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Sommernachtstraum

Trotz antifaschistischer Öffentlichkeitsarbeit fand am 31. Juli 2004 das extrem rechte Dark Wave-Konzert „Mitternachtsberg-Fest“ in der Burg Vondern in Oberhausen (NRW) statt.

Als Veranstalter trat der „Forsite-Verlag“ [Trojaburg Versand] auf. Dieser gehört dem 31-jährigen Dennis H. Krüger aus Bottrop. In seinem Verlagsangebot zu „Frühgeschichte-Mythologie-Esoterik“ sind einschlägige Standardwerke der nationalsozialistischen „Rassenkunde“ ebenso zu finden wie die Werke der völkischen Antisemiten Guido von List und Jörg Lanz von Liebenfels. Aufgrund seiner häufigen Teilnahme an neonazistischen Demonstrationen wird Krüger von der örtlichen Antifa der neonazistischen Szene im Ruhrgebiet zugerechnet.

Aufgetreten sind die Neo-Folk-Bands „Cawatana“ (Ungarn) und „Lux Interna“ (USA) sowie die österreichische Formation „Allerseelen“. Angekündigt wurde diese Gruppe um den extrem rechten Esoteriker Gerhard Petak lediglich unter dem Namen „Aar“ – zu groß war scheinbar die Sorge vor der kritischen Öffentlichkeit hinsichtlich der seit Jahren formulierten Kritik an der Band und dem Musiker. Jüngst erst steuerte „Allerseelen“ einen Song zur Compilation „Wir rufen Deine Wölfe“ bei, die dem Begründer des „Neuen Nationalismus“ und Kämpfer gegen die Weimarer Republik Friedrich Hielscher gewidmet ist. Die CD wurde im übrigen auf dem Label „Aorta“ von Petak veröffentlicht, die LP-Fassung auf „Ahnstern“, einem Sublabel von „Steinklang Records“ (Österreich).

Nachdem die örtliche Presse berichtet hatte, versuchte der Vermieter, der „Förderkreis Burg Vondern“, den Vertrag zu kündigen, scheiterte aber an juristischen Schwierigkeiten. Auch die Stadt fand keinen Grund, die Genehmigung für das Konzert zurückzunehmen, engte aber über Auflagen den Veranstaltungsrahmen ein.

Letztendlich fanden nur ca. 60 zahlende Gäste den Weg zur Burg. Der angekündigte „Mitternachtsberg“ wurde nicht erreicht, denn pünktlich um 22 Uhr musste das Konzert beendet sein. Verfassungsfeindliche Symbole wurden, wie sonst auf vielen derartigen Veranstaltungen üblich, hier nicht zur Schau gestellt. Die Präsenz der Polizei sorgte wohl für dieses verhaltende Auftreten. Unscheinbar am Rande platziert wurden Interessierten lediglich die aktuellen Ausgaben der Magazine „Zinnober“ und „Wolfszeit“ sowie ein paar CDs angeboten.

Um die Burg herum hielt sich eine Hundertschaft der Polizei auf. Sowohl in der verhältnismäßig zahlreich anwesenden Security als auch unter den Gästen befanden sich einige Neonazis aus dem Ruhrgebiet. Als geschäftsfördernden Einstand im neuen Metier der Konzertveranstaltungen dürfte dieser Abend für den Veranstalter jedenfalls mächtig daneben gegangen sein.

von Jochen Koblinski

dieser Artikel erschien im Rechten Rand Nr. 90

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Im folgenden dokumentieren wir einen aktuellen offenen Brief der antifaschistischen Zeitung „Lotta“ und des Antifaschistischen Bündnisses Oberhausen (ABO):

Offener Brief

An:

- Stadt Oberhausen – Der Oberbürgermeister u.a.

- Förderkreis Burg Vondern e.V.

Nachrichtlich an:

- Regionale Presse

- Lokale Parteien, Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen


Konzert der extremen Rechten auf Burg Vondern?

Oberhausen, 29. Juli 2004

Sehr geehrte Damen und Herren!

Am übermorgigen Samstag, 31. Juli 2004, soll laut Einladung des Veranstalters „im Burghof der Burg Vondern / Oberhausen (Ruhrgebiet)“ ein so genanntes „Mitternachtsberg-Fest“ stattfinden. Diese Veranstaltung wird von Aktivisten der extremen Rechten organisiert.

Bei dem Event handelt es sich um ein musikalisch der Darkwave- bzw. Gothic-Szene zuzuordnendes Konzert. In dieser auf Individualität, Romantik und religiöse Sinnsuche ausgerichteten Szene existiert seit einigen Jahren auch ein kleiner rechter Bereich. Dieser ist jedoch weder inhaltlich noch von seinem Äußeren her z.B. mit der rechten Skinhead-Szene vergleichbar.

Hier wird Individualität zu Elitedenken erhöht, romantische Retrospektiven wandeln sich zu einer Ablehnung der Moderne inklusive der Ablehnung des demokratischen Denkens.

