Archiv der Kategorie 'Boyd Rice'

Braunes aus der Schwarzen Szene

Ein aktueller Überblick über rechte Bands in der Darkwave-Szene und ihre Absichten

Innerhalb der Darkwave-Szene1 hat sich seit Mitte der 90er Jahre ein kleiner, dafür um so frecher agierender Kreis von Aktivisten herausgebildet, die bewusst rechtes Gedankengut aufgreifen und propagieren. Im kulturellen Faschistische Ästhetik beim Auftritt rechter Darkwave-Bands (Juni 1999 auf Burg Falkenstein).Gewand bezieht man sich auf alte Denker der Konservativen Revolution und des Faschismus und bekämpft die Moderne mit all ihren Facetten. Dabei agieren die Protagonisten nicht als geschlossene Gesellschaft, sondern können sich vielmehr in der Grauzone zwischen Darkwave und Rechtsextremismus tummeln – schließlich kommt man aus der gleichen Szene, nur die Intentionen bei der Beschäftigung mit Tod, Religion, Symbolen etc. sind andere.

Als einer der Stars des extrem rechten Flügels der Darkwave-Szene gilt nach wie vor die englisch-australische Gruppe Death in June mit ihren kulturpolitischen Inhalten, ihrer militaristischen Ästhetik, ihrer Musik und den gängigen Vieldeutigkeiten, mit denen die Band spielt und sich damit Kritik entziehen will. Gemeinsam mit dem Sozialdarwinisten Boyd Rice tourt Death in June seit geraumer Zeit durch die USA und Europa. Der europäische Auftakt fand am 10. April in Brest statt, wo die Intervention französischer Antirassismus-Gruppen die Vorbereitung des Konzertes behinderte und zur Verlegung der Veranstaltung führte. Im Gegensatz zu den anderen Konzerten wurde der deutsche Auftritt von Death in June am 27. April im Raum Chemnitz sehr konspirativ vorbereitet. Der ursprünglich geplante renommierte Veranstaltungsort Kraftwerk wurde im Vorfeld gekündigt, weshalb der Gig dann in Bucha bei Jena stattfand.

Zur jüngsten Veröffentlichung von Death in June wurden offiziell keine Liedtexte veröffentlicht, was an den offensichtlich antisemitischen Ausfällen liegen dürfte. So wird im Lied »We said destroy II« offen auf das orthodoxe Judentum angespielt, aus Shakespeares »Der Kaufmann von Venedig« zitiert und indirekt die dort handelnde Person des Shylock2 aufgerufen. In einem anderen Lied ist von »shylock piggies« die Rede, der Titel der gesamten Veröffentlichung lautet dann »All pigs must die«.

Albin Julius, Sänger von Der Blutharsch. Bereits im März gastierten zwei andere extrem rechte Bands auf Einladung der Dresdner Gruppe LAS-Kulturavantgarde3 in Sachsen. blutharschHier musste ebenfalls ein in Claußnitz geplantes Konzert wegen antifaschistischer Interventionen verlegt werden und fand schließlich im Gasthof Goldener Anker in Marbach statt. Die ungarische Band Scivias trug an diesem Abend die Odal-Rune offen zur Schau und Der Blutharsch aus Österreich präsentierte sich in schwarzen Uniformen. Die Bands kreierten eine militaristische Atmosphäre und griffen oftmals Elemente der nationalsozialistischen Ästhetik auf. Abgerundet wurde dieser Eindruck durch die Verkaufsstände, wo es u.a. Bücher aus den rechtsextremistischen Verlagen Grabert und Arun zu kaufen gab und die extrem rechten Zeitschriften Hagal (Dresden) und Die Tat (Halle) feilgeboten wurden.

Der Sampler »Fidelis Legio« als Beispiel

Wofür eine Band wie Scivias ideologisch steht, macht deren Beteiligung am Sampler »Fidelis Legio« deutlich, der sich als Huldigung an Corneliu Zelea Codreanu (1899-1938) versteht. Der Gründer und Führer der rumänischen Legion des Erzengels Michael (alias Eiserne Garde) propagierte einen christlich orthodox fundierten Faschismus und war ein fanatischer Antisemit. Bis heute bieten die Positionen der ehemaligen Legionäre wichtige ideologische Bezugspunkte für europäische Neonazis. Erstellt wurde der Sampler von Calin Dan Ghetu, der als Aktivist der reanimierten Eisernen Garde von Rumänien aus Verbindungen zu verschiedenen Neonazis in ganz Europa hält. Martin Schwarz (Wien) bemüht sich im Begleitheft, die Vorzüge des rumänischen Faschismus im Gegensatz zum Nationalsozialismus herauszuarbeiten. In der ebenfalls maßgeblich von Schwarz editierten Kshatriya-Mailingliste wird Codreanu als der »asketisch-religiöse Erwecker der rumänischen Seele« bezeichnet, der eine »Leitfigur für die Elite der national-europäischen Erhebung wider die dekadente Welt [ist], der er anders als der Duce oder der Führer mit keiner Faser seines Leibes angehörte«.

Die teilnehmenden Bands aus dem Darkwave-Spektrum4 betonen in ihren Beiträgen die Bedingungslosigkeit des Kampfes der Eisernen Garde und ästhetisieren den Tod als Höhepunkt im Dasein eines Legionärs. Exemplarisch ist der Beitrag »Europa – long live death!« der italienischen Band Londinium SPQR.5 Das Stück beschwört den fanatischen Kampf der Eisernen Garde, deren Schlachtruf »long live death« war: »Europas Wind bläst wieder auf diesen Fahnen. (…) Das Sterben im Kampf hieß ewige Ehre. Sag mir, was ist los mit meinem Land? Es lässt sich nicht mehr erkennen. Und wir sind jetzt bereit, mit unseren Brüdern den Kampf zu teilen bis zum Sieg«. Die insgesamt fünf Sprachen, in denen das Lied vorgetragen wird, sollen die europäische Ausrichtung der Band bzw. des gesamten Samplers verdeutlichen.

Eine Szene mit Abgrenzungsschwierigkeiten

Ebenfalls ein Werk zu dem Codreanu-Sampler beigesteuert hat die Band Darkwood aus Dresden, die Mitte Mai beim Wave-Gotik-Treffen (WGT) in Leipzig anzutreffen sein wird, dem weltgrößten Treffen der schwarzen Szene. Derartige Auftritte (extrem) rechter Bands sind mittlerweile normal, schließlich sind hier alle kulturellen, musikalischen und politischen Facetten vertreten. darkwoodDie (extrem) rechten Bands werden geduldet, indem beim WGT jeder seine eigene Party feiert. Mit dabei ist in diesem Jahr beispielsweise auch Camerata Mediolanense (angekündigt als Camerata Sforzesca), die sich vor zwei Jahren für das deutsche Blood & Honour-Magazin interviewen ließen und mehrmals bei rechtsextremen Veranstaltungen spielten.

