Archiv für April 1996

The dark side of the music

Jenseits von „Böhse Onkelz“ und „Screwdriver“:

Über (neo-)faschistische Tendenzen in der Independent-Musik

Jean Cremet in analyse & kritik (389, 04/1996, Seite 11)


Do you want/Total war
Turn man into/Beast once more
Do you want/To rise and kill
To show the world/An iron will

(Non/Boyd Rice; In the shadow of the sword)


Schönheit gibt es nur im Kampf.

(Walter Ulbricht)

Einen „eigenen Stil und Sprachkodex“ habe sich die „Darkwave“ oder „Gothic“ Scene oder wie immer mensch sie auch nennen mag geschaffen, schreibt einer, der es wissen muß, in der deutschen Ausgabe des „Rolling Stone“. Der Autor Ecki Stieg ist Moderator der Sendung „Grenzwellen“ beim niedersächsischen Privatsender ffn, wo er jeden Sonntag Töne aus den Bereichen ElectronicMusic, Industrial, AmbientDub, intelligent Techno, Darkwave und anderen Sparten der früher einfach „Independent“ genannten zerfaserten Musikszene präsentiert, die zwischen den Werbeblöcken sonst keinen Platz findet. Ästhetisch ungewöhnliche Musik mit AvantgardeAnspruch wird eben noch immer als Randgruppenphänomen betrachtet, obwohl die verschiedenen Spielarten längst über ihre eigenen Labels, Vertriebe und Zeitschriften verfügen. Besonders letztere haben dabei inzwischen den Status eines Fanszines hinter sich gelassen und erscheinen wie das Darkwave/GothicMagazin „Zillo“ in farbiger Hochglanzaufmachung.

Der arme, altlinke 68er schüttelt ob solch organisierter Verwirrung irritiert den Kopf. Er ist bei den Rolling Stones, der ewigen Kiffermusik der Gratefull Dead oder beim GrungeGroßvater Neil Young, wenn er besonders pc ist, auch bei Ton, Steine, Scherben stehengeblieben. Aber deshalb gibt es ja die berufsmäßigen Erklärer wie Ecki Stieg. So weiß er zum Bereich Darkwave: „Vor allen Dingen ist das Mittelalter ein beliebtes Sujet… Eine Mischung aus Realitätsflucht, das Liebäugeln mit modischen Accessoires dieser Zeit sowie immer wiederkehrende Themen wie die Endzeitstimmung des Mittelalters… sind bezeichnend für den Stil vieler Bands.“ Und er ergänzt diese Einschätzung: „Die beherrschenden Themen sind Esoterik, Umweltzerstörung, aber auch exotische Religionen und ‚bewußtseinserweiternde‘ Kulte. Die Parallelen zur HippieGeneration der 60er Jahre sind unübersehbar; in dieses Bild paßt auch die lammfromme Gewaltfreiheit der ’schwarzen Szene‘.“

So genau scheint der Experte seine Szene wohl doch nicht zu kennen. Ein Beispiel gefällig? Im Titelsong der CD „Kshatriya“ der italienischen Band „Ain Soph“ heißt es: „Die Treue ist stärker als Feuer/Sich erheben, auferstehen/Eine Form und eine Ordnung schaffen/Aufrecht durch die Ruinen/Den schwersten Weg auswählen/Unseren Mut in Metall gießen/Endlich wiedergeboren durch das Blut/Stark durch unsere Ehre/Kshatriya“ Kshatriya ist der Priesterkrieger, der seit Julius Evola als Vorbild für die Leitfigur des „politischen Soldaten“ der Nationalrevolutionäre dient. Auf dessen Buch „Menschen inmitten von Ruinen“, seit der Erstveröffentlichung 1953 ein Leitfaden zuerst für die italienischen Nationalrevolutionäre, später auch für deren Gesinnungsgenossen in ganz Europa, bezieht sich offenbar die Textzeile „Aufrecht durch die Ruinen“.

Evola ist es auch, der auf der CD „Aurora“ der gleichen Gruppe abgebildet ist, während auf dem Cover die Abbildung eines antiken nackten Kriegers, gestaltet durch den NaziBildhauer Arno Breker, prangt. Einer der Musiker nennt sich von Sebottendorf wie der esoterische Aktivist der Münchener ThuleGesellschaft. Um das Maß der eindeutigen Bezüge voll zu machen, ist auf der Rückseite des Booklets zur CD ein Gedicht des Franzosen Pierre Drieu La Rochelle aus seinem 1917 erschienenen Lyrikband „Interrogation“ abgedruckt. Drieu brachte mit diesem Buch und dem 1920 erschienenen Folgeband „Fond de cantine“ die Gefühle der Frontgeneration des Ersten Weltkrieges zum Ausdruck und wurde damit in Frankreich zum Kultautor, vergleichbar nur mit der Rolle Ernst Jüngers in Deutschland. Der Krieg ist bei Drieu die Initiation des Mannes in das Leben. Drieus Dauerthema war die Virilität. Der Mann hatte sich als Mann zu beweisen: als Eroberer der Frauen und als Krieger. Nicht die hippiehafte, lammfromme Gewaltlosigkeit, wie Ecki Stieg vermutet, ist das Ideal dieses Teils der „schwarzen Szene“, sondern das der gelebten Mannhaftigkeit.

Dieser ideologische Anspruch muß natürlich auch musikalisch umgesetzt werden. In „Kshatriya“ sind es im Titelstück perkussiv gespielte Pianopassagen, die in eine elektronische Lärmorgie überführt werden, die wiederum den im Vordergrund stehenden Text nur untermalt, der im Sprechchor nach Art eines Gebetes oder eines Kampfschwures vorgetragen wird. Andere Stücke entsprechen durchaus der Vorstellungswelt Ecki Stiegs. Die Gegenwart verkörpert die Dekadenz, den Abstieg vom Besseren zum Schlechteren. Das Mittelalter dagegen ist auch ästhetisch ein Ideal. Ganze Passagen sind musikalisch reduziert, verzichten vollständig auf Elektronik und ziehen sich auf die mystische Innerlichkeit gregorianischen Chorgesangs zurück. Der Widerspruch ist nur ein scheinbarer. Die Ergänzung des kshatriya ist bei Evola und dessen spirituellen Vorbildern der brahmane, der der Welt entrückt nur der Transzendenz lebt. Seine spirituelle Verwurzelung wiederum ist unabdingbar für die Existenz des kshatriya.

Musikalisch und ideologisch nutzbar für die DarkwaveSzene in ihren verschiedenen Ausprägungen ist grundsätzlich jedes historische Vorbild, das gegen den philosophischen Materialismus gerichtet ist. So kann die Anlehnung an die Romantik, besonders deutlich bei der britischen Band „Sol Invictus“ um Tony Wakeford, durch Form, Instrumentierung und Aussage nicht erstaunen. Akustische Instrumente, auch im Rock eher ungewöhnliche wie Cello und Flöte, werden mit Elektronik gekoppelt. Häufig findet ein Rückgriff auf die Volksliedform statt.

Zu den inhaltlichen Selbstverständlichkeiten in diesen Kreisen gehört der Bezug auf Friedrich Nietzsche. So findet sich auf der Rückseite des Booklets der CD „Death of the West“ von „Sol Invictus“ ein Zitat aus „Also sprach Zarathustra“: „Der Staat ist das kälteste aller Monstren. Kaltblütig lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Mund: ‚Ich, der Staat, bin das Volk.‘“ „Also sprach Zarathustra“ war von allen Büchern Nietzsches wohl dasjenige, das am stärksten den Kult des Übermenschen propagierte und das fette, selbstzufriedene Bürgertum attackierte und der Verachtung preisgab. „Ich sage euch: man muß noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.“

Von Nietzsche bis zur Aussage des Oswald Spengler zitierenden Titelstückes „Death of the West“, die von Alain de Benoist stammen könnte, wenn er Lyriker wäre und nicht Essayist, ist es ein geradliniger Weg. „Sie machen den letzten Film/Sie sagen es ist der beste/Wir alle haben mitgeholfen ihn zu machen/Er heißt Der Untergang des Abendlandes./Die Kids von Fame werden da sein/Coca Cola gratis für euch/Und Eurodisney ist hier/nur für mich und für dich/…/Ein Stern ist am Nordhimmel aufgegangen/Und auf diesem Stern sind wir gekreuzigt worden/Sie winden goldene Ketten um diese Welt/Wir werden von denen regiert, die lügen/Der Untergang des Abendlandes.“ Kulturkritik paart sich mit dem obligatorischen „neu“rechten Angriff auf die USA und der Gegnerschaft zum Christentum sowie der Anknüpfung an die Väter der Konservativen Revolution.

Die Vorgehensweise von „Ain Soph“, „Sol Invictus“ und verwandten Bands wird von dem russischen Schriftsteller Eduard Limonov, Theoretiker des Nationalbolschewismus und dessen Verkörperung durch die Praxis, als Forderung für den gesamten Bereich der populären Musik erhoben. Seit dem Jazz sei die Geschichte der gesamten populären Musik eine des ständigen Abstiegs gewesen. Einen ersten Tiefpunkt dabei hätten die Hippies dargestellt. „Zum von der beat generation geerbten Infantilismus gesellte sich der feminine Stil… Mit ihrer Fransenfrisur junger Mädchen haben die Beatles die gesamte Welt überzogen und drückten damit mit der größtmöglichen Präzision die psychologische Struktur der neuen Generation der europäischen Jugend aus: Ohnmacht, Feminität, Egoismus und zügellose Gefühlsduselei.“ Pazifismus und sexuelle Promiskuität seien die Folgen gewesen.

Aber nach den Hippies gab es noch einmal Hoffnung: den Punk. „Der Johnny Rotten (Sänger der Sex Pistols, J.C.) dieser Periode war ein hervorragendes Exemplar eines wahrhaft männlichen Jugendlichen, verführerischer als alle Helden der Popmusik von Elvis über den Kastraten Bob Dylan bis zum bisexuellen ‚night club‘Stil eines David Bowie.“ Doch dieser Ausbruch kämpferischer Männlichkeit sei durch die Plattenindustrie schnell wieder integriert worden. Seitdem habe ein Prozeß der Entmaskulinisierung stattgefunden, dessen Höhepunkte Prince und Michael Jackson seien. Diese Entwicklung, so Limonow, sei nur konsequent, da sie den Verlust kämpferischer Männlichkeit in unserer gesamten Epoche widerspiegele.

Ein Pamphlet, das so auch von Michael Jenkins Moynihan hätte verfasst werden können, dem Kopf der Gruppe „Blood Axis“, die bereits vor ihrer ersten CD „The Gospel of Inhumanity“ durch ihre Beiträge zu dem Sampler „Im Blutfeuer“ in der „schwarzen Szene“ Kultstatus erlangt hatte. Das Booklet von „Im Blutfeuer“ zeigt Moynihan am Grabe des für den faschistischen Okkultismus zentralen Esoterikers und SSBrigadeführers beim „Ahnenerbe“ Karl Maria Willigut, der der Kontaktmann Julius Evolas zur SS war und als „Rasputin Himmlers“ bezeichnet wurde . Passend dazu die inhaltlichen Bezüge in dem mystisch verrauschten Beitrag der Gruppe unter dem Titel „The Storm Before the Calm. Part One“. Eingeblendet werden ein Redeauschnitt des Führers der faschistischen rumänischen Eisernen Garde, Corneliu Zelea Codreanu , einem der wenigen Politiker, denen Julius Evola Bewunderung entgegenbrachte, sowie eine Passage aus der Novelle „Auf den Marmorklippen“ des ebenfalls von Evola verehrten Ernst Jünger.

