Archiv der Kategorie 'Current 93'

Rechte Neofolk Konzerte in Halle

sol invictus Am 23.02.08 fand in der Palette ein Konzert mit den Bands „Barditus“ und „Triarii“ statt. Barditus ist das neue Musikprojekt von Uwe Nolte. Dieses Konzert und die am 23.03. und 30.04. werden vor allem auf Noltes Homepage beworben. Im Publi­kum befanden sich Menschen mit Braunhemden und Runen.
Am 23.03.08 (Ostersonntag) soll die Band „Sol Invictus“ und „Deutsch Nepal“ auftreten. Die Palette kündigt dieses Konzert als besonderen Tipp an und erwähnt die Biographie des Bandprojekts von Tony Wakeford auch richtig, dass er die umstrittene rechte Band „Death in June“ mitgründete. Dass Tony W. aus dieser Band 1984 ausgeschlossen wurde, da er Mitglied der rechtsextremen Partei National Front in GB war, wird nicht erwähnt.
Tony W. gründete dann das Projekt „Above the Ruins“ und beteiligte sich an dem Sampler „No Surrender! Volume 1″ mit dem Song „The Killing Zone“. Der Sampler wurde bei Rock`O`Rama 1985 veröffentlich. Weitere Bands auf dem Sampler waren „Skrewdriver“, „Ultima Thule“ und andere RAC (Rock against Communism) Bands. Ian Stuart spielte bei „Skrewdriver“ und gründete das Nazinetzwerk „Blood & Honour“. 1991 wurde der Sampler als Doppel-LP mit weiteren RAC/rechtsextremen Bands als Soli-Sampler für Ian Stuart, der in der BRD vor Gericht stand, veröffentlicht. Der Song „Killing Zone“ befand sich auch auf diesem Sampler.
Tony W. brach nach eigenen Angaben ´86/´87 mit dem Rechtsextremismus bevor er die Band „Sol Invictus“ (lateinisch der unbesiegte Sonnengott, oft ungenau übersetzt als der unbesiegbare Sonnengott) gründete. Bei den Römern galt Sol vielfach als höchster und mächtigster Gott. Daneben war damals im Römischen Reich der orientalische Kult des Mithras populär, besonders unter den Soldaten.
Nach der Christianisierung im 5. Jahrhundert gab es noch viele Sol-Verehrer, denn der Kirchenvater Augustinus hat gegen sie gepredigt, und noch im späten 6. Jahrhundert kam es im römischen Syrien zu einem Aufstand gegen die Christianisierungspolitik des Kaisers Tiberios I., der von Anhängern des Sol invictus Mithras getragen wurde. – Auf Mithras wird sich besonders gern in rechtsextremen Kreisen bezogen.


Am 30.04.08 sollen in der Palette „Fire & Ice“ spielen. Fire & Ice ist eine 1991 gegründete englische Neofolk-Band um den Frontmann Ian Read. fireicehalleRead beteiligte sich u.a. an Alben wie „Swastikas for Noddy“ 1996 (Swastika = Hakenkreuz) von Current 93 und „Brown Book“ Death In June. Wenig später wirkte er bei Sol Invictus mit und gründete die Band Fire & Ice.
In einem Interview mit dem Dark Wave Fanzine „Sigill“ (Nr. 8 ) erklärt Read, als er auf „faschistische und rassistische Ideen“ angesprochen wird: „Keine Idee ist völlig wertlos. Die Deutschen hatten einen riesigen Komplex, der ihnen, ehrlich gesagt, von einer Nachkriegsgehirnwäsche eingeimpft worden war. (…) Deutsche Magier sollten sich wirklich von den Meinungen darüber was „korrekt“ ist und was nicht (…), die ihnen die Leute aufgedrängt haben, befreien.“ Das Fanzine „Sigill“ wurde von Stephan Pockrandt herausgegeben.
Stefan Pockrandt betreibt auch das Label „Eislicht“. Laut www.nonpop.de ist „Eislicht- Label aus Dresden, dessen Gründungsimpulse das Erscheinen von Orplids Album „Orplid“ war. Eislicht gilt seit jeher als Label für neofolkloristische Qualitätsmusik und konnte somit auch stilprägend in der deutschen Neofolklandschaft wirken.“


www.nonpop.de wird von Christian Kapke betrieben. Sein Vorgängerprojekt war „Lichttaufe“ und „Lichtreigen“, eine Konzertreihe, die er in Jena und Umgebung organisierte. Sowohl die Homepage nonpop.de als auch lichttaufe.de sind auf ihn angemeldet. Auf nonpop.de wird für die Konzerte am 23.02., 23.03 und 30.04. in der Palette geworben. Die Homepage von Barditus und Orplid, den Bandprojekten von Uwe Nolte, noltex.de zitiert die Konzertbesprechungen und Bandreviews von lichttaufe.de ausführlich. Auf lichttaufe.de wird Uwe Nolte als Dichter vorgestellt. Als Bands kommen Blood Axis, Kirlian Camera, Sol Invictus, Sonne Hagal, Triarii und weitere Bands, die den rechten Rand des Wave-Gothic darstellen, vor.
Christian Kapke selbst war seit Juni 2000 Vorsitzender des Thüringer Landesverbandes der ‚Jungen Landsmannschaft Ostpreussen‘ (JLO), die den jährlichen Naziaufmarsch zur Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 organisiert.


Sein Bruder Andre Kapke ist organisatorischer Leiter des „Fest der Völker“, das internationale Nazi-Event in Jena seit 2005. Kapke, der in der Vergangenheit in der Neonaziorganisation „Thüringischer Heimatschutz“ organisiert war, hielt gemeinsam mit dem Pressesprecher der Veranstaltung und NPD-Mitglied Patrick Wischke den Polizeikontakt. Ralf Wohlleben NPD-Thüringen war Anmelder und Moderator der Veranstaltung.
Laut „Future“, der Zeitung des Jenaer Infoladens war Christian Kapke aktiv als Mitglied im Thüringer Heimatschutz, Mitglied der NPD, Mitglied der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen und im Landesvorstand in Thüringen, Mitglied des rechtskonservativen Arbeitskreises Christlicher Publizisten ACP, Gitarrist, Sänger und Texter der rechtsextremen Balladentruppe Eichenlaub und Anti-Antifa-Aktivist.


Heute versucht er sich ein bürgerliches Äußeres zu geben. Auf nonpop.de stellt er sich als Homepagegestalter und mehr vor und will von seinen Aktivitäten nichts wissen.

Uwe Nolte
versucht sich auch als Künstler und Freigeist darzustellen, ohne ein Rechter zu sein.


Uwe Nolte beteiligte sich mit seiner früheren Band „Rückgrat“ 1996 am Sampler zu Ehren Leni Riefenstahls, dieser wurde vom extrem rechten Verlag und Agentur Werner Symanek VAWS) veröffentlicht. VAWS hat u.a. den „okkultistischen Roman ‚Dunkle Wege‘ vom Nazi-Dichter und Hitler-Lehrer Dietrich Eckart, Bildbände von Nazi-Künstlern, Leni-Riefenstahl-Filme und CDs aus den Bereichen Industrial, EBM und Neo-Folk“ in seinem Programm. Weiterhin „arbeitet Symanek eng mit dem antisemitischen Musiker Joseph Maria Klumb alias Jay Kay (Forthcoming Fire, Weissglut, Von Thronstahl) zusammen, der in Anlehnung an den Autor Jan van Helsing an eine ‚jüdischen Weltverschwörung‘ glaubt und positiv auf Benito Mussolini Bezug nimmt“ (AFA Halle).
Die Debüt-Veröffentlichung von Orplid wurde 1997 neben Eis & Licht (Eislicht) auch vom Ultima Tonträger Versand beworben. Inhaber war der hallesche neonazistische Führungskader Sven Liebich („Nationaler Beobachter Halle-Merseburg“).
1998 beteiligte sich Orplid an der Compilation zu Ehren des hundertsten Geburtstages des italienischen Faschisten Julius Evola, die vom Label Eis & Licht produziert wurde.
Das Organ der NPD, Deutsche Stimme, schrieb in der Nr. 10, 1999 zur Maxi CD von Orplid: »Wem Frank Rennicke und Jörg Hähnel nicht ausreichen, der kommt an dieser Scheibe nicht vorbei.«
2000 posierte Uwe Nolte im Nazi-T-Shirt für den Katalog des Ultima Tonträger Versand von Sven Liebich.
Am 30.01.2001 verklagte er gemeinsam mit Martin Koller (Prophecy Productions) und Markus Stock (Empyrium, Klangstudio E) und Kim Larsen (Of The Wand And The Moon) die Grufties gegen Rechts, da diese sagten, sie würden ihnen „Verbreitung rechtsextremer Ideologien unterstellen“. Die Kläger bezogen sich auf die Broschüre „Die Geister die ich rief…“ von den Grufties gegen Rechts. Das Ermittlungsverfahren endete am 19.03.01 mit einem Freispruch der Grufties gegen Rechts.
Am 29./30.06.05 war Uwe Nolte mit einem Stand für Noltex auf dem Festival „Rock for Roots“. Dort spielten diverse rechte Bands und der Stand von Nolte war direkt neben einem Stand von Enrico Marx (Barabarossa Records). Die beiden unterhielten sich freundschaftlich. Enrico Marx ist sog. „Stützpunktleiter“ der JN-Sangerhausen. Sein Hof wurde im Rahmen der Razzien gegen JN-Strukturen am 10.03.08 wegen Volksverhetzung von der Polizei durchsucht. Die Nazis, die am 07.01.07 einen Brandanschlag auf die Asylbewerberunterkunft in Sangerhausen verübten, waren vorher bei einer Party von Enrico Marx. Der Prozess wegen versuchtem Mord findet gerade in Halle statt.
Der Auftritt von Orplid im Rahmen des Dark-Wave Festivals 2006 in Leipzig wurde auch von der NPD-Zeitung Deutsche Stimme positiv besprochen: „Frank Machau und Uwe Nolte gehören zu der kleinen Gruppe von Künstlern, die noch ganz stilsicher und sprachfertig aus dem abendländisch-antiken Erbe Europas schöpfen und dabei heidnische, romantische und christliche Motive verarbeiten.“
Die neurechte Schülerzeitung „Blaue Narzisse“ aus Chemnitz machte auf ihrer Internetseite für den Auftritt von Orplid am 25. Dezember 2006 Werbung. Eingetragen wurde dieser Veranstaltungshinweis von Felix Menzel einem Autor der „Jungen Freiheit“, welcher auch Kontakte zum rechten Institut für Staatspolitik unterhält.
2007 tauchte Uwe Nolte bei einem Nazikonzert im Saalkreis mit dem T-Shirt „Good Night – Left Side“ auf.


Auch die Zusammenarbeit der Labels und Bands um Uwe Nolte und Christian Kapke geht weiter: 07.03.08 haben Sol Invictus und Prophecy Production einen Plattenvertag abgeschlossen – Quelle: nonpop.de.


