Archiv der Kategorie 'Ostara'

„Ostara“ – Reaktionäres poppig verpackt

„Ostara“ ist eine sog. „Darkpop“-Band, die 1999 von Richard Leviathan und Timothy Jenn gegründet wurde, um, nach eigener Aussage, tiefer ihr „abendländisches Erbe“ zu ergründen.

Die Band gilt als Nachfolgeprojekt der neonazistischen Formation „Strength Through Joy“ („Kraft Durch Freude“), die eine intensive Zusammenarbeit mit der rechten Band „Death in June“ pflegte, offen nationalsozialistische Inhalte affirmativ wiedergab (Titel wie „The Blond Beast“, z.B. spielen klar auf das „Ariertum“ an) und völkischen Ritualen ganze CDs widmete (wie mit „Salute to Light“, basierend auf Bildern des Hitler-Malers Fidus).

Der Name „Ostara“ spielt dabei einerseits auf eine germanische Frühlingsgöttin, andererseits auf die 1905 gegründete Zeitschrift gleichen Namens ostaraalbumvon Jörg Lanz von Liebenfels an. Diese okkulte Publikationsreihe hatte sich die „Erforschung und Pflege des heroischen Rassentums und Mannesrechts“ zum Ziel gesetzt und übte wesentlichen Einfluss auf die Ideologie der Nationalsozialisten aus. Die „Ambiguität“ des Bandnamens sei gewollt, gibt Leviathan in Interviews zu.

Die Band besteht heute aus vier Mitgliedern (Leviathan, Stu Mason, Tim Desmond und Dave Renwic) und spielt melodisch massentauglichen Pop – als Vorbilder gibt man Placebo und NIN an – mit antichristlichem und okkultem Inhalt. Die Bezugnahme auf rechte Ideologie ist dabei, wenn auch nicht mehr so eindeutig wie bei „Strength Trough Joy“, weiterhin Bestandteil der Band.

Die Veröffentlichung „Ultima Thule“, z.B., beschäftigt sich thematisch mit dem Thule-Mythos, der Legende einer germanischen „Urheimat“ am äußersten Nordrand („Ultima Thule“) der Welt, an. Schlagworte wie „Arier“ etc. werden dabei vermieden, stattdessen ergeht man sich in okkulten Untergangsphantasien.
Zwei Lieder der CD sind Leni Riefenstahl gewidmet. Die Propagandistin Hitlers gilt heute im rechten Rand der Neofolk-Szene als Ikone. Ihr gewidmet sind zahlreiche Sampler rechter Bands und ihre Bilder zieren so manches CD-Cover (u.a. auch von „Strength Through Joy“).

Dass rechtsextremes Gedankengut beim Kopf der Formation fest verankert ist, wird in zahlreichen Interviews – in denen er Ostara klar als „politisch“ klassifiziert – überdeutlich.

Den Nationalsozialismus klassifiziert Leviathan als „primitivistische Form des Faschismus, die einige Prinzipien hatte, die nicht einfach als pervers oder böse abgetan werden können“. Geboren aus „Kameradschaft und Leid an der Front“ habe dieser immerhin „viele der absoluten Unterscheidungen zwischen Klassen, die die alten Strukturen der Gesellschaft pervertiert hatten, aufgelöst.“ Dem vermeintlich „linken“ Flügel der NSDAP, wie den Gebrüdern Strasser, bescheinigt er einen Oppositonsstatus – exakt wie die rechte Band „Death in June“ es seit Jahren bei Ernst Röhm tut. Massenmord und Krieg wären einzig Hitlers Schuld.

Besonders der faschistische Intellektuelle Julius Evola hat es Leviathan angetan. Evola pflegte enge Verbindungen zum italienischen Faschismus (auch zu Mussolini persönlich), arbeitete zeitweise mit der, der SS unterstellten, Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Ahnenerbe“ zusammen und hatte auch nach dem Zweiten Weltkrieg großen Einfluss auf rechtsextreme Organisationen (wie z.B. „Ordine Nuovo“).
Leviathan sieht Evola als lyrische Inspiration für sich und „Ostara“. Die Band zitiere ihn zwar nie direkt, aber Evola sei stehts „irgendwie im Hintergrund“. Besonders die „eurozentrische Denkweise und [sein] Verlangen die Wurzeln unserer Zivilisation wiederzuentdecken, zu erneuern und zu bekräftigen“ haben es dem Textschreiber von „Ostara“ angetan.