Kritik an den politischen Aussagen einzelner Bands wird in der schwarzen Szene nur ungern angenommen; in der Vergangenheit in die Szene hineingetragene Diskussionen waren wenig ergiebig. Dies liegt zum einen an einem verkürzten Begriff des Rechtsextremismus: Bestimmend ist das Klischee von Glatze und grüner Bomberjacke; die viel größere Gefahr der Mischung von sozialen, politischen, kulturellen und ästhetischen Werten in der Szene wird nur selten gesehen. Verkörpert wird diese z.B. von dem Neonazi Christian Kapke, der vor wenigen Jahren mit seiner Band für Blood & Honour aufspielte und heute federführend beim Neofolk-Internetprojekt lichttaufe.de [nonpop.de] aktiv ist.

Die zweite Schwierigkeit bei Diskussionen in der Szene besteht in den absichtlichen Uneindeutigkeiten der einschlägigen Bands. O-Töne wie »genaugenommen gab es Runen doch schon vor dem Nationalsozialismus« oder »Vertreter der Konservativen Revolution der 20er Jahre wurden schließlich auch im Nationalsozialismus verfolgt« gehören in der Argumentation zum Standardrepertoire. Problematisch für antifaschistische KritikerInnen ist also, dass jeder einzelne Aspekt eines Projektes aus dem extrem rechten Darkwave-Spektrum fast immer vieldeutig zu interpretieren ist. Für eine fundierte politische Bewertung ist daher die Addition aller Einzelaspekte (Texte, Ästhetik, Bezüge, Fans, Rezensionen etc.) zu einem Gesamtbild notwendig.

Fazit

Nicht zuletzt muss man sich der Logik entziehen, dass das Wirken (extrem) rechter Bands, Zeitschriften etc. ausschließlich kulturell verstanden werden soll. Für den erwähnten Christian Kapke ist klar, »dass man bewusst versucht, politische Inhalte über Kunst zu transportieren, einfach weil es dadurch unscheinbarer oder entsprechend eingängiger erscheint«.

Thomas Naumann

Quelle: Turn it down

  1. Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Darkwave-Szene ist nicht per se (extrem) rechts. [zurück]
  2. Der verhasste jüdische Geldverleiher symbolisiert den antisemitischen Stereotyp vom gierigen Juden. Für Alfred Rosenberg vereinte das Wesen Shylock »äußerlich (…) alle jüdischen Rassenzüge (…). Shylock ist also sowohl Einzelmensch wie Typus, ein Jude sowohl wie das Judentum«. Vgl.: Rosenberg, Alfred: »Der Mythus des 20.Jahrhundert«. München 1934, S.411. [zurück]
  3. Ein ebenfalls von LAS anberaumtes Konzert mit der Band Ostara (früher Strength through Joy) Ende April 2002 wurde aufgrund bandinterner Gründe abgesagt. [zurück]
  4. Mit dabei sind unter anderem Blood Axis, Spiritual Front, Ain Soph, The days of the trumpet call, Belborn (Rosenheim) und Von Thronstahl, die am 29./30.Juni 2002 beim Pressefest der rechtsextremen Zeitschrift Signal in Köln spielen sollen. [zurück]
  5. Die Band ist der Identitätsrock-Bewegung zuzurechnen und spielte in den vergangenen Jahren bei zahlreichen neonazistischen Skinhead-Konzerten. [zurück]

Der Blutharsch

Das Projekt “Der Blutharsch” wurde von Albin Julius gegründet, welcher zuvor mit anderen Musikern als “The Moon Lay Hidden Beneath A Cloude” (kurz: TMLHBAC) musizierte. Diese Band löste sich 1998 nach einer Tour mit Boyd Rice (bekannt als NON, rechter Klangkünstler aus den USA) aufgrund interner Spannungen auf. TMLHBAC kann als unpolitisch angesehen werden. Dem “Black” (Musikmagazin) sagte Albin Julius über TMLHBAC: “Die Band selbst hat nichts mit Politik zu tun und auch musikalisch sehe ich keinen Zusammenhang, da wir ja keine politischen Messages rüberbringen.” (Black 5/ Herbst 1996/ S.32)

Schon 1996, also zwei Jahre vor der Trennung von TMLHBAC, veröffentlichte Albin Julius auf dem Label “Arthur´s Round Table” seine erste unbetitelte LP von “Der Blutharsch”. Mit diesem Projekt kommt auch Politik ins Spiel. Albin Julius wieder im Black, diesmal zu “Der Blutharsch”: “Ich bin optimistisch, dass die Währungsunion nicht stattfinden wird…, sich die EU im neuen Jahrtausend wieder auflösen, und unser Kontinent hoffentlich wieder aus Nationalstaaten bestehen wird, und die Migration endlich gestoppt wird.” (Black 11/ Früh-jahr 1998/ S. 47) Albin Julius spricht in diesem Zusammenhang wichtige politische Themen der europäischen Staaten an und nimmt eine harte rechte Position ein. Zum Glück lag er mit seinen “Hoffnungen” falsch. Weiterhin gesellt sich zu seiner mehr als konservativen Haltung zur EU, dem Euro und der Migration eine Verehrung von Krieg: “Woher das Interesse (für Krieg -Anm. des Verfassers) stammt, kann ich nicht genau sagen. Krieg an sich finde ich faszinierend und ein durchaus menschliches Phänomen.” (Black 11/ Frühjahr 1998/ S. 47)