Konzerte in der Palette die von Uwe Nolte organisiert wurden waren unter anderem:
25.12.03 Bands: Fire & Ice, Sonne Hagal und Sonnentau
21.05.04 Bands: Heidevolk, Gernotshagen, Orlog und Haruc – fand durch Proteste in Thüringen statt
24.09.04 Bands: Backworld & Grünland
30.04.06 Bands: Quellenthal, Sonne Hagal, Fire+Ice
25.12.06 Bands: Orplid, Kammer Sieben und Quellenthal
23.02.08 Bands: Barditus, Triarii


weiteres unter:

Pressemitteilung der Grufties gegen Rechts zur Anklage von Nolte, Stock und co http://www.geister-bremen.de/presse.htm

Turn it down zur Palette
http://www.turnitdown.de/186.html?&type=98

Turn it down zu Sol Invictus
http://www.turnitdown.de/314.html?&type=98

Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Tony_Wakeford

auf Englisch zu Tony Wakeford:
http://www.stewarthomesociety.org/wakeford.html

Quelle: Indymedia

Braune Strippen in der „Schwarzen Szene“

Ein Artikel der Internetplattform Turn it down.

Im AIB Nr. 35 veröffentlichten wir ein Interview mit der Darkwave-Band Deine Lakaien. Damit versuchten wir eine in der Szene sehr populären Band ein Forum zu bieten und so darzustellen, daß es sich bei den thematisierten Einflüssen eher um eine kleine Minderheit handelt. Weiterhin ging es uns darum, ein wenig von der Stimmung und der Motivation der Szene darzustellen. Im folgenden Artikel wollen wir inhaltliche Bezugspunkte der faschistischen Minderheit der Szene und deren Kristallisationspunkte darstellen. Des weiteren sollen die Brücken in die gesamte Szene und der Versuch massiver Einflußnahme von Rechts auf die Szene dargestellt werden.

Gothic?

Die „Gothic“ oder auch „Darkwave“ genannte Szene entstand Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre als Teil und Ausdifferenzierung der Independentszene. Als Vorläufer gelten Bands wie „Joy Division“, „Bauhaus“, „The Cure“ und „New Model Army“. In der BRD hat Gothic längst den Status einer jugendlichen Randgruppe verlassen und ist in Mode gekommen.

Die als „Zentralorgan“ der Szene geltende Hochglanzzeitschrift Zillo hat immerhin eine Auflage von 70.000 Exemplaren. Als szenetypisches Auftreten gelten schwarze wallende Kleider, weiss/schwarzes Make Up und hochgestylte Haare. Das Lebensgefühl der Szene orientiert sich zumeist am Mittelalter, immer wiederkehrende Themen sind Esoterik, Romantik, Heidentum, Tod oder Todessehnsucht, exotische Religionen und Avantgarde. Als „Suchende“ könnte man viele Szenemitglieder charakterisieren.

Gesucht wird eine romanisch verklärte „Ganzheit“ welche in Form des Mittelalters oder von Naturdarstellungen gefunden wird, aber auch das Motiv der Endzeit, der Zerstörung und des Kampfes findet sich. Der heldenhaft esoterisch verklärte Kampf stellt den Weg zum Heil dar. Das unpolitische Selbstverständnis und die gefühismässig-irrationale Orientierung der Szene birgt die Gefahr, daß diese leicht ideologisch aufgeladen und instrumentalisiert werden kann.

Als faschistisches „Vorzeigeprojekt“ könnte man die Zeitschrift Sigill bezeichnen. In dieser, immer wieder durch Kleinanzeigen in unpolitischen Szenemagazinen, wie Zillo, auf sich aufmerksam machenden Zeitschrift werden viele Theoretiker und Vordenker des Faschismus aufgegriffen und dargestellt. So soll die Szene nach rechts gedrückt werden.

„Magazin für die konservative Kulturavantgarde Europas“ lautet der Untertitel des aus Dresden kommenden Musikmagazins. Neben der „konservativen Revolution“, eine profaschistische Denkströmung der 20er Jahre, sind Vordenker des italienischen Faschismus Hauptbezugspunkte in Sigill. Musikalisch stehen jene Bands im Mittelpunkt, welche sich ebenfalls auf diese Denker berufen. So zum Beispiel Death in June, die sich auf den angeblich linken Flügel» der NSDAP und Ernst Röhm beziehen, die den italienischen Mussoliniberater verehrende Band Ain Soph oder Allerseelen, welche den Antisemiten Lanz von Liebenfels und auch Ernst Jünger in ihren Liedern zitieren.

Neben musikalischen Beiträgen und Plattenkritiken findet sich auch ein Interview mit Stefan Ulbrich. Der ehemalige Wiking Jugendler, der bis Dezember `’93 das Ressort Politik bei der Junge Freiheit (JF) betreute, betreibt heute den Arun Verlag und den Gaja Versand. Dort verlegt er jene Vordenker die sich auch in Sigill wiederfinden: Spengler, Evola, Nietzsche, Jünger, Riefenstahl und Breker.

Deren Bücher bietet der Bingener Nazi Werner Symanek in einer Anzeige in Sigill an. Sie sind gleichzeitig die zentralen Ideologen und Anknüpfungspunkte der Rechten an die Gothicszene. Spengler steht für Endzeitstimmung und Kulturverfall, der Elitetheoretiker Evola dessen Hauptwerk „Revolte gegen die moderne Welt“ als Leitbild gesehen werden kann, verkündet den Kampf um eine esoterische Ständegesellschaft, Nietzsche wird für die Propagierung eines heidnischen Sozialdarwinismus genutzt und Jünger stellt schließlich die Verherrlichung von Kampf und Tod dar, welche im industriellen Kampf den angeblich schaurig/schönen Untergang der verhassten Moderne bedeutet.

Die Regisseurin von NS-Propagandafilmen Leni Riefenstahl und der NS-Bildhauer Arno Breker prägen das Schönheitsideal in Sigill.

Hier entsteht ein ästhetisiertes Bild von Gesellschaft, das nur Kraft, Macht und Gewalt kennt. Widerspruch oder demokratisches Miteinander sind in dieser Ästhetik unmöglich. Hier gilt nur der Kampf. Wieweit der Kampf und der Tod verherrlichtwird zeigt sich in dem Sigill-Artikel über den Japaner Yukio Mishima.

„Der Weg des Kriegers, habe ich erkannt, bedeutet zu sterben.“

Todessehnsucht, Friedhöfe und Grabessymbolik als Ausdruck von empfundener Sinnlosigkeit und gleichzeitiger Sinnsuche sind in der Gothicszene weit verbreitet. Auch in der faschistischen Ideologie spielt der Tod und dessen Akzeptanz eine wichtige Rolle. Die totale Hingabe für eine Idee, den Führer oder Kaiser, der Tod als die höchste Erfüllung des Seins. All das will Mishima ausdrücken wenn er den Tod als den Weg des Kriegers bezeichnet. Mishima, auf den sich auch Death in June und Current 93 beziehen, pries den Heldenmut der Kamikazeflieger und versuchte die „Katastrophe der Moderne“ in Japan, als welche er das Abdanken des Kaisers und die zunehmende Demokratisierung des Landes empfand, zu stoppen. Er gründete eine rechtsextreme Wehrsportgruppe und beging rituellen Selbstmord nachdem er mit dieser einen Putschversuch unternommen hatte.

„allein kulturell, nicht politisch“

Das betonen die MacherInnen von Sigill immer wieder, sei ihre Arbeit. Damit wollen sie sich vor allem der Kritik an ihnen und ihren Inhalten entziehen. Vermutlich unbewußt verlegen sie damit jedoch ihre Arbeit auf ein Gebiet, welches aus theoretischen Gründen schon lange Ziel der sogenannten „NEUEN RECHTEN“ ist, die Kultur. Nach dem Wahldebakel der NPD 1969 überlegten Teile der Rechten nach neuen Möglichkeiten der Einflußnahme.

Dabei entdeckten sie den italienischen Kommunisten Antonio Gramsci. Dieser entwickelte in den 30erJahren die Theorie und Strategie der „Metapolitik“ und der „kulturellen Hegemonie“. Diese besagt, daß sich die Macht in einem Staat nicht allein in der Regierung und der militärischen Macht ausdrückt, sondern daß sie in den Köpfen und den Gedanken der Menschen anfängt. Und das dieses Denken nicht nur durch Wahlkämpfe und politische Reden sondern vielmehr auch durch den kulturellen Bereich und die allgemeinen Erfahrungen auf der Straße gebildet wird. Diese Strategie, also die Agitation im sogenannten „vorpolitischen“ Bereich griff die «Neue Rechte« auf. Wenn Sigill also behauptet „nur kulturell“ zu arbeiten ist dies falsch. Kultur und so auch Musik sind hochpolitisch.

Zwischen Unterwanderung und inhaltlicher Nähe

Seit einiger Zeit versuchen Personen aus dem Umfeld der „Neuen Rechten“ Einfluß auf die Gothicszene zu nehmen. Als Beispiele seien nur die Tätigkeit des JF-Autors Peter Boßdorf beim Musikmagazin Zillo und die massive Berichterstattung der Junge Freiheit zu diesem Thema ge­nannt. Auch eindeutige Personen wie der Bingener Nazi Werner Symanek versuchen, einen Fuß in die Szene zu bekommen. So produzierte Symanek eine Doppel-CD zu Ehren Leni Rie­fenstahls, auf der vertreten war, was bei rechten Gothics Rang und Namen hat (Forthcoming Fire, Strength through Joy, Death in June, Allerseelen).

Seitdem von antifaschistischer Seite die braunen Stippen in der Go­thicszene thematisiert werden, scheint ein wahrer Run von Rechts auf die Szene angefangen zu haben. Die Naziskinzeitschrift Rock Nord veröffentlicht einen Artikel zu Death in June, in der neuen Ausgabe der JN-Zeitung Einheit und Kampf werden die Riefenstahl Doppel-CD und Gothic­bands bei den Plattenkritiken bespro­chen. Auch im Rundbrief des Thuleseminars ist Gothic Thema usw.

Daß allerdings eine Gefahr der Einflußnahme aus dieser Richtung ausgeht, erscheint unrealistisch. Wenn, dann liegt sie an den rechten Vertretern innerhalb der Szene, wie dem Personenkreis um Sigill oder bei Personen, die sich direkt in die Szene hineinbegeben, wie es Stefan Ulbrich oder Peter Boßdorf tun. In letzter Zeit gab es sowohl Hinweise auf eine wei­tere Etablierung des rechten Teil der Szene als auch für wachsenden Wi­derstand.