Auch in den Kreisen der extremen Rechten, z.B. der „Neuen Rechten“ wird versucht, die Darkwave-Szene zu agitieren und den rechten Teil dieser Szene zu fördern und daraus Nutzen zu ziehen. Sei es seitens der rechtsintellektuellen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ oder Werner Symanek, der bis vor kurzem in Oberhausen seinen extrem rechten Versand VAWS betrieb1.

Auch bei dem „Mitternachtsberg-Fest“ existiert ein solcher Hintergrund und es lassen sich Verbindungen zur extremen Rechten nachweisen. Als Veranstalter wird der „Forsite-Verlag“ genannt. Über diesen in Bottrop ansässigen Verlag können auch die Eintrittskarten bezogen werden.

Dass es sich hierbei um einen der extremen Rechten angehörigen Verlag handelt, zeigt schon ein kurzer Blick in sein Internet-Angebot2. In nahezu jedem Bereich des Angebots finden sich Vertreter der extremen Rechten, sogar des Nationalsozialismus. Im Bereich „Frühgeschichte“ wird z.B. die

„Rassenkunde des deutschen Volkes“ von Hans F. K. Günther angeboten und als „gründliche Untersuchung des bekannten Wissenschaftlers zur Eugenik“ gepriesen.

Bei dem Werk handelt es sich um ein Standardwerk der nationalsozialistischen „Rassenkunde“. Ebenfalls in diesem Bereich wird „Die symbolhistorische Methode“ des Gründers der SS-Forschungsorganisation „Ahnenerbe“, Herman Wirth, beworben. Im Bereich der „Kelten & Indogermanen“ wird Karl Penkas: „Die Herkunft der Arier“ angepriesen, unter „Mythologie“ die Werke „Guido von List: Die Armanenschaft der Ariogermanen“ und „Jörg Lanz von Liebenfels: Theozoologie“. Bei List und Liebenfels handelt es sich um äußerst rassistische und antisemitische Mystiker der vorvorigen Jahrhundertwende, die als Vordenker des NS bezeichnet werden können3. Ebenfalls im Angebot zu finden sind die Schriften der neuheidnischen „Goden“ und „Armanen“, welche in der Fachliteratur als extrem rechts gewertet werden4.

In der Rubrik „Zeit-Schriften“ wird u.a. auch die Folge 2/1997 des Heftes „Sol Invictus“ angeboten. Das Heft zum Thema „Mitternacht“ umfasst nach Angaben des Verlages „Texte zum Mythenkomplex Mitternachtsberg -Schwarze Sonne – Lichtbringer – Thule u.a Auszüge aus Wilhelm Landig, Julius Evola, Otto Rahn, Kurt Eggers, Rudolf Mund, Werner von Bülow.“ Das Titelblatt der Publikation ist mit einem Foto der „Schwarzen Sonne“, einem von der SS entworfenen Bodenmosaik aus der Wewelsburg, gestaltet. Diese Wewelsburg sollte unter Leitung von Reichsführer SS Heinrich Himmler zur Ordensburg der SS ausgebaut werden und der mystische Mittelpunkt der Welt werden.

Bei den Personen, deren Texte abgedruckt sind, handelt es sich durchweg um Personen, die mit dem Faschismus bzw. dem Nationalsozialismus in Verbindung stehen, so z.B. um den italienischen Mussolini-Berater und antidemokratischen Theoretiker Julius Evola, dem Dichter der SS Kurt Eggers, den SS-Mystikern Otto Rahn und Rudolf Landig.

Es ist naheliegend, dass dieser Personenkreis und dieses Themenheft auch den ideologischen Hintergrund des angekündigten „Mitternachtsberg-Festes“ bilden und es sich bei diesem „Fest“ mitnichten um ein harmloses Konzert handelt.

Zumal sich auch die angekündigten Bands des Abends in einem Spektrum bewegen, die eben jenen Ideologen huldigen. Womit hier nicht gesagt werden soll, dass es sich bei den Bands zwingend um extrem rechte Formationen handeln muss.

Angekündigt sind die Bands folgendermaßen: „Aar (Apocalyptic-Folk Österreich), Cawatana (Neo-Folk/Ungarn), Lux Interna (Neo-Folk/USA)“. Zumindest die beiden Bands „Cawatana“ und „Lux Interna“ veröffentlichten ihre CDs beim Dresdner Label „Eis & Licht“. Bei diesem Label von Stephan Pockrandt handelt es sich um das wichtigste Label in Deutschland, welches rechte Einflüsse im Darkwave fördert. Pockrandt etablierte als Herausgeber die rechte Musikzeitschrift „Sigill“ (später „Zinnober“), welche eine Mischung aus Ideologie und Musik darbot5. In diesem Spannungsfeld bewegen sich auch die Bands, so ist „Cawatana“ mit einer Version des Gedichtes „Michelsgebet/Wir rufen Deine Wölfe“ von Friedrich Hielscher auf dem Sampler „Wir rufen deine Wölfe“ vertreten. Hielscher, einer der Begründer des „Neuen Nationalismus“ und Kämpfer gegen die Weimarer Republik, wird auf dieser Compilation von extrem rechten Bands wie „Blood Axis“, „Waldteufel“ und „Turbund Sturmwerk“ interpretiert.

