Archiv für März 2001

Konzert mit rechtsextremen Bands in Thüringen

Mitteilung des Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin anlässlich eines Konzerts der Bands Der Blutharsch, Deutsch Nepal und Anenzephalia am 24.März 2001 im Raum Jena.

Die österreichische Gruppe Der Blutharsch ist seit Jahren als einer der wichtigsten Vertreter des rechtsextremen Darkwave-Spektrums bekannt. Als Bandlogo dient die nach §86(a) strafbare Sig-Rune. Durch gemeinsame Konzerte mit gleichgesinnten Gruppen wie etwa Death in June 1998 und 1999 in Thüringen wurde die Gruppe innerhalb der rechtsextremen Szene sehr bekannt. Kultstatus bekam sie u.a. wegen ihrer positiven Bezüge auf den Nationalsozialismus, einer offen faschistischen Bühnenshow, kriegsverherrlichenden Texten und ihrem martialischen Auftreten.

Die deutsche Band Anenzephalia ist ein Seitenprojekt der extrem rechten Gruppe Genocide Organ (GO). Deren musikalischen und ideologischen Intentionen bestehen in der Verherrlichung eines vermeintlichen Niederganges der Welt. Ein typisch rechtsextremes Konstrukt, welches sich nicht nur in der militaristischen Bühnenshow sondern auch in politischen Aussagen wiederspiegelt. So die Aussage des GO-Bandkopfes, daß man erst einmal die eigene Kultur schützen solle, anstatt für die anderer einzutreten. So stellte er in der amerikanischen Zeitschrift Descent, Nr.5 eine Verbindung zwischen Kriminalität, Schmutz, Arbeitslosigkeit und Ausländern her und führte dazu aus, daß man bald eine multikriminelle statt einer multikulturellen Gesellschaft hätte. In dem selben Interview wurde eines der Bandmitglieder als R.Freisler vorgestellt, eine Anspielung auf den früheren Präsidenten des nationalsozialistischen Volksgerichtshofes

Neben Der Blutharsch beteiligte sich auch Anenzephalia an dem Sampler Wenn alle Brüder schweigen, dessen Verpackung im dezenten braun gehalten ist. Der Titel spielt auf ein gleichnamiges Buch an, welches zu Beginn der 70er Jahre erschien und bis zur Gegenwart als Standardwerk für die heroisierende Darstellung (und damit den Versuch der Rehabilitierung) der Angehörigen der Waffen-SS dient. Dem Einleitungstext ist zu entnehmen, daß es möglich sein sollte, „aus der Gegenwart unbefangen und mit unvoreingenommener Interessiertheit in jenen Lebensabschnitt zurückzublicken, der bereits Geschichte ist“. Damit meinten die Herausgeber nichts anderes, als daß sie die Waffen-SS von ihren begangenen Verbrechen befreien. (Bundesverband d. Soldaten d. ehem. Waffen-SS e.V. (Hg.): Wenn alle Brüder schweigen. Großer Bildband über die Waffen-SS, 3.verb. Auflage, Osnabrück 1981, S.11 u. 34).

Die schwarze Szene ist seit mehreren Jahren einer Einflußnahme durch Rechtsextremisten ausgesetzt (vgl. Bundesamt für Verfassungschutz, Verfassungsschutzbericht 1999: Rechtsextremistische Einflussnahmeversuche im „Dark Wave“, S.84). Im Unterschied zur Nazi-Skinhead-Szene verstecken sich die rechtsextremen Aussagen im Darkwave-Bereich hinter Andeutungen und nebulösem Spektakel.

Die rechtsextremen Protagonisten sind europaweit vernetzt und sehen in der Durchdringung der Darkwave-Kultur eine Möglichkeit, ihre gesellschaftliche Randposition zu überwinden.

Ein für den 18.März 2001 in Paris anberaumtes Konzert wurde indessen abgesagt. Die UnterzeichnerInnen fordern alle, denen es mit der Zurückdrängung des Rechtsextremismus ernst ist, auf, das geplante Konzert zu verhindern. Wir richten uns dabei ausdrücklich an alle antifaschistischen Initiativen und Einzelpersonen, sowie an jene Menschen in den kommunalen Institutionen, die rechtsextreme Propaganda vor Ort nicht hinnehmen wollen (egal wie künstlerisch sie sich verkleidet).

[Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin e.V vom 23.März 2001]

Quelle: Turn it down