Bedenklich stimmt die größer ge­wordene Präsenz rechter Bands in der Szene, so zum Beispiel Forthcoming Fire und Allerseelen beim 6. Wave/Gothik- Treffen zu Pfingsten 1997 in Leipzig, wo auch das Sigill­-Team auflegen durfte. Andererseits di­stanzieren sich andere Bands deutlich von rechten Bands und hinterfragen auch inhaltliche Anknüpfungspunk­te. Die Mehrzahl der Konzerte von Death in June mußten abgesagt werden, Forthcoming Fire erging es nicht besser. Letztendlich wird es aber auf die innere Entwicklung der Szene an­kommen, ob sich die rechten Strippen in der Schwarze Szene vermehren oder eine Randerscheinung bleiben werden.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Nr.39/1997 des Antifaschistischen Info-Blatts

Quelle: Turn it down

The dark side of the music

Jenseits von „Böhse Onkelz“ und „Screwdriver“:

Über (neo-)faschistische Tendenzen in der Independent-Musik

Jean Cremet in analyse & kritik (389, 04/1996, Seite 11)


Do you want/Total war
Turn man into/Beast once more
Do you want/To rise and kill
To show the world/An iron will

(Non/Boyd Rice; In the shadow of the sword)


Schönheit gibt es nur im Kampf.

(Walter Ulbricht)

Einen „eigenen Stil und Sprachkodex“ habe sich die „Darkwave“ oder „Gothic“ Scene oder wie immer mensch sie auch nennen mag geschaffen, schreibt einer, der es wissen muß, in der deutschen Ausgabe des „Rolling Stone“. Der Autor Ecki Stieg ist Moderator der Sendung „Grenzwellen“ beim niedersächsischen Privatsender ffn, wo er jeden Sonntag Töne aus den Bereichen ElectronicMusic, Industrial, AmbientDub, intelligent Techno, Darkwave und anderen Sparten der früher einfach „Independent“ genannten zerfaserten Musikszene präsentiert, die zwischen den Werbeblöcken sonst keinen Platz findet. Ästhetisch ungewöhnliche Musik mit AvantgardeAnspruch wird eben noch immer als Randgruppenphänomen betrachtet, obwohl die verschiedenen Spielarten längst über ihre eigenen Labels, Vertriebe und Zeitschriften verfügen. Besonders letztere haben dabei inzwischen den Status eines Fanszines hinter sich gelassen und erscheinen wie das Darkwave/GothicMagazin „Zillo“ in farbiger Hochglanzaufmachung.

Der arme, altlinke 68er schüttelt ob solch organisierter Verwirrung irritiert den Kopf. Er ist bei den Rolling Stones, der ewigen Kiffermusik der Gratefull Dead oder beim GrungeGroßvater Neil Young, wenn er besonders pc ist, auch bei Ton, Steine, Scherben stehengeblieben. Aber deshalb gibt es ja die berufsmäßigen Erklärer wie Ecki Stieg. So weiß er zum Bereich Darkwave: „Vor allen Dingen ist das Mittelalter ein beliebtes Sujet… Eine Mischung aus Realitätsflucht, das Liebäugeln mit modischen Accessoires dieser Zeit sowie immer wiederkehrende Themen wie die Endzeitstimmung des Mittelalters… sind bezeichnend für den Stil vieler Bands.“ Und er ergänzt diese Einschätzung: „Die beherrschenden Themen sind Esoterik, Umweltzerstörung, aber auch exotische Religionen und ‚bewußtseinserweiternde‘ Kulte. Die Parallelen zur HippieGeneration der 60er Jahre sind unübersehbar; in dieses Bild paßt auch die lammfromme Gewaltfreiheit der ’schwarzen Szene‘.“

So genau scheint der Experte seine Szene wohl doch nicht zu kennen. Ein Beispiel gefällig? Im Titelsong der CD „Kshatriya“ der italienischen Band „Ain Soph“ heißt es: „Die Treue ist stärker als Feuer/Sich erheben, auferstehen/Eine Form und eine Ordnung schaffen/Aufrecht durch die Ruinen/Den schwersten Weg auswählen/Unseren Mut in Metall gießen/Endlich wiedergeboren durch das Blut/Stark durch unsere Ehre/Kshatriya“ Kshatriya ist der Priesterkrieger, der seit Julius Evola als Vorbild für die Leitfigur des „politischen Soldaten“ der Nationalrevolutionäre dient. Auf dessen Buch „Menschen inmitten von Ruinen“, seit der Erstveröffentlichung 1953 ein Leitfaden zuerst für die italienischen Nationalrevolutionäre, später auch für deren Gesinnungsgenossen in ganz Europa, bezieht sich offenbar die Textzeile „Aufrecht durch die Ruinen“.

Evola ist es auch, der auf der CD „Aurora“ der gleichen Gruppe abgebildet ist, während auf dem Cover die Abbildung eines antiken nackten Kriegers, gestaltet durch den NaziBildhauer Arno Breker, prangt. Einer der Musiker nennt sich von Sebottendorf wie der esoterische Aktivist der Münchener ThuleGesellschaft. Um das Maß der eindeutigen Bezüge voll zu machen, ist auf der Rückseite des Booklets zur CD ein Gedicht des Franzosen Pierre Drieu La Rochelle aus seinem 1917 erschienenen Lyrikband „Interrogation“ abgedruckt. Drieu brachte mit diesem Buch und dem 1920 erschienenen Folgeband „Fond de cantine“ die Gefühle der Frontgeneration des Ersten Weltkrieges zum Ausdruck und wurde damit in Frankreich zum Kultautor, vergleichbar nur mit der Rolle Ernst Jüngers in Deutschland. Der Krieg ist bei Drieu die Initiation des Mannes in das Leben. Drieus Dauerthema war die Virilität. Der Mann hatte sich als Mann zu beweisen: als Eroberer der Frauen und als Krieger. Nicht die hippiehafte, lammfromme Gewaltlosigkeit, wie Ecki Stieg vermutet, ist das Ideal dieses Teils der „schwarzen Szene“, sondern das der gelebten Mannhaftigkeit.

Dieser ideologische Anspruch muß natürlich auch musikalisch umgesetzt werden. In „Kshatriya“ sind es im Titelstück perkussiv gespielte Pianopassagen, die in eine elektronische Lärmorgie überführt werden, die wiederum den im Vordergrund stehenden Text nur untermalt, der im Sprechchor nach Art eines Gebetes oder eines Kampfschwures vorgetragen wird. Andere Stücke entsprechen durchaus der Vorstellungswelt Ecki Stiegs. Die Gegenwart verkörpert die Dekadenz, den Abstieg vom Besseren zum Schlechteren. Das Mittelalter dagegen ist auch ästhetisch ein Ideal. Ganze Passagen sind musikalisch reduziert, verzichten vollständig auf Elektronik und ziehen sich auf die mystische Innerlichkeit gregorianischen Chorgesangs zurück. Der Widerspruch ist nur ein scheinbarer. Die Ergänzung des kshatriya ist bei Evola und dessen spirituellen Vorbildern der brahmane, der der Welt entrückt nur der Transzendenz lebt. Seine spirituelle Verwurzelung wiederum ist unabdingbar für die Existenz des kshatriya.

Musikalisch und ideologisch nutzbar für die DarkwaveSzene in ihren verschiedenen Ausprägungen ist grundsätzlich jedes historische Vorbild, das gegen den philosophischen Materialismus gerichtet ist. So kann die Anlehnung an die Romantik, besonders deutlich bei der britischen Band „Sol Invictus“ um Tony Wakeford, durch Form, Instrumentierung und Aussage nicht erstaunen. Akustische Instrumente, auch im Rock eher ungewöhnliche wie Cello und Flöte, werden mit Elektronik gekoppelt. Häufig findet ein Rückgriff auf die Volksliedform statt.

Zu den inhaltlichen Selbstverständlichkeiten in diesen Kreisen gehört der Bezug auf Friedrich Nietzsche. So findet sich auf der Rückseite des Booklets der CD „Death of the West“ von „Sol Invictus“ ein Zitat aus „Also sprach Zarathustra“: „Der Staat ist das kälteste aller Monstren. Kaltblütig lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Mund: ‚Ich, der Staat, bin das Volk.‘“ „Also sprach Zarathustra“ war von allen Büchern Nietzsches wohl dasjenige, das am stärksten den Kult des Übermenschen propagierte und das fette, selbstzufriedene Bürgertum attackierte und der Verachtung preisgab. „Ich sage euch: man muß noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.“

Von Nietzsche bis zur Aussage des Oswald Spengler zitierenden Titelstückes „Death of the West“, die von Alain de Benoist stammen könnte, wenn er Lyriker wäre und nicht Essayist, ist es ein geradliniger Weg. „Sie machen den letzten Film/Sie sagen es ist der beste/Wir alle haben mitgeholfen ihn zu machen/Er heißt Der Untergang des Abendlandes./Die Kids von Fame werden da sein/Coca Cola gratis für euch/Und Eurodisney ist hier/nur für mich und für dich/…/Ein Stern ist am Nordhimmel aufgegangen/Und auf diesem Stern sind wir gekreuzigt worden/Sie winden goldene Ketten um diese Welt/Wir werden von denen regiert, die lügen/Der Untergang des Abendlandes.“ Kulturkritik paart sich mit dem obligatorischen „neu“rechten Angriff auf die USA und der Gegnerschaft zum Christentum sowie der Anknüpfung an die Väter der Konservativen Revolution.

Die Vorgehensweise von „Ain Soph“, „Sol Invictus“ und verwandten Bands wird von dem russischen Schriftsteller Eduard Limonov, Theoretiker des Nationalbolschewismus und dessen Verkörperung durch die Praxis, als Forderung für den gesamten Bereich der populären Musik erhoben. Seit dem Jazz sei die Geschichte der gesamten populären Musik eine des ständigen Abstiegs gewesen. Einen ersten Tiefpunkt dabei hätten die Hippies dargestellt. „Zum von der beat generation geerbten Infantilismus gesellte sich der feminine Stil… Mit ihrer Fransenfrisur junger Mädchen haben die Beatles die gesamte Welt überzogen und drückten damit mit der größtmöglichen Präzision die psychologische Struktur der neuen Generation der europäischen Jugend aus: Ohnmacht, Feminität, Egoismus und zügellose Gefühlsduselei.“ Pazifismus und sexuelle Promiskuität seien die Folgen gewesen.

Aber nach den Hippies gab es noch einmal Hoffnung: den Punk. „Der Johnny Rotten (Sänger der Sex Pistols, J.C.) dieser Periode war ein hervorragendes Exemplar eines wahrhaft männlichen Jugendlichen, verführerischer als alle Helden der Popmusik von Elvis über den Kastraten Bob Dylan bis zum bisexuellen ‚night club‘Stil eines David Bowie.“ Doch dieser Ausbruch kämpferischer Männlichkeit sei durch die Plattenindustrie schnell wieder integriert worden. Seitdem habe ein Prozeß der Entmaskulinisierung stattgefunden, dessen Höhepunkte Prince und Michael Jackson seien. Diese Entwicklung, so Limonow, sei nur konsequent, da sie den Verlust kämpferischer Männlichkeit in unserer gesamten Epoche widerspiegele.

