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Erneut rechte Neofolk/Industrial Veranstaltung in Rosenheim

Am kommenden Samstag (22.10) findet in Rosenheim erneut eine rechte Industrial/Neofolk Veranstaltung statt. Auf dem sogenannten Neofolk.Industrial.Event im Club Blackout tritt neben der Band „Graumahd“ der Österreicher Albin Julius als DJ auf. Albin ist Frontmann einer Band Namens „Der Blutharsch“, welcher der Nordreinwestfälischen Verfassungsschutz in der Broschüre „Musik, Mode-Markenzeichen“ Affinitäten zum Rechtsextremismus attestiert.
Neben Gehard Petak („Allerseelen“) gilt Albin Julius („Der Blutharsch“) als Vordenker der Wiener „Neofolk“-Szene. Diese ist geprägt ist von einem vorsätzlichen, provokativen und lustvollen Kokettieren mit faschistoiden Symbolen und Texten. Man versucht man, eine elitär antidemokratische Ästhetik und Ideologie zu pflegen, ohne sich dabei jemals in den banal-politischen Neonazismus herabzulassen. Die Veröffentlichung von „Der Blutharsch“ scheinen oft das Dritte Reich und Krieg allgemein zu verherrlichen. Dazu tragen optische Mittel bei: Es werden die Sig-Rune (bekannt als das S der SS im Dritten Reich) und das Eiserne Kreuz bedenkenlos verwendet. Einen Höhepunkt an faschistischer Ästhetik erreichte „Der Blutharsch“ mit dem 1998 erschienen Live-Video „Gold gab ich für Eisen“. Geboten wurde unter anderem die „Finnish version of Lili Marleen named Lisa Pien to Europäische Freiwillige der Waffen SS an Mrsch der Sturmartillerie.“ (http://drugie.here.ru/derblut/main 12.03.2000). „Lili Marleen“ wurde 1915 von Hans Leip geschrieben, welcher später durch den fragwürdigen Hit des Dritten Reichs „Bomben auf England“ traurige Berühmtheit erreichen sollte. Weiterhin verwundert die Verehrung der „europäischen Freiwilligen der Waffen SS“, welche oft Gefangene in Straflagern waren und damit dem Tod entkamen. Wie weit hier also von überzeugten Nazis geredet werden kann oder von stolzen Soldaten und Freiwilligen mag also im Raume stehen bleiben. Wilhelm Herich (von der Gruppe „Genocide Organ“), neben Albin zweiter Sänger auf dieser Tour, beendet den Mitschnitt mit den Worten „free Pinochet, Freiheit für Pinochet!“. Hier wird Solidarität mit dem grausamen Ex-Diktator von Chile gezeigt, welcher vielen Nazigrößen nach dem Untergang des Dritten Reichs Unterschlupf gewährte. Weiterhin wurde er dafür bekannt, dass er viele seiner politischen Gegner in einem Sportstadion foltern und töten ließ. Weiterhin wird in dem Video eine Flasche mit einem Hakenkreuz-Etikett in die Kamera gehalten1.
Auch „Graumahd“ gehören in das Umfeld dieser Wiener „Neofolk“-Szene. Mit dem Gitarrist Jörg B. gibt es sogar personelle Überschneidungen mit „Der Blutharrsch“. Desweiteren beteiligte sich „Graumahd“ an einer rechten Compilation mit dem Titel „Wir rufen deine Wölfe“. Diese ist dem Begründer des „Neuen Nationalismus“ und Kämpfer gegen die Weimarer Republik Friedrich Hielscher gewidmet.2
Dies ist bereits die zweite Veranstaltung mit „rechten Künstlern“ in der Discothek Blackout. Am Sa 16.04.05 trat in diesem Rosenheimer Club bereits „Allerseelen“ auf. Diese Band und ihr Frontmann Gerhard Petak sind führende Protagonisten, die das Musikgenre Dark Wave nutzen um ihre rechtsextreme Ideologie zu transportieren.
Der AK Antifaschismus fordert das Blackout auf, diese Veranstaltung abzusagen und zukünftig seine Räumlichkeiten nicht mehr für rechte Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. An alle demokratischen Kräfte appelliert Michael Kurz, ein Sprecher des Bündnisses, sich eindeutig zu positionieren und gegen jede Form von rechten Aktivitäten aktiv zu werden. „Währet den Anfängen“ so Kurz wörtlich.

Quelle: AK Antifaschismus Rosenheim

  1. Die Informationen sind der Internetseite http://www.turnitdown.de/208.html entnommen, dort gibt es weitere umfangreichere Informationen zu „Der Blurharrsch“ [zurück]
  2. Die CD wurde im übrigen auf dem Label „Aorta“ von Petak (Allerseelen) veröffentlicht, die LP-Fassung auf „Ahnstern“, einem Sublabel von „Steinklang Records“ (Österreich). Auch das Steinklanglable wird am 22.10 mit einem Verkaufsstand im Blackout anwesend sein. [zurück]

Offener Brief gegen rechtes Darkwave-Konzert

Für den 16. April 2005 hatte die Rosenheimer Discothek Blackout ein Konzert der rechten Darkwave-Band Allerseelen angekündigt. AntifaschistInnen aus Rosenheim wanten sich in einem offenen Brief an das Blackout und die Öffentlichkeit, in dem sie über die Aktivitäten und den extrem rechten Hintergrund der österreichischen Band informierten. Wir dokumentieren im Folgenden den Offenen Brief:

Infogruppe Rosenheim,
Oberaustr. 2 , 83026 Rosenheim
infogruppe-rosenheim@web.de
www.infogrupperosenheim.tk

Offener Brief

An das
Blackout
Am Rossacker 7, 83022 Rosenheim
info@club-blackout.de
Tel.: 08031/380328

Nachrichtlich an:
+ Regionale Presse
+ Lokale Parteien, Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen

Rosenheim, 14.03.05

Betr.: Rechtsextremes Konzert im Rosenheimer Club „Blackout“?

Laut Ankündigung auf Ihrer Homepage soll am 16. April 2005 in Ihrem Club „Blackout“ in Rosenheim ein Konzert mit der österreichischen Dark-Wave-Band „Allerseelen“ stattfinden. Da wir davon ausgehen, dass das blackout kein Interesse daran hat Faschisten eine Plattform zu bieten, wollen wir Sie, mit diesem offenen Brief, über den rechtsextremen Charakter dieser Band informieren und Sie gleichzeitig dazu auffordern, dieses Konzert abzusagen.

Die Band Allerseelen wurde 1989 von dem Wiener Gerhard Petak, alias Kadmon, der aktuell – nach eigenen Angaben – im Raum Berchtesgaden wohnt, gegründet und seitdem maßgeblich geprägt. Nach Einschätzung von Alfred Schobert, Mitarbeiter des „Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung“, gehen die „Pioniertaten (Petaks; Anm. Infogruppe) über die Rehabilitierung faschistischer Symbolik hinaus. Er rehabilitiert komplette nazistische Ideolgiebestände.“ So vertonte Petak beispielsweise auf der CD „Gotos-Kalanda“ einen Gedichtzyklus des Karl Maria Willigut, der bis 1938 maßgebliches Mitglied des SS-Ahnenerbes war und der den SS-Totenkopfring entworfen hatte. Willigut wird entkontextualisiert – die SS als verbrecherische Organisation erscheint bei Petak nicht – als bewundernswerter „Geschichtsforscher“ und Runendichter dargestellt. Weitere von Petak angepriesene „Persönlichkeiten“ sind Leni Riefenstahl, Ernst Jünger, Otto Rahn, ebenfalls Mitglied im SS-Ahnenerbe, und der rumänische Faschist Corneliu Z. Codreanu, der in den 1920er und 1930er Jahren Mitbegründer und Führer der extrem antisemitischen Eisernen Garden war. In Lieder von Allerseelen baut Petak auch Gesänge und Märsche der Eisernen Garde bzw. eine Rede Codreanus ein.

Die Band veröffentlichte bis dato mehrere CDs, sog. Split-Singles und beteiligte sich an diversen Samplern, die der Hommage an verschiedene „Persönlichkeiten“ dienen sollten. Genannt seien hier Sampler zum Gedenken an Leni Riefenstahl, der vom rechtsextremen, (vom Verfassungsschutz beobachteten) VAWS-Verlag produziert wurde, an Ernst Jünger oder an den italienischen faschistischen Theoretikers Julius Evola. Eine Rezension dessen Buches „Den Tiger reiten“ von Gerhard Petak in der rechtextremen Berliner Wochenzeitung „Junge Freiheit“ ist als nichts anderes als eine Ehrerbietung an den Autor Evola zu werten. Dieser Evola empfahl im Jahr 1928: „Wir machen Schluss mit jeder Schwäche, mit jeder Nachsicht gegenüber allem, was von der semitisch-christlichen Wurzel herkommt. Anti-Europa, Anti-Semitismus, Anti-Christianismus, das ist unsere Losung.“

Gemeinsam mit der amerikanischen Formation „Blood Axis“ um den Rechtsextremisten Michael Moynihan veröffentlichte Allerseelen im Jahr 1998 die Split-Single „Käferlied/ The March of Brian Boru“. Dieser Moynihan berichtete in einem Interview mit dem Magazin „No longer a Fanzine“: „Einerseits denke ich, dass die Zahl 6 Millionen nur zufällig und ungenau und wahrscheinlich eine grobe Übertreibung ist. Ich habe revisionistische Bücher gelesen, die gut gegen den Holocaust- ‚Kanon’ argumentieren, und selbst die jüdischen Historiker verändern fortlaufend ihre Ansprüche. Doch mein Hauptproblem bezüglich der Revisionisten ist, dass sie von der Annahme ausgehen, das Töten Millionen unschuldiger Menschen sei als solches ‚böse’. Mehr und mehr neige ich zur entgegengesetzten Schlussfolgerung. Ich geriete nicht aus der Fassung, wenn ich herausfände, dass die Nazis jede ihnen zugeschriebene Grausamkeit begangenen hätten – ich zöge es vor, wenn es wahr wäre“.

Kritik an seiner Ideologie, die er mit seiner Musik transportiert, vergleicht Gerhard Petak alias Kadmon mit der Judenverfolgung im Dritten Reich. So formulierte er in einem Szene-Magazin: „Offenbar braucht jede Kultur ein Hexenmal, einen Judenstern. (…) Heute ist der Faschismusvorwurf gegen die industrielle Musik und Dark Wave ein Judenstern. (…) Die Judensterne sehen heute anders aus, es sind ariosophische völkische Zeichen, Runen, Thorshammer, Kruckenkreuz, Hakenkreuz.“ [Black 14/1998]

Zusätzlich neben der Band Allerseelen nutzte Gerhard Petak die Zeitschrift „Aorta“, die er später in „Ahnstern“ umbenannte als Möglichkeit, um seine Ideologie zu verbreiten. In den beiden Publikationen findet sich ein obskurer Mix aus Heidentum, Nazi-Esoterik und völkischem Denken. Neben Huldigungen an die bereits genannten Julius Evola und Corneliu Z. Codreanu, veröffentlichte Petak hier u.a. Artikel über sog. Flugscheiben, die als „geheime Wunderwaffen“ der Nazis verklärt werden. Nach gerade in rechtsextremen Kreisen weit verbreiteten Theorien seien diese Flugscheiben u.a. in Neuschwabenland, einem Gebiet in der Antarktis, das in den Jahren 1938 und 39 Ziel einer SS-Expedition gewesen ist, stationiert worden. Eine „Rest-SS“ hätte sich bis 1955 in Neuschwabenland aufgehalten. „Neuschwabenland“ ist im Übrigen auch der Titel einer Allerseelen-CD. Gerade die Tatsache, dass der vermeintliche Konstrukteur dieser Nazi-Flugscheiben mit dem mittlerweile verstorbenen Andreas Epp ein Rosenheimer gewesen soll [siehe u.a. Oberbayerisches Volksblatt vom 22.12.2004, S. 12], erscheint das Konzert von Allerseelen bzw. von Gerhard Petak samt seines Faibles für Neuschwabenland und Flugscheiben in Rosenheim in einem ganz besonderen Licht.

