Archiv der Kategorie 'Kapo!'

Kirlian Camera in Sachsen

Kirlian Camera zählen zu den bekanntesten Bands aus dem rechten Neofolkspektrum. Die Tour anlässlich ihrer neuen CD soll sie nach Meissen und Görlitz führen.

Konzerte am Rechten Rand
- am 10. und 11. Februar spielen KIRLIAN CAMERA in Sachsen -
eine Kurzmitteilung der antifa2005

Wenn die italienische Band Kirlian Camera die zwei einzigen Konzerte in Deutschland während ihrer aktuellen Tournee am 10. Februar im Luisenkeller zu Görlitz und tags darauf in der Meissener Hafenstraße geben wird, werden unter den Gästen nicht nur musikbegeisterte Grufties, Gothics und DarkWaver sein.

Auch eine ganze Reihe von Aktivistinnen und Aktivisten des extrem rechten Neofolksspektrums wird sich einfinden und sofern die Band ihr Lied „U-Bahn V.2 HEILIGENSTADT“ spielen wird, auch der hier gesampelten Rede von Corneliu Codreanu lauschen. (CD Kirlian Camera: Todesengel. The Fall Of Life. 1991)


the first…

Codreanu war Begründer und Führer der faschistischen „Legion Erzengel Michael“ in Rumänien, die sich später „Eiserne Garde“ nannte. Die extrem rechte Vereinigung beging Feme-Morde und war insbesondere durch ihren aggressiven Antisemitismus berüchtigt geworden. (vergl. Informationsdienst gegen Rechtsextremismus: www.idgr.de)
Innerhalb der rechten Darkwaveszene besitzt Codreanu Kultstatus
Konsequenterweise waren Kirlian Camera neben anderen einschlägigen Projekten vertreten auf dem geplanten Codreanu-Gedenk-Sampler „Erinnerung an den Kampf – official release of the commandants and generals of the iron guard“ – Das Begleitbuch sollten u.a. Texte des
italienischen Faschisten Julius Evola und des deutschen Nationalisten Ernst Jünger ergänzen. (vergl. Dornbusch/Raabe:RechtsRock. Bestandsaufnahme und
Gegenstrategien. Münster 2002)

the second…

Für ein gemeinsames Konzert von Kirlian Camera im Sommer 2000 in Kassel mit Kapo!, Ostara (vormals strength through joy), Les Joyeaux De La Princesse, Death in June sowie Aurum Nostrum – allesamt rechts zu verortende Bands – warb u.a. die Freie Nationale Jugend Celle. (Speit: Ästhetische Mobilmachung. Münster 2002)
Das wundert nicht, sind Kirlian Camera doch bekannt für ihre Auftritte mit Dia- und Videoinstallationen, bei denen dann auch mal Hakenkreuze und Szenen aus dem Dritten Reich im Hintergrund über die Leinwand flackern, davor der schwarz uniformierte Sänger der Band.

the third…

Mit dem Nebenprojekt Stalingrad beteiligte sich Kirlian Camera an einem Gedenk-Sampler für Josef Thorak, einem der relevantesten nationalsozialistischen Bildhauer. Das Lied „er Letzte Flug“ ist benannt nach einer gleichnamigen Statue Thoraks, welche eine Frau mit ihrem toten Sohn im Arm darstellt.
„Der durch die Verbindung des Namens Stalingrad mit der Plastik Der Letzte Flug zustande kommende Interpretationsrahmen meint weniger den tragischen Tod eines einzelnen Menschen als den „Opfergang“ der Wehrmachtssoldaten. (…) Es ist der Schmerz der Täter,
das Leid der Opfer bleibt in dem Song unerwähnt, sodass er ein Trauergesang für den „gefallenen Helden“, für den „Opfergang für Volk und Vaterland“ ist. (Speit: Ästhetische
Mobilmachung. Münster 2002)
Natürlich, wie symptomatisch für die rechte DarkWaveszene, versucht auch Kirlian Camera beständig die Kritiken zu relativieren, es handele sich vielmehr um Kunst, Ästhetik, und überhaupt sei man doch unpolitisch.