Ein Pamphlet, das so auch von Michael Jenkins Moynihan hätte verfasst werden können, dem Kopf der Gruppe „Blood Axis“, die bereits vor ihrer ersten CD „The Gospel of Inhumanity“ durch ihre Beiträge zu dem Sampler „Im Blutfeuer“ in der „schwarzen Szene“ Kultstatus erlangt hatte. Das Booklet von „Im Blutfeuer“ zeigt Moynihan am Grabe des für den faschistischen Okkultismus zentralen Esoterikers und SSBrigadeführers beim „Ahnenerbe“ Karl Maria Willigut, der der Kontaktmann Julius Evolas zur SS war und als „Rasputin Himmlers“ bezeichnet wurde . Passend dazu die inhaltlichen Bezüge in dem mystisch verrauschten Beitrag der Gruppe unter dem Titel „The Storm Before the Calm. Part One“. Eingeblendet werden ein Redeauschnitt des Führers der faschistischen rumänischen Eisernen Garde, Corneliu Zelea Codreanu , einem der wenigen Politiker, denen Julius Evola Bewunderung entgegenbrachte, sowie eine Passage aus der Novelle „Auf den Marmorklippen“ des ebenfalls von Evola verehrten Ernst Jünger.

Mit Jünger und Codreanu werden zwei Personifizierungen der Virilität verknüpft mit einem Esoteriker, der geisteskrank endete. Die perfekte Ergänzung dazu bietet der zweite Beitrag von „Blood Axis“, eine Coverversion des Titels „Walked in Line“ von Joy Division, deren Kultstatus für den Bereich des DüsterRocks durch den Suizid ihres Sängers eher noch gesteigert worden war. „Walked in line“ erscheint hier strenger und kälter als im Orginal, bestimmt durch die Perkussion, die das Stück vorantreibt und ihm den Charakter eines Marsches verleiht. Der Opfergang von Codreanu bis zu seiner Ermordung und der Wandel Jüngers vom soldatischen Nationalismus zum Anarchen, die im folgenden Stück zitiert werden, sind zwei mögliche Resultate dieses Marsches. Codreanu geht den Weg des kshatriya unbeirrt bis zum notwendigen Untergang, Jünger dagegen wandelt sich zum brahmanen und entrückt sich den Wirren einer feindlichen Welt, die dem Untergang immer schneller entgegentrudelt. Wie Evola wählt er die apoliteia, das Handeln durch NichtHandeln.

Gerade der Bezug auf Codreanu verdeutlicht, daß der Stil der Subkultur der DarkwaveSzene eine enge Verbindung zu Elementen der faschistischen Ideologie aufweist. Zum einen findet sich hier besonders deutlich die Umformung der Todesakzeptanz in die Todessehnsucht. Armin Mohler berichtet z.B., daß die spezielle Attentätergruppe der „Legion des Erzengels Michael“ sich nach ihren Morden nicht in Sicherheit brachte, „sondern (sie) krönten die Exekution mit ihrem eigenen Tod.“ Die aktuelle Ausprägung findet dies in der Todesverliebtheit der Grufties mit dem heimlichen Feiern von Parties auf Friedhöfen als sichtbarer Ausdruck. Zum anderen findet sich bei der „Eisernen Garde“ die Paralelle einer symbolgeschwängerten Spiritualität. „Ihre tiefe christliche Gläubigkeit wurde unter anderem darin sichtbar, daß die Kolonnen der Gardisten in der Marschformation großer, lebender Kreuze durch die Städte zogen.“ Diese Städte galt es, für den wahren Glauben zu erobern, denn für die bäuerlichländlich geprägte „Eiserne Garde“ waren sie feindlicher Boden, den der Unglaube und die Dekadenz regierten. Auch hier wiederum eine Entsprechung zur großstädtischen, romantisierenden Natursehnsucht der Grufties.

Daß die hergestellten Bezüge ebenso wie bei „Ain Soph“ oder „Sol Invictus“ nicht zufällig sind, sondern der genauen Kenntnis der ästhetischen, historischen und ideologischen Hintergründe entspringen, unterstreicht die Ende 1995 veröffentlichte CD „The Gospel of Inhumanity“ von „Blood Axis“. Die Ikonographie von Cover und Booklet ist den textlichen und musikalischen Vorgaben angepaßt. Unter der vorherrschenden Farbe schwarz prägen Kreuze in vielfältiger Form vom Balkenkreuz über den kreuzförmigen Schwertgriff bis zur neuheidnischen Totenrune , Kampf, Ruinen, Wahnsinn durch AbsinthMißbrauch und Tod das Bild. Selbst die Blumen vor Stahlhelmen und Grab machen einen verwelkten Eindruck.

Wenn es jemals angebracht war, von faschistischem Stil zu sprechen, dann hier. Alle Elemente, die Furio Jesi dazu zählt, finden sich vereint. Dies gilt besonders für die von ihm beschriebene Grabessymbolik. Ezra Pound, der USamerikanische Lyriker von Weltrang, der nach dem II. Weltkrieg von der USArmy wegen seiner Rundfunkpropaganda für die italienischen Faschisten zunächst interniert worden war und dann lange Jahre in einer Nervenheilanstalt in seiner ihm fremden Heimat verbrachte, liefert Stimme und Text, aufgenommen in dieser Anstalt, für das Stück „The Voyage“. Die Musik dazu ist Johann Sebastian Bach entliehen. Für ein weiteres Stück wird ein Gedicht von Friedrich Nietzsche genutzt. Eine neue Karriere als PopStar startet auf der Produktion auch der Satanist Charles Manson, als Mörder der Schauspielerin Sharon Tate zu Weltruhm gelangt, auf der CD durch die Interpretation eines eigenen Gedichtes. Auch in diesem Fall liefert Bach die musikalische Grundlage.

Für „Blood Axis“ ist wie für Evola und Limonow unsere Epoche die der Dekadenz, die vergehender Größe, die zwar noch immer sichtbar ist, deren letztlicher Untergang jedoch voraussehbar ist. Das Genie Pound endet ebenso im Wahnsinn wie Friedrich Nietzsche, Charles Manson lebt seinen persönlichen Wahn konsequent aus, der AbsinthSäufer kommt ihm mit jedem Glas näher. Doch auch dieser Untergang ist nur ein Teil des ewigen Kreislaufes von Werden und Vergehen. Es ist also zwecklos, ihn zu beklagen. Er muß als natürlich akzeptiert werden. Als so natürlich wie der Kampf jeder gegen jeden und natürlich auch der Krieg, der in einer Welt voller Gewöhnlichkeiten und Nichtigkeiten die Gelegenheit bietet, sich zu beweisen und wenigstens kämpfend unterzugehen.

In dieser Vorstellungswelt ist für Humanismus tatsächlich kein Platz. Die ihr angepaßte Ideologie ist der Sozialdarwinismus, den Boyd Rice, ein anderer prominenter Vertreter dieser Szene offensiv propagiert. Rice begann seine Karriere als AvantgardeMusiker, der versuchte, die formalen Beschränkungen der Musik zu durchbrechen. Der Zuhörende sollte nicht länger nur rezipieren, sondern selbst aktiv in den Prozeß der Produktion eingreifen können. So trug seine Platte „Pagan Music“ ausdrücklich den Vermerk „playable at any speed“. Zusätzlich waren neben dem Mittelloch noch weitere Löcher in die Platte gebohrt worden, um ein diszentrisches Abspielen zu ermöglichen. Es lag also am Hörenden selbst, wie er die Musik hören und verstehen wollte. Dieser Verzicht auf Vorgaben und Botschaften von Boyd Rice in seiner frühen Phase setzte sich auch bei den LiveAuftritten fort, die als gewaltige Lärmorgien lediglich dazu gedacht schienen, die Belastbarkeit der Hörerinnen und Hörer auszutesten.

Seit der Veröffentlichung der CD „In the Shadow of the Sword“ im Jahr 1989 wurde das formale Experiment, das ihn in AvantgardeKreisen bekannt gemacht hatte, durch die konkrete, textliche Botschaft ersetzt. Auf der Platte selbst findet sich neben der in diesen Kreisen fast schon obligatorischen Rune auch die theosophische Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt. Als Text eines der Songs dieser CD dient ein Gedicht des Psychologen Carl G. Jung, wiederum eine bezeichnende Wahl, wenn dessen Unterstützung für den Nazifaschismus und sein Kultstatus in der New AgeSzene bekannt sind. „In the Shadow of the Sword“ beginnt mit dem monoton stampfenden, einhämmernden Stück „Total War“, das die anfängliche Frage „Wollt Ihr den totalen Krieg?“ am Schluß mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet und fordert, „das Tier im Mann wieder frei(zu)lassen“. Als musikalischer Kontrast und textliche Ergänzung folgt das Stück „Etarnal Ice“, das mit nur lieblich zu nennender Frauenstimme zur Melodie von „Stille Nacht, heilige Nacht“ stattdessen „Silent war, holy war“ intoniert und wiederholt beschwört: „Es gibt keine Geburt ohne Tod“.

Als Glaubensbekenntnis von Boyd Rice kann schließlich sein Stück „A World on Fire“ gelten. „Ich habe einen Traum“, heißt es dort. „In meinem Traum sehe ich eine Welt befreit von der Last der Falschheit. Ich sehe eine Welt wiedergeboren in Perfektion. Ich sehe die Herrschaft der Reinheit. Und wie kann dieser Traum wahr werden?“ Rice weiß die Antwort: Großes und schreckliches Leiden sowie Zerstörung seien notwendig, die Wiederkehr der Kämpfe um Land, Nahrung und Wasser, eine Rückkehr zur Barbarei. In seinem Traum sieht er die Plätze der Städte erhellt durch die brennenden Leichname gekreuzigter Christen.

Seit „In the Shadow of the Sword“ nennt Boyd Rice seine Musik „Gothic March Music“. Die hinter ihr stehende Ideologie ist eine Mischung aus Sozialdarwinismus und Feindschaft auf das Christentum. In einem Interview faßte er seine Anschauung in der griffigen Formel „Die Starken beherrschen die Schwachen und die Klugen beherrschen die Starken.“ zusammen. Das Christentum als Feindbild dagegen ist schuldig an allen gegenwärtigen Übeln, da seine Normen (10 Gebote, Bergpredigt) die natürlichen Instinkte des Menschen zerstören. Die Verpflichtung zur Feindesliebe verhindert letztlich, daß die notwendigen Kämpfe ausgetragen werden, um die Überbevölkerung zu beenden. Diese Überbevölkerung wiederum ist schuld an der Umweltzerstörung usw. Bis zur jüngsten Veröffentlichung „Hatesville“ durchzieht diese Botschaft seine Stücke wie ein roter Faden. Die „schwarze Szene“ registriert diese Zusammenhänge sehr wohl und geht zur Tagesordnung über. So kommeniert der einschlägige Plattenversand „HDMailorder“ die Neuerscheinung „Hatesville“ in seinem Dezemberkatalog mit dem süffisanten Satz: „Unsere Frage: was ist ‚political correctness‘“.

