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Nazikonzert am Osterwochenende in der Tanzbar Palette / Halle

Im Folgenden dokumentieren wir eine Presseerklärung der studentischen Initiativgruppe an der Uni Halle “Turn it down! Halle”:

Initiative „Turn it down! Halle“
Initiative von Studenten der Martin-Luther-Universität Halle
turndown.halle@gmail.com

Fraktionen im Stadtrat der Stadt Halle,
ausgewählte Vereine der Stadt und
ausgewählte Zeitungsredaktionen

Nazikonzert am Osterwochenende in der Tanzbar Palette angekündigt.
Die Stadt Halle darf kein Forum für Rechtsextremisten bieten.

Am Ostersonntag soll in der Tanzbar Palette (Halle/Saale) zum wiederholten Mal ein rechtes Dark-Wave Konzert stattfinden. deutsch nepalFür den 23. März 2008 ist ein Konzert mit den beiden Bands „Sol Invictus“ und „Deutsch Nepal“ angekündigt. Beide Bands sind bekannte Größen in der rechten Neofolk-Szene. Bereits 2005, bei ihrer letzten Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, gab es massive Proteste gegen die Band „Sol Invivctus“. Die Konzerte in Darmstadt (21.01.), Wien (25.01.), Zürich (29.01.) sowie Berlin (25.02.) wurden aufgrund der verschiedensten Interventionen abgesagt.
Wie die vergangenen rechten Dark-Wave-Konzerte in der Palette wird auch dieses von Uwe Nolte organisiert. Die persönlichen Kontakte zu den Betreibern der Tanzbar Palette und seine Tätigkeit als Security in der Palette ermöglichten ihm in der Vergangenheit die reibungslose Durchführung dieser Veranstaltungen. Sollte der Auftritt von „Sol Invictus“ und „Deutsch Nepal“ nicht abgesagt werden, wird billigend in Kauf genommen, dass rechtsextreme Positionen unter dem Deckmantel der Kunst salonfähig gemacht werden. Dass dies den Trägern rechtsextremer Ideologien enormen Zulauf verschafft, sollte man mittlerweile auch in Halle begriffen haben.

Neofolk-Bands wie „Sol Invictus“ nutzen die Gothic-Szene für Verbreitung von Nazi-Codes

Die rechte Szene hat sich in den letzten Jahren diversifiziert und ist nicht mehr an einem einheitlichen Musikgeschmack oder Kleidungsstil zu erkennen. tony wakeford albumUmgekehrt wird auch in der heutigen Neofolk- und Gothic-Szene häufig unreflektiert und vermeintlich unpolitisch auf rechte Symboliken und Ideologien referiert, die das eigene elitäre Selbstbild stützen. Vielen Vertretern dieser Subkultur wäre offene Nazipropaganda zu vulgär. Deshalb ist es gerade der dandyhafte, betont „unpolitische“ und schöngeistige Anspruch von „Sol Invictus“, der es Wakeford (dem einzig beständigen Bandmitglied) ermöglicht, „seine Botschaft eines ‚weißen Nationalismus’ bei Zuhörern anzubringen, die man mit offen zur Schau getragenem Nazismus nicht erreicht“1.
Wakeford bekennt sich also aus taktischen Gründen nicht offen zum Faschismus, aber in seiner Verwendung faschistischer Symbole lässt sich auch keinerlei Kritik erkennen, vielmehr werden diese Zeichen ästhetisch überhöht. Auf dem Umweg über eine ästhetische Faszination wird der Weg für die hinter den Symbolen stehende Denkweise bereitet. Jedes Konzert einer Band wie „Sol Invictus“ mit ihrem Bezug auf Julius Evola und seine „Verherrlichung einer angeblich heroischen, aristokratischen, maskulinen und sonnenzentrierten Tradition einer überlegegen Rasse – Evolas persönliche Variante des arischen Mythos“2 – trägt dazu bei, die öffentliche Zurschaustellung faschistischer Codes zu enttabuisieren und alltäglich zu machen – für uns Grund genug, derartigen Bands keine Auftrittsmöglichkeiten zu bieten.

Tony Wakeford – der Star der Neuen Rechten

Die englische Neo-Folkband „Sol Invictus“ wurde 1987 von Tony Wakeford gegründet. Tony Wakeford ist eine zentrale Persönlichkeit der Neuen Rechten. Große Öffentlichkeit erreichte er mit der von ihm zusammen mit Douglas Pearce begründeten Band „Death in June“, dessen Name sich auf den Röhmputsch bezieht. In Interviews stellten Wakeford und Pearce mehrfach positive Bezüge zum Nationalsolzialismus her. Darüber hinaus präsentiert sich die Band in totalitärer und nationalsozialistischer Ästhetik, so bildet das offizielle Symbol für „Death in June“ einen modifizierten SS-Totenkopf ab. „Death in June“ war, nicht zuletzt durch Wakefords Einfluss, maßgeblich an der Entwicklung des nazistischen Neo-Folks beteiligt. 1984 musste Wakeford auf Druck von Douglas Pearce „Death in June“ verlassen, nachdem seine aktive Mitgliedschaft bei der rechtsextremen Formation „National Front“ in der Öffentlichkeit bekannt wurde. Daraufhin gründete er zusammen mit dem Bassisten der Naziband „Skrewdriver” das Projekt „Above the Ruins” und veröffentlichte ein Album auf dem Rechtsrock-Label „Rock O`Rama”, welches laut Bundesamt für Verfassungsschutz in den 1990er Jahren als europaweit größter Hersteller und Vertrieb rechtsextremistischer Musik galt. 1986 beteiligte sich Wakeford mit diesem Projekt an dem Sampler „No Surrender!“, auf dem u.a. auch die White Power-Bands „Skrewdriver“ und „No Remorse“ erschienen.

