Archiv der Kategorie 'Richard Leviathan'

„Ostara“ – Reaktionäres poppig verpackt

„Ostara“ ist eine sog. „Darkpop“-Band, die 1999 von Richard Leviathan und Timothy Jenn gegründet wurde, um, nach eigener Aussage, tiefer ihr „abendländisches Erbe“ zu ergründen.

Die Band gilt als Nachfolgeprojekt der neonazistischen Formation „Strength Through Joy“ („Kraft Durch Freude“), die eine intensive Zusammenarbeit mit der rechten Band „Death in June“ pflegte, offen nationalsozialistische Inhalte affirmativ wiedergab (Titel wie „The Blond Beast“, z.B. spielen klar auf das „Ariertum“ an) und völkischen Ritualen ganze CDs widmete (wie mit „Salute to Light“, basierend auf Bildern des Hitler-Malers Fidus).

Der Name „Ostara“ spielt dabei einerseits auf eine germanische Frühlingsgöttin, andererseits auf die 1905 gegründete Zeitschrift gleichen Namens ostaraalbumvon Jörg Lanz von Liebenfels an. Diese okkulte Publikationsreihe hatte sich die „Erforschung und Pflege des heroischen Rassentums und Mannesrechts“ zum Ziel gesetzt und übte wesentlichen Einfluss auf die Ideologie der Nationalsozialisten aus. Die „Ambiguität“ des Bandnamens sei gewollt, gibt Leviathan in Interviews zu.

Die Band besteht heute aus vier Mitgliedern (Leviathan, Stu Mason, Tim Desmond und Dave Renwic) und spielt melodisch massentauglichen Pop – als Vorbilder gibt man Placebo und NIN an – mit antichristlichem und okkultem Inhalt. Die Bezugnahme auf rechte Ideologie ist dabei, wenn auch nicht mehr so eindeutig wie bei „Strength Trough Joy“, weiterhin Bestandteil der Band.

Die Veröffentlichung „Ultima Thule“, z.B., beschäftigt sich thematisch mit dem Thule-Mythos, der Legende einer germanischen „Urheimat“ am äußersten Nordrand („Ultima Thule“) der Welt, an. Schlagworte wie „Arier“ etc. werden dabei vermieden, stattdessen ergeht man sich in okkulten Untergangsphantasien.
Zwei Lieder der CD sind Leni Riefenstahl gewidmet. Die Propagandistin Hitlers gilt heute im rechten Rand der Neofolk-Szene als Ikone. Ihr gewidmet sind zahlreiche Sampler rechter Bands und ihre Bilder zieren so manches CD-Cover (u.a. auch von „Strength Through Joy“).

Dass rechtsextremes Gedankengut beim Kopf der Formation fest verankert ist, wird in zahlreichen Interviews – in denen er Ostara klar als „politisch“ klassifiziert – überdeutlich.

Den Nationalsozialismus klassifiziert Leviathan als „primitivistische Form des Faschismus, die einige Prinzipien hatte, die nicht einfach als pervers oder böse abgetan werden können“. Geboren aus „Kameradschaft und Leid an der Front“ habe dieser immerhin „viele der absoluten Unterscheidungen zwischen Klassen, die die alten Strukturen der Gesellschaft pervertiert hatten, aufgelöst.“ Dem vermeintlich „linken“ Flügel der NSDAP, wie den Gebrüdern Strasser, bescheinigt er einen Oppositonsstatus – exakt wie die rechte Band „Death in June“ es seit Jahren bei Ernst Röhm tut. Massenmord und Krieg wären einzig Hitlers Schuld.

Besonders der faschistische Intellektuelle Julius Evola hat es Leviathan angetan. Evola pflegte enge Verbindungen zum italienischen Faschismus (auch zu Mussolini persönlich), arbeitete zeitweise mit der, der SS unterstellten, Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Ahnenerbe“ zusammen und hatte auch nach dem Zweiten Weltkrieg großen Einfluss auf rechtsextreme Organisationen (wie z.B. „Ordine Nuovo“).
Leviathan sieht Evola als lyrische Inspiration für sich und „Ostara“. Die Band zitiere ihn zwar nie direkt, aber Evola sei stehts „irgendwie im Hintergrund“. Besonders die „eurozentrische Denkweise und [sein] Verlangen die Wurzeln unserer Zivilisation wiederzuentdecken, zu erneuern und zu bekräftigen“ haben es dem Textschreiber von „Ostara“ angetan.

