Archiv für Oktober 2005

Rechts-Rock-Konzert am 29. Oktober in Yverdon

Medienmitteilung der Antifa Bern

Nicht zum ersten Mal veranstaltet «Soleil noir» («Schwarze Sonne») ein Konzert mit Bands, welche der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind. Zu nennen sind beispielsweise der Auftritt von «Death In June» 2002 in Lausanne oder das Konzert mit «Der Blutharsch» im Lokal «Les Citrons Masqués» 2004 in Yverdon. Im «Les Citrons Masqués» ist nun erneut eine Veranstaltung mit zwei Rechts-Rock-Bands geplant: Am Samstag, 29. Oktober 2005, sollen dort «Allerseelen» und «Belborn» auftreten.

Die Band «Allerseelen» aus Österreich ist eine der bekanntesten Bands aus dem rechtsextremen Spektrum des «Dark Wave». Gründer und zentrale Figur der Gruppe ist Gerhard Petak alias Adam Kadmon. Er versucht, sich und die Band immer wieder als unpolitisch darzustellen, und versteht sich als Opfer einer Hetzkampagne, welche er mit der Judenverfolgung in Nazideutschland vergleicht und folgendermassen beschreibt: «Offenbar braucht jede Kultur ein Hexenmal, einen Judenstern. […] Heute ist der Faschismusvorwurf gegen die industrielle Musik und Dark Wave ein Judenstern. […] Die Judensterne sehen heute anders aus, es sind ariosophische völkische Zeichen, Runen, Thorshammer, Kruckenkreuz, Hakenkreuz» (Black 14/1998).

Dass es sich dabei keinesfalls nur um eine Hetzkampagne handelt, wird schnell deutlich, wenn man/frau sich eingehender mit «Allerseelen» beschäftigt. Beispielsweise ist Petak der Herausgeber einer Reihe von Heften mit dem Titel «Ahnstern», wobei sich Teile davon explizit mit Personen des Naziregimes wie Karl Maria Willigut oder Exponenten von anderen faschistischen Bewegungen, beispielsweise Corneliu Codreanu, befassen.

Karl Maria Willigut, alias K. M. Weisthor, war bis 1938 Leiter des Amtes für Vor- und Frühgeschichte im persönlichen Stab Himmlers. Petaks Aussagen zufolge war Willigut auch der Initiant des Mosaiks der Schwarzen Sonne in der Wewelsburg. Zwischen 1933 und 1945 wurde die Wewelsburg von der SS genutzt. Himmlers Plan war es, die Gebäude in eine «Reichsführerschule der SS» zu transformieren. Zudem sollte sie als repräsentative und ideologische Zentrale des SS ausgebaut werden. Die Schwarze Sonne, welche auch als zwölfarmiges Hakenkreuz oder ein Rad aus zwölf Sig-Runen gedeutet werden kann, diente der SS als Symbol einer nordisch-heidnischen Religion. Es handelt sich dabei nicht um ein historisches Symbol, sondern um ein Erzeugnis der SS. Nicht zufällig ziert sie denn auch das Cover der «Allerseelen»-CD «Gotos – Kalender» und ist gleichzeitig das Bandlogo.

Codreanu gründete 1923 in Rumänien die nationalistische «Legion Erzengel Michael», welche sich ab 1931 die «Eiserne Garde» nannte. Er propagierte den Faschismus und war ein bekennender Antisemit. Gesänge und Märsche der «Eisernen Garde» sowie eine Rede von Codreanu veröffentlichte «Allerseelen» auf zwei ihrer Singles.

Die zweite angekündigte Band, «Belborn», gehört ebenfalls zu den Verehrern von Corneliu Codreanu. So sind die «Neofolker» mit einem ihrer Songs «Erde der Ahnen» auf dem Sampler «Codreanu – Eine Erinnerung an den Kampf» vertreten. Denselben Song veröffentlichten sie auf einem weiteren Sampler «Prezent! – Compilatie de muzica nationalista», welcher über die rechtsextreme Organisation «Noua Dreaptä» («Neue Rechte») aus Rumänien vertrieben wurde. Darauf vertreten war unter anderen auch der deutsche Liedermacher Frank Rennicke.

Der deutsche Neonazi Christian Kapke, welche beim «Neofolk»-Magazin «Lichttaufe» mitarbeitet, sagt, «dass man bewusst versucht, politische Inhalte über Kunst zu transportieren, einfach weil es dadurch unscheinbarer oder entsprechend eingängiger erscheint» (vgl. Text von Thomas Naumann auf turnitdown.de). Die Aussagen von Christian Kapke verdeutlichen das eigentliche Ziel der rechtsextremen «Dark Wave»- und «Neofolk»-Bands: die Verbreitung neonazistischer Ideologie.

Kein brauner Ton in Yverdon!

Null Bock auf Nazi-Rock!