In diesem Bereich der schwarzen Szene kennt man sich und arbeitet zusammen. Die etablierteren Künstler helfen den Newcomern. Es sind immer wieder die gleichen Namen, auf die wir stoßen. So wurde „In the Shadow of the Sword“ gemeinsam mit dem uns schon bekannten Michael Moynihan aufgenommen sowie mit Douglas Pearce und Tony Wakeford, beide lange Zeit Köpfe von „Death in June“ , der wohl bekanntesten Band dieses Spektrums. „Death in June“, zeitweise zum Duo geschrumpft, trägt die von Limonow geforderte Virilität auf die Bühne. Kampfanzüge und Masken sind unverzichtbarer Bestandteil des Outfits, eine Landsknechtstrommel ist das dominierende Instrument. Der Bandname „Death in June“ stammt von der „Nacht der langen Messer“ im Juni 1934 gegen die Führung der SA und konservative Oppositionelle des NSStaates. So erstaunt es kaum noch, daß auf der LP „Brown Book“ das „Horst WesselLied“, die Hymne der SA, als a capellaGesang erschallt. Allerdings handelt es sich in diesem Fall nicht um einen Marsch, gedacht zur Einschüchterung der Gegner, sondern um einen Sakralgesang, der den Verlust der gefallenen Kameraden betrauert.

Selbstverständlich weisen „Death in June“ jeden Faschismusvorwurf gegen sich weit zurück, bieten z.T. sogar an, in besetzten Häusern zu spielen. Patrick O‘Kill, Gründungsmitglied der Gruppe und heute Chef der musikalisch vergleichbaren „Sixth Comm“ („Sechstes Gebot“), verwies im einem Interview darauf, daß alle Mitglieder von „Death in June“ ursprünglich in linken oder antifaschistischen Organisationen tätig gewesen seien. Für sich selbst hatte er aber vorher bereits zugegeben, in einer paramilitärischen Jugendorganisation aktiv gewesen zu sein. Wie sein angeblich linkes Bewußtsein damit in Einklang zu bringen ist, daß er sich in einer „schöpferischen Krise“ in Bodyguard und Überwachungstechniken sowie im Guerilla und Antiguerillakampf ausbilden ließ und danach zeitweise auf Seiten der Mujahideen in Afghanistan und als Söldner in Nordafrika kämpfte, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Seinen Erklärungen im Interview bieten sowohl einen Einblick in sein eigenes Denken als auch einen Blick auf die Hilflosigkeit einer Jugendkultur, die mit Faschismus konfrontiert ist, der nicht dem Bild ihres Schulwissens entspricht. So kann O‘Kill sich offen äußern, ohne daß befürchten muß, wegen seiner Ansichten in der Zielgruppe ein negatives Image zu erhalten. Ein Beispiel aus diesem Interview: „Ich glaube, daß die Leute solche Tracks mißverstanden haben wie Tonys (Wakeford, J.C.) ‚We drive East‘, der nur eine Parodie eines deutschen Marschliedes aus dem Zweiten Weltkrieg war. Was ist falsch daran, ‚die bolschewistische Bestie zu zerschlagen‘? Ich bin sicher, daß die Millionen, die in den Arbeitslagern des Ostblocks gelitten haben, von einer solchen Befreiung von ihrer Unterjochung geträumt haben. Zuletzt ist das auf dem richtigsten Weg, durch das eigene Volk, erreicht worden. Von der bolschewistischen zur kapitalistischen Bestie vielleicht…“ Selbstverständlich hat das nichts mit Faschismus zu tun, oder? Es ist nur die Parodie eines Wehrmachtsmarsches.

Bei „Death in June“ und den zahlreichen Gruppen, die aus Abspaltungen entstanden sind oder im Orbit dieser Band kreisen (z.B. „Sol Invictus“, „Current 93″, „Sixth Comm“, „Strength through Joy“ etc.), ist es in keinem Fall eine ausformulierte Ideologie, die wirksam wird. Entscheidend ist vielmehr in jedem Fall das Transportmittel der Ideologie: der Stil. Verbindendes Element für diejenigen zahlreichen Kids der GothicSzene, die mit Faschismus nichts am Hut haben und gerade Skins oft als ihre ausgemachten Feinde erlebt haben, steht als verbindendes Element immer wieder der Bereich der Esoterik und des Okkultismus zur Verfügung. So erzählt Patrick O‘Kill ganz selbstverständlich von der schamanistischen Orientierung seiner Frau Amodali, ihren Experimenten mit Runenmagie und den Kontakten zur satanistischen ThelemaSekte. Bei all dem handelt es sich um allgemein akzeptierte Erscheinungen in der GothicSzene.

An dieser Stelle wird auch deutlich, daß Ecki Stiegs Vergleich mit den Hippies auch in Bezug auf die Esoterik hinkt. War deren Anrufung des Zeitalters des Wassermanns dazu gedacht, sich die Welt gut, sauber und hell zu lügen, als Rettung von allem Übel die allumfassende Liebe zu propagieren und alle Formen der weltlichen Herrschaft abzulehnen, so akteptiert das Denken der „Grufties“ nicht nur, daß die Welt kaputt, schlecht und verdorben ist, sondern begrüßt dies sogar als notwendigen Schritt, damit es einmal wieder besser werden kann. Nur das Akzeptieren und Ausleben auch der dunklen Seiten des Menschen bringe diesen voran auf dem Weg der Selbsterkenntnis und vervollkommnung. Die dabei bevorzugten satanistischen und heidnischen Kulte sind durchweg antiegalitär und basieren auf dem Führerprinzip. Der Sozialdarwinismus eines Boyd Rice wird zwar selten so explizit geäußert wie bei diesem, findet sich aber durchgängig im Denken der Szene verankert. So ist denn auch kein Vergleich zum „No future“ der Punks möglich. Im Gegensatz zu diesen sehen sich die Grufties als Elite. „Nur scheiße drauf zu sein genügt nicht.“, zitiert der „Stern“ in einem Report über Jugendkulturen ein Hamburger Gruftie. Diese weiter: „Grufties haben Stolz.“

So kann es nicht ausbleiben, daß diese Szene auch Resonanz in der Subkultur jugendlicher Neofaschisten außerhalb der Wahlparteien und des Spektrums der Militanten findet. So gehört zu den von der Band gegrüßten Personen auf der CD von „Blood Axis“ neben Peter Steele, dem Kopf, Sänger und Bassisten der sexistischen und rassistischen USBand „Typ ONegative“, eine gewisse Gerlinde Gronow. Diese gehört zum Umfeld der „Jungen Freiheit“, taucht dort zwar seit geraumer Zeit nicht mehr als Autorin auf, dürfte sich aber hinter dem Pseudonym „Gerhard Prinz“ verbergen. Hauptarbeitsgebiet von „Gerhard Prinz“ bei der „Jungen Freiheit“: die letzte Seite der Zeitung mit Berichten über Musik und Events aus dem DarkwaveBereich in Zusammenhang mit Esoterik und faschistischen Gedankengut. Dabei fällt auf, daß zahlreiche Exponenten der Szene sich nicht auf den musikalischen Ausdruck beschränken. So gab Michael Moynihan einige Zeit das Magazin „Fifth Path“ heraus, das Gerlinde Gronow als „Ausdruck einer neuen Rechten“ bezeichnet, und der Wiener Kadmon gibt ebenfalls eine Zeitschrift heraus und betätigt sich als bildender Künstler.

Auch Gerlinde Gronow selbst hatte zeitweise eine eigene Zeitschrift, „Scharlach“ genannt, publiziert, die die oben geschilderten Bands und deren Positionen zu popularisieren suchte. Der Anspruch der selbsternannten „89er“, eine geistige Elite zu sein, ein Anspruch, den ähnlich auch die Grufties haben, eine Position zwischen Carl Schmitt und Julius Evola, wird von Gronow offensiv vertreten: „Die meisten Kapitalisten sind nicht stark im eigentlichen Sinne sie herrschen, weil die Massen dumm und schwach sind, und nicht, weil sie als Beherrscher irgendeine besondere Stärke besäßen. Das gegenwärtige System basiert nicht auf der Vorstellung von einer Elite, sondern auf der Verflachung kultureller Werte.“ Auch sie bezieht sich explizit auf Julius Evola, Friedrich Nietzsche und Ernst Jünger. Den Satanisten Aleister Crowley lehnt sie ausschließlich deshalb ab, weil er auf den ShowEffekt ausgewesen sei. Schließlich stimmt sie auch der HitlerEsoterikerin Savitri Devi zu: „Savitri Devi war Hinduistin. In deren Mythologie hieß es, daß ein Weltenzerstörer kommen wird, dessen Aufgabe es ist, diese schlechte Welt oder den schlechten Zustand der Welt zu beenden. Der Weltenzerstörer war die Inkarnation eines höheren Gottes… Zumindest glaubt Devi, daß, wenn Hitler es nicht geschafft hat, noch Einer kommen wird.“

Heftig widersprochen wird Gronow in ihrer Einschätzung von Gruppen wie „Sol Invictus“ und „Blood Axis“ in einem Leserbrief an die „Junge Freiheit“ ausgerechnet von Willi Stasch, dem Inhaber des in Moers ansässigen Labels „Cthulhu Records“, der „Blood Axis“ und verwandte Gruppen veröffentlicht und jede Verbindung der Bands mit rechtem Gedankengut zurückweist. Ähnlich unwissend gibt sich der Vertrieb „Discordia“ (Willich), der in relativ kurzer Zeit von drei auf dreizehn Beschäftigte anwuchs. Ein Zeichen dafür, daß das Geschäft mit dem Weltuntergang floriert. So vermutet auch der Verkäufer eines Plattenladens ökonomische Gründe hinter der Tatsache, daß die o.a. Bands im Vertrieb von Discordia sind. „Death in June“, „Sol Invictus“ u.a. sind nämlich unter Vertrag beim britischen Vertrieb „World Serpent“. Würde sich Discordia weigern, bestimmte Platten des Programms abzunehmen, würde wahrscheinlich die Lizenz für die Bundesrepublik gekündigt. Discordia heißt zwar Zwietracht/Mißklang, aber so weit, daß sie sich geschäftsschädigend auswirken, will man die Mißklänge wohl doch nicht treiben. Da zeigt der Chef Klaus lieber Verständnis und wiegelt ab.

Ähnlich verständnisvoll verhält sich Rainer Ettler, Herausgeber des DarkwaveFanzines „Zillo“, gegenüber einem seiner Rezensenten, dem Bonner Peter Boßdorf, einem AltAktivisten der neofaschistischen Szene. Boßdorf ist seit Jahren für die „Junge Freiheit“ tätig, zunächst als Redakteur für den Bereich Wirtschaft, später vollzog er den Wechsel aus dem platt materiellen in den kulturellen Bereich. Im Abstand von einigen Wochen stellt er in dem nationalliberalen Blättchen unter der Überschrift „Neue Geräusche des Jahres“ Platten aus dem Bereich der Popmusik vor, besonders häufig und liebevoll die aus dem DarkwaveBereich. „Zillo“ bedankte sich außerdem für redaktionell Werbung für das Blatt in der „Jungen Freiheit“ (4/96) mit dem Abdruck einer Anzeige in seiner FebruarAusgabe. Die „Junge Freiheit“, die früher „eine konservative Revolution“ sein wollte, warb jetzt, dem Publikum angemessen, damit, „romantisch, anders, frei“ zu sein. Damit platzte Teilen der Szene der Kragen. Mehr als dreißig Labels verlangten eine Distanzierung von den rechtsextremen Verbindungen durch Blattmacher Ettler. Dieser sieht dafür allerdings keinerlei Anlaß.