Des Weiteren sieht Leviathan, der Sohn säkularisierter jüdischer Eltern, die Notwendigkeit einer „spirituellen Elite“, einer „Aristokratie des Geistes“. Eindruck auf ihn habe in diesem Zusammenhang der neuromatische Dichter Stefan Anton George gemacht. Der reaktionäre und antiaufklärerische Lyriker entwarf in „Das neue Reich“ (1928) die Idee einer hierarchischen Gesellschaft, geführt von einer geistigen Elite. Dies veranlasste die Nazis dazu massiv um dessen Gunst zu werben, was George jedoch abwehrte. Diese reaktionäre und antidemokratische Opposition zu Nazideutschland attestiert Leviathan auch Von Stauffenberg, den er als einen „Patrioten“,„theoretisch loyal zum Regime“, fasst.

Auch Ernst Jünger, stj-coverAntidemokrat und Autor des kriegsverherrlichenden Buches „In Stahlgewittern“, gegenüber äußert der Sänger Interesse. Dieser, ebenso wie weitere Autoren aus dem Zusammenhang der „konservativen Revolution“, hätten großen Einfluss auf seine Musik gehabt.

Somit lässt sich „Ostara“ klar als Band charakterisieren die sich der okkult-mystischen Grundlage des Faschismus verschrieben hat und nationalistisches, antidemokratisches und antiaufklärerisches Gedankengut propagiert – all dies verpackt in poppigem Gewandt. Kritik wird mit Verweis auf Leviathans Elternhaus pauschal als Rufmord abgetan.

Dazu passt es sehr gut, dass „Ostara“-CDs in Deutschland über das rechte Label „Eis&Licht“ vertrieben werden. Das Label von Stephan Pockrandt gibt das rechte Fanzine „zwielicht“ (Nachfolgeprojekt von Zinnober) heraus, veröffentlichte CDs der rechten Formationen „Waldteufel“, „Von Thronstahl “ und „Voxus Imp.“ und vertreibt über seinen Onlineshop „Neofolk.de“ rechte Szenegrößen wie „Death in June“, „Blood Axis“ und „Les Joyaux de la Princesse“.

Alle Zitate: wörtliche Übersetzungen von „Interview with Richard Leviathan (Ostara), 30/01/2001″, „Richard Leviathan of OSTARA. Interviewed by Troy Southgate“ und „OSTARA Interview. 23.02.2002″

Quelle: Polit-Cafe Azzoncao

Störfall im Zwischenfall

Wieder einmal machte das „Zwischenfall“ in Bochum-Langendreer von sich reden. Am vergangenen Samstag sollte dort eine Releaseparty der mehr als umstrittenen Neofolkband „Ostara“ stattfinden. Nach Protesten von AntifaschistInnen sahen die VeranstalterInnen davon ab – weniger aus Einsicht, sondern weil man offensichtlich Ärger vermeiden wollte.

Zentrale Figur der Band Ostara ist der Australier Richard Levy (alias Richard Leviathan). In der Szene sind sowohl er als auch Ostara nicht unumstritten. Grund dafür sind zum einen gemeinsame Auftritte sowie Seitenprojekte mit extrem rechten MusikerInnen aus der Dark Wave- und Neofolkszene, zum anderen zweifelhafte Texte und Aussagen der Bandmitglieder. So finden sich auf dem neuen Album mit dem Titel „Ultima Thule“ zwei Leni Riefenstahl gewidmete Lieder. In einem Szene-Review heisst es bezeichnend: „ … wird diese CD der ohnehin heftig kritisierten Band Ostara inhaltlich keine Entlastung bringen. Wer sich an den verwendeten Bildern und Motiven stört, wird hier wenig Freude haben.“

Strength through Joy

Bis zum Umzug von Bandmitglied Timothy Jenn nach Deutschland 1999 nannte sich die Band „Strength through Joy“, was in Deutschland jedoch verboten ist, da „Kraft durch Freude“ (KDF) der Name einer Unterorganisation der nationalsozialistischen Deutschen Arbeitsfront war, welche durch Freizeitgestaltungen den „Erhalt der Arbeitskraft“ gewährleisten sollte. Tatsächlich diente die KDF der Verbreitung von NS-Propaganda.