Faschistische Bezüge bei „Sol Invictus“

Sowohl der Bandname „Sol Invictus“ als auch der Titel des ersten Albums „Against the Modern World“ stellen Bezüge zu dem italienischen Philosophen Julius Evola her, der als einer ihrer rassistischen Vordenker enge Kontakte zur faschistischen Bewegung Benito Mussolinis unterhielt und auch kurzzeitig für die nationalsozialistische „Forschungs-gemeinschaft Deutsches Ahnenerbe“ tätig war. Bandname und Albumtitel nehmen Bezug auf Evolas Werk „Revolte gegen die moderne Welt“ (1934) und die von ihm häufig verwendete Metapher der „unbesiegten Sonne“. Als Vertreter eines konsequenten Antimodernismus plädiert Evola für einen autokratisch geführten Staat und ein übergreifendes „Germanien“, geführt von einer historisch-geistigen Elite. Demokratie und Gleichheitsgedanken waren ihm zuwider: Für Evola „ist jede Demokratie in ihrem eigenem Prinzip eine Schule der Immoralität, eine Beleidigung der Würde und der inneren Haltung.“3. Das Gedankengebäude von Evola, der auch nicht davor zurückschreckte, ein Vorwort für die berüchtigte antisemitische Fälschung „Die Protokolle der Weisen von Zion“ zu schreiben, zeigte dabei durchaus praktische Wirkung: „Nach der Einführung der italienischen Rassegesetze 1938 wurde Evolas ‚geistiger Rassismus’ […] als offizielle Doktrin des italienischen Faschismus verbreitet“4, deutschnepalblutharschsplitund nach dem Zweiten Weltkrieg inspirierten seine Thesen mehrere blutige Terroranschläge italienischer Faschisten. Heutzutage genießt Evola auch in deutschen Nazikreisen wieder höchstes Ansehen. „Seine Betonung von Geist, Rasse und Ordnung paßt nahtlos zur alten SS-Weltsicht einer gestählten Elite von Rassenkriegern, für die ‚Ehre gleich Treue ist’.“5

Deutsch Nepal, die Vorband des Abends ist in Neofolkkreisen ebenfalls bekannt und unterhält gute Kontakte zur Band “Blutharsch”, die zu den wichtigsten Vertretern der rechtsextremen Darkwave-Szene zählen. Die Kooperationen der Bands reichen von gemeinsamen Studio-Produktionen bis zu Live-Auftritten, bei denen sie sich unter Verwendung von nationalsozialistischen Symbolen (wie Eiserne Kreuze, Siegesrunen, Stahlhelme) in Szene setzen. Unter Konzertbesuchern und Fans der Bands finden sich nicht wenige Anhänger der extremen Rechten.

Organisiert wird das Konzert durch Uwe Nolte. Dieser hat in den vergangenen Jahren immer wieder am gleichen Ort Konzerte neuheidnisch inspirierter Dark-Wave Bands veranstaltet. Damit finden wiederholt Bands und Publikum des rechten Randes ihrer jeweiligen Szenen einen öffentlichen Raum in einem der bekanntesten Veranstaltungsorte der Stadt. Die Verbindung kultureller Angebote mit antidemokratischen, rassistischen und antisemitischen Inhalten ist eines der wesentlichen Elemente rechtsextremer Jugendkultur. Es ist zu erwarten, dass auch Fans der Naziband “Death in June” den Auftritt ihres Idols Tony Wakeford sehen wollen.

Wir fordern alle städtischen Institutionen und die Parteien der Stadt Halle auf, sofort mit den Verantwortlichen in der Tanzbar Palette Kontakt aufzunehmen und die Absage der Veranstaltung zu bewirken. Indem sie öffentlich entschieden Partei ergreifen, können sie ein Zeichen gegen ein weiteres Fortschreiten von rechtem Gedankengut im Kulturbereich in der Stadt Halle setzen.

Initiative „Turn it down! Halle“

Initiative von Studenten der Martin-Luther-Universität Halle

Quelle: Commander Master Chief

  1. übersetzt nach www.stewarthomesociety.org/wakeford.html [zurück]
  2. www.trend.infopartisan.net/trd1298/t351298.html [zurück]
  3. Dornbusch, Christian/ Raabe, Jan (Hrsg.): Rechts-Rock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategien. Münster 2002, S. 289f [zurück]
  4. www.trend.infopartisan.net/trd1298/t351298.html [zurück]
  5. www.trend.infopartisan.net/trd1298/t351298.html [zurück]

Quo vadis Darkwave? Ästhetische Mobilmachung revisited

Vor fünf Jahren erschien der Sammelband »Ästhetische Mobilmachung«, der die musikalischen Genres des Dark-Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien thematisierte.

Kern der Kritik an der Szene ist, dass verschiedene Musiker und Szeneprotagonisten einem rechten Kulturpessimismus Vorschub leisten und als Gegenentwürfe anti-egalitäre, anti-demokratische und anti-modernistische Dichter und Denker präsentieren. Die Vermittlung erfolgt allerdings weniger über eine intellektuelle kognitive Ebene, als vielmehr über eine (neo-)romantische, ästhetisierte Gefühlsduselei mit esoterischen, naturellen und naturreligiösen Bezügen. Die Grufti- bzw. »Schwarze Szene« reagierte seinerzeit verhalten auf das Buch: Während sich die eher kritischen »Geister« mit dem Inhalt auseinandersetzten, tat es der rechte Flügel als »Übertreibung« und »Lügengespinst« ab.