Eigentlich kann ich ihm dabei nur zustimmen. Schließlich bestehen diese Zusammenhänge ja tatsächlich. Warum also etwas leugnen, was tatsächlich vorhanden ist? Nicht alle verhalten sich allerdings derart offen wie der den Traditionen des musikalischen Futurismus verpflichtete Franzose JeanMarc Vivenza, der bei einem Happening am 3. Mai 1990 in Paris an einer öffentlichung Zerstörung der Deklaration der Menschenrechte und von Werken Andy Warhols beteiligt war sowie anschließend als Vortragender bei einem Kolloquium des „Reseau Mafarka“ neben den beiden Exponenten der Nouvelle Droite Michel Marmin und Robert Steuckers wirkte.

Die Namensgebung „Reseau Mafarka“ geht zurück auf den Roman „Mafarka le futuriste“ des Mitbegründers des Faschismus Filippo Marinetti. Zur Verdeutlichung, was diese Namensgebung bedeutet, ein Zitat: „Als ich ihnen sagte: ‚Verachtet die Frau!‘, gebärdeten sich alle wie von einer Polizeirazzia aufgebrachte Bordellbesitzer und warfen mir triviale Beschimpfungen an den Kopf! Dabei bezweifle ich überhaupt nicht den animalischen Wert der Frau, sondern nur die ihr zugeschriebene Bedeutung der Gefühle. (…) Ich rief ihnen zu: ‚Laßt uns den Krieg verherrlichen!‘; seitdem malträtiert eine wahnsinnige Eishand des Grauens ihre Milz und schiebt sich geschickt in den klammen Magen und zwischen die dürren Rippen vor. Welcher Maler wüßte das blendende Grüngelb auf die Leinwand zu bannen, das ihre Wangen beseelt, wenn sie die Litaneien von der Weisheit der Nationen und der allgemeinen Abrüstung stammeln?“ Das, was Marinetti in seinem Roman propagiert, könnte er durchaus auch wie „Blood Axis“ den „Gospel of Inhumanity“ nennen.

So bezieht sich Vivenza zwar ganz und gar nicht auf das Mittelalter, sondern im Gegenteil auf die Moderne, ihre Geschwindigkeit und Industrialisierung, kommt aber ideologisch wie seine futuristischen Vorbilder zu den gleichen Schlußfolgerungen. Seine Musik nennt er auf gut französisch „Bruitismus“ . Bruitismus könnte als eine Mischung aus Ambient und Industrial bezeichnet werden. Für die unwissenden Alt68er unter den LeserInnen: Ambient ist in den (häufigeren) schlechten Momenten diejenige New AgeMusik, die der Psychotherapeut zur Unterstützung seiner Anweisung „Nun stellen wir uns mal eine grüne Wiese vor.“ benutzt, in den guten dagegen entstehen Werke wie Brian Eno’s „Music for Airports“. Jede Person, die einmal in der Werkhalle eines Industriebetriebes gearbeitet hat, weiß, daß die Maschinen dort eine sehr intensive Musik spielen können. In Deutschland griffen dies zuerst „Die Krupps“ mit ihrer Stahlwerksymphonie auf. Auch für den Industrial können durchaus die musikalischen Experimente des Futurismus als Vorbild gelten.

Diesen propagiert Vivenza denn auch unentwegt in seiner Zeitschrift „Volonté futuriste“, wobei der „Willen“ ein futuristisches Schlüsselwort ist, und als Referent bei den diversen „neu“rechten Gruppierungen wie den „Synergies Européennes“. Dafür, daß sein Wirken auch in Deutschland nicht völlig unbemerkt bleibt, sorgt wiederum der Willicher Vertrieb „Discordia“, der auch diese ideologischen Mißklänge zu schätzen weiß. Für Zwietracht/Discordia hat er damit unter den Musikfans bisher noch nicht gesorgt. Aktionen, wie die gegen die NaziskinBands vor einigen Jahren, sind ausgeblieben. Die CDs sind in fast jedem größeren Plattenladen mit IndependentAbteilung ohne Schwierigkeiten zu erhalten. Die deutsche, nationale Borniertheit führt wieder einmal dazu, daß als faschistisch nur das registriert wird, was dem Nationalsozialismus entspricht. So wird es wohl weiterhin Mißklänge/Discordia im DarkwaveBereich reichlich geben.

Anmerkung von Grufties gegen Rechts Bremen:

Trotz grundsätzlicher Übereinstimmung mit Jean Cremets Analyse müssen wir seinem pauschalen Urteil „daß der Stil der Subkultur der Darkwave Szene eine enge Verbindung zu Elementen der faschistischen Ideologie aufweist“ vehement widersprechen. Die Beschäftigung mit Tod und Zerstörung ist ebensowenig per se faschistisch wie romantische Natursehnsucht. Die Grenzen verlaufen an anderer Stelle an der Befürwortung oder Ablehnung des Gleichheitsgrundsatzes beispielsweise. Desgleichen sind heidnische Kulte desöfteren, aber nicht zwingend antiegalitär. Und schließlich sehen wir uns durchaus und nach wie vor in der Tradition des Punk, wobei wir die Frage, ob Punx grundsätzlich frei von elitärem Selbstverständnis sind, an dieser Stelle mal dahingestellt sein lassen wollen.

Quelle: Grufties gegen Rechts Bremen

Von Stahlgewittern und Gänseblümchen

Schwarze, wallende weite Kleidung, weiße Blusen und Hemden mit Rüschen und hochtoupierte Haare, so sieht er aus, der typische Vertreter der Wavebewegung. Die Mitte der 80er entstandene Subkultur, welche heute in der BRD ca. 150.000 Personen umfasst. Allerdings hat sie sich inzwischen feiner gegliedert hat, so z.B. in die Musikrichtungen Gothic u. Neo-Folk und längst nicht mehr alle SzenevertreterInnen laufen wie oben beschrieben herum. Ihren Ausgangspunkt hatte die Bewegung Mitte der achtziger Jahre. Eigentlich immer mehr der linken Subkultur zugetan, zeigen sich jetzt auch hier die Auswirkungen neurechter Aktivitäten.

Am 8.2. 96 veröffentliche die Junge Welt eine Artikel, in dem sie darauf aufmerksam machte, dass in der Feb. Ausgabe von Zillo, dem wohl bekanntesten, einflussreichsten und auflagenstärksten Blatt (70 000 Exemplaren pro Monat) der ’schwarzen‘ Szene, wie die Dark- Gothicszene auch genannt wird, eine Anzeige der rechtsextremen Jungen Freiheit sei. Des weiteren war aufgefallen, dass der Mitarbeiter der Jungen Freiheit Peter Boßdorf inzwischen Plattenkritiken für Zillo schreibt. Vorwürfe bezüglich dieser Zusammhänge wies der Zillo-Herausgeber Rainer Ettler jedoch in der März Ausgabe weit von sich und der Szene. ‚Zillo ist weder rechts- noch linksradikal!‘. Allerdings wolle man demnächst keine Anzeigen von politischen Zeitungen mehr annehmen. Ansonsten ‚will ich von diesem verdammten Thema kein Wort mehr hören‘, ließ er verlauten und hoffte vermutlich, damit das Thema vom Tisch zu wischen.
Was da bei Zillo zum Vorschein kam, war allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Schon seit Jahren versuchen Rechte, einen Platz in der Gothic und Dark-Wave Szene zu finden. Und so ist Peter Boßdorf mit Sicherheit nicht ‚zufällig‘ sowohl für Zillo als auch für die Jungen Freiheit (JF) tätig, wie Ettle behauptet. Wir werden dies im Laufe des Artikels
aufzeigen.

Das Kind mit dem Bade ausschütten

Bevor wir uns allerdings weiter mit den rechten Einflüssen und ihren Ausprägungen in der Szene beschäftigen, soll noch erwähnt werden, dass es in diesem Artikel nicht darum geht, die Szene insgesamt in den Dreck zu ziehen oder in die rechte Ecke zu stellen, wie das im Moment das bayrische Fernsehen und Teile der Kirchen versuchen. Im übrigen verstehen sich Teile der Szene selbst eher links und haben auch gleich auf die Einflussnahme von rechts reagiert. So wehrte sich schon 1994 Gymnastic Records dagegen, dass der Nazivertrieb Werner Symanek, welcher schon 199? in seinem Versandkatalog die Sparte ‚Dark-Wave‘ einführte und Platten von Radio Werwolf, Death in June, Current 93 aber auch Deine Lakaien anbot, erfolgreich gegen den Vertrieb ihrer Platten durch den Nazi.
Auch nach der JF-Anzeige in Zillo organisierten einige Bands und Labels gleich eine Erklärung, in der sie eine eindeutige Distanzierung von der JF und rechtem Gedankengut fordern . Es soll im diesem Artikel darum gehen, die organisatorischen und inhaltlichen Verknüpfungen darzustellen und aufzuzeigen, wo Einfallstore für die Rechten in die Szene sind.

Die Dark-Wave- Independent- u. Gothicszene ist bunt und vielschichtig, noch sind die Einflüsse von Rechts nur in einem kleinen Randbereich zu erkennen, allerdings sind inzwischen Zeitungen, sog. Fanzines, als Sprachrohre dieses Teils der Szene entstanden. So stehen z.B. die Zeitungen Sigill, Codex, Aorta u. Europakreuz eindeutig rechts. An
ihnen lässt sich auch am deutlichsten erkennen, wo die Anknüpfungspunkte zu suchen sind. Von Seiten der Rechten wird die erkannte Verbindung inzwischen auch dargestellt und für Sympathie geworben, so widmete die burschenschaftlich orientierte Zeitung ‚Identität‘ schon 94 eine Ausgabe dem Thema ‚Radikale Ästhetik‘, welche
unter Überschriften wie ‚Stahlgewitter als Freizeitspass‘ oder ‚Schwarze Flaggen, stolze Herzen‘ den inhaltlichen Standpunkt der Musikszene, deren rechte politischen Vertreter (Blood Axis, Death in June) und deren historischen Vorbilder (den Futurismus, die Avantgarde und auch die Romantik) thematisiert. Auch die JF hat sich des Bereichs angenommen und veröffentlicht regelmäßig dazu u.a. Artikel über Forthcoming Fire, die Zillo Preisverleihung , Allerseelen oder ‚Jugendkultur im Blutfeuer – Neues aus der rechten Indepentent-Szene‘. Bisheriger Höhepunkt war mit
Sicherheit das Interview das JF-Chefideologen mit J.W. Klumb von Forthcoming Fire, welches unter der Überschrift ‚Die Lage darf sich nicht beruhigen‘ stand.

Worum geht es eigentlich?

Tod, Blut und Mystik standen schon immer auf dem Programm der Dark-Wave- und Gothicbands. An diesen Themen wird angeknüpft und sie werden mit rechten Inhalten aufgeladen. Es entsteht ein sonderbares Gemisch, in welchem Geschichtsrevisionismus, SS-Mystik, Sozialdarwinismus und Rassismus fröhliche Urstände feiern. Zentral scheint dabei die Angst vor der Mittelmäßigkeit, der Masse zu sein.