the fourth…

Die Hafenstraße Meissen gilt als eher alternativ geprägter Klub. Nichtsdestotrotz konnten dort schon einmal im November 1998 offen agierende Neonazis auftreten. Organisiert vom Dresdner Szeneverlag EisLicht fand ein Konzert der US-Amerikanischen Band Blood Axis statt.
Dessen Kopf Michael Moynihan macht keinen Hehl aus seiner Meinung: „Einerseits denke ich, daß die Zahl 6 Millionen nur zufällig und ungenau und wahrscheinlich eine große Übertreibung ist. Ich habe revisionistische Bücher gelesen, die gut gegen den Holocaust-‘Kanon‘ argumentieren, und selbst die jüdischen Historiker verändern fortwährend ihre Ansprüche. Doch mein Hauptproblem bezüglich der Revisionisten ist, daß sie von der Annahme ausgehen, das Töten Millionen unschuldiger Menschen sei als solches ‚böse‘. Mehr und mehr neige ich zur entgegengesetzten Schlußfolgerung. Ich geriete nicht aus der Fassung, wenn ich herausfände, daß die Nazis jede ihnen zugeschriebene Grausamkeit begangen hätten – ich zöge es vor, wenn es wahr wäre.“ (In einem Interview mit No Longer A Fanzine, zitiert nach Alfred Schobert:
Heidentum, Musik und Terror in Junge Welt, 18.4.1997)

the end …

Wir halten den geplanten Auftritt von Kirlian Camera nicht für einen fauxpas der Hafenstraße Meissen und des Luisenkeller Görlitz. Konzertveranstaltungen mit solchen Bands sind Podien für die Darstellung einer martialischen maskulinen, faschistoiden Ästhetik unter Verwendung entsprechender Symbolik.

Wir werden dem etwas entgegenzusetzen wissen.

antifa2005 at web.de

Quelle: Indymedia

Störfall im Zwischenfall

Wieder einmal machte das „Zwischenfall“ in Bochum-Langendreer von sich reden. Am vergangenen Samstag sollte dort eine Releaseparty der mehr als umstrittenen Neofolkband „Ostara“ stattfinden. Nach Protesten von AntifaschistInnen sahen die VeranstalterInnen davon ab – weniger aus Einsicht, sondern weil man offensichtlich Ärger vermeiden wollte.

Zentrale Figur der Band Ostara ist der Australier Richard Levy (alias Richard Leviathan). In der Szene sind sowohl er als auch Ostara nicht unumstritten. Grund dafür sind zum einen gemeinsame Auftritte sowie Seitenprojekte mit extrem rechten MusikerInnen aus der Dark Wave- und Neofolkszene, zum anderen zweifelhafte Texte und Aussagen der Bandmitglieder. So finden sich auf dem neuen Album mit dem Titel „Ultima Thule“ zwei Leni Riefenstahl gewidmete Lieder. In einem Szene-Review heisst es bezeichnend: „ … wird diese CD der ohnehin heftig kritisierten Band Ostara inhaltlich keine Entlastung bringen. Wer sich an den verwendeten Bildern und Motiven stört, wird hier wenig Freude haben.“

Strength through Joy

Bis zum Umzug von Bandmitglied Timothy Jenn nach Deutschland 1999 nannte sich die Band „Strength through Joy“, was in Deutschland jedoch verboten ist, da „Kraft durch Freude“ (KDF) der Name einer Unterorganisation der nationalsozialistischen Deutschen Arbeitsfront war, welche durch Freizeitgestaltungen den „Erhalt der Arbeitskraft“ gewährleisten sollte. Tatsächlich diente die KDF der Verbreitung von NS-Propaganda.

Das der Name nicht von ungefär gewählt worden war, zeigte sich neben den Texten auch an Hand der Bands, mit denen man zusammen auftrat. So heißt es in einem Bericht im neonazistischen Skinheadfanzine „Der Lokalpatriot“ (Nr. 7) zu einem Konzert mit Strength through Joy, Death in June und Boyd Rice 1996 in München: „Sehr nett waren die Fahnen anzusehen, die auf der Bühne gehißt bzw. über das Schlagzeug gelegt wurden, sowas würde zur Erstürmung von jedem Blood & Honour-Konzert führen, ungerecht das!“

EisLicht

Auch das Label EisLicht (ehem. Eis & Licht), auf welchem die neue CD erschien, ist im rechten Teil der Szene zu verorten. So erschien dort das rechte Fanzine Zinnober (vormals Sigill), zudem werden Platten wie eine Hommage zum hundertsten Geburtstag des Vordenkers des italienischen Faschismus Julius Evola veröffentlicht . Auf diesem sind gleich mehrere namhafte Bands des rechten Spektrums vertreten, so Allerseelen, Von Thronstahl, Blood Axis und Waldteufel.

