Archiv der Kategorie 'Der Blutharsch'

„Soleil Noir“ – ein rechtsextremer Konzertveranstalter

Hausdurchsuchungen nach Verhinderung eines rechtsextremen Konzerts in Freiburg – Medienmitteilung der Antifa Bern vom 20. Februar 2009 mit Hintergrundinformationen zum Konzertveranstalter «Soleil Noir».

In einer konzertierten Aktion führten die Kantonspolizeien Freiburg und Bern am Morgen des 17. Februars 2009 mehrere Hausdurchsuchungen in Bern durch. Von den sieben in Gewahrsam genommenen Personen befindet sich eine nach wie vor in Untersuchungshaft.

Laut Kantonspolizei Freiburg stehen die Festnahmen im Zusammenhang mit dem Konzert der Band «Camerata Mediolanense» im Freiburger Club «Elvis et moi» vom 11. Oktober 2008. Eine Gruppe namens «Antifaschistische Aktion, Kommando nazifreie Subkultur» hatte damals mit einer gezielten Aktion gegen die Musikinstrumente und die Infrastruktur des Clubs einen Auftritt der Band verhindert: http://ch.indymedia.org/demix/2008/10/63569.shtml.

NS-Bezüge

Die Antifa Bern möchte aufgrund der laufenden Berichterstattung noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich bei der Konzertorganisatorin vom 11. Oktober 2008, «Soleil Noir», zweifelsfrei um eine rechtsextreme Konzertveranstaltungsgruppe handelt.

Nomen est omen: Die Schwarze Sonne, welche auch als zwölfarmiges Hakenkreuz oder ein Rad aus zwölf Sig-Runen gedeutet werden kann, diente der SS, der paramilitärischen Organisation der NSDAP, als Symbol einer nordisch-heidnischen Religion. «Soleil Noir» hat in den letzten Jahren bereits mehrfach rechtsextremen Dark-Wave- und Gothik-Bands eine Auftrittsmöglichkeit beschert, wie ein kurzer Überblick zeigt.

2002 veranstaltete «Soleil Noir» ein Konzert mit «Death in June» in Lausanne, einer Neofolk-Band, die sich offen nationalsozialistischer Ästhetik bedient: http://de.wikipedia.org/wiki/Death_in_June. 2004 organisierte die Gruppe einen Auftritt der Band «Der Blutharsch» in Yverdon, die NS-Gedankengut vertritt und etwa in Deutschland, Österreich und Deutschland mit der rechtsextremen Musikszene zusammenarbeitet: http://www.turnitdown.de/208.html. 2005 fand in Yverdon erneut ein «Soleil Noir»-Konzertabend statt, dieses Mal standen zwei rechtsextreme Dark-Wave-Bands, «Allerseelen» und «Belborn», auf der Bühne: http://www.antifa.ch/comm/comm051027.shtml.

Auch die Band «Camerata Mediolanese» passte bestens ins Veranstaltungsprogramm von «Soleil Noir». Im Jahr 2000 gab die «Camerata» beispielsweise ein Interview für die inzwischen verbotene deutsche Ausgabe des «Blood & Honour»-Magazins, des Organs des gleichnamigen rassistischen und gewalttätigen Neonazi-Netzwerks. Beendet wurde das Interview mit dem Wunsch, dass die Leserschaft «Gelegenheit hat, an einem der nächsten Camerata Mediolanense teilnehmen zu können.» (sic!)

Rückzug oder Auflösung von «Soleil Noir»?

Die Gruppe «Soleil Noir» hat ihre Website kurz nach dem gescheiterten Konzert mit «Camerata Mediolanese» vom 11. Oktober 2008 vom Netz genommen. Seither scheint sich die Organisation aus der Öffentlichkeit zurückgezogen zu haben. Ruft man die Homepage heute auf, so finden sich lediglich noch zwei Zeitungsausschnitte, mit denen die Gruppe noch ein letztes Mal krampfhaft versucht, sich vom Vorwurf des rechtsextremen Konzertveranstalters loszusagen.

