Kulturkampf und Kommerz

Rechte Tendenzen in der schwarzen Szene

Seit einigen Jahren wird über rechte Tendenzen in und Einflußnahme von rechts auf die »schwarze Szene« geschrieben und diskutiert. Dabei ist inzwischen klar, daß es sich nicht nur um eine Unterwanderung handelt, sondern es inhaltliche Gründe gibt, warum die sog. Neue Rechte gerade diese Szene agitiert.

Neben den thematischen Uberschneidungen der »allgemeinen« Dark-Wave Szene mit rechten Inhalten gibt es aber auch einen rechten Teil in dieser Szene mit Bands, Fanzines und Vertrieben. Die Anfänge davon liegen schon in den 80er Jahren. Der nachfolgende Artikel beschäftigt sich jedoch in erster Linie damit, daß sich mit rechten DarkWave Bands nicht nur Geld verdienen, sondern auch Ideologie an Jugendliche heranbringen läßt und wie dies von der Neuen Rechten praktiziert wird, sowie mit deren Strategie und Praxis der Einflußnahme. Der Text wurde von den Grufties gegen Rechts — Music for a new Society geschrieben, einer Gruppe von DJs und Gruftis, die sich gegen rechte Tendenzen in ihrer Szene wehren.

1. Von der Jungen Freiheit in die Szene: Der rechte Kulturkampf

„Nur die Spitze eines Eisberges ist sichtbar. Die Masse liegt im Verborgenen und lauert.“ (Inschrift auf der CD „Die Brut“ (1992) der Dark-Wave-Band GOETHES ERBEN) Die Neue Rechte begann Anfang der 90er Jahre über ein Thema nachzudenken, was den Neonazis scheinbar per se diamentral entgegenstand: Popmusik. Während klassische Rechte diese irgendwo zwischen „Negermusik“, „amerikanischer Massenkultur“, „Dekadenz“ und „Heimatlosigkeit“ verorteten, begannen andere zu begreifen, daß sie mit ihrer starren Ablehnung keinen Pfifferling mehr ernten würden. „Pardon, ich höre Popmusik“ überschrieb der Österreicher Jürgen Hatzenbichler (Mitglied der FPÖ) einen Artikel im Naziblatt Nation & Europa (3-4/91), in welchem er sich von „afrikanischen Strömungen“, „schnelle(n) Rythmen und auf Gestammel reduzierte(n) Texte(n)“ distanziert, um gleichzeitig zur Herausbildung einer rechten „Gegenkultur und Alternativkultur“ aufzurufen. Was bei ihm noch mit „Provokation“ untertitelt war, präsentierte Roland Bubik, Stipendiant der Konrad-Adenauer-Stiftung, im Herbst 1993 in der Jungen Freiheit unter dem Schlagwort: „Die Kultur als Machtfrage“. Angelehnt an den italienischen Kulturphilosophen und Klassiker der Anti-Moderne Julius Evola (1898 — 1974), den Umberto Eco als „faschistischen Guru“ beschrieb, sieht er in Teilen der Popmusik Anknüpfungspunkte für die von Evola postulierte „Revolte gegen die moderne Welt“ und kommt zu dem Ergebnis: „». . die Jugendkultur von heute bietet erfolgversprechende Ansätze hierfür. (…) Ein merkwürdiges Bewußtsein, in einer Phase des Niedergangs zu leben, ist virulent, vom »age of destruction« ist die Rede, die Parties der Techno-Szene gleichen makabren Toten feiern einer Epoche. Man (…) mißtraut der Erklärbarkeit der Welt, wendet sich sogar rückwärts, etwa in Form der verschiedenen Independent-Szenen.“ (JF 10/93)

Nachdem Bubik’s Träume von der Techno-Szene („Stahlgewitter als Freizeitspaß“) sich bald als Schäume entpuppten („seelische Vergewaltigung durch Beat-Computer und Masse“), mein­te er in der Neo-Folk- und Gothic-Szene Anknüpfungspunkte zu finden. Er nennt Bands wie Dead can Dance oder Qntal, deren „mittelalterliche“ Musik „eine andere Sprache als die der Moderne (sprechen)“ würde. In Wahrheit haben beide Bands nichts mit rechtem Gedan­kengut zu tun. Qntal gehören in den Kreis der der deutschen Dark-Wave-Bands (Deine Lakaien, Estampie, Das Ich), die sich wiederholt und vehement gegen den rechten Kulturkampf zu Wort gemeldet haben. Und sein Redaktionskollege Boßdorf (s.u.) mußte feststellen, daß Dead Can Dance längst nicht auf eine Rezeption mittelalterlicher Musik zu reduzieren sind und keine (musikalischen) Grenzen kennen. Anläßlich ihrer CD „Spiritchaser“ (4 AD/Rough Trade 1996) stellt er enttäuscht fest: „Man parodiert in gezierter Pose den Orient, (…) begleitet von nicht mehr an Langeweile zu übertrumpfenden Percussion-Einlagen der Marke Dschungel. (…) Wenn dies Weltmusik sein soll, ist die Welt nicht zu beneiden.“ (JF 29/96)

Doch es gab durchaus reale Anknüpfungspunkte in der Szene: Bubiks Lebensgefährtin Simone Satzger (alias Felicia), Sängerin der Gruft-Band Impressions of Winter, propagierte 1995 eine rechte Kulturinstrumentalisierung und empfahl, „sich aktuellen kulturellen und politischen Phänomenen zu öffnen, um sie für die eigenen Zwecke zu nutzen.“ Darüber hinaus existierten schon damals eine Reihe von Bands mit tatsächlich rechten Inhalten.

Die „Operation Dark Wave“ nahm in der Jungen Freiheit ihren Lauf. Über einen Nachwuchswettbewerb konnte eine mit Dark Wave vertraute Schreiberin gefunden werden, die freilich bald das Handtuch schmiß und schließlich vor dem rechten Kulturkampf warnte. Mit Peter Boßdorf, der auf eine lange Vergangenheit u.a. im Thule-Seminar und bei den Republikanern zurückblicken kann, konnte Mitte der 90er Jahre ein Junge Freiheit-Redakteur in der auflagenstärksten Zeitschrift der „Independent Szene“ plaziert werden. Die Zillo unter ihrem damaligen Herausgeber Rainer »Easy« Etfler war sich zudem nicht zu schade, wiederholt rechte Anzeigen abzudrucken, darunter auch der Jungen Freiheit. Die Liason Zillo/Junge Freiheit war aufgrund von Protesten aus der Szene selbst bekannt geworden: Das Hamburger Wave-Label Strange Ways (Vertrieb u.a. von Goethes Erben) und der Vertrieb Indigo machten den Skandal öffentlich.

II. Bei VAWS: Propaganda, Musik & Kommerz

„Es beherrscht unser Leben/es bringt kein Heil, ich schreibe ein paar Zeilen/das Wetter hier ist fein, doch drohnt es Tag und Nacht/durch Lautsprecher.“

(Siouxie & the Banshees 1979, Mittageisen (Metal Postcard), dem kommunistischen Montagekünstler John Heartfield gewidmet)

Im Zentrum antifaschistisch-gruftigen Interesses steht der Verlag & Agentur Werner Symanek (kurz: VAWS). Der vom Alt-Rechten Werner Symanek gegründete Vertrieb verbreitet eine dem DVU-Angebot durchaus ebenbürtige Palette rechtsextremer Videos: Darunter sind Machwerke wie „Auf den Spuren Ostpreußens«“ („Durch den Zerfall der UdSSR rückt Ostpreußen wieder in das Blickfeld deutscher Interessen. Ist eine Rückkehr Ostpreußens zu Deutschland möglich?), „Die Waffen-SS: Hitlers Elitetruppe“, „Erwin Rommel: Der Wüstenfuchs“ („Seine legendären Siege.. .machten Rommel zu einem der be kanntesten Kriegshelden.“) und Leni Riefenstahls Olympia-Filme (Video-Aktuell 2/94) zu finden. „Literatur Aktuell“ (März 1994) verbreitet u.a. Bücher über den „Hitler-Putsch“ und den darauffolgenden Prozeß („alle (!) stenographisch erfaßten Aussagen Hitlers unkommentiert… “), Rechtstips vom rechtsextremen Deutschen Rechtsbüro für „Mäxchen Treuherz, (den) wackere(n) Streiter für die ,Nationale Sache‘“, damit „es ihm gelingt, innerhalb der bestehenden Rechtsordnung trotzdem für seine Ideale wirken zu können“ („Mäxchen Treuherz und die juristischen Fußangeln“), und antisemitische Hetze. So schreibt VAWS über die biblische Königin Esther: „Es gibt kein anderes Volk auf der Welt, das den Mord an 75.000 Menschen zum Anlaß eines seiner höchsten Feiertage erwählt hat.“ Im VAWS-Report (Juli 1996) werden antisemitische, verschwörungstheoretische Bücher gegen „das Finanzkapital“ verbreitet (Rubrik: „Insiderwissen“), aber auch Bücher über Nazi-Architekten (Abert Speer) und „Aktfotographie in den 30er und 40er Jahren“. Manchmal kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier nicht nur Nazis, sondern auch Psychopathen am Werke sind: „Deutschland muß vernichtet werden“ lautet der Titel eines Buches, welches „die weltweit angelegten Pläne zur endgültigen und totalen Vernichtung Deutschlands“ enthüllen soll. „Eine in ihrer Quellenvielfalt bestechende Dokumentation über die real existierenden Strategien“.

