsextremes Gedankengut beim Kopf der Formation fest verankert ist, wird in zahlreichen Interviews – in denen er Ostara klar als „politisch“ klassifiziert – überdeutlich.

Den Nationalsozialismus klassifiziert Leviathan als „primitivistische Form des Faschismus, die einige Prinzipien hatte, die nicht einfach als pervers oder böse abgetan werden können“. Geboren aus „Kameradschaft und Leid an der Front“ habe dieser immerhin „viele der absoluten Unterscheidungen zwischen Klassen, die die alten Strukturen der Gesellschaft pervertiert hatten, aufgelöst.“ Dem vermeintlich „linken“ Flügel der NSDAP, wie den Gebrüdern Strasser, bescheinigt er einen Oppositonsstatus – exakt wie die rechte Band „Death in June“ es seit Jahren bei Ernst Röhm tut. Massenmord und Krieg wären einzig Hitlers Schuld.

Besonders der faschistische Intellektuelle Julius Evola hat es Leviathan angetan. Evola pflegte enge Verbindungen zum italienischen Faschismus (auch zu Mussolini persönlich), arbeitete zeitweise mit der, der SS unterstellten, Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Ahnenerbe“ zusammen und hatte auch nach dem Zweiten Weltkrieg großen Einfluss auf rechtsextreme Organisationen (wie z.B. „Ordine Nuovo“).
Leviathan sieht Evola als lyrische Inspiration für sich und „Ostara“. Die Band zitiere ihn zwar nie direkt, aber Evola sei stehts „irgendwie im Hintergrund“. Besonders die „eurozentrische Denkweise und [sein] Verlangen die Wurzeln unserer Zivilisation wiederzuentdecken, zu erneuern und zu bekräftigen“ haben es dem Textschreiber von „Ostara“ angetan.

Des Weiteren sieht Leviathan, der Sohn säkularisierter jüdischer Eltern, die Notwendigkeit einer „spirituellen Elite“, einer „Aristokratie des Geistes“. Eindruck auf ihn habe in diesem Zusammenhang der neuromatische Dichter Stefan Anton George gemacht. Der reaktionäre und antiaufklärerische Lyriker entwarf in „Das neue Reich“ (1928) die Idee einer hierarchischen Gesellschaft, geführt von einer geistigen Elite. Dies veranlasste die Nazis dazu massiv um dessen Gunst zu werben, was George jedoch abwehrte. Diese reaktionäre und antidemokratische Opposition zu Nazideutschland attestiert Leviathan auch Von Stauffenberg, den er als einen „Patrioten“,„theoretisch loyal zum Regime“, fasst.

Auch Ernst Jünger, stj-coverAntidemokrat und Autor des kriegsverherrlichenden Buches „In Stahlgewittern“, gegenüber äußert der Sänger Interesse. Dieser, ebenso wie weitere Autoren aus dem Zusammenhang der „konservativen Revolution“, hätten großen Einfluss auf seine Musik gehabt.

Somit lässt sich „Ostara“ klar als Band charakterisieren die sich der okkult-mystischen Grundlage des Faschismus verschrieben hat und nationalistisches, antidemokratisches und antiaufklärerisches Gedankengut propagiert – all dies verpackt in poppigem Gewandt. Kritik wird mit Verweis auf Leviathans Elternhaus pauschal als Rufmord abgetan.

Dazu passt es sehr gut, dass „Ostara“-CDs in Deutschland über das rechte Label „Eis&Licht“ vertrieben werden. Das Label von Stephan Pockrandt gibt das rechte Fanzine „zwielicht“ (Nachfolgeprojekt von Zinnober) heraus, veröffentlichte CDs der rechten Formationen „Waldteufel“, „Von Thronstahl “ und „Voxus Imp.“ und vertreibt über seinen Onlineshop „Neofolk.de“ rechte Szenegrößen wie „Death in June“, „Blood Axis“ und „Les Joyaux de la Princesse“.

Alle Zitate: wörtliche Übersetzungen von „Interview with Richard Leviathan (Ostara), 30/01/2001″, „Richard Leviathan of OSTARA. Interviewed by Troy Southgate“ und „OSTARA Interview. 23.02.2002″

Quelle: Polit-Cafe Azzoncao

Kirlian Camera in Sachsen

Kirlian Camera zählen zu den bekanntesten Bands aus dem rechten Neofolkspektrum. Die Tour anlässlich ihrer neuen CD soll sie nach Meissen und Görlitz führen.