Es steht zu befürchten, dass sich der extrem rechte „Forsite-Verlag“ mit dem Konzert am 31. Juli präsentieren möchte, dort gar extrem rechte Literatur etc. angeboten wird. „Daneben erwartet Sie ein Bücher-/Tonträger-Verkauf“ heißt es in der Einladung.

Inhaber des „Forsite-Verlages“ und damit Veranstalter des Konzertes ist der 31-jährige Dennis Henry Krüger, früher in Duisburg, dann in Mülheim/Ruhr und heute in Bottrop wohnhaft. Er gehört seit langen Jahren der nazistischen Szene an und war bereits häufig auf neonazistischen Aufmärschen anzutreffen, so z.B. in Dortmund, Bottrop, Frankfurt am Main, Hagen und in vielen anderen Städten. Er wird dem Kreis um die neonazistische Zeitschrift „Der Förderturm“ (FT) zugerechnet6, die zunächst im Ausland, dann in Duisburg, später in Mülheim/Ruhr erschien und aktuell über eine Bottroper Adresse zu beziehen ist. Auch der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz stuft diese Postille als neonazistisch ein und spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer „in dieser Weise noch nie da gewesene[n] kämpferische[n] Aggressivität, was die Durchsetzung der neonazistischen Ziele angeht“7.

Wir gehen davon aus, dass Ihnen diese Hintergründe bisher nicht bekannt waren. Wir bitten Sie hiermit höflichst und fordern Sie gleichzeitig nachdrücklich dazu auf, das Ihrige zu tun, damit das Konzert nicht stattfinden kann.

Für Rückfragen steht Ihnen ein Vertreter des „Antifaschistischen Bündnis Oberhausen“ (ABO) heute und morgen von jeweils 14.00 bis 16.00 Uhr unter der Telefon-Nummer 0208 / 23037 zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Jan Brüsser (i.A. der Absender/innen)

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Laut einer Meldung der Neuen Rhein Zeitung (NRZ) Oberhausen vom 30.7.04, sieht die Stadt keine Möglichkeit, die Genehmigung zurückzuziehen.

Mehr Infos gibts bei der Lotta.

Quelle: Turn it down

  1. Zu VAWS siehe: Martin Dietzsch/Helmut Kellersohn/Alfred Schobert: Jugend im Visier, Duisburg 2002, Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, S. 57 ff. [zurück]
  2. hXXp ://forsite-verlag.de [zurück]
  3. Vgl. Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Graz 1997 [zurück]
  4. Vgl. Jens Mecklenburg: Handbuch deutscher Rechtsextremismus, Berlin 1996, S. 368, 372 [zurück]
  5. Vgl. zu dem gesamten Bereich: Andreas Speit: Ästhetische Mobilmachung. Dark Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien, Münster 2002 [zurück]
  6. Vgl. JD/JL Duisburg: Duisburg – rechts um!? Neonazismus im Großraum Duisburg/Oberhausen, Duisburg 2002, S. 60-64, sowie: Der Rechte Rand, Nr. 88, Mai/Juni 2004, S. 9 [zurück]
  7. Innenministerium des Landes NRW: Verfassungsschutzbericht des Landes NRW über das Jahr 2003, S. 34. Siehe auch WAZ Lokalausgabe Bottrop vom 08.02.2003: „Volksverhetzung bleibt jetzt doch ungesühnt“. Bei dem Halter des dort genannten Fahrzeuges, in dem Neonazi-Material transportiert wurde, handelte es sich um Dennis Henry Krüger, sein damaliges Autokennzeichen: DU-FT 1488, wobei „FT“ hier für „Förderturm“ stehen dürfte, die „14″ als Code für eine neonazistische Formel dient, die aus 14 Wörtern besteht („14 words“: „We must secure the existance of our people and a future for white children“) und die „88″ für „Heil Hitler“ (die „8″ für den 8. Buchstaben im Alphabet, also das „H“) steht. [zurück]

Störfall im Zwischenfall

Wieder einmal machte das „Zwischenfall“ in Bochum-Langendreer von sich reden. Am vergangenen Samstag sollte dort eine Releaseparty der mehr als umstrittenen Neofolkband „Ostara“ stattfinden. Nach Protesten von AntifaschistInnen sahen die VeranstalterInnen davon ab – weniger aus Einsicht, sondern weil man offensichtlich Ärger vermeiden wollte.

