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Braunes aus der Schwarzen Szene

Ein aktueller Überblick über rechte Bands in der Darkwave-Szene und ihre Absichten

Innerhalb der Darkwave-Szene1 hat sich seit Mitte der 90er Jahre ein kleiner, dafür um so frecher agierender Kreis von Aktivisten herausgebildet, die bewusst rechtes Gedankengut aufgreifen und propagieren. Im kulturellen Faschistische Ästhetik beim Auftritt rechter Darkwave-Bands (Juni 1999 auf Burg Falkenstein).Gewand bezieht man sich auf alte Denker der Konservativen Revolution und des Faschismus und bekämpft die Moderne mit all ihren Facetten. Dabei agieren die Protagonisten nicht als geschlossene Gesellschaft, sondern können sich vielmehr in der Grauzone zwischen Darkwave und Rechtsextremismus tummeln – schließlich kommt man aus der gleichen Szene, nur die Intentionen bei der Beschäftigung mit Tod, Religion, Symbolen etc. sind andere.

Als einer der Stars des extrem rechten Flügels der Darkwave-Szene gilt nach wie vor die englisch-australische Gruppe Death in June mit ihren kulturpolitischen Inhalten, ihrer militaristischen Ästhetik, ihrer Musik und den gängigen Vieldeutigkeiten, mit denen die Band spielt und sich damit Kritik entziehen will. Gemeinsam mit dem Sozialdarwinisten Boyd Rice tourt Death in June seit geraumer Zeit durch die USA und Europa. Der europäische Auftakt fand am 10. April in Brest statt, wo die Intervention französischer Antirassismus-Gruppen die Vorbereitung des Konzertes behinderte und zur Verlegung der Veranstaltung führte. Im Gegensatz zu den anderen Konzerten wurde der deutsche Auftritt von Death in June am 27. April im Raum Chemnitz sehr konspirativ vorbereitet. Der ursprünglich geplante renommierte Veranstaltungsort Kraftwerk wurde im Vorfeld gekündigt, weshalb der Gig dann in Bucha bei Jena stattfand.

Zur jüngsten Veröffentlichung von Death in June wurden offiziell keine Liedtexte veröffentlicht, was an den offensichtlich antisemitischen Ausfällen liegen dürfte. So wird im Lied »We said destroy II« offen auf das orthodoxe Judentum angespielt, aus Shakespeares »Der Kaufmann von Venedig« zitiert und indirekt die dort handelnde Person des Shylock2 aufgerufen. In einem anderen Lied ist von »shylock piggies« die Rede, der Titel der gesamten Veröffentlichung lautet dann »All pigs must die«.

Albin Julius, Sänger von Der Blutharsch. Bereits im März gastierten zwei andere extrem rechte Bands auf Einladung der Dresdner Gruppe LAS-Kulturavantgarde3 in Sachsen. blutharschHier musste ebenfalls ein in Claußnitz geplantes Konzert wegen antifaschistischer Interventionen verlegt werden und fand schließlich im Gasthof Goldener Anker in Marbach statt. Die ungarische Band Scivias trug an diesem Abend die Odal-Rune offen zur Schau und Der Blutharsch aus Österreich präsentierte sich in schwarzen Uniformen. Die Bands kreierten eine militaristische Atmosphäre und griffen oftmals Elemente der nationalsozialistischen Ästhetik auf. Abgerundet wurde dieser Eindruck durch die Verkaufsstände, wo es u.a. Bücher aus den rechtsextremistischen Verlagen Grabert und Arun zu kaufen gab und die extrem rechten Zeitschriften Hagal (Dresden) und Die Tat (Halle) feilgeboten wurden.

Der Sampler »Fidelis Legio« als Beispiel

Wofür eine Band wie Scivias ideologisch steht, macht deren Beteiligung am Sampler »Fidelis Legio« deutlich, der sich als Huldigung an Corneliu Zelea Codreanu (1899-1938) versteht. Der Gründer und Führer der rumänischen Legion des Erzengels Michael (alias Eiserne Garde) propagierte einen christlich orthodox fundierten Faschismus und war ein fanatischer Antisemit. Bis heute bieten die Positionen der ehemaligen Legionäre wichtige ideologische Bezugspunkte für europäische Neonazis. Erstellt wurde der Sampler von Calin Dan Ghetu, der als Aktivist der reanimierten Eisernen Garde von Rumänien aus Verbindungen zu verschiedenen Neonazis in ganz Europa hält. Martin Schwarz (Wien) bemüht sich im Begleitheft, die Vorzüge des rumänischen Faschismus im Gegensatz zum Nationalsozialismus herauszuarbeiten. In der ebenfalls maßgeblich von Schwarz editierten Kshatriya-Mailingliste wird Codreanu als der »asketisch-religiöse Erwecker der rumänischen Seele« bezeichnet, der eine »Leitfigur für die Elite der national-europäischen Erhebung wider die dekadente Welt [ist], der er anders als der Duce oder der Führer mit keiner Faser seines Leibes angehörte«.