Konzerte am Rechten Rand
- am 10. und 11. Februar spielen KIRLIAN CAMERA in Sachsen -
eine Kurzmitteilung der antifa2005

Wenn die italienische Band Kirlian Camera die zwei einzigen Konzerte in Deutschland während ihrer aktuellen Tournee am 10. Februar im Luisenkeller zu Görlitz und tags darauf in der Meissener Hafenstraße geben wird, werden unter den Gästen nicht nur musikbegeisterte Grufties, Gothics und DarkWaver sein.

Auch eine ganze Reihe von Aktivistinnen und Aktivisten des extrem rechten Neofolksspektrums wird sich einfinden und sofern die Band ihr Lied „U-Bahn V.2 HEILIGENSTADT“ spielen wird, auch der hier gesampelten Rede von Corneliu Codreanu lauschen. (CD Kirlian Camera: Todesengel. The Fall Of Life. 1991)


the first…

Codreanu war Begründer und Führer der faschistischen „Legion Erzengel Michael“ in Rumänien, die sich später „Eiserne Garde“ nannte. Die extrem rechte Vereinigung beging Feme-Morde und war insbesondere durch ihren aggressiven Antisemitismus berüchtigt geworden. (vergl. Informationsdienst gegen Rechtsextremismus: www.idgr.de)
Innerhalb der rechten Darkwaveszene besitzt Codreanu Kultstatus
Konsequenterweise waren Kirlian Camera neben anderen einschlägigen Projekten vertreten auf dem geplanten Codreanu-Gedenk-Sampler „Erinnerung an den Kampf – official release of the commandants and generals of the iron guard“ – Das Begleitbuch sollten u.a. Texte des
italienischen Faschisten Julius Evola und des deutschen Nationalisten Ernst Jünger ergänzen. (vergl. Dornbusch/Raabe:RechtsRock. Bestandsaufnahme und
Gegenstrategien. Münster 2002)

the second…

Für ein gemeinsames Konzert von Kirlian Camera im Sommer 2000 in Kassel mit Kapo!, Ostara (vormals strength through joy), Les Joyeaux De La Princesse, Death in June sowie Aurum Nostrum – allesamt rechts zu verortende Bands – warb u.a. die Freie Nationale Jugend Celle. (Speit: Ästhetische Mobilmachung. Münster 2002)
Das wundert nicht, sind Kirlian Camera doch bekannt für ihre Auftritte mit Dia- und Videoinstallationen, bei denen dann auch mal Hakenkreuze und Szenen aus dem Dritten Reich im Hintergrund über die Leinwand flackern, davor der schwarz uniformierte Sänger der Band.

the third…

Mit dem Nebenprojekt Stalingrad beteiligte sich Kirlian Camera an einem Gedenk-Sampler für Josef Thorak, einem der relevantesten nationalsozialistischen Bildhauer. Das Lied „er Letzte Flug“ ist benannt nach einer gleichnamigen Statue Thoraks, welche eine Frau mit ihrem toten Sohn im Arm darstellt.
„Der durch die Verbindung des Namens Stalingrad mit der Plastik Der Letzte Flug zustande kommende Interpretationsrahmen meint weniger den tragischen Tod eines einzelnen Menschen als den „Opfergang“ der Wehrmachtssoldaten. (…) Es ist der Schmerz der Täter,
das Leid der Opfer bleibt in dem Song unerwähnt, sodass er ein Trauergesang für den „gefallenen Helden“, für den „Opfergang für Volk und Vaterland“ ist. (Speit: Ästhetische
Mobilmachung. Münster 2002)
Natürlich, wie symptomatisch für die rechte DarkWaveszene, versucht auch Kirlian Camera beständig die Kritiken zu relativieren, es handele sich vielmehr um Kunst, Ästhetik, und überhaupt sei man doch unpolitisch.