Zentrale Figur der Band Ostara ist der Australier Richard Levy (alias Richard Leviathan). In der Szene sind sowohl er als auch Ostara nicht unumstritten. Grund dafür sind zum einen gemeinsame Auftritte sowie Seitenprojekte mit extrem rechten MusikerInnen aus der Dark Wave- und Neofolkszene, zum anderen zweifelhafte Texte und Aussagen der Bandmitglieder. So finden sich auf dem neuen Album mit dem Titel „Ultima Thule“ zwei Leni Riefenstahl gewidmete Lieder. In einem Szene-Review heisst es bezeichnend: „ … wird diese CD der ohnehin heftig kritisierten Band Ostara inhaltlich keine Entlastung bringen. Wer sich an den verwendeten Bildern und Motiven stört, wird hier wenig Freude haben.“

Strength through Joy

Bis zum Umzug von Bandmitglied Timothy Jenn nach Deutschland 1999 nannte sich die Band „Strength through Joy“, was in Deutschland jedoch verboten ist, da „Kraft durch Freude“ (KDF) der Name einer Unterorganisation der nationalsozialistischen Deutschen Arbeitsfront war, welche durch Freizeitgestaltungen den „Erhalt der Arbeitskraft“ gewährleisten sollte. Tatsächlich diente die KDF der Verbreitung von NS-Propaganda.

Das der Name nicht von ungefär gewählt worden war, zeigte sich neben den Texten auch an Hand der Bands, mit denen man zusammen auftrat. So heißt es in einem Bericht im neonazistischen Skinheadfanzine „Der Lokalpatriot“ (Nr. 7) zu einem Konzert mit Strength through Joy, Death in June und Boyd Rice 1996 in München: „Sehr nett waren die Fahnen anzusehen, die auf der Bühne gehißt bzw. über das Schlagzeug gelegt wurden, sowas würde zur Erstürmung von jedem Blood & Honour-Konzert führen, ungerecht das!“

EisLicht

Auch das Label EisLicht (ehem. Eis & Licht), auf welchem die neue CD erschien, ist im rechten Teil der Szene zu verorten. So erschien dort das rechte Fanzine Zinnober (vormals Sigill), zudem werden Platten wie eine Hommage zum hundertsten Geburtstag des Vordenkers des italienischen Faschismus Julius Evola veröffentlicht . Auf diesem sind gleich mehrere namhafte Bands des rechten Spektrums vertreten, so Allerseelen, Von Thronstahl, Blood Axis und Waldteufel.

In Kassel konnte am 15. Juli 2000 ein Konzert mit Ostara verhindert werden, zu dem auf diversen Internetseiten von Neonazis mobilisiert worden war. Angekündigt waren u.a. die Bands Kirlian Camera, Kapo, Ostara und Aurum Nostrum. Neben den Bands, darunter auch die australische Band Death in June, waren etwa 500 BesucherInnen aus dem ganzen Bundesgebiet und Europa angereist. Ein Teil von ihnen mit eindeutig neofaschistischem Outfit. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Da bereits mehrere VeranstalterInnen in Nordhessen das Konzert zuvor abgesagt hatten, zog auch die Salzmann-Fabrik in Kassel schließlich nach.

In Nürnberg wurde ein Ostara-Konzert von der Stadt verboten. Bezuggenommen wurde in der Begründung u.a. auf die Namen „Strength through joy“ und „Ostara“ – eine Band mit solchen Namen dürfe in Nürnberg nicht spielen, erteilte die Stadtspitze den Rechten eine klare Absage. Anders in Bochum.

Veranstalter der „Nebelwelt“-Parties ist „Ignis et ferrum“, eine Gruppe von DJs, welche eigenen Angaben zu Folge das Ziel hat, jenseits teurer Mainstream-Veranstaltungen Parties für die schwarze Szene zu organisieren. Neben den regelmäßigen Events in Bochum legt man auch in Köln, Koblenz oder anderswo auf.

Der Hintergrund von Ostara war der Veranstaltungs-Gruppe bekannt, allerdings meinte man, dies sei Vergangenheit, zudem habe man von rechten Positionen in der Szene noch nie etwas mitbekommen. Nicht besonders glaubwürdig, war es doch nicht das erste mal, das eine ihrer Veranstaltungen Rechten eine Bühne bot: Bereits im Jahr 2000 fanden sich bei einer „Ignis et ferrum“-Nacht zwei rechte Büchertische, verkaufte mit Thomas Lückwewerth ein Autor der faschistischen Dark Wave-Zeitung „Sigill“ deren neuste Ausgabe.

Zwar wurde die Ostara-Releaseparty abgesagt, inhaltlich wollte man sich jedoch nicht davon distanzieren, sondern lediglich „Ärger vermeiden“, wie vom Zwischenfall zu erfahren war. Das es mit der gegenüber AntifaschistInnen behaupteten Unschuldigkeit nicht weit her sein kann, zeigt sich an der Tatsache, dass Auftritte wie beim Konzert der extrem rechten Band „Sol Invictus“ 1999 in Krefeld im Gespräch geleugnet und anschließend die entsprechenden Hinweise auf der Homepage plötzlich entfernt wurden.

Zwischenfall

Das Bochumer Zwischenfall gilt schon seit Jahren als eine der bundesweit bekanntesten Treffpunkte der Dark Wave-, Gothic- und Neofolk-Szene. Neben Szeneveranstaltungen finden aber auch verschiedenste andere Konzerte und Parties statt, so z.B. Punk- bzw. Hardcorekonzerte und Discos.

