Archiv der Kategorie 'Josef Maria Klumb / Jay Kay'

Rechte Neofolk Konzerte in Halle

sol invictus Am 23.02.08 fand in der Palette ein Konzert mit den Bands „Barditus“ und „Triarii“ statt. Barditus ist das neue Musikprojekt von Uwe Nolte. Dieses Konzert und die am 23.03. und 30.04. werden vor allem auf Noltes Homepage beworben. Im Publi­kum befanden sich Menschen mit Braunhemden und Runen.
Am 23.03.08 (Ostersonntag) soll die Band „Sol Invictus“ und „Deutsch Nepal“ auftreten. Die Palette kündigt dieses Konzert als besonderen Tipp an und erwähnt die Biographie des Bandprojekts von Tony Wakeford auch richtig, dass er die umstrittene rechte Band „Death in June“ mitgründete. Dass Tony W. aus dieser Band 1984 ausgeschlossen wurde, da er Mitglied der rechtsextremen Partei National Front in GB war, wird nicht erwähnt.
Tony W. gründete dann das Projekt „Above the Ruins“ und beteiligte sich an dem Sampler „No Surrender! Volume 1″ mit dem Song „The Killing Zone“. Der Sampler wurde bei Rock`O`Rama 1985 veröffentlich. Weitere Bands auf dem Sampler waren „Skrewdriver“, „Ultima Thule“ und andere RAC (Rock against Communism) Bands. Ian Stuart spielte bei „Skrewdriver“ und gründete das Nazinetzwerk „Blood & Honour“. 1991 wurde der Sampler als Doppel-LP mit weiteren RAC/rechtsextremen Bands als Soli-Sampler für Ian Stuart, der in der BRD vor Gericht stand, veröffentlicht. Der Song „Killing Zone“ befand sich auch auf diesem Sampler.
Tony W. brach nach eigenen Angaben ´86/´87 mit dem Rechtsextremismus bevor er die Band „Sol Invictus“ (lateinisch der unbesiegte Sonnengott, oft ungenau übersetzt als der unbesiegbare Sonnengott) gründete. Bei den Römern galt Sol vielfach als höchster und mächtigster Gott. Daneben war damals im Römischen Reich der orientalische Kult des Mithras populär, besonders unter den Soldaten.
Nach der Christianisierung im 5. Jahrhundert gab es noch viele Sol-Verehrer, denn der Kirchenvater Augustinus hat gegen sie gepredigt, und noch im späten 6. Jahrhundert kam es im römischen Syrien zu einem Aufstand gegen die Christianisierungspolitik des Kaisers Tiberios I., der von Anhängern des Sol invictus Mithras getragen wurde. – Auf Mithras wird sich besonders gern in rechtsextremen Kreisen bezogen.


Am 30.04.08 sollen in der Palette „Fire & Ice“ spielen. Fire & Ice ist eine 1991 gegründete englische Neofolk-Band um den Frontmann Ian Read. fireicehalleRead beteiligte sich u.a. an Alben wie „Swastikas for Noddy“ 1996 (Swastika = Hakenkreuz) von Current 93 und „Brown Book“ Death In June. Wenig später wirkte er bei Sol Invictus mit und gründete die Band Fire & Ice.
In einem Interview mit dem Dark Wave Fanzine „Sigill“ (Nr. 8 ) erklärt Read, als er auf „faschistische und rassistische Ideen“ angesprochen wird: „Keine Idee ist völlig wertlos. Die Deutschen hatten einen riesigen Komplex, der ihnen, ehrlich gesagt, von einer Nachkriegsgehirnwäsche eingeimpft worden war. (…) Deutsche Magier sollten sich wirklich von den Meinungen darüber was „korrekt“ ist und was nicht (…), die ihnen die Leute aufgedrängt haben, befreien.“ Das Fanzine „Sigill“ wurde von Stephan Pockrandt herausgegeben.
Stefan Pockrandt betreibt auch das Label „Eislicht“. Laut www.nonpop.de ist „Eislicht- Label aus Dresden, dessen Gründungsimpulse das Erscheinen von Orplids Album „Orplid“ war. Eislicht gilt seit jeher als Label für neofolkloristische Qualitätsmusik und konnte somit auch stilprägend in der deutschen Neofolklandschaft wirken.“


www.nonpop.de wird von Christian Kapke betrieben. Sein Vorgängerprojekt war „Lichttaufe“ und „Lichtreigen“, eine Konzertreihe, die er in Jena und Umgebung organisierte. Sowohl die Homepage nonpop.de als auch lichttaufe.de sind auf ihn angemeldet. Auf nonpop.de wird für die Konzerte am 23.02., 23.03 und 30.04. in der Palette geworben. Die Homepage von Barditus und Orplid, den Bandprojekten von Uwe Nolte, noltex.de zitiert die Konzertbesprechungen und Bandreviews von lichttaufe.de ausführlich. Auf lichttaufe.de wird Uwe Nolte als Dichter vorgestellt. Als Bands kommen Blood Axis, Kirlian Camera, Sol Invictus, Sonne Hagal, Triarii und weitere Bands, die den rechten Rand des Wave-Gothic darstellen, vor.
Christian Kapke selbst war seit Juni 2000 Vorsitzender des Thüringer Landesverbandes der ‚Jungen Landsmannschaft Ostpreussen‘ (JLO), die den jährlichen Naziaufmarsch zur Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 organisiert.


Sein Bruder Andre Kapke ist organisatorischer Leiter des „Fest der Völker“, das internationale Nazi-Event in Jena seit 2005. Kapke, der in der Vergangenheit in der Neonaziorganisation „Thüringischer Heimatschutz“ organisiert war, hielt gemeinsam mit dem Pressesprecher der Veranstaltung und NPD-Mitglied Patrick Wischke den Polizeikontakt. Ralf Wohlleben NPD-Thüringen war Anmelder und Moderator der Veranstaltung.
Laut „Future“, der Zeitung des Jenaer Infoladens war Christian Kapke aktiv als Mitglied im Thüringer Heimatschutz, Mitglied der NPD, Mitglied der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen und im Landesvorstand in Thüringen, Mitglied des rechtskonservativen Arbeitskreises Christlicher Publizisten ACP, Gitarrist, Sänger und Texter der rechtsextremen Balladentruppe Eichenlaub und Anti-Antifa-Aktivist.


Heute versucht er sich ein bürgerliches Äußeres zu geben. Auf nonpop.de stellt er sich als Homepagegestalter und mehr vor und will von seinen Aktivitäten nichts wissen.

Uwe Nolte
versucht sich auch als Künstler und Freigeist darzustellen, ohne ein Rechter zu sein.


Uwe Nolte beteiligte sich mit seiner früheren Band „Rückgrat“ 1996 am Sampler zu Ehren Leni Riefenstahls, dieser wurde vom extrem rechten Verlag und Agentur Werner Symanek VAWS) veröffentlicht. VAWS hat u.a. den „okkultistischen Roman ‚Dunkle Wege‘ vom Nazi-Dichter und Hitler-Lehrer Dietrich Eckart, Bildbände von Nazi-Künstlern, Leni-Riefenstahl-Filme und CDs aus den Bereichen Industrial, EBM und Neo-Folk“ in seinem Programm. Weiterhin „arbeitet Symanek eng mit dem antisemitischen Musiker Joseph Maria Klumb alias Jay Kay (Forthcoming Fire, Weissglut, Von Thronstahl) zusammen, der in Anlehnung an den Autor Jan van Helsing an eine ‚jüdischen Weltverschwörung‘ glaubt und positiv auf Benito Mussolini Bezug nimmt“ (AFA Halle).
Die Debüt-Veröffentlichung von Orplid wurde 1997 neben Eis & Licht (Eislicht) auch vom Ultima Tonträger Versand beworben. Inhaber war der hallesche neonazistische Führungskader Sven Liebich („Nationaler Beobachter Halle-Merseburg“).
1998 beteiligte sich Orplid an der Compilation zu Ehren des hundertsten Geburtstages des italienischen Faschisten Julius Evola, die vom Label Eis & Licht produziert wurde.
Das Organ der NPD, Deutsche Stimme, schrieb in der Nr. 10, 1999 zur Maxi CD von Orplid: »Wem Frank Rennicke und Jörg Hähnel nicht ausreichen, der kommt an dieser Scheibe nicht vorbei.«
2000 posierte Uwe Nolte im Nazi-T-Shirt für den Katalog des Ultima Tonträger Versand von Sven Liebich.
Am 30.01.2001 verklagte er gemeinsam mit Martin Koller (Prophecy Productions) und Markus Stock (Empyrium, Klangstudio E) und Kim Larsen (Of The Wand And The Moon) die Grufties gegen Rechts, da diese sagten, sie würden ihnen „Verbreitung rechtsextremer Ideologien unterstellen“. Die Kläger bezogen sich auf die Broschüre „Die Geister die ich rief…“ von den Grufties gegen Rechts. Das Ermittlungsverfahren endete am 19.03.01 mit einem Freispruch der Grufties gegen Rechts.
Am 29./30.06.05 war Uwe Nolte mit einem Stand für Noltex auf dem Festival „Rock for Roots“. Dort spielten diverse rechte Bands und der Stand von Nolte war direkt neben einem Stand von Enrico Marx (Barabarossa Records). Die beiden unterhielten sich freundschaftlich. Enrico Marx ist sog. „Stützpunktleiter“ der JN-Sangerhausen. Sein Hof wurde im Rahmen der Razzien gegen JN-Strukturen am 10.03.08 wegen Volksverhetzung von der Polizei durchsucht. Die Nazis, die am 07.01.07 einen Brandanschlag auf die Asylbewerberunterkunft in Sangerhausen verübten, waren vorher bei einer Party von Enrico Marx. Der Prozess wegen versuchtem Mord findet gerade in Halle statt.
Der Auftritt von Orplid im Rahmen des Dark-Wave Festivals 2006 in Leipzig wurde auch von der NPD-Zeitung Deutsche Stimme positiv besprochen: „Frank Machau und Uwe Nolte gehören zu der kleinen Gruppe von Künstlern, die noch ganz stilsicher und sprachfertig aus dem abendländisch-antiken Erbe Europas schöpfen und dabei heidnische, romantische und christliche Motive verarbeiten.“
Die neurechte Schülerzeitung „Blaue Narzisse“ aus Chemnitz machte auf ihrer Internetseite für den Auftritt von Orplid am 25. Dezember 2006 Werbung. Eingetragen wurde dieser Veranstaltungshinweis von Felix Menzel einem Autor der „Jungen Freiheit“, welcher auch Kontakte zum rechten Institut für Staatspolitik unterhält.
2007 tauchte Uwe Nolte bei einem Nazikonzert im Saalkreis mit dem T-Shirt „Good Night – Left Side“ auf.


Auch die Zusammenarbeit der Labels und Bands um Uwe Nolte und Christian Kapke geht weiter: 07.03.08 haben Sol Invictus und Prophecy Production einen Plattenvertag abgeschlossen – Quelle: nonpop.de.


Konzerte in der Palette die von Uwe Nolte organisiert wurden waren unter anderem:
25.12.03 Bands: Fire & Ice, Sonne Hagal und Sonnentau
21.05.04 Bands: Heidevolk, Gernotshagen, Orlog und Haruc – fand durch Proteste in Thüringen statt
24.09.04 Bands: Backworld & Grünland
30.04.06 Bands: Quellenthal, Sonne Hagal, Fire+Ice
25.12.06 Bands: Orplid, Kammer Sieben und Quellenthal
23.02.08 Bands: Barditus, Triarii


weiteres unter:

Pressemitteilung der Grufties gegen Rechts zur Anklage von Nolte, Stock und co http://www.geister-bremen.de/presse.htm

Turn it down zur Palette
http://www.turnitdown.de/186.html?&type=98

Turn it down zu Sol Invictus
http://www.turnitdown.de/314.html?&type=98

Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Tony_Wakeford

auf Englisch zu Tony Wakeford:
http://www.stewarthomesociety.org/wakeford.html

Quelle: Indymedia

Verlage am rechten Rand

Esoterik und Holocaustleugnung

Verlage am rechten Rand. Beispiele

Das Spektrum an deutschsprachigen Verlagen, die im weiteren Sinne einen “rechten” Leserkreis bedienen, ist groß. So unterschiedlich jedoch die inhaltliche Ausrichtung im Einzelnen sein mag, lässt sich eine Reihe an Gemeinsamkeiten feststellen:

* Insgesamt hat in den letzten Jahren der Büchermarkt innerhalb der rechten Szene stark an Bedeutung gewonnen. Dabei erfüllt der Buchverkauf zwei Aufgaben: einerseits dient er selbstverständlich der Informationsvermittlung, andererseits stellt er eine nicht unerhebliche Einnahmequelle auch des organisierten Rechtsextremismus’ dar.

* Die meisten Verlage, die eine rechte Leserschaft bedienen, zeichnen sich durch einen hohen Grad an Vielfältigkeit aus. Kaum ein Verlag ist auf nur ein Themengebiet spezialisiert, und fast nie finden sich in den Verlagsprogrammen Titel, die ausschließlich politischer Natur sind. Im Gegenteil: Oft geht die offen rechtsextreme Literatur gegenüber der vermeintlich unpolitischen fast unter. Darüber hinaus umfasst die verlegerische Tätigkeit längst nicht nur Buchproduktionen, häufig finden sich gleichermaßen Zeitschriften, Musik-CDs und Videos in den Programmen der Verlage.

* Nahezu alle Verlage führen nicht nur die Titel des eigenen Verlagsprogramms, sondern betreiben darüber hinaus Bücherversände, die den Kunden sämtliche lieferbaren Bücher im deutschprachigen Raum offerieren.

* Der Grad an personeller und organisatorischer Vernetzung sowie an Zusammenarbeit zwischen den Verlagen ist gemessen an der Konkurrenzlage deutlich höher als bei herkömmlichen Verlagen.

Grabert-Verlag und Hohenrain-Verlag

1959 vom ehemaligen Mitarbeiter Alfred Rosenbergs im „Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete“, Herbert Grabert, gegründet und seit 1972 von dessen Sohn Wigbert Grabert geführt, publiziert der Verlag u. a. die Arbeiten führender Revisionisten. So beispielsweise den Begründer des sog. „wissenschaftlichen Revisionismus“, David L. Hoggan, oder den Holocaust-Leugner David Irving. Im Klappentext zu Hoggans “Der erzwungene Krieg” wirbt der Grabert-Verlag mit klassisch revisionistischen Schlagworten: Die Kriegschuld Deutschlands am 2. Weltkrieg sei eine “Kriegs- und Lügenpropaganda” der Alliierten. Im Grabert-Verlag erscheinen zudem vierteljährlich die Zeitschrift Deutschland in Geschichte und Gegenwart, das zweimonatige Info-Blatt Euro-Kurier sowie die Publikationen des neurechten Thule-Seminars und der Stiftung Kulturkreis 2000 als “Plattform für nach ultrarechts abdriftende rechtskonservative Professoren”, so der Historiker Martin Dietzsch.

Um nicht nur eine möglichst breit gefächerte Leserschaft zu erreichen, gründete Wigbert Grabert 1984 den Hohenrain-Verlag, der mit Themen wie der Euro-Einführung oder dem Palästina-Konflikt aktueller operiert, womit, so der Verfassungsschutzbericht 2000, “auch nicht-rechtsextremistische Leser angesprochen und so der Kunden- und Wirkungskreis des Verlags erweitert werden [sollen].”

Gute Kontakte unterhält das Verlagshaus um Wigbert Grabert zu der NPD-nahen Zeitschrift Nation und Europa, zu dem DVU-Chef und Verleger Gerhard Frey und der neurechten Jungen Freiheit. Außerdem betreibt der Verlag den Grabert Buchversand, dessen Prospekte u. a. von dem Schutzbund für das Deutsche Volk und der Zeitschrift Nation verteilt wird. Der Verleger Grabert wurde 1998 wegen Volksverhetzung und Vergehen gegen § 86a StgB zu einer Zahlung von 10.500 DM verurteilt.

Arndt-Verlag

Auch der Arndt-Verlag publiziert vorwiegend revisionistische Schriften, darunter Autoren wie Gustav Sichelschmidt (“Tollhaus Deutschland”) und David Irvings Göring-Biographie. Daneben wendet er sich mit den Schwerpunkten “Die Heimat im Bild und Buch” sowie “Flucht und Vertreibung” an ein “Vertriebenen”-Publikum. Der Verleger Dietmar Munier betreibt zudem den Orion-Heimreiter-Verlag mit Autoren wie dem Verhaltensforscher Irenäus Eibel-Eibesfeld und den “Pour le Merite”-Verlag, die beide eine nicht-rechtsextremistische Leserschaft ansprechen und doch rechtsextreme Argumentationen stützen sollen, sowie den Arndt-Buchdienst / Europabuchhandlung.

Munier war in den 70ern führendes Mitglied des Bundes volkstreuer Jugend und Funktionär der NPD-Jugendorganisation. 1991 gründete er die Aktion Deutsches Königsberg, danach folgen eine Reihe weiterer Vereine und Firmen mit Tätigkeitsschwerpunkt im ehemaligen Ostpreußen.

Verlag & Agentur Werner Symanek (VAWS)

Ein ganz anderes Publikum als Grabert- und Arndt-Verlag hat der Verlag & Agentur Werner Symanek (VAWS) im Blick. Das Verlagsprogramm, bestehend aus Merchandise-Artikeln, Videos, Büchern und Musik-Produktionen, richtet sich vorwiegend an eine jugendliche Zielgruppe aus dem Dark-Wave-Bereich. Inhaltlich bedient es sich einer Mischung aus okkultistischen Themen und NS-Ästhetik à la Leni Riefenstahl. Im Programm u. a. der Nachdruck des okkultistischen Romans “Dunkle Wege” vom Nazi-Dichter und Hitler-Lehrer Dietrich Eckart, Bildbände von Nazi-Künstlern, Leni-Riefenstahl-Filme und CDs aus den Bereichen Industrial, EBM und Neo-Folk – allesamt Subgenres des Dark Wave. Gerade im Bereich Musik / Dark Wave arbeitet Symanek eng mit dem antisemitischen Musiker Joseph Maria Klumb alias Jay Kay (Forthcoming Fire, Weissglut, Von Thronstahl) zusammen, der in Anlehnung an den Autor Jan van Helsing an eine “jüdischen Weltverschwörung” glaubt und positiv auf Benito Mussolini Bezug nimmt.
Darüber hinaus ist Symanek für Druck und Vertrieb der rechtsextremistischen Zeitschrift Unabhängige Nachrichten verantwortlich, für die er auch als Autor tätig ist.

Verlag Zeitenwende

Zwischen Esoterik, Revanchismus, Rechtsextremismus und Dark-Wave-Lifestyle bewegt sich der Verlag Zeitenwende und versucht damit ebenfalls, eine breite Leserschaft zwischen Neuer Rechter und jugendlicher Subkultur zu erreichen. Für den Verlag schreiben u. a. der Holocaust-Leugner Bernhard Schwab, der regelmäßig “germanisches Heidentum” gegen demokratische Prinzipien in Stellung bringt, oder Martin Schwarz, der “deutschen Geist und Spiritualität” durch Werteverlust und Spaßgesellschaft gefährdet sieht und dagegen in enger Anlehnung an den italienischen Faschismus das Ideal einer streng hierarchischen Gesellschaft stellt. Besonderen Wert legt Verleger Sven Henkler auf neoheidnisches Gedankengut, mit dem er nicht nur rechtsextreme Intellektuelle umwirbt, sondern auch jugendliche Sinnsucher. Folgerichtig erscheint im Verlag Zeitenwende vierteljährlich die Dark-Wave-Zeitschrift Hagal, in der neben jugendkulturellen Themen auch heidnische und rechtsextremistische Positionen vertreten sind. Hier heißt es beispielsweise über den hochrangigen Nationalsozialisten Georg Werner Haverbeck, er sei im geistigen wie im menschlichen Sinne “wie ein Großvater” für die Redaktion. Haverbeck leugnete bis zu seinem Tod 1999 beharrlich den Holocaust und war eine der Führungspersönlichkeiten anthroposophischer Theologie und des rechts-ökologischen Spektrums.
Tatsächlich hat der Verlag Zeitenwende enge Kontakte zu Haverbecks Collegium Humanum und dem neurechten Netzwerk Synergies Européennes (Synergon), mit denen zusammen er jährlich Tagungen veranstaltet.

Jan Buschbom / Violence Prevention Network e. V.

Quelle: Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung

Zum abgesagtem VAWS-Festival in Kärnten/Koroska 2004

VAWS geht unter in Kärnten/Koroska

Durch entschlossenen Widerstand von AntifaschistInnen konnte das vom 9. bis 11. Juli geplante, „Heiliges Österreich“ genannte Festival des rechtsextremen deutschen VAWS-Verlages in Kärnten/Koroska verhindert werden. Während die Band „Von Thronstahl“ des Antisemiten und VAWS-Mitarbeiters Josef Maria Klumb auf ihrer Homepage von einem „Untergang“ spricht, sehen die kärntner Behörden das „wahre Gefahrenpotential“ bei den AntifaschistInnen.

Gestern war es dann offiziell – der VAWS-Verlag sagte das Festival komplett ab. Schon vor Wochen wurden Verlagsleiter Werner Symanek und seine braunen FreundInnen aus der anfänglich angemieteten Location, der Burg Glanegg bei Feldkirchen ausgeladen. Am 29. Juni plärrte „Von Thronstah“-Leader Josem Klumb in einem französischen Internetforum, dass es ein „Krieg“ wäre, den die Grünen gegen das Festival führen würden, obwohl die österr. Grünen nur eine von vielen Gruppen und Einzelpersonen waren, die gegen das Festival mobil machten. „its an horror“ schreibt Klumb da im, naja, nicht ganz lupenreinen Englisch.

Am Donnerstag, dem 8. Juli sagte der VAWS das Fest (in weiser Vorraussicht?) auf seiner Internetseite schon mal ab, die KarteninhaberInnen erhielten jedoch ein Schreiben in dem darauf hingewiesen wurde, dass es sich bei der Meldung um ein Fake handelt. Ebenfalls am 8. Juli fand dann in Klagenfurt/Celovec eine antifaschistische Demo gegen das Fest statt, an der sich ca. 150-200 Menschen beteiligten. Einen Bericht dazu gibts hier nachzulesen.

Im laufe der folgenden Stunden wurde es immer klarer, dass das Konzert in der Nähe des Oberkärntner Städchens Spittal stattfinden soll, also meldeten AktivistInnen der Grünalternativen Jugend (GAJ) am Nachmittag des 9. Juli am Spittaler Burgplatz kurzfristig eine kleine Gegenkundgebung an, bei der über die rechten Machenschaften des VAWS informiert wurde, Redebeiträge vorgelesen wurden etc. etc. (ein Dankeschön hiermit an die Aktiven in Spittal! :-) ) Mittlerweile wurde klar, dass das Konzert als private Geburtstagsfeier im der 2000-Seelen-Örtchen Obervellach bei Spittal getarnt wurde, laut „Kärntner Tageszeitung“ waren sowohl eine deutsche als auch eine italienische Band gerade dabei ihre Anlage aufzubauen, als sie von der Polizei daran gehindert wurden. Für die Nazis war also zusammenpacken angesagt, nix mit Festival. Leute wären wahrscheinlich eh keine gekommen, aufgrund des Stresses mit Behörden und AntifaschistInnen stornierten viele Fans ihre Karten, von den angekündigten Bussen aus Berlin und Oberhausen schaffte es wegen mangelnder Nachfrage keiner auch nur einen Meter weit.

Für den VAWS-Verlag bedeutet das einen schweren Schlag, insbesondere in finanzieller Hinsicht. Wie aus einer ziemlich beleidigt klingenden Verlautbarung der Band „Von Thronstahl“ rauszulesen ist, ging organisatorisch so ziemlich alles den Bach runter, was möglich war. „Es war schlichtweg die alte Misere des rechten Nachschubs zur rechten Zeit am rechten Ort, an welchem es mangelte. Wir wurden aus den eigenen Reihen und Führungsriegen wieder mal so dermaßen im Frontregen stehen gelassen, daß der Zusammenbruch unabwendbar wurde und hiermit kundgetan sei.“ ist nur eines der Zitate, die in der Meldung mit dem Namen „Wir kapitulieren nicht, wir gehen unter!!“ der/dem AntifaschistIn mehr als nur ein grinsen ins Gesicht zeichnen, schon allein weil nachzulesen ist, dass viele Menschen aufgrund des Antifa-Widerstandes die hosen Voll hatten und daheim geblieben sind. Zur feier des Tages noch ein Zitat von Josem Klumb und Co.: „Wir hatten Visionen, Kraft und Mut, aber offenbar doch keinen Rückhalt. So scheiße zu scheitern, das ist Tragik.“

Die Polizei interessierte das Festival anfangs natürlich ziemlich wenig, wollte sie wie es ausschaut doch auf eine „still sein, damit nix an die Öffentlichkeit dringt“-Taktik setzen. Erst als AktivistInnen die Presse informierten, rechtfertigten sich die Bullen damit, dass sie schon „seit Wochen“ irgendwelche komischen Gegenstrategien in Petto haben, ob ein völlig hilfloser Anruf in die Redaktion der „Kleinen Zeitung“ („habt ihr vielleicht irgendwelche Infos?“) auch zu dieser hochprofessionellen Gegenstrategie gehört…?

Jedenfalls scheinen Sicherheitsdirektor Slamanig und seine Mannen nun die wirklichen TäterInnen gefunden zu haben, nämlich „die Antifaschisten“. Dort läge das „wahre Gefahrenpotential“, der VAWS-Verlag war noch einen Tag vor dem Festival laut Polizei nur „mutmaßlicher“ Veranstalter, es wurde kein „rassistisches oder Militantes verhalten“ festgestellt und siehe da: Es gab entwarnung. Eh nicht so schlimm, nur ein paar rechte Grufties, Hauptsache schönes Wetter. Die Kronen Zeitung, öserreichs größtes Boulevardblatt, übernahm die Darstellung der Polizei ein zu eins.

Übrigens noch was interessantes: Der Kärntner Landtag sprach sich am Dienstag, dem 6. Juli einstimmig gegen die Durchführung des VAWS-Festes aus. Sogar Haiders FPÖ war dabei, laut Information der grünen Landtagsabgeordneten Barbara Lesjak aber unfreiwillig, da bei der Causa VAWS im Landtag halt (wie schon den ganzen Tag lang) der Einfachheit halber halt die Hand gehoben wurde, zugehört hat in den Abendstunden, als der Antrag seitens der SPÖ eingebracht wurde, eh keiner mehr. „Sowas interessiert uns nicht, wenn nicht darüber geredet wird, dann bekommen sie auch keine Publicity“ war die Aussage eines FPÖ-Abgeordneten.

Da ist es natürlich nicht verwunderlich, dass sich der VAWS aufgrund der politischen Lage in Kärnten „weniger Stress“ erwartet hat.

mehr unter: http://www.noborder.at.tt/

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VAWS-Fest in Kärnten/Koroska

Der VAWS-Verlag des deutschen Rechtsextremisten Werner Symanek plant vom 9. bis 11. Juli ein Fest unter dem Motto „Heiliges Österreich“ im österreichischen Kärnten/Koroska (sprich: „Koroschka“). Das Konzert sollte im April eigentlich schon in Oberösterreich stattfinden, wurde dort jedoch behördlich untersagt. Dass Symanek und Co. jetzt ausgerechnet in Österreichs südlichstes Bundesland ausweichen, ist nicht wirklich verwunderlich.

ein kurzer Rückblick auf den April diesen Jahres:

Zwischen dem 23. und 25. April sollte das Festival stattfinden, höchstwahrscheinlich im Wasserschloss Aisterheim, eine Bestätigung für diesen Ort gab es aber nie. Kurz nachdem bekannt wurde, dass das Konzert abgehalten werden sollte, gründete sich eine Antifa-Initiative mit dem ziemlich streitbaren Namen „haltet Österreich sauber“, die gegen das Konzert agitierte, es folgte eine Presseaussendung des Welser Infoladens, in dem die Behörden angefordert wurden für ein Verbot des Festes zu sorgen.

Die beiden Antifa-Gruppen hatten zwar sicher wenig damit zu tun, aber das Fest wurde, nachdem Berichte in der Lokalpresse auftauchten, dann wirklich behördlich verboten, schon allein weil Symanek sich nicht mal bemühte eine für eine Veranstaltung dieser Größenordnung erforderlichen behördlichen Auflagen zu erfüllen. Ein anderer, weitaus gewichtigerer Grund war ein Neonazi-Konzert im oberösterreichischen Vorchdorf, bei dem im August letzten Jahres an die 1000 Faschos ungestört feiern konnten. Nochmal wollte die Polizei sowas nicht durchgehen lassen, Oberösterreich blieb verschont vom VAWS-Festival.

Als vor einigen Wochen dann bekannt wurde, dass das Festival nach Kärnten/Koroska verlegt wird, tat sich erst mal – nichts. Verwunderlich? Nicht wirklich, doch dazu noch später. Weder Antifas, Presse oder Behörden reagierten. Seit gestern ruft die Grünalternative Jugend (GAJ) als bisher einzige Gruppe zu Protesten gegen das Treffen auf. Der Aufruf der Gruppe befindet sich weiter unten im Beitrag, wo auch näher auf des VAWS-Verlag und die von ihm verlegten Bands eingegangen wird.

Aber was hat es damit auf sich, dass in Kärnten ein Fascho-Fest so stillschweigend hingenommen wird?

Es gibt einen alten Witz über Kärnten, der lautet „Kärnten ist wie ein Punschkrapfen – aussen rot und innen braun“. Praktisch ohne Widerstand und mit sonst kaum zu beobachtender gesellschaftlicher Akzeptanz gibt es alle paar Wochen Aufmärsche der beiden führenden kärntner rechtsextremen Organisationen, dem „Kärntner Abwehrkämpferbund“ (KAB) sowie dem „Kärntner Heimatdienst“ (KHD). Beide Organisationen werden vom Land Kärnten großzügig gefördert, eine Mitgliedschaft bei einem der Vereine ist auf jeden Fall Karrierefördernd. Hauptziel beider Vereine ist in erster Linie die Vernichtung der slowenischen Minderheit.

Gerne wird Kärnten auch seine Täterrolle im zweiten Weltkrieg abgesprochen, so steht in so gut wie jeder Gemeinde ein Denkmal für die „Opfer der Partisanen“ oder für die „Gefallenen Kameraden“, die fürs „deutsche Heimatland“ gefallen sind.

Am alljährlichen berühmt-berüchtigten Ulrichsbergtreffen (vergleichbar mit dem Gebirgsjäger-Treffen in Mittenwald, nur weitaus größer) beteiligen sich tausende Leute, in den letzten Jahren auch zunehmend junge Neonazis aus Deutschland (vom strammen Scheitelträger bis hin zum Prügelskin ist da alles dabei). Dass sich Landeshauptmann Jörg Haider an den meisten dieser Aufmärsche beteiligt ist natürlich ehrensache.

Ob sich gegen das VAWS-Fest kraftvolle, radikale Proteste organisieren lassen ist mehr als fraglich. Bei einer Demo gegen eine Kundgebung des KAB am 2. Mai beteiligten sich gezählte 11 AntifaschistInnen und das bei groß angelegter Mobilisierung. Das VAWS-Fest ist sowohl für den Großteil der kärntner Bevölkerung und natürlich erst recht für die Behörden etwas „normales“, etwas wofür mensch sich wundert, warum dagegen überhaupt demonstriert wird. Wirklich große Proteste gab es in Kärnten Beispielsweise dagegen, das kärntner-slowenische Partisanen ein Ehrenabzeichen der österreichischen Republik verliehen bekamen…

Der Ort des VAWS-Festes ist wie gesagt immer noch unbekannt. Es wäre schön, falls sich UnterstützerInnen aus „übrige Welt“ melden würden, die Infos haben oder in sonstwelcher Art und Weise die Proteste unterstützen wollen.

Hier der Aufruf, der für die Proteste raus ist:

Kärnten – Wo die Nazis feiern gehn

Vom 9. bis 11. Juli plant der rechtsextreme VAWS-Verlag ein Festival unter dem Motto „Heiliges Österreich“ in Kärnten/Koroska, der genaue Ort ist noch unbekannt. Eigentlich sollte es ja schon ende April in Oberöterreich stattfinden, es wurde jedoch ein behördliches Verbot verhängt. Nun wollen die Nazis dorthin ausweichen, wo sie sich schon seit Jahrzenten wohl fühlen. Ins Land vom Ulrichsbergtreffen, Abwehrkämpferbund und Heimatdienst: Nach Kärnten.

Was ist der „VAWS“?

VAWS steht für „Verlag und Agentur Werner Symanek“, ist im deutschen Duisburg ansässig und gehört, wie der Name schon sagt, einem gewissen Herrn Symanek (mehr über ihn weiter unten). Auf der ersten Blick möchte mensch denken, es handle sich um einen Gothic-Versand, wie es sie so viele gibt. Bei näherer Betrachtung fällt dem/der BetrachterIn die neonazistische Einstellung des VAWS auf. Zum einen wurde Symanek wegen Volksverhetzung geklagt, sein Verlag steht unter Beobachtung des deutschen Verfassungsschutzes. Symanek gehört schon seit Jahren zur internen Struktur der „Unabhaengigen Freundeskreise“(UFK). Die UFKs sind wohl eine der ältesten, wichtigsten und einflussreichsten Kadergemeinschaften der NS-Szene. Sie verfügen über zahlreiche Unterorganisationen und beste Verbindungen zur rechten Terrorszene. Im Internet verbreitet Symanek eine Reihe von antisemitischen, rassistischen und Shoa-verharmlosenden Schriften und CDs, unter anderem eine Tribut-CD zu „Ehren“ von Nazi-Filmerin Leni Riefenstahl.

Spiel mir das Lied vom Tod

Auch die durch VAWS verlegten Bands sind keine unbekannten in der rechten Szene. Selbstredend sollen einige von ihnen auch auf dem „Heiliges Österreich“-Festival auftreten. Beispiele gefälligst? Bitte!

Forthcoming Fire:

Der Hauptact von „Heiliges Österreich“. Sänger dieser im deutschen Bingen entstandenen Band ist Josef Maria Klumb. In den 70ern und 80ern noch in der Punkszene aktiv, vollzieht er einen Wandel hin zur Gothic/Dark Wave Szene, gründet 1990 „Forthcoming Fire“ und ist in u.a. an den Musikprojekten „Von Thronstahl“ und „Weissglut“ beteiligt. Ab 1994 ist Klumb angestellter beim VAWS-Verlag. Tritt als Autor der rechtsextremen Zeitschrift „Sleipnir“ in Erscheinung. In Interviews faselt er von der „jüdischen Weltverschwörung“, bezeichnet die 1945 erfolgte Befreiung vom Nazifaschismus als „Vergewaltigung der Volksseele“, spricht im Interview mit der rechtsextremen „Jungen Freiheit“ von „der Reinheit und dem Lichtgehalt der Nation“ und ist „kein Freund von Multi-Kulti und Vermischung“.

Death in June:

Werden in Kärnten/Koroska zwar nicht auftreten, sind in Nazi-Kreisen aber auch keine unbekannten. Mit ihrem Namen spielt die 1981 gegründete Gruppe um Douglas Pearce auf die Ausschaltung der SA im Juni 1934 an. »Auf der Suche nach einer zukünftigen Perspektive stolperten wir über den nationalistischen Bolschewismus, der sich wie ein Leitfaden durch die Hierarchie der SA zog«, gab Röhm-Fan Pearce im „Zillo“ (Nr. 5/1992) zum Besten. Mit Nazi-Symbolik hat Pearce keine Probleme: Der SS-Totenkopf dient als Bandsymbol und soll für »den totalen Glauben und die Hingabe« an das Projekt stehen. 1992 besuchte Pearce während des Bürgerkrieges in Ex-Jugoslawien das Hauptquartier der kroatischen HOS-Miliz, die sich in der Tradition der mit NS-Deutschland verbündeten Ustascha sieht. (Text geklaut aus „Jungle World“, Ausgabe 23 Jahrgang 2000 – www.jungle-world.de)

Allerseelen:

Bandprojekt des Österreichers G. Petak alias Kadmon. Verharmlost die medizinischen „Experimente“ der Nazis als „bloße Gewalttaten“, mit denen der Himmler-Berater Wiligut (dessen „mystische Liebeslieder“ Petak übrigens auch vertont hat) nie etwas zu tun gehabt habe.

Urlaub bei Freunden

„Nazis raus!“ – eine weit verbreitete Parole, die auf Antifa-Demos immer wieder gerufen wird. An sich ist es natürlich richtig und wichtig mit der Forderung Nazis keinen Raum zu geben an die Öffentlichkeit zu treten, trotzdem sollte aber gerade in Kärnten bedacht werden, welche gesellschaftliche Akzeptanz rechtsextremen Ideologien in diesem Land gegenübergebracht wird. Es ist nicht einfach eine rechtsextreme „Invasion“ aus Deutschland, die mittels des VAWS-Festes über Kärnten brausen wird. Vielmehr ist Kärnten der Ort, wo sich RechtsextremistInnen aller Lager wohlfühlen und mit finanziellen Mitteln des Landes großzügig gefördert werden. Jedes Jahr treffen sich Beispielsweise tausende Jung und Altnazis unter der Patronanz von hochrangigen LandespolitikerInnen am klagenfurter Ulrichsberg um den „gefallenen Kameraden“ des SS und der Wehrmacht zu gedenken. Mit dem Kärntner Abwehrkämpferbund und seiner Schwesterorganisation, dem Kärntner Heimatdienst hat Kärnten zwei gesellschaftlich fast völlig integrierte Vereine (die MitgliederInnenzahlen gehen in die zehntausende), die schon seit Jahrzenten ein rassistisches, SlowenInnenfeindliches Klima schaffen, das in den 70er Jahren mit dem „Ortstafelsturm“ genannten Ortstafelpogrom seinen vorläufigen Höhepunkt fand. Kein Wunder, dass Oberkamerad Jörg Haider ein überall gern gesehener Gast und so ganz nebenbei noch Landeshauptmann ist. Deutschnationales Gedankengut ist Garant für Stimmenmaximierung bei SPÖ-ÖVP-FPÖ, teilweise auch bei den Grünen. Anstatt sich klar hinter den antifaschistischen Widerstand der slowenischen PartisanInnen zu stellen, wird in revisionistischer Manier eine Aufrechnung der Opferzahlen betrieben, ganz so als wäre der Holocaust in seiner grausamen Einmaligkeit mit irgendetwas anderem vergleichbar. Es gilt also nicht nur Werner Symanek seine Arbeit zu vermiesen, sondern insbesondere auch jenen, die glauben in Kärnten ein Braunes Eck gefunden zu haben, in dem sie ungestört ihre Hasserfüllte Ideologie verbreiten können: Dem KAB, dem KHD, der „deutsch-kärntner Volksgemeinschaft“ und in letzter Konsequenz dem Land Kärnten.

Sollen die VAWS-Nazis also „raus“ aus einem Land, das rechts bis ins Mark ist? Nein, ein Land das rechts bis ins Mark ist gehört verraten. Kärnten raus! Österreich Abschalten!

It’s time to act!

Was also tun? Wartet nicht darauf, bis „irgendwer was macht“. Organisiert euch selber, redet über Rechtsextremismus, plant Aktionen und lasst euch von niemenschen vorschreiben, wie ihr euren Widerstand artikulieren wollt. Eine befreite Gesellschaft ohne Faschismus braucht auch freie Individuen, die nicht darauf warten, bis ihnen jemensch sagt, was zu tun ist.

Dezentral, hierarchiefrei, kreativ und offensiv gegen Nazis. Wer zuschaut ist selber schuld.

Grünalternative Jugend (GAJ) Kärnten/Koroska

Quelle: Turn it down

»Wir sind hier!«

Dark Wave als kulturavantgardistische Kameradschaft

Anfang der neunziger Jahre bricht die Assoziationskette Subkultur-Subversion-Links in sich zusammen. Im Outfit des Mobs von Rostock-Lichtenhagen finden sich jetzt auch Style-Versatzstücke und Codefragmente verschiedener vormals links besetzter Subkulturen: Der Nazi-Riot markiert – durch optische Präsenz von Basecaps, Piercings und Kapuzenpullis, unterlegt mit technoiden Beats – das Ende vermeintlich eindeutiger subkultureller Grammatik, was die zunehmende Fragwürdigkeit politischer Zuschreibungen außerhalb der konkreten Praxis der Akteure anzeigt.

Verschiebungen in der subkulturellen Grammatik sind kein reines Oberflächenphänomen, das quasi den »Core« der die Symbole liefernden Subkulturen unberührt lässt, sie sind Ausdruck eines politischen Vorzeichenwechsels in den Subkulturen selbst – die »Kids« sind schon längst nicht mehr »allright«. Oft hat sich durchgesetzt, was im neurechten Diskurs in einer verkürzten Gramsci-Rezeption als »kulturelle Hegemonie von rechts« verhandelt wird. Prototypisch für diesen Prozess sind auf verschiedene Weise die Entwicklungen in der sogenannten Dark-Wave-Szene.

Seit Beginn der neunziger Jahre arbeitet ein reanimiertes Zerfallsprodukt von Punk, der sogenannte »Gothic« resp. »Dark Wave« – ausgehend von Roots in der britischen New-Wave-Culture – am Tatort Deutschland an seiner konsequenten Germanisierung. Während in einer anderen, ebenfalls von New Wave ausgehenden Linie, z. B. im Umfeld disko b / Gigolo-Label, Acts wie »Chicks on Speed« oder »Zombie Nation« versuchen, an der Schnittstelle von Club und Subversion zu arbeiten, wird hier – unter Anrufung spezifisch deutscher ästhetischer Traditionen – Popkultur aus ihrem internationalen Kontext gerissen. Eklektizistisch wird im Fundus der reaktionär-bildungsbürgerlichen Kultur gewühlt, ausgegraben werden Versatzstücke aus Romantik und Symbolismus oder es wird, das Martialische betonend, unbeschwert von Leni Riefenstahl bis Marinetti zitiert, wie Martin Büsser skizziert: »Erträumt wird ein altes Europa das konturlos mal bei nordischen Göttern, mal in einem romantischen Kloster, mal Minnelied und mal in Gestalt eines Feldherrn gesichtet wird, stets Relikt eines zusammengebrochenen Systems, stets betrachtet aus dem Blickwinkel, der mit dem Ruinösen liebäugelt […] Nationalmythos statt Universalgeschichte.« (Martin Büsser: »Lichtrasse und Wälsungenblut«, in: Testcard 4 / 97).

In den Ergüssen von Bands wie »Mozart«, »Das Ich« und »Goethes Erben« tritt der eigene Avantgardeanspruch dann allerdings mehrfach in / mit schwerer Fraktur zu Tage. Immerhin, und das ist in dieser Szene alles andere als selbstverständlich, versuchen sich die genannten Gruppen – wenn auch ästhetisch fragwürdig gepackt – gegenüber den im weiteren skizzierten Entwicklungen am antifaschistischen Statement.

Während die Nazi-Skin-Kultur durch ihre eindeutige politische Verortung jedem Neueinsteiger eine Entscheidung hinsichtlich des politischen Standpunktes abverlangt, müssen Mr. und Mrs. Gothic sich nicht gleich politisch festlegen. Das Verbindende ist nicht die politische Anschauung, sondern ein diffuses »schwarzes« Lebensgefühl. Gerade dieses Lebensgefühl ist aber in seinem antimodernen Gestus und der romantischen Verklärung der Vergangenheit an sich schon alles andere als emanzipatorisch, damit aber auch zugleich offen für (neu)rechtes Overwriting.

So begegnet die Szene der immer offensichtlicher werdenden Rechtsorientierung zumeist mit einer sich als »Toleranz« ausgebenden stillschweigenden Akzeptanz. Niemand scheint sich über Bandnamen wie »Feindflug«, »Rasthof Dachau«, »Der Blutharsch« oder Songtitel wie »Against the Modern World«, »Der SIEG des Lichtes ist des Lebens HEIL« oder »Rose Clouds of Holocaust« zu wundern. Geleistet wird hier, was Alfred Schobert als »kulturelle Drecksarbeit für den politischen Hardcore« bezeichnet; bebildern lässt sich diese These mit dem in vielen Szene-Magazinen als ausgesprochen sympathisch gehandelten Michael Moynihan, Kopf von »Blood Axis«: »Einerseits denke ich, daß die Zahl 6 Millionen nur zufällig und ungenau und wahrscheinlich eine grobe Übertreibung ist. Ich habe revisionistische Bücher gelesen, die gut gegen den Holocaust-‘Kanon‘ argumentieren, und selbst die jüdischen Historiker verändern fortwährend ihre Ansprüche. Doch mein Hauptproblem bezüglich der Revisionisten ist, daß sie von der Annahme ausgehen, das Töten Millionen unschuldiger Menschen sei als solches ‘böse‘. Mehr und mehr neige ich zur entgegengesetzten Schlußfolgerung. Ich geriete nicht aus der Fassung, wenn ich herausfände, daß die Nazis jede ihnen zugeschriebene Grausamkeit begangen hätten – ich zöge es vor, wenn es wahr wäre« (Michael Moynihan, in: No Longer A Fanzine) Auch wenn manche Grufties das vielleicht »ein bisschen zu krass« finden mögen, ist es doch ein Bestandteil der Szenekultur, im Zweifelsfall wird eben die szeneinterne »Solidarität« strapaziert. Niemand käme auch nur im Traum auf die Idee, Veranstaltungen wegen rechter Inhalte zu boykottieren geschweige denn anzugreifen.

Einher geht die Rechtsbewegung mit einer immer stärker werdenden Rückbesinnung auf die deutsche Sprache, die sich nicht nur in der Musik zeigt: Derzeit scheint es besonders angesagt zu sein, jegliche Anglizismen und Latinismen auf Flyern durch Eindeutschungen zu ersetzen. Das Internet wird zum »Weltnetz«, das Telefon zum »Fernruf«, das Fax zum »Fernbild«, die CD zur »Lichtscheibe« und die Musik schließlich mutiert zur »Tonkunst«.

So ist es denn auch kein Zufall, dass organisierte Neofaschisten ausgerechnet diese Szene für sich entdeckt haben, bietet sie doch in vielerlei Hinsicht ideale Bedingungen für den (neu)rechten »Kulturkampf«, wie es Roland Bubik in der Jungen Freiheit bereits vor einigen Jahren zu erkennen glaubte: »Wenn das Mystische und das Irrationale, der Wunsch nach antiaufklärerischer Innenschau und gelebter Transzendenz ihre Stimme in der Jugendkultur finden, ist der ästhetische Konsens des Westens durchbrochen. Wenn die Bezugspunkte Mittelalter und deutsche Geisteskultur darstellen statt ‘Love and Peace‘, wenn die Seele gegen den Intellekt ins Feld geführt wird – dann schneidet sich ein Keil in das Establishment oberflächlicher Beliebigkeit.« (JF 4 / 96, zitiert nach: Alfred Schobert: »Aufstand gegen die Moderne«, in: SPEX 5 / 96)

Die praktische Umsetzung dieses »Kulturkampfes« wird alljährlich auf dem »Wave-Gotik-Treffen« in Leipzig vorgeführt. Dieses Festival hat sich mittlerweile zu dem Event der »schwarzen Szene« entwickelt; mit schätzungsweise 25 000 Besuchern ist es aber schon längst kein Insidertip mehr. Jedes Jahr zu Pfingsten prägt es für gut vier Tage das Leipziger Stadtbild. Mehrere Großhallen des Messegeländes bilden den zentralen Veranstaltungsort. Darüber hinaus werden zahlreiche Orte im gesamten Stadtgebiet einbezogen: Die meisten Leipziger Diskotheken richten während des Festivals Dark-Wave-Parties aus. Die Stadt stellt für die Veranstalter neben Messegelände und verschiedenen Parks auch das Völkerschlachtdenkmal bereit. In einem bunten Rahmenprogramm aus Lesungen, Orgelkonzerten, Mittelalterspektakel und Kutschfahrten soll neben den eigentlichen Festivalbesuchern auch die Leipziger Bevölkerung angesprochen werden.

Nun ziehen Kuriositäten wie das sogenannte »Heidnische Dorf« aber nicht nur biedere Familienausflügler an. Die von Schwarzgewandeten und zahlreichen Schaulustigen bestaunte muntere Germanentümelei sorgt daneben auch für massive braune Präsenz in ihrem ganzen Spektrum: Neben der Anwesenheit vieler Naziskins fällt auf, dass sich zahlreiche Anwesende mit offensichtlicher Detailfreude um au-thentische Präsentation der »Styles« des Dritten Reiches bemühen. Ausgehend von den beiden Gender-fixpunkten BDM und Kamerad wird ein ganzer Mikrokosmos faschistischer Jugendkultur entfaltet, diese findet sich eingebettet in ein Szenario, das irgendwo zwischen der Spießigkeit eines Freilicht-Heimatmuseums und Live-Rollenspiel oszilliert. Vor einem Wikingerschiff führt ein anthroposophischer Greis mit Wallebart in die germanische Bootsbaukunst ein, mehrere fundamentalistische Landfrauen in ostpreußischer Tracht arbeiten an der Neudefinition von »Volksküche« – serviert wird ein fieser Mürbekeks, der vermutlich die Härten des germanischen Lebens verdeutlichen soll. Nazi-Skins messen sich mit Familienvätern beim Axtwurf, eine »sächsische Sektion« der »Allheidnischen Front« liegt metberauscht daneben. Wie schon die Jahre zuvor bündelt das rechtsextreme Dresdner Gothic-Magazin Sigill als Mitveranstalter des Festivals die extremsten Fascho-Acts in als »Lichttaufe« ausgewiesenen Sessions. Angeleitet von den mit Seitenscheitel, Jankerl, Kniebundhose und Monokel auf »Konservativer Revolutionär« getrimmten Machern des Fanzines, erwarten hier über hundert hart faschistisch codierte »Musikfreunde« einen konspirativ angekündigten »Gig« der britisch-australischen Band »Death in June« um den erklärten Ernst Röhm-Verehrer Douglas Pearce. Pearce, dessen Musik quer durch die ganze Szene und weit darüberhinaus rezipiert wird und mittlerweile einen unangreifbaren Kultstatus erlangt hat, wird von seinen Fans hartnäckig gegen das Etikett Faschist in Schutz genommen, indem diese in seine Lyrics beharrlich Ambivalenzen und Uneindeutigkeiten hineinlesen. Das von Death in June (der Bandname bezieht sich auf den 30. Juni 1934, den Todestag des SA-Führers Röhm) melancholischem Nazi-Pop textlich immer wieder aufgegriffene Thema sind das Dritte Reich und der Holocaust. So in »Heaven Street«, einem Song über den als »Himmelfahrtstraße« bezeichneten Weg von der Selektionsrampe zu den Gaskammern des KZs Treblinka: »take a walk down heaven street / the soil is soft and the air smells sweet / now only memories run on railway tracks / this road leads to heaven / the earth exploding with the gas of bodies / now only flowers to idolize / this road leads to heaven«. Die offene Glorifizierung des Holocaust wird zugunsten seiner Ästhetisierung zurückgenommen, um umso wirkungsvoller zu sein. Death in June wirken so als Multiplikatoren in einer Szene, die zu einer uneingeschränkten Aufnahme der »Lehre« (noch) nicht bereit ist. Die von Pearce angestrebte, affirmative Darstellung des Nationalsozialismus drückt sich aber auch in der 1:1-Übernahme faschistischer Terminologie, etwa in einer »Neuvertonung« des Horst-Wessel-Liedes, aus. Die Vinyl-Pressungen des erwähnten Songs »Heaven Street«, der manchmal auch getreu rechter Zahlenmystik »DI6« genannten Band, bieten durch kryptische Verweise auf Wehrmacht, SA und SS (Gravuren zwischen den auslaufenden Rillen der Platte, SS-Totenkopf als Bandlogo) ein interessantes Puzzle für Adepten – ein Schema, das in fast allen Death in June-Releases durchgehalten wird. So bieten etwa die Textzeilen »then my loneliness closes in / so I drink a german wine / and drift in dreams of other lives / and greater times« in »Runes and Men« zunächst wenig Spektakuläres, erst im Kontext »Death in June« wird die Bedeutung der Chiffren klar: »german wine« ist ein cooler Nazi-Drink, »other lives« sind die Männer der SA und mit »greater times« ist das Dritte Reich gemeint.

Auch auf dem Festival zeigt die themagebende Subkultur kein Bemühen um Abgrenzung – völlig ungerührt angesichts der massiven Präsenz von Hardcore-Faschos flanieren die Gothics über das Gelände. Die permanente Anwesenheit von Rechtsradikalen scheint ebenso zur »Normalität« ihrer Subkultur zu gehören, wie das wohl unvermeidliche Auftreten extrem-rechter Verlage, von »Arun« bis »VAWS« mit antisemitischen Schriften und »Riefenstahl-Sampler« im Programm. Über passive Akzeptanz hinausgehend, finden auch viele Grufties nichts dabei, mit rechten Symbolen durch die Gegend zu laufen. Der Umgang mit den Insignien des Dritten Reiches ist hier »unverkrampft«: Sig-Rune, Wolfsangel und mehr oder weniger stilisiertes Hakenkreuz geben dem schwarzen Dress wohl erst den notwendigen »Pep«. Die entsprechende Apologie liefert Kadmon, »Mastermind« der folgerichtig für dieses Festival angekündigten Combo »Allerseelen« in einem Interview mit dem Darmstädter Fanzine »Black«:

»Offenbar braucht jede Kultur ein Hexenmal, einen Judenstern. Und von der‘p. c.‘ zum Pogrom ist’s oft nur ein Schritt, wie die Geschichte zeigt. […] Heute ist der Faschismusvorwurf gegen industrielle Musik und Dark Wave ein Judenstern. […] Die Judensterne sehen heute anders aus, es sind ariosophische, völkische Zeichen. Runen, Thorshammer, Kruckenkreuz, Hakenkreuz.« (Black 14/1998).

Unterstrichen wird die Germanomanie durch fast ausschließlich »weißes« Publikum. Die vorherrschende »White-ness« dürfte aber weniger auf das zweifellos gegebene Bedrohungspotential für MigrantInnen durch anwesende Skins, sondern vor allem auf ausschliessende Mechanismen innerhalb der Dark-Wave-Szene zurückführbar sein. In den ästhetischen Inhalten des Dark-Wave wird ein genuin nordisches Deutschland imaginiert, dessen rassistische Elfen- und Nordmannstereotypen auf zahlreichen Plattencovern, Flyern und Fanzines präsent ist.

Praxisform rechtsextremer Dominanz war bislang vornehmlich das von Glatzen mit dem Baseballschläger durchgesetzte Konzept der National befreiten Zonen (NBZ) im rural-peripheren Raum. Das Festival stellt demgegenüber ein willkommenes Labor für die urbane Erweiterung dieses Konzepts dar. Es gerät zu einer Leistungsschau genuin deutscher Subkultur, in der eine von »fremdvölkischen Einflüssen« bereinigte deutsche Leitkultur (Merz) durchgespielt wird.

Angesichts der Akzeptanz der BesucherInnen bleibt der einzige Versuch, wenigstens kosmetisch den krassesten Nazi-Acts entgegenzutreten, ein kurzfristig verhängtes Auftrittsverbot der Stadt Leipzig für die Gothic-Band »Von Thronstahl« um den auf Grund seiner antisemitischen Ausfälle in der Nazi-Presse abgefeierten Josef Klumb. Das Auftrittsverbot für die Bingener Formation wird dann allerdings dadurch umgangen, dass die Band, mit dem SS-Emblem »Schwarze Sonne« auf der Bühne posierend, ihre »Tonkunst« vom Band laufen lässt. Einige Fans lassen es sich ob dieses »genialen« Schachzugs dann auch nicht nehmen, der schwarzen Kapelle den »deutschen Gruß« zu entbieten.

Missstimmung rufen aber nicht diejenigen hervor, die ihre überschwengliche Begeisterung auf dem Festival im »Heil Hitler« kanalisieren, sondern der, durch die Geschäftspraktiken zweier Veranstalter, die sich laut Gerücht mit der Kasse abgesetzt hatten, drohende Festivalabbruch am nächsten Tag. Nachdem mit PA-Verleih und Security – ausgenommen die noch hoffnungsfrohen Würschtlbrater – nahezu alle organisatorischen Funktionsträger geprellt abziehen, wird allgemein für das »jetzt-erst-recht-Modell« optiert: Mit einigen unverdrossenen Bands und freiwilligen HelferInnen soll weiter Programm gemacht werden. Konsequent werden die widrigen Rahmenbedingen dann aber auch von den rechten Kulturstrategen genutzt: Das Techno-Equipment muss dem Zusammenrücken am Lagerfeuer weichen – in einem improvisierten Bühnenpavillion präsentieren sich Bands des Sigill-Labels »Eis & Licht Tonträger« ganz »back to the roots« unplugged im Fackelschein. Mit Lederriemen umgeschnallte Trommeln, bekanntes Bild von NPD-Aufmärschen, ersetzen kurzerhand Sampler und DSP-Tools. Die zahlreich anwesenden Braunhemden passen sich schnell der neuen Situation an und übernehmen, historisch getreu, den »Sicherheitsdienst« im Heidnischen Dorf. Tief beeindruckt von soviel gelebter Kameradschaft lässt sich dann schließlich der vorher zögerliche, vom Publikum mehrfach geforderte Top-Act Death in June zum Auftritt herab. Der »SD« bildet für ihn ein Fackelspalier, an die Zuschauer ergeht, wohl wegen befürchteter Antifa-Aktionen, die Ermahnung: »Achte auf Deinen Nebenmann!«. Unterstützt von Albin Julius (»Der Blutharsch«) am »Schlagwerk« gelingt es Douglas P. dann, seinen Standpunkt in einem Miniset klarzumachen. So beenden sie ihren Auftritt mit dem Klassiker »C’est un rêve«, einer Hommage an den die Deportation der französischen Juden organisierenden Lyoner Gestapochef Klaus Barbie. Die in den Stück monoton wiederholte Frage »Où est Klaus Barbie?« permutiert Douglas P. in der letzten Wiederholung zu »Où est Death in June?«, die er – auf deutsch – mit einem frenetisch gefeierten »Wir sind hier« beantwortet.

Oliver Groß, Claus Weiland

Quelle: Diskus