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Rechte Tendenzen in der Wave- und Gothic-Szene

Rechte Tendenzen in der Wave- und Gothic-Szene
Von Arne Gräfrath

Zum Anfang eine Erklärung zum Begriff Wave- und Gothic-Szene. In dem folgenden Text umfasst dieser Begriff die gesamte Bandbreite der sogenannten schwarzen Szene mit all ihren Spielarten von Darkwave, Gothic, EBM, Industrial bis hin zur Fetisch-Szene, auch in dem Bewusstsein, dass manche(r) in eine Ecke gedrückt wird, in der sie/er nicht hineingehören.

Seit etwa Ende der Achtziger Jahre wurde in der Wave- und Gothic-Szene immer wieder rechte Tendenzen im Bezug auf Musik-Bands beobachtet. Aber weder allgemeingültige (rechte) Entwicklungen lassen sich in der Wave- Gothic-Szene (WGS) definieren, noch lassen sich die Inhalte der Gruppen und Personen repräsentativ für diese Musik- und Kulturszene ableiten. Es handelt sich aber hier um akzeptierte Erscheinungen in dieser Szene.

Rechte Einflüsse auf die Wave-Gothic-Szene

Versuche von Neonazis in die Wave-Szene einzudringen, gibt es schon so lange, wie die Szene an sich existiert. Die Wave-Gothic-Szene entwickelte sich aus der Punkbewegung der Siebziger Jahre – sie verstand sich allerdings als unpolitische Gegenkultur. Jeder Meinung, die verbindende Elemente zur Wave Szene besass, stand man tolerant gegenüber (und ermöglichte so den Rechten erste Erfolge). Auffällig ist dabei, dass Toleranz oftmals mit Kritiklosigkeit, Ignoranz und Beliebigkeit verwechselt wird. Gerade bei der Kritiklosigkeit gegenüber neofaschistischen Meinungen und Inhalten wird ein Widerspruch innerhalb der Szene am deutlichsten – einerseits versteht sich die WGS als Kritik und Gegenkultur zur menschenverachtenden-technokratischen Gesellschaft, anderseits wird selber mit Symbolen kokettiert, die menschenverachtender nicht sein können. Verbindende Elemente zur Neonaziszene sind Esoterik, Okkultismus und Neoheidentum.

Als The Cure 1979 den Song »Killing an Arab« veröffentlichte, gab es die ersten Versuche britischer Neonazis (die der BNP – British National Party) in der Punk-/Wave-Szene Fuss zu fassen und den Song und die Band für sich zu vereinnahmen. Dies scheiterte jedoch daran, dass The Cure sich sofort vehement gegen diese Entwicklung aussprachen und es auf den Konzerten regelmässig zu Auseinandersetzungen zwischen anwesenden Neonazis und Grufties kam. Mit dem Aufkommen von sogenannten Neofolk-Bands Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre bestimmten immer mehr Heidentum und Elemente faschistischer Ideologie die Ikonographie der WGS. Auch ein deutliches Interesse der sogenannten »Neuen Rechte« (besonders der rechtsextremen Zeitschrift Junge Freiheit) an der Gegenkultur der Grufties war zu erkennen.

Roland Bubik, Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und Autor der Jungen Freiheit (JF) schrieb im Kulturteil der JF im Herbst 1993: »…die Jugendkultur von heute bietet erfolgversprechende Ansätze (…) Ein merkwürdiges Bewusstsein, in einer Phase des Niedergangs zu leben, ist virulent, vom ’age of destruction’ ist die Rede, die Parties der Tekkno-Szene gleichen makabren Totenfeiern einer Epoche. Man (…) misstraut der Erklärbarkeit der Welt, wendet sich sogar rückwärts, etwa in Form der verschiedenen Independent-Szenen.« In seinen Texten beruft sich Bubik auf den italienischen Kulturphilosophen und Vertreter der Anti-Moderne Julius Evola (1898 – 1974), den Umberto Eco einen »faschistischen Guru« nannte. Evolas »Revolte gegen die moderne Welt« glaubt Bubik in der Dark Wave Szene wieder zu finden. Nachdem Bubiks Träume von der Techno-Szene (»Stahlgewitter als Freizeitspass«) sich bald als Schäume entpuppten (»seelische Vergewaltigung durch Beat-Computer und Masse«), vermeinte er in der Neo-Folk- und Gothic-Szene Anknüpfungspunkte zu finden. Er nennt Bands wie Dead Can Dance oder Qntal, deren »mittelalterliche ‚Musik’ eine andere Sprache als die der Moderne« spreche. In Wahrheit haben beide Bands nichts mit rechtem Gedankengut zu tun. Qntal gehören in den Kreis der deutschen Dark Wave – Bands (Deine Lakaien, Estampie, Das Ich), die sich wiederholt und vehement gegen den rechten Kulturkampf zu Wort gemeldet haben (siehe auch Aufruf zum Dark-X-Mas-Festival 1992). Und Bubiks Redaktionskollege Peter Bossdorf (s.u.) musste feststellen, dass Dead Can Dance längst nicht auf eine Rezeption mittelalterlicher Musik zu reduzieren sind und keine (musikalischen) Grenzen kennen. Anlässlich ihrer CD »Spiritchaser« (4 AD/Rough Trade 1996) stellt er enttäuscht fest: »Man parodiert in gezierter Pose den Orient, (…) begleitet von nicht mehr an Langeweile zu übertrumpfenden Percussion-Einlagen der Marke Dschungel. (…) Wenn dies Weltmusik sein soll, ist die Welt nicht zu beneiden.« (JF 29/96).