Angesichts der Tatsache, dass das Zwischenfall eigentlich eher ein Laden mit linkem Publikum und auch Anspruch war und ist, mag es auf den ersten Blick verwundern, dass ausgerechnet dort einer derartigen Veranstaltung wie dieser Releaseparty Raum geboten wird. Doch gab es es bereits mehrfach Ärger wegen Auftritten rechter Bands im Zwischenfall. So sollte am 28. Februar 1997 ein Konzert der rechten Dark Wave-Band „forthcoming fire“ stattfinden, was jedoch von AntifaschistInnen verhindert wurde. Auch die Ostara-Vorgängerband „Strength through joy“ sollte bereits einmal im Zwischenfall spielen, zusammen mit „Death in June“ und „Boyd Rice“ und zwar am 9. Mai 1997. Nach heftigen Protesten wurde dieses Konzert damals abgesagt.

Deshalb verwundert es um so mehr, dass die Musik der gleichen Leute unter anderem Namen jetzt dort präsentiert werden sollte.

Carsten Draeger

Quelle: Bochumer Stadt und Studierenden Zeitung

»Ästhetischer Sprengstoff«1

Am 25. Dezember 2003 fand in der halleschen Diskothek »Tanzbar Palette« ein Konzert mit den Bands Fire & Ice, Sonne Hagal und Sonnentau statt. Als Veranstalter dieses Konzertes traten Uwe Nolte (NOLTEx) und das Label Eis & Licht um den Dresdner Stephan Pockrandt auf. Sowohl die Bands als auch die Organisatoren gehören dem rechten Rand der Gothic- bzw. Gruftiszene an.
Die Betreiber der »Palette« wurden im Vorfeld mehrfach auf den Charakter des Konzertes und den politischen Background der Veranstalter aufmerksam gemacht, sie weigerten sich jedoch, die Veranstaltung abzusagen. Der folgende Text wurde im Vorfeld des Konzertes als Hintergrundinformation an verschiedene Initiativen und Institutionen verschickt.

Zu Weihnachten 2003 finden sich Uwe Nolte (NOLTEx) und Stephan Pockrandt zur Zusammenarbeit in Halle ein. Gemeinsam wollen sie in der bekannten Disko »Palette« ein ganz besonderes Konzert veranstalten. Am 25. Dezember sollen die Bands Fire & Ice, Sonne Hagal und Sonnentau ein Seitenprojekt von Uwe Nolte auftreten. Uwe Nolte ist mit der Band Orplid ebenso wie Sonne Hagal mit einigen Veröffentlichungen beim Label Pockrandts unter Vertrag. Pockrandt zeichnete als Chefredakteur für das Magazin Sigill und die ersten Ausgaben des Nachfolgeprojektes Zinnober verantwortlich und betreibt das Musiklabel Eis & Licht. Das Label veröffentlicht vor allem Bands, »deren Musik in unterschiedlicher Gewichtung Romantik, Militarismus, nordische Götterwelt und elitäres Gedankengut beinhaltet«.2

Musikalisch bewegen sich die Künstler im so genannten Neofolk, einer Richtung des Dark Wave, düsterer, melancholischer Musik unterschiedlicher Ausprägung, die üblicherweise mit den Grufties bzw. Gothics verbunden wird. Thematisch verarbeiten die Musiker im Neofolk heidnische und spirituelle Bezüge, die in einer neuen Form von Folk, also Volksmusik an die Wurzel des eigenen Daseins erinnern sollen. Wo man diese Wurzeln verortet, wird bei einem näheren Blick klar. Die Weitergabe »Runischen Wissens« durch die Band Sonne Hagal im Magazin Zinnober lobt die rechtsextreme Junge Freiheit als Annäherung an germanische Mystik.3 Sowohl Ian Read von Fire & Ice als auch Sonne Hagal gestalten ihr Artwork mit Verweis auf die »nordische Kultur« mit Runen, Read hat auf einer Veranstaltung beim Dark-Wave-Festival in Leipzig 2003 eine einschlägige Lesung gehalten.

Ian Read gehört mit der aus dem Split von Death in June hervorgegangen Band Sol Invictus zu den Gründungsfiguren des Neofolk. Sein Interesse für Odinismus, Heidentum und Magie führte u.a. zu seiner Mitgliedschaft bei der heidnischen Gruppe Illuminates of Thanateros (IOT). Nach seiner Trennung von Sol Invictus gründete er die Band Fire & Ice und sein eigenes kleines Label Fremdheit.

In einer der ersten Veröffentlichungen im Jahr 2000 kommt u. a. der amerikanische Neonazi Eric Owens zu einem musikalischen Auftritt.4 Uwe Nolte (Sonnentau, gemeinsam mit Frank Machau Orplid) hat die pathetische, deutschtümelnde musikalische Arbeit Beifall von extrem rechts verschafft.