Zu «Camerata Mediolanese» lässt sich noch anfügen, dass sich das italienische Wort «Camerata» sehr wohl auch mit «Kamerad» oder «Kameradschaft» übersetzen lässt. Abgerundet wird der reduzierte Webauftritt von «Soleil Noir» durch ein den Faschismus verharmlosendes Zitat: «I fascisti si dividono in due categorie: fascisti e antifascisti.» («Die Faschisten lassen sich in zwei Kategorien teilen: Faschisten und Antifaschisten»).

Quelle: Antifa Bern

Ist Soleil Noir rechtsextrem?

Der Überfall auf die Bar Elvis et moi vom letzten Samstag wirft einige Fragen auf. Zum Beispiel wer hinter dem Verein Soleil Noir steckt. Dieser organisierte das Konzert der Band Camerata Mediolanense. Am Samstag hatte eine Gruppe von Personen die Bar Elvis et moi in der Stadt Freiburg kurz und klein geschlagen, um wie sie in einer Mitteilung behauptet ein Konzert der rechtsextremen Dark-Wave-Band Camerata Mediolanense zu verhindern. Die Ermittlungen gegen die Täterschaft, laut Freiburger Kantonspolizei vermutlich Anhänger der linksextremen Szene, laufen immer noch.

Konkrete Ergebnisse gab es am Montag aber noch keine, wie Polizeisprecher Hans Maradan auf Anfrage sagte. Gegenüber den Medien hatte sich am Sonntag eine antifaschistische Gruppe mit dem Namen «Kommando nazifreie Subkultur» zur Tat bekannt.

Im braunen Dunstkreis

Aber wer ist die Band Camerata Mediolanense, gegen welche sich die Tat richten sollte? Indymedia, ein unabhängiges Netzwerk von Journalisten, entstanden aus der globalisierungskritischen Bewegung, schreibt im Internet: «Wie bei fast allen Bands aus der rechtsextremen Dark-Wave-Szene ist auch bei der Camerata Mediolanense die faschistische Gesinnung nicht auf den ersten Blick zu erkennen.» Gemäss dem Experten für Rechtsextremismus Hans Stutz wird die italienische Band jedoch im Buch «Ästhetische Mobilmachung. Dark Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien», herausgegeben vom deutschen Journalisten Andreas Speit, erwähnt.

Für ihn lassen sich zudem einige Schlüsse aus den Anlässen ziehen, bei welchen die Camerata Mediolanense auftritt. So habe er die Band selber bei einem Konzert im waadtländischen La Sarraz im Jahr 2001 erlebt. Dort seien Gruppen aufgetreten wie die faschistische Band Blutharsch, und an einem Stand wurden Bücher über den Wegbereiter des italienischen Faschismus, Julius Evola, angeboten. Der geplante Auftritt der Camerata Mediolanense vom Samstag im «Elvis et moi» wurde von Soleil Noir organisiert. Soleil Noir ist ein Verein aus Lausanne, sein Präsident heisst Lars Kophal. Der Verein organisiert seit sieben Jahren Konzerte der Stilrichtung Neofolk und Dark Folk. Obwohl sich die Gruppe auf ihrer Website als völlig apolitisch bezeichnet, lehnt sie die globale Vereinheitlichung, «die grosse, fade Suppe des Multikulturalismus», ab.

Laut Hans Stutz gehört Soleil Noir definitiv zu jenem Teil der Gothic-Szene, welcher rechtsextreme Inhalte aufgenommen hat, insbesondere vom italienischen Faschismus und von der rumänischen Eisernen Garde. Dark-Wave-Bands wie Death in June, Allerseelen oder Blutharsch, die zum rechten Lager zählen, gehören zum Konzertprogramm von Soleil Noir. Lars Kophal bestreitet, dass diese Bands rechtsextremes Gedankengut verwenden.

Von Ästhetik angezogen

Valentine Jaquier, Inhaberin des «Elvis et moi», will von alledem nichts wissen. «Wer mich kennt, weiss, dass ich keinerlei Sympathien für rechtsextremistisches Gedankengut habe.» Sie sei komplett apolitisch. «Ich liebe den Gothic-Stil. Ich finde die Kleider und die Musik dieser Stilrichtung schön. Ich liebe auch den Dresscode.» Hans Stutz bestätigt: «Im Unterschied zu den dumpfbackenen Skins kommen die Leute der Gothic-Kreise sehr ästhetisch daher und wirken oder sind gebildet.» Auf Grund seiner Erfahrungen sagt er, dass es oft dieser Aspekt sei, der die Anhänger fasziniere.

Von rechtsextremistischem Gedankengut sei aber nur eine Minderheit der Gothic-Szene beeinflusst, betont Stutz: «Diese Minderheit betreibt eine Ästhetisierung des Faschismus, aber ohne ironische Untertöne.»

Quelle: BernerZeitung, 14.10.2008

Nazikonzert am Osterwochenende in der Tanzbar Palette / Halle

Im Folgenden dokumentieren wir eine Presseerklärung der studentischen Initiativgruppe an der Uni Halle “Turn it down! Halle”:

Initiative „Turn it down! Halle“
Initiative von Studenten der Martin-Luther-Universität Halle
turndown.halle@gmail.com

Fraktionen im Stadtrat der Stadt Halle,
ausgewählte Vereine der Stadt und
ausgewählte Zeitungsredaktionen

Nazikonzert am Osterwochenende in der Tanzbar Palette angekündigt.
Die Stadt Halle darf kein Forum für Rechtsextremisten bieten.

Am Ostersonntag soll in der Tanzbar Palette (Halle/Saale) zum wiederholten Mal ein rechtes Dark-Wave Konzert stattfinden. deutsch nepalFür den 23. März 2008 ist ein Konzert mit den beiden Bands „Sol Invictus“ und „Deutsch Nepal“ angekündigt. Beide Bands sind bekannte Größen in der rechten Neofolk-Szene. Bereits 2005, bei ihrer letzten Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, gab es massive Proteste gegen die Band „Sol Invivctus“. Die Konzerte in Darmstadt (21.01.), Wien (25.01.), Zürich (29.01.) sowie Berlin (25.02.) wurden aufgrund der verschiedensten Interventionen abgesagt.
Wie die vergangenen rechten Dark-Wave-Konzerte in der Palette wird auch dieses von Uwe Nolte organisiert. Die persönlichen Kontakte zu den Betreibern der Tanzbar Palette und seine Tätigkeit als Security in der Palette ermöglichten ihm in der Vergangenheit die reibungslose Durchführung dieser Veranstaltungen. Sollte der Auftritt von „Sol Invictus“ und „Deutsch Nepal“ nicht abgesagt werden, wird billigend in Kauf genommen, dass rechtsextreme Positionen unter dem Deckmantel der Kunst salonfähig gemacht werden. Dass dies den Trägern rechtsextremer Ideologien enormen Zulauf verschafft, sollte man mittlerweile auch in Halle begriffen haben.

Neofolk-Bands wie „Sol Invictus“ nutzen die Gothic-Szene für Verbreitung von Nazi-Codes

Die rechte Szene hat sich in den letzten Jahren diversifiziert und ist nicht mehr an einem einheitlichen Musikgeschmack oder Kleidungsstil zu erkennen. tony wakeford albumUmgekehrt wird auch in der heutigen Neofolk- und Gothic-Szene häufig unreflektiert und vermeintlich unpolitisch auf rechte Symboliken und Ideologien referiert, die das eigene elitäre Selbstbild stützen. Vielen Vertretern dieser Subkultur wäre offene Nazipropaganda zu vulgär. Deshalb ist es gerade der dandyhafte, betont „unpolitische“ und schöngeistige Anspruch von „Sol Invictus“, der es Wakeford (dem einzig beständigen Bandmitglied) ermöglicht, „seine Botschaft eines ‚weißen Nationalismus’ bei Zuhörern anzubringen, die man mit offen zur Schau getragenem Nazismus nicht erreicht“1.
Wakeford bekennt sich also aus taktischen Gründen nicht offen zum Faschismus, aber in seiner Verwendung faschistischer Symbole lässt sich auch keinerlei Kritik erkennen, vielmehr werden diese Zeichen ästhetisch überhöht. Auf dem Umweg über eine ästhetische Faszination wird der Weg für die hinter den Symbolen stehende Denkweise bereitet. Jedes Konzert einer Band wie „Sol Invictus“ mit ihrem Bezug auf Julius Evola und seine „Verherrlichung einer angeblich heroischen, aristokratischen, maskulinen und sonnenzentrierten Tradition einer überlegegen Rasse – Evolas persönliche Variante des arischen Mythos“2 – trägt dazu bei, die öffentliche Zurschaustellung faschistischer Codes zu enttabuisieren und alltäglich zu machen – für uns Grund genug, derartigen Bands keine Auftrittsmöglichkeiten zu bieten.