Doch es gab durchaus reale Anknüpfungspunkte in der Szene: Bubiks Lebensgefährtin Simone Satzger (alias Felicia), Sängerin der Gruft-Band Impressions Of Winter, propagierte 1995 eine rechte Kulturinstrumentalisierung und empfahl, »sich aktuellen kulturellen und politischen Phänomenen zu öffnen, um sie für die eigenen Zwecke zu nutzen.«1

Darüber hinaus existierten schon damals eine Reihe von Bands mit tatsächlich rechten Inhalten. Von Interesse für die »Neue Rechte« war zudem ein in der Gothic-Szene verbreiteter Hang zum Mystischen. Auch die Bezüge von Teilen der Szene zu Romantik, Heidentum und Esoterik sind für die Rechten von Interesse, da sie ein Anknüpfungspunkt für rechte Propaganda sind.

Bands, Verlage, Fanzines – die Verquickung von Kommerz und Ideologie

Die »Operation Dark Wave« nahm in der Jungen Freiheit ihren Lauf. &Üuml;ber einen Nachwuchswettbewerb konnte eine mit Dark Wave vertraute Schreiberin gefunden werden, die freilich bald das Handtuch schmiss. Sie warnte in einem offenen Brief an Rainer »Easy« Ettler, dem Herausgeber der Szenezeitschrift Zillo, eindringlich vor dem rechten Kulturkampf und gab den Gothics mit auf den Weg, dass sie für die Rechten nur »nützliche Spinner auf dem Weg zur Macht« seien. (Leider wurde der Brief vom Zillo nie abgedruckt, obwohl er 1996 genau dort hingehört hätte und bis heute keine breite Debatte darüber stattgefunden hat).

Mit Peter Bossdorf, der auf eine lange Vergangenheit u.a. im Thule-Seminar und bei den Republikanern zurückblicken kann, konnte Mitte der 90er Jahre ein Junge Freiheit-Redakteur in der auflagenstärksten Zeitschrift der »Independent Szene« platziert werden: Das Zillo war sich zudem nicht zu schade, wiederholt rechte Anzeigen abzudrucken, darunter auch der Jungen Freiheit (Zillo 2/96). Die Liaison Zillo/Junge Freiheit war aufgrund von Protesten aus der Szene bekannt geworden: das Hamburger Wave-Label »Strange Ways« (u.a. »Goethes Erben«) und der Vertrieb Indigo machten den Skandal öffentlich. Nach dem Tod des Zillo-Chefredakteurs Rainer Ettler wurde Peter Bossdorf im Frühjahr 1997 endlich vor die Tür gesetzt.

Doch damit ist der rechte Kulturkampf nicht zu Ende. Mittlerweile haben sich feste Strukturen herausgebildet und vernetzt. Verlage, Zeitschriften und eine ganze Reihe von Bands sind durch eine kontinuierliche Arbeit für die Sache einer rechtsextremen »Kulturrevolution« aufgefallen.