Die teilnehmenden Bands aus dem Darkwave-Spektrum4 betonen in ihren Beiträgen die Bedingungslosigkeit des Kampfes der Eisernen Garde und ästhetisieren den Tod als Höhepunkt im Dasein eines Legionärs. Exemplarisch ist der Beitrag »Europa – long live death!« der italienischen Band Londinium SPQR.5 Das Stück beschwört den fanatischen Kampf der Eisernen Garde, deren Schlachtruf »long live death« war: »Europas Wind bläst wieder auf diesen Fahnen. (…) Das Sterben im Kampf hieß ewige Ehre. Sag mir, was ist los mit meinem Land? Es lässt sich nicht mehr erkennen. Und wir sind jetzt bereit, mit unseren Brüdern den Kampf zu teilen bis zum Sieg«. Die insgesamt fünf Sprachen, in denen das Lied vorgetragen wird, sollen die europäische Ausrichtung der Band bzw. des gesamten Samplers verdeutlichen.

Eine Szene mit Abgrenzungsschwierigkeiten

Ebenfalls ein Werk zu dem Codreanu-Sampler beigesteuert hat die Band Darkwood aus Dresden, die Mitte Mai beim Wave-Gotik-Treffen (WGT) in Leipzig anzutreffen sein wird, dem weltgrößten Treffen der schwarzen Szene. Derartige Auftritte (extrem) rechter Bands sind mittlerweile normal, schließlich sind hier alle kulturellen, musikalischen und politischen Facetten vertreten. darkwoodDie (extrem) rechten Bands werden geduldet, indem beim WGT jeder seine eigene Party feiert. Mit dabei ist in diesem Jahr beispielsweise auch Camerata Mediolanense (angekündigt als Camerata Sforzesca), die sich vor zwei Jahren für das deutsche Blood & Honour-Magazin interviewen ließen und mehrmals bei rechtsextremen Veranstaltungen spielten.

Kritik an den politischen Aussagen einzelner Bands wird in der schwarzen Szene nur ungern angenommen; in der Vergangenheit in die Szene hineingetragene Diskussionen waren wenig ergiebig. Dies liegt zum einen an einem verkürzten Begriff des Rechtsextremismus: Bestimmend ist das Klischee von Glatze und grüner Bomberjacke; die viel größere Gefahr der Mischung von sozialen, politischen, kulturellen und ästhetischen Werten in der Szene wird nur selten gesehen. Verkörpert wird diese z.B. von dem Neonazi Christian Kapke, der vor wenigen Jahren mit seiner Band für Blood & Honour aufspielte und heute federführend beim Neofolk-Internetprojekt lichttaufe.de [nonpop.de] aktiv ist.

Die zweite Schwierigkeit bei Diskussionen in der Szene besteht in den absichtlichen Uneindeutigkeiten der einschlägigen Bands. O-Töne wie »genaugenommen gab es Runen doch schon vor dem Nationalsozialismus« oder »Vertreter der Konservativen Revolution der 20er Jahre wurden schließlich auch im Nationalsozialismus verfolgt« gehören in der Argumentation zum Standardrepertoire. Problematisch für antifaschistische KritikerInnen ist also, dass jeder einzelne Aspekt eines Projektes aus dem extrem rechten Darkwave-Spektrum fast immer vieldeutig zu interpretieren ist. Für eine fundierte politische Bewertung ist daher die Addition aller Einzelaspekte (Texte, Ästhetik, Bezüge, Fans, Rezensionen etc.) zu einem Gesamtbild notwendig.

Fazit

Nicht zuletzt muss man sich der Logik entziehen, dass das Wirken (extrem) rechter Bands, Zeitschriften etc. ausschließlich kulturell verstanden werden soll. Für den erwähnten Christian Kapke ist klar, »dass man bewusst versucht, politische Inhalte über Kunst zu transportieren, einfach weil es dadurch unscheinbarer oder entsprechend eingängiger erscheint«.

Thomas Naumann

Quelle: Turn it down

  1. Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Darkwave-Szene ist nicht per se (extrem) rechts. [zurück]
  2. Der verhasste jüdische Geldverleiher symbolisiert den antisemitischen Stereotyp vom gierigen Juden. Für Alfred Rosenberg vereinte das Wesen Shylock »äußerlich (…) alle jüdischen Rassenzüge (…). Shylock ist also sowohl Einzelmensch wie Typus, ein Jude sowohl wie das Judentum«. Vgl.: Rosenberg, Alfred: »Der Mythus des 20.Jahrhundert«. München 1934, S.411. [zurück]
  3. Ein ebenfalls von LAS anberaumtes Konzert mit der Band Ostara (früher Strength through Joy) Ende April 2002 wurde aufgrund bandinterner Gründe abgesagt. [zurück]
  4. Mit dabei sind unter anderem Blood Axis, Spiritual Front, Ain Soph, The days of the trumpet call, Belborn (Rosenheim) und Von Thronstahl, die am 29./30.Juni 2002 beim Pressefest der rechtsextremen Zeitschrift Signal in Köln spielen sollen. [zurück]
  5. Die Band ist der Identitätsrock-Bewegung zuzurechnen und spielte in den vergangenen Jahren bei zahlreichen neonazistischen Skinhead-Konzerten. [zurück]

Black nach rechts

Das Darkwave-Magazin Black lobt neuerdings den rumänischen Faschisten Corneliu Codreanu und übt sich in rechten Statements.
von christian dornbusch und andreas speit

Fetisch- und SM-Fotos sowie Friedhofsszenen werden mit Vorliebe auf den Covern von Fanzines der Darkwave-Szene abgedruckt. Nur geheimnisvoll muss es aussehen. Man kann die einschlägigen Heftchen inzwischen fast an jedem Bahnhofskiosk kaufen. Eines von ihnen heißt Black und gehört zu den bekannteren Publikationen.

Schon seit 1995 schreibt die Black-Redaktion über »Industrial, Noise, Electro, EBM, Neofolk, Dark-Ambient, Synthie-Pop and more«. Das Konzept des Chefredakteurs Thomas Wackert ist erfolgreich. Inzwischen ist das Underground-Magazin aus der subkulturellen Nische herausgetreten und erscheint in einer Auflage von 5 000 Exemplaren. Selbst in den Filialen von World of Music (WOM) kann Black erworben werden.

In den mehr als 100 Seiten umfassenden Ausgaben von Black waren direkte politische Statements bisher kaum zu finden. Warum auch, schließlich sollte es ja um Musik gehen, um die Subkultur. Doch das hat sich nun geändert.

Bereits Ende des Jahres 2000 übernahm Dominik Tischleder, ein Politikstudent aus Trier, eine Redakteursstelle bei Black. In der Frühjahrsausgabe dieses Jahres rezensiert er den Sampler »Codreanu: Eine Erinnerung an den Kampf«, ein Machwerk zu Ehren des rumänischen Faschisten Corneliu Codreanu. Wohlwollend stellt Tischleder fest: »Die Eiserne Garde und Corneliu Codreanu bieten offensichtlich einer jungen Generation von heute den Stoff, aus dem Mythen sind. (…) Hier haben die Kulturkämpfer dieser Tage wirklich etwas besonderes geleistet, (…) jedes Projekt liefert das Beste«. Zum Weiterlesen empfiehlt er seinem Publikum Armin Mohlers »Der faschistische Stil«.

Tischleder hat mit Theoretikern der »neuen Rechten« offensichtlich keine Probleme, mit Antifas und den mit ihnen verbündeten »Grufties« jedoch um so mehr. »Die Frage ob ‚unsere Szenen‘ von (…) ‚Faschisten‘ oder gar von ‚Nazis‘ unterwandert wird, erhitzt schon lange die Gemüter«, hat er beobachtet. Oft würden »regelrechte Anklageschriften verfasst (…), um anschließend mit einem gewissen Timbre eine ‚glasklare Distanzierung‘ (…) zu verlangen«. Doch statt das »kultivierte Gespräch« zu suchen, werde mit »Schlagwörtern« und »emotionalen Kampfbegriffen wie ‚Faschismus‘ oder ‚rechts‘« zugeschlagen.

Denn »wer sich heute ‚Antifaschist‘ nennt«, der sei »entweder Vertreter einer extremistisch-sektiererischen Ideologie oder er/sie ist ein meist jugendlicher Mensch auf Identitätssuche«, meint Tischleder. Diese »ganze Gefühlsduselei« müsse endlich »einer rationalen Sichtweise Platz machen«. Über die VVN spottet er: »Sie gründen Organisationen mit lustigen Namen wie ‚Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten‘, wobei sie mit ‚Opfern‘ sich selbst meinen.«

»Im übrigen«, so behauptet der Kenner der Neofolk-Szene, sei »der Zusammenhang zwischen ‚Nouvelle Droite‘ und Neofolk vollkommen konstruiert«. Man müsste schon ein »Talent für Verschwörungstheorien mitbringen, um Künstlern finstere ‚metapolitische‘ Strategien zu unterstellen«, schreibt Tischleder und zitiert ausgerechnet den Cheftheoretiker der französischen Nouvelle Droite, Alain de Benoist, um seine Argumentation zu untermauern.

So offen rechtsextreme Töne wurden bisher bei Black nicht angeschlagen. Auch wenn das Blatt schon öfters teils zustimmend über den rechten Rand der Szene berichtet hat, sei es in Rezensionen von Platten einschlägig bekannter Bands oder in Interviews mit bekannten Rechten wie Stephan Pockrandt vom Zinnober-Magazin, Gerhard Kadmon von der Band Allerseelen oder Henryk Vogel von der Gruppe Darkwood. Aber das Magazin war immer um eine vermeintliche »Ausgewogenheit« bemüht.

Wohl um die Illusion dieser »Ausgewogenheit« aufrechtzuerhalten, präsentiert die aktuelle Ausgabe auch ein längeres Interview mit der Bremer Initiative Grufties gegen Rechts. Die Vertreter der Initiative sprechen über die Probleme der Szene mit rechten Tendenzen und merken an, dass sie sich auch vom Black etwas mehr »Zurückhaltung wünschen«.

Der Wunsch ist verständlich. Denn der rechtsextreme Vormarsch in der Schwarzen Szene geht trotz der inzwischen seit Jahren geführten Auseinandersetzungen munter weiter. Schon vor dem diesjährigen Wave-Gotik-Treffen, das über Pfingsten in Leipzig stattfand, kritisierten die Bremer Grufties den Auftritt der Bands Kirlian Camera, Stalingrad und Darkwood, die sie dem rechten Rand der Szene zuordnen.

In ihren Statements wollten die Bands glauben machen, dass sie weder rassistisch noch antisemitisch seien. So argumentierte Henryk Vogel, der Bandleader von Darkwood, dass sie sich als ein »reines Kunstprojekt« verstünden.

Die Songtexte der Band lassen jedoch andere Schlüsse zu. So heißt es in dem Lied »Mord und Lüge«, mit dem die Band auf der Compilation zu Ehren von Codreanu vertreten ist: »Aufrechter Blick, ein Herz voller Güte. Dem Freunde Freund, dem Feinde Tod. Entschlossen handeln für die Sache, den Kameraden Vater in jeder Not. Die Erde ihres Heimatlandes, für ihren Kampf ist sie das Blut, sei alles Gold vergessen. Die Tugend ist ihr höchstes Gut.«

Obwohl in diesen Zeilen der politische Charakter mehr als deutlich wird und bei vielen Zuhörern durchaus ankommt, was gemeint ist, betonen Bands wie Darkwood in der Öffentlichkeit fortwährend ihre »Harmlosigkeit«.

Doch ähnlich wie beim Magazin Black scheint es auch für die Veranstalter des Wave-Gotik-Treffens zur »Ausgewogenheit« zu gehören, rechte Bands zu präsentieren und rechtsextremen Unternehmen wie etwa der Firma Verlag und Agentur Werner Symanek (VAWS) Platz einzuräumen. Solange die nicht rechten Fans und Bands so etwas hinnehmen, dürfte sich daran auch nichts ändern.

Wenigstens einige Redakteure von Black haben inzwischen ihre Konsequenzen gezogen. Sie haben das Blatt aus politischen Gründen verlassen.

Von den Autoren ist soeben das Buch »Ästhetische Mobilmachung, Dark-Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien« im Unrast-Verlag erschienen.

Quelle: Jungle World