So schreibt das Organ der NPD Deutsche Stimme zu einer 1999 erschienenen Maxi CD: »Wem Frank Rennicke und Jörg Hähnel nicht ausreichen, der kommt an dieser Scheibe nicht vorbei.«5 Das selbe Blatt analysiert 2003: »Eine Gruppe, die Musik wie Orplid macht, kann wohl nur aus Sachsen-Anhalt kommen, dem vielleicht mythengesättigsten deutschen Gau.«6 Dass es sich dabei nicht um Missverständnisse handelt, beweisen die musikalischen Beiträge auf zwei Samplern.

Mit seiner früheren Band Rückgrat beteiligte sich Nolte 1996 am Sampler für Leni Riefenstahl, der vom extrem rechten Verlag und Agentur Werner Symanek (VAWS) veröffentlicht wurde. Mit einschlägig bekannten Bands des rechten Dark Wave folgte 1998 ein Beitrag Orplids am Sampler zu Ehren des hundertsten Geburtstages des italienischen Faschisten Julius Evola, produziert von Eis & Licht.

Die Debüt-Veröffentlichung von Orplid wurde neben Eis & Licht auch vom Ultima Tonträger Versand beworben. Inhaber war der hallesche neonazistische Führungskader Sven Liebich. Auch ein aktueller Blick bestätigt die ideologische Nähe. Nolte versteht sich nicht nur als Musiker, sondern auch als Photograf und Dichter. Auf der offiziellen Website seiner Band Orplid findet man den Link zu www.godenholm:de.7 Die Seite widmet sich dem nationalrevolutionären Kreis um Ernst Niekisch und seiner in den zwanziger und dreißiger Jahren erschienen Zeitschrift Widerstand. Niekisch begann seinen politischen Weg in der Münchner Räterepublik mit einem antiegalitären, nationalistischen Sozialpatriotismus, der sich später zu einem faschistischen Entwurf von Staat und Gesellschaft verdichtete. Unter Wahrung der ökonomischen Struktur des Kapitalismus ging es ihm um die Errichtung eines Staates, in dem Kapitalinteresse und die sozialen Existenzbedingungen der Lohnabhängigen völlig dem Primat der Nation untergeordnet sind. Seine Kritik an der aufstrebenden NSDAP, heute oft als antifaschistische Kritik verklärt, führte zu seiner Inhaftierung ab 1935. Dabei galt sein Angriff einer in seinen Augen »legalistischen« Bewegung, motiviert in einem Konkurrenzkampf innerhalb des starken rechten, antidemokratischen Lagers der Weimarer Republik.

Uwe Noltes Dichtungen finden sich auf www.godenholm.de in einer Reihe mit Texten der so genannten Nationalrevolutionäre Ernst Niekisch, der Ikone nationalkonservativen Denkens, Ernst Jünger, und Ernst von Salomon, der 1922 am Mord an dem jüdischen Außenminister der Weimarer Republik, Walther Rathenau, beteiligt war. 8 Mit seinen Gedichten ist Nolte weiterhin im Arnshaugk Verlag vertreten, der auf www.godenholm.de ebenso verlinkt ist wie das nationalistische Querfrontblatt Wir selbst und die »neurechte« Zeitschrift Criticon.9

Anmelder der Webpräsenz von Orplid und www.godenholm.de ist Thomas Michael aus Halle. Mit dessen Unternehmungen schließt sich der Kreis wiederum zu Stephan Pockrandt. Unterstützt wird der fragwürdige kulturpolitische Hintergrund seines Labels durch das Zeitungsprojekt Sigill bzw. durch das Nachfolgeprojekt Zinnober. Das Blatt ist als Kultur- und Musikmagazin besonders durch seine affirmativen Darstellung nationalkonservativer Autoren »der extremen Rechten zuzuordnen«.10 Nachdem Pockrandt offiziell als Chefredakteur des Hochglanzmagazins zurückgetreten ist, haben Dominik Tischleder und Thomas Michael (Layout) die Redaktion übernommen. Die Zeitung, die ebenso wie das Label Eis & Licht begeisterte Rezensionen in rechtsextremen Publikationen findet, ist nicht das einzige politische Projekt, das Michael mit vorantreibt. Neben seinen theoretischen Reflexionen zu Ernst Jünger auf www.godenholm.de arbeitet er ebenfalls für das rechtsintellektuelle Institut für Staatspolitik (IfS) im Rittergut Schnellroda. Für das Zentrum um den in der Grauzone zwischen nationalkonservativ und rechtsextrem altgedienten Karl Heinz Weißmann gestaltet er deren Zeitschrift Sezession und entwickelte die Website des IfS. Die Aktivitäten auf den unterschiedlichen Ebenen von Musik, Zeitschriften, Verlagen bis zu rechten Denkfabriken decken sich in ihrem Bemühen rechte Ideologie hoffähig zu machen. Mit Jünger, Niekisch, Evola werden seit Jahrzehnten Modethemen der neuen Rechten bedient. Die Rezeption der rechten Protagonisten der Weimarer Republik und des Vordenkers des italienischen Faschismus soll nationales, antidemokratisches und elitäres Denken in einer von nationalsozialistischen Verbrechen freien Form präsentieren. Dies soll das Anknüpfen für die Rechte heute ebenso erleichtern wie ein bestimmter sprachlicher Gestus. So reiht man sich zum einen mit Eindeutschungen für gebräuchliche Anglizismen in die Praxis der rechtsextremen (Jugend)Szene ein, so wird das Internet zum Weltnetz, Links werden Verweise, CDs zu Lichtscheiben… Andererseits wird der politische Gehalt der kultur-politischen Aktivitäten vehement abgestritten, nationalsozialistische Bezüge gern ausgeklammert, elitäre und antidemokratische Einstellungen als »nonkonform« und »anarchisch« etikettiert.

