Archiv für März 2006

Verlage am rechten Rand

Esoterik und Holocaustleugnung

Verlage am rechten Rand. Beispiele

Das Spektrum an deutschsprachigen Verlagen, die im weiteren Sinne einen “rechten” Leserkreis bedienen, ist groß. So unterschiedlich jedoch die inhaltliche Ausrichtung im Einzelnen sein mag, lässt sich eine Reihe an Gemeinsamkeiten feststellen:

* Insgesamt hat in den letzten Jahren der Büchermarkt innerhalb der rechten Szene stark an Bedeutung gewonnen. Dabei erfüllt der Buchverkauf zwei Aufgaben: einerseits dient er selbstverständlich der Informationsvermittlung, andererseits stellt er eine nicht unerhebliche Einnahmequelle auch des organisierten Rechtsextremismus’ dar.

* Die meisten Verlage, die eine rechte Leserschaft bedienen, zeichnen sich durch einen hohen Grad an Vielfältigkeit aus. Kaum ein Verlag ist auf nur ein Themengebiet spezialisiert, und fast nie finden sich in den Verlagsprogrammen Titel, die ausschließlich politischer Natur sind. Im Gegenteil: Oft geht die offen rechtsextreme Literatur gegenüber der vermeintlich unpolitischen fast unter. Darüber hinaus umfasst die verlegerische Tätigkeit längst nicht nur Buchproduktionen, häufig finden sich gleichermaßen Zeitschriften, Musik-CDs und Videos in den Programmen der Verlage.

* Nahezu alle Verlage führen nicht nur die Titel des eigenen Verlagsprogramms, sondern betreiben darüber hinaus Bücherversände, die den Kunden sämtliche lieferbaren Bücher im deutschprachigen Raum offerieren.

* Der Grad an personeller und organisatorischer Vernetzung sowie an Zusammenarbeit zwischen den Verlagen ist gemessen an der Konkurrenzlage deutlich höher als bei herkömmlichen Verlagen.

Grabert-Verlag und Hohenrain-Verlag

1959 vom ehemaligen Mitarbeiter Alfred Rosenbergs im „Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete“, Herbert Grabert, gegründet und seit 1972 von dessen Sohn Wigbert Grabert geführt, publiziert der Verlag u. a. die Arbeiten führender Revisionisten. So beispielsweise den Begründer des sog. „wissenschaftlichen Revisionismus“, David L. Hoggan, oder den Holocaust-Leugner David Irving. Im Klappentext zu Hoggans “Der erzwungene Krieg” wirbt der Grabert-Verlag mit klassisch revisionistischen Schlagworten: Die Kriegschuld Deutschlands am 2. Weltkrieg sei eine “Kriegs- und Lügenpropaganda” der Alliierten. Im Grabert-Verlag erscheinen zudem vierteljährlich die Zeitschrift Deutschland in Geschichte und Gegenwart, das zweimonatige Info-Blatt Euro-Kurier sowie die Publikationen des neurechten Thule-Seminars und der Stiftung Kulturkreis 2000 als “Plattform für nach ultrarechts abdriftende rechtskonservative Professoren”, so der Historiker Martin Dietzsch.

Um nicht nur eine möglichst breit gefächerte Leserschaft zu erreichen, gründete Wigbert Grabert 1984 den Hohenrain-Verlag, der mit Themen wie der Euro-Einführung oder dem Palästina-Konflikt aktueller operiert, womit, so der Verfassungsschutzbericht 2000, “auch nicht-rechtsextremistische Leser angesprochen und so der Kunden- und Wirkungskreis des Verlags erweitert werden [sollen].”

Gute Kontakte unterhält das Verlagshaus um Wigbert Grabert zu der NPD-nahen Zeitschrift Nation und Europa, zu dem DVU-Chef und Verleger Gerhard Frey und der neurechten Jungen Freiheit. Außerdem betreibt der Verlag den Grabert Buchversand, dessen Prospekte u. a. von dem Schutzbund für das Deutsche Volk und der Zeitschrift Nation verteilt wird. Der Verleger Grabert wurde 1998 wegen Volksverhetzung und Vergehen gegen § 86a StgB zu einer Zahlung von 10.500 DM verurteilt.

