Archiv der Kategorie 'Martin Schwarz'

Verlage am rechten Rand

Esoterik und Holocaustleugnung

Verlage am rechten Rand. Beispiele

Das Spektrum an deutschsprachigen Verlagen, die im weiteren Sinne einen “rechten” Leserkreis bedienen, ist groß. So unterschiedlich jedoch die inhaltliche Ausrichtung im Einzelnen sein mag, lässt sich eine Reihe an Gemeinsamkeiten feststellen:

* Insgesamt hat in den letzten Jahren der Büchermarkt innerhalb der rechten Szene stark an Bedeutung gewonnen. Dabei erfüllt der Buchverkauf zwei Aufgaben: einerseits dient er selbstverständlich der Informationsvermittlung, andererseits stellt er eine nicht unerhebliche Einnahmequelle auch des organisierten Rechtsextremismus’ dar.

* Die meisten Verlage, die eine rechte Leserschaft bedienen, zeichnen sich durch einen hohen Grad an Vielfältigkeit aus. Kaum ein Verlag ist auf nur ein Themengebiet spezialisiert, und fast nie finden sich in den Verlagsprogrammen Titel, die ausschließlich politischer Natur sind. Im Gegenteil: Oft geht die offen rechtsextreme Literatur gegenüber der vermeintlich unpolitischen fast unter. Darüber hinaus umfasst die verlegerische Tätigkeit längst nicht nur Buchproduktionen, häufig finden sich gleichermaßen Zeitschriften, Musik-CDs und Videos in den Programmen der Verlage.

* Nahezu alle Verlage führen nicht nur die Titel des eigenen Verlagsprogramms, sondern betreiben darüber hinaus Bücherversände, die den Kunden sämtliche lieferbaren Bücher im deutschprachigen Raum offerieren.

* Der Grad an personeller und organisatorischer Vernetzung sowie an Zusammenarbeit zwischen den Verlagen ist gemessen an der Konkurrenzlage deutlich höher als bei herkömmlichen Verlagen.

Grabert-Verlag und Hohenrain-Verlag

1959 vom ehemaligen Mitarbeiter Alfred Rosenbergs im „Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete“, Herbert Grabert, gegründet und seit 1972 von dessen Sohn Wigbert Grabert geführt, publiziert der Verlag u. a. die Arbeiten führender Revisionisten. So beispielsweise den Begründer des sog. „wissenschaftlichen Revisionismus“, David L. Hoggan, oder den Holocaust-Leugner David Irving. Im Klappentext zu Hoggans “Der erzwungene Krieg” wirbt der Grabert-Verlag mit klassisch revisionistischen Schlagworten: Die Kriegschuld Deutschlands am 2. Weltkrieg sei eine “Kriegs- und Lügenpropaganda” der Alliierten. Im Grabert-Verlag erscheinen zudem vierteljährlich die Zeitschrift Deutschland in Geschichte und Gegenwart, das zweimonatige Info-Blatt Euro-Kurier sowie die Publikationen des neurechten Thule-Seminars und der Stiftung Kulturkreis 2000 als “Plattform für nach ultrarechts abdriftende rechtskonservative Professoren”, so der Historiker Martin Dietzsch.

Um nicht nur eine möglichst breit gefächerte Leserschaft zu erreichen, gründete Wigbert Grabert 1984 den Hohenrain-Verlag, der mit Themen wie der Euro-Einführung oder dem Palästina-Konflikt aktueller operiert, womit, so der Verfassungsschutzbericht 2000, “auch nicht-rechtsextremistische Leser angesprochen und so der Kunden- und Wirkungskreis des Verlags erweitert werden [sollen].”

Gute Kontakte unterhält das Verlagshaus um Wigbert Grabert zu der NPD-nahen Zeitschrift Nation und Europa, zu dem DVU-Chef und Verleger Gerhard Frey und der neurechten Jungen Freiheit. Außerdem betreibt der Verlag den Grabert Buchversand, dessen Prospekte u. a. von dem Schutzbund für das Deutsche Volk und der Zeitschrift Nation verteilt wird. Der Verleger Grabert wurde 1998 wegen Volksverhetzung und Vergehen gegen § 86a StgB zu einer Zahlung von 10.500 DM verurteilt.

Arndt-Verlag

Auch der Arndt-Verlag publiziert vorwiegend revisionistische Schriften, darunter Autoren wie Gustav Sichelschmidt (“Tollhaus Deutschland”) und David Irvings Göring-Biographie. Daneben wendet er sich mit den Schwerpunkten “Die Heimat im Bild und Buch” sowie “Flucht und Vertreibung” an ein “Vertriebenen”-Publikum. Der Verleger Dietmar Munier betreibt zudem den Orion-Heimreiter-Verlag mit Autoren wie dem Verhaltensforscher Irenäus Eibel-Eibesfeld und den “Pour le Merite”-Verlag, die beide eine nicht-rechtsextremistische Leserschaft ansprechen und doch rechtsextreme Argumentationen stützen sollen, sowie den Arndt-Buchdienst / Europabuchhandlung.

Munier war in den 70ern führendes Mitglied des Bundes volkstreuer Jugend und Funktionär der NPD-Jugendorganisation. 1991 gründete er die Aktion Deutsches Königsberg, danach folgen eine Reihe weiterer Vereine und Firmen mit Tätigkeitsschwerpunkt im ehemaligen Ostpreußen.

Verlag & Agentur Werner Symanek (VAWS)

Ein ganz anderes Publikum als Grabert- und Arndt-Verlag hat der Verlag & Agentur Werner Symanek (VAWS) im Blick. Das Verlagsprogramm, bestehend aus Merchandise-Artikeln, Videos, Büchern und Musik-Produktionen, richtet sich vorwiegend an eine jugendliche Zielgruppe aus dem Dark-Wave-Bereich. Inhaltlich bedient es sich einer Mischung aus okkultistischen Themen und NS-Ästhetik à la Leni Riefenstahl. Im Programm u. a. der Nachdruck des okkultistischen Romans “Dunkle Wege” vom Nazi-Dichter und Hitler-Lehrer Dietrich Eckart, Bildbände von Nazi-Künstlern, Leni-Riefenstahl-Filme und CDs aus den Bereichen Industrial, EBM und Neo-Folk – allesamt Subgenres des Dark Wave. Gerade im Bereich Musik / Dark Wave arbeitet Symanek eng mit dem antisemitischen Musiker Joseph Maria Klumb alias Jay Kay (Forthcoming Fire, Weissglut, Von Thronstahl) zusammen, der in Anlehnung an den Autor Jan van Helsing an eine “jüdischen Weltverschwörung” glaubt und positiv auf Benito Mussolini Bezug nimmt.
Darüber hinaus ist Symanek für Druck und Vertrieb der rechtsextremistischen Zeitschrift Unabhängige Nachrichten verantwortlich, für die er auch als Autor tätig ist.

Verlag Zeitenwende

Zwischen Esoterik, Revanchismus, Rechtsextremismus und Dark-Wave-Lifestyle bewegt sich der Verlag Zeitenwende und versucht damit ebenfalls, eine breite Leserschaft zwischen Neuer Rechter und jugendlicher Subkultur zu erreichen. Für den Verlag schreiben u. a. der Holocaust-Leugner Bernhard Schwab, der regelmäßig “germanisches Heidentum” gegen demokratische Prinzipien in Stellung bringt, oder Martin Schwarz, der “deutschen Geist und Spiritualität” durch Werteverlust und Spaßgesellschaft gefährdet sieht und dagegen in enger Anlehnung an den italienischen Faschismus das Ideal einer streng hierarchischen Gesellschaft stellt. Besonderen Wert legt Verleger Sven Henkler auf neoheidnisches Gedankengut, mit dem er nicht nur rechtsextreme Intellektuelle umwirbt, sondern auch jugendliche Sinnsucher. Folgerichtig erscheint im Verlag Zeitenwende vierteljährlich die Dark-Wave-Zeitschrift Hagal, in der neben jugendkulturellen Themen auch heidnische und rechtsextremistische Positionen vertreten sind. Hier heißt es beispielsweise über den hochrangigen Nationalsozialisten Georg Werner Haverbeck, er sei im geistigen wie im menschlichen Sinne “wie ein Großvater” für die Redaktion. Haverbeck leugnete bis zu seinem Tod 1999 beharrlich den Holocaust und war eine der Führungspersönlichkeiten anthroposophischer Theologie und des rechts-ökologischen Spektrums.
Tatsächlich hat der Verlag Zeitenwende enge Kontakte zu Haverbecks Collegium Humanum und dem neurechten Netzwerk Synergies Européennes (Synergon), mit denen zusammen er jährlich Tagungen veranstaltet.

Jan Buschbom / Violence Prevention Network e. V.

Quelle: Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung

Rechte Tendenzen in der Wave- und Gothic-Szene

Rechte Tendenzen in der Wave- und Gothic-Szene
Von Arne Gräfrath

Zum Anfang eine Erklärung zum Begriff Wave- und Gothic-Szene. In dem folgenden Text umfasst dieser Begriff die gesamte Bandbreite der sogenannten schwarzen Szene mit all ihren Spielarten von Darkwave, Gothic, EBM, Industrial bis hin zur Fetisch-Szene, auch in dem Bewusstsein, dass manche(r) in eine Ecke gedrückt wird, in der sie/er nicht hineingehören.

Seit etwa Ende der Achtziger Jahre wurde in der Wave- und Gothic-Szene immer wieder rechte Tendenzen im Bezug auf Musik-Bands beobachtet. Aber weder allgemeingültige (rechte) Entwicklungen lassen sich in der Wave- Gothic-Szene (WGS) definieren, noch lassen sich die Inhalte der Gruppen und Personen repräsentativ für diese Musik- und Kulturszene ableiten. Es handelt sich aber hier um akzeptierte Erscheinungen in dieser Szene.

Rechte Einflüsse auf die Wave-Gothic-Szene

Versuche von Neonazis in die Wave-Szene einzudringen, gibt es schon so lange, wie die Szene an sich existiert. Die Wave-Gothic-Szene entwickelte sich aus der Punkbewegung der Siebziger Jahre – sie verstand sich allerdings als unpolitische Gegenkultur. Jeder Meinung, die verbindende Elemente zur Wave Szene besass, stand man tolerant gegenüber (und ermöglichte so den Rechten erste Erfolge). Auffällig ist dabei, dass Toleranz oftmals mit Kritiklosigkeit, Ignoranz und Beliebigkeit verwechselt wird. Gerade bei der Kritiklosigkeit gegenüber neofaschistischen Meinungen und Inhalten wird ein Widerspruch innerhalb der Szene am deutlichsten – einerseits versteht sich die WGS als Kritik und Gegenkultur zur menschenverachtenden-technokratischen Gesellschaft, anderseits wird selber mit Symbolen kokettiert, die menschenverachtender nicht sein können. Verbindende Elemente zur Neonaziszene sind Esoterik, Okkultismus und Neoheidentum.

Als The Cure 1979 den Song »Killing an Arab« veröffentlichte, gab es die ersten Versuche britischer Neonazis (die der BNP – British National Party) in der Punk-/Wave-Szene Fuss zu fassen und den Song und die Band für sich zu vereinnahmen. Dies scheiterte jedoch daran, dass The Cure sich sofort vehement gegen diese Entwicklung aussprachen und es auf den Konzerten regelmässig zu Auseinandersetzungen zwischen anwesenden Neonazis und Grufties kam. Mit dem Aufkommen von sogenannten Neofolk-Bands Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre bestimmten immer mehr Heidentum und Elemente faschistischer Ideologie die Ikonographie der WGS. Auch ein deutliches Interesse der sogenannten »Neuen Rechte« (besonders der rechtsextremen Zeitschrift Junge Freiheit) an der Gegenkultur der Grufties war zu erkennen.

Roland Bubik, Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und Autor der Jungen Freiheit (JF) schrieb im Kulturteil der JF im Herbst 1993: »…die Jugendkultur von heute bietet erfolgversprechende Ansätze (…) Ein merkwürdiges Bewusstsein, in einer Phase des Niedergangs zu leben, ist virulent, vom ’age of destruction’ ist die Rede, die Parties der Tekkno-Szene gleichen makabren Totenfeiern einer Epoche. Man (…) misstraut der Erklärbarkeit der Welt, wendet sich sogar rückwärts, etwa in Form der verschiedenen Independent-Szenen.« In seinen Texten beruft sich Bubik auf den italienischen Kulturphilosophen und Vertreter der Anti-Moderne Julius Evola (1898 – 1974), den Umberto Eco einen »faschistischen Guru« nannte. Evolas »Revolte gegen die moderne Welt« glaubt Bubik in der Dark Wave Szene wieder zu finden. Nachdem Bubiks Träume von der Techno-Szene (»Stahlgewitter als Freizeitspass«) sich bald als Schäume entpuppten (»seelische Vergewaltigung durch Beat-Computer und Masse«), vermeinte er in der Neo-Folk- und Gothic-Szene Anknüpfungspunkte zu finden. Er nennt Bands wie Dead Can Dance oder Qntal, deren »mittelalterliche ‚Musik’ eine andere Sprache als die der Moderne« spreche. In Wahrheit haben beide Bands nichts mit rechtem Gedankengut zu tun. Qntal gehören in den Kreis der deutschen Dark Wave – Bands (Deine Lakaien, Estampie, Das Ich), die sich wiederholt und vehement gegen den rechten Kulturkampf zu Wort gemeldet haben (siehe auch Aufruf zum Dark-X-Mas-Festival 1992). Und Bubiks Redaktionskollege Peter Bossdorf (s.u.) musste feststellen, dass Dead Can Dance längst nicht auf eine Rezeption mittelalterlicher Musik zu reduzieren sind und keine (musikalischen) Grenzen kennen. Anlässlich ihrer CD »Spiritchaser« (4 AD/Rough Trade 1996) stellt er enttäuscht fest: »Man parodiert in gezierter Pose den Orient, (…) begleitet von nicht mehr an Langeweile zu übertrumpfenden Percussion-Einlagen der Marke Dschungel. (…) Wenn dies Weltmusik sein soll, ist die Welt nicht zu beneiden.« (JF 29/96).

Doch es gab durchaus reale Anknüpfungspunkte in der Szene: Bubiks Lebensgefährtin Simone Satzger (alias Felicia), Sängerin der Gruft-Band Impressions Of Winter, propagierte 1995 eine rechte Kulturinstrumentalisierung und empfahl, »sich aktuellen kulturellen und politischen Phänomenen zu öffnen, um sie für die eigenen Zwecke zu nutzen.«1

Darüber hinaus existierten schon damals eine Reihe von Bands mit tatsächlich rechten Inhalten. Von Interesse für die »Neue Rechte« war zudem ein in der Gothic-Szene verbreiteter Hang zum Mystischen. Auch die Bezüge von Teilen der Szene zu Romantik, Heidentum und Esoterik sind für die Rechten von Interesse, da sie ein Anknüpfungspunkt für rechte Propaganda sind.

Bands, Verlage, Fanzines – die Verquickung von Kommerz und Ideologie

Die »Operation Dark Wave« nahm in der Jungen Freiheit ihren Lauf. &Üuml;ber einen Nachwuchswettbewerb konnte eine mit Dark Wave vertraute Schreiberin gefunden werden, die freilich bald das Handtuch schmiss. Sie warnte in einem offenen Brief an Rainer »Easy« Ettler, dem Herausgeber der Szenezeitschrift Zillo, eindringlich vor dem rechten Kulturkampf und gab den Gothics mit auf den Weg, dass sie für die Rechten nur »nützliche Spinner auf dem Weg zur Macht« seien. (Leider wurde der Brief vom Zillo nie abgedruckt, obwohl er 1996 genau dort hingehört hätte und bis heute keine breite Debatte darüber stattgefunden hat).