Des Weiteren sieht Leviathan, der Sohn säkularisierter jüdischer Eltern, die Notwendigkeit einer „spirituellen Elite“, einer „Aristokratie des Geistes“. Eindruck auf ihn habe in diesem Zusammenhang der neuromatische Dichter Stefan Anton George gemacht. Der reaktionäre und antiaufklärerische Lyriker entwarf in „Das neue Reich“ (1928) die Idee einer hierarchischen Gesellschaft, geführt von einer geistigen Elite. Dies veranlasste die Nazis dazu massiv um dessen Gunst zu werben, was George jedoch abwehrte. Diese reaktionäre und antidemokratische Opposition zu Nazideutschland attestiert Leviathan auch Von Stauffenberg, den er als einen „Patrioten“,„theoretisch loyal zum Regime“, fasst.

Auch Ernst Jünger, stj-coverAntidemokrat und Autor des kriegsverherrlichenden Buches „In Stahlgewittern“, gegenüber äußert der Sänger Interesse. Dieser, ebenso wie weitere Autoren aus dem Zusammenhang der „konservativen Revolution“, hätten großen Einfluss auf seine Musik gehabt.

Somit lässt sich „Ostara“ klar als Band charakterisieren die sich der okkult-mystischen Grundlage des Faschismus verschrieben hat und nationalistisches, antidemokratisches und antiaufklärerisches Gedankengut propagiert – all dies verpackt in poppigem Gewandt. Kritik wird mit Verweis auf Leviathans Elternhaus pauschal als Rufmord abgetan.

Dazu passt es sehr gut, dass „Ostara“-CDs in Deutschland über das rechte Label „Eis&Licht“ vertrieben werden. Das Label von Stephan Pockrandt gibt das rechte Fanzine „zwielicht“ (Nachfolgeprojekt von Zinnober) heraus, veröffentlichte CDs der rechten Formationen „Waldteufel“, „Von Thronstahl “ und „Voxus Imp.“ und vertreibt über seinen Onlineshop „Neofolk.de“ rechte Szenegrößen wie „Death in June“, „Blood Axis“ und „Les Joyaux de la Princesse“.

Alle Zitate: wörtliche Übersetzungen von „Interview with Richard Leviathan (Ostara), 30/01/2001″, „Richard Leviathan of OSTARA. Interviewed by Troy Southgate“ und „OSTARA Interview. 23.02.2002″

Quelle: Polit-Cafe Azzoncao

Kirlian Camera in Sachsen

Kirlian Camera zählen zu den bekanntesten Bands aus dem rechten Neofolkspektrum. Die Tour anlässlich ihrer neuen CD soll sie nach Meissen und Görlitz führen.

Konzerte am Rechten Rand
- am 10. und 11. Februar spielen KIRLIAN CAMERA in Sachsen -
eine Kurzmitteilung der antifa2005

Wenn die italienische Band Kirlian Camera die zwei einzigen Konzerte in Deutschland während ihrer aktuellen Tournee am 10. Februar im Luisenkeller zu Görlitz und tags darauf in der Meissener Hafenstraße geben wird, werden unter den Gästen nicht nur musikbegeisterte Grufties, Gothics und DarkWaver sein.

Auch eine ganze Reihe von Aktivistinnen und Aktivisten des extrem rechten Neofolksspektrums wird sich einfinden und sofern die Band ihr Lied „U-Bahn V.2 HEILIGENSTADT“ spielen wird, auch der hier gesampelten Rede von Corneliu Codreanu lauschen. (CD Kirlian Camera: Todesengel. The Fall Of Life. 1991)


the first…

Codreanu war Begründer und Führer der faschistischen „Legion Erzengel Michael“ in Rumänien, die sich später „Eiserne Garde“ nannte. Die extrem rechte Vereinigung beging Feme-Morde und war insbesondere durch ihren aggressiven Antisemitismus berüchtigt geworden. (vergl. Informationsdienst gegen Rechtsextremismus: www.idgr.de)
Innerhalb der rechten Darkwaveszene besitzt Codreanu Kultstatus
Konsequenterweise waren Kirlian Camera neben anderen einschlägigen Projekten vertreten auf dem geplanten Codreanu-Gedenk-Sampler „Erinnerung an den Kampf – official release of the commandants and generals of the iron guard“ – Das Begleitbuch sollten u.a. Texte des
italienischen Faschisten Julius Evola und des deutschen Nationalisten Ernst Jünger ergänzen. (vergl. Dornbusch/Raabe:RechtsRock. Bestandsaufnahme und
Gegenstrategien. Münster 2002)