Mit Jünger und Codreanu werden zwei Personifizierungen der Virilität verknüpft mit einem Esoteriker, der geisteskrank endete. Die perfekte Ergänzung dazu bietet der zweite Beitrag von „Blood Axis“, eine Coverversion des Titels „Walked in Line“ von Joy Division, deren Kultstatus für den Bereich des DüsterRocks durch den Suizid ihres Sängers eher noch gesteigert worden war. „Walked in line“ erscheint hier strenger und kälter als im Orginal, bestimmt durch die Perkussion, die das Stück vorantreibt und ihm den Charakter eines Marsches verleiht. Der Opfergang von Codreanu bis zu seiner Ermordung und der Wandel Jüngers vom soldatischen Nationalismus zum Anarchen, die im folgenden Stück zitiert werden, sind zwei mögliche Resultate dieses Marsches. Codreanu geht den Weg des kshatriya unbeirrt bis zum notwendigen Untergang, Jünger dagegen wandelt sich zum brahmanen und entrückt sich den Wirren einer feindlichen Welt, die dem Untergang immer schneller entgegentrudelt. Wie Evola wählt er die apoliteia, das Handeln durch NichtHandeln.

Gerade der Bezug auf Codreanu verdeutlicht, daß der Stil der Subkultur der DarkwaveSzene eine enge Verbindung zu Elementen der faschistischen Ideologie aufweist. Zum einen findet sich hier besonders deutlich die Umformung der Todesakzeptanz in die Todessehnsucht. Armin Mohler berichtet z.B., daß die spezielle Attentätergruppe der „Legion des Erzengels Michael“ sich nach ihren Morden nicht in Sicherheit brachte, „sondern (sie) krönten die Exekution mit ihrem eigenen Tod.“ Die aktuelle Ausprägung findet dies in der Todesverliebtheit der Grufties mit dem heimlichen Feiern von Parties auf Friedhöfen als sichtbarer Ausdruck. Zum anderen findet sich bei der „Eisernen Garde“ die Paralelle einer symbolgeschwängerten Spiritualität. „Ihre tiefe christliche Gläubigkeit wurde unter anderem darin sichtbar, daß die Kolonnen der Gardisten in der Marschformation großer, lebender Kreuze durch die Städte zogen.“ Diese Städte galt es, für den wahren Glauben zu erobern, denn für die bäuerlichländlich geprägte „Eiserne Garde“ waren sie feindlicher Boden, den der Unglaube und die Dekadenz regierten. Auch hier wiederum eine Entsprechung zur großstädtischen, romantisierenden Natursehnsucht der Grufties.

Daß die hergestellten Bezüge ebenso wie bei „Ain Soph“ oder „Sol Invictus“ nicht zufällig sind, sondern der genauen Kenntnis der ästhetischen, historischen und ideologischen Hintergründe entspringen, unterstreicht die Ende 1995 veröffentlichte CD „The Gospel of Inhumanity“ von „Blood Axis“. Die Ikonographie von Cover und Booklet ist den textlichen und musikalischen Vorgaben angepaßt. Unter der vorherrschenden Farbe schwarz prägen Kreuze in vielfältiger Form vom Balkenkreuz über den kreuzförmigen Schwertgriff bis zur neuheidnischen Totenrune , Kampf, Ruinen, Wahnsinn durch AbsinthMißbrauch und Tod das Bild. Selbst die Blumen vor Stahlhelmen und Grab machen einen verwelkten Eindruck.

Wenn es jemals angebracht war, von faschistischem Stil zu sprechen, dann hier. Alle Elemente, die Furio Jesi dazu zählt, finden sich vereint. Dies gilt besonders für die von ihm beschriebene Grabessymbolik. Ezra Pound, der USamerikanische Lyriker von Weltrang, der nach dem II. Weltkrieg von der USArmy wegen seiner Rundfunkpropaganda für die italienischen Faschisten zunächst interniert worden war und dann lange Jahre in einer Nervenheilanstalt in seiner ihm fremden Heimat verbrachte, liefert Stimme und Text, aufgenommen in dieser Anstalt, für das Stück „The Voyage“. Die Musik dazu ist Johann Sebastian Bach entliehen. Für ein weiteres Stück wird ein Gedicht von Friedrich Nietzsche genutzt. Eine neue Karriere als PopStar startet auf der Produktion auch der Satanist Charles Manson, als Mörder der Schauspielerin Sharon Tate zu Weltruhm gelangt, auf der CD durch die Interpretation eines eigenen Gedichtes. Auch in diesem Fall liefert Bach die musikalische Grundlage.

Für „Blood Axis“ ist wie für Evola und Limonow unsere Epoche die der Dekadenz, die vergehender Größe, die zwar noch immer sichtbar ist, deren letztlicher Untergang jedoch voraussehbar ist. Das Genie Pound endet ebenso im Wahnsinn wie Friedrich Nietzsche, Charles Manson lebt seinen persönlichen Wahn konsequent aus, der AbsinthSäufer kommt ihm mit jedem Glas näher. Doch auch dieser Untergang ist nur ein Teil des ewigen Kreislaufes von Werden und Vergehen. Es ist also zwecklos, ihn zu beklagen. Er muß als natürlich akzeptiert werden. Als so natürlich wie der Kampf jeder gegen jeden und natürlich auch der Krieg, der in einer Welt voller Gewöhnlichkeiten und Nichtigkeiten die Gelegenheit bietet, sich zu beweisen und wenigstens kämpfend unterzugehen.

In dieser Vorstellungswelt ist für Humanismus tatsächlich kein Platz. Die ihr angepaßte Ideologie ist der Sozialdarwinismus, den Boyd Rice, ein anderer prominenter Vertreter dieser Szene offensiv propagiert. Rice begann seine Karriere als AvantgardeMusiker, der versuchte, die formalen Beschränkungen der Musik zu durchbrechen. Der Zuhörende sollte nicht länger nur rezipieren, sondern selbst aktiv in den Prozeß der Produktion eingreifen können. So trug seine Platte „Pagan Music“ ausdrücklich den Vermerk „playable at any speed“. Zusätzlich waren neben dem Mittelloch noch weitere Löcher in die Platte gebohrt worden, um ein diszentrisches Abspielen zu ermöglichen. Es lag also am Hörenden selbst, wie er die Musik hören und verstehen wollte. Dieser Verzicht auf Vorgaben und Botschaften von Boyd Rice in seiner frühen Phase setzte sich auch bei den LiveAuftritten fort, die als gewaltige Lärmorgien lediglich dazu gedacht schienen, die Belastbarkeit der Hörerinnen und Hörer auszutesten.

Seit der Veröffentlichung der CD „In the Shadow of the Sword“ im Jahr 1989 wurde das formale Experiment, das ihn in AvantgardeKreisen bekannt gemacht hatte, durch die konkrete, textliche Botschaft ersetzt. Auf der Platte selbst findet sich neben der in diesen Kreisen fast schon obligatorischen Rune auch die theosophische Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt. Als Text eines der Songs dieser CD dient ein Gedicht des Psychologen Carl G. Jung, wiederum eine bezeichnende Wahl, wenn dessen Unterstützung für den Nazifaschismus und sein Kultstatus in der New AgeSzene bekannt sind. „In the Shadow of the Sword“ beginnt mit dem monoton stampfenden, einhämmernden Stück „Total War“, das die anfängliche Frage „Wollt Ihr den totalen Krieg?“ am Schluß mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet und fordert, „das Tier im Mann wieder frei(zu)lassen“. Als musikalischer Kontrast und textliche Ergänzung folgt das Stück „Etarnal Ice“, das mit nur lieblich zu nennender Frauenstimme zur Melodie von „Stille Nacht, heilige Nacht“ stattdessen „Silent war, holy war“ intoniert und wiederholt beschwört: „Es gibt keine Geburt ohne Tod“.

Als Glaubensbekenntnis von Boyd Rice kann schließlich sein Stück „A World on Fire“ gelten. „Ich habe einen Traum“, heißt es dort. „In meinem Traum sehe ich eine Welt befreit von der Last der Falschheit. Ich sehe eine Welt wiedergeboren in Perfektion. Ich sehe die Herrschaft der Reinheit. Und wie kann dieser Traum wahr werden?“ Rice weiß die Antwort: Großes und schreckliches Leiden sowie Zerstörung seien notwendig, die Wiederkehr der Kämpfe um Land, Nahrung und Wasser, eine Rückkehr zur Barbarei. In seinem Traum sieht er die Plätze der Städte erhellt durch die brennenden Leichname gekreuzigter Christen.