Weitaus politischer im Bezug auf Krieg äußert er sich in einem anderen Interview:“It´s not my job to judge the role of Russia in WWII – as this is an interview about music and not politics. I just can tell you that history is always written by the winners – but I think soon it might be re-written.” (Achtung Baby! Interview/ Juli 1999). Nach Albin Julius könne man des weiteren die Musik von “Der Blutharsch” am besten bei “dimmed light, a cigar and a glass of good Scottish malt whiskey. Or during an airrade in a bunker…)” http://drugie.here.ru/derblut/press, 12.03.2000) hören. Die Veröffentlichung von “Der Blutharsch” scheinen oft das Dritte Reich und Krieg allgemein zu verherrlichen. Dazu tragen optische Mittel bei: Es werden die Sig-Rune (bekannt als das S der SS im Dritten Reich) und das Eiserne Kreuz bedenkenlos verwendet. Einen Höhepunkt an faschistischer Ästhetik erreichte “Der Blutharsch” mit dem 1998 erschienen Live-Video “Gold gab ich für Eisen”. Geboten wurde unter anderem die “Finnish version of “Lili Marleen” named “Lisa Pien” to Europäische Freiwillige der Waffen SS an Mrsch der Sturmartillerie.” (http://drugie.here.ru/derblut/main 12.03.2000). “Lili Marleen” wurde 1915 von Hans Leip ge-schrieben, welcher später durch den fragwürdigen Hit des Dritten Reichs “Bomben auf England” traurige Berühmtheit erreichen sollte. Weiterhin verwundert die Verehrung der “europäischen Freiwilligen der Waffen SS”, welche oft Gefangene in Straflagern waren und damit dem Tod entkamen. Wie weit hier also von überzeugten Nazis geredet werden kann oder von stolzen Soldaten und Freiwilligen mag also im Raume stehen bleiben. Wilhelm Herich (von der Gruppe “Genocide Organ”), neben Albin zweiter Sänger auf dieser Tour, beendet den Mitschnitt mit den Worten “free Pinochet, Freiheit für Pinochet!”. Hier wird Solidarität mit dem grausamen Ex-Diktator von Chile gezeigt, welcher vielen Nazigrößen nach dem Untergang des Dritten Reichs Unterschlupf gewährte. Weiterhin wurde er dafür bekannt, dass er viele seiner politischen Gegner in einem Sportstadion foltern und töten ließ. Weiterhin wird in dem Video eine Flasche mit einem Hakenkreuz-Etikett in die Kamera gehalten.

Albin Julius betreibt zwei Labels: “WKN (Wir kapitulieren niemals)” und “HAU RUCK (An allen Fronten)”. Während auf “WKN” nur “Der Blutharsch” veröffentlicht wird, erscheinen auf “HAU RUCK!” auch andere teils rechte, teils unpolitische Bands aus dem NeoFolk- und elektronischen Musikbereich. Ein Beispiel für unpolitische Veröffentlichung ist die Musik des Berliners C.O. Casper. Andere Gruppen, schon weit aus politischer, sind z.B. die Neo-Folk Band “Decadence” aus Griechenland und die Industrial Gruppe “Reutoff” (Russland). Es erschien auch “:Of The Wand And The Moon:” bei “HAU RUCK!”. Diese haben inzwischen es bis in die großen Magazine Orkus, Zillo und Sonic Seducer geschafft. “Decadence” befanden sich z.B. 2003 auf dem Sampler “Triumph des Todes”, auf dem sich auch “Von Thronstahl” (Industrial), die Band des extremen Rechten Josef Maria Klump, und “The Days of the Trumped Call” (NeoFolk), von Josef Maria Klump Mitmusiker. Josef Maria Klump und “Von Thronstahl” kommen von dem rechten Label “VAWS” (“Verlag und Agentur Werner Symanek”), welcher auch Publikationen von “The Days of the Trumped Call” vertreibt. Das zeigt wie wenig Berührungsängste die Bands und das Label “HAU RUCK!”) mit extremen Rechten haben.

Aber nicht nur in Deutschland und Österreich finden solche Schulterschlüsse statt. Besonders in Italien kooperiert das Label von Albin Julius mit dem rechten Flügel der Musikszene und/oder bedient deren Markt. Beispielsweise erschien auf “HAU RUCK!” die 7” “Adresso viene il bello”. Er selbst beschreibt diese Veröffentlichung wie folgt: “(…) a nice selec-tion of italien marchmusic. One of the best marches ever written.” Die meisten Lieder auf dieser Schallplatte stammen aus der Zeit des faschistischen Italiens unter Mussolini. Auf “HAU RUCK!” wurde inzwischen weitere italienische “Klassiker” der 20er und 30er Jahre veröffentlicht. Eine weitere Arbeit mit Italiens rechten Musikszene ist die Split-Single (2003) zwischen “Der Blutharsch” und den italienischen Rechtsrockern “Zeta-zeroalfa”.

Die Zusammenarbeit mit der italienischen Musikszene ist für Albin Julius so interessant, dass er die Division (Sublabel) “HAU RUCK! SPQR” in Italien eröffnete. Dort werden neben “Der Blutharsch” und “Zetazeroalfa” auch die Rechtsrock Band “SPQR” veröffentlicht (wieder eine Split-Single, diesmal zwischen “Zetazeroalfa” und “SPQR”).

Alle Zusammenarbeiten von Albin Julius mit “Der Blutharsch” oder “HAU RUCK!” genau zu beleuchten würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, deshalb hier eine schlichte Aufzählung von Namen mit denen der Österreicher zusammen gearbeitet hat. Alles Gruppen aus dem rechten oder zumindest fragwürdigen Spektrum: “Of The Wand And The Moon:”, “Ain Soph”, “Zetazeroalfa”, “Decadence”, “Reutoff”, “Death In June”, “NON”, “Blood Axis”, “Novy Svet, “Genocide Organ”. Über Boyd Rice sagte Albin Julius gegenüber dem Black “Über die üblichen Vorwürfe werde ich keinen Kommentar abgeben. Wenn ich irgendwelche Probleme diesbezüglich hätte, würde ich wohl nicht mit ihm auf Tour gehen.” (Black 11/ Frühjahr 1998/ S. 46) Wenn Albin Julius diese Aussage auf alle Zusammenarbeiten bezieht, dann steht er hinter einem Sammelsurium aus rechtem, radikalen und völkischem Gedankengut.