the second…

Für ein gemeinsames Konzert von Kirlian Camera im Sommer 2000 in Kassel mit Kapo!, Ostara (vormals strength through joy), Les Joyeaux De La Princesse, Death in June sowie Aurum Nostrum – allesamt rechts zu verortende Bands – warb u.a. die Freie Nationale Jugend Celle. (Speit: Ästhetische Mobilmachung. Münster 2002)
Das wundert nicht, sind Kirlian Camera doch bekannt für ihre Auftritte mit Dia- und Videoinstallationen, bei denen dann auch mal Hakenkreuze und Szenen aus dem Dritten Reich im Hintergrund über die Leinwand flackern, davor der schwarz uniformierte Sänger der Band.

the third…

Mit dem Nebenprojekt Stalingrad beteiligte sich Kirlian Camera an einem Gedenk-Sampler für Josef Thorak, einem der relevantesten nationalsozialistischen Bildhauer. Das Lied „er Letzte Flug“ ist benannt nach einer gleichnamigen Statue Thoraks, welche eine Frau mit ihrem toten Sohn im Arm darstellt.
„Der durch die Verbindung des Namens Stalingrad mit der Plastik Der Letzte Flug zustande kommende Interpretationsrahmen meint weniger den tragischen Tod eines einzelnen Menschen als den „Opfergang“ der Wehrmachtssoldaten. (…) Es ist der Schmerz der Täter,
das Leid der Opfer bleibt in dem Song unerwähnt, sodass er ein Trauergesang für den „gefallenen Helden“, für den „Opfergang für Volk und Vaterland“ ist. (Speit: Ästhetische
Mobilmachung. Münster 2002)
Natürlich, wie symptomatisch für die rechte DarkWaveszene, versucht auch Kirlian Camera beständig die Kritiken zu relativieren, es handele sich vielmehr um Kunst, Ästhetik, und überhaupt sei man doch unpolitisch.

the fourth…

Die Hafenstraße Meissen gilt als eher alternativ geprägter Klub. Nichtsdestotrotz konnten dort schon einmal im November 1998 offen agierende Neonazis auftreten. Organisiert vom Dresdner Szeneverlag EisLicht fand ein Konzert der US-Amerikanischen Band Blood Axis statt.
Dessen Kopf Michael Moynihan macht keinen Hehl aus seiner Meinung: „Einerseits denke ich, daß die Zahl 6 Millionen nur zufällig und ungenau und wahrscheinlich eine große Übertreibung ist. Ich habe revisionistische Bücher gelesen, die gut gegen den Holocaust-‘Kanon‘ argumentieren, und selbst die jüdischen Historiker verändern fortwährend ihre Ansprüche. Doch mein Hauptproblem bezüglich der Revisionisten ist, daß sie von der Annahme ausgehen, das Töten Millionen unschuldiger Menschen sei als solches ‚böse‘. Mehr und mehr neige ich zur entgegengesetzten Schlußfolgerung. Ich geriete nicht aus der Fassung, wenn ich herausfände, daß die Nazis jede ihnen zugeschriebene Grausamkeit begangen hätten – ich zöge es vor, wenn es wahr wäre.“ (In einem Interview mit No Longer A Fanzine, zitiert nach Alfred Schobert:
Heidentum, Musik und Terror in Junge Welt, 18.4.1997)

the end …

Wir halten den geplanten Auftritt von Kirlian Camera nicht für einen fauxpas der Hafenstraße Meissen und des Luisenkeller Görlitz. Konzertveranstaltungen mit solchen Bands sind Podien für die Darstellung einer martialischen maskulinen, faschistoiden Ästhetik unter Verwendung entsprechender Symbolik.