Das der Name nicht von ungefär gewählt worden war, zeigte sich neben den Texten auch an Hand der Bands, mit denen man zusammen auftrat. So heißt es in einem Bericht im neonazistischen Skinheadfanzine „Der Lokalpatriot“ (Nr. 7) zu einem Konzert mit Strength through Joy, Death in June und Boyd Rice 1996 in München: „Sehr nett waren die Fahnen anzusehen, die auf der Bühne gehißt bzw. über das Schlagzeug gelegt wurden, sowas würde zur Erstürmung von jedem Blood & Honour-Konzert führen, ungerecht das!“

EisLicht

Auch das Label EisLicht (ehem. Eis & Licht), auf welchem die neue CD erschien, ist im rechten Teil der Szene zu verorten. So erschien dort das rechte Fanzine Zinnober (vormals Sigill), zudem werden Platten wie eine Hommage zum hundertsten Geburtstag des Vordenkers des italienischen Faschismus Julius Evola veröffentlicht . Auf diesem sind gleich mehrere namhafte Bands des rechten Spektrums vertreten, so Allerseelen, Von Thronstahl, Blood Axis und Waldteufel.

In Kassel konnte am 15. Juli 2000 ein Konzert mit Ostara verhindert werden, zu dem auf diversen Internetseiten von Neonazis mobilisiert worden war. Angekündigt waren u.a. die Bands Kirlian Camera, Kapo, Ostara und Aurum Nostrum. Neben den Bands, darunter auch die australische Band Death in June, waren etwa 500 BesucherInnen aus dem ganzen Bundesgebiet und Europa angereist. Ein Teil von ihnen mit eindeutig neofaschistischem Outfit. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Da bereits mehrere VeranstalterInnen in Nordhessen das Konzert zuvor abgesagt hatten, zog auch die Salzmann-Fabrik in Kassel schließlich nach.

In Nürnberg wurde ein Ostara-Konzert von der Stadt verboten. Bezuggenommen wurde in der Begründung u.a. auf die Namen „Strength through joy“ und „Ostara“ – eine Band mit solchen Namen dürfe in Nürnberg nicht spielen, erteilte die Stadtspitze den Rechten eine klare Absage. Anders in Bochum.

Veranstalter der „Nebelwelt“-Parties ist „Ignis et ferrum“, eine Gruppe von DJs, welche eigenen Angaben zu Folge das Ziel hat, jenseits teurer Mainstream-Veranstaltungen Parties für die schwarze Szene zu organisieren. Neben den regelmäßigen Events in Bochum legt man auch in Köln, Koblenz oder anderswo auf.

Der Hintergrund von Ostara war der Veranstaltungs-Gruppe bekannt, allerdings meinte man, dies sei Vergangenheit, zudem habe man von rechten Positionen in der Szene noch nie etwas mitbekommen. Nicht besonders glaubwürdig, war es doch nicht das erste mal, das eine ihrer Veranstaltungen Rechten eine Bühne bot: Bereits im Jahr 2000 fanden sich bei einer „Ignis et ferrum“-Nacht zwei rechte Büchertische, verkaufte mit Thomas Lückwewerth ein Autor der faschistischen Dark Wave-Zeitung „Sigill“ deren neuste Ausgabe.

Zwar wurde die Ostara-Releaseparty abgesagt, inhaltlich wollte man sich jedoch nicht davon distanzieren, sondern lediglich „Ärger vermeiden“, wie vom Zwischenfall zu erfahren war. Das es mit der gegenüber AntifaschistInnen behaupteten Unschuldigkeit nicht weit her sein kann, zeigt sich an der Tatsache, dass Auftritte wie beim Konzert der extrem rechten Band „Sol Invictus“ 1999 in Krefeld im Gespräch geleugnet und anschließend die entsprechenden Hinweise auf der Homepage plötzlich entfernt wurden.

Zwischenfall

Das Bochumer Zwischenfall gilt schon seit Jahren als eine der bundesweit bekanntesten Treffpunkte der Dark Wave-, Gothic- und Neofolk-Szene. Neben Szeneveranstaltungen finden aber auch verschiedenste andere Konzerte und Parties statt, so z.B. Punk- bzw. Hardcorekonzerte und Discos.