Das Albin Julius aber längst keine unbekannte Person ist, zeigt seine Zusammenarbeit mit dem süddeutschen Electro- und Industrial-Projekt “:Wumps-cut:”, des Musikers Rudy Ratzinger. “:Wumpscut:” ist ein relativ renommiertes Musikprojekt der schwarzen Szene. Zwar arbeitete Rudy Ratzinger bei “:Wumpscut:” immer wieder mit Themen wie dem Dritten Reich oder Krieg, schien diese Dinge jedoch nie zu affirmieren. Jegliche Vorwürfe in diese Richtung konnten durch ein gut durchdachtes Konzept zurückgewiesen werden. Als jedoch “Der Blutharsch” einen Remix für die Single “:Wreath Of Barbes:” (2002) aus dem gleichnamigen Album anfertigte und später noch einen Remix (“Achtung”) für das Raritäten Album “Preferential Tribe” (2003), wurde der Sachverhalt in der Kiosk-Presse der schwarzen Szene thematisiert. Während Orkus und Zillo das Thema ansprachen und sich mit kurzen Antworten zufrieden gaben, erhob das Sonic Seducer schon beim ersten Remix 2002 schwere Vorwürfe und erwartete Erklärungen. Rudy Ratzinger schrieb in einer E-Mail: “Einfache Antwort: Der Mann hat einen der besten Remixes überhaupt abgeliefert. Mit Albin Julius Image werden wir gemessen an Osama bin Ladens Verhalten vom 11.09.2001 dann schon alle fertig werden, happich Recht? Ja, happich. Beste Grüße.” (Sonic Seducer/ 06.2002/ S.18/ Rechtschreibung und Satzbau im Orginal) Nachdem das Sonic Seducer sich mit dieser Antwort aus guten Gründen nicht zufrieden gab, antwortete Rudy Ratzinger auf erneute Anfrage: “Genug in die Nesseln gesetzt. – Nein nix in der Richtung.” (Sonic Seducer/ 06.2002/ S.18/ Rechtschreibung und Satzbau im Orginal). Nach einem weiteren Artikel des Sonic Seducers gegen die Zusammenarbeit von “:Wumpscut:” und “Der Blutharsch” stellte Rudy Ratzinger jegliche Zusammenarbeit mit dem Musikmagazin ein. Auch auf den umfangreichen Brief der Grufties gegen Rechts (Kassel)/ Strange People Against Racism wollte er nicht näher antworten. Dafür gab es eine umfangreiche, äußerst polemische Erklärung auf der Website von “:Wumpscut:”. In dieser distanzierte sich der Musiker kein Stück von seinen Zusammenarbeiten mit Albin Julius. Es ist traurig, wie sich Rudy Ratzinger in eine fragliche Ecke stellt und Albin Julius der breiten Öffentlichkeit unkritisch vorstellt.

Doch nichts anderes tut MTV, das den Clip “By The Hands Of The Master” (2003) von “Der Blutharsch” ausstrahlten. Dieser relativ professionell produzierte Clip nimmt immer wieder provokante Anleihen, jedoch nicht mehr als “Marilyn Manson” in seinem Musikvideo zu “The New Shit”. Ohne ein Wissen über “Der Blutharsch” nimmt man Uniformen und Symbole unhinterfragt auf.

Mit dem steigenden Bekanntheitsgrad von Albin Julius und “Der Blutharsch” soll auch Bezug auf deren Website (www.derblutharsch.com Stand 14.02.2002) genommen werden, wo das ganze rechte Merchandise von “Der Blutharsch” erworben werden kann, wie auch die Produkte von “HAU RUCK!”. Neben dem kommerziellen Bereich und einigen kleinen Geschenken an die Fans (MP3 Sektion, usw.) bot das Guestbook einige Interessante Einblicke in die Köpfe der Fans von “Der Blutharsch”. Hier wurde von “(…)good old Germany(…)”, “(…)Heil DB(…)”, “(…)Wir werden siegen!(…)”, “love the Victory(…)!!!” und “(…)the law of the strong, this is our law, and the joy of the world.” Die Aussagen wirken anachronistisch, revisionistisch, sozialdarwinistisch und einfach nur dumm. Den fast schon lustigen Beitrag von Dmitry Kaznacheev in diesem Guestbook darf man dem Leser nicht vorenthalten: “Hello! I am Dmitry Kaznacheev from Novosibirsk, Russia. I have heard the songs of Der Blutharsch. I like this style of music too much, cause my philosophy is the traditionalism. I am the member of National-Bolshevism Party of Russia (rechtsextreme Partei in Russland. – Anm. des Verfassers), we love the history of Euroasia, Germany and Italy in 20-30s of XX (art and culture), Russia in 1917 – 1945, all the heroic and extremal persons in the world, etc. We hate America and New World Order. I have a linke of Der Blutharsch´s page on my page. I also like Laibach.” Was hier wegen des simplen Englisch sehr witzig klingt, zeigt anschaulich, was für Fans “Der Blutharsch” anzieht. Inzwischen (2003/2004) wurde dieses Guestbook von der Seite gelöscht und durch ein neues ersetzt. Ob dies passierte, da man neue Fans nicht vergraulen wollte und seine politische Richtung zu vertuschen oder weil man über den öffentlichen Druck nachgedacht hat, ist nicht klar.

Als Resümee bleibt nur übrig zu sagen, dass Albin Julius mit einer verqueren Welt aus Krieg, reaktionären Ansätzen, Sieg und Gewalt arbeitet. Natürlich kann nicht gesagt werden, ob er dies aus Überzeugung oder kommerziellen Gesichtspunkten tut. Jedenfalls ist seine Zusammenarbeit mit der rechtsextremen Musikszene in Deutschland, Österreich und Italien inakzeptabel. Selbst “Das Gothic- und Dark Wave-Lexicon” von Peter Matzke und Tobias Seeliger war kritisch gegenüber “Der Blutharsch”: “Ebenso wie Death in June wurde und wird Albin Julius vorgeworfen, rechtes Gedankengut zu streuen. Teilweise scheinen diese Vorwürfe nachvollziehbar: Samples, Texte und Artworks gehen bisweilen weit über reine Provokation hinaus.“ (“Blutharsch, Der” aus “Das Gothic- und Dark Wave-Lexicon” von Peter Matzke und Tobias Seeliger). Ansonsten werden fragwürdige Bands in diesem Buch von rechten Vorwürfen immer pauschal freigesprochen.

dieser Artikel stammt aus dem Störenfried Nr. 16

Autoren sind:http://www.ggr-ks.de/

Quelle: Turn it down

Störfall im Zwischenfall

Wieder einmal machte das „Zwischenfall“ in Bochum-Langendreer von sich reden. Am vergangenen Samstag sollte dort eine Releaseparty der mehr als umstrittenen Neofolkband „Ostara“ stattfinden. Nach Protesten von AntifaschistInnen sahen die VeranstalterInnen davon ab – weniger aus Einsicht, sondern weil man offensichtlich Ärger vermeiden wollte.