Exkurs: Death in June

In erster Linie sind Death in June zu nennen. Sie schafften es zu einem Novum: 1997 erschien ein Artikel über die Band in der »Bravo« der Nazi-Skins, der RockNord, einer rechtsextremen Skinheadzeitschrift. Der Name ist bei der Band Programm: Sie berufen sich offen auf den »national bolschewistischen« Flügel der NSDAP um SA-Führer Röhm, der am 30. Juni 1934 in der sogenannten »Nacht der langen Messer« auf Weisung der NSDAP- Führung umgebracht wurde.

Ebenfalls zu nennen wäre das Fanzine »Sigill« (Untertitel: Magazin für die konservative Kulturavantgarde Europas), das in seiner Konzeption vielleicht ernstzunehmendste rechte Blatt der schwarzen Szene. In Sigill kommt der Kern des rechten Segments der Dark-Wave-Szene zu Wort: Death In June, Sol Invictus, Radio Werewolf, Kirlian Camera, Orplid, Strength Through Joy, Allerseelen, Forthcoming Fire, The Moon Lay Hidden Beneath a Cloud usw. Auch wenn Sigill viel Wert darauf legt, nicht als Nazi-Blatt angesehen zu werden, so spricht doch die Autorenschaft von Leuten wie Markus Wolff (Waldteufel), Kadmon (Allerseelen) oder Martin Schwarz, der auch für das NPD-Blatt Deutsche Stimme schreibt, eine andere Sprache. Ebenso ihre durch die »Deutsch-Maschine« gezwirbelten Artikel: so heissen Compact Discs bei Sigill nicht CDs, sondern Lichtscheiben… So wird auch sprachlich vorbereitet, was Sol Invictus mit Freude besangen: »The Death Of The West«. Das rechtsextreme Label mit angegliederten Buchverlag VAWS ist ein weiteres Beispiel.

Viele Mitglieder rechter Neo-Folk und Industrial-Bands arbeiten nebenbei in rechtsextremen Verlagen und an Zeitschriften, die das auch in den Songtexten vorhandene rechte Gedankengut in intellektueller Form vertiefen. Fans werden auf Dauer nicht dabei stehen bleiben, nur die Platten ihrer geliebten Künstler zu kaufen, sondern sich auch für die schriftlichen äusserungen interessieren. Gemeinsam ist praktisch allen der genannten Zeitschriften ein Mix aus Berichterstattung über neurechte Bandprojekte aus dem Neo-Folk, Black Metal und Industrial, heidnischen Themen, Germanen-, Kelten- und Wikinger-Kult, Runenkunde und mehr oder weniger deutlich ausgeprägten nazistischen, antisemitischen oder nationalrevolutionären Themen. Immerwiederkehrend ist auch die Berufung auf die »Meinungsfreiheit«, die »Künstlerische Freiheit« und ein »Freidenkertum« jenseits von »Schablonen« wie links und rechts. Auf den ersten Blick macht das die Sache sehr verwirrend und widersprüchlich, wenn Leute wie Moynihan sich etwa als »Anarchisten« bezeichnen, gleichzeitig aber liberale und demokratische Freiheiten ausnutzend sozialdarwinistisches, antisemitisches und rassistisches »Blut und Boden«-Gelaber vom Stapel lassen und sich in rechten Zirkeln tummeln oder sie gar selbst gründen.

Auch wenn die Auflage aller rechten »Wave«-Zeitschriften kein Anlass zur Panik gibt, so sind sie doch wichtige Bindeglieder zwischen Grufties, die an den besprochen Bands oder am Heidentum interessiert sind, und dem rechten Kulturkampf. Dieser rehabilitiert auf diesem Wege die ganze esoterisch-mystische Seite des Nazi-Regimes (etwa das SS-Ahnenerbe und seine Wewelsburg bei Paderborn), die nationalrevolutionären Strömungen des NS wie etwa die SA, den italienischen Faschismus und die eng mit ihm verwobene Kunstrichtung des Futurismus, die faschistischen Eisernen Garden aus Rumänien und ihren Gründer Corneliu Codreanu Nazi-Künstler wie Riefenstahl, Thorak und Speer, Germanenkult, Sozialdarwinismus und Antisemitismus und damit entscheidende Ideologiebestandteile faschistischer, nationalrevolutionärer und nationalsozialistischer Gruppen und Organisationen. Auch über die oft spielerisch verbrämte Enttabuisierung von Symbolen wie dem Haken- oder dem Kruckenkreuz und der Etablierung von germanischen Runen versuchen die Rechten Schritt für Schritt den Blick auf das Dritte Reich und letztlich das ganze Weltgeschehen in ihrem Sinne zu verändern.