Arndt-Verlag

Auch der Arndt-Verlag publiziert vorwiegend revisionistische Schriften, darunter Autoren wie Gustav Sichelschmidt (“Tollhaus Deutschland”) und David Irvings Göring-Biographie. Daneben wendet er sich mit den Schwerpunkten “Die Heimat im Bild und Buch” sowie “Flucht und Vertreibung” an ein “Vertriebenen”-Publikum. Der Verleger Dietmar Munier betreibt zudem den Orion-Heimreiter-Verlag mit Autoren wie dem Verhaltensforscher Irenäus Eibel-Eibesfeld und den “Pour le Merite”-Verlag, die beide eine nicht-rechtsextremistische Leserschaft ansprechen und doch rechtsextreme Argumentationen stützen sollen, sowie den Arndt-Buchdienst / Europabuchhandlung.

Munier war in den 70ern führendes Mitglied des Bundes volkstreuer Jugend und Funktionär der NPD-Jugendorganisation. 1991 gründete er die Aktion Deutsches Königsberg, danach folgen eine Reihe weiterer Vereine und Firmen mit Tätigkeitsschwerpunkt im ehemaligen Ostpreußen.

Verlag & Agentur Werner Symanek (VAWS)

Ein ganz anderes Publikum als Grabert- und Arndt-Verlag hat der Verlag & Agentur Werner Symanek (VAWS) im Blick. Das Verlagsprogramm, bestehend aus Merchandise-Artikeln, Videos, Büchern und Musik-Produktionen, richtet sich vorwiegend an eine jugendliche Zielgruppe aus dem Dark-Wave-Bereich. Inhaltlich bedient es sich einer Mischung aus okkultistischen Themen und NS-Ästhetik à la Leni Riefenstahl. Im Programm u. a. der Nachdruck des okkultistischen Romans “Dunkle Wege” vom Nazi-Dichter und Hitler-Lehrer Dietrich Eckart, Bildbände von Nazi-Künstlern, Leni-Riefenstahl-Filme und CDs aus den Bereichen Industrial, EBM und Neo-Folk – allesamt Subgenres des Dark Wave. Gerade im Bereich Musik / Dark Wave arbeitet Symanek eng mit dem antisemitischen Musiker Joseph Maria Klumb alias Jay Kay (Forthcoming Fire, Weissglut, Von Thronstahl) zusammen, der in Anlehnung an den Autor Jan van Helsing an eine “jüdischen Weltverschwörung” glaubt und positiv auf Benito Mussolini Bezug nimmt.
Darüber hinaus ist Symanek für Druck und Vertrieb der rechtsextremistischen Zeitschrift Unabhängige Nachrichten verantwortlich, für die er auch als Autor tätig ist.

Verlag Zeitenwende

Zwischen Esoterik, Revanchismus, Rechtsextremismus und Dark-Wave-Lifestyle bewegt sich der Verlag Zeitenwende und versucht damit ebenfalls, eine breite Leserschaft zwischen Neuer Rechter und jugendlicher Subkultur zu erreichen. Für den Verlag schreiben u. a. der Holocaust-Leugner Bernhard Schwab, der regelmäßig “germanisches Heidentum” gegen demokratische Prinzipien in Stellung bringt, oder Martin Schwarz, der “deutschen Geist und Spiritualität” durch Werteverlust und Spaßgesellschaft gefährdet sieht und dagegen in enger Anlehnung an den italienischen Faschismus das Ideal einer streng hierarchischen Gesellschaft stellt. Besonderen Wert legt Verleger Sven Henkler auf neoheidnisches Gedankengut, mit dem er nicht nur rechtsextreme Intellektuelle umwirbt, sondern auch jugendliche Sinnsucher. Folgerichtig erscheint im Verlag Zeitenwende vierteljährlich die Dark-Wave-Zeitschrift Hagal, in der neben jugendkulturellen Themen auch heidnische und rechtsextremistische Positionen vertreten sind. Hier heißt es beispielsweise über den hochrangigen Nationalsozialisten Georg Werner Haverbeck, er sei im geistigen wie im menschlichen Sinne “wie ein Großvater” für die Redaktion. Haverbeck leugnete bis zu seinem Tod 1999 beharrlich den Holocaust und war eine der Führungspersönlichkeiten anthroposophischer Theologie und des rechts-ökologischen Spektrums.
Tatsächlich hat der Verlag Zeitenwende enge Kontakte zu Haverbecks Collegium Humanum und dem neurechten Netzwerk Synergies Européennes (Synergon), mit denen zusammen er jährlich Tagungen veranstaltet.

Jan Buschbom / Violence Prevention Network e. V.

Quelle: Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung