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Quo vadis Darkwave? Ästhetische Mobilmachung revisited

Vor fünf Jahren erschien der Sammelband »Ästhetische Mobilmachung«, der die musikalischen Genres des Dark-Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien thematisierte.

Kern der Kritik an der Szene ist, dass verschiedene Musiker und Szeneprotagonisten einem rechten Kulturpessimismus Vorschub leisten und als Gegenentwürfe anti-egalitäre, anti-demokratische und anti-modernistische Dichter und Denker präsentieren. Die Vermittlung erfolgt allerdings weniger über eine intellektuelle kognitive Ebene, als vielmehr über eine (neo-)romantische, ästhetisierte Gefühlsduselei mit esoterischen, naturellen und naturreligiösen Bezügen. Die Grufti- bzw. »Schwarze Szene« reagierte seinerzeit verhalten auf das Buch: Während sich die eher kritischen »Geister« mit dem Inhalt auseinandersetzten, tat es der rechte Flügel als »Übertreibung« und »Lügengespinst« ab.

Ambivalenzen

Eine der Grundthesen des Buches war schon 2002, dass der rechte Flügel der Darkwave-Szene kein Äquivalent zur Rechts- Rock-Szene mit deren Eindeutigkeiten darstellt. Vielmehr sind die Musik bzw. die Interpreten in ihrer ganzen Ambivalenz zu betrachten. Die von Julius Evola inspirierte Kritik an der Moderne im Song »Death of the West« von »Death in June« setzt etwa nicht zwingend voraus, dass der Kopf der Band, Douglas Pearce, Antisemit und Israel-Hasser sein muss. Andersrum macht der permanente Verweis auf seine Homosexualität aus ihm noch keinen Antifaschisten (für einige eingefleischte Fans scheint Pearce im Übrigen seit seiner aktiven Rolle im australischen Schwulen-Porno »Vignettes« (2006) passé).

Ebenso kritisiert wird bei der Wiener Band »Allerseelen« um Gerhard Petak unter anderem die 1995 veröffentlichte CD »Gotos=Kalanda«, die auf Gedichten des SS-Brigadeführers und Himmler-Beraters Karl Maria Wiligut (»Weisthor«) basiert und mit Bildern von der Wewelsburg und deren »schwarzer Sonne« gestaltet wurde. Der 2006 veröffentlichten Vinyl-Fassung fügte Petak nun das »Lied der Häftlinge« bei, das ein ehemaliger Häftling des Konzentrationslagers Wewelsburg um 1944 geschrieben hat. Doch diese posthume »Ambivalenz« verliert ihre Überzeugung angesichts dessen, dass bei »Allerseelen « Marcel Petri mitspielt, der ansonsten auch bei »Von Thronstahl« und »Halgadom« involviert ist – letztere ist die Band von Frank Krämer, einem Mitglied der Nazi-Rock-Band »Stahlgewitter«.

Status Quo

Der rechte Rand der »Schwarzen Szene« zeigt sich nach wie vor insbesondere im Industrial und Neofolk, den heute in Deutschland vor allem »Orplid« repräsentiert. Die Band um Uwe Nolte und Frank Machau aus Halle an der Saale scheint nach wie vor voller Elan. 2006 erschien auf »Auerbach Tonträger« ihr achter Tonträger mit dem Titel »Sterbender Satyr« und jüngst veröffentlichte Nolte auf seinem Label »NolteX« alte Aufnahmen der Band sowie des frühen Parallelprojekts »Rückgrat«.

Musikalisch wirkt er unter anderem bei »Sonnentau « und »Barditus« mit. Machau indes debütierte 2005 mit seinem Soloprojekt »primus inter pares« beim Dresdener Label »Eis & Licht«, nach wie vor eine der bekanntesten Adresse für Neofolk. Aus Halle stammt auch die Gruppe »Leger des Heils« von Mario Ansinn, deren Namen sich auf eine niederländische christliche Heilsarmee bezieht und deren jüngste CD »Gloria« ebenso auf dem Dresdener Label von Stephan Pockrandt erschien. Bis 2000 hatte der die Zeitschrift »Sigill« herausgegeben und bis 2003 das Folgeprojekt »Zinnober«, das dann in die Hände von Dominik Tischleder überging und nach zwei Ausgaben eingestellt wurde. Die für Neofolk-HörerInnen entstandene Lücke füllten zwischenzeitlich nur bedingt die Zeitschriften »Black« und »Ikonen«, bis im Dezember 2006 die erste Ausgabe des Magazins »Zwielicht« erschien: »Sie ist unsere Antwort auf die uns allesamt langweilenden Musikmagazine in Internet und Zeitschriftenhandel«, schreibt Pockrandt in einer »Eis & Licht«-Rundmail. Während »Sigill« offensiv strittige Symbole abgebildet hatte und sowohl »Sigill« als auch »Zinnober« zur weltanschaulichen Bildung der Szene beitrugen, präsentiert »Zwielicht« zwar wie gehabt Interviews mit teils einschlägig bekannten Bands und rezensiert die entsprechenden Platten, doch fehlen mehr oder weniger eindeutige programmatische Einlassungen.

Im Szene-Mainstream wird neofolkloristische Musik vor allem in »Zillo« gefeatured und seit vergangenem Jahr in der »Szene-Bravo«, dem »Orkus«- Magazin. Nach und nach publizierte das Magazin Interviews oder Berichte über Bands wie »Der Blutharsch«, »Death In June« oder »Allerseelen« und präsentierte sie teilweise auf der CD zum Heft. Die Industrial-Bands vom rechten Rand der Szene, die auf strittige Symbole, markige Worte, militantes Auftreten und militaristischen Gestus setzen, fehlen indes noch. Musik von »NON«, »Genocide Organ« oder »The Grey Wolves« bricht wohl doch zu sehr mit den gängigen Hörgewohnheiten der LeserInnen. Um so mehr erstaunt, dass im Shop vor allem CDs des österreichischen Labels »Steinklang« angeboten werden, darunter die polnische Band »Cold Fusion«: »45 Minuten wunderschöner symphonischer Marschmusik… «, heißt es in der Kurzbeschreibung. Ihre Musik, eine Mischung aus Neo-Klassik und Militärmusik im düsteren Arrangement wird neuerdings als »Military Pop« bezeichnet.

Ihren Vorläufer findet die Stilistik bei »Laibach«, Les Joyaux De La Princessederen militaristisches Moment bereits das Projekt »Puissance« des schwedischen Duos Fredrik Söderlund und Henry Möller Mitte der 1990er Jahre in den Mittelpunkt rückte. Unter dem Namen »Arditi« steigerten sie das Militaristische ins Absolute und vermengten es mit offensichtlich affirmativer Faszination für den Faschismus. Anleihen nehmen die heutigen Bands auch bei der französischen Formation »Les Joyaux De La Princesse« von Erik Konofal, der seine Begeisterung für die nationalistische Rechte nie sonderlich kaschierte. Als »Military Pop« gelten ferner Gruppen wie »Allerseelen«, »Triarii« (Berlin), »A Challenge Of Honour« (Niederlande) und »Dernière Volonté« (Frankreich). Letztere konnten sich auf dem jüngsten »Wave-Gotik-Treffen« (WGT) zu Pfingsten in Leipzig präsentieren. Nach wie vor tummeln sich dort rechte Fans, teilweise auch Autoren der »Junge(n) Freiheit« oder Aktivisten der NPD. Doch längst nicht jeder Besucher, der Camouflage trägt, ist auch ein Rechter oder Neonazi.


It´s still the same old story

»Diese Szene rekurriert auf dezidiert europäische Kulturtraditionen«, erklärte Peter Matzke, Sprecher des WGT, im Interview mit der »Junge(n) Freiheit« im Juni 2003, »sie lebt etwas, das vor allem der nordeuropäischen Mentalität und Denkart entgegenkommt.« Einschränkend fügt er hinzu, dass die »Szene […] an sich apolitisch [ist] – insofern, als dass sich kein politischer Meinungs- Mainstream ergibt, der in das gängige Politikmodell eingeordnet werden könnte. Allerdings«, betont er, »ist die weitgehende Ablehnung des Wertesystems der europäischen und amerikanischen Wohlstandsgesellschaft in meinen Augen eine hochpolitische Aussage.« Diesem ablehnenden Gefühl, dem Zweifel an der Moderne und der daran anknüpfenden Suche nach Alternativen versuchen die Künstler und Szene-Protagonisten vom rechten Rand eine Richtung zu geben. Der italienische Kulturphilosoph und Vordenker des italienischen Faschismus, Julius Evola, ist nach wie vor en vogue in der Szene, wie die 2006 veröffentlichte Split-CD der US-amerikanischen Band »Changes« und »Allerseelen« zeigt. Deren Titel »Men among the ruins« ist die englische Übersetzung des Evola-Werkes »Menschen inmitten von Ruinen«.

Mit dem französischen Schriftsteller und Faschisten Pierre Drieu la Rochelle setzte sich »Dernière Volonté« auseinander. Das chilenische Projekt »Der Arbeiter« zeigt sich indes inspiriert vom »esoterischen Hitleristen« Miguel Serrano, während sich der Titel des »Barditus«-Albums »Die letzten Goten« auf einen Abschnitt aus dem Roman »Ein Kampf um Rom« von Felix Dahn bezieht. Dahn gilt als einer der wichtigen Romanciers völkischen Gedankenguts des späten 19. Jahrhunderts. Und die Compilation »Die Geburt des Jahrtausends«, 2003 auf »Steinklang« verlegt, erschien in »Gedenken an Kurt Eggers und Ludwig Fahrenkrog«. Ersterer war während des Nationalsozialismus zunächst Dichter und Autor völkischer Literatur und im Krieg Panzerkommandant bei der Waffen-SS. Fahrenkrog gehörte zu den Völkischen und gründete 1912 die »Germanische Glaubens-Gemeinschaft«.