Ambivalenzen

Eine der Grundthesen des Buches war schon 2002, dass der rechte Flügel der Darkwave-Szene kein Äquivalent zur Rechts- Rock-Szene mit deren Eindeutigkeiten darstellt. Vielmehr sind die Musik bzw. die Interpreten in ihrer ganzen Ambivalenz zu betrachten. Die von Julius Evola inspirierte Kritik an der Moderne im Song »Death of the West« von »Death in June« setzt etwa nicht zwingend voraus, dass der Kopf der Band, Douglas Pearce, Antisemit und Israel-Hasser sein muss. Andersrum macht der permanente Verweis auf seine Homosexualität aus ihm noch keinen Antifaschisten (für einige eingefleischte Fans scheint Pearce im Übrigen seit seiner aktiven Rolle im australischen Schwulen-Porno »Vignettes« (2006) passé).

Ebenso kritisiert wird bei der Wiener Band »Allerseelen« um Gerhard Petak unter anderem die 1995 veröffentlichte CD »Gotos=Kalanda«, die auf Gedichten des SS-Brigadeführers und Himmler-Beraters Karl Maria Wiligut (»Weisthor«) basiert und mit Bildern von der Wewelsburg und deren »schwarzer Sonne« gestaltet wurde. Der 2006 veröffentlichten Vinyl-Fassung fügte Petak nun das »Lied der Häftlinge« bei, das ein ehemaliger Häftling des Konzentrationslagers Wewelsburg um 1944 geschrieben hat. Doch diese posthume »Ambivalenz« verliert ihre Überzeugung angesichts dessen, dass bei »Allerseelen « Marcel Petri mitspielt, der ansonsten auch bei »Von Thronstahl« und »Halgadom« involviert ist – letztere ist die Band von Frank Krämer, einem Mitglied der Nazi-Rock-Band »Stahlgewitter«.

Status Quo

Der rechte Rand der »Schwarzen Szene« zeigt sich nach wie vor insbesondere im Industrial und Neofolk, den heute in Deutschland vor allem »Orplid« repräsentiert. Die Band um Uwe Nolte und Frank Machau aus Halle an der Saale scheint nach wie vor voller Elan. 2006 erschien auf »Auerbach Tonträger« ihr achter Tonträger mit dem Titel »Sterbender Satyr« und jüngst veröffentlichte Nolte auf seinem Label »NolteX« alte Aufnahmen der Band sowie des frühen Parallelprojekts »Rückgrat«.

Musikalisch wirkt er unter anderem bei »Sonnentau « und »Barditus« mit. Machau indes debütierte 2005 mit seinem Soloprojekt »primus inter pares« beim Dresdener Label »Eis & Licht«, nach wie vor eine der bekanntesten Adresse für Neofolk. Aus Halle stammt auch die Gruppe »Leger des Heils« von Mario Ansinn, deren Namen sich auf eine niederländische christliche Heilsarmee bezieht und deren jüngste CD »Gloria« ebenso auf dem Dresdener Label von Stephan Pockrandt erschien. Bis 2000 hatte der die Zeitschrift »Sigill« herausgegeben und bis 2003 das Folgeprojekt »Zinnober«, das dann in die Hände von Dominik Tischleder überging und nach zwei Ausgaben eingestellt wurde. Die für Neofolk-HörerInnen entstandene Lücke füllten zwischenzeitlich nur bedingt die Zeitschriften »Black« und »Ikonen«, bis im Dezember 2006 die erste Ausgabe des Magazins »Zwielicht« erschien: »Sie ist unsere Antwort auf die uns allesamt langweilenden Musikmagazine in Internet und Zeitschriftenhandel«, schreibt Pockrandt in einer »Eis & Licht«-Rundmail. Während »Sigill« offensiv strittige Symbole abgebildet hatte und sowohl »Sigill« als auch »Zinnober« zur weltanschaulichen Bildung der Szene beitrugen, präsentiert »Zwielicht« zwar wie gehabt Interviews mit teils einschlägig bekannten Bands und rezensiert die entsprechenden Platten, doch fehlen mehr oder weniger eindeutige programmatische Einlassungen.

Im Szene-Mainstream wird neofolkloristische Musik vor allem in »Zillo« gefeatured und seit vergangenem Jahr in der »Szene-Bravo«, dem »Orkus«- Magazin. Nach und nach publizierte das Magazin Interviews oder Berichte über Bands wie »Der Blutharsch«, »Death In June« oder »Allerseelen« und präsentierte sie teilweise auf der CD zum Heft. Die Industrial-Bands vom rechten Rand der Szene, die auf strittige Symbole, markige Worte, militantes Auftreten und militaristischen Gestus setzen, fehlen indes noch. Musik von »NON«, »Genocide Organ« oder »The Grey Wolves« bricht wohl doch zu sehr mit den gängigen Hörgewohnheiten der LeserInnen. Um so mehr erstaunt, dass im Shop vor allem CDs des österreichischen Labels »Steinklang« angeboten werden, darunter die polnische Band »Cold Fusion«: »45 Minuten wunderschöner symphonischer Marschmusik… «, heißt es in der Kurzbeschreibung. Ihre Musik, eine Mischung aus Neo-Klassik und Militärmusik im düsteren Arrangement wird neuerdings als »Military Pop« bezeichnet.

Ihren Vorläufer findet die Stilistik bei »Laibach«, Les Joyaux De La Princessederen militaristisches Moment bereits das Projekt »Puissance« des schwedischen Duos Fredrik Söderlund und Henry Möller Mitte der 1990er Jahre in den Mittelpunkt rückte. Unter dem Namen »Arditi« steigerten sie das Militaristische ins Absolute und vermengten es mit offensichtlich affirmativer Faszination für den Faschismus. Anleihen nehmen die heutigen Bands auch bei der französischen Formation »Les Joyaux De La Princesse« von Erik Konofal, der seine Begeisterung für die nationalistische Rechte nie sonderlich kaschierte. Als »Military Pop« gelten ferner Gruppen wie »Allerseelen«, »Triarii« (Berlin), »A Challenge Of Honour« (Niederlande) und »Dernière Volonté« (Frankreich). Letztere konnten sich auf dem jüngsten »Wave-Gotik-Treffen« (WGT) zu Pfingsten in Leipzig präsentieren. Nach wie vor tummeln sich dort rechte Fans, teilweise auch Autoren der »Junge(n) Freiheit« oder Aktivisten der NPD. Doch längst nicht jeder Besucher, der Camouflage trägt, ist auch ein Rechter oder Neonazi.