Seit „In the Shadow of the Sword“ nennt Boyd Rice seine Musik „Gothic March Music“. Die hinter ihr stehende Ideologie ist eine Mischung aus Sozialdarwinismus und Feindschaft auf das Christentum. In einem Interview faßte er seine Anschauung in der griffigen Formel „Die Starken beherrschen die Schwachen und die Klugen beherrschen die Starken.“ zusammen. Das Christentum als Feindbild dagegen ist schuldig an allen gegenwärtigen Übeln, da seine Normen (10 Gebote, Bergpredigt) die natürlichen Instinkte des Menschen zerstören. Die Verpflichtung zur Feindesliebe verhindert letztlich, daß die notwendigen Kämpfe ausgetragen werden, um die Überbevölkerung zu beenden. Diese Überbevölkerung wiederum ist schuld an der Umweltzerstörung usw. Bis zur jüngsten Veröffentlichung „Hatesville“ durchzieht diese Botschaft seine Stücke wie ein roter Faden. Die „schwarze Szene“ registriert diese Zusammenhänge sehr wohl und geht zur Tagesordnung über. So kommeniert der einschlägige Plattenversand „HDMailorder“ die Neuerscheinung „Hatesville“ in seinem Dezemberkatalog mit dem süffisanten Satz: „Unsere Frage: was ist ‚political correctness‘“.

In diesem Bereich der schwarzen Szene kennt man sich und arbeitet zusammen. Die etablierteren Künstler helfen den Newcomern. Es sind immer wieder die gleichen Namen, auf die wir stoßen. So wurde „In the Shadow of the Sword“ gemeinsam mit dem uns schon bekannten Michael Moynihan aufgenommen sowie mit Douglas Pearce und Tony Wakeford, beide lange Zeit Köpfe von „Death in June“ , der wohl bekanntesten Band dieses Spektrums. „Death in June“, zeitweise zum Duo geschrumpft, trägt die von Limonow geforderte Virilität auf die Bühne. Kampfanzüge und Masken sind unverzichtbarer Bestandteil des Outfits, eine Landsknechtstrommel ist das dominierende Instrument. Der Bandname „Death in June“ stammt von der „Nacht der langen Messer“ im Juni 1934 gegen die Führung der SA und konservative Oppositionelle des NSStaates. So erstaunt es kaum noch, daß auf der LP „Brown Book“ das „Horst WesselLied“, die Hymne der SA, als a capellaGesang erschallt. Allerdings handelt es sich in diesem Fall nicht um einen Marsch, gedacht zur Einschüchterung der Gegner, sondern um einen Sakralgesang, der den Verlust der gefallenen Kameraden betrauert.

Selbstverständlich weisen „Death in June“ jeden Faschismusvorwurf gegen sich weit zurück, bieten z.T. sogar an, in besetzten Häusern zu spielen. Patrick O‘Kill, Gründungsmitglied der Gruppe und heute Chef der musikalisch vergleichbaren „Sixth Comm“ („Sechstes Gebot“), verwies im einem Interview darauf, daß alle Mitglieder von „Death in June“ ursprünglich in linken oder antifaschistischen Organisationen tätig gewesen seien. Für sich selbst hatte er aber vorher bereits zugegeben, in einer paramilitärischen Jugendorganisation aktiv gewesen zu sein. Wie sein angeblich linkes Bewußtsein damit in Einklang zu bringen ist, daß er sich in einer „schöpferischen Krise“ in Bodyguard und Überwachungstechniken sowie im Guerilla und Antiguerillakampf ausbilden ließ und danach zeitweise auf Seiten der Mujahideen in Afghanistan und als Söldner in Nordafrika kämpfte, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Seinen Erklärungen im Interview bieten sowohl einen Einblick in sein eigenes Denken als auch einen Blick auf die Hilflosigkeit einer Jugendkultur, die mit Faschismus konfrontiert ist, der nicht dem Bild ihres Schulwissens entspricht. So kann O‘Kill sich offen äußern, ohne daß befürchten muß, wegen seiner Ansichten in der Zielgruppe ein negatives Image zu erhalten. Ein Beispiel aus diesem Interview: „Ich glaube, daß die Leute solche Tracks mißverstanden haben wie Tonys (Wakeford, J.C.) ‚We drive East‘, der nur eine Parodie eines deutschen Marschliedes aus dem Zweiten Weltkrieg war. Was ist falsch daran, ‚die bolschewistische Bestie zu zerschlagen‘? Ich bin sicher, daß die Millionen, die in den Arbeitslagern des Ostblocks gelitten haben, von einer solchen Befreiung von ihrer Unterjochung geträumt haben. Zuletzt ist das auf dem richtigsten Weg, durch das eigene Volk, erreicht worden. Von der bolschewistischen zur kapitalistischen Bestie vielleicht…“ Selbstverständlich hat das nichts mit Faschismus zu tun, oder? Es ist nur die Parodie eines Wehrmachtsmarsches.