In der Publikation „Musik-Mode-Markenzeichen“ des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes wird Gerhard Petak mit seiner Band Allerseelen selbst erwähnt. Petak, außerdem Autor in diversen rechtsextremen Theorieorganen, wie „Staatsbriefe“, „Opposition“ und „Junge Freiheit“, wird eine „Affinität zum Rechtsextremismus“ attestiert. Weiter heißt es hier, dass „Allerseelen“ einer der Bands dieses Musikgenres sei, die seit Anfang der 1990er Jahre „NS-Symbolik aufgegriffen und positive Bezüge zu Leitfiguren des Rechtsextremismus hergestellt“ habe.

Die Band Allerseelen um ihren Kopf Gerhard Petak ist einer der führenden Protagonisten, die das Musikgenre Dark Wave nutzen um ihre rechtsextreme Ideologie zu transportieren. Seit Anfang der 1990er Jahre ist in der Dark-Wave-Szene, aber auch in anderen Subkulturen, zu beobachten, dass neu-rechte Akteure bemüht sind, ihre rechtsextreme Ideologie zu verbreiten. Ansatzpunkte in der „schwarze Szene“ sehen diese durch angeblichen Mystizismus, Irrationalismus sprich Heidentum und Esoterik, Anti-Modernes-Denken, das sich in positiven Bezügen auf Mittelalter und Romantik äußert, und letztendlich durch ein in der Szene weit verbreitetes elitäres, antiegalitäres Selbstverständnis. Auch in diversen Verfassungsschutzberichten der letzten Jahre wurde auf diese Ausbreitungsversuche in der Dark-Wave-Szene mit Besorgnis hingewiesen. So heißt es beispielsweise im Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen aus dem Jahre 2003, dass „der Versuch, Musik mit rechtsextremistischen Inhalten oder mit einem solchen Hintergrund in einer Subkultur zu verankern, nur in solchen Bereichen Erfolg versprechend (sei), wo Anknüpfungspunkte und Schnittmengen mit rechtsextremistischem Gedankengut und Symbolen feststellbar sei. Die Jugendszenen des Black Metal und des Dark Wave können Anknüpfungspunkte und Schnittmengen mit rechtsextremistischem Gedankengut bieten.“ [VS-Bericht NRW 2003, S. 40]

Vor dem Hintergrund dieser hier gelieferten Informationen über die Band Allerseelen fordern wir Sie – die Betreiber – des Club „Blackout“ auf, das Konzert mit Allerseelen abzusagen. Vorbild können hier die Vermieter – das Hotel Hilton – eines Veranstaltungsortes in der Bremer Innenstadt sein, die ein Konzert mit den Bands Allerseelen und Belborn aus Rosenheim kurzfristig, nachdem sie über den Charakter dieses „Events“ informiert worden sind, abgesagt haben.

Mit freundlichen Grüßen

i.A, Michael Kurz

AK Antifaschismus Rosenheim
GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) Jugendvertretung
Grüne Jugend Rosenheim (www.gruene-jugend-rosenheim.de)
Infogruppe Rosenheim (www.infogrupperosenheim.tk)
Trümmernacht (www.truemmernacht.com)

Quelle: a.i.d.a.

Sommernachtstraum

Trotz antifaschistischer Öffentlichkeitsarbeit fand am 31. Juli 2004 das extrem rechte Dark Wave-Konzert „Mitternachtsberg-Fest“ in der Burg Vondern in Oberhausen (NRW) statt.

Als Veranstalter trat der „Forsite-Verlag“ [Trojaburg Versand] auf. Dieser gehört dem 31-jährigen Dennis H. Krüger aus Bottrop. In seinem Verlagsangebot zu „Frühgeschichte-Mythologie-Esoterik“ sind einschlägige Standardwerke der nationalsozialistischen „Rassenkunde“ ebenso zu finden wie die Werke der völkischen Antisemiten Guido von List und Jörg Lanz von Liebenfels. Aufgrund seiner häufigen Teilnahme an neonazistischen Demonstrationen wird Krüger von der örtlichen Antifa der neonazistischen Szene im Ruhrgebiet zugerechnet.

Aufgetreten sind die Neo-Folk-Bands „Cawatana“ (Ungarn) und „Lux Interna“ (USA) sowie die österreichische Formation „Allerseelen“. Angekündigt wurde diese Gruppe um den extrem rechten Esoteriker Gerhard Petak lediglich unter dem Namen „Aar“ – zu groß war scheinbar die Sorge vor der kritischen Öffentlichkeit hinsichtlich der seit Jahren formulierten Kritik an der Band und dem Musiker. Jüngst erst steuerte „Allerseelen“ einen Song zur Compilation „Wir rufen Deine Wölfe“ bei, die dem Begründer des „Neuen Nationalismus“ und Kämpfer gegen die Weimarer Republik Friedrich Hielscher gewidmet ist. Die CD wurde im übrigen auf dem Label „Aorta“ von Petak veröffentlicht, die LP-Fassung auf „Ahnstern“, einem Sublabel von „Steinklang Records“ (Österreich).

Nachdem die örtliche Presse berichtet hatte, versuchte der Vermieter, der „Förderkreis Burg Vondern“, den Vertrag zu kündigen, scheiterte aber an juristischen Schwierigkeiten. Auch die Stadt fand keinen Grund, die Genehmigung für das Konzert zurückzunehmen, engte aber über Auflagen den Veranstaltungsrahmen ein.

Letztendlich fanden nur ca. 60 zahlende Gäste den Weg zur Burg. Der angekündigte „Mitternachtsberg“ wurde nicht erreicht, denn pünktlich um 22 Uhr musste das Konzert beendet sein. Verfassungsfeindliche Symbole wurden, wie sonst auf vielen derartigen Veranstaltungen üblich, hier nicht zur Schau gestellt. Die Präsenz der Polizei sorgte wohl für dieses verhaltende Auftreten. Unscheinbar am Rande platziert wurden Interessierten lediglich die aktuellen Ausgaben der Magazine „Zinnober“ und „Wolfszeit“ sowie ein paar CDs angeboten.