Jenseits von Mob und Vermassung

‚Essentiell ist einzig und allein das Ästhetische und Kulturelle, das Titanische und Heidnische, jenseits von Mob und Vermassung‘, so Stepfan Pockrandt im Vorwort des in Dresden erscheinenden Magazins Sigill. ‚Ich habe keine Achtung vor Religionen, welcher Art auch immer wenn sie zu einer Massenbewegung werden.‘ Ian Read, früher bei Current 93 (C 93), Death in June (DiJ) u. Sol Invictus (SI), ist heute zentrale Person von Fire & Ice. Ein anderer Musiker von Sol Invictus, Tony Wakeford, äußerte sich im Magazin ‚Scharlach‘ der ex-JF Redakteurin Gerlinde Gronow folgendermaßen: ‚Die Leute scheinen größtenteils wertlos zu sein‘.
‚Größtenteils versuchen die Leute nie, sich von der Masse abzuheben…‘. Fast erstaunt die Suche nach Stärke in der Masse, gewohnt vernimmt man Worte wie ‚Die größte Gefahr …ist, eine individuenlose Gesellschaft zu werden‘. Ließt man jedoch weiter wird schnell alles klar: ‚einer Massengesellschaft‘. Es geht hier nicht um das Individuum Mensch, mit seinen eigenen Bedürfnissen und Wünschen, sondern es geht darum, die Avantgarde eines Volkes zu sein. Ein Motiv, welches sich auch schon im Nationalsozialismus und im Faschismus fand.
Dieser Quellen ist man sich heute wohl bewusst: ‚Das 3. Reich ist ein Symbol für die Verschmelzung von der Technologie des 20. Jahrhunderts und einer archaischen Vorzeit, sowie ein totaler Dualismus zwischen Totalitarismus und dem Individuum.‘ So der Wiener Kadmon, Hrg. Des Magazins ‚Aorta‘ und Kopf der Gruppe ‚Allerseelen‘, in einem Interview nach einem Konzert in Dresden.

Ich liebe Stärke und Gewalt…

‚Wir alle sind Nachkommen von Kriegern. Und wenn wir unsere kämpferische Natur nicht wiedererlangen, werden wir als Volk verdammt sein…Ich liebe Stärke und Gewalt und hasse die Schwäche.‘ ‚Krieg ist etwas natürliches. Das Tierreich…entwickelte sich so.‘ oder auch:‘Scharlach: Das Gesetz des Starken scheint dich zu faszinieren? Sol Invictus: Ja es fasziniert mich…es ist die Erkenntniss, dass das Leben Kampf ist, dass die Natur den Starken, den Geschickten, den Raffinierten Leben zugesteht.‘…‘Ich glaube nicht an Gleichheit (equali)‘ Zitate wie diese finden sich laufend, es wird ein dem Tierreich entliehener Lebenskampf beschrieben, in dem nur der Stärkste ein Recht auf Leben und vor allem Führung hat. Vielleicht finden viele Gruppen das Motiv des Wolfes so reizvoll, weil er das klassische Beispiel für Leitwolf und Rudel, Lebenskampf und Gemeinschaft ist. So formuliert T. Wakeford auch in Sigill ‚Die Idee der Gemeinschaft ist gut…‘ Es geht um Ehre, Volk und Vaterland, denn auch wenn es um Patriotismus und Geschichtsrevisionismus geht, ist man in der Gothicszene nicht allein.

Schwarz – Weiß – Rot sind unsere Farben

‚Die Farben Schwarz, Weiß und Rot der Flagge … beeindruckten mich schon als Kind … Später kam ich zu dem Schluss, dass das Interesse angeboren war.‘ Boyd Rice von NON und SPELL redet hier von Deutschland und dem ‚Reich‘, von dem angeblich sein Name abgeleitet sei. Nicht ganz so abseitig klingt das Ganze im JF-Interview bei J.M. Klumb von Forthcoming Fire, dessen Vision ein Bewusstseinssturm in Deutschland ist, und welcher sich zur Romantik bekennt: ‚Man kann positiv zu Deutschland stehen und Hitler gerade deshalb nicht mögen. Meine Kritiker sollten sich vor Augen halten, dass für mich die Person Stauffenbergs Vorbildcharakter besitzt.‘ Sollte der gute Mann vielleicht ‚Hitlers rechte Gegner‘ aus dem von Sigill reichlich angepriesenen Arun Verlag gelesen haben? In einem Interview bezeichnete Klumb,
der ‚an die Reinheit und den Lichtgehalt dieser geschändeten Nation‘ Deutschland glaubt, den 8. Mai 1945 nicht nur als Tag der Befreiung, sondern auch als Tag der ‚Unterwerfung und eine Unterdrückung des Geistes‘ – oh du armes, unschuldiges Deutschland, welches nie einem anderen auch nur ein Haar krümmte. Ganz im Stil der normalen Neo-Nazipropagandisten wäscht Ian Read von Fire and Ice den Nationalsozialismus rein:
‚Keine Idee ist voellig wertlos, … alles ist Gleichgewicht. Die Deutschen haben einen riesigen Komplex, der ihnen ehrlich gesagt von einer Nachkriegsgehirnwäsche eingeimpft worden war.‘ ‚Ich biete dir folgenden Stoff zum Nachdenken an: Konzentrationslager sollen wohl KL abgekürzt werden, man führte jedoch KZ ein, weil das Z es viel schlimmer klingen ließ…‘
Ach ja, damals in Auschwitz im Ferienlager…

‚Blut und Ehre‘

So lautete der Wahlspruch der SS, jener Truppe, welche ihr brutales Handeln mit einer elitär, mystischen und biologistische Ideologie rechtfertigte. Blut und Ehre könnte auch das Motto mehrere Bands und Gruppen der Dark-Wave Szene sein. So trat z.B. Death in June, welche ihren Bandnamen vom Todesmonat des SA-Gründers Ernst Roehm ableitete, welcher im Juni 34 als Konkurrent im innerfaschistischen Machtkampf aus dem Wege geschafft wurde, in SS-Uniformen auf. Bandsymbol ist der SS-Totenkopf. Auf die Frage, ob er dieses richtig findet antwortete Douglas Pearce: ‚Death in June hat immer alles mit sündlosem, guten Geschmack getan, und mit dem passenden Verständnis zur Ästhetik und dem Symbolismus hinter solchen Dingen.‘ Aber DiJ sind nicht die Einzigen, die sich der SS bedienen, auch der ‚Neo-Folk Musiker‘ Eric Owens, welcher beste Beziehungen zur Skinbewegung hat und eigentlich aus
dem ‚Blut u. Ehre‘ Naziskin-Netzwerk kommt, verwendet den SS-Totenkopf als Symbol. In Dresden wurde ein Konzert mit Allerseelen von einem ‚Ahnenerbe Kulturzirkel‘ veranstaltet und mit einem Bild der Wewelsburg beworben. Das ‚Ahnenerbe‘ war die zentrale Forschungsstelle der SS unter Heinrich Himmler, die Wewelsburg sollte später der Sitz des SS-Ordens sein. Dass die organisierenden Personen dies nicht wussten erscheint fast unmöglich. Besteht doch immerhin eine enge Verbindung zur ebenfalls in Dresden herausgegebenen Zeitung ‚Zeitenwende‘, welche enge Kontakte zum Collegium Humanum des Oeko- u. Altfaschisten W.G. Haverbeck pflegt. Von diesem, welcher selbst noch Schüler bei Wirth war, wird die AutorInnenschaft der ‚Zeitenwende‘ auch ihre Vorliebe für Herman Wirth, den Gründer des ‚Ahnenerbe‘, haben.
Veranstaltet dieser Kreis doch inzwischen zusammen mit der rechtsextremen ‚Gesellschaft für Europäische Ur- und Frühgeschichte‘ Schulungsseminare zu H. Wirth in Dresden.
Auch die Musikszene hat es ihnen angetan, so wird der Zeitenwenderedakteur Sven Henkler in ‚Codex – Musik und Kult(ur)-Magazin‘ als Mitarbeiter geführt, hinter Peggy K. in Sigill wird die Zeitenwende-Redakteurin Peggy Kun vermutet. Diese könnte auch das Interview mit Kadmon von Allerseelen geführt haben, welcher ebenfalls dem SS-Kult anhängt. So zeigt das Cover seiner CD ‚Gothos = Kalanda‘ das zwölfarmige Sonnenrad aus dem Bodenmosaik der Wewelsburg. In seiner Heftreihe ‚Aorta‘ huldigt er dem SS-Mann und Himmlerberater Karl Maria Wiligut.
Angeblich wurde der Schöpfer des SS-Totenkopfringes nur ausgenutzt, weshalb er keine Probleme hat, sich auf ihn
zu beziehen. Das Heft Nr. 7 der Schriftenreihe beschäftigte sich mit dem SS-Gralssucher Otto Rahn, welcher im Auftrag der Himmlers durch die Welt zog.

‚Politik ist eine Niederung‘

Dieser Ausspruch Kadmons könnte auch ein Zitat von Ernst Jünger sein, welcher mit seinen Schriften den Krieg und die Gewalt pries und ideologisch den Faschismus vorbereitete. Mit den grausamen und schmutzigen Konsequenz ihrer Ideologie wollten die Vordenker der Vernichtung allerdings nichts zu tun haben, schon die NSDAP war Jünger zu bürgerlich. Kein Wunder also, dass sich die rechte Wave- und Independentszene auf Personen wie ihn bezieht. So z.B. Sigill, oder Michael Moyniham von Blood Axis, welcher Zitate von Jünger in seinen Texten verwendet und Juengers ‚In Stahlgewittern‘ im Techno-sound veröffentlichte. Aber auch andere Ideologen des Faschismus oder Praefaschismus stehen hoch im Kurs, so z.B. der germanentümelnde Antisemit Lanz von Liebenfels, der 1946 als Kriegsverbrecher hingerichtete ‚Beauftragte des Führers…für die weltanschauliche Erziehung der NSDAP‘ Alfred Rosenberg, Leni Riefenstahl der Kadmon eines seiner Aorta-Hefte widmete und deren Film ‚Das blaue Licht‘ er neu vertonen will. Riefenstahl wurde von Codex hofiert und die Gruppe ‚Wolfsheim‘ wollte das Video zu ihrem Lied ‚Its not too late‘ von ihr drehen lassen. Gern gesehen ist auch der Mussolini Berater Julius Evola, dessen Hauptwerk ‚Revolte gegen die moderne Welt‘ im Arunverlag erschien und in Sigill positiv besprochen wurde.

