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Faschistische Ästhetik, germanische Krieger

Der rechte Rand von Dark Wave und Black Metal

Dark Wave und Black Metal sind ganz unterschiedliche Jugendszenen. Gemeinsam sind ihnen die Einflussversuche von Neonazis.

Bei Rechtsrock wird meist nur an die Musik einschlägiger Naziskin-Bands gedacht. Extrem rechte Inhalte sind jedoch auch in Teilen des Darkwave und des Black Metal vorhanden. Im Gegensatz zum Rechtsrock überwiegt hier aber elitärer Anspruch wider die Masse. Auch unter dem Aspekt der Gewaltakzeptanz unterscheiden sich die Szenen eklatant. Die Anhänger des Black Metal reproduzieren das überlieferte Bild des martialischen, nordischen Kriegers oder wehrhaften Germanen. Im Darkwave wird physische Gewalt dagegen abgelehnt. Sie existiert höchstens als ästhetische Inszenierung im Sinne eines vertonten Jünger’schen Stahlgewitters.


Gesänge der „Eisernen Garde“‘ – extrem rechte Einflüsse im Darkwave

Zentrale Themen des Darkwave oder der Schwarzen Szene sind die Vergänglichkeit und die Thematisierung des Todes. Dazu gehört auch die Beschäftigung mit Mystik, Religionen und die Kritik am Materialismus, dem idealistische Gesellschaftsformen (meist stark verklärt) entgegengesetzt werden. Auffällig ist dabei der oft rückwärtsgewandte Blick, der die Romantik, das Mittelalter und das Heidentum wiederzubeleben scheint. Dies führt bei einem kleinen Teil der schwarzen Szene, besonders im Bereich des Neo-Folk und Industrials, zu einer Revitalisierung vergangener Ideale und Wertvorstellungen, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts die Grundlage für den Nationalsozialismus und italienischen Faschismus bildeten.

Besonders die Mystiker des Nationalsozialismus und die Theoretiker der sogenannten „Konservativen Revolution'‘ werden von diesen Rechten rezipiert. Dabei wird auf die Reichsidee des „Ur-Faschisten'‘ Julius Evola und auf den „heroischer Realismus'‘ Ernst Jüngers zurückgegriffen.

Angelehnt an Jüngers Kriegsbeschreibung „In Stahlgewittern'‘ wird in den rechten Darkwave-Kreisen der Pathos des Helden, der unabdingbare Kampf und die Aufopferung für eine Idee propagiert. Dabei werden längst verstaubte „Vorbilder'‘ aus der Ära der europäischen Faschismen wiederbelebt, wie z.B. der rumänische Faschistenführer Corneliu Codreanu mit seiner „Eisernen Garde'‘. Die Gesänge dieser Garde wurden mehrmals in der Szene wiederveröffentlicht. „Ich spürte in ihnen den Widerhall einer kämpferischen Zeit, in der Tradition und Moderne gegeneinander in den Krieg traten“1; so Kadmon, Kopf der Band „Allerseelen“. Bei Live-Auftritten wird mittels Uniformen, Fackeln, Fahnen und militärischem Gehabe der kämpferische Pathos in Szene gesetzt. „Do you want total war?“ (Willst Du den totalen Krieg?) heißt etwa der Schlachtruf von Boyd Rice, einem bekennenden Sozialdarwinisten und Urgestein der schwarzen Szene. Von der rechten Formation „Blutharsch“ aus Wien stammt der markige Spruch: „Kampf, Sieg oder Tod“. Die Band hat die Sigrune als Symbol gewählt und fordert Freiheit für den chilenischen Ex-Diktator Pinochet.

Abgerundet wird der faschistische Habitus durch eine Ästhetik, die der Propaganda-Kunst des Nationalsozialismus huldigt. Zu Ehren der umstrittenen Filmemacherin Leni Riefenstahl und des NS-Bildhauers Josef Thorak erschienen Musiksampler bei dem extrem rechten VAWS-Verlag in Duisburg, auf denen die bekanntesten, rechten Darkwave-Bands vertreten
sind. In einschlägigen Fanzines werden NS-Künstlern lange Artikel gewidmet, und Riefenstahl-Filme werden auch mal im Hintergrund auf schwarzen Parties gezeigt.

Abgrenzung und Vereinnahmung – Die Schwarze Szene in Ostwestfalen

Die Schwarze Szene in der Region ist nicht unbedeutend. Mehrmals wöchentlich bietet sich der melancholischen Gemeinschaft die Möglichkeit in Diskotheken ihre Musik zu genießen. Regelmäßig finden Konzerte auch internationaler Bands des breitgefächerten Genres statt. Wie auch in vielen anderen Regionen ist der weitaus überwiegende Teil der hiesigen Szene unpolitisch, manche grenzen sich auch bewusst von rechten Strömungen ab. Der überregional agierende Verein „Gothics-Culture“ mit Sitz in Bielefeld versucht ein objektives Bild der Szene zu vermitteln und wendet sich auch gegen die stärker werdenden rechten Tendenzen. Gegründet 1998, begann der Verein mit Beratungen für Jugendliche in der Wave- und Gothic-Bewegung sowie mit Aufklärungsarbeit über die Darstellung dieser Jugendszene in der Öffentlichkeit. „Ziel war es, Vorurteile und Missverständnisse abzubauen und somit Annäherung und Toleranz zu wecken.“2

Dennoch sind Rechte der Szene auch in Ostwestfalen aktiv. Der 1994 bei Cthulhu-Records in Moers erschienene Sampler „Im Blutfeuer“ wurde von einem bekannten Szene-DJ verkauft. Auf diesem Sampler befinden sich die rechten Darkwave-Bands „Blood Axis“, „Ernte“, „Sol Invictus“, „Allerseelen“ und „Death In June“. Der Band-Leader von „Blood Axis“ (auf Deutsch „Die Blutachse“, so wurde der Pakt zwischen Hitler und Mussolini genannt) posiert im Begleitheft hinter dem Grab des SS-Brigadeführers Karl Maria Wiligut. Hinter der Band „Allerseelen“, deren Beitrag von einem Jünger-Zitat ergänzt wird, steckt der bereits erwähnte „Kadmon“, alias Gerhard Petak aus Wien. Das Bandsymbol von „Death In June“ ist der SS-Totenkopf.

Diese Symbolik zieht auch Neonazis an. Zum Wave Gotik Treffen 2000 in Leipzig, einer Großveranstaltung mit etwa 25.000 BesucherInnen, waren z. B. Bernd Stehmann und weitere ostwestfälische KameradInnen angereist. Die von Stehmann verantwortete Neonazizeitschrift „Unsere Welt“ widmete dem Festival einen Artikel, in dem „sehr starke national-völkische Strömungen innerhalb der schwarzen Szene“ festgestellt wurden. Die KameradInnen hatten sich in Leipzig vor allem am Auftritt der Blut und Boden Formation „Thronstahl“ und zur Schau gestellten NS-Symbolen wie dem Sonnenrad oder Keltenkreuzen erfreut.3

Tradition der „europäischen Edelrasse“ – Die Band „Ostara“ aus Minden

Unter einem Postfach in Minden ist die Neofolk-Band Ostara um Richard Leviathan und Timothy Jenn zu erreichen. Nach dem Umzug von Jenn nach Deutschland legten sie 1999 ihren früheren Bandnamen „Strength Through Joy“ ab, weil deren Benutzung hierzulande verboten ist. „Kraft Durch Freude“ (KDF) war der Name einer Unterorganisation der nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterschaft, die durch Freizeitgestaltungen den „Erhalt der Arbeitskraft“ gewährleisten sollte. Die KDF diente tatsächlich der Verbreitung der NS-Propaganda.

Auch der neue Name Ostara hat eindeutige Bezüge. Im Manifest der 1905 gegründeten gleichnamigen Zeitschrift wird betont, dass sie die erste und einzige „rassenwissenschaftliche“ Zeitschrift sei, die „die Ergebnisse der Anthropologie praktisch in Anwendung bringen will, um (…) die europäische Edelrasse durch Reinzucht vor dem Untergang zu bewahren“.4


„Neuerwachen des Blutes“ – Der „Renovatio Verlag“ in Porta Westfalica

Das Politikverständnis in der Schwarzen Szene beschränkt sich weitgehend auf Parteipolitik, wovon sich allgemein abgegrenzt wird. Dies können sich extrem Rechte innerhalb der Szene zu nutze machen. Wenn es um die faschistische Ästhetik geht, propagieren sie etwa: „Es geht einzig um die Kunst und ihr geistig-ästhetisches, ihr traditionales Wesen“.5 Diese Aussage stammt von Timo Kölling aus dem von ihm herausgegebenen Blättchen „renovatio imperii – Zeitschrift für einen geladenen Leserkreis“, das sich nach eigenem Bekunden in der Tradition der „Blätter für die Kunst“ von Stefan George sieht. George (1863-1933) forderte „eine Kunst für die Kunst (…) eine Kunst frei von jedem Dienst“. Eng mit dem Streben nach dieser Einmaligkeit und „Reinheit der Kunst“ geht aber auch das Auslöschen des „Unreinen“ und „Fremden“ einher, das als oberflächlich oder „undeutsch“ gebrandmarkt wurde.

Timo Kölling und sein „Renovatio Verlag“ sitzen in Porta Westfalica. Neben George gehört Julius Evola zu seinen Vorbildern, dessen Gedankenwelt sich im Spannungsfeld von Faschismus und Esoterik bewegte. So ist etwa der Aufsatz „Julius Evola: Leben und Werk“ bei ihm zu beziehen. Kölling kommt ursprünglich aus der Metal-Szene und wandte sich zunehmend der Darkwave-Szene zu. Das von ihm herausgebrachte Fanzine „Moondance“ – einst ein reines Metal-Zine – enthält längere Beiträge über Ernst Jünger oder Evola sowie Interviews mit extrem rechten Bands wie „Allerseelen“ oder „Blood Axis“. Das Fanzine vermittelt eine Mischung aus faschistischem Elitedenken und der Sehnsucht nach einer spirituell geprägten Diktatur. Kölling selbst erläuterte in einem Interview seine Vorstellung von der Ungleichheit der Menschen. In „Equilibrium Manifesto“ beschwor er ein „Neuerwachen des Blutes.6 Mit seiner Publikation „renovatio imperii“ findet er auch in der rechten Darkwave-Szene Anklang, deren Ansprüche und inhaltliche Ausrichtungen sich sehr ähneln. Insofern kann Kölling mit seinem Renovatio-Verlag als Schnittstelle zwischen rechtem Darkwave und rechtem Metal gesehen werden.