Bei „Death in June“ und den zahlreichen Gruppen, die aus Abspaltungen entstanden sind oder im Orbit dieser Band kreisen (z.B. „Sol Invictus“, „Current 93″, „Sixth Comm“, „Strength through Joy“ etc.), ist es in keinem Fall eine ausformulierte Ideologie, die wirksam wird. Entscheidend ist vielmehr in jedem Fall das Transportmittel der Ideologie: der Stil. Verbindendes Element für diejenigen zahlreichen Kids der GothicSzene, die mit Faschismus nichts am Hut haben und gerade Skins oft als ihre ausgemachten Feinde erlebt haben, steht als verbindendes Element immer wieder der Bereich der Esoterik und des Okkultismus zur Verfügung. So erzählt Patrick O‘Kill ganz selbstverständlich von der schamanistischen Orientierung seiner Frau Amodali, ihren Experimenten mit Runenmagie und den Kontakten zur satanistischen ThelemaSekte. Bei all dem handelt es sich um allgemein akzeptierte Erscheinungen in der GothicSzene.

An dieser Stelle wird auch deutlich, daß Ecki Stiegs Vergleich mit den Hippies auch in Bezug auf die Esoterik hinkt. War deren Anrufung des Zeitalters des Wassermanns dazu gedacht, sich die Welt gut, sauber und hell zu lügen, als Rettung von allem Übel die allumfassende Liebe zu propagieren und alle Formen der weltlichen Herrschaft abzulehnen, so akteptiert das Denken der „Grufties“ nicht nur, daß die Welt kaputt, schlecht und verdorben ist, sondern begrüßt dies sogar als notwendigen Schritt, damit es einmal wieder besser werden kann. Nur das Akzeptieren und Ausleben auch der dunklen Seiten des Menschen bringe diesen voran auf dem Weg der Selbsterkenntnis und vervollkommnung. Die dabei bevorzugten satanistischen und heidnischen Kulte sind durchweg antiegalitär und basieren auf dem Führerprinzip. Der Sozialdarwinismus eines Boyd Rice wird zwar selten so explizit geäußert wie bei diesem, findet sich aber durchgängig im Denken der Szene verankert. So ist denn auch kein Vergleich zum „No future“ der Punks möglich. Im Gegensatz zu diesen sehen sich die Grufties als Elite. „Nur scheiße drauf zu sein genügt nicht.“, zitiert der „Stern“ in einem Report über Jugendkulturen ein Hamburger Gruftie. Diese weiter: „Grufties haben Stolz.“