the fourth…

Die Hafenstraße Meissen gilt als eher alternativ geprägter Klub. Nichtsdestotrotz konnten dort schon einmal im November 1998 offen agierende Neonazis auftreten. Organisiert vom Dresdner Szeneverlag EisLicht fand ein Konzert der US-Amerikanischen Band Blood Axis statt.
Dessen Kopf Michael Moynihan macht keinen Hehl aus seiner Meinung: „Einerseits denke ich, daß die Zahl 6 Millionen nur zufällig und ungenau und wahrscheinlich eine große Übertreibung ist. Ich habe revisionistische Bücher gelesen, die gut gegen den Holocaust-‘Kanon‘ argumentieren, und selbst die jüdischen Historiker verändern fortwährend ihre Ansprüche. Doch mein Hauptproblem bezüglich der Revisionisten ist, daß sie von der Annahme ausgehen, das Töten Millionen unschuldiger Menschen sei als solches ‚böse‘. Mehr und mehr neige ich zur entgegengesetzten Schlußfolgerung. Ich geriete nicht aus der Fassung, wenn ich herausfände, daß die Nazis jede ihnen zugeschriebene Grausamkeit begangen hätten – ich zöge es vor, wenn es wahr wäre.“ (In einem Interview mit No Longer A Fanzine, zitiert nach Alfred Schobert:
Heidentum, Musik und Terror in Junge Welt, 18.4.1997)

the end …

Wir halten den geplanten Auftritt von Kirlian Camera nicht für einen fauxpas der Hafenstraße Meissen und des Luisenkeller Görlitz. Konzertveranstaltungen mit solchen Bands sind Podien für die Darstellung einer martialischen maskulinen, faschistoiden Ästhetik unter Verwendung entsprechender Symbolik.

Wir werden dem etwas entgegenzusetzen wissen.

antifa2005 at web.de

Quelle: Indymedia

Braunes aus der Schwarzen Szene

Ein aktueller Überblick über rechte Bands in der Darkwave-Szene und ihre Absichten

Innerhalb der Darkwave-Szene1 hat sich seit Mitte der 90er Jahre ein kleiner, dafür um so frecher agierender Kreis von Aktivisten herausgebildet, die bewusst rechtes Gedankengut aufgreifen und propagieren. Im kulturellen Faschistische Ästhetik beim Auftritt rechter Darkwave-Bands (Juni 1999 auf Burg Falkenstein).Gewand bezieht man sich auf alte Denker der Konservativen Revolution und des Faschismus und bekämpft die Moderne mit all ihren Facetten. Dabei agieren die Protagonisten nicht als geschlossene Gesellschaft, sondern können sich vielmehr in der Grauzone zwischen Darkwave und Rechtsextremismus tummeln – schließlich kommt man aus der gleichen Szene, nur die Intentionen bei der Beschäftigung mit Tod, Religion, Symbolen etc. sind andere.

Als einer der Stars des extrem rechten Flügels der Darkwave-Szene gilt nach wie vor die englisch-australische Gruppe Death in June mit ihren kulturpolitischen Inhalten, ihrer militaristischen Ästhetik, ihrer Musik und den gängigen Vieldeutigkeiten, mit denen die Band spielt und sich damit Kritik entziehen will. Gemeinsam mit dem Sozialdarwinisten Boyd Rice tourt Death in June seit geraumer Zeit durch die USA und Europa. Der europäische Auftakt fand am 10. April in Brest statt, wo die Intervention französischer Antirassismus-Gruppen die Vorbereitung des Konzertes behinderte und zur Verlegung der Veranstaltung führte. Im Gegensatz zu den anderen Konzerten wurde der deutsche Auftritt von Death in June am 27. April im Raum Chemnitz sehr konspirativ vorbereitet. Der ursprünglich geplante renommierte Veranstaltungsort Kraftwerk wurde im Vorfeld gekündigt, weshalb der Gig dann in Bucha bei Jena stattfand.

Zur jüngsten Veröffentlichung von Death in June wurden offiziell keine Liedtexte veröffentlicht, was an den offensichtlich antisemitischen Ausfällen liegen dürfte. So wird im Lied »We said destroy II« offen auf das orthodoxe Judentum angespielt, aus Shakespeares »Der Kaufmann von Venedig« zitiert und indirekt die dort handelnde Person des Shylock2 aufgerufen. In einem anderen Lied ist von »shylock piggies« die Rede, der Titel der gesamten Veröffentlichung lautet dann »All pigs must die«.