»Jenseits von Sieg und Niederlage eint uns der Wille und die Vision. Wir marschieren gegen den Geist der Zeit, Ausbeutung, Egoismus, Korruption. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, mit ihrer Kraft sind wir verbunden. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, für Europas neue Sternstunde. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, denn sie ist unser Erbe. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, auf dass es morgen werde!«, singen »Belborn« auf einer gemeinsamen CD mit »Rose Rovine e Amanti« 2006 mit Blick auf die »Eiserne Legion« des rumänischen Faschistenführers Corneliu Zelea Codreanu. Und im »Hagal«-Magazin betonte Michael Moynihan von »Blood Axis« im vergangenen Jahr, nachdem er auf die »Referenzen« seiner Musik angesprochen wurde: »Im weitesten Sinne gilt unser Bekenntnis dem indo-europäischen Raum, und hierin besonders den germanischen und keltischen Völkern, deren Blut noch immer in unseren Adern strömt. Ich habe vor jedem Respekt, der treu zu den Traditionen seiner Ahnen steht, was in diesem Zeitalter der Atomisierung und Anomie selbst schon zunehmend als ketzerisch gilt«.

Wiederbelebte und gerufene Geister »Ein großes Verdienst dieser Jugendkultur ist es sicherlich, das Interesse jüngerer Generationen für jene Ideen geweckt zu haben, die in der One-World keinen Platz mehr haben dürfen, nämlich das Wissen um das Heimatgefühl, die Riten und Traditionen, die Volksseele, das Europa der Vaterländer. Diese Kunstgattung transportiert jene Inhalte besser, weil spielerisch, als jede Vortragsreihe eines Theoretikers«, urteilte Brynhild Amann im Herbst 2006 begeistert in der österreichischen Zeitung »Neue Ordnung«. Sie muss es wissen: Hinter dem Pseudonym steht die ehemalige Sängerin des Duos »The Moon lay hidden beneath a Cloud«, das sich 1998 auflöste.

Pathos und Hang zu großen Worten, blutharschKulturpessimismus und Verherrlichung des Vergangenen sowie Begeisterung für die so genannten »Männer der Tat« faszinieren aber nicht nur die »Grufties« am rechten Rand der Szene. An der Kasse des »Blutharsch«- Konzerts im April 2006 saß Hartwin Kalmus, Betreiber des RechtsRock-Label »Ragnarök Records«, ehemaliger Vize von »Blood & Honour« Baden und angeblich »zweiter Chef« der vermuteten Nachfolgeorganisation »Division 28«. Auf den Rezensionsseiten des Magazins »Hier & Jetzt« der »Jungen Nationaldemokraten « werden mehr Darkwave-Scheiben besprochen als RechtsRock-Produkte und seit Jahren schon berichtet die NPD-Postille »Deutsche Stimme« regelmäßig über das WGT, auf dem vor ein paar Wochen auch wieder der »Verlag und Agentur Werner Symanek« mit einem Verkaufsstand präsent war.

Nachdem aber dieses Jahr Festivalbesucher mit einschlägigen Band-T-Shirts, SS-ähnlichen Uniformen und »Thor-Steinar«-Klamotten angegangen wurden, stellte der NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel knapp vier Tage später eine »Kleine Anfragen zu linksextremistischen Überfällen auf Konzertbesucher« im sächsischen Landtag. Sein Ärger rührt wohl noch von dem im letzten November durch antifaschistische Öffentlichkeitsarbeit verhinderten Konzert von »Sagittarius« und »Shava Sadhana« her, das im Haus der Burschenschaft »Dresdensia-Rugia« in Gießen stattfinden sollte, zu deren »Alten Herren« er gehört. Beworben wurde die Veranstaltung mit dem Titel »Wolfstanz« vor allem von »Neo: Form«, dem »Portal für konservative Musik« von Mirko Peters von der »Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks«.

Am rechten Rand der »Schwarzen Szene« hat sich ein illustrer Kreis etabliert. In München tummelten sich gar Aktivisten der Kameradschaft »Autonome Nationalisten München« wie selbstverständlich im lokalen Szenetreff »Club Millenium«. Selbst der örtliche Führungskader Hayo Klettenhofer eckte mit seinem SS-Generalsmantel nicht an.

von Christian Dornbusch

dieser Artikel erschien im Rechten Rand Nr.107, Juli / August 2007

Quelle: Turn it down

Rechts-Rock-Konzert am 29. Oktober in Yverdon

Medienmitteilung der Antifa Bern

Nicht zum ersten Mal veranstaltet «Soleil noir» («Schwarze Sonne») ein Konzert mit Bands, welche der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind. Zu nennen sind beispielsweise der Auftritt von «Death In June» 2002 in Lausanne oder das Konzert mit «Der Blutharsch» im Lokal «Les Citrons Masqués» 2004 in Yverdon. Im «Les Citrons Masqués» ist nun erneut eine Veranstaltung mit zwei Rechts-Rock-Bands geplant: Am Samstag, 29. Oktober 2005, sollen dort «Allerseelen» und «Belborn» auftreten.