Angesichts der Tatsache, dass das Zwischenfall eigentlich eher ein Laden mit linkem Publikum und auch Anspruch war und ist, mag es auf den ersten Blick verwundern, dass ausgerechnet dort einer derartigen Veranstaltung wie dieser Releaseparty Raum geboten wird. Doch gab es es bereits mehrfach Ärger wegen Auftritten rechter Bands im Zwischenfall. So sollte am 28. Februar 1997 ein Konzert der rechten Dark Wave-Band „forthcoming fire“ stattfinden, was jedoch von AntifaschistInnen verhindert wurde. Auch die Ostara-Vorgängerband „Strength through joy“ sollte bereits einmal im Zwischenfall spielen, zusammen mit „Death in June“ und „Boyd Rice“ und zwar am 9. Mai 1997. Nach heftigen Protesten wurde dieses Konzert damals abgesagt.

Deshalb verwundert es um so mehr, dass die Musik der gleichen Leute unter anderem Namen jetzt dort präsentiert werden sollte.

Carsten Draeger

Quelle: Bochumer Stadt und Studierenden Zeitung

Faschistische Ästhetik, germanische Krieger

Der rechte Rand von Dark Wave und Black Metal

Dark Wave und Black Metal sind ganz unterschiedliche Jugendszenen. Gemeinsam sind ihnen die Einflussversuche von Neonazis.

Bei Rechtsrock wird meist nur an die Musik einschlägiger Naziskin-Bands gedacht. Extrem rechte Inhalte sind jedoch auch in Teilen des Darkwave und des Black Metal vorhanden. Im Gegensatz zum Rechtsrock überwiegt hier aber elitärer Anspruch wider die Masse. Auch unter dem Aspekt der Gewaltakzeptanz unterscheiden sich die Szenen eklatant. Die Anhänger des Black Metal reproduzieren das überlieferte Bild des martialischen, nordischen Kriegers oder wehrhaften Germanen. Im Darkwave wird physische Gewalt dagegen abgelehnt. Sie existiert höchstens als ästhetische Inszenierung im Sinne eines vertonten Jünger’schen Stahlgewitters.


Gesänge der „Eisernen Garde“‘ – extrem rechte Einflüsse im Darkwave

Zentrale Themen des Darkwave oder der Schwarzen Szene sind die Vergänglichkeit und die Thematisierung des Todes. Dazu gehört auch die Beschäftigung mit Mystik, Religionen und die Kritik am Materialismus, dem idealistische Gesellschaftsformen (meist stark verklärt) entgegengesetzt werden. Auffällig ist dabei der oft rückwärtsgewandte Blick, der die Romantik, das Mittelalter und das Heidentum wiederzubeleben scheint. Dies führt bei einem kleinen Teil der schwarzen Szene, besonders im Bereich des Neo-Folk und Industrials, zu einer Revitalisierung vergangener Ideale und Wertvorstellungen, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts die Grundlage für den Nationalsozialismus und italienischen Faschismus bildeten.

Besonders die Mystiker des Nationalsozialismus und die Theoretiker der sogenannten „Konservativen Revolution'‘ werden von diesen Rechten rezipiert. Dabei wird auf die Reichsidee des „Ur-Faschisten'‘ Julius Evola und auf den „heroischer Realismus'‘ Ernst Jüngers zurückgegriffen.

Angelehnt an Jüngers Kriegsbeschreibung „In Stahlgewittern'‘ wird in den rechten Darkwave-Kreisen der Pathos des Helden, der unabdingbare Kampf und die Aufopferung für eine Idee propagiert. Dabei werden längst verstaubte „Vorbilder'‘ aus der Ära der europäischen Faschismen wiederbelebt, wie z.B. der rumänische Faschistenführer Corneliu Codreanu mit seiner „Eisernen Garde'‘. Die Gesänge dieser Garde wurden mehrmals in der Szene wiederveröffentlicht. „Ich spürte in ihnen den Widerhall einer kämpferischen Zeit, in der Tradition und Moderne gegeneinander in den Krieg traten“1; so Kadmon, Kopf der Band „Allerseelen“. Bei Live-Auftritten wird mittels Uniformen, Fackeln, Fahnen und militärischem Gehabe der kämpferische Pathos in Szene gesetzt. „Do you want total war?“ (Willst Du den totalen Krieg?) heißt etwa der Schlachtruf von Boyd Rice, einem bekennenden Sozialdarwinisten und Urgestein der schwarzen Szene. Von der rechten Formation „Blutharsch“ aus Wien stammt der markige Spruch: „Kampf, Sieg oder Tod“. Die Band hat die Sigrune als Symbol gewählt und fordert Freiheit für den chilenischen Ex-Diktator Pinochet.