Das Konzert am 25. Dezember werden nicht wenige Fans besuchen, die sich dieser ideologischen Bezüge bewusst sind. Bei vergleichbaren Anlässen kamen Darkwaver in schwarzen oder Tarn-Uniformen, bündischen Kniebundhosen, komplettiert mit SS-Symbolik wie Sigrunen oder Schwarzer Sonne zusammen. So findet sich die Aufforderung durch Uwe Nolte und Stephan Pockrandt in ihrer Veranstaltungsankündigung: »Anschließend möchten wir sie bitten, anlässlich der für uns alle festlichen Zeit in welcher das Konzert stattfindet, auf ein stilistisch sicheres und ordentliches äußeres Erscheinungsbild zu achten.«11 Dass damit weder Weihnachtsmannkostüm noch Smoking gemeint sind, ist bei dieser Veranstaltung offensichtlich.

AfA Halle,

November 2003

Quelle: Turn it down

  1. Claus-M. Wolfschlag, Autor der Jungen Freiheit, bezeichnete die Inhalte des Magazins Zinnober mit der Formulierung „Ästhetischer Sprengstoff“. Claus-M. Wolfschlag: Zinnober. Anarchistischer Ästhetizismus (Rezension), in: Junge Freiheit, Nr. 48 (2003), S. 3. [zurück]
  2. Thomas Naumann, Patrick Schwarz: Von der CD zur »Lichtscheibe«, in: Andreas Speit (Hg.): Ästhetische Mobilmachung. Dark Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien, Münster 2002, S. 175. [zurück]
  3. Claus-M. Wolfschlag: Zinnober. Anarchistischer Ästhetizismus (Rezension), in: Junge Freiheit, Nr. 48 (2003), S. 12. [zurück]
  4. Christian Dornbusch: Von Landsertrommeln und Lärmorgien. Death in June und Kollaborateure, in: Andreas Speit (Hg.): Ästhetische Mobilmachung. Darkwave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien, Münster 2002, S. 134ff. [zurück]
  5. Musikrezensionen, in: Deutsche Stimme, Nr. 10 (1999), S. 13. Frank Rennicke und Jörg Hähnel sind als Liedermacher bei der NPD aktiv. [zurück]
  6. Hugo Fischer: Gegenkultur. Klänge zwischen Heimat, Kultur und Tradition, in: Deutsche Stimme, 3 (2003), o.S. [zurück]
  7. Http://www.orplid.de/verweise/oben-frames.html , November 2003. [zurück]
  8. Http://www.godenholm.de/1.Ebene/menue.htm , November 2003. [zurück]
  9. Http://www.godenholm.de/1.Ebene/link.htm , November 2003. [zurück]
  10. Christian Dornbusch: Zinnober, in: Bulletin. Schriftenreihe des Zentrums für Demokratische Kultur, 3 (2003), S. 26. [zurück]
  11. Mailinglist , Oktober 2003: Betreff: Fire & Ice/Sonnentau/ SonneHagal live. [zurück]

Der unaufhaltsame Weg von Schloß Freudenstein vom Punktreff zur schwarzbraunen Ordensburg?

[a.he.] Am 18. April fand im ehemaligen Freiberger Punkklub „Schloß“ ein Konzert mit dem Titel „Pagan Folk Festival“ statt. Den meisten LeserInnen dürfte dies rätselhaft sein, einzig Anhängern der Dark Wave Szene sollte der Begriff nicht neu erscheinen. Angetreten den Abend zu gestalten waren die Bands „Soul Cripple“, „Axon Neuron-Vagwa/Aurum Nostrum“, „Hekate“ unterstützt von einem DJ. Dass diese Veranstaltung in unserem Blatt Erwähnung findet, liegt aber weder in der Wahl des Veranstaltungsortes, noch in der Exklusivität der Bandnamen. Nein, hier soll vielmehr der politische Charakter sowohl der Bands als auch des Veranstalters beleuchtet werden, der in Teilen ein sehr rechter ist. So sind zumindest die Bands „Hekate“ und „Aurum Nostrum“ als einschlägig rechts im Dark Wave Bereich bekannt.