Albin Julius, Sänger von Der Blutharsch. Bereits im März gastierten zwei andere extrem rechte Bands auf Einladung der Dresdner Gruppe LAS-Kulturavantgarde3 in Sachsen. blutharschHier musste ebenfalls ein in Claußnitz geplantes Konzert wegen antifaschistischer Interventionen verlegt werden und fand schließlich im Gasthof Goldener Anker in Marbach statt. Die ungarische Band Scivias trug an diesem Abend die Odal-Rune offen zur Schau und Der Blutharsch aus Österreich präsentierte sich in schwarzen Uniformen. Die Bands kreierten eine militaristische Atmosphäre und griffen oftmals Elemente der nationalsozialistischen Ästhetik auf. Abgerundet wurde dieser Eindruck durch die Verkaufsstände, wo es u.a. Bücher aus den rechtsextremistischen Verlagen Grabert und Arun zu kaufen gab und die extrem rechten Zeitschriften Hagal (Dresden) und Die Tat (Halle) feilgeboten wurden.

Der Sampler »Fidelis Legio« als Beispiel

Wofür eine Band wie Scivias ideologisch steht, macht deren Beteiligung am Sampler »Fidelis Legio« deutlich, der sich als Huldigung an Corneliu Zelea Codreanu (1899-1938) versteht. Der Gründer und Führer der rumänischen Legion des Erzengels Michael (alias Eiserne Garde) propagierte einen christlich orthodox fundierten Faschismus und war ein fanatischer Antisemit. Bis heute bieten die Positionen der ehemaligen Legionäre wichtige ideologische Bezugspunkte für europäische Neonazis. Erstellt wurde der Sampler von Calin Dan Ghetu, der als Aktivist der reanimierten Eisernen Garde von Rumänien aus Verbindungen zu verschiedenen Neonazis in ganz Europa hält. Martin Schwarz (Wien) bemüht sich im Begleitheft, die Vorzüge des rumänischen Faschismus im Gegensatz zum Nationalsozialismus herauszuarbeiten. In der ebenfalls maßgeblich von Schwarz editierten Kshatriya-Mailingliste wird Codreanu als der »asketisch-religiöse Erwecker der rumänischen Seele« bezeichnet, der eine »Leitfigur für die Elite der national-europäischen Erhebung wider die dekadente Welt [ist], der er anders als der Duce oder der Führer mit keiner Faser seines Leibes angehörte«.

Die teilnehmenden Bands aus dem Darkwave-Spektrum4 betonen in ihren Beiträgen die Bedingungslosigkeit des Kampfes der Eisernen Garde und ästhetisieren den Tod als Höhepunkt im Dasein eines Legionärs. Exemplarisch ist der Beitrag »Europa – long live death!« der italienischen Band Londinium SPQR.5 Das Stück beschwört den fanatischen Kampf der Eisernen Garde, deren Schlachtruf »long live death« war: »Europas Wind bläst wieder auf diesen Fahnen. (…) Das Sterben im Kampf hieß ewige Ehre. Sag mir, was ist los mit meinem Land? Es lässt sich nicht mehr erkennen. Und wir sind jetzt bereit, mit unseren Brüdern den Kampf zu teilen bis zum Sieg«. Die insgesamt fünf Sprachen, in denen das Lied vorgetragen wird, sollen die europäische Ausrichtung der Band bzw. des gesamten Samplers verdeutlichen.

Eine Szene mit Abgrenzungsschwierigkeiten

Ebenfalls ein Werk zu dem Codreanu-Sampler beigesteuert hat die Band Darkwood aus Dresden, die Mitte Mai beim Wave-Gotik-Treffen (WGT) in Leipzig anzutreffen sein wird, dem weltgrößten Treffen der schwarzen Szene. Derartige Auftritte (extrem) rechter Bands sind mittlerweile normal, schließlich sind hier alle kulturellen, musikalischen und politischen Facetten vertreten. darkwoodDie (extrem) rechten Bands werden geduldet, indem beim WGT jeder seine eigene Party feiert. Mit dabei ist in diesem Jahr beispielsweise auch Camerata Mediolanense (angekündigt als Camerata Sforzesca), die sich vor zwei Jahren für das deutsche Blood & Honour-Magazin interviewen ließen und mehrmals bei rechtsextremen Veranstaltungen spielten.

Kritik an den politischen Aussagen einzelner Bands wird in der schwarzen Szene nur ungern angenommen; in der Vergangenheit in die Szene hineingetragene Diskussionen waren wenig ergiebig. Dies liegt zum einen an einem verkürzten Begriff des Rechtsextremismus: Bestimmend ist das Klischee von Glatze und grüner Bomberjacke; die viel größere Gefahr der Mischung von sozialen, politischen, kulturellen und ästhetischen Werten in der Szene wird nur selten gesehen. Verkörpert wird diese z.B. von dem Neonazi Christian Kapke, der vor wenigen Jahren mit seiner Band für Blood & Honour aufspielte und heute federführend beim Neofolk-Internetprojekt lichttaufe.de [nonpop.de] aktiv ist.