Zentrale Figur der Band Ostara ist der Australier Richard Levy (alias Richard Leviathan). In der Szene sind sowohl er als auch Ostara nicht unumstritten. Grund dafür sind zum einen gemeinsame Auftritte sowie Seitenprojekte mit extrem rechten MusikerInnen aus der Dark Wave- und Neofolkszene, zum anderen zweifelhafte Texte und Aussagen der Bandmitglieder. So finden sich auf dem neuen Album mit dem Titel „Ultima Thule“ zwei Leni Riefenstahl gewidmete Lieder. In einem Szene-Review heisst es bezeichnend: „ … wird diese CD der ohnehin heftig kritisierten Band Ostara inhaltlich keine Entlastung bringen. Wer sich an den verwendeten Bildern und Motiven stört, wird hier wenig Freude haben.“

Strength through Joy

Bis zum Umzug von Bandmitglied Timothy Jenn nach Deutschland 1999 nannte sich die Band „Strength through Joy“, was in Deutschland jedoch verboten ist, da „Kraft durch Freude“ (KDF) der Name einer Unterorganisation der nationalsozialistischen Deutschen Arbeitsfront war, welche durch Freizeitgestaltungen den „Erhalt der Arbeitskraft“ gewährleisten sollte. Tatsächlich diente die KDF der Verbreitung von NS-Propaganda.

Das der Name nicht von ungefär gewählt worden war, zeigte sich neben den Texten auch an Hand der Bands, mit denen man zusammen auftrat. So heißt es in einem Bericht im neonazistischen Skinheadfanzine „Der Lokalpatriot“ (Nr. 7) zu einem Konzert mit Strength through Joy, Death in June und Boyd Rice 1996 in München: „Sehr nett waren die Fahnen anzusehen, die auf der Bühne gehißt bzw. über das Schlagzeug gelegt wurden, sowas würde zur Erstürmung von jedem Blood & Honour-Konzert führen, ungerecht das!“

EisLicht

Auch das Label EisLicht (ehem. Eis & Licht), auf welchem die neue CD erschien, ist im rechten Teil der Szene zu verorten. So erschien dort das rechte Fanzine Zinnober (vormals Sigill), zudem werden Platten wie eine Hommage zum hundertsten Geburtstag des Vordenkers des italienischen Faschismus Julius Evola veröffentlicht . Auf diesem sind gleich mehrere namhafte Bands des rechten Spektrums vertreten, so Allerseelen, Von Thronstahl, Blood Axis und Waldteufel.

In Kassel konnte am 15. Juli 2000 ein Konzert mit Ostara verhindert werden, zu dem auf diversen Internetseiten von Neonazis mobilisiert worden war. Angekündigt waren u.a. die Bands Kirlian Camera, Kapo, Ostara und Aurum Nostrum. Neben den Bands, darunter auch die australische Band Death in June, waren etwa 500 BesucherInnen aus dem ganzen Bundesgebiet und Europa angereist. Ein Teil von ihnen mit eindeutig neofaschistischem Outfit. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Da bereits mehrere VeranstalterInnen in Nordhessen das Konzert zuvor abgesagt hatten, zog auch die Salzmann-Fabrik in Kassel schließlich nach.

In Nürnberg wurde ein Ostara-Konzert von der Stadt verboten. Bezuggenommen wurde in der Begründung u.a. auf die Namen „Strength through joy“ und „Ostara“ – eine Band mit solchen Namen dürfe in Nürnberg nicht spielen, erteilte die Stadtspitze den Rechten eine klare Absage. Anders in Bochum.

Veranstalter der „Nebelwelt“-Parties ist „Ignis et ferrum“, eine Gruppe von DJs, welche eigenen Angaben zu Folge das Ziel hat, jenseits teurer Mainstream-Veranstaltungen Parties für die schwarze Szene zu organisieren. Neben den regelmäßigen Events in Bochum legt man auch in Köln, Koblenz oder anderswo auf.

Der Hintergrund von Ostara war der Veranstaltungs-Gruppe bekannt, allerdings meinte man, dies sei Vergangenheit, zudem habe man von rechten Positionen in der Szene noch nie etwas mitbekommen. Nicht besonders glaubwürdig, war es doch nicht das erste mal, das eine ihrer Veranstaltungen Rechten eine Bühne bot: Bereits im Jahr 2000 fanden sich bei einer „Ignis et ferrum“-Nacht zwei rechte Büchertische, verkaufte mit Thomas Lückwewerth ein Autor der faschistischen Dark Wave-Zeitung „Sigill“ deren neuste Ausgabe.

Zwar wurde die Ostara-Releaseparty abgesagt, inhaltlich wollte man sich jedoch nicht davon distanzieren, sondern lediglich „Ärger vermeiden“, wie vom Zwischenfall zu erfahren war. Das es mit der gegenüber AntifaschistInnen behaupteten Unschuldigkeit nicht weit her sein kann, zeigt sich an der Tatsache, dass Auftritte wie beim Konzert der extrem rechten Band „Sol Invictus“ 1999 in Krefeld im Gespräch geleugnet und anschließend die entsprechenden Hinweise auf der Homepage plötzlich entfernt wurden.

Zwischenfall

Das Bochumer Zwischenfall gilt schon seit Jahren als eine der bundesweit bekanntesten Treffpunkte der Dark Wave-, Gothic- und Neofolk-Szene. Neben Szeneveranstaltungen finden aber auch verschiedenste andere Konzerte und Parties statt, so z.B. Punk- bzw. Hardcorekonzerte und Discos.

Angesichts der Tatsache, dass das Zwischenfall eigentlich eher ein Laden mit linkem Publikum und auch Anspruch war und ist, mag es auf den ersten Blick verwundern, dass ausgerechnet dort einer derartigen Veranstaltung wie dieser Releaseparty Raum geboten wird. Doch gab es es bereits mehrfach Ärger wegen Auftritten rechter Bands im Zwischenfall. So sollte am 28. Februar 1997 ein Konzert der rechten Dark Wave-Band „forthcoming fire“ stattfinden, was jedoch von AntifaschistInnen verhindert wurde. Auch die Ostara-Vorgängerband „Strength through joy“ sollte bereits einmal im Zwischenfall spielen, zusammen mit „Death in June“ und „Boyd Rice“ und zwar am 9. Mai 1997. Nach heftigen Protesten wurde dieses Konzert damals abgesagt.

Deshalb verwundert es um so mehr, dass die Musik der gleichen Leute unter anderem Namen jetzt dort präsentiert werden sollte.

Carsten Draeger

Quelle: Bochumer Stadt und Studierenden Zeitung

Faschistische Ästhetik, germanische Krieger

Der rechte Rand von Dark Wave und Black Metal

Dark Wave und Black Metal sind ganz unterschiedliche Jugendszenen. Gemeinsam sind ihnen die Einflussversuche von Neonazis.