Abgerundet wird der faschistische Habitus durch eine Ästhetik, die der Propaganda-Kunst des Nationalsozialismus huldigt. Zu Ehren der umstrittenen Filmemacherin Leni Riefenstahl und des NS-Bildhauers Josef Thorak erschienen Musiksampler bei dem extrem rechten VAWS-Verlag in Duisburg, auf denen die bekanntesten, rechten Darkwave-Bands vertreten
sind. In einschlägigen Fanzines werden NS-Künstlern lange Artikel gewidmet, und Riefenstahl-Filme werden auch mal im Hintergrund auf schwarzen Parties gezeigt.

Abgrenzung und Vereinnahmung – Die Schwarze Szene in Ostwestfalen

Die Schwarze Szene in der Region ist nicht unbedeutend. Mehrmals wöchentlich bietet sich der melancholischen Gemeinschaft die Möglichkeit in Diskotheken ihre Musik zu genießen. Regelmäßig finden Konzerte auch internationaler Bands des breitgefächerten Genres statt. Wie auch in vielen anderen Regionen ist der weitaus überwiegende Teil der hiesigen Szene unpolitisch, manche grenzen sich auch bewusst von rechten Strömungen ab. Der überregional agierende Verein „Gothics-Culture“ mit Sitz in Bielefeld versucht ein objektives Bild der Szene zu vermitteln und wendet sich auch gegen die stärker werdenden rechten Tendenzen. Gegründet 1998, begann der Verein mit Beratungen für Jugendliche in der Wave- und Gothic-Bewegung sowie mit Aufklärungsarbeit über die Darstellung dieser Jugendszene in der Öffentlichkeit. „Ziel war es, Vorurteile und Missverständnisse abzubauen und somit Annäherung und Toleranz zu wecken.“2

Dennoch sind Rechte der Szene auch in Ostwestfalen aktiv. Der 1994 bei Cthulhu-Records in Moers erschienene Sampler „Im Blutfeuer“ wurde von einem bekannten Szene-DJ verkauft. Auf diesem Sampler befinden sich die rechten Darkwave-Bands „Blood Axis“, „Ernte“, „Sol Invictus“, „Allerseelen“ und „Death In June“. Der Band-Leader von „Blood Axis“ (auf Deutsch „Die Blutachse“, so wurde der Pakt zwischen Hitler und Mussolini genannt) posiert im Begleitheft hinter dem Grab des SS-Brigadeführers Karl Maria Wiligut. Hinter der Band „Allerseelen“, deren Beitrag von einem Jünger-Zitat ergänzt wird, steckt der bereits erwähnte „Kadmon“, alias Gerhard Petak aus Wien. Das Bandsymbol von „Death In June“ ist der SS-Totenkopf.

Diese Symbolik zieht auch Neonazis an. Zum Wave Gotik Treffen 2000 in Leipzig, einer Großveranstaltung mit etwa 25.000 BesucherInnen, waren z. B. Bernd Stehmann und weitere ostwestfälische KameradInnen angereist. Die von Stehmann verantwortete Neonazizeitschrift „Unsere Welt“ widmete dem Festival einen Artikel, in dem „sehr starke national-völkische Strömungen innerhalb der schwarzen Szene“ festgestellt wurden. Die KameradInnen hatten sich in Leipzig vor allem am Auftritt der Blut und Boden Formation „Thronstahl“ und zur Schau gestellten NS-Symbolen wie dem Sonnenrad oder Keltenkreuzen erfreut.3

Tradition der „europäischen Edelrasse“ – Die Band „Ostara“ aus Minden

Unter einem Postfach in Minden ist die Neofolk-Band Ostara um Richard Leviathan und Timothy Jenn zu erreichen. Nach dem Umzug von Jenn nach Deutschland legten sie 1999 ihren früheren Bandnamen „Strength Through Joy“ ab, weil deren Benutzung hierzulande verboten ist. „Kraft Durch Freude“ (KDF) war der Name einer Unterorganisation der nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterschaft, die durch Freizeitgestaltungen den „Erhalt der Arbeitskraft“ gewährleisten sollte. Die KDF diente tatsächlich der Verbreitung der NS-Propaganda.

