Archiv für März 2005

Offener Brief gegen rechtes Darkwave-Konzert

Für den 16. April 2005 hatte die Rosenheimer Discothek Blackout ein Konzert der rechten Darkwave-Band Allerseelen angekündigt. AntifaschistInnen aus Rosenheim wanten sich in einem offenen Brief an das Blackout und die Öffentlichkeit, in dem sie über die Aktivitäten und den extrem rechten Hintergrund der österreichischen Band informierten. Wir dokumentieren im Folgenden den Offenen Brief:

Infogruppe Rosenheim,
Oberaustr. 2 , 83026 Rosenheim
infogruppe-rosenheim@web.de
www.infogrupperosenheim.tk

Offener Brief

An das
Blackout
Am Rossacker 7, 83022 Rosenheim
info@club-blackout.de
Tel.: 08031/380328

Nachrichtlich an:
+ Regionale Presse
+ Lokale Parteien, Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen

Rosenheim, 14.03.05

Betr.: Rechtsextremes Konzert im Rosenheimer Club „Blackout“?

Laut Ankündigung auf Ihrer Homepage soll am 16. April 2005 in Ihrem Club „Blackout“ in Rosenheim ein Konzert mit der österreichischen Dark-Wave-Band „Allerseelen“ stattfinden. Da wir davon ausgehen, dass das blackout kein Interesse daran hat Faschisten eine Plattform zu bieten, wollen wir Sie, mit diesem offenen Brief, über den rechtsextremen Charakter dieser Band informieren und Sie gleichzeitig dazu auffordern, dieses Konzert abzusagen.

Die Band Allerseelen wurde 1989 von dem Wiener Gerhard Petak, alias Kadmon, der aktuell – nach eigenen Angaben – im Raum Berchtesgaden wohnt, gegründet und seitdem maßgeblich geprägt. Nach Einschätzung von Alfred Schobert, Mitarbeiter des „Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung“, gehen die „Pioniertaten (Petaks; Anm. Infogruppe) über die Rehabilitierung faschistischer Symbolik hinaus. Er rehabilitiert komplette nazistische Ideolgiebestände.“ So vertonte Petak beispielsweise auf der CD „Gotos-Kalanda“ einen Gedichtzyklus des Karl Maria Willigut, der bis 1938 maßgebliches Mitglied des SS-Ahnenerbes war und der den SS-Totenkopfring entworfen hatte. Willigut wird entkontextualisiert – die SS als verbrecherische Organisation erscheint bei Petak nicht – als bewundernswerter „Geschichtsforscher“ und Runendichter dargestellt. Weitere von Petak angepriesene „Persönlichkeiten“ sind Leni Riefenstahl, Ernst Jünger, Otto Rahn, ebenfalls Mitglied im SS-Ahnenerbe, und der rumänische Faschist Corneliu Z. Codreanu, der in den 1920er und 1930er Jahren Mitbegründer und Führer der extrem antisemitischen Eisernen Garden war. In Lieder von Allerseelen baut Petak auch Gesänge und Märsche der Eisernen Garde bzw. eine Rede Codreanus ein.

Die Band veröffentlichte bis dato mehrere CDs, sog. Split-Singles und beteiligte sich an diversen Samplern, die der Hommage an verschiedene „Persönlichkeiten“ dienen sollten. Genannt seien hier Sampler zum Gedenken an Leni Riefenstahl, der vom rechtsextremen, (vom Verfassungsschutz beobachteten) VAWS-Verlag produziert wurde, an Ernst Jünger oder an den italienischen faschistischen Theoretikers Julius Evola. Eine Rezension dessen Buches „Den Tiger reiten“ von Gerhard Petak in der rechtextremen Berliner Wochenzeitung „Junge Freiheit“ ist als nichts anderes als eine Ehrerbietung an den Autor Evola zu werten. Dieser Evola empfahl im Jahr 1928: „Wir machen Schluss mit jeder Schwäche, mit jeder Nachsicht gegenüber allem, was von der semitisch-christlichen Wurzel herkommt. Anti-Europa, Anti-Semitismus, Anti-Christianismus, das ist unsere Losung.“

Gemeinsam mit der amerikanischen Formation „Blood Axis“ um den Rechtsextremisten Michael Moynihan veröffentlichte Allerseelen im Jahr 1998 die Split-Single „Käferlied/ The March of Brian Boru“. Dieser Moynihan berichtete in einem Interview mit dem Magazin „No longer a Fanzine“: „Einerseits denke ich, dass die Zahl 6 Millionen nur zufällig und ungenau und wahrscheinlich eine grobe Übertreibung ist. Ich habe revisionistische Bücher gelesen, die gut gegen den Holocaust- ‚Kanon’ argumentieren, und selbst die jüdischen Historiker verändern fortlaufend ihre Ansprüche. Doch mein Hauptproblem bezüglich der Revisionisten ist, dass sie von der Annahme ausgehen, das Töten Millionen unschuldiger Menschen sei als solches ‚böse’. Mehr und mehr neige ich zur entgegengesetzten Schlussfolgerung. Ich geriete nicht aus der Fassung, wenn ich herausfände, dass die Nazis jede ihnen zugeschriebene Grausamkeit begangenen hätten – ich zöge es vor, wenn es wahr wäre“.