Auf bestimmten Festivals wie dem Internationalen Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, auf Konzerten sowie in entsprechenden Plattenläden ist ein Grossteil der erwähnten Magazine zu erwerben und die Platten stehen auch in Läden, deren Betreiber weder rechts noch ahnungslos sind. Kommerzielle Interessen machen es dem rechten Kulturkampf besonders leicht.

Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang, dass ein Grossteil der Fans von Bands wie Death In June, Sol Invictus oder Kirlian Camera selbst nicht rechts ist, sondern nur auf die Musik dieser Neo-Folk-Bands steht. Das »rechte Image« der Bands ist den meisten bekannt. Doch gerade in Deutschland ziehen sich die Fans gerne auf in Musikzeitschriften veröffentlichte Distanzierungserklärungen und Ausreden der Bands zurück, die besagen, dass die Kritiker die Bands ja nur »missverstehen« würden. Es gibt aber belegte Fälle von Fans, die über die Beschäftigung mit Neo-Folk-Bands sich plötzlich für die protegierten Ideologen wie Ernst Jünger oder Julius Evola interessierten und schliesslich fasziniert davon selbst Teil des rechten Kulturkampfes wurden. Den Fans, die tatsächlich nichts damit zu tun haben wollen, fällt der Abschied von »ihrer Band« oft schwer. Immer wieder konnten wir regelrechte schmerzliche Abschiedsprozesse beobachten, was wohl jeder nachvollziehen kann, der sich vorstellt, sich von seiner Lieblingsband trennen »zu müssen«.

Quelle: D-A-S-H

  1. in: »Elemente«, veröffentlicht in Bubiks (Hg.) »Wir 89er«, 1995 [zurück]

Stirb und Werde

Das rechtsextreme Dresdner Musikmagazin Sigill feiert die 20. Ausgabe und macht den Laden dicht. Doch unter neuem Namen geht es weiter.
von christian dornbusch

Zwanzig Ausgaben von Sigill sind Herausgeber Stephan Pockrandt genug. Von einem Scheitern kann bei dem Magazin, das sich bisher vor allem an der politischen Vereinnahmung der DarkwaveóSzene versucht hat, aber kaum die Rede sein. Aus Sigill wird künftig Zinnober.

Schon jetzt wirbt die Sigill-Garde für das Nachfolgeprojekt, ein »Kulturmagazin« für extreme, okkulte, reaktionäre und obskure Positionen, wie sie auch in Sigill vertreten wurden. Zukünftig will man sich aber weniger um Darkwave kümmern – der Schwerpunkt soll auf esoterischóheidnischen Themen liegen. Der Name ist Programm: Zinnober ist ein Begriff aus der Alchemie und steht für die Polarität von Feuer und Eis, beides sind zentrale Elemente von naturreligiösen Vorstellungen. Ideologisch setzen die Macher auf Kontinuität: »Der Weg des Zinnober« – so heißt die Autobiografie des italienischen Faschisten Julius Evola, der als Lieblingstheoretiker der Dresdner Kulturkämpfer gilt.

Das Blatt will aber nicht nur Zinnober sein, sondern auch Sigill bleiben: Pockrandts Magazin hat sich vor allem als Sprachrohr für die »konservative Kulturavantgarde Europas« verstanden. Der Begriff »konservativ« bezieht sich auf die Konservativen Revolutionäre der Weimarer Zeit sowie auf die Theoretiker des italienischen und französischen Faschismus.

Das nationalrevolutionäre Ideologie-Gemisch ist bei Sigill nicht nur durch eine breite Rezeption von esoterischen Vorstellungen ergänzt und mit naturreligiösóheidnischen Themen angereichert worden. Ästhetisch sah man sich vor allem dem »Schönen Schein des Dritten Reichs« verpflichet, ausführlich wurden Werke von NS-Künstlern besprochen.

Doch in erster Linie fungierte das Blatt als Kulturmagazin einer modernisierten Rechten: Sigill hatte als Zeitschrift für die Gothic-Techno-Wave-Avantgarde begonnen und sich bei der Berichterstattung auf den rechtsextremen Teil dieser Subkultur konzentriert: Neo-Folk-Bands wie Death In June oder Sol Invictus besprach man ebenso wie die esoterischen Klänge des österreichischen Musikprojektes Allerseelen und die Industrial-Collagen von Blood Axis oder NON.

