„Ostara“ – Reaktionäres poppig verpackt

„Ostara“ ist eine sog. „Darkpop“-Band, die 1999 von Richard Leviathan und Timothy Jenn gegründet wurde, um, nach eigener Aussage, tiefer ihr „abendländisches Erbe“ zu ergründen.

Die Band gilt als Nachfolgeprojekt der neonazistischen Formation „Strength Through Joy“ („Kraft Durch Freude“), die eine intensive Zusammenarbeit mit der rechten Band „Death in June“ pflegte, offen nationalsozialistische Inhalte affirmativ wiedergab (Titel wie „The Blond Beast“, z.B. spielen klar auf das „Ariertum“ an) und völkischen Ritualen ganze CDs widmete (wie mit „Salute to Light“, basierend auf Bildern des Hitler-Malers Fidus).

Der Name „Ostara“ spielt dabei einerseits auf eine germanische Frühlingsgöttin, andererseits auf die 1905 gegründete Zeitschrift gleichen Namens ostaraalbumvon Jörg Lanz von Liebenfels an. Diese okkulte Publikationsreihe hatte sich die „Erforschung und Pflege des heroischen Rassentums und Mannesrechts“ zum Ziel gesetzt und übte wesentlichen Einfluss auf die Ideologie der Nationalsozialisten aus. Die „Ambiguität“ des Bandnamens sei gewollt, gibt Leviathan in Interviews zu.

Die Band besteht heute aus vier Mitgliedern (Leviathan, Stu Mason, Tim Desmond und Dave Renwic) und spielt melodisch massentauglichen Pop – als Vorbilder gibt man Placebo und NIN an – mit antichristlichem und okkultem Inhalt. Die Bezugnahme auf rechte Ideologie ist dabei, wenn auch nicht mehr so eindeutig wie bei „Strength Trough Joy“, weiterhin Bestandteil der Band.

Die Veröffentlichung „Ultima Thule“, z.B., beschäftigt sich thematisch mit dem Thule-Mythos, der Legende einer germanischen „Urheimat“ am äußersten Nordrand („Ultima Thule“) der Welt, an. Schlagworte wie „Arier“ etc. werden dabei vermieden, stattdessen ergeht man sich in okkulten Untergangsphantasien.
Zwei Lieder der CD sind Leni Riefenstahl gewidmet. Die Propagandistin Hitlers gilt heute im rechten Rand der Neofolk-Szene als Ikone. Ihr gewidmet sind zahlreiche Sampler rechter Bands und ihre Bilder zieren so manches CD-Cover (u.a. auch von „Strength Through Joy“).

Dass rechtsextremes Gedankengut beim Kopf der Formation fest verankert ist, wird in zahlreichen Interviews – in denen er Ostara klar als „politisch“ klassifiziert – überdeutlich.

Den Nationalsozialismus klassifiziert Leviathan als „primitivistische Form des Faschismus, die einige Prinzipien hatte, die nicht einfach als pervers oder böse abgetan werden können“. Geboren aus „Kameradschaft und Leid an der Front“ habe dieser immerhin „viele der absoluten Unterscheidungen zwischen Klassen, die die alten Strukturen der Gesellschaft pervertiert hatten, aufgelöst.“ Dem vermeintlich „linken“ Flügel der NSDAP, wie den Gebrüdern Strasser, bescheinigt er einen Oppositonsstatus – exakt wie die rechte Band „Death in June“ es seit Jahren bei Ernst Röhm tut. Massenmord und Krieg wären einzig Hitlers Schuld.

Besonders der faschistische Intellektuelle Julius Evola hat es Leviathan angetan. Evola pflegte enge Verbindungen zum italienischen Faschismus (auch zu Mussolini persönlich), arbeitete zeitweise mit der, der SS unterstellten, Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Ahnenerbe“ zusammen und hatte auch nach dem Zweiten Weltkrieg großen Einfluss auf rechtsextreme Organisationen (wie z.B. „Ordine Nuovo“).
Leviathan sieht Evola als lyrische Inspiration für sich und „Ostara“. Die Band zitiere ihn zwar nie direkt, aber Evola sei stehts „irgendwie im Hintergrund“. Besonders die „eurozentrische Denkweise und [sein] Verlangen die Wurzeln unserer Zivilisation wiederzuentdecken, zu erneuern und zu bekräftigen“ haben es dem Textschreiber von „Ostara“ angetan.

Des Weiteren sieht Leviathan, der Sohn säkularisierter jüdischer Eltern, die Notwendigkeit einer „spirituellen Elite“, einer „Aristokratie des Geistes“. Eindruck auf ihn habe in diesem Zusammenhang der neuromatische Dichter Stefan Anton George gemacht. Der reaktionäre und antiaufklärerische Lyriker entwarf in „Das neue Reich“ (1928) die Idee einer hierarchischen Gesellschaft, geführt von einer geistigen Elite. Dies veranlasste die Nazis dazu massiv um dessen Gunst zu werben, was George jedoch abwehrte. Diese reaktionäre und antidemokratische Opposition zu Nazideutschland attestiert Leviathan auch Von Stauffenberg, den er als einen „Patrioten“,„theoretisch loyal zum Regime“, fasst.

Auch Ernst Jünger, stj-coverAntidemokrat und Autor des kriegsverherrlichenden Buches „In Stahlgewittern“, gegenüber äußert der Sänger Interesse. Dieser, ebenso wie weitere Autoren aus dem Zusammenhang der „konservativen Revolution“, hätten großen Einfluss auf seine Musik gehabt.

Somit lässt sich „Ostara“ klar als Band charakterisieren die sich der okkult-mystischen Grundlage des Faschismus verschrieben hat und nationalistisches, antidemokratisches und antiaufklärerisches Gedankengut propagiert – all dies verpackt in poppigem Gewandt. Kritik wird mit Verweis auf Leviathans Elternhaus pauschal als Rufmord abgetan.

Dazu passt es sehr gut, dass „Ostara“-CDs in Deutschland über das rechte Label „Eis&Licht“ vertrieben werden. Das Label von Stephan Pockrandt gibt das rechte Fanzine „zwielicht“ (Nachfolgeprojekt von Zinnober) heraus, veröffentlichte CDs der rechten Formationen „Waldteufel“, „Von Thronstahl “ und „Voxus Imp.“ und vertreibt über seinen Onlineshop „Neofolk.de“ rechte Szenegrößen wie „Death in June“, „Blood Axis“ und „Les Joyaux de la Princesse“.

Alle Zitate: wörtliche Übersetzungen von „Interview with Richard Leviathan (Ostara), 30/01/2001″, „Richard Leviathan of OSTARA. Interviewed by Troy Southgate“ und „OSTARA Interview. 23.02.2002″

Quelle: Polit-Cafe Azzoncao