It´s still the same old story

»Diese Szene rekurriert auf dezidiert europäische Kulturtraditionen«, erklärte Peter Matzke, Sprecher des WGT, im Interview mit der »Junge(n) Freiheit« im Juni 2003, »sie lebt etwas, das vor allem der nordeuropäischen Mentalität und Denkart entgegenkommt.« Einschränkend fügt er hinzu, dass die »Szene […] an sich apolitisch [ist] – insofern, als dass sich kein politischer Meinungs- Mainstream ergibt, der in das gängige Politikmodell eingeordnet werden könnte. Allerdings«, betont er, »ist die weitgehende Ablehnung des Wertesystems der europäischen und amerikanischen Wohlstandsgesellschaft in meinen Augen eine hochpolitische Aussage.« Diesem ablehnenden Gefühl, dem Zweifel an der Moderne und der daran anknüpfenden Suche nach Alternativen versuchen die Künstler und Szene-Protagonisten vom rechten Rand eine Richtung zu geben. Der italienische Kulturphilosoph und Vordenker des italienischen Faschismus, Julius Evola, ist nach wie vor en vogue in der Szene, wie die 2006 veröffentlichte Split-CD der US-amerikanischen Band »Changes« und »Allerseelen« zeigt. Deren Titel »Men among the ruins« ist die englische Übersetzung des Evola-Werkes »Menschen inmitten von Ruinen«.

Mit dem französischen Schriftsteller und Faschisten Pierre Drieu la Rochelle setzte sich »Dernière Volonté« auseinander. Das chilenische Projekt »Der Arbeiter« zeigt sich indes inspiriert vom »esoterischen Hitleristen« Miguel Serrano, während sich der Titel des »Barditus«-Albums »Die letzten Goten« auf einen Abschnitt aus dem Roman »Ein Kampf um Rom« von Felix Dahn bezieht. Dahn gilt als einer der wichtigen Romanciers völkischen Gedankenguts des späten 19. Jahrhunderts. Und die Compilation »Die Geburt des Jahrtausends«, 2003 auf »Steinklang« verlegt, erschien in »Gedenken an Kurt Eggers und Ludwig Fahrenkrog«. Ersterer war während des Nationalsozialismus zunächst Dichter und Autor völkischer Literatur und im Krieg Panzerkommandant bei der Waffen-SS. Fahrenkrog gehörte zu den Völkischen und gründete 1912 die »Germanische Glaubens-Gemeinschaft«.

»Jenseits von Sieg und Niederlage eint uns der Wille und die Vision. Wir marschieren gegen den Geist der Zeit, Ausbeutung, Egoismus, Korruption. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, mit ihrer Kraft sind wir verbunden. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, für Europas neue Sternstunde. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, denn sie ist unser Erbe. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, auf dass es morgen werde!«, singen »Belborn« auf einer gemeinsamen CD mit »Rose Rovine e Amanti« 2006 mit Blick auf die »Eiserne Legion« des rumänischen Faschistenführers Corneliu Zelea Codreanu. Und im »Hagal«-Magazin betonte Michael Moynihan von »Blood Axis« im vergangenen Jahr, nachdem er auf die »Referenzen« seiner Musik angesprochen wurde: »Im weitesten Sinne gilt unser Bekenntnis dem indo-europäischen Raum, und hierin besonders den germanischen und keltischen Völkern, deren Blut noch immer in unseren Adern strömt. Ich habe vor jedem Respekt, der treu zu den Traditionen seiner Ahnen steht, was in diesem Zeitalter der Atomisierung und Anomie selbst schon zunehmend als ketzerisch gilt«.

Wiederbelebte und gerufene Geister »Ein großes Verdienst dieser Jugendkultur ist es sicherlich, das Interesse jüngerer Generationen für jene Ideen geweckt zu haben, die in der One-World keinen Platz mehr haben dürfen, nämlich das Wissen um das Heimatgefühl, die Riten und Traditionen, die Volksseele, das Europa der Vaterländer. Diese Kunstgattung transportiert jene Inhalte besser, weil spielerisch, als jede Vortragsreihe eines Theoretikers«, urteilte Brynhild Amann im Herbst 2006 begeistert in der österreichischen Zeitung »Neue Ordnung«. Sie muss es wissen: Hinter dem Pseudonym steht die ehemalige Sängerin des Duos »The Moon lay hidden beneath a Cloud«, das sich 1998 auflöste.

Pathos und Hang zu großen Worten, blutharschKulturpessimismus und Verherrlichung des Vergangenen sowie Begeisterung für die so genannten »Männer der Tat« faszinieren aber nicht nur die »Grufties« am rechten Rand der Szene. An der Kasse des »Blutharsch«- Konzerts im April 2006 saß Hartwin Kalmus, Betreiber des RechtsRock-Label »Ragnarök Records«, ehemaliger Vize von »Blood & Honour« Baden und angeblich »zweiter Chef« der vermuteten Nachfolgeorganisation »Division 28«. Auf den Rezensionsseiten des Magazins »Hier & Jetzt« der »Jungen Nationaldemokraten « werden mehr Darkwave-Scheiben besprochen als RechtsRock-Produkte und seit Jahren schon berichtet die NPD-Postille »Deutsche Stimme« regelmäßig über das WGT, auf dem vor ein paar Wochen auch wieder der »Verlag und Agentur Werner Symanek« mit einem Verkaufsstand präsent war.