Auch die seit 1969 erscheinenden Unabhängigen Nachrichten (UN) der neonazistischen Unabhängigen Freundeskreise (UFK) werden vom VAWS verbreitet. Der UN-Redakteur Johann Brandt ist ehemaliger SS-Offizier. Auch der vor zwei Monaten gestorbene UNRedakteur Friedhelm Kathagen war SS-Offizier und Herausgeber des SS-Traditionsblattes Leitheft. Über Artikel mit Titeln wie „Alliierter Massenmord am Deutschen Volk“ (UN 3/95) etwa zum 8. Mai ’45 braucht man sich also nicht zu wundern.

Doch der VAWS will nicht nur Alt-Nazis, Antisemiten und Esoteriker bedienen. Er übt sich auch im Kulturkampf: Neben Techno-CDs ( «Kicking‘ House Tunes«, »Ravermeister« usw.) vertreibt er die gesammelten Werke der rechten Wave-Band Forthcoming Fire inklusive der Gedichtbände ihres Sängers Josef W. Klumb (alias Jay Kay). 1996 erschien ein von Klumb zusammengestellter Doppel-CD-Sampler zu Ehren der rechten Kultfigur Leni Riefenstahl, der angeblich zum „Verkaufsschlager“ wurde und — oftmals sehr unkritische —Besprechungen in einer Vielzahl von Medien erfuhr. Nachdem u.a. die WaveZeitung New Life die VAWS-Anzeige abgelehnt hatte, erfand Symanek den Tarnnamen Heliocentric Distribution für den Vertrieb.

1998 erschien das dem Nazi-Bildhauer Josef Thorak gewidmete Nachfolgeprojekt, zu dem selbst die Junge Freiheit anmerkt: „Für soviel Rehabilitierung reicht tatsächlich eine biographische Skizze aus, die als eine Art Begleitbroschüre erhältlich ist.“ (JF 2/99). Die CDs sind ein „Who is who“ des rechten Bereichs der Gothic-Szene: Neben den schon erwähnten Forthcoming Fire mit ihren Nebenprojekten Von Thronstahl und Preussak sind dies u.a. Turbund Sturmwerk (Sachsen), die sich wie Waldteufel, Mjölnir Tonkunst (Dresden) und Feindflug (Chemnitz) direkt vom VAWS vertreiben lassen. Ebenfalls zählen die SA-Verehrer Death in June (England/Australien), Andromeda Complex (Italien) und The Protagonist (Schweden) dazu, die alle auf beiden Samplern vertreten sind.

Die „Riefenstahl-CD“ enthält außerdem Beiträge von Strength through Joy (»Kraft durch Freude«, Irland), Voxus Imp. (Dresden), Allerseelen (Wien), Swirling Swastikas („Wirbelnde Hakenkreuze“, Italien) u.a. Für den „Thorak-Sampler“ konnten zusätzlich Stalingrad (produziert von Angelo Bergamini / Kirlian Camera, Italien), Egoaedes (ein Projekt von Marco E. Thiel, dem Herausgeber des rechtsextremen „Fanzines“ Europakreuz mit Sitz in Berlin) sowie weitere Bands aus Italien, Spanien, Frankreich, Tschechien und Litauen gewonnen werden.

Immer wieder versucht der VAWS auch mit nicht-rechten Bands Geschäfte und Propaganda zu machen. Die Electro-Band PP? war beispielsweise auf dem Riefenstahl-Sampler mit dem unpassenden Titel „Vive La France“ (!) vertreten und distanzierte sich öffentlich, nachdem sie bemerkt hatten, in wessen Gesellschaft sie gelandet waren. Das japanische Duo Jack or Jive ist in großer Ahnungslosigkeit auf der Thorak-Compilation gelandet und zeigte sich über das politisch-musikalische Umfeld entsetzt (peinlicherweise gefiel dem JF-Rezensenten deren Beitrag am besten).