Um die Burg herum hielt sich eine Hundertschaft der Polizei auf. Sowohl in der verhältnismäßig zahlreich anwesenden Security als auch unter den Gästen befanden sich einige Neonazis aus dem Ruhrgebiet. Als geschäftsfördernden Einstand im neuen Metier der Konzertveranstaltungen dürfte dieser Abend für den Veranstalter jedenfalls mächtig daneben gegangen sein.

von Jochen Koblinski

dieser Artikel erschien im Rechten Rand Nr. 90

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Im folgenden dokumentieren wir einen aktuellen offenen Brief der antifaschistischen Zeitung „Lotta“ und des Antifaschistischen Bündnisses Oberhausen (ABO):

Offener Brief

An:

- Stadt Oberhausen – Der Oberbürgermeister u.a.

- Förderkreis Burg Vondern e.V.

Nachrichtlich an:

- Regionale Presse

- Lokale Parteien, Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen


Konzert der extremen Rechten auf Burg Vondern?

Oberhausen, 29. Juli 2004

Sehr geehrte Damen und Herren!

Am übermorgigen Samstag, 31. Juli 2004, soll laut Einladung des Veranstalters „im Burghof der Burg Vondern / Oberhausen (Ruhrgebiet)“ ein so genanntes „Mitternachtsberg-Fest“ stattfinden. Diese Veranstaltung wird von Aktivisten der extremen Rechten organisiert.

Bei dem Event handelt es sich um ein musikalisch der Darkwave- bzw. Gothic-Szene zuzuordnendes Konzert. In dieser auf Individualität, Romantik und religiöse Sinnsuche ausgerichteten Szene existiert seit einigen Jahren auch ein kleiner rechter Bereich. Dieser ist jedoch weder inhaltlich noch von seinem Äußeren her z.B. mit der rechten Skinhead-Szene vergleichbar.

Hier wird Individualität zu Elitedenken erhöht, romantische Retrospektiven wandeln sich zu einer Ablehnung der Moderne inklusive der Ablehnung des demokratischen Denkens.

Auch in den Kreisen der extremen Rechten, z.B. der „Neuen Rechten“ wird versucht, die Darkwave-Szene zu agitieren und den rechten Teil dieser Szene zu fördern und daraus Nutzen zu ziehen. Sei es seitens der rechtsintellektuellen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ oder Werner Symanek, der bis vor kurzem in Oberhausen seinen extrem rechten Versand VAWS betrieb1.

Auch bei dem „Mitternachtsberg-Fest“ existiert ein solcher Hintergrund und es lassen sich Verbindungen zur extremen Rechten nachweisen. Als Veranstalter wird der „Forsite-Verlag“ genannt. Über diesen in Bottrop ansässigen Verlag können auch die Eintrittskarten bezogen werden.

Dass es sich hierbei um einen der extremen Rechten angehörigen Verlag handelt, zeigt schon ein kurzer Blick in sein Internet-Angebot2. In nahezu jedem Bereich des Angebots finden sich Vertreter der extremen Rechten, sogar des Nationalsozialismus. Im Bereich „Frühgeschichte“ wird z.B. die

„Rassenkunde des deutschen Volkes“ von Hans F. K. Günther angeboten und als „gründliche Untersuchung des bekannten Wissenschaftlers zur Eugenik“ gepriesen.

Bei dem Werk handelt es sich um ein Standardwerk der nationalsozialistischen „Rassenkunde“. Ebenfalls in diesem Bereich wird „Die symbolhistorische Methode“ des Gründers der SS-Forschungsorganisation „Ahnenerbe“, Herman Wirth, beworben. Im Bereich der „Kelten & Indogermanen“ wird Karl Penkas: „Die Herkunft der Arier“ angepriesen, unter „Mythologie“ die Werke „Guido von List: Die Armanenschaft der Ariogermanen“ und „Jörg Lanz von Liebenfels: Theozoologie“. Bei List und Liebenfels handelt es sich um äußerst rassistische und antisemitische Mystiker der vorvorigen Jahrhundertwende, die als Vordenker des NS bezeichnet werden können3. Ebenfalls im Angebot zu finden sind die Schriften der neuheidnischen „Goden“ und „Armanen“, welche in der Fachliteratur als extrem rechts gewertet werden4.

In der Rubrik „Zeit-Schriften“ wird u.a. auch die Folge 2/1997 des Heftes „Sol Invictus“ angeboten. Das Heft zum Thema „Mitternacht“ umfasst nach Angaben des Verlages „Texte zum Mythenkomplex Mitternachtsberg -Schwarze Sonne – Lichtbringer – Thule u.a Auszüge aus Wilhelm Landig, Julius Evola, Otto Rahn, Kurt Eggers, Rudolf Mund, Werner von Bülow.“ Das Titelblatt der Publikation ist mit einem Foto der „Schwarzen Sonne“, einem von der SS entworfenen Bodenmosaik aus der Wewelsburg, gestaltet. Diese Wewelsburg sollte unter Leitung von Reichsführer SS Heinrich Himmler zur Ordensburg der SS ausgebaut werden und der mystische Mittelpunkt der Welt werden.

Bei den Personen, deren Texte abgedruckt sind, handelt es sich durchweg um Personen, die mit dem Faschismus bzw. dem Nationalsozialismus in Verbindung stehen, so z.B. um den italienischen Mussolini-Berater und antidemokratischen Theoretiker Julius Evola, dem Dichter der SS Kurt Eggers, den SS-Mystikern Otto Rahn und Rudolf Landig.

Es ist naheliegend, dass dieser Personenkreis und dieses Themenheft auch den ideologischen Hintergrund des angekündigten „Mitternachtsberg-Festes“ bilden und es sich bei diesem „Fest“ mitnichten um ein harmloses Konzert handelt.

Zumal sich auch die angekündigten Bands des Abends in einem Spektrum bewegen, die eben jenen Ideologen huldigen. Womit hier nicht gesagt werden soll, dass es sich bei den Bands zwingend um extrem rechte Formationen handeln muss.