Die zweite Schwierigkeit bei Diskussionen in der Szene besteht in den absichtlichen Uneindeutigkeiten der einschlägigen Bands. O-Töne wie »genaugenommen gab es Runen doch schon vor dem Nationalsozialismus« oder »Vertreter der Konservativen Revolution der 20er Jahre wurden schließlich auch im Nationalsozialismus verfolgt« gehören in der Argumentation zum Standardrepertoire. Problematisch für antifaschistische KritikerInnen ist also, dass jeder einzelne Aspekt eines Projektes aus dem extrem rechten Darkwave-Spektrum fast immer vieldeutig zu interpretieren ist. Für eine fundierte politische Bewertung ist daher die Addition aller Einzelaspekte (Texte, Ästhetik, Bezüge, Fans, Rezensionen etc.) zu einem Gesamtbild notwendig.

Fazit

Nicht zuletzt muss man sich der Logik entziehen, dass das Wirken (extrem) rechter Bands, Zeitschriften etc. ausschließlich kulturell verstanden werden soll. Für den erwähnten Christian Kapke ist klar, »dass man bewusst versucht, politische Inhalte über Kunst zu transportieren, einfach weil es dadurch unscheinbarer oder entsprechend eingängiger erscheint«.

Thomas Naumann

Quelle: Turn it down

  1. Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Darkwave-Szene ist nicht per se (extrem) rechts. [zurück]
  2. Der verhasste jüdische Geldverleiher symbolisiert den antisemitischen Stereotyp vom gierigen Juden. Für Alfred Rosenberg vereinte das Wesen Shylock »äußerlich (…) alle jüdischen Rassenzüge (…). Shylock ist also sowohl Einzelmensch wie Typus, ein Jude sowohl wie das Judentum«. Vgl.: Rosenberg, Alfred: »Der Mythus des 20.Jahrhundert«. München 1934, S.411. [zurück]
  3. Ein ebenfalls von LAS anberaumtes Konzert mit der Band Ostara (früher Strength through Joy) Ende April 2002 wurde aufgrund bandinterner Gründe abgesagt. [zurück]
  4. Mit dabei sind unter anderem Blood Axis, Spiritual Front, Ain Soph, The days of the trumpet call, Belborn (Rosenheim) und Von Thronstahl, die am 29./30.Juni 2002 beim Pressefest der rechtsextremen Zeitschrift Signal in Köln spielen sollen. [zurück]
  5. Die Band ist der Identitätsrock-Bewegung zuzurechnen und spielte in den vergangenen Jahren bei zahlreichen neonazistischen Skinhead-Konzerten. [zurück]

Rechte Tendenzen in der Wave- und Gothic-Szene

Rechte Tendenzen in der Wave- und Gothic-Szene
Von Arne Gräfrath

Zum Anfang eine Erklärung zum Begriff Wave- und Gothic-Szene. In dem folgenden Text umfasst dieser Begriff die gesamte Bandbreite der sogenannten schwarzen Szene mit all ihren Spielarten von Darkwave, Gothic, EBM, Industrial bis hin zur Fetisch-Szene, auch in dem Bewusstsein, dass manche(r) in eine Ecke gedrückt wird, in der sie/er nicht hineingehören.

Seit etwa Ende der Achtziger Jahre wurde in der Wave- und Gothic-Szene immer wieder rechte Tendenzen im Bezug auf Musik-Bands beobachtet. Aber weder allgemeingültige (rechte) Entwicklungen lassen sich in der Wave- Gothic-Szene (WGS) definieren, noch lassen sich die Inhalte der Gruppen und Personen repräsentativ für diese Musik- und Kulturszene ableiten. Es handelt sich aber hier um akzeptierte Erscheinungen in dieser Szene.