Derlei Methoden sind beim VAWS altbewährt: Bereits 1994 schaltete der Vertrieb Anzeigen in Musikmagazinen und vertrieb auch Platten populärer Bands wie Deine Lakaien. Neben der bestellten Ware erhielten Grufties dann Propagandamaterial der UFK. Das Lakaien-Label Gymnastic Records stoppte damals die Belieferung, nachdem Fans Alarm geschlagen hatten und legte sich mit dem VAWS an. Umso erschreckender, daß derlei Tricks immer wieder funktionieren. Im Sommer 1998 erschien bei VAWS der „Profile Bizarre Wandkalender 1999″, der Fotos von dreizehn nicht-rechten, aber umso prominenteren Independent-Bands enthält. Die Initiative Grufties gegen Rechts hat die Bands inzwischen über den VAWS aufgeklärt: Das Ergebnis war immer das gleiche. Eine unscheinbare Promo-Anfrage, wie sie täglich dutzendfach bei den Plattenfirmen eingehen. Über den VAWS wußte man nichts, und hinterher ist man entsetzt. Umso notwendiger ist hier Aufklärung und dagegen vorzugehen, um dem VAWS möglichst gründlich das Handwerk zu legen. Die Postfach-Adresse des VAWS ist in Duisburg.

Da ein Großteil der bisher erwähnten rechten Bands vergleichsweise bedeutungslos ist, soll im Folgenden nur auf die „Großen“ näher eingegangen werden.

III. Josef W. Klumb und seine Projekte Forthcoming Fire, Von Thronstahl, Preussak und Weissglut:

„Only buy British!“ — „NaziBastard!!!“ (Schuß)

(Sample zu Beginn von: Velvet Acid ChristFutile (Nazi-Bastard-Mix) 1996)

Seit Jahren verbreitet Josef W. Klumb in Interviews Verschwörungstheorien und deutschtümelndes Gefasel. Daß er in der Zeit, in der er für den VAWS arbeitete, Pakete für 12 D-Mark die Stunde packte, weil er gerade arbeitslos war und einen Job brauchte —wie er im „Rock Hard“-Interview 1/99 selbstmitleidig weismachen will — ist eine Lüge. So schrieb er das Vorwort zum ersten Band von „Deutschland muß vernichtet werden“ und verteilte auf der Frankfurter Buchmesse 1997 eine gegen die Wehrmachts-Ausstellung gerichtete Sonderausgabe der Unabhängigen Nachrichten. Noch im Sommer 1998 wurde er hinter dem Verkaufsstand des VAWS beim „Zillo-Festival“ gesehen.

Daß er die von ihm verpackten Bücher offensichtlich mit Interesse gelesen hat, läßt sich auch an seinen Äußerungen erkennen. In einem Interview mit der Zeitschrift Gothic (Nr. 23, Sommer 95) erklärte er auf die Frage, wer denn die „Illuminaten“ seien, von denen er auf dem zweiten Album singt:

„Es ist die Hochfinanz, es sind die Kräfte, welche hinter ihren Marionetten die Welt bewegen… Das Gesicht dieses kommenden Regimes drückt sich aus durch die UND, NATO, Weltbank, Zionismus…“. Immer wieder bezieht er sich auf den befreundeten Verschwörungstheoretiker JAN UDO HOLEY, der unter dem Pseudonym JAN VAN HELSING die antisemitischen Bände „Geheimgesellschaften 1 & II“ veröffentlichte. Der zweite Band wurde im Februar 1996 in der Schweiz wegen Verstoßes gegen das Anti-Rassismus-Gesetz beschlagnahmt. Als hätte er „Mäxchen Treuherz und die juristischen Fußangeln“ gründlichst studiert, folgt.auf jede eindeutig rechte Aussage eine scheinbar relativierende: „Ich wirke in Hinsicht auf eine Elite, und wenn ich in diesen Zeiten die Erhebung einer Elite fordere und herau [beschwöre, dann meine ich eine Elite des Herzens, eine Gefühis-, Gedanken- und Seelenelite, deren freies Selbstbewußtsein und Liebesfähigkeit jeglichen Rassismus einfach nur entbehrt.“ Derlei wirres Zeug mag verstehen wer will. Jay Kay ist das egal, denn „…wer uns im Reich der Lüfte aufgrund seiner Beschranktheiten nicht folgen kann, soll sich erst gar nicht die Mühe machen, uns zu verstehen.“ Um wenige Sätze später noch deutlicher zu werden: „Man muß ein für alle mal erkennen, daß, wenn ich für Deutschland rede, ich nicht für circa 50 Millionen geistige Totgeburten spreche, (…), sondern daß die ,Volksseele‘, die bis ins Heute hinein so brutal vergewaltigt wurde, daß ich für dieses Heiligtum (…) den Kern und das Zentrum des Begriffes Deutschland eben verteidigen werde.“ Klumb fügte immerhin drei Jahre vor MARTIN WALSER hinzu: „Ich gestatte mir einfach die Freiheit, mich hin und wieder einfach mal deutsch zu geben, weil ich ein-für allemal die Rolle des Sündenbocks ,richt länger mitzutragen gewillt bin.“ Für ihn ist es weder rechts, die rechte Propaganda der „Liquidierung von Rudolf Heß“ nachzubeten, noch in Hinblick auf die Feiern anläßlich der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus zu bemerken, daß der 8. Mai 1945 “ .. . trotz allem eine Eroberung, eine Unterwerfüng und eine Unterdrückung des Geistes (war), die bis heute anhält und mir sogar mein Bewußtsein noch streitig machen möchte«. Seiner Definition nach ist Faschimus (…), Nonstop-Fernsehen, MTV und alles, was auf Massen hin ausgerichtet ist.“ (Alle Zitate in diesem Abschnitt aus dem Gothic-Interview)

Mittlerweile ist Klumb auf dem besten Wege, selbst Teil des „MTV-Faschismus“ zu werden. Die Nachfolgeband von Forthcoming Fire mit dem bezeichnenden Namen Weissglut ist seit 1998 bei dem Sublabel Epic, Teil des »renommierten« Sony-Konzerns, unter Vertrag, die sich nicht scheuten, einen handfesten Neonazi unter Vertrag zu nehmen. So wird es eventuell nicht mehr lange dauern, bis im Zuge der „Neuen Deutschen Härte“ auch Weissglut über die Bildschirme flimmert.

Im Jahr 1996 begann sich nach dem Interview im Gothic auch die Junge Freiheit für Klumb zu interessieren und veröffentlichte ein ausführliches Interview von Roland Bubik. Wer da wen rechts überholt hat, sei im Nachhinein dahingestellt, bemerkt Jay Kay doch in einem aktuellen Interview in der Heavy-Zeitschrift Rock Hard (1/99), daß es eines Redakteurs der Jungen Freiheit bedurfte, um ihn von einem weiteren wirren Plan abzubringen: „Nachdem ich drei Jahre die Repressalien (der Antifa) ertragen mußte, war ich so genervt, das ich auf das Cover der letzten Forthcoming Fire-CD ,Verurteilt — gerichtet — lebendig verbrannt‘ ursprünglich ein Foto von den Nürnberger Prozessen packen wollte, in das die Köpfe der vier Bandmnitglieder hineinmontiert werden sollten.“

Seinem damaligen Label Hyperium & Hypnobeats platzte jedenfalls nach dem JF-Interview der Kragen: In einer öffentlichen Erklärung sagte man sich von der Band los und verweigerte eine Vertragsverlängerung.

Klumbs Vorliebe für Ausreden, die sein rechtes Weltbild vertuschen sollen, wird auch deutlich in einem Zillo-Interview (2/97): „Wie rechtsextrem kann ich sein, wenn mich aufgrund meines Interviews, das ich der ,Jungen Freiheit‘ gab, ehemalige NS-Widerstandskämpfer in ihren Briefen an mich bestätigen?“ fragt er und fügt an: „Ich habe mich mit einem Überlebenden der „Weißen Rose“ (demokratische Widerstandsgruppe im Nationalsozialmus, Anm. d. A.) getroffen…“. Daß es sich bei dem Überlebenden um den stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Republikaner, Hans Hirzel handelte, verschweigt er. Inzwischen darf man Josef W. Klumb wohl auch juristisch abgesegnet einen „Nazi“ nennen: Nachdem ihn das Landgericht Hamburg mit entsprechenden Dokumenten konfrontierte, nahm Klumb am 17. Dezember ’98 seinen Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung gegen den Spiegel zurück, der ihn in einem Artikel (44/98) als Neonazi präsentierte. Nach Informationen des AIB hat Josef W. Klumb inzwischen das Lied „Sonnenritter“ mit den Mördern der Black-Metal-Band Absurd aufgenommen.