Wir werden dem etwas entgegenzusetzen wissen.

antifa2005 at web.de

Quelle: Indymedia

Braunes aus der Schwarzen Szene

Ein aktueller Überblick über rechte Bands in der Darkwave-Szene und ihre Absichten

Innerhalb der Darkwave-Szene1 hat sich seit Mitte der 90er Jahre ein kleiner, dafür um so frecher agierender Kreis von Aktivisten herausgebildet, die bewusst rechtes Gedankengut aufgreifen und propagieren. Im kulturellen Faschistische Ästhetik beim Auftritt rechter Darkwave-Bands (Juni 1999 auf Burg Falkenstein).Gewand bezieht man sich auf alte Denker der Konservativen Revolution und des Faschismus und bekämpft die Moderne mit all ihren Facetten. Dabei agieren die Protagonisten nicht als geschlossene Gesellschaft, sondern können sich vielmehr in der Grauzone zwischen Darkwave und Rechtsextremismus tummeln – schließlich kommt man aus der gleichen Szene, nur die Intentionen bei der Beschäftigung mit Tod, Religion, Symbolen etc. sind andere.

Als einer der Stars des extrem rechten Flügels der Darkwave-Szene gilt nach wie vor die englisch-australische Gruppe Death in June mit ihren kulturpolitischen Inhalten, ihrer militaristischen Ästhetik, ihrer Musik und den gängigen Vieldeutigkeiten, mit denen die Band spielt und sich damit Kritik entziehen will. Gemeinsam mit dem Sozialdarwinisten Boyd Rice tourt Death in June seit geraumer Zeit durch die USA und Europa. Der europäische Auftakt fand am 10. April in Brest statt, wo die Intervention französischer Antirassismus-Gruppen die Vorbereitung des Konzertes behinderte und zur Verlegung der Veranstaltung führte. Im Gegensatz zu den anderen Konzerten wurde der deutsche Auftritt von Death in June am 27. April im Raum Chemnitz sehr konspirativ vorbereitet. Der ursprünglich geplante renommierte Veranstaltungsort Kraftwerk wurde im Vorfeld gekündigt, weshalb der Gig dann in Bucha bei Jena stattfand.

Zur jüngsten Veröffentlichung von Death in June wurden offiziell keine Liedtexte veröffentlicht, was an den offensichtlich antisemitischen Ausfällen liegen dürfte. So wird im Lied »We said destroy II« offen auf das orthodoxe Judentum angespielt, aus Shakespeares »Der Kaufmann von Venedig« zitiert und indirekt die dort handelnde Person des Shylock2 aufgerufen. In einem anderen Lied ist von »shylock piggies« die Rede, der Titel der gesamten Veröffentlichung lautet dann »All pigs must die«.

Albin Julius, Sänger von Der Blutharsch. Bereits im März gastierten zwei andere extrem rechte Bands auf Einladung der Dresdner Gruppe LAS-Kulturavantgarde3 in Sachsen. blutharschHier musste ebenfalls ein in Claußnitz geplantes Konzert wegen antifaschistischer Interventionen verlegt werden und fand schließlich im Gasthof Goldener Anker in Marbach statt. Die ungarische Band Scivias trug an diesem Abend die Odal-Rune offen zur Schau und Der Blutharsch aus Österreich präsentierte sich in schwarzen Uniformen. Die Bands kreierten eine militaristische Atmosphäre und griffen oftmals Elemente der nationalsozialistischen Ästhetik auf. Abgerundet wurde dieser Eindruck durch die Verkaufsstände, wo es u.a. Bücher aus den rechtsextremistischen Verlagen Grabert und Arun zu kaufen gab und die extrem rechten Zeitschriften Hagal (Dresden) und Die Tat (Halle) feilgeboten wurden.

Der Sampler »Fidelis Legio« als Beispiel

Wofür eine Band wie Scivias ideologisch steht, macht deren Beteiligung am Sampler »Fidelis Legio« deutlich, der sich als Huldigung an Corneliu Zelea Codreanu (1899-1938) versteht. Der Gründer und Führer der rumänischen Legion des Erzengels Michael (alias Eiserne Garde) propagierte einen christlich orthodox fundierten Faschismus und war ein fanatischer Antisemit. Bis heute bieten die Positionen der ehemaligen Legionäre wichtige ideologische Bezugspunkte für europäische Neonazis. Erstellt wurde der Sampler von Calin Dan Ghetu, der als Aktivist der reanimierten Eisernen Garde von Rumänien aus Verbindungen zu verschiedenen Neonazis in ganz Europa hält. Martin Schwarz (Wien) bemüht sich im Begleitheft, die Vorzüge des rumänischen Faschismus im Gegensatz zum Nationalsozialismus herauszuarbeiten. In der ebenfalls maßgeblich von Schwarz editierten Kshatriya-Mailingliste wird Codreanu als der »asketisch-religiöse Erwecker der rumänischen Seele« bezeichnet, der eine »Leitfigur für die Elite der national-europäischen Erhebung wider die dekadente Welt [ist], der er anders als der Duce oder der Führer mit keiner Faser seines Leibes angehörte«.