In Kassel konnte am 15. Juli 2000 ein Konzert mit Ostara verhindert werden, zu dem auf diversen Internetseiten von Neonazis mobilisiert worden war. Angekündigt waren u.a. die Bands Kirlian Camera, Kapo, Ostara und Aurum Nostrum. Neben den Bands, darunter auch die australische Band Death in June, waren etwa 500 BesucherInnen aus dem ganzen Bundesgebiet und Europa angereist. Ein Teil von ihnen mit eindeutig neofaschistischem Outfit. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Da bereits mehrere VeranstalterInnen in Nordhessen das Konzert zuvor abgesagt hatten, zog auch die Salzmann-Fabrik in Kassel schließlich nach.

In Nürnberg wurde ein Ostara-Konzert von der Stadt verboten. Bezuggenommen wurde in der Begründung u.a. auf die Namen „Strength through joy“ und „Ostara“ – eine Band mit solchen Namen dürfe in Nürnberg nicht spielen, erteilte die Stadtspitze den Rechten eine klare Absage. Anders in Bochum.

Veranstalter der „Nebelwelt“-Parties ist „Ignis et ferrum“, eine Gruppe von DJs, welche eigenen Angaben zu Folge das Ziel hat, jenseits teurer Mainstream-Veranstaltungen Parties für die schwarze Szene zu organisieren. Neben den regelmäßigen Events in Bochum legt man auch in Köln, Koblenz oder anderswo auf.

Der Hintergrund von Ostara war der Veranstaltungs-Gruppe bekannt, allerdings meinte man, dies sei Vergangenheit, zudem habe man von rechten Positionen in der Szene noch nie etwas mitbekommen. Nicht besonders glaubwürdig, war es doch nicht das erste mal, das eine ihrer Veranstaltungen Rechten eine Bühne bot: Bereits im Jahr 2000 fanden sich bei einer „Ignis et ferrum“-Nacht zwei rechte Büchertische, verkaufte mit Thomas Lückwewerth ein Autor der faschistischen Dark Wave-Zeitung „Sigill“ deren neuste Ausgabe.

Zwar wurde die Ostara-Releaseparty abgesagt, inhaltlich wollte man sich jedoch nicht davon distanzieren, sondern lediglich „Ärger vermeiden“, wie vom Zwischenfall zu erfahren war. Das es mit der gegenüber AntifaschistInnen behaupteten Unschuldigkeit nicht weit her sein kann, zeigt sich an der Tatsache, dass Auftritte wie beim Konzert der extrem rechten Band „Sol Invictus“ 1999 in Krefeld im Gespräch geleugnet und anschließend die entsprechenden Hinweise auf der Homepage plötzlich entfernt wurden.

Zwischenfall

Das Bochumer Zwischenfall gilt schon seit Jahren als eine der bundesweit bekanntesten Treffpunkte der Dark Wave-, Gothic- und Neofolk-Szene. Neben Szeneveranstaltungen finden aber auch verschiedenste andere Konzerte und Parties statt, so z.B. Punk- bzw. Hardcorekonzerte und Discos.

Angesichts der Tatsache, dass das Zwischenfall eigentlich eher ein Laden mit linkem Publikum und auch Anspruch war und ist, mag es auf den ersten Blick verwundern, dass ausgerechnet dort einer derartigen Veranstaltung wie dieser Releaseparty Raum geboten wird. Doch gab es es bereits mehrfach Ärger wegen Auftritten rechter Bands im Zwischenfall. So sollte am 28. Februar 1997 ein Konzert der rechten Dark Wave-Band „forthcoming fire“ stattfinden, was jedoch von AntifaschistInnen verhindert wurde. Auch die Ostara-Vorgängerband „Strength through joy“ sollte bereits einmal im Zwischenfall spielen, zusammen mit „Death in June“ und „Boyd Rice“ und zwar am 9. Mai 1997. Nach heftigen Protesten wurde dieses Konzert damals abgesagt.

Deshalb verwundert es um so mehr, dass die Musik der gleichen Leute unter anderem Namen jetzt dort präsentiert werden sollte.

Carsten Draeger

Quelle: Bochumer Stadt und Studierenden Zeitung