Antifa Bern

Quelle: Antifa Bern

Erneut rechte Neofolk/Industrial Veranstaltung in Rosenheim

Am kommenden Samstag (22.10) findet in Rosenheim erneut eine rechte Industrial/Neofolk Veranstaltung statt. Auf dem sogenannten Neofolk.Industrial.Event im Club Blackout tritt neben der Band „Graumahd“ der Österreicher Albin Julius als DJ auf. Albin ist Frontmann einer Band Namens „Der Blutharsch“, welcher der Nordreinwestfälischen Verfassungsschutz in der Broschüre „Musik, Mode-Markenzeichen“ Affinitäten zum Rechtsextremismus attestiert.
Neben Gehard Petak („Allerseelen“) gilt Albin Julius („Der Blutharsch“) als Vordenker der Wiener „Neofolk“-Szene. Diese ist geprägt ist von einem vorsätzlichen, provokativen und lustvollen Kokettieren mit faschistoiden Symbolen und Texten. Man versucht man, eine elitär antidemokratische Ästhetik und Ideologie zu pflegen, ohne sich dabei jemals in den banal-politischen Neonazismus herabzulassen. Die Veröffentlichung von „Der Blutharsch“ scheinen oft das Dritte Reich und Krieg allgemein zu verherrlichen. Dazu tragen optische Mittel bei: Es werden die Sig-Rune (bekannt als das S der SS im Dritten Reich) und das Eiserne Kreuz bedenkenlos verwendet. Einen Höhepunkt an faschistischer Ästhetik erreichte „Der Blutharsch“ mit dem 1998 erschienen Live-Video „Gold gab ich für Eisen“. Geboten wurde unter anderem die „Finnish version of Lili Marleen named Lisa Pien to Europäische Freiwillige der Waffen SS an Mrsch der Sturmartillerie.“ (http://drugie.here.ru/derblut/main 12.03.2000). „Lili Marleen“ wurde 1915 von Hans Leip geschrieben, welcher später durch den fragwürdigen Hit des Dritten Reichs „Bomben auf England“ traurige Berühmtheit erreichen sollte. Weiterhin verwundert die Verehrung der „europäischen Freiwilligen der Waffen SS“, welche oft Gefangene in Straflagern waren und damit dem Tod entkamen. Wie weit hier also von überzeugten Nazis geredet werden kann oder von stolzen Soldaten und Freiwilligen mag also im Raume stehen bleiben. Wilhelm Herich (von der Gruppe „Genocide Organ“), neben Albin zweiter Sänger auf dieser Tour, beendet den Mitschnitt mit den Worten „free Pinochet, Freiheit für Pinochet!“. Hier wird Solidarität mit dem grausamen Ex-Diktator von Chile gezeigt, welcher vielen Nazigrößen nach dem Untergang des Dritten Reichs Unterschlupf gewährte. Weiterhin wurde er dafür bekannt, dass er viele seiner politischen Gegner in einem Sportstadion foltern und töten ließ. Weiterhin wird in dem Video eine Flasche mit einem Hakenkreuz-Etikett in die Kamera gehalten1.
Auch „Graumahd“ gehören in das Umfeld dieser Wiener „Neofolk“-Szene. Mit dem Gitarrist Jörg B. gibt es sogar personelle Überschneidungen mit „Der Blutharrsch“. Desweiteren beteiligte sich „Graumahd“ an einer rechten Compilation mit dem Titel „Wir rufen deine Wölfe“. Diese ist dem Begründer des „Neuen Nationalismus“ und Kämpfer gegen die Weimarer Republik Friedrich Hielscher gewidmet.2
Dies ist bereits die zweite Veranstaltung mit „rechten Künstlern“ in der Discothek Blackout. Am Sa 16.04.05 trat in diesem Rosenheimer Club bereits „Allerseelen“ auf. Diese Band und ihr Frontmann Gerhard Petak sind führende Protagonisten, die das Musikgenre Dark Wave nutzen um ihre rechtsextreme Ideologie zu transportieren.
Der AK Antifaschismus fordert das Blackout auf, diese Veranstaltung abzusagen und zukünftig seine Räumlichkeiten nicht mehr für rechte Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. An alle demokratischen Kräfte appelliert Michael Kurz, ein Sprecher des Bündnisses, sich eindeutig zu positionieren und gegen jede Form von rechten Aktivitäten aktiv zu werden. „Währet den Anfängen“ so Kurz wörtlich.

Quelle: AK Antifaschismus Rosenheim

  1. Die Informationen sind der Internetseite http://www.turnitdown.de/208.html entnommen, dort gibt es weitere umfangreichere Informationen zu „Der Blurharrsch“ [zurück]
  2. Die CD wurde im übrigen auf dem Label „Aorta“ von Petak (Allerseelen) veröffentlicht, die LP-Fassung auf „Ahnstern“, einem Sublabel von „Steinklang Records“ (Österreich). Auch das Steinklanglable wird am 22.10 mit einem Verkaufsstand im Blackout anwesend sein. [zurück]