Die Band «Allerseelen» aus Österreich ist eine der bekanntesten Bands aus dem rechtsextremen Spektrum des «Dark Wave». Gründer und zentrale Figur der Gruppe ist Gerhard Petak alias Adam Kadmon. Er versucht, sich und die Band immer wieder als unpolitisch darzustellen, und versteht sich als Opfer einer Hetzkampagne, welche er mit der Judenverfolgung in Nazideutschland vergleicht und folgendermassen beschreibt: «Offenbar braucht jede Kultur ein Hexenmal, einen Judenstern. […] Heute ist der Faschismusvorwurf gegen die industrielle Musik und Dark Wave ein Judenstern. […] Die Judensterne sehen heute anders aus, es sind ariosophische völkische Zeichen, Runen, Thorshammer, Kruckenkreuz, Hakenkreuz» (Black 14/1998).

Dass es sich dabei keinesfalls nur um eine Hetzkampagne handelt, wird schnell deutlich, wenn man/frau sich eingehender mit «Allerseelen» beschäftigt. Beispielsweise ist Petak der Herausgeber einer Reihe von Heften mit dem Titel «Ahnstern», wobei sich Teile davon explizit mit Personen des Naziregimes wie Karl Maria Willigut oder Exponenten von anderen faschistischen Bewegungen, beispielsweise Corneliu Codreanu, befassen.

Karl Maria Willigut, alias K. M. Weisthor, war bis 1938 Leiter des Amtes für Vor- und Frühgeschichte im persönlichen Stab Himmlers. Petaks Aussagen zufolge war Willigut auch der Initiant des Mosaiks der Schwarzen Sonne in der Wewelsburg. Zwischen 1933 und 1945 wurde die Wewelsburg von der SS genutzt. Himmlers Plan war es, die Gebäude in eine «Reichsführerschule der SS» zu transformieren. Zudem sollte sie als repräsentative und ideologische Zentrale des SS ausgebaut werden. Die Schwarze Sonne, welche auch als zwölfarmiges Hakenkreuz oder ein Rad aus zwölf Sig-Runen gedeutet werden kann, diente der SS als Symbol einer nordisch-heidnischen Religion. Es handelt sich dabei nicht um ein historisches Symbol, sondern um ein Erzeugnis der SS. Nicht zufällig ziert sie denn auch das Cover der «Allerseelen»-CD «Gotos – Kalender» und ist gleichzeitig das Bandlogo.

Codreanu gründete 1923 in Rumänien die nationalistische «Legion Erzengel Michael», welche sich ab 1931 die «Eiserne Garde» nannte. Er propagierte den Faschismus und war ein bekennender Antisemit. Gesänge und Märsche der «Eisernen Garde» sowie eine Rede von Codreanu veröffentlichte «Allerseelen» auf zwei ihrer Singles.

Die zweite angekündigte Band, «Belborn», gehört ebenfalls zu den Verehrern von Corneliu Codreanu. So sind die «Neofolker» mit einem ihrer Songs «Erde der Ahnen» auf dem Sampler «Codreanu – Eine Erinnerung an den Kampf» vertreten. Denselben Song veröffentlichten sie auf einem weiteren Sampler «Prezent! – Compilatie de muzica nationalista», welcher über die rechtsextreme Organisation «Noua Dreaptä» («Neue Rechte») aus Rumänien vertrieben wurde. Darauf vertreten war unter anderen auch der deutsche Liedermacher Frank Rennicke.

Der deutsche Neonazi Christian Kapke, welche beim «Neofolk»-Magazin «Lichttaufe» mitarbeitet, sagt, «dass man bewusst versucht, politische Inhalte über Kunst zu transportieren, einfach weil es dadurch unscheinbarer oder entsprechend eingängiger erscheint» (vgl. Text von Thomas Naumann auf turnitdown.de). Die Aussagen von Christian Kapke verdeutlichen das eigentliche Ziel der rechtsextremen «Dark Wave»- und «Neofolk»-Bands: die Verbreitung neonazistischer Ideologie.

Kein brauner Ton in Yverdon!

Null Bock auf Nazi-Rock!

