Archiv für Juni 2003

Der unaufhaltsame Weg von Schloß Freudenstein vom Punktreff zur schwarzbraunen Ordensburg?

[a.he.] Am 18. April fand im ehemaligen Freiberger Punkklub „Schloß“ ein Konzert mit dem Titel „Pagan Folk Festival“ statt. Den meisten LeserInnen dürfte dies rätselhaft sein, einzig Anhängern der Dark Wave Szene sollte der Begriff nicht neu erscheinen. Angetreten den Abend zu gestalten waren die Bands „Soul Cripple“, „Axon Neuron-Vagwa/Aurum Nostrum“, „Hekate“ unterstützt von einem DJ. Dass diese Veranstaltung in unserem Blatt Erwähnung findet, liegt aber weder in der Wahl des Veranstaltungsortes, noch in der Exklusivität der Bandnamen. Nein, hier soll vielmehr der politische Charakter sowohl der Bands als auch des Veranstalters beleuchtet werden, der in Teilen ein sehr rechter ist. So sind zumindest die Bands „Hekate“ und „Aurum Nostrum“ als einschlägig rechts im Dark Wave Bereich bekannt.

„Aurum Nostrum“ spielte unter anderem beim Flammenzauber-Festival, das unter anderem von Christian Kapke organisiert wurde, der sich in der Vergangenheit sowohl bei der „Jungen Landsmannschaft Ostpreußen“ als auch bei der extrem rechten Band „Eichenlaub“ engagierte. Unter anderem spielten sie auch Konzerte mit der Creme de la Creme der rechten Dark Wave Szene wie „Kirlian Camera“, „Les Joyaux de la Princesse“ und „Death In June“ für deren Konzerte nicht nur Blätter der Schwarzen Szene, sondern auch Neonazigruppen wie die „Freie Nationale Jugend Celle“ werben. Auch die Band „Hekate“ bewegt sich in der rechten Dark Wave Szene wie ein Fisch im Wasser. Sie tourten unter anderem mit den einschlägig bekannten Bands „Sol Invictus“ und „Dies Natalis“ und das Bandmitglied Arne Thau ist unter anderem Autor der völkisch- heidnischen Zeitschrift „Arcana Europa“.

Diese Konstellation ist jedoch kein Zufall oder Unwissen des Veranstalters. Im Gegenteil, Ronny Scheiding, der Organisator des Konzerts und Besitzer des „Yggdrasil“ Ladens in der Freiberger Kirchgasse ist selbst Protagonist der rechten Dark Wave Szene. Scheiding ist unter anderem Mitbegründer des LAS e. V. im Oktober 1995. Laut Satzung war der „Zweck des Vereins (…) die Pflege und Förderung von Kunst und Kultur, insbesondere der populären Musik und der Jugendkultur“. Dieser wurde „verwirklicht durch die Herausgabe der Zeitschrift „Sigill“ (…)“. Aus dem Dark-Wave –Fanzine „Sigill“ entwickelte sich im Laufe seines siebenjährigen Bestehens ein kultur-politisches Magazin der „Neuen Rechten“. Spätestens aber das Nachfolgemagazin „Zinnober“ gehört ins Lager der extremen Rechten. Das Magazin war geprägt von antimodernistischer Kulturkritik, basierend auf den Idealen der präfaschistischen Ideologieträger Julius Evola und Ernst Jünger. So bekam das Blatt, wenig verwunderlich, viel Applaus von der extremen Rechten. Nicht nur die faschistoide „Junge Freiheit“ lobte den „Nonkonformismus“ des Blattes, auch das NPD-Parteiblatt „Deutsche Stimme“ befand die antimodernen, antiliberalen und völkischen Positionen des Blattes für positiv. Ähnlich deren Jugendorganisation die „Jungen Nationaldemokraten“, die mehrmals Anzeigen für das Magazin aus Dresden schaltete und selbst neonazistische Skinhead-Fanzins wie das „Foier Frei“ aus Chemnitz beurteilten „Sigill“ als empfehlenswert.

Scheiding ist aber noch auf anderen Feldern aktiv wie zum Beispiel als DJ unter dem Pseudonym „September GK“. Dieses Pseudonym wurde auch im Layoutbereich benutzt unter anderem bei der Gestaltung von Büchern des rechten Arun-Verlages und des Versandkataloges des Freiberger Yggdrasil Ladens. Der Yggdrasil ist unter anderem Organisator des „Heidnischen Dorfes“ beim Wave-Gothic-Treffen 2000 gewesen. Laut eigenem Bekunden bei einem Sol-Invictus-Konzert in Berlin waren Personen aus dem Umfeld des Ladens an der Herstellung der Schwarze-Sonne-Box beteiligt. Die Box beinhaltet ein T-Shirt mit eingestickter Schwarzer Sonne und ein Foto von dem Marmormosaik im „Gruppenführersaal“ der ehemaligen SSOrdensburg Wewelsburg.Dies ist jedoch nur ein kleiner Einblick in die Aktivitäten von Ronny Scheiding im Umfeld von „Sigill“ und der rechten Dark Wave Szene. Auch über die Bands, die am 18. April ein einschlägiges Publikum im Schlossklub beglückten, ließe sich einiges mehr schreiben, was hier jedoch den Rahmen sprengen würde. Dem interessierten Leser sei für die weiterführende Lektüre das Buch von Andreas Speit (Hg.) „Ästhestische Mobilmachung“ empfohlen.

Den Sponsoren vom Freiberger Brauhaus und Stadtfernsehen sei gesagt, dass man in einer Region, die über einen Mangel an Neonazis nicht klagen kann, nicht auch noch rechte Konzerte subventionieren sollte. Das Geld ist bei alternativen Jugendprojekten wesentlich sinnvoller aufgehoben. Den Gönnern und Fürsprechern des „Yggdrasil“ von „Freie Presse“ und Stadtverwaltung sei empfohlen, doch besser zweimal hinzuschauen, wen sie sich ins Haus bzw. Schloß holen. Ein weiteres Problem mit Rechten, nur diesmal eben aus einer anderen Ecke, stünde dem „weltoffenen“ Freiberg gar nicht gut zu Gesicht.

Quelle: FreibÄrger