Tony Wakeford – der Star der Neuen Rechten

Die englische Neo-Folkband „Sol Invictus“ wurde 1987 von Tony Wakeford gegründet. Tony Wakeford ist eine zentrale Persönlichkeit der Neuen Rechten. Große Öffentlichkeit erreichte er mit der von ihm zusammen mit Douglas Pearce begründeten Band „Death in June“, dessen Name sich auf den Röhmputsch bezieht. In Interviews stellten Wakeford und Pearce mehrfach positive Bezüge zum Nationalsolzialismus her. Darüber hinaus präsentiert sich die Band in totalitärer und nationalsozialistischer Ästhetik, so bildet das offizielle Symbol für „Death in June“ einen modifizierten SS-Totenkopf ab. „Death in June“ war, nicht zuletzt durch Wakefords Einfluss, maßgeblich an der Entwicklung des nazistischen Neo-Folks beteiligt. 1984 musste Wakeford auf Druck von Douglas Pearce „Death in June“ verlassen, nachdem seine aktive Mitgliedschaft bei der rechtsextremen Formation „National Front“ in der Öffentlichkeit bekannt wurde. Daraufhin gründete er zusammen mit dem Bassisten der Naziband „Skrewdriver” das Projekt „Above the Ruins” und veröffentlichte ein Album auf dem Rechtsrock-Label „Rock O`Rama”, welches laut Bundesamt für Verfassungsschutz in den 1990er Jahren als europaweit größter Hersteller und Vertrieb rechtsextremistischer Musik galt. 1986 beteiligte sich Wakeford mit diesem Projekt an dem Sampler „No Surrender!“, auf dem u.a. auch die White Power-Bands „Skrewdriver“ und „No Remorse“ erschienen.

Faschistische Bezüge bei „Sol Invictus“

Sowohl der Bandname „Sol Invictus“ als auch der Titel des ersten Albums „Against the Modern World“ stellen Bezüge zu dem italienischen Philosophen Julius Evola her, der als einer ihrer rassistischen Vordenker enge Kontakte zur faschistischen Bewegung Benito Mussolinis unterhielt und auch kurzzeitig für die nationalsozialistische „Forschungs-gemeinschaft Deutsches Ahnenerbe“ tätig war. Bandname und Albumtitel nehmen Bezug auf Evolas Werk „Revolte gegen die moderne Welt“ (1934) und die von ihm häufig verwendete Metapher der „unbesiegten Sonne“. Als Vertreter eines konsequenten Antimodernismus plädiert Evola für einen autokratisch geführten Staat und ein übergreifendes „Germanien“, geführt von einer historisch-geistigen Elite. Demokratie und Gleichheitsgedanken waren ihm zuwider: Für Evola „ist jede Demokratie in ihrem eigenem Prinzip eine Schule der Immoralität, eine Beleidigung der Würde und der inneren Haltung.“3. Das Gedankengebäude von Evola, der auch nicht davor zurückschreckte, ein Vorwort für die berüchtigte antisemitische Fälschung „Die Protokolle der Weisen von Zion“ zu schreiben, zeigte dabei durchaus praktische Wirkung: „Nach der Einführung der italienischen Rassegesetze 1938 wurde Evolas ‚geistiger Rassismus’ […] als offizielle Doktrin des italienischen Faschismus verbreitet“4, deutschnepalblutharschsplitund nach dem Zweiten Weltkrieg inspirierten seine Thesen mehrere blutige Terroranschläge italienischer Faschisten. Heutzutage genießt Evola auch in deutschen Nazikreisen wieder höchstes Ansehen. „Seine Betonung von Geist, Rasse und Ordnung paßt nahtlos zur alten SS-Weltsicht einer gestählten Elite von Rassenkriegern, für die ‚Ehre gleich Treue ist’.“5

Deutsch Nepal, die Vorband des Abends ist in Neofolkkreisen ebenfalls bekannt und unterhält gute Kontakte zur Band “Blutharsch”, die zu den wichtigsten Vertretern der rechtsextremen Darkwave-Szene zählen. Die Kooperationen der Bands reichen von gemeinsamen Studio-Produktionen bis zu Live-Auftritten, bei denen sie sich unter Verwendung von nationalsozialistischen Symbolen (wie Eiserne Kreuze, Siegesrunen, Stahlhelme) in Szene setzen. Unter Konzertbesuchern und Fans der Bands finden sich nicht wenige Anhänger der extremen Rechten.