Nachdem aber dieses Jahr Festivalbesucher mit einschlägigen Band-T-Shirts, SS-ähnlichen Uniformen und »Thor-Steinar«-Klamotten angegangen wurden, stellte der NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel knapp vier Tage später eine »Kleine Anfragen zu linksextremistischen Überfällen auf Konzertbesucher« im sächsischen Landtag. Sein Ärger rührt wohl noch von dem im letzten November durch antifaschistische Öffentlichkeitsarbeit verhinderten Konzert von »Sagittarius« und »Shava Sadhana« her, das im Haus der Burschenschaft »Dresdensia-Rugia« in Gießen stattfinden sollte, zu deren »Alten Herren« er gehört. Beworben wurde die Veranstaltung mit dem Titel »Wolfstanz« vor allem von »Neo: Form«, dem »Portal für konservative Musik« von Mirko Peters von der »Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks«.

Am rechten Rand der »Schwarzen Szene« hat sich ein illustrer Kreis etabliert. In München tummelten sich gar Aktivisten der Kameradschaft »Autonome Nationalisten München« wie selbstverständlich im lokalen Szenetreff »Club Millenium«. Selbst der örtliche Führungskader Hayo Klettenhofer eckte mit seinem SS-Generalsmantel nicht an.

von Christian Dornbusch

dieser Artikel erschien im Rechten Rand Nr.107, Juli / August 2007

Quelle: Turn it down

In rosa Watte

Wird ihr die Verharmlosung des Judenmords vorgeworfen, meint der Holocaust für die Dark-Wave-Band »Death In June« im Zweifelsfall eine »vulkanische Landschaft«.
von christian dornbusch und andreas speit

Die Eingabefrist für den »Death in June Art Contest« ist abgelaufen. Bis zum 1. Mai dieses Jahres konnten die Fans zum Thema »Visualize DIJ« ihre Beiträge für den Wettbewerb einreichen, der von Neo-Form, dem Online-Magazin »für Neofolk, Industrial, Avantgarde und Kultur« veranstaltet wird. Die Teilnahme sei einfach: »Visualisiert einen Song von Death in June! Fotos, Fotomanipulation, Malerei (…) jede Art der visuellen Kunst ist zur Teilnahme berechtigt.« Der Gründer der Band »Death in June«, Doug­las Pearce, werde über »jedes neue Kunstwerk« informiert, und der Gewinner soll von ihm persönlich geehrt werden.

Der subkulturelle Gestus der Dark-Wave-Szene, zu dem eine gewisse Introvertiertheit und Intellektualität gehören, dürfte sich ästhetisch und konzeptionell in den eingereichten Beiträgen widerspiegeln. Dies könnte auch die Ähnlichkeit zu Wettbewerben übertünchen, die etwa Bravo gerne veranstaltet: »Mal ein Bild von deinem Superstar, bau eine Collage!« Hauptgewinn: Besuch beim Star!

»Irgendwie scheinen dem Kunstwerk auch Grenzen gesetzt zu sein, wenn man es per Mail schicken soll«, kommentiert jedoch ein Interessierter im Forum. Ein anderer Fan von »Death in June« hingegen könnte es sich vorstellen, gleich eine CD seiner Lieblinge zu visualisieren: »Also ›Rose clouds of Holocaust‹ wäre bei mir eine Art Modelleisenbahn mit entsprechendem Lager, und aus dem Schornstein kämen rosa Wattebällchen. Huuuaaar makaber!«

Provokanter Scherz oder politischer Ernst? Seit Jahren lieben Protagonisten aus der Dark-Wave-Szene das Spiel mit vermeintlichen Tabus. Ein Bestandteil dieses Spiels sind die erwartbaren Reaktionen von Kritikern. Echauffieren sollen sie sich. Die Spielregeln sind bekannt: Nach einer Aussage, etwa einer Idealisierung oder Relativierung des Holocaust, erfolgt die Erwiderung: Derlei sei keineswegs beabsichtigt, die Fans würden das provokante Konzept erkennen, und nur die Kritiker könnten nicht zwischen ästhetischen Motiven und politischen Aussagen unterscheiden.

Die Independent-Szene versteht sich selbst, wie vermutlich alle Popszenen, größtenteils als »unpolitisch«. Die Fans mögen die Musik der frühen Szenestars »Joy Division« oder die Lieder von »Goethes Erben«. Mit den melancho­lisch-romantischen Klängen oder harten Rhyth­men verbinden sie weder politische Aussagen noch politische Motive. Die rechten kulturkritischen Töne überhören so einige Fans immer noch gern, etwa wenn Pearce den Band-Klassiker »Death of the West« singt: »They’re making the last film / They say it’s the best / And we all helped make it / It’s called the death of the West / The kids from fame / Will all be there / Free Coca-Cola for you!«

Die Daily Soap und die Getränkemarke stehen im Song als Synonym einer »Unkultur« des amerikanischen Westens, die sich in aller Welt ausbreite. Die Rettung scheint Pearce im Wiedererwachen einer heidnischen Tradition in Europa zu sehen, wenn er intoniert: »A star is rising in our northern sky / And on it we’re crucified.«

Seit Anfang der neunziger Jahre sind rechtsextreme Tendenzen in der »Schwarzen Szene« evident. Einer der Trendsetter ist bis heute die Band »Death in June«, die im Jahr 1981 von Douglas Pearce und Tony Wakeford gegründet wurde. Bereits der Name »Tod im Juni« ist eine Aussage, nämlich eine Reverenz an den SA-Führer Ernst Röhm. Im Interview mit dem Magazin Zillo erzählte Pearce einmal: »Auf der Suche nach einer zukünftigen politischen Perspektive stolperten wir über den Nationalbolschewismus, der sich wie ein Leitfaden durch die Hierarchie der SA zog.«

Die Band war nicht die einzige, die auf der Suche nach neuen ästhetischen Inspira­tionen auf alte politische Ideen stieß. »Allerseelen«, »Blood Axis«, »Von Thronstal«, »Der Blutharsch« oder »Waldteufel«, all diese Bands ließen sich in ihrer Beschäftigung mit den Themen der Szene – nämlich Tod, Zerfall, Treue, Liebe, Reinheit, Einfachheit und Natürlichkeit – von rechtsextremen Ideologemen, Symbolen und Metaphern anregen.