Antifa Bern

Quelle: Antifa Bern

Erneut rechte Neofolk/Industrial Veranstaltung in Rosenheim

Am kommenden Samstag (22.10) findet in Rosenheim erneut eine rechte Industrial/Neofolk Veranstaltung statt. Auf dem sogenannten Neofolk.Industrial.Event im Club Blackout tritt neben der Band „Graumahd“ der Österreicher Albin Julius als DJ auf. Albin ist Frontmann einer Band Namens „Der Blutharsch“, welcher der Nordreinwestfälischen Verfassungsschutz in der Broschüre „Musik, Mode-Markenzeichen“ Affinitäten zum Rechtsextremismus attestiert.
Neben Gehard Petak („Allerseelen“) gilt Albin Julius („Der Blutharsch“) als Vordenker der Wiener „Neofolk“-Szene. Diese ist geprägt ist von einem vorsätzlichen, provokativen und lustvollen Kokettieren mit faschistoiden Symbolen und Texten. Man versucht man, eine elitär antidemokratische Ästhetik und Ideologie zu pflegen, ohne sich dabei jemals in den banal-politischen Neonazismus herabzulassen. Die Veröffentlichung von „Der Blutharsch“ scheinen oft das Dritte Reich und Krieg allgemein zu verherrlichen. Dazu tragen optische Mittel bei: Es werden die Sig-Rune (bekannt als das S der SS im Dritten Reich) und das Eiserne Kreuz bedenkenlos verwendet. Einen Höhepunkt an faschistischer Ästhetik erreichte „Der Blutharsch“ mit dem 1998 erschienen Live-Video „Gold gab ich für Eisen“. Geboten wurde unter anderem die „Finnish version of Lili Marleen named Lisa Pien to Europäische Freiwillige der Waffen SS an Mrsch der Sturmartillerie.“ (http://drugie.here.ru/derblut/main 12.03.2000). „Lili Marleen“ wurde 1915 von Hans Leip geschrieben, welcher später durch den fragwürdigen Hit des Dritten Reichs „Bomben auf England“ traurige Berühmtheit erreichen sollte. Weiterhin verwundert die Verehrung der „europäischen Freiwilligen der Waffen SS“, welche oft Gefangene in Straflagern waren und damit dem Tod entkamen. Wie weit hier also von überzeugten Nazis geredet werden kann oder von stolzen Soldaten und Freiwilligen mag also im Raume stehen bleiben. Wilhelm Herich (von der Gruppe „Genocide Organ“), neben Albin zweiter Sänger auf dieser Tour, beendet den Mitschnitt mit den Worten „free Pinochet, Freiheit für Pinochet!“. Hier wird Solidarität mit dem grausamen Ex-Diktator von Chile gezeigt, welcher vielen Nazigrößen nach dem Untergang des Dritten Reichs Unterschlupf gewährte. Weiterhin wurde er dafür bekannt, dass er viele seiner politischen Gegner in einem Sportstadion foltern und töten ließ. Weiterhin wird in dem Video eine Flasche mit einem Hakenkreuz-Etikett in die Kamera gehalten1.
Auch „Graumahd“ gehören in das Umfeld dieser Wiener „Neofolk“-Szene. Mit dem Gitarrist Jörg B. gibt es sogar personelle Überschneidungen mit „Der Blutharrsch“. Desweiteren beteiligte sich „Graumahd“ an einer rechten Compilation mit dem Titel „Wir rufen deine Wölfe“. Diese ist dem Begründer des „Neuen Nationalismus“ und Kämpfer gegen die Weimarer Republik Friedrich Hielscher gewidmet.2
Dies ist bereits die zweite Veranstaltung mit „rechten Künstlern“ in der Discothek Blackout. Am Sa 16.04.05 trat in diesem Rosenheimer Club bereits „Allerseelen“ auf. Diese Band und ihr Frontmann Gerhard Petak sind führende Protagonisten, die das Musikgenre Dark Wave nutzen um ihre rechtsextreme Ideologie zu transportieren.
Der AK Antifaschismus fordert das Blackout auf, diese Veranstaltung abzusagen und zukünftig seine Räumlichkeiten nicht mehr für rechte Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. An alle demokratischen Kräfte appelliert Michael Kurz, ein Sprecher des Bündnisses, sich eindeutig zu positionieren und gegen jede Form von rechten Aktivitäten aktiv zu werden. „Währet den Anfängen“ so Kurz wörtlich.

Quelle: AK Antifaschismus Rosenheim

  1. Die Informationen sind der Internetseite http://www.turnitdown.de/208.html entnommen, dort gibt es weitere umfangreichere Informationen zu „Der Blurharrsch“ [zurück]
  2. Die CD wurde im übrigen auf dem Label „Aorta“ von Petak (Allerseelen) veröffentlicht, die LP-Fassung auf „Ahnstern“, einem Sublabel von „Steinklang Records“ (Österreich). Auch das Steinklanglable wird am 22.10 mit einem Verkaufsstand im Blackout anwesend sein. [zurück]

Rechte Tendenzen in der Wave- und Gothic-Szene

Rechte Tendenzen in der Wave- und Gothic-Szene
Von Arne Gräfrath

Zum Anfang eine Erklärung zum Begriff Wave- und Gothic-Szene. In dem folgenden Text umfasst dieser Begriff die gesamte Bandbreite der sogenannten schwarzen Szene mit all ihren Spielarten von Darkwave, Gothic, EBM, Industrial bis hin zur Fetisch-Szene, auch in dem Bewusstsein, dass manche(r) in eine Ecke gedrückt wird, in der sie/er nicht hineingehören.