Organisiert wird das Konzert durch Uwe Nolte. Dieser hat in den vergangenen Jahren immer wieder am gleichen Ort Konzerte neuheidnisch inspirierter Dark-Wave Bands veranstaltet. Damit finden wiederholt Bands und Publikum des rechten Randes ihrer jeweiligen Szenen einen öffentlichen Raum in einem der bekanntesten Veranstaltungsorte der Stadt. Die Verbindung kultureller Angebote mit antidemokratischen, rassistischen und antisemitischen Inhalten ist eines der wesentlichen Elemente rechtsextremer Jugendkultur. Es ist zu erwarten, dass auch Fans der Naziband “Death in June” den Auftritt ihres Idols Tony Wakeford sehen wollen.

Wir fordern alle städtischen Institutionen und die Parteien der Stadt Halle auf, sofort mit den Verantwortlichen in der Tanzbar Palette Kontakt aufzunehmen und die Absage der Veranstaltung zu bewirken. Indem sie öffentlich entschieden Partei ergreifen, können sie ein Zeichen gegen ein weiteres Fortschreiten von rechtem Gedankengut im Kulturbereich in der Stadt Halle setzen.

Initiative „Turn it down! Halle“

Initiative von Studenten der Martin-Luther-Universität Halle

Quelle: Commander Master Chief

  1. übersetzt nach www.stewarthomesociety.org/wakeford.html [zurück]
  2. www.trend.infopartisan.net/trd1298/t351298.html [zurück]
  3. Dornbusch, Christian/ Raabe, Jan (Hrsg.): Rechts-Rock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategien. Münster 2002, S. 289f [zurück]
  4. www.trend.infopartisan.net/trd1298/t351298.html [zurück]
  5. www.trend.infopartisan.net/trd1298/t351298.html [zurück]

Quo vadis Darkwave? Ästhetische Mobilmachung revisited

Vor fünf Jahren erschien der Sammelband »Ästhetische Mobilmachung«, der die musikalischen Genres des Dark-Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien thematisierte.

Kern der Kritik an der Szene ist, dass verschiedene Musiker und Szeneprotagonisten einem rechten Kulturpessimismus Vorschub leisten und als Gegenentwürfe anti-egalitäre, anti-demokratische und anti-modernistische Dichter und Denker präsentieren. Die Vermittlung erfolgt allerdings weniger über eine intellektuelle kognitive Ebene, als vielmehr über eine (neo-)romantische, ästhetisierte Gefühlsduselei mit esoterischen, naturellen und naturreligiösen Bezügen. Die Grufti- bzw. »Schwarze Szene« reagierte seinerzeit verhalten auf das Buch: Während sich die eher kritischen »Geister« mit dem Inhalt auseinandersetzten, tat es der rechte Flügel als »Übertreibung« und »Lügengespinst« ab.

Ambivalenzen

Eine der Grundthesen des Buches war schon 2002, dass der rechte Flügel der Darkwave-Szene kein Äquivalent zur Rechts- Rock-Szene mit deren Eindeutigkeiten darstellt. Vielmehr sind die Musik bzw. die Interpreten in ihrer ganzen Ambivalenz zu betrachten. Die von Julius Evola inspirierte Kritik an der Moderne im Song »Death of the West« von »Death in June« setzt etwa nicht zwingend voraus, dass der Kopf der Band, Douglas Pearce, Antisemit und Israel-Hasser sein muss. Andersrum macht der permanente Verweis auf seine Homosexualität aus ihm noch keinen Antifaschisten (für einige eingefleischte Fans scheint Pearce im Übrigen seit seiner aktiven Rolle im australischen Schwulen-Porno »Vignettes« (2006) passé).