Auch der neue Name Ostara hat eindeutige Bezüge. Im Manifest der 1905 gegründeten gleichnamigen Zeitschrift wird betont, dass sie die erste und einzige „rassenwissenschaftliche“ Zeitschrift sei, die „die Ergebnisse der Anthropologie praktisch in Anwendung bringen will, um (…) die europäische Edelrasse durch Reinzucht vor dem Untergang zu bewahren“.4


„Neuerwachen des Blutes“ – Der „Renovatio Verlag“ in Porta Westfalica

Das Politikverständnis in der Schwarzen Szene beschränkt sich weitgehend auf Parteipolitik, wovon sich allgemein abgegrenzt wird. Dies können sich extrem Rechte innerhalb der Szene zu nutze machen. Wenn es um die faschistische Ästhetik geht, propagieren sie etwa: „Es geht einzig um die Kunst und ihr geistig-ästhetisches, ihr traditionales Wesen“.5 Diese Aussage stammt von Timo Kölling aus dem von ihm herausgegebenen Blättchen „renovatio imperii – Zeitschrift für einen geladenen Leserkreis“, das sich nach eigenem Bekunden in der Tradition der „Blätter für die Kunst“ von Stefan George sieht. George (1863-1933) forderte „eine Kunst für die Kunst (…) eine Kunst frei von jedem Dienst“. Eng mit dem Streben nach dieser Einmaligkeit und „Reinheit der Kunst“ geht aber auch das Auslöschen des „Unreinen“ und „Fremden“ einher, das als oberflächlich oder „undeutsch“ gebrandmarkt wurde.

Timo Kölling und sein „Renovatio Verlag“ sitzen in Porta Westfalica. Neben George gehört Julius Evola zu seinen Vorbildern, dessen Gedankenwelt sich im Spannungsfeld von Faschismus und Esoterik bewegte. So ist etwa der Aufsatz „Julius Evola: Leben und Werk“ bei ihm zu beziehen. Kölling kommt ursprünglich aus der Metal-Szene und wandte sich zunehmend der Darkwave-Szene zu. Das von ihm herausgebrachte Fanzine „Moondance“ – einst ein reines Metal-Zine – enthält längere Beiträge über Ernst Jünger oder Evola sowie Interviews mit extrem rechten Bands wie „Allerseelen“ oder „Blood Axis“. Das Fanzine vermittelt eine Mischung aus faschistischem Elitedenken und der Sehnsucht nach einer spirituell geprägten Diktatur. Kölling selbst erläuterte in einem Interview seine Vorstellung von der Ungleichheit der Menschen. In „Equilibrium Manifesto“ beschwor er ein „Neuerwachen des Blutes.6 Mit seiner Publikation „renovatio imperii“ findet er auch in der rechten Darkwave-Szene Anklang, deren Ansprüche und inhaltliche Ausrichtungen sich sehr ähneln. Insofern kann Kölling mit seinem Renovatio-Verlag als Schnittstelle zwischen rechtem Darkwave und rechtem Metal gesehen werden.

Black-Metal – Die „krasse Seite“ des Heavy Metal

Als der Heavy Metal an Aggressivität verlor und z.T. in den Mainstream abdriftete, entstand der Black Metal. In Abgrenzung zum Mainstream wird Black Metal kompromisslos hart und vulgär gespielt. Die Härte entsteht durch schnelle, schrille Gitarrenriffs, treibende Schlagzeugrhythmen und kreischenden „Gesang“. Der Begriff „Black Metal“ bezeichnet darüber hinaus eine eigene Szene, die sich auch über ihre martialisch wirkende Ästhetik charakterisiert. Dazu gehören neben Schminke auch die zur Selbstinszenierung wichtigen Szeneattribute wie schwarze Kleidung, Patronengurte, Nieten und historische Waffen.