Bei Rechtsrock wird meist nur an die Musik einschlägiger Naziskin-Bands gedacht. Extrem rechte Inhalte sind jedoch auch in Teilen des Darkwave und des Black Metal vorhanden. Im Gegensatz zum Rechtsrock überwiegt hier aber elitärer Anspruch wider die Masse. Auch unter dem Aspekt der Gewaltakzeptanz unterscheiden sich die Szenen eklatant. Die Anhänger des Black Metal reproduzieren das überlieferte Bild des martialischen, nordischen Kriegers oder wehrhaften Germanen. Im Darkwave wird physische Gewalt dagegen abgelehnt. Sie existiert höchstens als ästhetische Inszenierung im Sinne eines vertonten Jünger’schen Stahlgewitters.


Gesänge der „Eisernen Garde“‘ – extrem rechte Einflüsse im Darkwave

Zentrale Themen des Darkwave oder der Schwarzen Szene sind die Vergänglichkeit und die Thematisierung des Todes. Dazu gehört auch die Beschäftigung mit Mystik, Religionen und die Kritik am Materialismus, dem idealistische Gesellschaftsformen (meist stark verklärt) entgegengesetzt werden. Auffällig ist dabei der oft rückwärtsgewandte Blick, der die Romantik, das Mittelalter und das Heidentum wiederzubeleben scheint. Dies führt bei einem kleinen Teil der schwarzen Szene, besonders im Bereich des Neo-Folk und Industrials, zu einer Revitalisierung vergangener Ideale und Wertvorstellungen, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts die Grundlage für den Nationalsozialismus und italienischen Faschismus bildeten.

Besonders die Mystiker des Nationalsozialismus und die Theoretiker der sogenannten „Konservativen Revolution'‘ werden von diesen Rechten rezipiert. Dabei wird auf die Reichsidee des „Ur-Faschisten'‘ Julius Evola und auf den „heroischer Realismus'‘ Ernst Jüngers zurückgegriffen.

Angelehnt an Jüngers Kriegsbeschreibung „In Stahlgewittern'‘ wird in den rechten Darkwave-Kreisen der Pathos des Helden, der unabdingbare Kampf und die Aufopferung für eine Idee propagiert. Dabei werden längst verstaubte „Vorbilder'‘ aus der Ära der europäischen Faschismen wiederbelebt, wie z.B. der rumänische Faschistenführer Corneliu Codreanu mit seiner „Eisernen Garde'‘. Die Gesänge dieser Garde wurden mehrmals in der Szene wiederveröffentlicht. „Ich spürte in ihnen den Widerhall einer kämpferischen Zeit, in der Tradition und Moderne gegeneinander in den Krieg traten“1; so Kadmon, Kopf der Band „Allerseelen“. Bei Live-Auftritten wird mittels Uniformen, Fackeln, Fahnen und militärischem Gehabe der kämpferische Pathos in Szene gesetzt. „Do you want total war?“ (Willst Du den totalen Krieg?) heißt etwa der Schlachtruf von Boyd Rice, einem bekennenden Sozialdarwinisten und Urgestein der schwarzen Szene. Von der rechten Formation „Blutharsch“ aus Wien stammt der markige Spruch: „Kampf, Sieg oder Tod“. Die Band hat die Sigrune als Symbol gewählt und fordert Freiheit für den chilenischen Ex-Diktator Pinochet.

Abgerundet wird der faschistische Habitus durch eine Ästhetik, die der Propaganda-Kunst des Nationalsozialismus huldigt. Zu Ehren der umstrittenen Filmemacherin Leni Riefenstahl und des NS-Bildhauers Josef Thorak erschienen Musiksampler bei dem extrem rechten VAWS-Verlag in Duisburg, auf denen die bekanntesten, rechten Darkwave-Bands vertreten
sind. In einschlägigen Fanzines werden NS-Künstlern lange Artikel gewidmet, und Riefenstahl-Filme werden auch mal im Hintergrund auf schwarzen Parties gezeigt.

Abgrenzung und Vereinnahmung – Die Schwarze Szene in Ostwestfalen

Die Schwarze Szene in der Region ist nicht unbedeutend. Mehrmals wöchentlich bietet sich der melancholischen Gemeinschaft die Möglichkeit in Diskotheken ihre Musik zu genießen. Regelmäßig finden Konzerte auch internationaler Bands des breitgefächerten Genres statt. Wie auch in vielen anderen Regionen ist der weitaus überwiegende Teil der hiesigen Szene unpolitisch, manche grenzen sich auch bewusst von rechten Strömungen ab. Der überregional agierende Verein „Gothics-Culture“ mit Sitz in Bielefeld versucht ein objektives Bild der Szene zu vermitteln und wendet sich auch gegen die stärker werdenden rechten Tendenzen. Gegründet 1998, begann der Verein mit Beratungen für Jugendliche in der Wave- und Gothic-Bewegung sowie mit Aufklärungsarbeit über die Darstellung dieser Jugendszene in der Öffentlichkeit. „Ziel war es, Vorurteile und Missverständnisse abzubauen und somit Annäherung und Toleranz zu wecken.“2

Dennoch sind Rechte der Szene auch in Ostwestfalen aktiv. Der 1994 bei Cthulhu-Records in Moers erschienene Sampler „Im Blutfeuer“ wurde von einem bekannten Szene-DJ verkauft. Auf diesem Sampler befinden sich die rechten Darkwave-Bands „Blood Axis“, „Ernte“, „Sol Invictus“, „Allerseelen“ und „Death In June“. Der Band-Leader von „Blood Axis“ (auf Deutsch „Die Blutachse“, so wurde der Pakt zwischen Hitler und Mussolini genannt) posiert im Begleitheft hinter dem Grab des SS-Brigadeführers Karl Maria Wiligut. Hinter der Band „Allerseelen“, deren Beitrag von einem Jünger-Zitat ergänzt wird, steckt der bereits erwähnte „Kadmon“, alias Gerhard Petak aus Wien. Das Bandsymbol von „Death In June“ ist der SS-Totenkopf.