Die teilnehmenden Bands aus dem Darkwave-Spektrum4 betonen in ihren Beiträgen die Bedingungslosigkeit des Kampfes der Eisernen Garde und ästhetisieren den Tod als Höhepunkt im Dasein eines Legionärs. Exemplarisch ist der Beitrag »Europa – long live death!« der italienischen Band Londinium SPQR.5 Das Stück beschwört den fanatischen Kampf der Eisernen Garde, deren Schlachtruf »long live death« war: »Europas Wind bläst wieder auf diesen Fahnen. (…) Das Sterben im Kampf hieß ewige Ehre. Sag mir, was ist los mit meinem Land? Es lässt sich nicht mehr erkennen. Und wir sind jetzt bereit, mit unseren Brüdern den Kampf zu teilen bis zum Sieg«. Die insgesamt fünf Sprachen, in denen das Lied vorgetragen wird, sollen die europäische Ausrichtung der Band bzw. des gesamten Samplers verdeutlichen.

Eine Szene mit Abgrenzungsschwierigkeiten

Ebenfalls ein Werk zu dem Codreanu-Sampler beigesteuert hat die Band Darkwood aus Dresden, die Mitte Mai beim Wave-Gotik-Treffen (WGT) in Leipzig anzutreffen sein wird, dem weltgrößten Treffen der schwarzen Szene. Derartige Auftritte (extrem) rechter Bands sind mittlerweile normal, schließlich sind hier alle kulturellen, musikalischen und politischen Facetten vertreten. darkwoodDie (extrem) rechten Bands werden geduldet, indem beim WGT jeder seine eigene Party feiert. Mit dabei ist in diesem Jahr beispielsweise auch Camerata Mediolanense (angekündigt als Camerata Sforzesca), die sich vor zwei Jahren für das deutsche Blood & Honour-Magazin interviewen ließen und mehrmals bei rechtsextremen Veranstaltungen spielten.

Kritik an den politischen Aussagen einzelner Bands wird in der schwarzen Szene nur ungern angenommen; in der Vergangenheit in die Szene hineingetragene Diskussionen waren wenig ergiebig. Dies liegt zum einen an einem verkürzten Begriff des Rechtsextremismus: Bestimmend ist das Klischee von Glatze und grüner Bomberjacke; die viel größere Gefahr der Mischung von sozialen, politischen, kulturellen und ästhetischen Werten in der Szene wird nur selten gesehen. Verkörpert wird diese z.B. von dem Neonazi Christian Kapke, der vor wenigen Jahren mit seiner Band für Blood & Honour aufspielte und heute federführend beim Neofolk-Internetprojekt lichttaufe.de [nonpop.de] aktiv ist.

Die zweite Schwierigkeit bei Diskussionen in der Szene besteht in den absichtlichen Uneindeutigkeiten der einschlägigen Bands. O-Töne wie »genaugenommen gab es Runen doch schon vor dem Nationalsozialismus« oder »Vertreter der Konservativen Revolution der 20er Jahre wurden schließlich auch im Nationalsozialismus verfolgt« gehören in der Argumentation zum Standardrepertoire. Problematisch für antifaschistische KritikerInnen ist also, dass jeder einzelne Aspekt eines Projektes aus dem extrem rechten Darkwave-Spektrum fast immer vieldeutig zu interpretieren ist. Für eine fundierte politische Bewertung ist daher die Addition aller Einzelaspekte (Texte, Ästhetik, Bezüge, Fans, Rezensionen etc.) zu einem Gesamtbild notwendig.

Fazit

Nicht zuletzt muss man sich der Logik entziehen, dass das Wirken (extrem) rechter Bands, Zeitschriften etc. ausschließlich kulturell verstanden werden soll. Für den erwähnten Christian Kapke ist klar, »dass man bewusst versucht, politische Inhalte über Kunst zu transportieren, einfach weil es dadurch unscheinbarer oder entsprechend eingängiger erscheint«.