Ästhetisch abgerundet wurden die Ausgaben gerne mit Aufsätzen über Dichter und Denker der europäischen Rechten, wie zum Beispiel den Nationalisten und Vordenker des italienischen Faschismus Gabriele D‘Annunzio und den norwegischen Hitler-Verehrer Knut Hamsun. Die Sigill-Reportagen über okkulte Gruppierungen waren überdies immer wieder für tiefe Einblicke in die Abgründe des esoterischen Faschismus gut.

Zu den Autoren des Musikmagazins zählt neben Pockrandt und Gero Mielczorek, dem Schriftleiter des Magazins, der Europa Vorn-Autor Martin Schwarz, der auch im NPD-Organ Deutsche Stimme veröffentlicht. Daneben finden sich Beiträge von Stefan Björn Ulbrich, der seine Karriere bei der mittlerweile verbotenen Wiking-Jugend begonnen hatte. Heute führt Ulbrich den Arun-Verlag, der hauptsächlich Schriften aus dem heidnischen Spektrum vertreibt. Auch Sigill-Chef Pockrandt arbeitet seit kurzem bei Arun.

Andere Sigill-Autoren kommen direkt aus der Musikszene: Gerhard Petak alias Kadmon von der Formation Allerseelen, der auch für die geschichtsrevisionistischen Staatsbriefe schreibt und Jens Hermann, der Sigill verlassen hat, um sich seinem auf völkische Tonkunst spezialisierten Label Mjölnir zu widmen. Ein weiterer Stammautor ist Markus Wolff, der mit seiner Band Waldteufel vor kurzem ein Lied aus der Feder von Hermann Wirth, dem Gründer des SS-Ahnenerbes, neu vertont hat.

Neben ihrem Zeitungsprojekt hat die Sigill-Garde 1995 den Trägerverein Las e.V. gegründet. Der Verein organisiert neben Tanzveranstaltungen im Raum Dresden auch größere Konzerte: So zum Beispiel die Indo-European-Sacrifice-Tour der faschistischen US-Band Blood Axis in Deutschland.

Später wurde das Label Eis und Licht Tonträger initiiert, um »heimischen« Bands die Möglichkeit zur Veröffentlichung zu bieten. Das Label hat vor allem Neo-Folk-Gruppen wie Orplid, Dies Natalis oder Forseti im Programm. Aber auch eine Platte der Formation Von Thronstahl um den Sänger Josef Maria Klumb wurde hier produziert. Klumb hat bereits mehrfach erfolglos juristisch zu verhindern versucht, ein Antisemit genannt zu werden.

Einer der ersten Tonträger von Eis und Licht war die Compilation »Cavalcare la Tigre« zum 100. Geburtstag von Evola; mit Beiträgen von Allerseelen, Von Thronstahl, Blood Axis, Waldteufel und anderen Bands aus dem rechtsextremen Spektrum der Darkwave-Szene.

Die Sigill-Garde macht aus ihrer kulturpolitischen Ausrichtung an der extremen Rechten keinen Hehl, die visuelle und inhaltliche Präsentation der Zeitschrift ist eindeutig. Dass sie dennoch ein fester Bestandteil der deutschen Darkwave-Szene ist, wurde nicht nur durch die in Sigill geschalteten Annoncen von verschiedenen Labeln und Versand-Agenturen der Szene deutlich.

Auch die Events des Las e.V. erfreuen sich großer Beliebtheit, ebenso die Produktionen von Eis und Licht, die in vielen Darkwave-Fanzines und Magazinen wohlwollend besprochen wurden. Ein Großteil der sich oft unpolitisch gebenden Gothics grenzt sich zwar vordergründig von Rechtsextremen ab. Doch unter dem Deckmantel einer falsch verstandenen Toleranz können rechte Kulturkämpfer meist ungestört in der Szene agieren.

Die von Sigill vertretenen Inhalte scheinen aber auch mit Vorstellungen von Teilen der Schwarzen Szene übereinzustimmen: Für das kommende 9. Wave-Gotik-Treffen über Pfingsten in Leipzig sind eine Reihe von rechten bis rechtsextremen Bands angekündigt. Und wie im letzten Jahr wird es wahrscheinlich einen Sigill-Stand geben. Dort wird wohl Feuer und Eis verkauft. Zinnober eben.

Quellen: Jungle World