Rechte Einflüsse auf die Wave-Gothic-Szene

Versuche von Neonazis in die Wave-Szene einzudringen, gibt es schon so lange, wie die Szene an sich existiert. Die Wave-Gothic-Szene entwickelte sich aus der Punkbewegung der Siebziger Jahre – sie verstand sich allerdings als unpolitische Gegenkultur. Jeder Meinung, die verbindende Elemente zur Wave Szene besass, stand man tolerant gegenüber (und ermöglichte so den Rechten erste Erfolge). Auffällig ist dabei, dass Toleranz oftmals mit Kritiklosigkeit, Ignoranz und Beliebigkeit verwechselt wird. Gerade bei der Kritiklosigkeit gegenüber neofaschistischen Meinungen und Inhalten wird ein Widerspruch innerhalb der Szene am deutlichsten – einerseits versteht sich die WGS als Kritik und Gegenkultur zur menschenverachtenden-technokratischen Gesellschaft, anderseits wird selber mit Symbolen kokettiert, die menschenverachtender nicht sein können. Verbindende Elemente zur Neonaziszene sind Esoterik, Okkultismus und Neoheidentum.

Als The Cure 1979 den Song »Killing an Arab« veröffentlichte, gab es die ersten Versuche britischer Neonazis (die der BNP – British National Party) in der Punk-/Wave-Szene Fuss zu fassen und den Song und die Band für sich zu vereinnahmen. Dies scheiterte jedoch daran, dass The Cure sich sofort vehement gegen diese Entwicklung aussprachen und es auf den Konzerten regelmässig zu Auseinandersetzungen zwischen anwesenden Neonazis und Grufties kam. Mit dem Aufkommen von sogenannten Neofolk-Bands Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre bestimmten immer mehr Heidentum und Elemente faschistischer Ideologie die Ikonographie der WGS. Auch ein deutliches Interesse der sogenannten »Neuen Rechte« (besonders der rechtsextremen Zeitschrift Junge Freiheit) an der Gegenkultur der Grufties war zu erkennen.

Roland Bubik, Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und Autor der Jungen Freiheit (JF) schrieb im Kulturteil der JF im Herbst 1993: »…die Jugendkultur von heute bietet erfolgversprechende Ansätze (…) Ein merkwürdiges Bewusstsein, in einer Phase des Niedergangs zu leben, ist virulent, vom ’age of destruction’ ist die Rede, die Parties der Tekkno-Szene gleichen makabren Totenfeiern einer Epoche. Man (…) misstraut der Erklärbarkeit der Welt, wendet sich sogar rückwärts, etwa in Form der verschiedenen Independent-Szenen.« In seinen Texten beruft sich Bubik auf den italienischen Kulturphilosophen und Vertreter der Anti-Moderne Julius Evola (1898 – 1974), den Umberto Eco einen »faschistischen Guru« nannte. Evolas »Revolte gegen die moderne Welt« glaubt Bubik in der Dark Wave Szene wieder zu finden. Nachdem Bubiks Träume von der Techno-Szene (»Stahlgewitter als Freizeitspass«) sich bald als Schäume entpuppten (»seelische Vergewaltigung durch Beat-Computer und Masse«), vermeinte er in der Neo-Folk- und Gothic-Szene Anknüpfungspunkte zu finden. Er nennt Bands wie Dead Can Dance oder Qntal, deren »mittelalterliche ‚Musik’ eine andere Sprache als die der Moderne« spreche. In Wahrheit haben beide Bands nichts mit rechtem Gedankengut zu tun. Qntal gehören in den Kreis der deutschen Dark Wave – Bands (Deine Lakaien, Estampie, Das Ich), die sich wiederholt und vehement gegen den rechten Kulturkampf zu Wort gemeldet haben (siehe auch Aufruf zum Dark-X-Mas-Festival 1992). Und Bubiks Redaktionskollege Peter Bossdorf (s.u.) musste feststellen, dass Dead Can Dance längst nicht auf eine Rezeption mittelalterlicher Musik zu reduzieren sind und keine (musikalischen) Grenzen kennen. Anlässlich ihrer CD »Spiritchaser« (4 AD/Rough Trade 1996) stellt er enttäuscht fest: »Man parodiert in gezierter Pose den Orient, (…) begleitet von nicht mehr an Langeweile zu übertrumpfenden Percussion-Einlagen der Marke Dschungel. (…) Wenn dies Weltmusik sein soll, ist die Welt nicht zu beneiden.« (JF 29/96).

Doch es gab durchaus reale Anknüpfungspunkte in der Szene: Bubiks Lebensgefährtin Simone Satzger (alias Felicia), Sängerin der Gruft-Band Impressions Of Winter, propagierte 1995 eine rechte Kulturinstrumentalisierung und empfahl, »sich aktuellen kulturellen und politischen Phänomenen zu öffnen, um sie für die eigenen Zwecke zu nutzen.«1

Darüber hinaus existierten schon damals eine Reihe von Bands mit tatsächlich rechten Inhalten. Von Interesse für die »Neue Rechte« war zudem ein in der Gothic-Szene verbreiteter Hang zum Mystischen. Auch die Bezüge von Teilen der Szene zu Romantik, Heidentum und Esoterik sind für die Rechten von Interesse, da sie ein Anknüpfungspunkt für rechte Propaganda sind.