Black-Metal – Die „krasse Seite“ des Heavy Metal

Als der Heavy Metal an Aggressivität verlor und z.T. in den Mainstream abdriftete, entstand der Black Metal. In Abgrenzung zum Mainstream wird Black Metal kompromisslos hart und vulgär gespielt. Die Härte entsteht durch schnelle, schrille Gitarrenriffs, treibende Schlagzeugrhythmen und kreischenden „Gesang“. Der Begriff „Black Metal“ bezeichnet darüber hinaus eine eigene Szene, die sich auch über ihre martialisch wirkende Ästhetik charakterisiert. Dazu gehören neben Schminke auch die zur Selbstinszenierung wichtigen Szeneattribute wie schwarze Kleidung, Patronengurte, Nieten und historische Waffen.

Mord an „Volksschädlingen“ – NS-Black-Metal

Auffällig ist die Gegnerschaft des Black Metal gegen das Christentum. Die vermeintlich „heile“ Welt nach dem Vorbild germanischer Tradition wurde durch die Christianisierung Nordeuropas zerstört, so die Argumentation. Ursprüngliche Werte wie Mut, Würde, Ehre und Treue seien durch Nächstenliebe, Feigheit und Schwäche ersetzt worden. Für den Flügel der Szene, der sich als explizit neonazistisch versteht und für den sich die Eigenbezeichnung „NS-Black Metal“ durchgesetzt hat, ist das Heidentum Begründung und Herleitung seines extrem rechten Gedankenguts. Zentrale Idee hierbei ist die aus der Naturreligion abgeleitete „natürliche Ordnung“, die nur für eine vermeintlich gewachsene Gemeinschaft innerhalb eines bestimmten Raumes gilt. Dabei steht – basierend auf einem völkisch definiertem Sozialdarwinismus – besonders das Recht des Stärkeren im Vordergrund: Die „nordische Rasse'‘ müsse sich gegenüber anderen „Rassen'‘ behaupten. Als Feind wird der „US-Kapitalismus“ – hinter dem das Judentum vermutet wird – gesehen, der durch seinen „Kulturimperialismus“ die „arteigene Kultur“ zerstöre, die „Völker verdummt“ und zu willenlosen Geschöpfen gemacht habe. „Materialismus, Humanismus, Kapitalismus sind alles Waffen, mit denen die Diener Zions die Menschen versklaven.“, postuliert etwa Sven Goldberg, Aktivist im deutschen NS-Black-Metal-Underground.7 Um dem entgegenzuwirken wird das Ideal des starken, furchtlosen Kriegers propagiert, der im ständigen Kampf um Leben und Tod steht: „Black Metal bedeutet Krieg im Zeichen der Dunkelheit (…). Wahre Black Metaller sind (…) ehrenvolle und stolze Krieger im Kampf gegen den Feind.“8

In Deutschland geriet das Thema Black Metal durch den Mord an dem Schüler Sandro Beyer im April 1993 in die Öffentlichkeit. Die Täter spielten in einer Black-Metal Band namens „Absurd“, worauf die Presse sie als „Satanskinder“ und den Bandleader Hendrik Möbus als „Satansmörder“ bezeichnete. Möbus und seine Band „Absurd“ erlangten ähnlich wie die Bands „Varg Vikernes“ und „Burzum“ durch diesen Mord einen gewissen Kultstatus. 1999 wurde Möbus während seiner Bewährungszeit zu acht Monaten Haft verurteilt, da er bei einem Konzert im thüringischen Behringen den Hitlergruß gezeigt hatte. Als er sein Opfer Sandro Beyer in einem Interview mit den Worten verhöhnte: „Ich weiß ja nicht, ob man in der Nazi-Zeit bestraft worden wäre, wenn man Volksschädlinge unschädlich gemacht hätte“, wurde er erneut verurteilt und seine Bewährung aufgehoben. Daraufhin floh er in die USA und wurde dort im August 2000 auf dem Grundstück von William Pierce, dem Führer der US-amerikanischen neonazistischen „National Alliance“, festgenommen. Möbus sieht im Holocaust einen „reinigender Prozess“ und dessen Vernichtungsideologie als ein Mittel, um der Natur zu ihrem Recht zu verhelfen: „Unsere wahre Natur wird durch judaisierten Glauben unterdrückt. Der Nationalsozialismus ist die einzige Lösung, um die herrschenden fremden Einflüssen loszuwerden und unsere Rasse und Natur zu bewahren.9

„Ehre und Blut“ – Die Bielefelder Band „Imperium Sacrum“

Hinter der Bielefelder Black-Metal Band „Imperium Sacrum“ steht das Ein-Mann-Projekt von Christoph Ott. „Bleibt euren Idealen treu, schützt euren Grund und Boden (…)“10 ist eine Aussage des Pseudonyms „Nord“ von der Band. Stilistisch ordnet er sich selbst im nordisch-heidnischen Black Metal ein. Seine Promo-CD beginnt mit dem Präludium „Vaterland“ und in dem Stück „Der Seelentraum der Alten“ heißt es: „Die Finsternis erfüllt die Hallen der Ewigkeit, Voller Licht erblühen die Städte der Alten, Unsere Herzen schlagen wieder eins in der Brust, Ein Ruf zum Kampf für Ehre und Blut! Die Bestimmung wird nie mehr verdrängt, verschwiegen, Nie wieder!“11

So wundert es nicht, dass in einem Interview zu diesem Song festgestellt wird, „dass der Text dieses Liedes ebenfalls von einem Burzum Lied sein könnte.“ Zu der NS-Black-Metal Band „Burzum“ gibt es auf der Homepage von „Imperium Sacrum“ unter „empfohlene Seiten“ einen Verweis (mit dem üblichen Hinweis auf Distanzierung von dessen Inhalt).12 Eine eigene Rubrik widmet „Nord“ der deutschen NS-Black Metal Band „Absurd“. Ebenso eindeutig sind „Nords“ Ansichten über Christen: „Eine verachtenswerte, dekadente Ansammlung von Untermenschen, irrgeleitet durch einen falschen Glauben.“13

Neonazistisches Label – „Christhunt-Productions“ in Leopoldshöhe

Die Verachtung und Vernichtung des Christentums ist auch Namensgeber des von Marco Martin betriebenen Labels „Christhunt-Production“. Marco Martin produziert und vertreibt Black-Metal. Im Angebot sind sowohl unpolitische Gruppen als auch ideologisch hochgradig aufgeladene Bands, wie z. B. die zuvor erwähnte NS-Black-Metal Band „Absurd“. Auch Eigenproduktionen des Christhunt-Labels haben neonazistischen Charakter. So tritt z.B. auf der Single „Ausrottung“ der Band „Aske“ deren Musiker unter dem Pseudonym „Holocaust“ auf. Das Cover zeigt ein drehendes Hakenkreuz, aus dessen Mitte ein Feuer lodert.

Christhunt-Production wird auch von dem polnischen Label Wolfstower Records als Anbieter für Deutschland genannt. Das Label arbeitet mit einem europaweiten Vertriebsnetz von Versanden zusammen. Das Innencover der bei Wolfstower veröffentlichten Absurd Langspielplatte zeigt Adolf Hitler bei einer Rede auf dem Nürnberger Parteitag. Die LP gilt als ein gesuchtes Sammlerstück in der NS-Black-Metalszene. Eine nach Angaben Martins im Frühjahr 2001 bei diesem durchgeführte Hausdurchsuchung könnte auf Material dieses Versandes zurückgehen

(Artikel aus: Stop Lifestyle of Hate, die extreme Rechte in OWL, Bielefeld, Januar 2002)

Quelle: Antifa-West

  1. Kadmon: Corneliu Codreanu – Kampf und Klausur. In: AORTA Nr. 9, Wien, 1999 [zurück]
  2. Die Initiative ist: unter http://www.gothics-cuiture-ev.de im Internet zu erreichen. [zurück]
  3. Der Rechte Rand, Nr.71, Juli 2001 und: Unsere Welt, Nr. 6 o.D. (2001) [zurück]
  4. Goodrick-Clarke, N., Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Graz-Stuttgart, 2000 [zurück]
  5. Kölling,T.: Vorrede. renovatio imperii – zeitschrift für einen geladenen leserkreis, Nr. 1/2000 [zurück]
  6. Der rechte Rand, Nr. 64. Mai 2000 [zurück]
  7. Donnerschlag, Nr. 1, ca. 2000, Interview mit Sven Goldberg [zurück]
  8. Der Förderturm Nr. 1.2000, S. 39: NS-Black Metal. Neue Bewegung oder Trend? [zurück]
  9. Interview mit Möbus in: The Pentagram, 1997 [zurück]
  10. Nord in einem Interview mit Tschort, Webseite von Tschort, November 2001 [zurück]
  11. Der Seelentraum der Alten in: Wölfe, Demo-CD, Eigenvertrieb. Bielefeld. 2000 [zurück]
  12. Webseite von Imperium Sacrum. Oktober 2000 [zurück]
  13. Interview mit Nord, a.a.O. [zurück]

Gothics und die Neue Rechte

Wir dokumentieren hier Auszüge aus der Diplomarbeit „Ideologie einer Jugendkultur am Beispiel der Gothic- und Darkwave-Szene“ von Oliver Zimmermann. Die komplette Diplomarbeit steht auf der Homepage der Gothics gegen Rechts als Download zur Verfügung.