Kritik an seiner Ideologie, die er mit seiner Musik transportiert, vergleicht Gerhard Petak alias Kadmon mit der Judenverfolgung im Dritten Reich. So formulierte er in einem Szene-Magazin: „Offenbar braucht jede Kultur ein Hexenmal, einen Judenstern. (…) Heute ist der Faschismusvorwurf gegen die industrielle Musik und Dark Wave ein Judenstern. (…) Die Judensterne sehen heute anders aus, es sind ariosophische völkische Zeichen, Runen, Thorshammer, Kruckenkreuz, Hakenkreuz.“ [Black 14/1998]

Zusätzlich neben der Band Allerseelen nutzte Gerhard Petak die Zeitschrift „Aorta“, die er später in „Ahnstern“ umbenannte als Möglichkeit, um seine Ideologie zu verbreiten. In den beiden Publikationen findet sich ein obskurer Mix aus Heidentum, Nazi-Esoterik und völkischem Denken. Neben Huldigungen an die bereits genannten Julius Evola und Corneliu Z. Codreanu, veröffentlichte Petak hier u.a. Artikel über sog. Flugscheiben, die als „geheime Wunderwaffen“ der Nazis verklärt werden. Nach gerade in rechtsextremen Kreisen weit verbreiteten Theorien seien diese Flugscheiben u.a. in Neuschwabenland, einem Gebiet in der Antarktis, das in den Jahren 1938 und 39 Ziel einer SS-Expedition gewesen ist, stationiert worden. Eine „Rest-SS“ hätte sich bis 1955 in Neuschwabenland aufgehalten. „Neuschwabenland“ ist im Übrigen auch der Titel einer Allerseelen-CD. Gerade die Tatsache, dass der vermeintliche Konstrukteur dieser Nazi-Flugscheiben mit dem mittlerweile verstorbenen Andreas Epp ein Rosenheimer gewesen soll [siehe u.a. Oberbayerisches Volksblatt vom 22.12.2004, S. 12], erscheint das Konzert von Allerseelen bzw. von Gerhard Petak samt seines Faibles für Neuschwabenland und Flugscheiben in Rosenheim in einem ganz besonderen Licht.

In der Publikation „Musik-Mode-Markenzeichen“ des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes wird Gerhard Petak mit seiner Band Allerseelen selbst erwähnt. Petak, außerdem Autor in diversen rechtsextremen Theorieorganen, wie „Staatsbriefe“, „Opposition“ und „Junge Freiheit“, wird eine „Affinität zum Rechtsextremismus“ attestiert. Weiter heißt es hier, dass „Allerseelen“ einer der Bands dieses Musikgenres sei, die seit Anfang der 1990er Jahre „NS-Symbolik aufgegriffen und positive Bezüge zu Leitfiguren des Rechtsextremismus hergestellt“ habe.

Die Band Allerseelen um ihren Kopf Gerhard Petak ist einer der führenden Protagonisten, die das Musikgenre Dark Wave nutzen um ihre rechtsextreme Ideologie zu transportieren. Seit Anfang der 1990er Jahre ist in der Dark-Wave-Szene, aber auch in anderen Subkulturen, zu beobachten, dass neu-rechte Akteure bemüht sind, ihre rechtsextreme Ideologie zu verbreiten. Ansatzpunkte in der „schwarze Szene“ sehen diese durch angeblichen Mystizismus, Irrationalismus sprich Heidentum und Esoterik, Anti-Modernes-Denken, das sich in positiven Bezügen auf Mittelalter und Romantik äußert, und letztendlich durch ein in der Szene weit verbreitetes elitäres, antiegalitäres Selbstverständnis. Auch in diversen Verfassungsschutzberichten der letzten Jahre wurde auf diese Ausbreitungsversuche in der Dark-Wave-Szene mit Besorgnis hingewiesen. So heißt es beispielsweise im Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen aus dem Jahre 2003, dass „der Versuch, Musik mit rechtsextremistischen Inhalten oder mit einem solchen Hintergrund in einer Subkultur zu verankern, nur in solchen Bereichen Erfolg versprechend (sei), wo Anknüpfungspunkte und Schnittmengen mit rechtsextremistischem Gedankengut und Symbolen feststellbar sei. Die Jugendszenen des Black Metal und des Dark Wave können Anknüpfungspunkte und Schnittmengen mit rechtsextremistischem Gedankengut bieten.“ [VS-Bericht NRW 2003, S. 40]

Vor dem Hintergrund dieser hier gelieferten Informationen über die Band Allerseelen fordern wir Sie – die Betreiber – des Club „Blackout“ auf, das Konzert mit Allerseelen abzusagen. Vorbild können hier die Vermieter – das Hotel Hilton – eines Veranstaltungsortes in der Bremer Innenstadt sein, die ein Konzert mit den Bands Allerseelen und Belborn aus Rosenheim kurzfristig, nachdem sie über den Charakter dieses „Events“ informiert worden sind, abgesagt haben.

Mit freundlichen Grüßen

i.A, Michael Kurz

AK Antifaschismus Rosenheim
GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) Jugendvertretung
Grüne Jugend Rosenheim (www.gruene-jugend-rosenheim.de)
Infogruppe Rosenheim (www.infogrupperosenheim.tk)
Trümmernacht (www.truemmernacht.com)

Quelle: a.i.d.a.