Ebenso kritisiert wird bei der Wiener Band »Allerseelen« um Gerhard Petak unter anderem die 1995 veröffentlichte CD »Gotos=Kalanda«, die auf Gedichten des SS-Brigadeführers und Himmler-Beraters Karl Maria Wiligut (»Weisthor«) basiert und mit Bildern von der Wewelsburg und deren »schwarzer Sonne« gestaltet wurde. Der 2006 veröffentlichten Vinyl-Fassung fügte Petak nun das »Lied der Häftlinge« bei, das ein ehemaliger Häftling des Konzentrationslagers Wewelsburg um 1944 geschrieben hat. Doch diese posthume »Ambivalenz« verliert ihre Überzeugung angesichts dessen, dass bei »Allerseelen « Marcel Petri mitspielt, der ansonsten auch bei »Von Thronstahl« und »Halgadom« involviert ist – letztere ist die Band von Frank Krämer, einem Mitglied der Nazi-Rock-Band »Stahlgewitter«.

Status Quo

Der rechte Rand der »Schwarzen Szene« zeigt sich nach wie vor insbesondere im Industrial und Neofolk, den heute in Deutschland vor allem »Orplid« repräsentiert. Die Band um Uwe Nolte und Frank Machau aus Halle an der Saale scheint nach wie vor voller Elan. 2006 erschien auf »Auerbach Tonträger« ihr achter Tonträger mit dem Titel »Sterbender Satyr« und jüngst veröffentlichte Nolte auf seinem Label »NolteX« alte Aufnahmen der Band sowie des frühen Parallelprojekts »Rückgrat«.

Musikalisch wirkt er unter anderem bei »Sonnentau « und »Barditus« mit. Machau indes debütierte 2005 mit seinem Soloprojekt »primus inter pares« beim Dresdener Label »Eis & Licht«, nach wie vor eine der bekanntesten Adresse für Neofolk. Aus Halle stammt auch die Gruppe »Leger des Heils« von Mario Ansinn, deren Namen sich auf eine niederländische christliche Heilsarmee bezieht und deren jüngste CD »Gloria« ebenso auf dem Dresdener Label von Stephan Pockrandt erschien. Bis 2000 hatte der die Zeitschrift »Sigill« herausgegeben und bis 2003 das Folgeprojekt »Zinnober«, das dann in die Hände von Dominik Tischleder überging und nach zwei Ausgaben eingestellt wurde. Die für Neofolk-HörerInnen entstandene Lücke füllten zwischenzeitlich nur bedingt die Zeitschriften »Black« und »Ikonen«, bis im Dezember 2006 die erste Ausgabe des Magazins »Zwielicht« erschien: »Sie ist unsere Antwort auf die uns allesamt langweilenden Musikmagazine in Internet und Zeitschriftenhandel«, schreibt Pockrandt in einer »Eis & Licht«-Rundmail. Während »Sigill« offensiv strittige Symbole abgebildet hatte und sowohl »Sigill« als auch »Zinnober« zur weltanschaulichen Bildung der Szene beitrugen, präsentiert »Zwielicht« zwar wie gehabt Interviews mit teils einschlägig bekannten Bands und rezensiert die entsprechenden Platten, doch fehlen mehr oder weniger eindeutige programmatische Einlassungen.

Im Szene-Mainstream wird neofolkloristische Musik vor allem in »Zillo« gefeatured und seit vergangenem Jahr in der »Szene-Bravo«, dem »Orkus«- Magazin. Nach und nach publizierte das Magazin Interviews oder Berichte über Bands wie »Der Blutharsch«, »Death In June« oder »Allerseelen« und präsentierte sie teilweise auf der CD zum Heft. Die Industrial-Bands vom rechten Rand der Szene, die auf strittige Symbole, markige Worte, militantes Auftreten und militaristischen Gestus setzen, fehlen indes noch. Musik von »NON«, »Genocide Organ« oder »The Grey Wolves« bricht wohl doch zu sehr mit den gängigen Hörgewohnheiten der LeserInnen. Um so mehr erstaunt, dass im Shop vor allem CDs des österreichischen Labels »Steinklang« angeboten werden, darunter die polnische Band »Cold Fusion«: »45 Minuten wunderschöner symphonischer Marschmusik… «, heißt es in der Kurzbeschreibung. Ihre Musik, eine Mischung aus Neo-Klassik und Militärmusik im düsteren Arrangement wird neuerdings als »Military Pop« bezeichnet.