Revolte gegen die moderne Welt

Julius Evola, bzw. seine Ideologie scheinen ein weiterer wichtiger Bezugspunkt zu sein. Nicht nur weil seine Bücher positiv besprochen wurden, und angeblich die Platte ‚In The Shadow Of The Sword‘ von NON ‚Im Geiste Evolas veröffentlicht‘wurde, sein Buchtitel ‚Revolte gegen die moderne Welt‘ bildet
vielmehr die ideologische Klammer, mit welcher sowohl die Dark Wave-, die Gothicszene, als auch die Nazikreise angesprochen werden. Seine Zivilisationskritik und seine Verbindung von Bewegung, Aufbruch und Romantik ermöglichen auch den Übergang in breitere Kreise wie Zillo. ‚Romantik, Seelentiefe, Zauber, Begehren, Sehnsucht und immer wieder Sturm und Feuer‘ nennt J.M. Klumb von Forthcoming Fire im Jungen Freiheit-Interview als Kernelemente
des Dark-Wave. Daraus soll dann der angebliche Aufstand gegen das ‚Establishment‘ entsteht, allerdings ohne an den existierenden Machtverhältnissen etwas zu ändern. ‚Konservative Avantgarde‘ wollen sie sein, rückwärtsgewandte Nachahmer in den Faschismus führender Ideologen sind sie. Allerdings haben sie, wie gesagt gerade mit dem Konzept von Antimoderne den Hebel gefunden, über den Nazis mit ihren Inhalten über die rechte Musikszene
in breitere Kreise vorstoßen.

‚Ideen reichen weiter als Kanonen‘

Damit jetzt aber niemand auf die Idee kommt, dass wir es hier mit harmlosen Denkern zu tun haben, gleich weiter:‘früher oder später (tritt) der Zeitpunkt ein, wo man die Feder gegen das Gewehr tauschen muss, um sich nicht selbst zu belügen.‘ So das ‚neurechte‘ Thule Seminar, welche es als erste Stufe des Kampfes ansieht, nicht Wahlen zu gewinnen, sondern rechtes Gedankengut in die Koepfe der Menschen bringen. Dabei griffen sie zurück auf eine Strategie. welche von dem Kommunisten Antonio Gramsci in den 30er Jahren entwickelt wurde. Diese
Strategie der ‚Metapolitik‘ und der ‚kulturellen Hegemonie‘ besagt, dass sich die Macht in einem Staat nicht allein in der Regierung und der militärischen Macht ausdrückt, sondern dass sie in den Köpfen und den Gedanken der Menschen anfängt. Und dass dieses Denken nicht nur durch Wahlkämpfe und politische Reden,
sondern vielmehr auch durch den kulturellen Bereich und die allgemeinen Erfahrungen auf der Strasse gebildet wird. Diese Strategie, also die Agitation im sog. ‚vorpolitischen‘ Bereich griff die ‚Neue Rechte‘, eine Strömung der Rechten, welche Ausdruck, Formen und Themengebiete der Alt- und Parteinazis
modernisieren und so besser an Mann und Frau bringen wollte, auf und propagierte diese. Wohl aktivste Organisation bei dieser Erneuerung der Rechten war das Thuleseminar aus Kassel, in dessen erlesenen Kreisen Peter Boßdorf Mitglied war. Wer soll den da noch seinen Beteuerungen, dass sein Wirken im Musikbereich
‚nicht politischer Art‘ sei und es ‚ein Zeichen totalitären Denkens (sei), wenn man die Gesellschaft und so auch die Musikszene durchgängig politisieren will‘ glauben? Auch das Peter Boßdorf ein Konservativer ist, der halt nur Adenauer statt Marx als Vorbild hat, ist gelogen. Dass er ‚einen echten Nazi als Schreiber…in keinem Fall akzeptieren‘ würde, scheint mit dem Verbleib Boßdorfs auch gelogen. Dass dieser ein gut geschulter Hardcorenazi ist, welcher nur keine Baseballkeule schwingt, zeigt ein kurzer Blick auf seinen Lebenslauf. Peter Boßdorf, Jahrgang 62, engagierte sich als Jugendlicher in der Schüler- und Studentenunion Ostpreussen, übernahm später Funktionen im Ostpolitischen
Deutschen Studentenverband (ODS) oder offiziellen Studentenvertretung der Vertriebenen, dort wurde er 1981 stellvertretender Vorsitzender, was er auch über dessen Umbenennung in Gesamtdeutscher Studentenverband (GDS) bis 1989 blieb. Erste journalistische Erfahrung sammelte er als verantwortlicher der Jugendzeitung des ODS ‚Aktion‘. Seit 1980 ist er Autor der ‚Mitteilungen – VDA,
Gesellschaft für deutsche Kulturbeziehungen in Ausland e.V.‘ des VDA- NRW. Noch 1992 war er hier taetig. 1985 wurde er Mitglied im Witikobund, einem elitären Hardliner Braintrust der Sudeten- deutschen, 1992 war er Mitglied im Thule Seminar, parteipolitisch engagiert er sich für die REPs. 1991 wurde er Wirtschaftredakteur der Jungen Freiheit, seit 1993 schreibt er in der Jungen Freiheit die Kolumne ‚Neue Geräusche des Jahres‘. Er ist allerdings nicht der einzige, der in der Jungen Freiheit die Durchführung der Strategie der ‚kulturellen Hegemonie‘ über die Musik vertritt. Ebenfalls in diesem Bericht agierte die inzwischen scheinbar ausgeschiedene Gerlinde Gronow. Sie, Jahrgang 1974, gewann 1993 den Jungen Freiheit-Nachwuchswettbewerb für die ‚Zeitgeist und Medien‘ Redaktion. Die geb. Kielerin, Studienfach Japanologie schrieb zumindest von Ende 1993- März 1995 für die JF. Vor allem in dem Bereich ‚Zeitgeist und Lebensart‘. Dabei befasste sie sich mehrfach mit Musikgruppen, welche rechte Tendenzen aufweisen, wie z.B. Type O Negative oder Radio Werewolf. Ansonsten
beschäftigte sie sich auch mit dem italienischen Futurismus, schreibt gegen die Frauenbewegung und für ein biologistischen Weltbild. Sie war Herausgeberin der Avantgardezeitung ‚Scharlach‘, in welcher fast alle gängigen Bands der rechten Gothicszene beleuchtet wurden. Ihre Tätigkeit zeichnet sich durch eine gewisse Doppelstrategie oder Züngigkeit aus, verreißt sie eine Band noch in der Jungen Freiheit, so kann sie dieselbe in Scharlach schon wieder präsentieren. Auch schrieb sie den schon erwähnten ‚Schwarze Flaggen, stolze Herzen‘ Artikel in der Identität 2/96. Inzwischen hat sie sich angeblich von der Politik verabschiedet, allerdings wurde ihr Magazin Scharlach in der Auseinandersetzung um die ’schwarze Avantgarde‘ noch im März 96 lobend hervorgehoben. Neben diesen beiden betätigen sich auch Jürgen Hatzenbichler, Werner Bräuniger, Claus M. Wolfschlag, das vermutliche Pseudonym Gerhard Prinz und der Chefideologe der Jungen Freiheit Roland Bubik mit dem Thema.

In die Mitte der Gesellschaft

Dorthin zielt die Agitation der Rechte. Ganz soweit sind sie via Dark-Gothicmusik zum Glück noch nicht gekommen, allerdings reicht es ja auch zunächst, ein kleines Segment der Gesellschaft zu überzeugen. Und der Jugend kommt dabei ein besonderer Stellenwert zu. Hatte die Rechte es lange nicht
geschafft, hier außer in der Skinheadbewegung einen festen Fuß in die Tür zu bekommen, könnte dies jetzt gelingen. ‚Easy – Ettle‘ Herausgeber von Zillo jedenfalls scheint dieser Entwicklung keinen Riegel vorschieben zu wollen.
Bezeichnete er Peter Boßdorf doch als einen ‘ Konservativen‘, ‚Einen echten Nazi oder Neonazi als Schreiber würde ich allerdings auf keinen Fall akzeptieren‘ schiebt er noch zur Beruhigung der LeserInnen nach. Danach noch etwas Geseusel,
was er doch für ein toller linker sei und wie er immer die Punks vor den Bullen beschützt habe. Währenddessen vergleichen seine Zillo Leser die kritisierenden AntifaschistInnen mit ‚Intoleranten Typen in der Tradition von SA-Schlägern‘. In
der gleichen Ausgabe bietet Ettler Patrick O‘Kill ex DiJ und Sixth Comm fast unhinterfragt eine Aussteigerstory, da dieser sich nun angeblich vom Faschismus ab und der ‚nordischen Mythologie‘ zugewandt habe. Nordische Mythologie? Droht uns da demnächst schon wieder ein blonder, blauäugiger Arier? Bei einem solch unhinterfragten Umgehen ist also aus Richtung Zillo nur mit (finanziellem) Druck von außen etwas zu erreichen. Und diesen versuchen auch Labels, Bands und Kunden aufzubauen. Ein weiteres Indiz lässt im Übrigen das Vordringen der rechten Teile schließen. Seit Anfang des Jahres ist am Kiosk ein neues Gothic Magazin namens ‚Grimoire‘ zu bekommen, in dessen 1. Ausgabe sich Jan Kay alias J. M. Klumb mal unzensiert äußern durfte, dem ‚Gothic magazin for Underground‘ war die 1. Version des Interview dann doch wohl zu hart. Zu sagen hat er allerdings nicht besonderes, seine Feinde als ‚Kulturfaschisten‘ bezeichnend stellt er sich selbst in eine Reihe mit Kadmon und Jan Van Helsing, welcher in seinen Büchern über Geheimgesellschaften die antisemitischen Protokolle der Weisen von Zion‘ wiederauferstehen lässt. In der Schweiz ist dieses Buch im übrigen inzwischen wegen Rassismus beschlagnahmt worden.

Die Diskussion und die Auseinandersetzung, um den Einfluss und um das Thema sind noch sehr neu, auch der Artikel ist erst ein Anfang, wichtige ideologische Bereiche wie die Art des Bezuges auf das Heidentum und den Satanismus fehlen. Genauso Informationen über die Labels und die Bands. Allerdings sind wir der Meinung, dass sich dabei ganz behutsam vorgetastet werden muss. Runen werden z.B. in der Szene viel und häufig ohne großen Hintergrund verwendet. Es geht nicht darum Leute in die rechte Ecke zu schieben, sondern darum eine Auseinandersetzung über die Inhalte zu führen. Dass dies nicht heißt, dass ein Autor wie Peter Boßdorf geduldet werden darf ist für uns klar, es geht uns darum, diejenigen, welche nur unreflektiert mit verschiedenen Namen und Symbolen umgehen, von den ‚Überzeugungstätern‘ zu trennen. Wenn wir es schaffen, werden wir in nächster Zeit noch was zu verschiedenen Bands veröffentlichen.

Ansonsten schönen Dank fürs Interesse und den langen Atem

einige AntifaschistInnen

p.s. leider sind uns beim konvertieren die Fußnoten abhanden gekommen. Wir haben einfach die Quellenangaben druntergelassen, wenn ihr konkrete Fragen habt meldet euch einfach.

Ansonsten möchten wir uns noch bei den Leuten vom ID-SH für ihre Serviceleistung, die Veröffentlichung bedanken.

Quelle: Informationsdienst Schleswig-Holstein