Diese Symbolik zieht auch Neonazis an. Zum Wave Gotik Treffen 2000 in Leipzig, einer Großveranstaltung mit etwa 25.000 BesucherInnen, waren z. B. Bernd Stehmann und weitere ostwestfälische KameradInnen angereist. Die von Stehmann verantwortete Neonazizeitschrift „Unsere Welt“ widmete dem Festival einen Artikel, in dem „sehr starke national-völkische Strömungen innerhalb der schwarzen Szene“ festgestellt wurden. Die KameradInnen hatten sich in Leipzig vor allem am Auftritt der Blut und Boden Formation „Thronstahl“ und zur Schau gestellten NS-Symbolen wie dem Sonnenrad oder Keltenkreuzen erfreut.3

Tradition der „europäischen Edelrasse“ – Die Band „Ostara“ aus Minden

Unter einem Postfach in Minden ist die Neofolk-Band Ostara um Richard Leviathan und Timothy Jenn zu erreichen. Nach dem Umzug von Jenn nach Deutschland legten sie 1999 ihren früheren Bandnamen „Strength Through Joy“ ab, weil deren Benutzung hierzulande verboten ist. „Kraft Durch Freude“ (KDF) war der Name einer Unterorganisation der nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterschaft, die durch Freizeitgestaltungen den „Erhalt der Arbeitskraft“ gewährleisten sollte. Die KDF diente tatsächlich der Verbreitung der NS-Propaganda.

Auch der neue Name Ostara hat eindeutige Bezüge. Im Manifest der 1905 gegründeten gleichnamigen Zeitschrift wird betont, dass sie die erste und einzige „rassenwissenschaftliche“ Zeitschrift sei, die „die Ergebnisse der Anthropologie praktisch in Anwendung bringen will, um (…) die europäische Edelrasse durch Reinzucht vor dem Untergang zu bewahren“.4


„Neuerwachen des Blutes“ – Der „Renovatio Verlag“ in Porta Westfalica

Das Politikverständnis in der Schwarzen Szene beschränkt sich weitgehend auf Parteipolitik, wovon sich allgemein abgegrenzt wird. Dies können sich extrem Rechte innerhalb der Szene zu nutze machen. Wenn es um die faschistische Ästhetik geht, propagieren sie etwa: „Es geht einzig um die Kunst und ihr geistig-ästhetisches, ihr traditionales Wesen“.5 Diese Aussage stammt von Timo Kölling aus dem von ihm herausgegebenen Blättchen „renovatio imperii – Zeitschrift für einen geladenen Leserkreis“, das sich nach eigenem Bekunden in der Tradition der „Blätter für die Kunst“ von Stefan George sieht. George (1863-1933) forderte „eine Kunst für die Kunst (…) eine Kunst frei von jedem Dienst“. Eng mit dem Streben nach dieser Einmaligkeit und „Reinheit der Kunst“ geht aber auch das Auslöschen des „Unreinen“ und „Fremden“ einher, das als oberflächlich oder „undeutsch“ gebrandmarkt wurde.

Timo Kölling und sein „Renovatio Verlag“ sitzen in Porta Westfalica. Neben George gehört Julius Evola zu seinen Vorbildern, dessen Gedankenwelt sich im Spannungsfeld von Faschismus und Esoterik bewegte. So ist etwa der Aufsatz „Julius Evola: Leben und Werk“ bei ihm zu beziehen. Kölling kommt ursprünglich aus der Metal-Szene und wandte sich zunehmend der Darkwave-Szene zu. Das von ihm herausgebrachte Fanzine „Moondance“ – einst ein reines Metal-Zine – enthält längere Beiträge über Ernst Jünger oder Evola sowie Interviews mit extrem rechten Bands wie „Allerseelen“ oder „Blood Axis“. Das Fanzine vermittelt eine Mischung aus faschistischem Elitedenken und der Sehnsucht nach einer spirituell geprägten Diktatur. Kölling selbst erläuterte in einem Interview seine Vorstellung von der Ungleichheit der Menschen. In „Equilibrium Manifesto“ beschwor er ein „Neuerwachen des Blutes.6 Mit seiner Publikation „renovatio imperii“ findet er auch in der rechten Darkwave-Szene Anklang, deren Ansprüche und inhaltliche Ausrichtungen sich sehr ähneln. Insofern kann Kölling mit seinem Renovatio-Verlag als Schnittstelle zwischen rechtem Darkwave und rechtem Metal gesehen werden.

Black-Metal – Die „krasse Seite“ des Heavy Metal

Als der Heavy Metal an Aggressivität verlor und z.T. in den Mainstream abdriftete, entstand der Black Metal. In Abgrenzung zum Mainstream wird Black Metal kompromisslos hart und vulgär gespielt. Die Härte entsteht durch schnelle, schrille Gitarrenriffs, treibende Schlagzeugrhythmen und kreischenden „Gesang“. Der Begriff „Black Metal“ bezeichnet darüber hinaus eine eigene Szene, die sich auch über ihre martialisch wirkende Ästhetik charakterisiert. Dazu gehören neben Schminke auch die zur Selbstinszenierung wichtigen Szeneattribute wie schwarze Kleidung, Patronengurte, Nieten und historische Waffen.

Mord an „Volksschädlingen“ – NS-Black-Metal

Auffällig ist die Gegnerschaft des Black Metal gegen das Christentum. Die vermeintlich „heile“ Welt nach dem Vorbild germanischer Tradition wurde durch die Christianisierung Nordeuropas zerstört, so die Argumentation. Ursprüngliche Werte wie Mut, Würde, Ehre und Treue seien durch Nächstenliebe, Feigheit und Schwäche ersetzt worden. Für den Flügel der Szene, der sich als explizit neonazistisch versteht und für den sich die Eigenbezeichnung „NS-Black Metal“ durchgesetzt hat, ist das Heidentum Begründung und Herleitung seines extrem rechten Gedankenguts. Zentrale Idee hierbei ist die aus der Naturreligion abgeleitete „natürliche Ordnung“, die nur für eine vermeintlich gewachsene Gemeinschaft innerhalb eines bestimmten Raumes gilt. Dabei steht – basierend auf einem völkisch definiertem Sozialdarwinismus – besonders das Recht des Stärkeren im Vordergrund: Die „nordische Rasse'‘ müsse sich gegenüber anderen „Rassen'‘ behaupten. Als Feind wird der „US-Kapitalismus“ – hinter dem das Judentum vermutet wird – gesehen, der durch seinen „Kulturimperialismus“ die „arteigene Kultur“ zerstöre, die „Völker verdummt“ und zu willenlosen Geschöpfen gemacht habe. „Materialismus, Humanismus, Kapitalismus sind alles Waffen, mit denen die Diener Zions die Menschen versklaven.“, postuliert etwa Sven Goldberg, Aktivist im deutschen NS-Black-Metal-Underground.7 Um dem entgegenzuwirken wird das Ideal des starken, furchtlosen Kriegers propagiert, der im ständigen Kampf um Leben und Tod steht: „Black Metal bedeutet Krieg im Zeichen der Dunkelheit (…). Wahre Black Metaller sind (…) ehrenvolle und stolze Krieger im Kampf gegen den Feind.“8