Gothics und die Neue Rechte

Die von Gothics so geliebte Beschäftigung mit allem, was nach Mystik, Okkultismus und Kirchenkritik klingt, bietet leider auch ein Einfalltor für die oben beschriebenen rassistischen und menschenverachtenden Theorien. Spätestens nachdem ungefähr Mitte der 80er Jahre Gerüchte über das Weltbild der Band Death in June auftauchten, war es vorbei mit der heilen Welt des Gothic und das Problem wurde offensichtlich. Teilweise geriet die Szene insgesamt ins Visier von einigen autonomen antifaschistischen Aktivisten, was nicht unbedingt für die aufklärerische Qualität dieser Art der „antifaschistischen Arbeit“ spricht.1 Mittlerweile haben sich die Vorwürfe jedoch versachlicht, nicht zuletzt durch (leider noch alles andere als übliche) antifaschistische Arbeit von Menschen aus der Gothic- Kultur selbst. Doch was hat es nun mit dem rechten Rand der Szene auf sich? Am Anfang scheint, wie schon mehrfach erwähnt, die Neo- Folk Band Death in June zu stehen. Der Name der Band, die 1980 von Douglas Pearce, Patrick Leagas (O´Kill) und Tony Wakeford gegründet wurde, steht für den Todesmonat des SA-Führers Ernst Röhm. Douglas Pearce, der mittlerweile das einzige verbliebene Mitglied von Death in June ist und in Australien lebt, erklärte dazu 1992:

„Auf der Suche nach einer zukünftigen politischen Perspektive stolperten wir über den nationalistischen Bolschewismus, der sich wie ein Leitfaden durch die Hierarchie der SA zog. Leute wie Gregor Strasser und Ernst Röhm (…) fielen uns auf. (….) Man kann sich fragen, ob Röhm im Falle eines Sieges über Hitler den 2. Weltkrieg verhindert hätte.“2

Völlig totgeschwiegen wird von Pearce, der angeblich einst Geschichte studiert hat, dass der nationale Sozialismus der NSDAP, mit seiner Unterscheidung von „schaffenden und raffenden Kapital“, unter zweiterem wurde das jüdische Kapital verstanden, nur wenig bis gar nichts mit marxistischem Sozialismus zu tun hat. Außerdem entbehrt die Theorie von Röhm als theoretischen Friedensstifter jegliche historische Grundlage und dürfte vergleichbar mit der langjährigen Hess- Verehrung der deutschen Neonazi- Szene sein. Denkbar wäre es auch, dass der homosexuelle Uniformfetischist Pearce (das ist nicht abwertend gemeint, sondern beschreibt nur Tatsachen) in Röhms SA, der ja nachgesagt wurde, viele Homosexuelle als Mitglieder zu haben, eventuell eigene erotische Fantasien verwirklicht sieht.3 Das Symbol von Death in June besteht aus dem leicht veränderten Totenkopf der SS. Pearce betont zwar immer wieder, dass er ursprünglich mal in einer trotzkistischen Punk- Band gespielt hat und dadurch gar kein Faschist sein könne; in seinen Statements und seiner Kunst gibt es jedoch immer wieder Hinweise an dieser Eigenbeurteilung zweifeln zu müssen. Allerdings ist Death in June natürlich keine primitive Skinhead- Band, deren Texte man eindeutig beurteilen könnte (und so tölpelhaft, sich offen rassistisch zu äußern, ist ja nicht einmal der Armanen- Orden). Auffällig ist aber eine ständige Beschäftigung mit, bestenfalls, germanentümelnder Symbolik, wie beispielsweise der von der SS- benutzten Runenzeichen und anderen, ebenfalls vom Nationalsozialismus her, bekannten „Kunstwerken“. Hinweise auf zumindest kritisch zu beurteilende Inhalte ihrer Platten bzw. CDs gibt es zuhauf, ich möchte nur einige wenige nennen: auf der LP-Brown Book, wiederveröffentlicht als CD namens „The Cathedral of Tears“, ist das Lied „Brown Book“ enthalten. In diesem Lied singt ein Sänger (wahrscheinlich Ian Read) das, in Deutschland verbotene, Horst-Wessel-Lied in Deutsch, wenn auch mit starkem britischen Akzent. In dem Lied sind auch noch andere Samples enthalten, wie etwa der Text einer jüdischen Großmutter, die ihrem HJ-Begeisterten Enkel ein Gleichnis erzählt (entnommen aus dem antifaschistischen Nachkriegsfilm „Die Welt in jenem Sommer“). In einem anderen Sample hört man einen Nazi, der über die homosexuellen Neigungen von SS und SA spekuliert (ebenfalls aus „Die Welt in jenem Sommer“). Pearce selbst fasst dieses Lied als bewusste Provokation auf, wen und vor allem warum er damit provozieren will, bleibt selbst nach dem Lesen seiner Stellungnahmen zu dem Lied schleierhaft.4 Das einzige was deutlich wird ist, dass er wieder einmal mit nationalsozialistischen Motiven gearbeitet hat. Andere, willkürlich herausgegriffene Liedtitel, die anscheinend nicht provokativ gemeint sind, da nach Pearces Eigenaussage „Brown Book“ sein einziges Lied war mit dem er „vorsätzlich provozierte“ sind „Rose Clouds of Holocaust“, „Burn Again“, „Omen- filled Season“, „Symbols of the Sun“, „Rule Again“, „Blood Victory“ und „Red Dog – Black Dog“. Da hier wirklich nicht der Raum ist, eine Analyse jedes einzelnen Liedes zu leisten und man sich anscheinend selbst dann nicht immer zu einer eindeutigen Aussage über die politische Haltung von Pearce durchringen kann (wie z.B. die Pearce und andere Künstler, man möchte manchmal vermuten, gegen besseres Wissen, verzweifelt verteidigende Stöber zeigt) überlasse ich es dem Leser die Symbolkraft dieser Liedtitel zu deuten. Einige Hinweise auf die politische Gesinnung Pearces geben aber vielleicht die Spende der Erlöse der Death in June Platte „Something Is Coming – Live And Studio Recordings From Croatia“ von 1993 an ein Militärkrankenhaus der oft als faschistisch bezeichneten, nationalistischen kroatischen HOS-Miliz. Pearce verweigerte sowohl beim „Dark X- Mas“– Festival 1992 in Hamburg die Unterschrift unter eine sich von Neonazis und Faschisten distanzierende Petition (Anlass waren damals die Pogrome von Hoyerswerda), wie auch beim 1994 stattfindenden „Festival Of Darkness“. Außerdem äußerte er in dieser Zeit Verständnis für die pogromartige Stimmung in den neuen Bundesländern (wahrscheinlich bezogen auf Rostock- Lichtenhagen):

„Hast du jemals Tür an Tür mit Zigeunern gelebt? Ich kann denn Groll, der in Ostdeutschland zum Vorschein kommt, verstehen … .“5

Der einzige ehemalige Musiker von Death in June, der sich anscheinend mittlerweile grundlegender von Pearces Einstellungen abgewandt hat, ist Patrick O´Kill (jetzt Sixth Comm und Mother Destruction), der eingesteht,

„dass das, was mal als Provokation in den ´linken 80ern´ gedacht war in etwas tatsächlich Negatives umgeschlagen ist. Seine ´menschenverachtende Phase´ sei Vergangenheit.“6 Das dritte ehemalige Gründungsmitglieder von Death in June, Tony Wakeford (heute Sol Invictus und L´Orchestre Noir), vertritt offensichtlich eine magische, kulturpessimistische und sozialdarwinistische Denkweise, die aus der Theosophie nur allzu bekannt ist. Er titelte eine seiner Platten nach einem Buchtitel des faschistischen italienischen Philosophen Julius Evola (1898- 1974): „Against the Modern World“. Er sagt allerdings, dass er das tat, ohne wirklich etwas über Evola zu wissen:

„´Wider die moderne Welt´- das hat damals genau auf den Punkt gebracht, wie ich mich gefühlt habe, aber eher in einem allgemein heidnischen als politischen Sinn“.

Er äußert sich in dem selben Interview aus dem Jahr 1991 (über Aleister Crowley und Widersprüche zwischen Crowleys Lehre und „Nordischer Tradition“):

„Er war ein echter Individualist, mit einem gesunden Ekel vor jeglicher Vermassung. Leider scheinen die meisten Leute, die ihm auf den Pfaden von Thelema (übersetzt: ´Willen´; Kurzform von Crowleys wichtigstem Gesetz: ´Tu was du willst´ O.Z.) folgen, genau die Sorte schwacher, liberalistischer Narren zu sein, auf die Crowley voller Abscheu gespuckt hätte. Aber man kann nicht ihn verantwortlich machen für die Sklavengeister, die seinen Namen mißbrauchen. Die Runen und ihre Tradition scheinen mir das stärkste aller magischen Systeme, mit denen ich gearbeitet habe, in ihm fühle ich mich am meisten verwurzelt. Wahrscheinlich, weil ich glaube, daß sie ein Teil meiner Vergangenheit sind… (…) Wesentlich scheint mir die Erkenntnis von der natürlichen Ordnung der Dinge. Auf der Welt wird einem nichts geschenkt und die Starken werden immer über die Schwachen hinwegschreiten, ohne sich darum zu kümmern, für wie unfair wir dies vielleicht halten.“

Im weiteren Verlauf des Interviews benutzt er zwar das Wort „Rasse“, ohne diesen Begriff auch nur andeutungsweise zu problematisieren. Er bestreitet aber, wenn auch mit etwas eigenwilligen Argumenten, Rassist zu sein:

„Zum Begriff ´Rasse´ will ich nur sagen, daß ich nicht glaube, daß irgendeine Rasse einer anderen überlegen ist. Um mich herum gibt es zuviel weißen Abschaum, als daß mir dergleichen wahrscheinlich vorkommen könnte… Jede Rasse bringt einige Kreative und Massen von Kretins hervor.“

Zum Thema Politik äußert er folgendes:

„Für Politik interessiere ich mich nicht mehr, sei es nun ´linke´ oder ´rechte´; vielmehr glaube ich, daß alle politischen Dogmen und Parteien nichts als reine Zeitverschwendung bedeuten. Die einzige Hoffnung liegt wahrscheinlich im selbstbewußten Zurückweisen der Massenkultur und ihrer Massenideale. Ich glaube jedes Individuum hat das Recht zu leben, zu denken und zu sagen wie und was es will. Wohl kaum eine Ansicht, mit der sich Kommunisten oder Faschisten anfreunden könnten!“7