Seit etwa Ende der Achtziger Jahre wurde in der Wave- und Gothic-Szene immer wieder rechte Tendenzen im Bezug auf Musik-Bands beobachtet. Aber weder allgemeingültige (rechte) Entwicklungen lassen sich in der Wave- Gothic-Szene (WGS) definieren, noch lassen sich die Inhalte der Gruppen und Personen repräsentativ für diese Musik- und Kulturszene ableiten. Es handelt sich aber hier um akzeptierte Erscheinungen in dieser Szene.

Rechte Einflüsse auf die Wave-Gothic-Szene

Versuche von Neonazis in die Wave-Szene einzudringen, gibt es schon so lange, wie die Szene an sich existiert. Die Wave-Gothic-Szene entwickelte sich aus der Punkbewegung der Siebziger Jahre – sie verstand sich allerdings als unpolitische Gegenkultur. Jeder Meinung, die verbindende Elemente zur Wave Szene besass, stand man tolerant gegenüber (und ermöglichte so den Rechten erste Erfolge). Auffällig ist dabei, dass Toleranz oftmals mit Kritiklosigkeit, Ignoranz und Beliebigkeit verwechselt wird. Gerade bei der Kritiklosigkeit gegenüber neofaschistischen Meinungen und Inhalten wird ein Widerspruch innerhalb der Szene am deutlichsten – einerseits versteht sich die WGS als Kritik und Gegenkultur zur menschenverachtenden-technokratischen Gesellschaft, anderseits wird selber mit Symbolen kokettiert, die menschenverachtender nicht sein können. Verbindende Elemente zur Neonaziszene sind Esoterik, Okkultismus und Neoheidentum.

Als The Cure 1979 den Song »Killing an Arab« veröffentlichte, gab es die ersten Versuche britischer Neonazis (die der BNP – British National Party) in der Punk-/Wave-Szene Fuss zu fassen und den Song und die Band für sich zu vereinnahmen. Dies scheiterte jedoch daran, dass The Cure sich sofort vehement gegen diese Entwicklung aussprachen und es auf den Konzerten regelmässig zu Auseinandersetzungen zwischen anwesenden Neonazis und Grufties kam. Mit dem Aufkommen von sogenannten Neofolk-Bands Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre bestimmten immer mehr Heidentum und Elemente faschistischer Ideologie die Ikonographie der WGS. Auch ein deutliches Interesse der sogenannten »Neuen Rechte« (besonders der rechtsextremen Zeitschrift Junge Freiheit) an der Gegenkultur der Grufties war zu erkennen.

Roland Bubik, Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und Autor der Jungen Freiheit (JF) schrieb im Kulturteil der JF im Herbst 1993: »…die Jugendkultur von heute bietet erfolgversprechende Ansätze (…) Ein merkwürdiges Bewusstsein, in einer Phase des Niedergangs zu leben, ist virulent, vom ’age of destruction’ ist die Rede, die Parties der Tekkno-Szene gleichen makabren Totenfeiern einer Epoche. Man (…) misstraut der Erklärbarkeit der Welt, wendet sich sogar rückwärts, etwa in Form der verschiedenen Independent-Szenen.« In seinen Texten beruft sich Bubik auf den italienischen Kulturphilosophen und Vertreter der Anti-Moderne Julius Evola (1898 – 1974), den Umberto Eco einen »faschistischen Guru« nannte. Evolas »Revolte gegen die moderne Welt« glaubt Bubik in der Dark Wave Szene wieder zu finden. Nachdem Bubiks Träume von der Techno-Szene (»Stahlgewitter als Freizeitspass«) sich bald als Schäume entpuppten (»seelische Vergewaltigung durch Beat-Computer und Masse«), vermeinte er in der Neo-Folk- und Gothic-Szene Anknüpfungspunkte zu finden. Er nennt Bands wie Dead Can Dance oder Qntal, deren »mittelalterliche ‚Musik’ eine andere Sprache als die der Moderne« spreche. In Wahrheit haben beide Bands nichts mit rechtem Gedankengut zu tun. Qntal gehören in den Kreis der deutschen Dark Wave – Bands (Deine Lakaien, Estampie, Das Ich), die sich wiederholt und vehement gegen den rechten Kulturkampf zu Wort gemeldet haben (siehe auch Aufruf zum Dark-X-Mas-Festival 1992). Und Bubiks Redaktionskollege Peter Bossdorf (s.u.) musste feststellen, dass Dead Can Dance längst nicht auf eine Rezeption mittelalterlicher Musik zu reduzieren sind und keine (musikalischen) Grenzen kennen. Anlässlich ihrer CD »Spiritchaser« (4 AD/Rough Trade 1996) stellt er enttäuscht fest: »Man parodiert in gezierter Pose den Orient, (…) begleitet von nicht mehr an Langeweile zu übertrumpfenden Percussion-Einlagen der Marke Dschungel. (…) Wenn dies Weltmusik sein soll, ist die Welt nicht zu beneiden.« (JF 29/96).

Doch es gab durchaus reale Anknüpfungspunkte in der Szene: Bubiks Lebensgefährtin Simone Satzger (alias Felicia), Sängerin der Gruft-Band Impressions Of Winter, propagierte 1995 eine rechte Kulturinstrumentalisierung und empfahl, »sich aktuellen kulturellen und politischen Phänomenen zu öffnen, um sie für die eigenen Zwecke zu nutzen.«1

Darüber hinaus existierten schon damals eine Reihe von Bands mit tatsächlich rechten Inhalten. Von Interesse für die »Neue Rechte« war zudem ein in der Gothic-Szene verbreiteter Hang zum Mystischen. Auch die Bezüge von Teilen der Szene zu Romantik, Heidentum und Esoterik sind für die Rechten von Interesse, da sie ein Anknüpfungspunkt für rechte Propaganda sind.

Bands, Verlage, Fanzines – die Verquickung von Kommerz und Ideologie

Die »Operation Dark Wave« nahm in der Jungen Freiheit ihren Lauf. &Üuml;ber einen Nachwuchswettbewerb konnte eine mit Dark Wave vertraute Schreiberin gefunden werden, die freilich bald das Handtuch schmiss. Sie warnte in einem offenen Brief an Rainer »Easy« Ettler, dem Herausgeber der Szenezeitschrift Zillo, eindringlich vor dem rechten Kulturkampf und gab den Gothics mit auf den Weg, dass sie für die Rechten nur »nützliche Spinner auf dem Weg zur Macht« seien. (Leider wurde der Brief vom Zillo nie abgedruckt, obwohl er 1996 genau dort hingehört hätte und bis heute keine breite Debatte darüber stattgefunden hat).

Mit Peter Bossdorf, der auf eine lange Vergangenheit u.a. im Thule-Seminar und bei den Republikanern zurückblicken kann, konnte Mitte der 90er Jahre ein Junge Freiheit-Redakteur in der auflagenstärksten Zeitschrift der »Independent Szene« platziert werden: Das Zillo war sich zudem nicht zu schade, wiederholt rechte Anzeigen abzudrucken, darunter auch der Jungen Freiheit (Zillo 2/96). Die Liaison Zillo/Junge Freiheit war aufgrund von Protesten aus der Szene bekannt geworden: das Hamburger Wave-Label »Strange Ways« (u.a. »Goethes Erben«) und der Vertrieb Indigo machten den Skandal öffentlich. Nach dem Tod des Zillo-Chefredakteurs Rainer Ettler wurde Peter Bossdorf im Frühjahr 1997 endlich vor die Tür gesetzt.

Doch damit ist der rechte Kulturkampf nicht zu Ende. Mittlerweile haben sich feste Strukturen herausgebildet und vernetzt. Verlage, Zeitschriften und eine ganze Reihe von Bands sind durch eine kontinuierliche Arbeit für die Sache einer rechtsextremen »Kulturrevolution« aufgefallen.

Exkurs: Death in June

In erster Linie sind Death in June zu nennen. Sie schafften es zu einem Novum: 1997 erschien ein Artikel über die Band in der »Bravo« der Nazi-Skins, der RockNord, einer rechtsextremen Skinheadzeitschrift. Der Name ist bei der Band Programm: Sie berufen sich offen auf den »national bolschewistischen« Flügel der NSDAP um SA-Führer Röhm, der am 30. Juni 1934 in der sogenannten »Nacht der langen Messer« auf Weisung der NSDAP- Führung umgebracht wurde.

Ebenfalls zu nennen wäre das Fanzine »Sigill« (Untertitel: Magazin für die konservative Kulturavantgarde Europas), das in seiner Konzeption vielleicht ernstzunehmendste rechte Blatt der schwarzen Szene. In Sigill kommt der Kern des rechten Segments der Dark-Wave-Szene zu Wort: Death In June, Sol Invictus, Radio Werewolf, Kirlian Camera, Orplid, Strength Through Joy, Allerseelen, Forthcoming Fire, The Moon Lay Hidden Beneath a Cloud usw. Auch wenn Sigill viel Wert darauf legt, nicht als Nazi-Blatt angesehen zu werden, so spricht doch die Autorenschaft von Leuten wie Markus Wolff (Waldteufel), Kadmon (Allerseelen) oder Martin Schwarz, der auch für das NPD-Blatt Deutsche Stimme schreibt, eine andere Sprache. Ebenso ihre durch die »Deutsch-Maschine« gezwirbelten Artikel: so heissen Compact Discs bei Sigill nicht CDs, sondern Lichtscheiben… So wird auch sprachlich vorbereitet, was Sol Invictus mit Freude besangen: »The Death Of The West«. Das rechtsextreme Label mit angegliederten Buchverlag VAWS ist ein weiteres Beispiel.

Viele Mitglieder rechter Neo-Folk und Industrial-Bands arbeiten nebenbei in rechtsextremen Verlagen und an Zeitschriften, die das auch in den Songtexten vorhandene rechte Gedankengut in intellektueller Form vertiefen. Fans werden auf Dauer nicht dabei stehen bleiben, nur die Platten ihrer geliebten Künstler zu kaufen, sondern sich auch für die schriftlichen äusserungen interessieren. Gemeinsam ist praktisch allen der genannten Zeitschriften ein Mix aus Berichterstattung über neurechte Bandprojekte aus dem Neo-Folk, Black Metal und Industrial, heidnischen Themen, Germanen-, Kelten- und Wikinger-Kult, Runenkunde und mehr oder weniger deutlich ausgeprägten nazistischen, antisemitischen oder nationalrevolutionären Themen. Immerwiederkehrend ist auch die Berufung auf die »Meinungsfreiheit«, die »Künstlerische Freiheit« und ein »Freidenkertum« jenseits von »Schablonen« wie links und rechts. Auf den ersten Blick macht das die Sache sehr verwirrend und widersprüchlich, wenn Leute wie Moynihan sich etwa als »Anarchisten« bezeichnen, gleichzeitig aber liberale und demokratische Freiheiten ausnutzend sozialdarwinistisches, antisemitisches und rassistisches »Blut und Boden«-Gelaber vom Stapel lassen und sich in rechten Zirkeln tummeln oder sie gar selbst gründen.

Auch wenn die Auflage aller rechten »Wave«-Zeitschriften kein Anlass zur Panik gibt, so sind sie doch wichtige Bindeglieder zwischen Grufties, die an den besprochen Bands oder am Heidentum interessiert sind, und dem rechten Kulturkampf. Dieser rehabilitiert auf diesem Wege die ganze esoterisch-mystische Seite des Nazi-Regimes (etwa das SS-Ahnenerbe und seine Wewelsburg bei Paderborn), die nationalrevolutionären Strömungen des NS wie etwa die SA, den italienischen Faschismus und die eng mit ihm verwobene Kunstrichtung des Futurismus, die faschistischen Eisernen Garden aus Rumänien und ihren Gründer Corneliu Codreanu Nazi-Künstler wie Riefenstahl, Thorak und Speer, Germanenkult, Sozialdarwinismus und Antisemitismus und damit entscheidende Ideologiebestandteile faschistischer, nationalrevolutionärer und nationalsozialistischer Gruppen und Organisationen. Auch über die oft spielerisch verbrämte Enttabuisierung von Symbolen wie dem Haken- oder dem Kruckenkreuz und der Etablierung von germanischen Runen versuchen die Rechten Schritt für Schritt den Blick auf das Dritte Reich und letztlich das ganze Weltgeschehen in ihrem Sinne zu verändern.

Auf bestimmten Festivals wie dem Internationalen Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, auf Konzerten sowie in entsprechenden Plattenläden ist ein Grossteil der erwähnten Magazine zu erwerben und die Platten stehen auch in Läden, deren Betreiber weder rechts noch ahnungslos sind. Kommerzielle Interessen machen es dem rechten Kulturkampf besonders leicht.

Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang, dass ein Grossteil der Fans von Bands wie Death In June, Sol Invictus oder Kirlian Camera selbst nicht rechts ist, sondern nur auf die Musik dieser Neo-Folk-Bands steht. Das »rechte Image« der Bands ist den meisten bekannt. Doch gerade in Deutschland ziehen sich die Fans gerne auf in Musikzeitschriften veröffentlichte Distanzierungserklärungen und Ausreden der Bands zurück, die besagen, dass die Kritiker die Bands ja nur »missverstehen« würden. Es gibt aber belegte Fälle von Fans, die über die Beschäftigung mit Neo-Folk-Bands sich plötzlich für die protegierten Ideologen wie Ernst Jünger oder Julius Evola interessierten und schliesslich fasziniert davon selbst Teil des rechten Kulturkampfes wurden. Den Fans, die tatsächlich nichts damit zu tun haben wollen, fällt der Abschied von »ihrer Band« oft schwer. Immer wieder konnten wir regelrechte schmerzliche Abschiedsprozesse beobachten, was wohl jeder nachvollziehen kann, der sich vorstellt, sich von seiner Lieblingsband trennen »zu müssen«.

Quelle: D-A-S-H

  1. in: »Elemente«, veröffentlicht in Bubiks (Hg.) »Wir 89er«, 1995 [zurück]