Mord an „Volksschädlingen“ – NS-Black-Metal

Auffällig ist die Gegnerschaft des Black Metal gegen das Christentum. Die vermeintlich „heile“ Welt nach dem Vorbild germanischer Tradition wurde durch die Christianisierung Nordeuropas zerstört, so die Argumentation. Ursprüngliche Werte wie Mut, Würde, Ehre und Treue seien durch Nächstenliebe, Feigheit und Schwäche ersetzt worden. Für den Flügel der Szene, der sich als explizit neonazistisch versteht und für den sich die Eigenbezeichnung „NS-Black Metal“ durchgesetzt hat, ist das Heidentum Begründung und Herleitung seines extrem rechten Gedankenguts. Zentrale Idee hierbei ist die aus der Naturreligion abgeleitete „natürliche Ordnung“, die nur für eine vermeintlich gewachsene Gemeinschaft innerhalb eines bestimmten Raumes gilt. Dabei steht – basierend auf einem völkisch definiertem Sozialdarwinismus – besonders das Recht des Stärkeren im Vordergrund: Die „nordische Rasse'‘ müsse sich gegenüber anderen „Rassen'‘ behaupten. Als Feind wird der „US-Kapitalismus“ – hinter dem das Judentum vermutet wird – gesehen, der durch seinen „Kulturimperialismus“ die „arteigene Kultur“ zerstöre, die „Völker verdummt“ und zu willenlosen Geschöpfen gemacht habe. „Materialismus, Humanismus, Kapitalismus sind alles Waffen, mit denen die Diener Zions die Menschen versklaven.“, postuliert etwa Sven Goldberg, Aktivist im deutschen NS-Black-Metal-Underground.7 Um dem entgegenzuwirken wird das Ideal des starken, furchtlosen Kriegers propagiert, der im ständigen Kampf um Leben und Tod steht: „Black Metal bedeutet Krieg im Zeichen der Dunkelheit (…). Wahre Black Metaller sind (…) ehrenvolle und stolze Krieger im Kampf gegen den Feind.“8

In Deutschland geriet das Thema Black Metal durch den Mord an dem Schüler Sandro Beyer im April 1993 in die Öffentlichkeit. Die Täter spielten in einer Black-Metal Band namens „Absurd“, worauf die Presse sie als „Satanskinder“ und den Bandleader Hendrik Möbus als „Satansmörder“ bezeichnete. Möbus und seine Band „Absurd“ erlangten ähnlich wie die Bands „Varg Vikernes“ und „Burzum“ durch diesen Mord einen gewissen Kultstatus. 1999 wurde Möbus während seiner Bewährungszeit zu acht Monaten Haft verurteilt, da er bei einem Konzert im thüringischen Behringen den Hitlergruß gezeigt hatte. Als er sein Opfer Sandro Beyer in einem Interview mit den Worten verhöhnte: „Ich weiß ja nicht, ob man in der Nazi-Zeit bestraft worden wäre, wenn man Volksschädlinge unschädlich gemacht hätte“, wurde er erneut verurteilt und seine Bewährung aufgehoben. Daraufhin floh er in die USA und wurde dort im August 2000 auf dem Grundstück von William Pierce, dem Führer der US-amerikanischen neonazistischen „National Alliance“, festgenommen. Möbus sieht im Holocaust einen „reinigender Prozess“ und dessen Vernichtungsideologie als ein Mittel, um der Natur zu ihrem Recht zu verhelfen: „Unsere wahre Natur wird durch judaisierten Glauben unterdrückt. Der Nationalsozialismus ist die einzige Lösung, um die herrschenden fremden Einflüssen loszuwerden und unsere Rasse und Natur zu bewahren.9

„Ehre und Blut“ – Die Bielefelder Band „Imperium Sacrum“

Hinter der Bielefelder Black-Metal Band „Imperium Sacrum“ steht das Ein-Mann-Projekt von Christoph Ott. „Bleibt euren Idealen treu, schützt euren Grund und Boden (…)“10 ist eine Aussage des Pseudonyms „Nord“ von der Band. Stilistisch ordnet er sich selbst im nordisch-heidnischen Black Metal ein. Seine Promo-CD beginnt mit dem Präludium „Vaterland“ und in dem Stück „Der Seelentraum der Alten“ heißt es: „Die Finsternis erfüllt die Hallen der Ewigkeit, Voller Licht erblühen die Städte der Alten, Unsere Herzen schlagen wieder eins in der Brust, Ein Ruf zum Kampf für Ehre und Blut! Die Bestimmung wird nie mehr verdrängt, verschwiegen, Nie wieder!“11