Wohl aber die Neue Rechte, deren Elitedenken und Antidemokratismus sich deutlich mit den Ansichten Wakefords trifft. Im Umfeld der oben vorgestellten Künstler sammelten sich auch andere Musiker mit ähnlichem Gedankengut, die sich jeweils häufig als Gastmusiker gegenseitig unterstützen. Die meisten davon sind ebenfalls Vertreter des Neo- Folk. Dazu zählen die Bands (die eigenlich fast alle nur Soloprojekte jeweils eines Musikers sind) Fire & Ice (Ian Read), Blood Axis (Michael Jenkins Moynihan), Radio Werwolf (Nikolaus Schreck8), der Sänger Boyd Rice (NON), Sorrow (Wendy van Dusen, ehemals Strawberry Switchblade) und neuerdings auch die österreichischen Bands The Moon lay hidden beneath a Cloud sowie Der Blutharsch (beide Albin Julius). Boyd Rice begann als Vertreter des Industrial. Damals wollte er normale Hörgewohnheiten brechen und die Zuhörer am Produktionsprozeß selbst beteiligen. So war seine Platte „Pagan Music“ mit verschiedenen Löchern versehen, um so diszentrisches Abspielen zu ermöglichen. Außerdem erhielt sie den Hinweis „playable at any speed“. Seine Live- Performances waren reine Lärmorgien. Damit vertrat er damals ein ähnliches Konzept, wie die Einstürzenden Neubauten und andere Bands. Geändert hat sich sein musikalisches Konzept mit der CD „In the Shadow of the Sword“ (1989). Sie beginnt mit dem Lied „Total War“:

„Do you want/ Total war/ Turn man into/ Beast once more/ Do you want/ To rise and kill/ To show the world/ An iron will“9

Die Frage wird am Ende mit „ja“ beantwortet, was nicht überrascht wenn man die theosophische, sich in den Schwanz beißende Schlange, welche das Cover ziert, mit der Aussage des Liedes verbindet. Auch die anderen Lieder der CD lassen nur eine Interpretation zu: Die Welt muss zerstört werden, um eine neue aufzurichten. Mit dem Lied „A World on Fire“ wird diese Aussage noch deutlicher:

„`In meinem Traum sehe ich eine Welt befreit von der Last der Falschheit. Ich sehe eine Welt wiedergeboren in Perfektion. Ich sehe die Herrschaft der Reinheit. Und wie kann dieser Traum wahr werden?` Rice weiß die Antwort: Großes und schreckliches Leiden sowie Zerstörung seien notwendig, die Wiederkehr der Kämpfe um Land, Nahrung und Wasser, eine Rückkehr zur Barbarei. In seinem Traum sieht er die Plätze der Städte erhellt durch die brennenden Leichname gekreuzigter Christen.(…) Die hinter ihr (seiner Musik O.Z.) stehende Ideologie ist eine Mischung aus Sozialdarwinismus und Feindschaft auf das Christentum.“10

Seit 1993 erscheint in Dresden das Fanzine „Sigill. Magazin für die konservative Kulturavantgarde Europas“, welches auch in diversen Plattenläden, besonders in solchen mit Schwerpunkt auf der Gothic- und Darkwave- Szene verkauft wird. In diesem Magazin sind neben vielen Plattenkritiken von Neo- Folk- und Industrial- CDs und Interviews mit den entsprechenden Bands, Beiträge mit den Schwerpunkten neues Heidentum und Neue Rechte zu lesen. Kurze Zeit später (ungefähr 1995) gründet sich in Berlin, das inzwischen wieder eingestellte Fanzine „Europakreuz“ (ihre Aktivitäten verlegen die ehemaligen Macher nun auf das Internet), welches in Berliner Gothic- Clubs auslag und das auch einen Mailorder- Katalog beinhaltete, in dem faschistische und heidnische (ariosophische) Literatur angeboten wurde. Beide Fanzines versuchen (bzw. versuchten) über Interviews, Plattenkritiken und Berichten über Heidentum , natürlich nur über das in ihrem Sinne praktizierte, die Gothic- Szenen zu umarmen und ihrer rechtsextremistischen Szene anzugliedern. In der Szene wurde das Anfangs als die Spinnerei Einzelner abgetan und nicht weiter beachtet.11 Eine andere Qualität bekamen diese Vorfälle jedoch als die „Junge Freiheit“, das Zentralorgan der Neuen Rechten, im „Zillo“, dem damals größten Szene- Magazin, im Februar 1996 Werbung schaltete. Dank der Proteste des Hamburger Labels „Strange Ways“ wurde bekannt, dass der ständige Redakteur der „Jungen Freiheit“ Peter Boßdorf, auch seit einiger Zeit im „Zillo“ Artikel veröffentlichte. Boßdorf war bis 1989 stellvertretender Vorsitzender des „Ostpolitischen Deutschen Studentenverbandes“ (mittlerweile „Gesamtdeutscher Studentenverband). 1985 ist er Mitglied des „Witikobundes“, einer ultrarechten Gruppierung in der, auch nicht gerade für Linksradikalismus bekannten „Sudetendeutschen Landsmannschaft“. Seit 1992 ist er außerdem Mitarbeiter des „Thule- Seminars“, veröffentlichte in „Nation und Europa“ und engagierte sich kommunalpolitisch für die Republikaner.12 Zur gleichen Zeit schaltet auch das „Europakreuz“ Werbung im damaligen Berliner Veranstaltungskalender für die Gothic- Szene „Black Book“. Erst nach Leser- Protesten entschloss sich die Redaktion, diese Anzeigen nicht mehr abzudrucken. Die Reaktion des „Zillo“ dauerte etwas. Nach einer längerer Zeit des Schweigens und sich häufenden Protestbriefen (sowie von Drohungen mehrererer Plattenlabels, keine Werbung mehr zu schalten), trennte sich die „Zillo“– Redaktion aber letztendlich (im Frühjahr 1997) von Boßdorf. Alle diese Aktivitäten können nur als abgesprochene Aktionen der Neuen Rechten gewertet werden, um ihre Position in der Gothic- und Darkwave- Kultur zu stärken. Erklärbar wird dieser Versuch, wenn man weiss, dass die Rechte vorher damit scheiterte, die Techno- Kultur zu unterwandern. So schrieb Roland Bubik, langjähriger „Junge Freiheit“ (JF)- Redakteur, 1993 unter der Überschrift „Die Kultur als Machtfrage“, dass er in dieser Popmusik Anknüpfungspunkte für eine „Revolte gegen die moderne Welt“ sieht:

„…die Jugendkultur von heute bietet erfolgversprechende Ansätze hierfür. (…) Ein merkwürdiges Bewußtsein, in einer Phase des Niedergangs zu leben, ist virulent, vom ´age of destruction´ ist die Rede, die Parties der Tekkno- Szene gleichen makabren Totenfeiern einer Epoche. Man (…) mißtraut der Erklärbarkeit der Welt, wendet sich sogar rückwärts, etwa in Form der verschiedenen Independent Szenen.“13

Aus Bubiks anfänglicher Begeisterung für Techno („Stahlgewitter als Freizeitspaß“), wurde bald Enttäuschung („seelische Vergewaltigung durch Beat-Computer und Masse“). Welche Mechanismen und Einstellungen dazu führten, dass die Vereinnahmung der Techno-Kultur für die Neue Rechte als (zumindest vorerst) gescheitert erklärt werden kann, müsste an anderer Stelle untersucht werden. Das hält allerdings JF-Autoren wie Jürgen Hatzenbichler (Mitglied der FPÖ) weiter nicht davon ab, so abstruse Fragen zu stellen wie: „Ernst Jünger: der erste deutsche Raver?“14 Bubik indessen entdeckte die Gothic-Szene als neues Schlachtfeld für den Kulturkampf der JF. Im Jahr 1996 veröffentlicht er eine Reportage über die Verleihung des „Zillo“-Preisen an Tilo Wolff (Lacrimosa):

„Deutschland ist das Zentrum einer Musikkultur geworden, die ihre Wurzeln im antimodernistischen Gestus der ´Gothic-´ (gemeinhin auch Gruft-) Szene besitzt. (…) Dieses Gemisch birgt eine Sprengkraft, vor der sich alteingesessene Sittenwächter des Musik- Mainstreams in Acht nehmen müssen. Wenn das Mystische und Irrationale, der Wunsch nach anti- aufklärerischer Innenschau und gelebter Transzendenz ihre Stimme in der Jugendkultur finden, ist der ästhetische Konsens des Westens durchbrochen. Wenn die Bezugspunkte Mittelalter und deutsche Geisteskultur darstellen statt ´Love and Peace´, wenn die Seele gegen den Intellekt ins Feld geführt wir – dann schneidet sich ein Keil in das Establishment oberflächlicher Beliebigkeit.“15

Durch diese nur sehr oberflächliche Betrachtung der Gothic-Szene wird der Ansatzpunkt deutlich, an dem Bubik den Hebel zur Aushebelung der „linken“ subkulturellen Traditionen der Gothic-Szene ansetzen will: Mystik und Irrationalismus. Lächerlich, aber in NS- Tradition, ist natürlich die Darstellung „deutscher Geisteskultur“ als „Kampfes der Seele gegen den Intellekt“. Bubik zählt anscheinend nur die Romantik zur „deutschen Geisteskultur“– und selbst bei Betrachtung dieser kulturellen Epoche wäre sein Bild deutlich zu eindimensional (die von ihm so abschätzig beurteilten Werte „Love and Peace“ haben bspw. auch deutlich ihre Wurzeln in der Romantik). Obwohl dieser Kulturkampf seitens der JF und neuerdings auch einigen NPD nahen Publikationen recht offen geführt wird (auch im Internet hat sich eine vermutlich von der NPD gesteuerte Gruppe „Gothics für Meinungsfreiheit“ gegründet), gilt es in der Szene immer noch umstritten, dass es Unterwanderungsversuche gibt. Auch ein offener Brief der ehemaligen JF-Redakteurin und Mitherausgeberin des Fanzines „Scharlach“ bzw. „Scarlet“ Gerlinde Gronow an den (inzwischen verstorbenen) Chefredakteur von „Zillo“, konnte daran nichts ändern:

„Derlei ist bewährte Taktik der jungen Freiheit: Potentielle Bündnispartner werden dezidiert umarmt (in Wirklichkeit ist es eine Umklammerung), um sie gesellschaftlich und kulturell zu isolieren. Kritiker werden generell als ´Lügner´, ´PC- Kommissare´, ´Meinungswächter´ (O- Ton junge Freiheit) abgetan, bis ihr selbst glaubt, die Junge Freiheit ist die einzige, die es gut mit Euch meint. Mit jedem gutgemeinten Leserbrief, der Toleranz und Meinungsfreiheit einklagt, begebt Ihr Euch, obwohl Ihr es ehrlich meint, immer tiefer in das Fahrwasser der Jungen Freiheit. Der Jungen Freiheit geht es nicht um diese Werte – sie hat ganz andere politische und kulturelle Ziele. Eines davon ist die ´Erringung der kulturellen Hegemonie´. Was man sich darunter vorzustellen hat, beschreibt Roland Bubik unumwunden in seinen Programmschriften: man müsse unpolitische Szenen unter dem Deckmantel der Kultur unterwandern, ohne sich als Rechter zu erkennen zu geben, um Schlüsselpositionen in der Ku(l)turlandschaft zu erringen. Erst dann ist Zeit, sich an die Umsetzung der politischen Ziele zu machen. Anstatt Euch auf Scheingefechte über Meinungsfreiheit und Toleranz einzulassen, solltet iht Euch klar machen, was eine reaktionäre Kulturpolitik für zum Beispiel eine Subkultur, wie es die Wave- Szene ist, bedeuten würde. (…) Für die Junge Freiheit seid Ihr nichts anderes als nützliche Spinner auf dem Weg zur Macht. Als ich dies begriffen hatte, habe ich meine Mitarbeit bei der Jungen Freiheit eingestellt. Nun sehe ich, daß sich meine persönliche Geschichte in größeren Dimensionen zu wiederholen droht. Ich kenne noch die kleinen Anfangstage des Zillo, stamme selbst aus der Wave- Szene – Stichwort Death In June, Sol Invictus, NON. Dadurch wurde ich auf Autoren wie Evola, D`Annunzio, Ernst Jünger aufmerksam. Obwohl ich mich diesen Bands und Schriftstellern ursprünglich kritisch näherte, wurde ich nach und nach durch die unleugbare Faszination, die von dieser Welt ausgeht, ästhetisch so gleichgeschaltet, daß mir der Schritt zur Jungen Freiheit irgendwann als ganz natürliche Konsequenz erschien. Mein ´Einstiegshelfer´ war übrigens Roland Bubik. In dem etwas über einem Jahr (1994- 1995), das ich für die Junge Freiheit schrieb, war ich seine engste Mitarbeiterin. Schon damals hatte Roland Bubik große Pläne für die Wave- Szene, die durch ihre romantische und ästhetizistische Haltung besonders leicht zu beeinflussen wäre (ob sie das ist, wird sich nun herausstellen).“16

Auf jeden Fall fällt auf, wie häufig die JF in den letzten Jahren Wave- und Gothic- Musik, natürlich vor allem die ihr politisch nahestehenden Bands (positiv) rezensieren. Auch im Privatleben hat Bubik Kontakt zur Gothic-Szene. Seine jetzige oder ehemalige Lebensgefährtin Simone Satzger (Felicia), ist Sängerin der Band Impressions of Winter und veröffentlichte auch in Bubiks Buch „Wir 89er“.17 Ebenfalls 1996 greift zum erstenmal ein rechtsextremistischer Verlag in die Musikproduktion der Gothic-Szene ein (wenn man das unbedeutende Projekt des „Europakreuz“-Herausgebers Marco E. Thiel nicht berücksichtigt, der auf seinem Label „Abyss Recordings Europe“ ebenfalls Musik verlegte). Unter dem Namen „Heliocentric Distribution“ wird ein Musiklabel des Bingener Verlages „Verlag & Agentur Werner Symanek“ (VAWS) gegründet. Dort erscheint eine Doppel CD zu Ehren der Filmregisseurin Leni Riefenstahl, die aufgrund ihrer Filme über NSDAP-Reichsparteitage (Sieg des Glaubens (1933) und Triumph des Willens (1934)) und über die Olympiade 1936 (Fest der Völker, Fest der Schönheit) im Dritten Reich Berühmtheit erlangt hat. Warum ausgerechnet Riefenstahl ausgesucht wurde, um dieses erste eindeutig rechtsextremistische Projekt in der Gothic-Szene zu verwirklichen ist unklar. Es könnte mit der Ästhetik der Riefenstahlfilme zu tun haben oder mit ihrem mystischen Erstlingsfilm „Das blaue Licht“; möglicherweise hat man aber auch einfach nach einer Person gesucht, die nahe genug am Nationalsozialismus dran war, um sie mit ihm zu identifizieren und doch auch weit genug von ihm weg, um auf eventuelle Kritik mit dem Totschlagargument der „eingeschränkten künstlerischen Freiheit“ argumentieren zu können. VAWS verlegt neben CDs rechtsextreme Bücher, so z. B. Schriften von Jürgen Rieger, kriegsverherrlichende Literatur über den „Wüstenfuchs Rommel“ und Propagandaschriften gegen die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“. Außerdem werden von ihm seit 1969 die „Unabhängigen Nachrichten“ des „Unabhängigen Freundeskreises“ verlegt.

„Gegen die ´Unabhängigen Nachrichten´ laufen seit Jahrzehnten immer wieder Verfahren wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenhaß. Mitglieder des Freundeskreises wurden 1994 wegen terroristischen Straftaten (z.B. Bombenattentate auf AntifaschistInnen) verurteilt. Symanek arbeitet auch mit dem rechten Arun- Verlag zusammen, der Bücher aus dem rechten und extrem rechten Spektrum zu ´Großdeutschland´, sowie heidnisch- esoterische Bücher verlegt.“18

Auf dem Riefenstahl-Sampler sind u.a. die Bands Forthcoming Fire (D), Strength through Joy (IRL), Death in June (GB/AUS), Allerseelen (AUT), Swirling Swastikas (IT), Andromeda Complex (IT), Turbund Sturmwerk (D), Voxus Imp. (D), Von Thronstahl (D), Northwende, Rückgrat, Preussak (D), Lady Domino, Projekt Blauland und Tombstone vertreten. Das Elektro Projekt PP?, das ebenfalls auf dem Sampler vertreten ist, distanzierte sich später. 1998 erschien die Nachfolge- CD – diesmal zu Ehren des Nazi-Bildhauers Josef Thorak. Auf ihr waren u.a., neben auch schon auf dem ersten Sampler vertretenen Musikgruppen, Stalingrad (IT produziert von Angeo Bergamini von Kirlian Camera) und Egoaedes (Musikprojekt des „Europakreuz“– Herausgebers Marco E. Thiel) vertreten. Das japanische Duo Jack or Jive, welches ebenfalls ein Lied beisteuerte, zeigte sich nach Erscheinen der CD entsetzt über das politisch-musikalische Umfeld, in das sie aus Ahnungslosigkeit geraten waren.19 Von VAWS vertrieben werden außerdem die Bands Waldteufel (USA), Mjölnir Tonkunst (D) und Unternehmen Dreizack (D). Zusammengestellt hat die beiden Sampler Jay Kay (Josef Klumb), der Frontmann von Forthcoming Fire. Er ist Mitarbeiter des VAWS und anscheinend befreundet mit dem Ufo-Esoteriker und Antisemiten Jan van Helsing (Jan Udo Holey), dessen Machwerk „Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert“ wegen Volksverhetzung verboten wurde und den er auf seinen Plattencovern grüßt. Aufgrund einiger wirrer und rechtsextremistischer Stellungnahmen in Interviews, u.a. zum Thema Illuminaten

„Es ist die Hochfinanz, es sind die Kräfte, welche hinter ihren Marionetten die Welt bewegen (…) Das Gesicht dieses kommenden Regimes drückt sich aus durch die UNO, NATO, Weltbank, Zionismus…“20

verweigerte ihm Forthcoming Fires ehemaliges Label „Hyperium“ bzw. „Hypnobeats“ eine Vertragsverlängerung. Der 8. Mai 1945 war für ihn

„…trotz allem eine Eroberung, eine Unterwerfung und eine Unterdrückung des Geistes, die bis heute anhält und mir sogar mein Bewußtsein noch streitig machen möchte.“21

Es spricht für sich, für wen er nicht spricht:

„Man muß ein für alle mal erkennen, daß, wenn ich für Deutschland rede, ich nicht für circa 50 Millionen geistige Totgeburten spreche, (…), sondern daß die ´Volksseele´, die bis ins Heute so brutal vergewaltigt wurde, daß ich für dieses Heiligtum (…) den Kern und das Zentrum des Begriffes Deutschland eben verteidigen werde…(…)“22

Klumb ist auf den beiden besprochenen Samplern auch mit seinen Projekten Preussak und Von Thronstahl vertreten. Mit einem anderen Projekt, nämlich Weissglut, gelang es ihm tatsächlich einen Plattenvertrag bei „Epic“, einem Unterlabel von „Sony-Music“ zu bekommen, welcher beste Karriereaussichten im Musikgeschäft eröffnet hätte. Im Januar 1999 trennte sich Weissglut jedoch von Klumb, wahrscheinlich auf Druck von Epic. Eine Rolle dürfte dabei sicherlich spielen, dass im Dezember 98 eine Verleumdungsklage von Klumb gegen den „Spiegel“, der ihn in der Ausgabe 44/98 als „Nazi“ tituliert hatte, von Klumb zurückgezogen werden musste. Inzwischen musizierte er auch mit dem verurteilten Thüringer „Sondershausener Satansmörder“ Hendrik Möbus und dessen Metal-Band Absurd, bevor Möbus sich aufgrund einer erneuten Verurteilung, diesmal wegen „Verunglimpfung eines Toten“, ins Ausland absetzte. Möbus hatte seinen Mord an einem jüngeren Mitschüler in Moynihans Buch „Lords of Chaos“ mit den folgenden Worten kommentiert:

„Wenn aber das NS- Recht wirklich auf uns angewordet wäre, hätte man uns für die Vernichtung eines Volksschädlings nicht gestraft, sondern gelobt.“23

Zum Abschluss dieses Kapitels sollen hier noch einige andere Ansichten von weiteren Personen aus diesem rechten Spektrum der Dark-Wave- und Gothic-Szene vorgestellt werden. An erster Stelle soll der eben als Buchautor genannte Michael Moynihan (Blood Axis (USA)) stehen. Auch er stellt sich, wie eigentlich alle der in diesem Kapitel beschriebenen Musiker, gerne als unschuldig Verfolgter dar, der keineswegs rechte Ideen vertrete oder gar Faschist wäre. So etwa in einem siebenseitigen Artikel über eine von Antifaschisten erzwungenen Konzertabsage in Seattle. Darin äußert er folgendes:

„I am not an ´anti- semite´ and to label me as such is deliberately creating a falsehood. But I am also not a humanitarian, and I will state outright I do not believe in any kind of elusive notion about a ´sanctity of human life´ and I would challenge anyone to prove to me that such a thing exists. I also do not believe in moral concepts of ´good´ and ´evil´ and thus am not particularly upset about episodes in history where large numbers of people died. I am not a Holocaust Revisionist, but I also do not really care about the Holocaust one way or the other. I don´t feel responsible for it, and while it may mean a lot (understandably) to some people, it has nothing to do with me.“24

Interessant wird diese verteidigend gemeinte Bemerkung in Zusammenhang mit einer anderen Äußerung Moynihans. Auf die Frage nach seiner Beziehung zur deutschen Sprache und den Begriffen: „Rasse“, „Nation“, „Pflicht“ und „Ordnung“ antwortete er:

„Ich bin durchaus sehr an der deutschen Sprache interessiert und versuche gerade, sie mir anzueignen. Lange Zeit dachte ich, sie sei einzigartig in ihrer Fähigkeit, eine Vielzahl von Bedeutungsnuancen und Gefühlszuständen in einem einzigen Begriff auszudrücken. In gewisser Weise scheint sie erfüllt zu sein von einer magischen Qualität des ´Aufgeladenseins´ mit Inhalten von tieferer Bedeutung. Neben dieser Erkenntnis wurde mein Interesse durch die Faszination verstärkt, die gewisse Perioden der deutschen Geschichte auf mich ausübten, sowie durch die aufrichtige Bewunderung, die ich für bestimmte deutsche Philosophen hege, von denen ich einiges gerne im Original gelesen hätte – Mit den genannten Begriffen verbinde ich folgendes: Rasse- Menschen gleicher Seele und gleichen Geistes; Nation- im Idealfall eine sich selbstversorgende, abgeschlossene Gemeinschaft (egal wie klein) von Menschen einer Rasse; Pflicht- das, was man tun muß, um in Einklang mit den eigenen Instinkten und dem eigenen Ehrgefühl zu leben; Ordnung- ein Zustand von Ausgeglichenheit und Klarheit, das Handeln und Entwicklung stark erleichtert.(…) Ich glaube, es gibt zwei Punkte von größter Wichtigkeit die ´Siege´ (eine Schrift des inhaftierten US- Neonazis James Mason O.Z.) ganz deutlich macht: Erstens, daß es für Reaktion und Konservatismus einfach zu spät ist, und das deshalb die einzig angemessene Strategie – wenn es überhaupt noch eine geben kann – darin bestehen muß, die Zersetzungsprozesse des gegenwärtigen Gesellschaftssystems möglichst voranzutreiben, weil dies der wesentlich vernünftigere und direktere Weg ist, Veränderungen zu erreichen. Zweitens, daß das Überleben an sich das wichtigste Lebensziel sein sollte, aber ohne daß man sich einer Gehirnwäsche unterziehen oder von der Leere der Gesellschaft aufsaugen läßt – also, um es auf den Punkt zu bringen: das Überleben als Geächteter.“25

Neben dem menschenverachtendem Konzept des Anti-Humanismus vertritt er also das, schon bekannte, theosophische Konzept des Untergangs um der Erneuerung willen. Welche Perioden der deutschen Geschichte ihn so sehr interessieren, dürfte nicht schwer zu erraten sein. Im Booklet seiner CD „Im Blutfeuer“ sieht man ihn am Grabe des SS-Brigadeführers beim „Ahnenerbe“ Karl Maria Willigut. Auf der CD selbst hört man Ausschnitte einer Rede des von Evola bewunderten Führers der faschistischen rumänischen „Eisernen Garde“ und eine Passage aus Ernst Jüngers Buch „Auf den Marmorklippen“. In diesem Zusammenhang ist es nicht weiter überraschend, dass Moynihans Verteidigungsbrief auf der Homepage einer Organisation „Third Position – Beyond Left and Right“ erscheint, die über sich selbst schreibt, dass sie eine „revolutionäre nationale Bewegung“ sei, die eine „New Social Order“26 will. Ein Pamphlet dieser Organisation endet mit den Worten: „For the Nation. Against the State!“27 Der geneigte Leser mag sich nun selber fragen: Steht Moynihan wirklich zwischen rechts und links? Die Band Ain Soph folgt dem Vorbild von Julius Evola, wenn sie dem Priesterkrieger Kshatyra, dem Leitbild Evolas für einen politischen Soldaten in seinem Buch „Menschen inmitten von Ruinen“, eine CD widmen. Sie singen auf ihrem Album „Kshatyra“:

„Die Treue ist stärker als Feuer/ Sich erheben, auferstehen/ Eine Form und eine Ordnung schaffen/ Aufrecht durch die Ruinen/ Den schwersten Weg auswählen/ Unseren Mut in Metall gießen/ Endlich wiedergeboren durch das Blut/ stark durch unsere Ehre/ Kshatyra“28

Natürlich könnte man solche Texte auch als spätpubertäre „Männerphantasien“ abtuen, wenn allerdings auf dem Cover ihrer CD „Aurora“ Evola abgebildet ist und sich ein Musiker „von Sebottendorf“ nennt – Sebottendorf war führender Aktivist der Münchener Thule-Gesellschaft, die in die Gründung der NSDAP involviert war – dann darf man sicherlich an dieser Interpretation zweifeln. Auf der Homepage der Dresdener Band Turbund Sturmwerk, der ich einige sehr interessante Interviewausschnitte mit den oben besprochenen Musikern verdanke29, wird, wenn auch nicht ganz offen, rechtsextremistische Propaganda betrieben. Auch wenn sie sich scheinbar von faschistischer Ideologie abgrenzen:

„Zwar rechneten wir mit den üblichen Unterstellungen von Seiten derer, die immer alles vom eingeschränkten Blickwinkel eines ´politischen Ortungssystems´ aus bewerten zu müssen glauben; damit haben wir in den vergangenen Jahren umzugehen gelernt. Wir wußten, daß sich einige finden würden, uns ureflektiert eine ´faschistoide Gesinnung´ oder gar ´Kriegsverherrlichung´ zu unterstellen, weil wir Runen gebrauchten, uns auf Nordische Mythologie bezogen und vom Wert des Opfermuts sprachen. (…) Was wir – ganz abstrakt – als Projektion im Sinne eines ´geistigen Kriegertums´ vorgeben wollten, nämlich das Ideal, sich als Mensch einer Sache in aller Konsequenz hinzugeben, schien für manchen also bereits mit zu ´eindeutigen´ Entschlüsselungshinweisen versehen.“

Um dann aber wenig später eine Abbildung auf dem Cover ihrer CD mit dem, völlig unwissensschaftlichen, „Runenschlüssel Williguts“ zu interpretieren. Ihre Interpretation beenden sie mit den folgenden Sätzen:

„Problematisch erscheint freilich, daß die Materialisation des menschlichen Geistes an sich und grundsätzlich leidbehaftet und negativ erscheint, was manchen – zurecht – nicht einleuchten will, selbst wenn bedacht wird, daß inzwischen längst auch Menschen mit relativ gesunder und harmonischer Persönlichkeitsstruktur an ihrer Umwelt und den äußeren Zuständen leiden, welche sie selbst gar nicht zu verantworten haben. Dies spricht freilich weniger gegen die ´äußere Welt´ als vielmehr gegen diejenigen, die – teils fahrlässig, teils willentlich – ein ´Jammertal´ aus ihr gemacht haben.“30

Da können wohl nur noch die „geistigen Krieger“ helfen! Sie selbst berufen sich vor allem auf „Nationalbolschewismus“ und „Hamburger Nationalkommunismus der 20er Jahre“ und arbeiten musikalisch an einer „Symbiose von Ernst Jünger und Heiner Müller“. Die im Moment in der Szene meist diskutierte Band ist die Band Kirlian Camera um den italienischen Musiker Angelo Bergamini. In einem „Zillo“– Interview mit Dirk Hoffmann wehrt sich Bergamini gegen Vorwürfe von Antifaschisten, hier einige Ausschnitte aus dem Interview:

„Zillo: Von Organisationen wie der Antifa werdet ihr als Neofaschisten bezwichnet, weil ihr ein Konzert mit dem Hitlergruß beendet haben sollt. Falls das der Tatsache entsprechen sollte: Was war euer Beweggrund dafür- reine Provokation oder steckt ein tieferer Sinn dahinter? Angelo: Eins muß von vorneherein klar sein: Ich protestiere gegen solche Gerüchte und Aussage, die zu beweisen versuchen, daß meine Band das Publikum mit dem Hitlergruß begrüßt. Ein gewisser Alfred Schobert hat in einem ´Spiegel´- Interview behauptet, daß wir – man beachte, daß wir – man beachte, daß er im Plural sprach und damit um alle meinte – das Publikum auf diese Weise be(g)rüßen. Das ist ein ernstes Statement und eine ernste Manipulation der Realität. Ich muß an dieser Stelle zum zigsten Mal wiederholen, daß andere Kirlian Camera- Mitglieder verschiedene (M)ale erklärt haben, daß sie ganz aufrichtig politisch links einzuordnen sind. (…) Diese Band hat durch all die Jahre Musiker aus ganz verschiedenen Richtungen (Schwarze, Weiße, Juden, Faschisten, Kommunisten, Christen, Schwule, Anarchisten) im Line- up gehabt und jeden einzelnen respektiert. Wenn aber jemand kindische Sachen mag, erkläre ich einiges zu Herrn Schoberts Aussagen: Im August letzten Jahres traten wir in Berlin auf, und ich muß ehrlicherweise zugeben, daß ich auf eine ähnliche Weise agiert habe, um einfach den schlechten Glauben von einigen Leu(t)en zu testen. Da habe ich die Leute mit ausgestrecktem Arm begrüßt. (…) Weder ich noch Emilia Lo Jacono und Barbara Boffelli haben je den Hitlergruß verwendet, da sie politisch viel zu korrekt sind. (…) Es gab keine versteckten politischen Botschaften in der Vergangenheit, und ich muß niemanden etwas erklären. Zillo: Gibt es denn etwas, das dich aus irgend einem Grund am Dritten Reich fasziniert? Angelo: Die Ästhetik des Dritten Reiches ist zweifellos faszinierend. (…) Aber was ich über Politik denke, geht nur mich etwas an, und das würde ich niemanden erzählen. Wahlen sind geheim, und es ist mein Recht es auch so zu halten. Ist es nicht so? (…) Zillo: Meinst du nicht, da(ß) Künstler eine besondere Verantwortung beim Gebrauch solcher Symbole haben, die eng mit dem Dritten Reich verknüpft sind? Angelo: Ich denke, es gibt zu viele Idioten, die versuchen, einige Werbung damit zu machen, Symbole und anderes Zeugs verwenden, von denen sie nicht mal die Bedeutung verstehen. Ich glaube, daß 90% dieser Bands, die Möchtegern- Nazis werden wollen, nichts weiter als ein Haufen von Verlier(er)n sind, die keine wirkliche Hoffnung besitzen. Sie verlassen sich darauf, populär dadurch zu werden, daß sie das Spiel der ´Verdammten´ spielen, aber sobald jemand kommt, um ihnen gefährlich mit Zensur zu drohen, leugnen sie alles, arme kleine Kätzchen!
(…) Übrigens haben Kirlian Camera nie ein Nazi- Symbol verwendet, weshalb wir mit dem Thema eigentlich nichts zu tun haben.(…) Viele Leute erheben den Anspruch, Dinge zu wissen, die sie nie erfahren werden, und legen dabei die wirklich intolerantesten Einstellung zutage: Sie verfolgen etwas, das sie nicht kennen. Suchen sie nach dem Antichristen oder was?“31

Auffällig bei den Äußerungen Bergaminis ist, dass er, wie auch bei früheren Interviews zu dem Thema, grundsätzlich nur über die politischen Einstellungen von anderen Bandmitgliedern redet. Dazu muss man wissen, dass Kirlian Camera letztlich ein „Ein- Mann-Projekt“ Bergaminis ist. Den Hitlergruß bzw. den „Kühnen-Gruß“ (mit zwei ausgestreckten Fingern), hat Bergamini in diesem Interview, soweit mir bekannt, hier zum ersten Mal zugegeben, nachdem er ihn in mehreren vorangegangenen Interviews abgestritten hatte. Diese Geste von ihm konnte man auch bei weiteren Konzerten von ihm beobachten. In dem Gesprächsteil über andere Bands, denen die Verwendung von NS-Symbolen nicht fremd ist, redet er nur über „Möchtegern-Nazis“. Wie würde er wohl über „richtige Nazis“ urteilen? Seine Ansichten dazu kann man möglicherweise vermuten, wenn man beachtet, dass er mit dem Stück „U- Bahn V. 2 Heiligenstadt“ auf der CD „Todesengel- The Fall of Life“ die „Eiserne Garde“ Codreanus „ehren“ wollte32 und Marco E. Thiel ihn im „Europakreuz“, als einen „Kameraden“ bezeichnet.33 In der selben Ausgabe des „Europakreuzes“ wird an den 52. Jahrestages der Zerstörung Dresdens „durch britische Luftangriffe“ gedacht und um einen „Kamerad Julius B. E. F. jun. (Pseudonym J. Streicher)“34 getrauert. Der österreichische Kadmon (Gerhard Petak), dessen Projekt Allerseelen dem Neo-Folk zugeordnet werden kann, fällt durch die Herausgabe der Magazine „Ahnstern“ und „Aorta“ auf. In diesen Magazinen kommt seine Gedankenwelt, beruhend auf einer Mischung von (NS-) Esoterik, faschistoider Philosophie und Satanismus zum Ausdruck. Ein Ausschnitt aus dem „Ahnstern“-Katalog:

„II. LUCIFER RISING II. Interview (1995) mit dem amerikanischen Filmemacher Kenneth Anger über: Lucifer Rising, Externsteine, Bobby Beausoleil, Aleister Crowley, Friedrich Nietzsche. (…) III: FEUERTAUFE: Ernst Jüngers Werke über den ersten Weltkrieg (…) V: HEIDNAT: Völkischer Weg und thelemitischer Weg. Heimat und Heidentum als Kraftfelder. Heidnat als Entwurf einer halben Moderne, die Technologie und Spiritualität verknüpft. Die Bedeutung von Selbstachtung. Erdung. Widerstand.(…) VII: KRAFTFELD: Das Kornzeichen in Flandorf, Niederösterreich, Juli 1996, eine rätselhafte Einheit aus Kraft und Form (…)“35

Er beteiligte sich an den VAWS-Samplern, wie auch an einem Sampler des Labels des Dresdener „Sigill“– Herausgebers Eislicht-Verlages (Eis und Licht Tonträger); dieser erschien, um „Julius Evola zu ehren“. Das Cover der Allerseelen-CD „Gotos – Kalanda“ ziert die sogenannte „Schwarzen Sonne“, ein Marmormosaik aus dem „Obergruppenführersaal“ der SS-Kult- und Schulungsstätte Wewelsburg. Auch er fühlt sich von Antifaschisten verfolgt, spricht sich aber immerhin für Gewaltlosigkeit seiner Anhänger aus.

„Daß jemand Flugblätter gegen Allerseelen verteilte, freute mich. Ich schätze die, die den Mut haben, Nein zu sagen, den Ketzer. Die sich Schwierigkeiten einbrocken. Daß manche Anhänger von Allerseelen glaubten, diesem Jugendlichen die Flugblätter aus der Hand reissen zu müssen, erfuhr ich erst hinterher. Es mißfiel mir.“36

Daneben benutzt er aber typische Argumentationsmuster der Neuen Rechten:

„Ich verabscheue Bücherverbrennungen und Holocausts, wie sie in Auschwitz, Dresden, Hiroshima und Mururoa geschahen. (…) Was die Anti- Faschisten im Zeichen des roten Pentagramms begehen, stellt die Anschläge rechtsextremer Skinheads in den Schatten.“37

Die Musikpresse und die meisten Plattenlabel fielen bis jetzt durch Totschweigen dieser gefährlichen Tendenzen dieses Teils der Szene auf. Vermutlich aus kommerziellen Gründen, denn die beschriebenen Bands verkaufen sich, nicht zuletzt wegen ihrer „umstrittenen Meinungen“, besser als viele andere, politisch nicht auffallende Bands. Die meisten Szene-Mitglieder dürften aber (noch) eher ungefähr so denken wie Ashley, Kopf der Band Whispers in the Shadow:

„Wenn man einfach akzeptiert, was man vorgekaut bekommt, kann dies üble Folgen haben, und plötzlich haben wir ein ´viertes Deutsches Reich´ und jeder ist plötzlich überrascht und tut so, als ob nichts wäre. Nach außen hin vertreten wir allerdings keine politische Richtung. Aber ich glaube kaum, daß uns irgendwer als ´rechts´ einstufen würde. Es ist wichtig, daß die schwarze Szene nicht ins rechte Lager abrutscht, wie das in letzter Zeit so der Fall ist. Dagegen werden wir uns auf jeden Fall wehren und ich hoffe, wir stehen da nicht alleine da.“38

Das zeigt, dass Pauschalverurteilungen der Szene (wie beispielsweise Jean Cremets Beiträge in der Jungen Welt und anderen Zeitschriften) kontraproduktiv wirken. Dann nämlich fühlen sich auch politisch liberale oder linke Gothics gezwungen, sich Hand in Hand mit den, immer noch wenigen, wirklich rechtsextremistischen und faschistischen Vertretern zu verteidigen. Und gerade gegen dieses falsche Zusammengehörigkeitsgefühl, welches der Umarmungsstrategie von JF und anderen entgegen kommt, muss die Szene in nächster Zeit vorgehen, sollte sie ihre eigenen Wurzeln nicht verleugnen wollen. Ein wichtiger Ansatz dazu war sicher die Gründung der Initiative „Grufties gegen rechts/ Music For A New Society“ (April 1998 in Bremen). Mit den Zielen dieser Initiative solidarisierten sich mittlerweile auch schon einige Musiker wie Deine Lakaien, Sepulcrum Mentis, Einstürzende Neubauten, Dirk Ivens (Dive, Sonar, ehemals The Klinik), Goethes Erben, Love Like Blood, Das Ich und Isecs. Eine Internet-Initative „Gothics gegen rechts“ versucht dem Beispiel der „Grufties gegen rechts“ zu folgen und über rechte Tendenzen in der Szene aufzuklären.