Bands, Verlage, Fanzines – die Verquickung von Kommerz und Ideologie

Die »Operation Dark Wave« nahm in der Jungen Freiheit ihren Lauf. &Üuml;ber einen Nachwuchswettbewerb konnte eine mit Dark Wave vertraute Schreiberin gefunden werden, die freilich bald das Handtuch schmiss. Sie warnte in einem offenen Brief an Rainer »Easy« Ettler, dem Herausgeber der Szenezeitschrift Zillo, eindringlich vor dem rechten Kulturkampf und gab den Gothics mit auf den Weg, dass sie für die Rechten nur »nützliche Spinner auf dem Weg zur Macht« seien. (Leider wurde der Brief vom Zillo nie abgedruckt, obwohl er 1996 genau dort hingehört hätte und bis heute keine breite Debatte darüber stattgefunden hat).

Mit Peter Bossdorf, der auf eine lange Vergangenheit u.a. im Thule-Seminar und bei den Republikanern zurückblicken kann, konnte Mitte der 90er Jahre ein Junge Freiheit-Redakteur in der auflagenstärksten Zeitschrift der »Independent Szene« platziert werden: Das Zillo war sich zudem nicht zu schade, wiederholt rechte Anzeigen abzudrucken, darunter auch der Jungen Freiheit (Zillo 2/96). Die Liaison Zillo/Junge Freiheit war aufgrund von Protesten aus der Szene bekannt geworden: das Hamburger Wave-Label »Strange Ways« (u.a. »Goethes Erben«) und der Vertrieb Indigo machten den Skandal öffentlich. Nach dem Tod des Zillo-Chefredakteurs Rainer Ettler wurde Peter Bossdorf im Frühjahr 1997 endlich vor die Tür gesetzt.

Doch damit ist der rechte Kulturkampf nicht zu Ende. Mittlerweile haben sich feste Strukturen herausgebildet und vernetzt. Verlage, Zeitschriften und eine ganze Reihe von Bands sind durch eine kontinuierliche Arbeit für die Sache einer rechtsextremen »Kulturrevolution« aufgefallen.

Exkurs: Death in June

In erster Linie sind Death in June zu nennen. Sie schafften es zu einem Novum: 1997 erschien ein Artikel über die Band in der »Bravo« der Nazi-Skins, der RockNord, einer rechtsextremen Skinheadzeitschrift. Der Name ist bei der Band Programm: Sie berufen sich offen auf den »national bolschewistischen« Flügel der NSDAP um SA-Führer Röhm, der am 30. Juni 1934 in der sogenannten »Nacht der langen Messer« auf Weisung der NSDAP- Führung umgebracht wurde.

Ebenfalls zu nennen wäre das Fanzine »Sigill« (Untertitel: Magazin für die konservative Kulturavantgarde Europas), das in seiner Konzeption vielleicht ernstzunehmendste rechte Blatt der schwarzen Szene. In Sigill kommt der Kern des rechten Segments der Dark-Wave-Szene zu Wort: Death In June, Sol Invictus, Radio Werewolf, Kirlian Camera, Orplid, Strength Through Joy, Allerseelen, Forthcoming Fire, The Moon Lay Hidden Beneath a Cloud usw. Auch wenn Sigill viel Wert darauf legt, nicht als Nazi-Blatt angesehen zu werden, so spricht doch die Autorenschaft von Leuten wie Markus Wolff (Waldteufel), Kadmon (Allerseelen) oder Martin Schwarz, der auch für das NPD-Blatt Deutsche Stimme schreibt, eine andere Sprache. Ebenso ihre durch die »Deutsch-Maschine« gezwirbelten Artikel: so heissen Compact Discs bei Sigill nicht CDs, sondern Lichtscheiben… So wird auch sprachlich vorbereitet, was Sol Invictus mit Freude besangen: »The Death Of The West«. Das rechtsextreme Label mit angegliederten Buchverlag VAWS ist ein weiteres Beispiel.