Das macht es auch für das Epic-Label schwer, die Band zu halten und so darf man gespannt sein, wie lange diese Liason noch währt. Bisher versuchte Epic, die rechtsextremen Verstrickungen Josef W. Klumb zu verschleiern, und auch große Teile der Musikpresse taten sich durch unkritisch-solidarische Berichterstattung hervor. Aber es tut sich etwas: Die Veranstalter eines für den 15. Dezember ’98 geplanten Auftritts von Weissglut in Nürnberg sagten das Konzert ab, nachdem sie über die Hintergründe informiert wurden.

IV. NO MORE BLOOD AND SOIL!

(Songtitel der britischen Gothic-Band Positive Noise)

Letztlich ist Aufklärung also der einzige Weg, den neurechten Strategen das Handwerk zu legen, und zwar solange und so nachdrücklich, bis sie die »Operation Dark Wave“ aufgeben.

Bis dahin ist es freilich noch ein weiter Weg, den wir auch weiterhin mit unseren FreundInnen aus der »schwarzen Szene» gehen werden. Die positiven Reaktionen, die die Grufties gegen rechts seit der Verötfenthichung der Broschüre ,,Die Geister, die ich rief… »(im Mai 1998) von Gothics aus dem gesamten Bundesgebiet bekommen haben, stimmen jedenfalls optimistisch. Inzwischen gibt es Grufties gegen rechts-Gruppen in Bremen, Berlin und Rostock. Neben den unerrnüdlich in unserem Sinne engagierten Deine Lakaien, Das Ich, Estample, Goethes Erben und ihren Labels haben inzwischen auch die vom VAWS getäuschten Einstürzenden Neubauten unseren Aufruf unterschrieben. Auch sie waren versehentlich auf dem »Profile Bizarre“-Kalender gelandet. In diesem Zusammenhang liegen uns Distanzierungen u.a. von Lacrimosa, Subway to Sally und dem Fan-Club der Krupps vor. Die Bands Lichtmaschine, Steril, Endzeit, Korbak und Exedra spielten Soli-Konzerte für uns.

Und auch die Zillo unter ihrem neuen Chefredakteur Joe Asmodo will vom rechten Image weg. Anläßlich einer in Bremen stattfindenen Soliparty schickte uns Joe Asmodo ein Fax mit folgendem Text: „Liebe Leute von ‚Grufties gegen rechts‘ (…) Wir begrüßen es sehr, daß es in der Wave- und Gothicszene ein Bewußtsein und Handlungspotential gegen Unterwanderungstendenzen von Rechts zu entwickeln beginnen. Eure Veranstaltung (…) betrachten wir als Teil dieses Prozesses, den es zu unterstützen gilt. Wir werden Eure Veranstaltung (…) entsprechend ankündigen. Darüber hinaus bieten wir Euch an, diese Veranstaltung kostenlos mit einer 1/4 Seite Anzeige (…) zu bewerben. Betrachtet diese Geste bitte als eindeutige Stellungnahme der Firma Zillo MusicMedia GmbH gegen Rassenhaß, Ausländerfeindlichkeit und Rechtsradikalismus aller Art.“

Sollte es doch noch gelingen, den braunen Vormarsch in der schwarzen Szene zu stoppen? Vorsichtiger Optimismus ist angebracht, auch wenn die hier genannten Bands nur die Spitze des braunen Eisbergs sind.

Ausgewählte Lesetips:

Zum rechten Kulturkampf:

Alfred Schubert: ,,Geheimnis und Gemeinschaft

— Die Dark-Wave-Szene als Operationsgebiet ,,neurechter“ Kulturstrategie‘~ (DISS Internet Bibliothek, hier auch weitere lesenswerte Texte von A. Schobert zum Thema)

Zum VAWS, W. Symanek und J. Klumb:

Alfred Schubert: ,,Rechter ,Kulturkampf‘: VAWS in Mühlheim (in: Antifaschistische NRW-Zeitung 17, Sommer 1998)

In die diffuse Gedankenwelt des Josef Klumb:

Gothic Nr. 23 (Sommer 1995): „Forthcoming Fire — Flammen und lrrlichter“ (Aufgrund der ,,radikalen und totalitären Züge“ Klumbs hatte die Redaktion damals Zweifel, „ob der Beitrag veröffentlicht werden sollte“, wie im Vorwort zu lesen ist.)

Jungle World Nr.3 (Jan.) 1999: ,,Rechtsrock läßt den Rubel rollen“ (über Weissglut)

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Nr.48/1999 des Antifaschistischen Info-Blatts