Thomas Naumann

Quelle: Turn it down

  1. Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Darkwave-Szene ist nicht per se (extrem) rechts. [zurück]
  2. Der verhasste jüdische Geldverleiher symbolisiert den antisemitischen Stereotyp vom gierigen Juden. Für Alfred Rosenberg vereinte das Wesen Shylock »äußerlich (…) alle jüdischen Rassenzüge (…). Shylock ist also sowohl Einzelmensch wie Typus, ein Jude sowohl wie das Judentum«. Vgl.: Rosenberg, Alfred: »Der Mythus des 20.Jahrhundert«. München 1934, S.411. [zurück]
  3. Ein ebenfalls von LAS anberaumtes Konzert mit der Band Ostara (früher Strength through Joy) Ende April 2002 wurde aufgrund bandinterner Gründe abgesagt. [zurück]
  4. Mit dabei sind unter anderem Blood Axis, Spiritual Front, Ain Soph, The days of the trumpet call, Belborn (Rosenheim) und Von Thronstahl, die am 29./30.Juni 2002 beim Pressefest der rechtsextremen Zeitschrift Signal in Köln spielen sollen. [zurück]
  5. Die Band ist der Identitätsrock-Bewegung zuzurechnen und spielte in den vergangenen Jahren bei zahlreichen neonazistischen Skinhead-Konzerten. [zurück]

Störfall im Zwischenfall

Wieder einmal machte das „Zwischenfall“ in Bochum-Langendreer von sich reden. Am vergangenen Samstag sollte dort eine Releaseparty der mehr als umstrittenen Neofolkband „Ostara“ stattfinden. Nach Protesten von AntifaschistInnen sahen die VeranstalterInnen davon ab – weniger aus Einsicht, sondern weil man offensichtlich Ärger vermeiden wollte.

Zentrale Figur der Band Ostara ist der Australier Richard Levy (alias Richard Leviathan). In der Szene sind sowohl er als auch Ostara nicht unumstritten. Grund dafür sind zum einen gemeinsame Auftritte sowie Seitenprojekte mit extrem rechten MusikerInnen aus der Dark Wave- und Neofolkszene, zum anderen zweifelhafte Texte und Aussagen der Bandmitglieder. So finden sich auf dem neuen Album mit dem Titel „Ultima Thule“ zwei Leni Riefenstahl gewidmete Lieder. In einem Szene-Review heisst es bezeichnend: „ … wird diese CD der ohnehin heftig kritisierten Band Ostara inhaltlich keine Entlastung bringen. Wer sich an den verwendeten Bildern und Motiven stört, wird hier wenig Freude haben.“

Strength through Joy

Bis zum Umzug von Bandmitglied Timothy Jenn nach Deutschland 1999 nannte sich die Band „Strength through Joy“, was in Deutschland jedoch verboten ist, da „Kraft durch Freude“ (KDF) der Name einer Unterorganisation der nationalsozialistischen Deutschen Arbeitsfront war, welche durch Freizeitgestaltungen den „Erhalt der Arbeitskraft“ gewährleisten sollte. Tatsächlich diente die KDF der Verbreitung von NS-Propaganda.

Das der Name nicht von ungefär gewählt worden war, zeigte sich neben den Texten auch an Hand der Bands, mit denen man zusammen auftrat. So heißt es in einem Bericht im neonazistischen Skinheadfanzine „Der Lokalpatriot“ (Nr. 7) zu einem Konzert mit Strength through Joy, Death in June und Boyd Rice 1996 in München: „Sehr nett waren die Fahnen anzusehen, die auf der Bühne gehißt bzw. über das Schlagzeug gelegt wurden, sowas würde zur Erstürmung von jedem Blood & Honour-Konzert führen, ungerecht das!“

EisLicht

Auch das Label EisLicht (ehem. Eis & Licht), auf welchem die neue CD erschien, ist im rechten Teil der Szene zu verorten. So erschien dort das rechte Fanzine Zinnober (vormals Sigill), zudem werden Platten wie eine Hommage zum hundertsten Geburtstag des Vordenkers des italienischen Faschismus Julius Evola veröffentlicht . Auf diesem sind gleich mehrere namhafte Bands des rechten Spektrums vertreten, so Allerseelen, Von Thronstahl, Blood Axis und Waldteufel.