So wundert es nicht, dass in einem Interview zu diesem Song festgestellt wird, „dass der Text dieses Liedes ebenfalls von einem Burzum Lied sein könnte.“ Zu der NS-Black-Metal Band „Burzum“ gibt es auf der Homepage von „Imperium Sacrum“ unter „empfohlene Seiten“ einen Verweis (mit dem üblichen Hinweis auf Distanzierung von dessen Inhalt).12 Eine eigene Rubrik widmet „Nord“ der deutschen NS-Black Metal Band „Absurd“. Ebenso eindeutig sind „Nords“ Ansichten über Christen: „Eine verachtenswerte, dekadente Ansammlung von Untermenschen, irrgeleitet durch einen falschen Glauben.“13

Neonazistisches Label – „Christhunt-Productions“ in Leopoldshöhe

Die Verachtung und Vernichtung des Christentums ist auch Namensgeber des von Marco Martin betriebenen Labels „Christhunt-Production“. Marco Martin produziert und vertreibt Black-Metal. Im Angebot sind sowohl unpolitische Gruppen als auch ideologisch hochgradig aufgeladene Bands, wie z. B. die zuvor erwähnte NS-Black-Metal Band „Absurd“. Auch Eigenproduktionen des Christhunt-Labels haben neonazistischen Charakter. So tritt z.B. auf der Single „Ausrottung“ der Band „Aske“ deren Musiker unter dem Pseudonym „Holocaust“ auf. Das Cover zeigt ein drehendes Hakenkreuz, aus dessen Mitte ein Feuer lodert.

Christhunt-Production wird auch von dem polnischen Label Wolfstower Records als Anbieter für Deutschland genannt. Das Label arbeitet mit einem europaweiten Vertriebsnetz von Versanden zusammen. Das Innencover der bei Wolfstower veröffentlichten Absurd Langspielplatte zeigt Adolf Hitler bei einer Rede auf dem Nürnberger Parteitag. Die LP gilt als ein gesuchtes Sammlerstück in der NS-Black-Metalszene. Eine nach Angaben Martins im Frühjahr 2001 bei diesem durchgeführte Hausdurchsuchung könnte auf Material dieses Versandes zurückgehen

(Artikel aus: Stop Lifestyle of Hate, die extreme Rechte in OWL, Bielefeld, Januar 2002)

Quelle: Antifa-West

  1. Kadmon: Corneliu Codreanu – Kampf und Klausur. In: AORTA Nr. 9, Wien, 1999 [zurück]
  2. Die Initiative ist: unter http://www.gothics-cuiture-ev.de im Internet zu erreichen. [zurück]
  3. Der Rechte Rand, Nr.71, Juli 2001 und: Unsere Welt, Nr. 6 o.D. (2001) [zurück]
  4. Goodrick-Clarke, N., Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Graz-Stuttgart, 2000 [zurück]
  5. Kölling,T.: Vorrede. renovatio imperii – zeitschrift für einen geladenen leserkreis, Nr. 1/2000 [zurück]
  6. Der rechte Rand, Nr. 64. Mai 2000 [zurück]
  7. Donnerschlag, Nr. 1, ca. 2000, Interview mit Sven Goldberg [zurück]
  8. Der Förderturm Nr. 1.2000, S. 39: NS-Black Metal. Neue Bewegung oder Trend? [zurück]
  9. Interview mit Möbus in: The Pentagram, 1997 [zurück]
  10. Nord in einem Interview mit Tschort, Webseite von Tschort, November 2001 [zurück]
  11. Der Seelentraum der Alten in: Wölfe, Demo-CD, Eigenvertrieb. Bielefeld. 2000 [zurück]
  12. Webseite von Imperium Sacrum. Oktober 2000 [zurück]
  13. Interview mit Nord, a.a.O. [zurück]