Mit Peter Bossdorf, der auf eine lange Vergangenheit u.a. im Thule-Seminar und bei den Republikanern zurückblicken kann, konnte Mitte der 90er Jahre ein Junge Freiheit-Redakteur in der auflagenstärksten Zeitschrift der »Independent Szene« platziert werden: Das Zillo war sich zudem nicht zu schade, wiederholt rechte Anzeigen abzudrucken, darunter auch der Jungen Freiheit (Zillo 2/96). Die Liaison Zillo/Junge Freiheit war aufgrund von Protesten aus der Szene bekannt geworden: das Hamburger Wave-Label »Strange Ways« (u.a. »Goethes Erben«) und der Vertrieb Indigo machten den Skandal öffentlich. Nach dem Tod des Zillo-Chefredakteurs Rainer Ettler wurde Peter Bossdorf im Frühjahr 1997 endlich vor die Tür gesetzt.

Doch damit ist der rechte Kulturkampf nicht zu Ende. Mittlerweile haben sich feste Strukturen herausgebildet und vernetzt. Verlage, Zeitschriften und eine ganze Reihe von Bands sind durch eine kontinuierliche Arbeit für die Sache einer rechtsextremen »Kulturrevolution« aufgefallen.

Exkurs: Death in June

In erster Linie sind Death in June zu nennen. Sie schafften es zu einem Novum: 1997 erschien ein Artikel über die Band in der »Bravo« der Nazi-Skins, der RockNord, einer rechtsextremen Skinheadzeitschrift. Der Name ist bei der Band Programm: Sie berufen sich offen auf den »national bolschewistischen« Flügel der NSDAP um SA-Führer Röhm, der am 30. Juni 1934 in der sogenannten »Nacht der langen Messer« auf Weisung der NSDAP- Führung umgebracht wurde.

Ebenfalls zu nennen wäre das Fanzine »Sigill« (Untertitel: Magazin für die konservative Kulturavantgarde Europas), das in seiner Konzeption vielleicht ernstzunehmendste rechte Blatt der schwarzen Szene. In Sigill kommt der Kern des rechten Segments der Dark-Wave-Szene zu Wort: Death In June, Sol Invictus, Radio Werewolf, Kirlian Camera, Orplid, Strength Through Joy, Allerseelen, Forthcoming Fire, The Moon Lay Hidden Beneath a Cloud usw. Auch wenn Sigill viel Wert darauf legt, nicht als Nazi-Blatt angesehen zu werden, so spricht doch die Autorenschaft von Leuten wie Markus Wolff (Waldteufel), Kadmon (Allerseelen) oder Martin Schwarz, der auch für das NPD-Blatt Deutsche Stimme schreibt, eine andere Sprache. Ebenso ihre durch die »Deutsch-Maschine« gezwirbelten Artikel: so heissen Compact Discs bei Sigill nicht CDs, sondern Lichtscheiben… So wird auch sprachlich vorbereitet, was Sol Invictus mit Freude besangen: »The Death Of The West«. Das rechtsextreme Label mit angegliederten Buchverlag VAWS ist ein weiteres Beispiel.