Ihren Vorläufer findet die Stilistik bei »Laibach«, Les Joyaux De La Princessederen militaristisches Moment bereits das Projekt »Puissance« des schwedischen Duos Fredrik Söderlund und Henry Möller Mitte der 1990er Jahre in den Mittelpunkt rückte. Unter dem Namen »Arditi« steigerten sie das Militaristische ins Absolute und vermengten es mit offensichtlich affirmativer Faszination für den Faschismus. Anleihen nehmen die heutigen Bands auch bei der französischen Formation »Les Joyaux De La Princesse« von Erik Konofal, der seine Begeisterung für die nationalistische Rechte nie sonderlich kaschierte. Als »Military Pop« gelten ferner Gruppen wie »Allerseelen«, »Triarii« (Berlin), »A Challenge Of Honour« (Niederlande) und »Dernière Volonté« (Frankreich). Letztere konnten sich auf dem jüngsten »Wave-Gotik-Treffen« (WGT) zu Pfingsten in Leipzig präsentieren. Nach wie vor tummeln sich dort rechte Fans, teilweise auch Autoren der »Junge(n) Freiheit« oder Aktivisten der NPD. Doch längst nicht jeder Besucher, der Camouflage trägt, ist auch ein Rechter oder Neonazi.


It´s still the same old story

»Diese Szene rekurriert auf dezidiert europäische Kulturtraditionen«, erklärte Peter Matzke, Sprecher des WGT, im Interview mit der »Junge(n) Freiheit« im Juni 2003, »sie lebt etwas, das vor allem der nordeuropäischen Mentalität und Denkart entgegenkommt.« Einschränkend fügt er hinzu, dass die »Szene […] an sich apolitisch [ist] – insofern, als dass sich kein politischer Meinungs- Mainstream ergibt, der in das gängige Politikmodell eingeordnet werden könnte. Allerdings«, betont er, »ist die weitgehende Ablehnung des Wertesystems der europäischen und amerikanischen Wohlstandsgesellschaft in meinen Augen eine hochpolitische Aussage.« Diesem ablehnenden Gefühl, dem Zweifel an der Moderne und der daran anknüpfenden Suche nach Alternativen versuchen die Künstler und Szene-Protagonisten vom rechten Rand eine Richtung zu geben. Der italienische Kulturphilosoph und Vordenker des italienischen Faschismus, Julius Evola, ist nach wie vor en vogue in der Szene, wie die 2006 veröffentlichte Split-CD der US-amerikanischen Band »Changes« und »Allerseelen« zeigt. Deren Titel »Men among the ruins« ist die englische Übersetzung des Evola-Werkes »Menschen inmitten von Ruinen«.

Mit dem französischen Schriftsteller und Faschisten Pierre Drieu la Rochelle setzte sich »Dernière Volonté« auseinander. Das chilenische Projekt »Der Arbeiter« zeigt sich indes inspiriert vom »esoterischen Hitleristen« Miguel Serrano, während sich der Titel des »Barditus«-Albums »Die letzten Goten« auf einen Abschnitt aus dem Roman »Ein Kampf um Rom« von Felix Dahn bezieht. Dahn gilt als einer der wichtigen Romanciers völkischen Gedankenguts des späten 19. Jahrhunderts. Und die Compilation »Die Geburt des Jahrtausends«, 2003 auf »Steinklang« verlegt, erschien in »Gedenken an Kurt Eggers und Ludwig Fahrenkrog«. Ersterer war während des Nationalsozialismus zunächst Dichter und Autor völkischer Literatur und im Krieg Panzerkommandant bei der Waffen-SS. Fahrenkrog gehörte zu den Völkischen und gründete 1912 die »Germanische Glaubens-Gemeinschaft«.