In Kassel konnte am 15. Juli 2000 ein Konzert mit Ostara verhindert werden, zu dem auf diversen Internetseiten von Neonazis mobilisiert worden war. Angekündigt waren u.a. die Bands Kirlian Camera, Kapo, Ostara und Aurum Nostrum. Neben den Bands, darunter auch die australische Band Death in June, waren etwa 500 BesucherInnen aus dem ganzen Bundesgebiet und Europa angereist. Ein Teil von ihnen mit eindeutig neofaschistischem Outfit. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Da bereits mehrere VeranstalterInnen in Nordhessen das Konzert zuvor abgesagt hatten, zog auch die Salzmann-Fabrik in Kassel schließlich nach.

In Nürnberg wurde ein Ostara-Konzert von der Stadt verboten. Bezuggenommen wurde in der Begründung u.a. auf die Namen „Strength through joy“ und „Ostara“ – eine Band mit solchen Namen dürfe in Nürnberg nicht spielen, erteilte die Stadtspitze den Rechten eine klare Absage. Anders in Bochum.

Veranstalter der „Nebelwelt“-Parties ist „Ignis et ferrum“, eine Gruppe von DJs, welche eigenen Angaben zu Folge das Ziel hat, jenseits teurer Mainstream-Veranstaltungen Parties für die schwarze Szene zu organisieren. Neben den regelmäßigen Events in Bochum legt man auch in Köln, Koblenz oder anderswo auf.

Der Hintergrund von Ostara war der Veranstaltungs-Gruppe bekannt, allerdings meinte man, dies sei Vergangenheit, zudem habe man von rechten Positionen in der Szene noch nie etwas mitbekommen. Nicht besonders glaubwürdig, war es doch nicht das erste mal, das eine ihrer Veranstaltungen Rechten eine Bühne bot: Bereits im Jahr 2000 fanden sich bei einer „Ignis et ferrum“-Nacht zwei rechte Büchertische, verkaufte mit Thomas Lückwewerth ein Autor der faschistischen Dark Wave-Zeitung „Sigill“ deren neuste Ausgabe.

Zwar wurde die Ostara-Releaseparty abgesagt, inhaltlich wollte man sich jedoch nicht davon distanzieren, sondern lediglich „Ärger vermeiden“, wie vom Zwischenfall zu erfahren war. Das es mit der gegenüber AntifaschistInnen behaupteten Unschuldigkeit nicht weit her sein kann, zeigt sich an der Tatsache, dass Auftritte wie beim Konzert der extrem rechten Band „Sol Invictus“ 1999 in Krefeld im Gespräch geleugnet und anschließend die entsprechenden Hinweise auf der Homepage plötzlich entfernt wurden.

Zwischenfall

Das Bochumer Zwischenfall gilt schon seit Jahren als eine der bundesweit bekanntesten Treffpunkte der Dark Wave-, Gothic- und Neofolk-Szene. Neben Szeneveranstaltungen finden aber auch verschiedenste andere Konzerte und Parties statt, so z.B. Punk- bzw. Hardcorekonzerte und Discos.

Angesichts der Tatsache, dass das Zwischenfall eigentlich eher ein Laden mit linkem Publikum und auch Anspruch war und ist, mag es auf den ersten Blick verwundern, dass ausgerechnet dort einer derartigen Veranstaltung wie dieser Releaseparty Raum geboten wird. Doch gab es es bereits mehrfach Ärger wegen Auftritten rechter Bands im Zwischenfall. So sollte am 28. Februar 1997 ein Konzert der rechten Dark Wave-Band „forthcoming fire“ stattfinden, was jedoch von AntifaschistInnen verhindert wurde. Auch die Ostara-Vorgängerband „Strength through joy“ sollte bereits einmal im Zwischenfall spielen, zusammen mit „Death in June“ und „Boyd Rice“ und zwar am 9. Mai 1997. Nach heftigen Protesten wurde dieses Konzert damals abgesagt.

Deshalb verwundert es um so mehr, dass die Musik der gleichen Leute unter anderem Namen jetzt dort präsentiert werden sollte.

Carsten Draeger

Quelle: Bochumer Stadt und Studierenden Zeitung