Viele Mitglieder rechter Neo-Folk und Industrial-Bands arbeiten nebenbei in rechtsextremen Verlagen und an Zeitschriften, die das auch in den Songtexten vorhandene rechte Gedankengut in intellektueller Form vertiefen. Fans werden auf Dauer nicht dabei stehen bleiben, nur die Platten ihrer geliebten Künstler zu kaufen, sondern sich auch für die schriftlichen äusserungen interessieren. Gemeinsam ist praktisch allen der genannten Zeitschriften ein Mix aus Berichterstattung über neurechte Bandprojekte aus dem Neo-Folk, Black Metal und Industrial, heidnischen Themen, Germanen-, Kelten- und Wikinger-Kult, Runenkunde und mehr oder weniger deutlich ausgeprägten nazistischen, antisemitischen oder nationalrevolutionären Themen. Immerwiederkehrend ist auch die Berufung auf die »Meinungsfreiheit«, die »Künstlerische Freiheit« und ein »Freidenkertum« jenseits von »Schablonen« wie links und rechts. Auf den ersten Blick macht das die Sache sehr verwirrend und widersprüchlich, wenn Leute wie Moynihan sich etwa als »Anarchisten« bezeichnen, gleichzeitig aber liberale und demokratische Freiheiten ausnutzend sozialdarwinistisches, antisemitisches und rassistisches »Blut und Boden«-Gelaber vom Stapel lassen und sich in rechten Zirkeln tummeln oder sie gar selbst gründen.

Auch wenn die Auflage aller rechten »Wave«-Zeitschriften kein Anlass zur Panik gibt, so sind sie doch wichtige Bindeglieder zwischen Grufties, die an den besprochen Bands oder am Heidentum interessiert sind, und dem rechten Kulturkampf. Dieser rehabilitiert auf diesem Wege die ganze esoterisch-mystische Seite des Nazi-Regimes (etwa das SS-Ahnenerbe und seine Wewelsburg bei Paderborn), die nationalrevolutionären Strömungen des NS wie etwa die SA, den italienischen Faschismus und die eng mit ihm verwobene Kunstrichtung des Futurismus, die faschistischen Eisernen Garden aus Rumänien und ihren Gründer Corneliu Codreanu Nazi-Künstler wie Riefenstahl, Thorak und Speer, Germanenkult, Sozialdarwinismus und Antisemitismus und damit entscheidende Ideologiebestandteile faschistischer, nationalrevolutionärer und nationalsozialistischer Gruppen und Organisationen. Auch über die oft spielerisch verbrämte Enttabuisierung von Symbolen wie dem Haken- oder dem Kruckenkreuz und der Etablierung von germanischen Runen versuchen die Rechten Schritt für Schritt den Blick auf das Dritte Reich und letztlich das ganze Weltgeschehen in ihrem Sinne zu verändern.

Auf bestimmten Festivals wie dem Internationalen Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, auf Konzerten sowie in entsprechenden Plattenläden ist ein Grossteil der erwähnten Magazine zu erwerben und die Platten stehen auch in Läden, deren Betreiber weder rechts noch ahnungslos sind. Kommerzielle Interessen machen es dem rechten Kulturkampf besonders leicht.

Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang, dass ein Grossteil der Fans von Bands wie Death In June, Sol Invictus oder Kirlian Camera selbst nicht rechts ist, sondern nur auf die Musik dieser Neo-Folk-Bands steht. Das »rechte Image« der Bands ist den meisten bekannt. Doch gerade in Deutschland ziehen sich die Fans gerne auf in Musikzeitschriften veröffentlichte Distanzierungserklärungen und Ausreden der Bands zurück, die besagen, dass die Kritiker die Bands ja nur »missverstehen« würden. Es gibt aber belegte Fälle von Fans, die über die Beschäftigung mit Neo-Folk-Bands sich plötzlich für die protegierten Ideologen wie Ernst Jünger oder Julius Evola interessierten und schliesslich fasziniert davon selbst Teil des rechten Kulturkampfes wurden. Den Fans, die tatsächlich nichts damit zu tun haben wollen, fällt der Abschied von »ihrer Band« oft schwer. Immer wieder konnten wir regelrechte schmerzliche Abschiedsprozesse beobachten, was wohl jeder nachvollziehen kann, der sich vorstellt, sich von seiner Lieblingsband trennen »zu müssen«.

Quelle: D-A-S-H

  1. in: »Elemente«, veröffentlicht in Bubiks (Hg.) »Wir 89er«, 1995 [zurück]