»Jenseits von Sieg und Niederlage eint uns der Wille und die Vision. Wir marschieren gegen den Geist der Zeit, Ausbeutung, Egoismus, Korruption. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, mit ihrer Kraft sind wir verbunden. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, für Europas neue Sternstunde. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, denn sie ist unser Erbe. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, auf dass es morgen werde!«, singen »Belborn« auf einer gemeinsamen CD mit »Rose Rovine e Amanti« 2006 mit Blick auf die »Eiserne Legion« des rumänischen Faschistenführers Corneliu Zelea Codreanu. Und im »Hagal«-Magazin betonte Michael Moynihan von »Blood Axis« im vergangenen Jahr, nachdem er auf die »Referenzen« seiner Musik angesprochen wurde: »Im weitesten Sinne gilt unser Bekenntnis dem indo-europäischen Raum, und hierin besonders den germanischen und keltischen Völkern, deren Blut noch immer in unseren Adern strömt. Ich habe vor jedem Respekt, der treu zu den Traditionen seiner Ahnen steht, was in diesem Zeitalter der Atomisierung und Anomie selbst schon zunehmend als ketzerisch gilt«.

Wiederbelebte und gerufene Geister »Ein großes Verdienst dieser Jugendkultur ist es sicherlich, das Interesse jüngerer Generationen für jene Ideen geweckt zu haben, die in der One-World keinen Platz mehr haben dürfen, nämlich das Wissen um das Heimatgefühl, die Riten und Traditionen, die Volksseele, das Europa der Vaterländer. Diese Kunstgattung transportiert jene Inhalte besser, weil spielerisch, als jede Vortragsreihe eines Theoretikers«, urteilte Brynhild Amann im Herbst 2006 begeistert in der österreichischen Zeitung »Neue Ordnung«. Sie muss es wissen: Hinter dem Pseudonym steht die ehemalige Sängerin des Duos »The Moon lay hidden beneath a Cloud«, das sich 1998 auflöste.

Pathos und Hang zu großen Worten, blutharschKulturpessimismus und Verherrlichung des Vergangenen sowie Begeisterung für die so genannten »Männer der Tat« faszinieren aber nicht nur die »Grufties« am rechten Rand der Szene. An der Kasse des »Blutharsch«- Konzerts im April 2006 saß Hartwin Kalmus, Betreiber des RechtsRock-Label »Ragnarök Records«, ehemaliger Vize von »Blood & Honour« Baden und angeblich »zweiter Chef« der vermuteten Nachfolgeorganisation »Division 28«. Auf den Rezensionsseiten des Magazins »Hier & Jetzt« der »Jungen Nationaldemokraten « werden mehr Darkwave-Scheiben besprochen als RechtsRock-Produkte und seit Jahren schon berichtet die NPD-Postille »Deutsche Stimme« regelmäßig über das WGT, auf dem vor ein paar Wochen auch wieder der »Verlag und Agentur Werner Symanek« mit einem Verkaufsstand präsent war.

Nachdem aber dieses Jahr Festivalbesucher mit einschlägigen Band-T-Shirts, SS-ähnlichen Uniformen und »Thor-Steinar«-Klamotten angegangen wurden, stellte der NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel knapp vier Tage später eine »Kleine Anfragen zu linksextremistischen Überfällen auf Konzertbesucher« im sächsischen Landtag. Sein Ärger rührt wohl noch von dem im letzten November durch antifaschistische Öffentlichkeitsarbeit verhinderten Konzert von »Sagittarius« und »Shava Sadhana« her, das im Haus der Burschenschaft »Dresdensia-Rugia« in Gießen stattfinden sollte, zu deren »Alten Herren« er gehört. Beworben wurde die Veranstaltung mit dem Titel »Wolfstanz« vor allem von »Neo: Form«, dem »Portal für konservative Musik« von Mirko Peters von der »Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks«.

Am rechten Rand der »Schwarzen Szene« hat sich ein illustrer Kreis etabliert. In München tummelten sich gar Aktivisten der Kameradschaft »Autonome Nationalisten München« wie selbstverständlich im lokalen Szenetreff »Club Millenium«. Selbst der örtliche Führungskader Hayo Klettenhofer eckte mit seinem SS-Generalsmantel nicht an.

von Christian Dornbusch

dieser Artikel erschien im Rechten Rand Nr.107, Juli / August 2007

Quelle: Turn it down