Sie bedienen sich bei völkischen Künstlern, konservativ-revolutionären Literaten, faschistischen Theoretikern und manchmal eben auch bei nationalsozialistischen Funktionären. In ihren ästhetischen Projekten komprimieren sie die antimodernen Mo­tive der extremen Rechten zu einer politischen Synthese, durch die der individuelle Pessimismus und die kollektive Melancholie der »Schwarzen Szene« zum heroischen Realismus und totalen Antimodernismus der braunen Szene wird.

Dabei ist weniger das einzelne vermeintlich »Tabuisierte« oder »Häre­tische« problematisch, sondern die Kombination und der Kontext der rekurrierten Metaphern und Mythen. Mögen die rechtsextremen Dark Waver sich damit verteidigen, die Synthese von faschistischen Ideologiefragmenten sei »reine Kunst« und die faschis­tische Ästhetik »reiner Fetisch«, sind sie es selbst, die mit diesen Operationen ihre Ästhetik politisieren, und nicht erst die Kritiker, die darauf aufmerksam machen.

Die Anleihen bei den Nazis bewogen das frühere Bandmitglied Patrick Leagas zum Ausstieg. »Wir hatten gerade ein Konzert in Bologna absolviert«, erzählte er rückblickend, »als sich eine junge Frau näherte und schrie: ›Ich hoffe, deine Mutter hasst dich!‹ (…) Wir trugen SS-Uniformen in einer Stadt, in der rechtsradikale Terroristen gerade viele Menschen umgebracht hatten. Ich schämte mich.«

In der Lyrik, dem Artwork des Booklets oder bei den Live-Auftritten wartet man vergeblich auf eine Dekonstruktion der nationalsozialistischen Motive. Vielmehr verdichten die rechtsextremen Dark Waver die harmonische Inszenierung zu einem »faschistischen Stil«, den auch der neurechte Theoretiker Armin Mohler schätzte.

In diesem Stil, meinte Mohler, drücke sich die Sehnsucht nach einer »un­bedingteren Lebensform« aus, die nur in Grenzerfahrungen des antibürgerlichen Lebens erlebt werden könnten, vom Drogengenuss bis zum Sturmangriff.

So inszeniert »Blutharsch« permanent Kampf und Tod als nihilistischen Akt. Vielleicht denkt die Band dabei an Gottfried Benns Einlassungen über die »Liebe zur Gefahr« oder »die schönen Ideen, für die man stirbt«. Die Glorifizierung des Kriegs geht, bemerkte Walter Benjamin, mit der Idea­lisierung von Brutalität und Barbarei einher.

Wie bewusst Pearce Stile, Symbole und Metaphern verwendet, erläuterte er selbst: »Death in June hat immer alles mit sündlos gutem Geschmack getan und mit dem passenden Verständnis für die Ästhetik und den Symbolismus hinter solchen Dingen.« Das Bandlogo, der SS-Totenkopf, sym­bolisiere denn auch »den totalen Ein­satz« und zeige den Feinden, »dass sie nicht toleriert werden«.

Angesichts dessen dürfte die Idee des Fans, der mit »verspielten Bildern« eines Vernichtungslagers das Cover von »Rose clouds of Holocaust« gestalten möchte, nicht überraschen. Solche Assoziationen dürfte Pearce jedoch unterbinden wollen. Insbesondere, seit ein Rechtsstreit wegen der CD anhängig ist. Im vergangenen Jahr wurde nämlich das Album »Rose clouds of Holocaust«, das bereits im Jahr 1995 erschienen ist, auf Empfehlung des Brandenburger Landeskrimi­nalamts von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert.

Im Titelsong singt Pearce: »Rose clouds of Holocaust / Rose clouds of flies / Rose clouds of bitter / Bitter, bitter lies / And when the angels of ignorance / Fall down from your eyes / Rose clouds of Holocaust / Rose clouds of lies.« Die anfänglich klare Aussage wird im folgenden kryptischer: »Rose clouds of twilight truth / Rose clouds of night / Rose clouds of harvested / Love, all alight / And when the ashes of life / Fall down from the skies / Rose clouds of Holocaust / Rose clouds of lies.«

Die Irritation, die der Text auslöste, wurde von der Single-Auskopplung »Sun Dogs« verstärkt. Deren Cover zeigt ein linksdrehendes, aus Hundeköpfen gebildetes Haken­kreuz mit einer blühenden roten Rose in der Mitte. Doch natürlich war alles nicht so gemeint, wie man als unbedarfter Beobachter hätte annehmen können. Vor beinahe zehn Jahren, als die Wochenzeitung Junge Freiheit Pearce nach seiner »Inspiration« für das Stück »Rose clouds of Holocaust« fragte, verwies er auf ein Naturerlebnis in Island.

Gegenüber der Bundesprüfstelle er­neuer­te er diese Geschichte: »Ich erfuhr ein spirituelles Erlebnis.« Das Wort »Holocaust« bedeute »verbranntes Opfer«, und Island sei eben voller Vulkane. »Die vulkanische Land­schaft ist der ›Holocaust‹, von dem hier die Rede ist.« Dieser »Holocaust« habe nichts gemein mit der »Verfolgung und Vernichtung von Juden, Homosexuellen, Zigeunern und anderen in Deutschland während der Zeit des Dritten Reichs«.