Viele Mitglieder rechter Neo-Folk und Industrial-Bands arbeiten nebenbei in rechtsextremen Verlagen und an Zeitschriften, die das auch in den Songtexten vorhandene rechte Gedankengut in intellektueller Form vertiefen. Fans werden auf Dauer nicht dabei stehen bleiben, nur die Platten ihrer geliebten Künstler zu kaufen, sondern sich auch für die schriftlichen äusserungen interessieren. Gemeinsam ist praktisch allen der genannten Zeitschriften ein Mix aus Berichterstattung über neurechte Bandprojekte aus dem Neo-Folk, Black Metal und Industrial, heidnischen Themen, Germanen-, Kelten- und Wikinger-Kult, Runenkunde und mehr oder weniger deutlich ausgeprägten nazistischen, antisemitischen oder nationalrevolutionären Themen. Immerwiederkehrend ist auch die Berufung auf die »Meinungsfreiheit«, die »Künstlerische Freiheit« und ein »Freidenkertum« jenseits von »Schablonen« wie links und rechts. Auf den ersten Blick macht das die Sache sehr verwirrend und widersprüchlich, wenn Leute wie Moynihan sich etwa als »Anarchisten« bezeichnen, gleichzeitig aber liberale und demokratische Freiheiten ausnutzend sozialdarwinistisches, antisemitisches und rassistisches »Blut und Boden«-Gelaber vom Stapel lassen und sich in rechten Zirkeln tummeln oder sie gar selbst gründen.

Auch wenn die Auflage aller rechten »Wave«-Zeitschriften kein Anlass zur Panik gibt, so sind sie doch wichtige Bindeglieder zwischen Grufties, die an den besprochen Bands oder am Heidentum interessiert sind, und dem rechten Kulturkampf. Dieser rehabilitiert auf diesem Wege die ganze esoterisch-mystische Seite des Nazi-Regimes (etwa das SS-Ahnenerbe und seine Wewelsburg bei Paderborn), die nationalrevolutionären Strömungen des NS wie etwa die SA, den italienischen Faschismus und die eng mit ihm verwobene Kunstrichtung des Futurismus, die faschistischen Eisernen Garden aus Rumänien und ihren Gründer Corneliu Codreanu Nazi-Künstler wie Riefenstahl, Thorak und Speer, Germanenkult, Sozialdarwinismus und Antisemitismus und damit entscheidende Ideologiebestandteile faschistischer, nationalrevolutionärer und nationalsozialistischer Gruppen und Organisationen. Auch über die oft spielerisch verbrämte Enttabuisierung von Symbolen wie dem Haken- oder dem Kruckenkreuz und der Etablierung von germanischen Runen versuchen die Rechten Schritt für Schritt den Blick auf das Dritte Reich und letztlich das ganze Weltgeschehen in ihrem Sinne zu verändern.

Auf bestimmten Festivals wie dem Internationalen Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, auf Konzerten sowie in entsprechenden Plattenläden ist ein Grossteil der erwähnten Magazine zu erwerben und die Platten stehen auch in Läden, deren Betreiber weder rechts noch ahnungslos sind. Kommerzielle Interessen machen es dem rechten Kulturkampf besonders leicht.

Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang, dass ein Grossteil der Fans von Bands wie Death In June, Sol Invictus oder Kirlian Camera selbst nicht rechts ist, sondern nur auf die Musik dieser Neo-Folk-Bands steht. Das »rechte Image« der Bands ist den meisten bekannt. Doch gerade in Deutschland ziehen sich die Fans gerne auf in Musikzeitschriften veröffentlichte Distanzierungserklärungen und Ausreden der Bands zurück, die besagen, dass die Kritiker die Bands ja nur »missverstehen« würden. Es gibt aber belegte Fälle von Fans, die über die Beschäftigung mit Neo-Folk-Bands sich plötzlich für die protegierten Ideologen wie Ernst Jünger oder Julius Evola interessierten und schliesslich fasziniert davon selbst Teil des rechten Kulturkampfes wurden. Den Fans, die tatsächlich nichts damit zu tun haben wollen, fällt der Abschied von »ihrer Band« oft schwer. Immer wieder konnten wir regelrechte schmerzliche Abschiedsprozesse beobachten, was wohl jeder nachvollziehen kann, der sich vorstellt, sich von seiner Lieblingsband trennen »zu müssen«.

Quelle: D-A-S-H

  1. in: »Elemente«, veröffentlicht in Bubiks (Hg.) »Wir 89er«, 1995 [zurück]