„Aurum Nostrum“ spielte unter anderem beim Flammenzauber-Festival, das unter anderem von Christian Kapke organisiert wurde, der sich in der Vergangenheit sowohl bei der „Jungen Landsmannschaft Ostpreußen“ als auch bei der extrem rechten Band „Eichenlaub“ engagierte. Unter anderem spielten sie auch Konzerte mit der Creme de la Creme der rechten Dark Wave Szene wie „Kirlian Camera“, „Les Joyaux de la Princesse“ und „Death In June“ für deren Konzerte nicht nur Blätter der Schwarzen Szene, sondern auch Neonazigruppen wie die „Freie Nationale Jugend Celle“ werben. Auch die Band „Hekate“ bewegt sich in der rechten Dark Wave Szene wie ein Fisch im Wasser. Sie tourten unter anderem mit den einschlägig bekannten Bands „Sol Invictus“ und „Dies Natalis“ und das Bandmitglied Arne Thau ist unter anderem Autor der völkisch- heidnischen Zeitschrift „Arcana Europa“.

Diese Konstellation ist jedoch kein Zufall oder Unwissen des Veranstalters. Im Gegenteil, Ronny Scheiding, der Organisator des Konzerts und Besitzer des „Yggdrasil“ Ladens in der Freiberger Kirchgasse ist selbst Protagonist der rechten Dark Wave Szene. Scheiding ist unter anderem Mitbegründer des LAS e. V. im Oktober 1995. Laut Satzung war der „Zweck des Vereins (…) die Pflege und Förderung von Kunst und Kultur, insbesondere der populären Musik und der Jugendkultur“. Dieser wurde „verwirklicht durch die Herausgabe der Zeitschrift „Sigill“ (…)“. Aus dem Dark-Wave –Fanzine „Sigill“ entwickelte sich im Laufe seines siebenjährigen Bestehens ein kultur-politisches Magazin der „Neuen Rechten“. Spätestens aber das Nachfolgemagazin „Zinnober“ gehört ins Lager der extremen Rechten. Das Magazin war geprägt von antimodernistischer Kulturkritik, basierend auf den Idealen der präfaschistischen Ideologieträger Julius Evola und Ernst Jünger. So bekam das Blatt, wenig verwunderlich, viel Applaus von der extremen Rechten. Nicht nur die faschistoide „Junge Freiheit“ lobte den „Nonkonformismus“ des Blattes, auch das NPD-Parteiblatt „Deutsche Stimme“ befand die antimodernen, antiliberalen und völkischen Positionen des Blattes für positiv. Ähnlich deren Jugendorganisation die „Jungen Nationaldemokraten“, die mehrmals Anzeigen für das Magazin aus Dresden schaltete und selbst neonazistische Skinhead-Fanzins wie das „Foier Frei“ aus Chemnitz beurteilten „Sigill“ als empfehlenswert.

Scheiding ist aber noch auf anderen Feldern aktiv wie zum Beispiel als DJ unter dem Pseudonym „September GK“. Dieses Pseudonym wurde auch im Layoutbereich benutzt unter anderem bei der Gestaltung von Büchern des rechten Arun-Verlages und des Versandkataloges des Freiberger Yggdrasil Ladens. Der Yggdrasil ist unter anderem Organisator des „Heidnischen Dorfes“ beim Wave-Gothic-Treffen 2000 gewesen. Laut eigenem Bekunden bei einem Sol-Invictus-Konzert in Berlin waren Personen aus dem Umfeld des Ladens an der Herstellung der Schwarze-Sonne-Box beteiligt. Die Box beinhaltet ein T-Shirt mit eingestickter Schwarzer Sonne und ein Foto von dem Marmormosaik im „Gruppenführersaal“ der ehemaligen SSOrdensburg Wewelsburg.Dies ist jedoch nur ein kleiner Einblick in die Aktivitäten von Ronny Scheiding im Umfeld von „Sigill“ und der rechten Dark Wave Szene. Auch über die Bands, die am 18. April ein einschlägiges Publikum im Schlossklub beglückten, ließe sich einiges mehr schreiben, was hier jedoch den Rahmen sprengen würde. Dem interessierten Leser sei für die weiterführende Lektüre das Buch von Andreas Speit (Hg.) „Ästhestische Mobilmachung“ empfohlen.

Den Sponsoren vom Freiberger Brauhaus und Stadtfernsehen sei gesagt, dass man in einer Region, die über einen Mangel an Neonazis nicht klagen kann, nicht auch noch rechte Konzerte subventionieren sollte. Das Geld ist bei alternativen Jugendprojekten wesentlich sinnvoller aufgehoben. Den Gönnern und Fürsprechern des „Yggdrasil“ von „Freie Presse“ und Stadtverwaltung sei empfohlen, doch besser zweimal hinzuschauen, wen sie sich ins Haus bzw. Schloß holen. Ein weiteres Problem mit Rechten, nur diesmal eben aus einer anderen Ecke, stünde dem „weltoffenen“ Freiberg gar nicht gut zu Gesicht.

Quelle: FreibÄrger