Angekündigt sind die Bands folgendermaßen: „Aar (Apocalyptic-Folk Österreich), Cawatana (Neo-Folk/Ungarn), Lux Interna (Neo-Folk/USA)“. Zumindest die beiden Bands „Cawatana“ und „Lux Interna“ veröffentlichten ihre CDs beim Dresdner Label „Eis & Licht“. Bei diesem Label von Stephan Pockrandt handelt es sich um das wichtigste Label in Deutschland, welches rechte Einflüsse im Darkwave fördert. Pockrandt etablierte als Herausgeber die rechte Musikzeitschrift „Sigill“ (später „Zinnober“), welche eine Mischung aus Ideologie und Musik darbot5. In diesem Spannungsfeld bewegen sich auch die Bands, so ist „Cawatana“ mit einer Version des Gedichtes „Michelsgebet/Wir rufen Deine Wölfe“ von Friedrich Hielscher auf dem Sampler „Wir rufen deine Wölfe“ vertreten. Hielscher, einer der Begründer des „Neuen Nationalismus“ und Kämpfer gegen die Weimarer Republik, wird auf dieser Compilation von extrem rechten Bands wie „Blood Axis“, „Waldteufel“ und „Turbund Sturmwerk“ interpretiert.

Es steht zu befürchten, dass sich der extrem rechte „Forsite-Verlag“ mit dem Konzert am 31. Juli präsentieren möchte, dort gar extrem rechte Literatur etc. angeboten wird. „Daneben erwartet Sie ein Bücher-/Tonträger-Verkauf“ heißt es in der Einladung.

Inhaber des „Forsite-Verlages“ und damit Veranstalter des Konzertes ist der 31-jährige Dennis Henry Krüger, früher in Duisburg, dann in Mülheim/Ruhr und heute in Bottrop wohnhaft. Er gehört seit langen Jahren der nazistischen Szene an und war bereits häufig auf neonazistischen Aufmärschen anzutreffen, so z.B. in Dortmund, Bottrop, Frankfurt am Main, Hagen und in vielen anderen Städten. Er wird dem Kreis um die neonazistische Zeitschrift „Der Förderturm“ (FT) zugerechnet6, die zunächst im Ausland, dann in Duisburg, später in Mülheim/Ruhr erschien und aktuell über eine Bottroper Adresse zu beziehen ist. Auch der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz stuft diese Postille als neonazistisch ein und spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer „in dieser Weise noch nie da gewesene[n] kämpferische[n] Aggressivität, was die Durchsetzung der neonazistischen Ziele angeht“7.

Wir gehen davon aus, dass Ihnen diese Hintergründe bisher nicht bekannt waren. Wir bitten Sie hiermit höflichst und fordern Sie gleichzeitig nachdrücklich dazu auf, das Ihrige zu tun, damit das Konzert nicht stattfinden kann.

Für Rückfragen steht Ihnen ein Vertreter des „Antifaschistischen Bündnis Oberhausen“ (ABO) heute und morgen von jeweils 14.00 bis 16.00 Uhr unter der Telefon-Nummer 0208 / 23037 zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Jan Brüsser (i.A. der Absender/innen)

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Laut einer Meldung der Neuen Rhein Zeitung (NRZ) Oberhausen vom 30.7.04, sieht die Stadt keine Möglichkeit, die Genehmigung zurückzuziehen.

Mehr Infos gibts bei der Lotta.

Quelle: Turn it down

  1. Zu VAWS siehe: Martin Dietzsch/Helmut Kellersohn/Alfred Schobert: Jugend im Visier, Duisburg 2002, Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, S. 57 ff. [zurück]
  2. hXXp ://forsite-verlag.de [zurück]
  3. Vgl. Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Graz 1997 [zurück]
  4. Vgl. Jens Mecklenburg: Handbuch deutscher Rechtsextremismus, Berlin 1996, S. 368, 372 [zurück]
  5. Vgl. zu dem gesamten Bereich: Andreas Speit: Ästhetische Mobilmachung. Dark Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien, Münster 2002 [zurück]
  6. Vgl. JD/JL Duisburg: Duisburg – rechts um!? Neonazismus im Großraum Duisburg/Oberhausen, Duisburg 2002, S. 60-64, sowie: Der Rechte Rand, Nr. 88, Mai/Juni 2004, S. 9 [zurück]
  7. Innenministerium des Landes NRW: Verfassungsschutzbericht des Landes NRW über das Jahr 2003, S. 34. Siehe auch WAZ Lokalausgabe Bottrop vom 08.02.2003: „Volksverhetzung bleibt jetzt doch ungesühnt“. Bei dem Halter des dort genannten Fahrzeuges, in dem Neonazi-Material transportiert wurde, handelte es sich um Dennis Henry Krüger, sein damaliges Autokennzeichen: DU-FT 1488, wobei „FT“ hier für „Förderturm“ stehen dürfte, die „14″ als Code für eine neonazistische Formel dient, die aus 14 Wörtern besteht („14 words“: „We must secure the existance of our people and a future for white children“) und die „88″ für „Heil Hitler“ (die „8″ für den 8. Buchstaben im Alphabet, also das „H“) steht. [zurück]

Faschistische Ästhetik, germanische Krieger

Der rechte Rand von Dark Wave und Black Metal

Dark Wave und Black Metal sind ganz unterschiedliche Jugendszenen. Gemeinsam sind ihnen die Einflussversuche von Neonazis.

Bei Rechtsrock wird meist nur an die Musik einschlägiger Naziskin-Bands gedacht. Extrem rechte Inhalte sind jedoch auch in Teilen des Darkwave und des Black Metal vorhanden. Im Gegensatz zum Rechtsrock überwiegt hier aber elitärer Anspruch wider die Masse. Auch unter dem Aspekt der Gewaltakzeptanz unterscheiden sich die Szenen eklatant. Die Anhänger des Black Metal reproduzieren das überlieferte Bild des martialischen, nordischen Kriegers oder wehrhaften Germanen. Im Darkwave wird physische Gewalt dagegen abgelehnt. Sie existiert höchstens als ästhetische Inszenierung im Sinne eines vertonten Jünger’schen Stahlgewitters.