Quelle: Gothic gegen Rechts

  1. Bis vor kurzem war es auch nicht unüblich, der Szene insgesamt Sexismus und Frauenfeindlichkeit vorzuwerfen, möglicherweise wegen der offen zur Schau gestellten SM- Sexualität von Mitgliedern der Szene (so z. B. Anfang der 90er Jahre in einer Flugblattaktion einer Männergruppe vor einer von Gothics besuchten Freiburger Diskothek). Diese Vorwürfe haben mittlerweile nachgelassen. Ob nun auf Grund veränderten gesellschaftlichen Bewusstseins oder einer vorurteilsfreieren Sicht auf die Gothic- Szene mag dahingestellt bleiben. [zurück]
  2. Zillo 2/ 92, zitiert nach: Grufties gegen Rechts: Die Geister, die ich rief, im Internet unter: http://www.pc- easy.de/geister/brosch.htm [zurück]
  3. Dieses Interpretation von Pearces Antrieb liefert auch Steward Home in einem Interview mit dem Münsteraner Fanzine „Auf Abwegen“: „Ich glaube einfach, daß bei Death In June Sexualität im Vordergrund steht. Ich glaube, seine sexuellen Vorlieben sind der Schlüssel zum Verständnis von Death In June, und ich glaube nicht, daß Douglas heute noch ein aktives politisches Interesse hat“. (Zitiert in: Die geilsten Uniformen, in: Jungle World, 26. März 1998) [zurück]
  4. Pockrandt, Stephan: Sexy Uniforms, in: Sigill Nr. 6, 1994, Dresden, S. 20/21, zitiert in: Stöber, a.a.O., S. 69 f. [zurück]
  5. Zitiert nach: Antifaschistisches Info, Juli/ August 1997 [zurück]
  6. Grufties gegen Rechts, Geister, a.a.O. [zurück]
  7. Im Internet unter: http://www.myway.de/secretlab/dturbu56.htm [zurück]
  8. Douglas Pearce sagt in einem Interview von 1990 über Schreck allerdings: „Als ich Boyd Rice in Amerika besucht, hat der mir erzählt, in den USA gelte Schreck inzwischen als ´reicher Jude´, der sich in seltsame okkulte Dinge verstrickt habe. Wen interessiert schon dieser ganze amerikanische Werwolf- und Satanskram. Ich halte das alles für oberflächlich“, im Internet unter: http://www.myway.de/secretlab/dturbu55.htm. Eine Aussage, die Zweifel am Geisteszustand aller drei Beteiligten weckt. [zurück]
  9. NON/ Boyd Rice: Total war, von der CD: In the Shadow of the Sword 1989, zitiert nach Cremet, Jean: The dark side of the music. Jenseits von „Böhse Onkelz“ und „Screwdriver“. Über (neo-) faschistische Tendenzen in der Independent- Musik, in: analyse & kritik 389, 04/ 1996, S. 11 ff, im Internet unter: http://www.pc- easy.de/geister/cremet.htm [zurück]
  10. Cremet, a.a.O. [zurück]
  11. „Europakreuz“ war sich bspw. nicht zu schade, den unsäglichen „Heino der Neonazis“, Frank Rennicke zu interviewen. Orginalton Rennicke: „Frank Rennicke, nationaler Barde, verheiratet, vier Kinder, seit 10 Jahren im Freiheitskampf, gebürtiger Niedersachse, Steckenpferd: Volk, Vaterland, Familie.“ (…) „Ich bin tolerant genug, liberalere und auch radikalere Meinungen von Gleichgesinnten zu dulden, wenn diese mit der ganzen Persönlichkeit gelebt werden.“ (…) „Lest, lernt, treibt Sport, enthaltet euch dem Zeitgeist und sehet mit Abscheu auf die willigen Büttel eines Systems, das es für ´normal´ hält, 600.000 Rapper- und Techno- Idioten in Berlin straßenverdreckend latschen zu lassen, junge Deutsche aber, die für Meinungsfreiheit und Erinnerung an den Mord an Rudolf Heß auf die Straße gehen, einsperren will. Heil euch!“, Europakreuz Nr. 19, April 97, Berlin, S. 9- 12 [zurück]
  12. Grufties gegen Rechts,Geister, a.a.O. [zurück]
  13. Junge Freiheit 10/93, zitiert nach: Grufties gegen Rechts: Revolte gegen die moderne Welt – Braune Graswurzelrevolution in der schwarzen Szene? Über den neurechten Kulturkampf und Widerständiges aus der Gothic- Szene, im Internet unter: http://www.pc-easy.de/geister/aib.htm [zurück]
  14. Im Internet unter: http://www.jungefreiheit.de/108aa16.htm [zurück]
  15. Junge Freiheit 4/96, zitiert nach: Grufties gegen Rechts, Geister, a.a.O [zurück]
  16. Gerlinde Gronow: Offener Brief an Easy Ettler, im Internet unter: http://www.pc-easy.de/geister/easy.htm [zurück]
  17. Grufties gegen Recht, Revolte, a.a.O. [zurück]
  18. Grufties gegen Rechts, Geister, a.a.O. [zurück]
  19. Grufties gegen Rechts, Revolte, a.a.O. [zurück]
  20. Gothic Nr. 23, Sommer 1995, zitiert nach. Grufties gegen Rechts, Revolte, a.a.O. [zurück]
  21. Gothic Nr. 23, Sommer 1995, zitiert nach. Grufties gegen Rechts, Revolte, a.a.O. [zurück]
  22. Gothic Nr. 23, Sommer 1995, zitiert nach. Grufties gegen Rechts, Revolte, a.a.O. [zurück]
  23. Zitiert nach MDR- Fakt vom 26.4.1999, im Internet unter: [zurück]
  24. Im Internet: http://www.thirdposition.com/blrnewsbloodaxis.html [zurück]
  25. Im Internet: http://www.myway.de/secretlab/dturbu54.htm [zurück]
  26. Im Internet: http://www.thirdposition.com [zurück]
  27. Im Internet: http://www.thirdposition.com/blrnation-and-the-state.html [zurück]
  28. Zitiert nach: Cremet, a.a.O. [zurück]
  29. Auffallend ist, dass in letzter Zeit, sogar während der Monate meiner Recherche, immer mehr klare „politische“ Aussagen auf den Homepages der besprochenen Künstlern verschwanden. Ich halte es für möglich, dass das mit der beginnenden antifaschistischen Arbeit in der Gothic- Szene zusammenhängt. [zurück]
  30. Im Internet: http://www.myway.de/secretlab/dturbu25.htm [zurück]
  31. Hoffmann, Dirk: Das Versteck des Antichristen, in: Zillo Musik Magazin (7-8/ 99), im Internet: http://members.tripod.com/~Heydebreck/kczil.html [zurück]
  32. Sigill (Nr. 12, 1996/97), Dresden [zurück]
  33. Europakreuz Nr. 18, Februar 1997, Berlin, S. 1 [zurück]
  34. ebd. [zurück]
  35. Im Internet: http://www.geocities.com/SunsetStrip/Amphitheatre/6522/ahnstern.htm [zurück]
  36. Kadmon: Anti- Faschismus: Katholizismus ohne Gott, im Internet: http://www.geocities.com/SunsetStrip/Amphitheatre/6522/antifa.htm [zurück]
  37. ebd. [zurück]
  38. Back Again (Winter 97/98), Darmstadt und Hamburg, S. 8 [zurück]

Antifa heißt Quo Vadis

Es klumbt wieder

Josef Klumb ist wieder da. Zwar war er nie weg, und doch ist er nun wieder da. Absurd, denken Sie nun. Da haben Sie recht: Absurd heißt die Band, an die Klumb als Galionsfigur des rechtsextremen Flügels der Darkwave- und Gothic-Szene nun angedockt ist.

Absurd wurde 1993 durch einen Mord bekannt. Band-Sänger Hendrik Möbus kommentiert die Ermordung seines früheren Mitschülers mittlerweile als „Beendigung eines Lebens eines lebensunwerten Geschöpfes“. Die Bandmitglieder machten nie einen Hehl aus ihrer Nazi-Gesinnung. Ein frühes Demo-Band widmeten sie den „volksdeutschen Kameraden in Schlesien und Pommern, für immer vereint im Großgermanischen Reich“.

Vor einem knappen Monat hat die Erfurter Black-Metal-Band nun eine neue CD veröffentlicht. Sie ist im Label IG Farben Produktion erschienen und heißt „Asgardsrei“ – benannt nach „jener halbmythisch, halb-realen Armee aus Gotteskriegern, welche ihr Leben dem Dienst an Wotan geweiht haben“, wie Möbus erklärt.

Im Beiheft zur CD ruft Absurd „zu den Waffen“ und fordert, das Leben und Handeln dem Kampf für Wotan zu widmen. Die Krieger der Vergangenheit sollen dafür Leitbild sein. Dazu zählt Möbus auch die Waffen-SS – „germanische Edelmänner (Ö) im Dienst einer geheiligten Sache“.

Möbus weiß neben der SS aber noch mehr zu mystifizieren: „Zwei Musiker aus der Gothik/Wave-Szene haben für uns das Lied (‚Sonnenritter‘; C.D.) komponiert und aufgenommen, wir addierten dann nur noch Gitarre und zweiten Gesang dazu. Einer dieser Musiker wurde recht bekannt durch die Affäre seines Rauswurfs aus einer Band, welche bei SONY MUSIK unter Vertrag steht“, erklärte er dem Fanzine MoinMoin (Nr. 3, 1999).

Gemeint ist Josef Klumb. Durch die Zusammenarbeit mit Absurd sind seine „Sonnenritter“, geleitet vom Symbol des SS-Ahnenerbes, der Schwarzen Sonne, „emporgestiegen aus dunkler Tiefe, (Ö) um zu lösen Heimat aus Feindesland“ (Liedtext). Sie sind die arischen Kämpfer für Wotan und das neue Reich. Organisiert werden soll der Kampf von der Internationalen Organisation der Allgermanischen Heidnischen Front. Deren Begründer in Deutschland heißt Hendrik Möbus.

Klumb, der sich seit seinem Rauswurf bei Weissglut immer wieder als Opfer einer Medienkampagne wähnt, wird nun wohl ein weiteres Mal alle Vorwürfe von sich weisen: Er sei kein Rechter, habe nichts mit der extremen Rechten zu tun, seine Beiträge für die Zeitschrift Sleipnir – die als deutsche Agentur der internationalen Szene der Holocaustleugner fungiert – würden nichts beweisen usw.

Vielleicht wird er auch – ähnlich wie bei seinem Freund Symanek – darauf abheben, daß Möbus kein Rechter und im Grunde ein netter Mensch sei.

Christian Dornbusch

Quelle: Jungle World