In Deutschland geriet das Thema Black Metal durch den Mord an dem Schüler Sandro Beyer im April 1993 in die Öffentlichkeit. Die Täter spielten in einer Black-Metal Band namens „Absurd“, worauf die Presse sie als „Satanskinder“ und den Bandleader Hendrik Möbus als „Satansmörder“ bezeichnete. Möbus und seine Band „Absurd“ erlangten ähnlich wie die Bands „Varg Vikernes“ und „Burzum“ durch diesen Mord einen gewissen Kultstatus. 1999 wurde Möbus während seiner Bewährungszeit zu acht Monaten Haft verurteilt, da er bei einem Konzert im thüringischen Behringen den Hitlergruß gezeigt hatte. Als er sein Opfer Sandro Beyer in einem Interview mit den Worten verhöhnte: „Ich weiß ja nicht, ob man in der Nazi-Zeit bestraft worden wäre, wenn man Volksschädlinge unschädlich gemacht hätte“, wurde er erneut verurteilt und seine Bewährung aufgehoben. Daraufhin floh er in die USA und wurde dort im August 2000 auf dem Grundstück von William Pierce, dem Führer der US-amerikanischen neonazistischen „National Alliance“, festgenommen. Möbus sieht im Holocaust einen „reinigender Prozess“ und dessen Vernichtungsideologie als ein Mittel, um der Natur zu ihrem Recht zu verhelfen: „Unsere wahre Natur wird durch judaisierten Glauben unterdrückt. Der Nationalsozialismus ist die einzige Lösung, um die herrschenden fremden Einflüssen loszuwerden und unsere Rasse und Natur zu bewahren.9

„Ehre und Blut“ – Die Bielefelder Band „Imperium Sacrum“

Hinter der Bielefelder Black-Metal Band „Imperium Sacrum“ steht das Ein-Mann-Projekt von Christoph Ott. „Bleibt euren Idealen treu, schützt euren Grund und Boden (…)“10 ist eine Aussage des Pseudonyms „Nord“ von der Band. Stilistisch ordnet er sich selbst im nordisch-heidnischen Black Metal ein. Seine Promo-CD beginnt mit dem Präludium „Vaterland“ und in dem Stück „Der Seelentraum der Alten“ heißt es: „Die Finsternis erfüllt die Hallen der Ewigkeit, Voller Licht erblühen die Städte der Alten, Unsere Herzen schlagen wieder eins in der Brust, Ein Ruf zum Kampf für Ehre und Blut! Die Bestimmung wird nie mehr verdrängt, verschwiegen, Nie wieder!“11

So wundert es nicht, dass in einem Interview zu diesem Song festgestellt wird, „dass der Text dieses Liedes ebenfalls von einem Burzum Lied sein könnte.“ Zu der NS-Black-Metal Band „Burzum“ gibt es auf der Homepage von „Imperium Sacrum“ unter „empfohlene Seiten“ einen Verweis (mit dem üblichen Hinweis auf Distanzierung von dessen Inhalt).12 Eine eigene Rubrik widmet „Nord“ der deutschen NS-Black Metal Band „Absurd“. Ebenso eindeutig sind „Nords“ Ansichten über Christen: „Eine verachtenswerte, dekadente Ansammlung von Untermenschen, irrgeleitet durch einen falschen Glauben.“13

Neonazistisches Label – „Christhunt-Productions“ in Leopoldshöhe

Die Verachtung und Vernichtung des Christentums ist auch Namensgeber des von Marco Martin betriebenen Labels „Christhunt-Production“. Marco Martin produziert und vertreibt Black-Metal. Im Angebot sind sowohl unpolitische Gruppen als auch ideologisch hochgradig aufgeladene Bands, wie z. B. die zuvor erwähnte NS-Black-Metal Band „Absurd“. Auch Eigenproduktionen des Christhunt-Labels haben neonazistischen Charakter. So tritt z.B. auf der Single „Ausrottung“ der Band „Aske“ deren Musiker unter dem Pseudonym „Holocaust“ auf. Das Cover zeigt ein drehendes Hakenkreuz, aus dessen Mitte ein Feuer lodert.

Christhunt-Production wird auch von dem polnischen Label Wolfstower Records als Anbieter für Deutschland genannt. Das Label arbeitet mit einem europaweiten Vertriebsnetz von Versanden zusammen. Das Innencover der bei Wolfstower veröffentlichten Absurd Langspielplatte zeigt Adolf Hitler bei einer Rede auf dem Nürnberger Parteitag. Die LP gilt als ein gesuchtes Sammlerstück in der NS-Black-Metalszene. Eine nach Angaben Martins im Frühjahr 2001 bei diesem durchgeführte Hausdurchsuchung könnte auf Material dieses Versandes zurückgehen

(Artikel aus: Stop Lifestyle of Hate, die extreme Rechte in OWL, Bielefeld, Januar 2002)

Quelle: Antifa-West

  1. Kadmon: Corneliu Codreanu – Kampf und Klausur. In: AORTA Nr. 9, Wien, 1999 [zurück]
  2. Die Initiative ist: unter http://www.gothics-cuiture-ev.de im Internet zu erreichen. [zurück]
  3. Der Rechte Rand, Nr.71, Juli 2001 und: Unsere Welt, Nr. 6 o.D. (2001) [zurück]
  4. Goodrick-Clarke, N., Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Graz-Stuttgart, 2000 [zurück]
  5. Kölling,T.: Vorrede. renovatio imperii – zeitschrift für einen geladenen leserkreis, Nr. 1/2000 [zurück]
  6. Der rechte Rand, Nr. 64. Mai 2000 [zurück]
  7. Donnerschlag, Nr. 1, ca. 2000, Interview mit Sven Goldberg [zurück]
  8. Der Förderturm Nr. 1.2000, S. 39: NS-Black Metal. Neue Bewegung oder Trend? [zurück]
  9. Interview mit Möbus in: The Pentagram, 1997 [zurück]
  10. Nord in einem Interview mit Tschort, Webseite von Tschort, November 2001 [zurück]
  11. Der Seelentraum der Alten in: Wölfe, Demo-CD, Eigenvertrieb. Bielefeld. 2000 [zurück]
  12. Webseite von Imperium Sacrum. Oktober 2000 [zurück]
  13. Interview mit Nord, a.a.O. [zurück]