Gesänge der „Eisernen Garde“‘ – extrem rechte Einflüsse im Darkwave

Zentrale Themen des Darkwave oder der Schwarzen Szene sind die Vergänglichkeit und die Thematisierung des Todes. Dazu gehört auch die Beschäftigung mit Mystik, Religionen und die Kritik am Materialismus, dem idealistische Gesellschaftsformen (meist stark verklärt) entgegengesetzt werden. Auffällig ist dabei der oft rückwärtsgewandte Blick, der die Romantik, das Mittelalter und das Heidentum wiederzubeleben scheint. Dies führt bei einem kleinen Teil der schwarzen Szene, besonders im Bereich des Neo-Folk und Industrials, zu einer Revitalisierung vergangener Ideale und Wertvorstellungen, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts die Grundlage für den Nationalsozialismus und italienischen Faschismus bildeten.

Besonders die Mystiker des Nationalsozialismus und die Theoretiker der sogenannten „Konservativen Revolution'‘ werden von diesen Rechten rezipiert. Dabei wird auf die Reichsidee des „Ur-Faschisten'‘ Julius Evola und auf den „heroischer Realismus'‘ Ernst Jüngers zurückgegriffen.

Angelehnt an Jüngers Kriegsbeschreibung „In Stahlgewittern'‘ wird in den rechten Darkwave-Kreisen der Pathos des Helden, der unabdingbare Kampf und die Aufopferung für eine Idee propagiert. Dabei werden längst verstaubte „Vorbilder'‘ aus der Ära der europäischen Faschismen wiederbelebt, wie z.B. der rumänische Faschistenführer Corneliu Codreanu mit seiner „Eisernen Garde'‘. Die Gesänge dieser Garde wurden mehrmals in der Szene wiederveröffentlicht. „Ich spürte in ihnen den Widerhall einer kämpferischen Zeit, in der Tradition und Moderne gegeneinander in den Krieg traten“1; so Kadmon, Kopf der Band „Allerseelen“. Bei Live-Auftritten wird mittels Uniformen, Fackeln, Fahnen und militärischem Gehabe der kämpferische Pathos in Szene gesetzt. „Do you want total war?“ (Willst Du den totalen Krieg?) heißt etwa der Schlachtruf von Boyd Rice, einem bekennenden Sozialdarwinisten und Urgestein der schwarzen Szene. Von der rechten Formation „Blutharsch“ aus Wien stammt der markige Spruch: „Kampf, Sieg oder Tod“. Die Band hat die Sigrune als Symbol gewählt und fordert Freiheit für den chilenischen Ex-Diktator Pinochet.

Abgerundet wird der faschistische Habitus durch eine Ästhetik, die der Propaganda-Kunst des Nationalsozialismus huldigt. Zu Ehren der umstrittenen Filmemacherin Leni Riefenstahl und des NS-Bildhauers Josef Thorak erschienen Musiksampler bei dem extrem rechten VAWS-Verlag in Duisburg, auf denen die bekanntesten, rechten Darkwave-Bands vertreten
sind. In einschlägigen Fanzines werden NS-Künstlern lange Artikel gewidmet, und Riefenstahl-Filme werden auch mal im Hintergrund auf schwarzen Parties gezeigt.

Abgrenzung und Vereinnahmung – Die Schwarze Szene in Ostwestfalen

Die Schwarze Szene in der Region ist nicht unbedeutend. Mehrmals wöchentlich bietet sich der melancholischen Gemeinschaft die Möglichkeit in Diskotheken ihre Musik zu genießen. Regelmäßig finden Konzerte auch internationaler Bands des breitgefächerten Genres statt. Wie auch in vielen anderen Regionen ist der weitaus überwiegende Teil der hiesigen Szene unpolitisch, manche grenzen sich auch bewusst von rechten Strömungen ab. Der überregional agierende Verein „Gothics-Culture“ mit Sitz in Bielefeld versucht ein objektives Bild der Szene zu vermitteln und wendet sich auch gegen die stärker werdenden rechten Tendenzen. Gegründet 1998, begann der Verein mit Beratungen für Jugendliche in der Wave- und Gothic-Bewegung sowie mit Aufklärungsarbeit über die Darstellung dieser Jugendszene in der Öffentlichkeit. „Ziel war es, Vorurteile und Missverständnisse abzubauen und somit Annäherung und Toleranz zu wecken.“2

Dennoch sind Rechte der Szene auch in Ostwestfalen aktiv. Der 1994 bei Cthulhu-Records in Moers erschienene Sampler „Im Blutfeuer“ wurde von einem bekannten Szene-DJ verkauft. Auf diesem Sampler befinden sich die rechten Darkwave-Bands „Blood Axis“, „Ernte“, „Sol Invictus“, „Allerseelen“ und „Death In June“. Der Band-Leader von „Blood Axis“ (auf Deutsch „Die Blutachse“, so wurde der Pakt zwischen Hitler und Mussolini genannt) posiert im Begleitheft hinter dem Grab des SS-Brigadeführers Karl Maria Wiligut. Hinter der Band „Allerseelen“, deren Beitrag von einem Jünger-Zitat ergänzt wird, steckt der bereits erwähnte „Kadmon“, alias Gerhard Petak aus Wien. Das Bandsymbol von „Death In June“ ist der SS-Totenkopf.

Diese Symbolik zieht auch Neonazis an. Zum Wave Gotik Treffen 2000 in Leipzig, einer Großveranstaltung mit etwa 25.000 BesucherInnen, waren z. B. Bernd Stehmann und weitere ostwestfälische KameradInnen angereist. Die von Stehmann verantwortete Neonazizeitschrift „Unsere Welt“ widmete dem Festival einen Artikel, in dem „sehr starke national-völkische Strömungen innerhalb der schwarzen Szene“ festgestellt wurden. Die KameradInnen hatten sich in Leipzig vor allem am Auftritt der Blut und Boden Formation „Thronstahl“ und zur Schau gestellten NS-Symbolen wie dem Sonnenrad oder Keltenkreuzen erfreut.3

Tradition der „europäischen Edelrasse“ – Die Band „Ostara“ aus Minden

Unter einem Postfach in Minden ist die Neofolk-Band Ostara um Richard Leviathan und Timothy Jenn zu erreichen. Nach dem Umzug von Jenn nach Deutschland legten sie 1999 ihren früheren Bandnamen „Strength Through Joy“ ab, weil deren Benutzung hierzulande verboten ist. „Kraft Durch Freude“ (KDF) war der Name einer Unterorganisation der nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterschaft, die durch Freizeitgestaltungen den „Erhalt der Arbeitskraft“ gewährleisten sollte. Die KDF diente tatsächlich der Verbreitung der NS-Propaganda.

Auch der neue Name Ostara hat eindeutige Bezüge. Im Manifest der 1905 gegründeten gleichnamigen Zeitschrift wird betont, dass sie die erste und einzige „rassenwissenschaftliche“ Zeitschrift sei, die „die Ergebnisse der Anthropologie praktisch in Anwendung bringen will, um (…) die europäische Edelrasse durch Reinzucht vor dem Untergang zu bewahren“.4


„Neuerwachen des Blutes“ – Der „Renovatio Verlag“ in Porta Westfalica

Das Politikverständnis in der Schwarzen Szene beschränkt sich weitgehend auf Parteipolitik, wovon sich allgemein abgegrenzt wird. Dies können sich extrem Rechte innerhalb der Szene zu nutze machen. Wenn es um die faschistische Ästhetik geht, propagieren sie etwa: „Es geht einzig um die Kunst und ihr geistig-ästhetisches, ihr traditionales Wesen“.5 Diese Aussage stammt von Timo Kölling aus dem von ihm herausgegebenen Blättchen „renovatio imperii – Zeitschrift für einen geladenen Leserkreis“, das sich nach eigenem Bekunden in der Tradition der „Blätter für die Kunst“ von Stefan George sieht. George (1863-1933) forderte „eine Kunst für die Kunst (…) eine Kunst frei von jedem Dienst“. Eng mit dem Streben nach dieser Einmaligkeit und „Reinheit der Kunst“ geht aber auch das Auslöschen des „Unreinen“ und „Fremden“ einher, das als oberflächlich oder „undeutsch“ gebrandmarkt wurde.

Timo Kölling und sein „Renovatio Verlag“ sitzen in Porta Westfalica. Neben George gehört Julius Evola zu seinen Vorbildern, dessen Gedankenwelt sich im Spannungsfeld von Faschismus und Esoterik bewegte. So ist etwa der Aufsatz „Julius Evola: Leben und Werk“ bei ihm zu beziehen. Kölling kommt ursprünglich aus der Metal-Szene und wandte sich zunehmend der Darkwave-Szene zu. Das von ihm herausgebrachte Fanzine „Moondance“ – einst ein reines Metal-Zine – enthält längere Beiträge über Ernst Jünger oder Evola sowie Interviews mit extrem rechten Bands wie „Allerseelen“ oder „Blood Axis“. Das Fanzine vermittelt eine Mischung aus faschistischem Elitedenken und der Sehnsucht nach einer spirituell geprägten Diktatur. Kölling selbst erläuterte in einem Interview seine Vorstellung von der Ungleichheit der Menschen. In „Equilibrium Manifesto“ beschwor er ein „Neuerwachen des Blutes.6 Mit seiner Publikation „renovatio imperii“ findet er auch in der rechten Darkwave-Szene Anklang, deren Ansprüche und inhaltliche Ausrichtungen sich sehr ähneln. Insofern kann Kölling mit seinem Renovatio-Verlag als Schnittstelle zwischen rechtem Darkwave und rechtem Metal gesehen werden.

Black-Metal – Die „krasse Seite“ des Heavy Metal

Als der Heavy Metal an Aggressivität verlor und z.T. in den Mainstream abdriftete, entstand der Black Metal. In Abgrenzung zum Mainstream wird Black Metal kompromisslos hart und vulgär gespielt. Die Härte entsteht durch schnelle, schrille Gitarrenriffs, treibende Schlagzeugrhythmen und kreischenden „Gesang“. Der Begriff „Black Metal“ bezeichnet darüber hinaus eine eigene Szene, die sich auch über ihre martialisch wirkende Ästhetik charakterisiert. Dazu gehören neben Schminke auch die zur Selbstinszenierung wichtigen Szeneattribute wie schwarze Kleidung, Patronengurte, Nieten und historische Waffen.

Mord an „Volksschädlingen“ – NS-Black-Metal

Auffällig ist die Gegnerschaft des Black Metal gegen das Christentum. Die vermeintlich „heile“ Welt nach dem Vorbild germanischer Tradition wurde durch die Christianisierung Nordeuropas zerstört, so die Argumentation. Ursprüngliche Werte wie Mut, Würde, Ehre und Treue seien durch Nächstenliebe, Feigheit und Schwäche ersetzt worden. Für den Flügel der Szene, der sich als explizit neonazistisch versteht und für den sich die Eigenbezeichnung „NS-Black Metal“ durchgesetzt hat, ist das Heidentum Begründung und Herleitung seines extrem rechten Gedankenguts. Zentrale Idee hierbei ist die aus der Naturreligion abgeleitete „natürliche Ordnung“, die nur für eine vermeintlich gewachsene Gemeinschaft innerhalb eines bestimmten Raumes gilt. Dabei steht – basierend auf einem völkisch definiertem Sozialdarwinismus – besonders das Recht des Stärkeren im Vordergrund: Die „nordische Rasse'‘ müsse sich gegenüber anderen „Rassen'‘ behaupten. Als Feind wird der „US-Kapitalismus“ – hinter dem das Judentum vermutet wird – gesehen, der durch seinen „Kulturimperialismus“ die „arteigene Kultur“ zerstöre, die „Völker verdummt“ und zu willenlosen Geschöpfen gemacht habe. „Materialismus, Humanismus, Kapitalismus sind alles Waffen, mit denen die Diener Zions die Menschen versklaven.“, postuliert etwa Sven Goldberg, Aktivist im deutschen NS-Black-Metal-Underground.7 Um dem entgegenzuwirken wird das Ideal des starken, furchtlosen Kriegers propagiert, der im ständigen Kampf um Leben und Tod steht: „Black Metal bedeutet Krieg im Zeichen der Dunkelheit (…). Wahre Black Metaller sind (…) ehrenvolle und stolze Krieger im Kampf gegen den Feind.“8

In Deutschland geriet das Thema Black Metal durch den Mord an dem Schüler Sandro Beyer im April 1993 in die Öffentlichkeit. Die Täter spielten in einer Black-Metal Band namens „Absurd“, worauf die Presse sie als „Satanskinder“ und den Bandleader Hendrik Möbus als „Satansmörder“ bezeichnete. Möbus und seine Band „Absurd“ erlangten ähnlich wie die Bands „Varg Vikernes“ und „Burzum“ durch diesen Mord einen gewissen Kultstatus. 1999 wurde Möbus während seiner Bewährungszeit zu acht Monaten Haft verurteilt, da er bei einem Konzert im thüringischen Behringen den Hitlergruß gezeigt hatte. Als er sein Opfer Sandro Beyer in einem Interview mit den Worten verhöhnte: „Ich weiß ja nicht, ob man in der Nazi-Zeit bestraft worden wäre, wenn man Volksschädlinge unschädlich gemacht hätte“, wurde er erneut verurteilt und seine Bewährung aufgehoben. Daraufhin floh er in die USA und wurde dort im August 2000 auf dem Grundstück von William Pierce, dem Führer der US-amerikanischen neonazistischen „National Alliance“, festgenommen. Möbus sieht im Holocaust einen „reinigender Prozess“ und dessen Vernichtungsideologie als ein Mittel, um der Natur zu ihrem Recht zu verhelfen: „Unsere wahre Natur wird durch judaisierten Glauben unterdrückt. Der Nationalsozialismus ist die einzige Lösung, um die herrschenden fremden Einflüssen loszuwerden und unsere Rasse und Natur zu bewahren.9

„Ehre und Blut“ – Die Bielefelder Band „Imperium Sacrum“

Hinter der Bielefelder Black-Metal Band „Imperium Sacrum“ steht das Ein-Mann-Projekt von Christoph Ott. „Bleibt euren Idealen treu, schützt euren Grund und Boden (…)“10 ist eine Aussage des Pseudonyms „Nord“ von der Band. Stilistisch ordnet er sich selbst im nordisch-heidnischen Black Metal ein. Seine Promo-CD beginnt mit dem Präludium „Vaterland“ und in dem Stück „Der Seelentraum der Alten“ heißt es: „Die Finsternis erfüllt die Hallen der Ewigkeit, Voller Licht erblühen die Städte der Alten, Unsere Herzen schlagen wieder eins in der Brust, Ein Ruf zum Kampf für Ehre und Blut! Die Bestimmung wird nie mehr verdrängt, verschwiegen, Nie wieder!“11

So wundert es nicht, dass in einem Interview zu diesem Song festgestellt wird, „dass der Text dieses Liedes ebenfalls von einem Burzum Lied sein könnte.“ Zu der NS-Black-Metal Band „Burzum“ gibt es auf der Homepage von „Imperium Sacrum“ unter „empfohlene Seiten“ einen Verweis (mit dem üblichen Hinweis auf Distanzierung von dessen Inhalt).12 Eine eigene Rubrik widmet „Nord“ der deutschen NS-Black Metal Band „Absurd“. Ebenso eindeutig sind „Nords“ Ansichten über Christen: „Eine verachtenswerte, dekadente Ansammlung von Untermenschen, irrgeleitet durch einen falschen Glauben.“13

Neonazistisches Label – „Christhunt-Productions“ in Leopoldshöhe

Die Verachtung und Vernichtung des Christentums ist auch Namensgeber des von Marco Martin betriebenen Labels „Christhunt-Production“. Marco Martin produziert und vertreibt Black-Metal. Im Angebot sind sowohl unpolitische Gruppen als auch ideologisch hochgradig aufgeladene Bands, wie z. B. die zuvor erwähnte NS-Black-Metal Band „Absurd“. Auch Eigenproduktionen des Christhunt-Labels haben neonazistischen Charakter. So tritt z.B. auf der Single „Ausrottung“ der Band „Aske“ deren Musiker unter dem Pseudonym „Holocaust“ auf. Das Cover zeigt ein drehendes Hakenkreuz, aus dessen Mitte ein Feuer lodert.

Christhunt-Production wird auch von dem polnischen Label Wolfstower Records als Anbieter für Deutschland genannt. Das Label arbeitet mit einem europaweiten Vertriebsnetz von Versanden zusammen. Das Innencover der bei Wolfstower veröffentlichten Absurd Langspielplatte zeigt Adolf Hitler bei einer Rede auf dem Nürnberger Parteitag. Die LP gilt als ein gesuchtes Sammlerstück in der NS-Black-Metalszene. Eine nach Angaben Martins im Frühjahr 2001 bei diesem durchgeführte Hausdurchsuchung könnte auf Material dieses Versandes zurückgehen

(Artikel aus: Stop Lifestyle of Hate, die extreme Rechte in OWL, Bielefeld, Januar 2002)

Quelle: Antifa-West

  1. Kadmon: Corneliu Codreanu – Kampf und Klausur. In: AORTA Nr. 9, Wien, 1999 [zurück]
  2. Die Initiative ist: unter http://www.gothics-cuiture-ev.de im Internet zu erreichen. [zurück]
  3. Der Rechte Rand, Nr.71, Juli 2001 und: Unsere Welt, Nr. 6 o.D. (2001) [zurück]
  4. Goodrick-Clarke, N., Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Graz-Stuttgart, 2000 [zurück]
  5. Kölling,T.: Vorrede. renovatio imperii – zeitschrift für einen geladenen leserkreis, Nr. 1/2000 [zurück]
  6. Der rechte Rand, Nr. 64. Mai 2000 [zurück]
  7. Donnerschlag, Nr. 1, ca. 2000, Interview mit Sven Goldberg [zurück]
  8. Der Förderturm Nr. 1.2000, S. 39: NS-Black Metal. Neue Bewegung oder Trend? [zurück]
  9. Interview mit Möbus in: The Pentagram, 1997 [zurück]
  10. Nord in einem Interview mit Tschort, Webseite von Tschort, November 2001 [zurück]
  11. Der Seelentraum der Alten in: Wölfe, Demo-CD, Eigenvertrieb. Bielefeld. 2000 [zurück]
  12. Webseite von Imperium Sacrum. Oktober 2000 [zurück]
  13. Interview mit Nord, a.a.O. [zurück]