Die Prüfstelle ließ sich von diesen Einlassungen allerdings nicht überzeugen und blieb bei der Auffassung, dass der Verfasser »den Holocaust während des sog. ›Dritten Reichs‹ mit Lügen« gleichsetze. Diese »Lüge vom Holocaust«, meinte die Behörde weiter, soll »wie ›die Engel der Ignoranz‹ von ›den Augen der Menschen‹ ›abfallen‹«. Zudem sei »Holocaust« ein »feststehender Begriff für die Ermordung von Millionen Menschen in Konzentrationslagern«. Dass der Verfasser den Holocaust als »Rosenwolke«, mit »Rosenwolken aus bitteren Lügen« und einer »zwielichtigen Wahrheit« beschreibe, impliziere, dass er diesen Massenmord »als Lüge entlarven« wolle. Gegen die Entscheidung wurde eine Klage eingereicht, wie eine Sprecherin der Behörde der Jungle World berichtete.

Gleichzeitig dürfte die Indizierung die Platte endgültig zum »Kultobjekt« erheben – und zwar nicht nur bei eingefleischten Fans. Diesen Effekt kann man fast schon klassisch nennen.

Anfang der neunziger Jahre, als die Intellektuellen der »Neuen Rechten« damit begannen, sich in bestimmte popkulturelle Szenen einzumischen, und fast gleichzeitig Intellektuelle aus der »Mitte der Gesellschaft« auf den rechtsextremen Ideologie- und Symbolfundus zurückgriffen, betonte Umberto Eco: »Um tolerant zu sein, muss man die Grenzen dessen, was nicht tolerierbar ist, festlegen.« Man könne nicht das Tolerierbare ablehnen und zugleich tolerant sein. Indizierungen markieren Grenzen. Aber sie ersetzen keine Diskussionen.

Quelle: Jungle World

Zur Sol-Invictus Tour 2005

Stellungnahmen zu den abgesagten Sol Invictus-Konzerten

Die englische Neofolk-Band Sol Invictus um Tony Wakeford plante im Rahmen ihrer Neuveröffentlichung eine Tour durch mehrere Städte. Im Vorfeld dieser Veranstaltungen kam es in zahlreichen Städte zu Diskussionen über die politische Positionierung von Tony Wakeford und seiner Verankerung in das rechte Neofolk-Netzwerk. Schließlich wurde die Konzerte in Darmstadt (21.01.), Wien (25.01.), Zürich (29.01.) sowie Berlin (25.02.) aufgrund der verschiedensten Interventionen abgesagt. Auch eine kurze Erklärung Wakeford´s, die im Rahmen der Auseinandersetzungen am 18.01. veröffentlicht wurde, konnte die Fakten nicht im geringsten entschärfen. Die geplante Konzerte in Augsburg (22.01.) und Jena (26.02.), welches maßgeblich von dem rechten Konzertveranstalter lichttaufe.de organisert wird, sind weiterhin aktuell.

Konzertabsage (Goldene Krone Darmstadt)

Nachdem wir von vielen Email-Adressaten und Gästebuchträge auf die angeblich rechtsextreme Gesinnung des Musikers hingewiesen worden sind, hat die Goldene Krone das Konzert mit der umstrittenen Gruppe Sol Invictus am Fr.21.1.2005 unverzüglich abgesagt!

Da das Booking über einen externen Veranstalter erfolgte, waren uns im Vorfeld keinerlei Informationen über die Band bekannt. eines dieser emails im Wortlaut:

Die rechtsextreme Band Sol Invictus um den Sänger Tony Wakeford wird die nächsten Tage auf Tour in Deutschland sein.Tony Wakeford ist einer der Protagonisten des rechtsextremen Flügels der Darkwave- Szene. Tony Wakeford war aktiv in der Führungsriege der britischen National Front und hat unter dem Namen „Above the Ruins“ eine CD, die er zusammen mit dem Bassisten der Naziskin Band Screwdriver aufgenommen hat auf dem Rechtsrocklabel Rock O Rama veröffentlicht. In Österreich wurde das Konzert im Rahmen dieser Tour bereits verboten, in der Schweiz hat das Lokal, ein linksorientiertes Jugendzentrum, nachdem es von den wahren Hintergründen erfahren hat, das Konzert abgesagt.

Die Tourdaten für Deutschland:

20.1. – KREFELD (Kulturfabrik)

21.1. – DARMSTADT (Goldene Krone) abgesagt !

22.1. – AUGSBURG (Musikkantine „Elfenfolk Festival“)

25.2. – BERLIN (Kato)

26.2. – JENA (Altes Gut)

Wir werden die Veranstalter dieser Konzerte über die wahren Hintergründe aufklären, und hoffen, daß möglichst viele Leute aktiv werden, um diese Konzerte zu verhindern.

Konzertabsage (Kato/Berlin)

Das Konzert von Sol Invictus wird nach gründlicher Recherche aus folgenden Gründen von uns abgesagt:

1. Die Band kann sich – auch wenn sie das per oberflächlichem Statement versucht -nicht glaubhaft von rechtem und menschenverachtendem Gedankengut distanzieren bzw. lossagen.

2. Aufgrund von Wakefords persönlicher Biographie – die ja einige nicht nachvollziehbare Gesinnungswandel beinhaltet – kann man sich auf seine Aussagen wahrscheinlich genauso gut verlassen wie auf die Pünktlichkeit der DB.

3. Das zu erwarten ist das u.a. auch Fans der Band „Death in June“ ihr ehemaliges Idol sehen wollen, und wir diese Leute hier aber bestimmt nicht haben wollen.

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Offener Brief an das Kato zum Konzert von Sol Invictus und Aurum Nostrum

Sol Invictus sind keine Unbekannten für die Anhänger von Neo Folk. Unter Neo Folk ist v.a. der rechte Teil der Dark Wave Szene zu verstehen, der sich unter Bezug auf rechte Symbolik und Ideologieelemente von dem Rest der Szene abgrenzt. Diesem Teil der Dark Wave Szene geht es darum, sich als neue, konservative Elite zu inszenieren. Kritik an den rechten Gehalten und an den z.T. guten Kontakten zu Vetretern der Neuen Rechten wird seit Jahren pauschal zurückgewiesen.

Das Konzert im Kato ist mit den auftretenden Bands und seinen Veranstaltern ist ein gutes Beispiel für den rechten Teil der Dark Wave Szene. Die musikalische Biographie von Tony Wakeford, dem Kopf von Sol Invictus, begann Anfang der 80iger in England. Die Band hieß Crisis, mit dabei war u.a. Douglas Pearce und die Musik war Punk. Aus Crisis wurde 1981 Death in June und statt Punk spielte man Neo Folk. 1984 schmiss Pearce dann Wakeford, nach eigener Aussage bei Death in June raus, weil dieser rechtsorientierte Neigungen in die Band hineintrug. Wakeford gründete kurze Zeit später Sol Invictus. Pearce führte Death in June alleine weiter und wurde einer der wichtigsten Protagonisten des rechten Neo Folks. Er schmeisst heute wohl niemanden mehr wegen rechtsorientierter Neigungen aus der Band.

Doch auch, wenn sich Wakeford heute von jeder Ideologie distanziert, seine Texte sprechen eine andere Sprache: „Against the Modern World“, einer der populärsten Songs der Band, ist dem Titel eines Buches des Vordenkers des Faschismus Julius Evola entlehnt und die Neo Folk Klänge sollen die europäische Tradition versinnbildlichen. Wakeford geht es um den ‚spirituellen Verfall’ Europas und die Rückkehr zu einer heidnischen Religion. Er selbst nennt es die ‚Wiederentdeckung des Gestern für das Morgen’. Deshalb ist es nur logisch, wenn Wakeford seinen Beitrag zum 1994 erschienenen „Im Blutfeuer“ Sampler im Booklet mit „Alle Menschen sind Ungeziefer“ überschreibt.

Doch das Problem beim Konzert von Sol Invictus im Kato ist nicht allein die Geisteshaltung der Band. Es sind auch die Veranstalter- Eternal Soul aus Berlin und Fields of Sunset aus Rostock. Das Konzert wird nur über Webseiten wie Lichttaufe oder Ironflame angekündigt, die dem rechten Teil der Dark Wave Szene zuzuordnen sind. Karten gibt es nur über Vorbestellung bei Fields of Sunset. Plakate oder Flyer im Kato sucht man vergebens, auch auf der Webseite des Katos ist nichts vermeldet. Was hat man zu verbergen?

Aurum Nostrum, die Vorband des Abends aus Genthin in Sachsen- Anhalt, ist in rechten Neo Folk Kreisen ebenfalls bekannt. Sie sind auf zwei Samplern des Magazins/Labels Thaglasz aus Kassel vetreten, herausgegeben vom „Death in June Freundeskreis“, das bis 2002 erschien. Ebenfalls auf diesen Samplern vertreten war der Verantwortliche für Fields of Sunset, Enrico Eisert, mit seinem Projekt Axon Neuron/Vagwa. Die Mailadresse von Aurum Nostrum läuft direkt über Fields of Sunset aus Rostock. Die neueste Veröffentlichung der Band, auf eigenem Label, ist eine Split LP mit Sonne Hagal. Diese veröffentlichen ihre Platten sonst bei Eis und Licht, dem Label des ehemaligen Leiters des rechten Dresdner Dark Wave Fanzines Sigill, Stephan Pochkrandt.

Sieht man sich die Webseiten von Eternal Soul, Lichtaufe und Ironflame mal genauer an, wird schnell eins deutlich: Mann spricht deutsch. Die Bands auf dem Label von Eternal Soul heißen „Legion Condor“ oder „Offenssiv!“,. Links heissen auf Ironflame Verweise und eine CD bei Lichttaufe Lichtscheibe. Man kann sich also gut vorstellen, was für „Tonträger“ dann nach dem Konzert verkauft werden sollen. Sicher keine Depeche Mode Platten.

Das Sol Invictus Konzert im Kato ist kein Einzelfall. Bereits am 18.09.2004 spielte mit Kirlian Camera eine Band, die im rechten Teil der Dark Wave Szene viele Anhänger hat. Auch dieses Konzert wurde nur über die genannten Webseiten beworben, Karten konnte man allein an der Abendkasse und im Dark Store, einem Dark Wave Laden in der Boxhagener Straße, kaufen. Das Konzert von Kirlian Camera sorgte schon im Guestbook des Kato für Diskussionen, denn auch diese Band fiel schon häufiger wegen reaktionärer Äußerungen auf. Interessanterweise antwortete ein Vertreter von Eternal Soul auf die geäußerte Kritik und spielte alles herunter.

Mit Sol Invictus soll nun am 25.Februar zum wiederholten Mal innerhalb von kürzester Zeit im Kato eine Band spielen, die ihre Anhänger im rechten Teil der Dark Wave Szene hat. Diesen Leuten bietet das Kato so ein Forum, sich offen reaktionär zu äußern, Gleichgesinnte zu treffen und für ihren rechten Kulturkampf zu werben.

Wir fordern das Kato dazu auf, die Veranstalter zur Rede zu stellen, was der Scheiß soll. Warum wird eine Band eingeladen, die reaktionäre Inhalte verbreitet und Leute anzieht, die schon immer wussten was von Linken zu halten sei, nämlich gar nichts? Wir haben keinen Bock darauf, dass Typen wie Tony Wakeford in der immer gleichen Pose, die guten alten Zeiten besingen.

Wir fordern das Kato auf, Sol Invictus, Aurum Nostrum und die Veranstalter auszuladen.

AG Dark Wave von www.turnitdown.de.
zu erreichen unter: dark(at)turnitdown.de

Quelle: Turn it down