So kann es nicht ausbleiben, daß diese Szene auch Resonanz in der Subkultur jugendlicher Neofaschisten außerhalb der Wahlparteien und des Spektrums der Militanten findet. So gehört zu den von der Band gegrüßten Personen auf der CD von „Blood Axis“ neben Peter Steele, dem Kopf, Sänger und Bassisten der sexistischen und rassistischen USBand „Typ ONegative“, eine gewisse Gerlinde Gronow. Diese gehört zum Umfeld der „Jungen Freiheit“, taucht dort zwar seit geraumer Zeit nicht mehr als Autorin auf, dürfte sich aber hinter dem Pseudonym „Gerhard Prinz“ verbergen. Hauptarbeitsgebiet von „Gerhard Prinz“ bei der „Jungen Freiheit“: die letzte Seite der Zeitung mit Berichten über Musik und Events aus dem DarkwaveBereich in Zusammenhang mit Esoterik und faschistischen Gedankengut. Dabei fällt auf, daß zahlreiche Exponenten der Szene sich nicht auf den musikalischen Ausdruck beschränken. So gab Michael Moynihan einige Zeit das Magazin „Fifth Path“ heraus, das Gerlinde Gronow als „Ausdruck einer neuen Rechten“ bezeichnet, und der Wiener Kadmon gibt ebenfalls eine Zeitschrift heraus und betätigt sich als bildender Künstler.

Auch Gerlinde Gronow selbst hatte zeitweise eine eigene Zeitschrift, „Scharlach“ genannt, publiziert, die die oben geschilderten Bands und deren Positionen zu popularisieren suchte. Der Anspruch der selbsternannten „89er“, eine geistige Elite zu sein, ein Anspruch, den ähnlich auch die Grufties haben, eine Position zwischen Carl Schmitt und Julius Evola, wird von Gronow offensiv vertreten: „Die meisten Kapitalisten sind nicht stark im eigentlichen Sinne sie herrschen, weil die Massen dumm und schwach sind, und nicht, weil sie als Beherrscher irgendeine besondere Stärke besäßen. Das gegenwärtige System basiert nicht auf der Vorstellung von einer Elite, sondern auf der Verflachung kultureller Werte.“ Auch sie bezieht sich explizit auf Julius Evola, Friedrich Nietzsche und Ernst Jünger. Den Satanisten Aleister Crowley lehnt sie ausschließlich deshalb ab, weil er auf den ShowEffekt ausgewesen sei. Schließlich stimmt sie auch der HitlerEsoterikerin Savitri Devi zu: „Savitri Devi war Hinduistin. In deren Mythologie hieß es, daß ein Weltenzerstörer kommen wird, dessen Aufgabe es ist, diese schlechte Welt oder den schlechten Zustand der Welt zu beenden. Der Weltenzerstörer war die Inkarnation eines höheren Gottes… Zumindest glaubt Devi, daß, wenn Hitler es nicht geschafft hat, noch Einer kommen wird.“

Heftig widersprochen wird Gronow in ihrer Einschätzung von Gruppen wie „Sol Invictus“ und „Blood Axis“ in einem Leserbrief an die „Junge Freiheit“ ausgerechnet von Willi Stasch, dem Inhaber des in Moers ansässigen Labels „Cthulhu Records“, der „Blood Axis“ und verwandte Gruppen veröffentlicht und jede Verbindung der Bands mit rechtem Gedankengut zurückweist. Ähnlich unwissend gibt sich der Vertrieb „Discordia“ (Willich), der in relativ kurzer Zeit von drei auf dreizehn Beschäftigte anwuchs. Ein Zeichen dafür, daß das Geschäft mit dem Weltuntergang floriert. So vermutet auch der Verkäufer eines Plattenladens ökonomische Gründe hinter der Tatsache, daß die o.a. Bands im Vertrieb von Discordia sind. „Death in June“, „Sol Invictus“ u.a. sind nämlich unter Vertrag beim britischen Vertrieb „World Serpent“. Würde sich Discordia weigern, bestimmte Platten des Programms abzunehmen, würde wahrscheinlich die Lizenz für die Bundesrepublik gekündigt. Discordia heißt zwar Zwietracht/Mißklang, aber so weit, daß sie sich geschäftsschädigend auswirken, will man die Mißklänge wohl doch nicht treiben. Da zeigt der Chef Klaus lieber Verständnis und wiegelt ab.

Ähnlich verständnisvoll verhält sich Rainer Ettler, Herausgeber des DarkwaveFanzines „Zillo“, gegenüber einem seiner Rezensenten, dem Bonner Peter Boßdorf, einem AltAktivisten der neofaschistischen Szene. Boßdorf ist seit Jahren für die „Junge Freiheit“ tätig, zunächst als Redakteur für den Bereich Wirtschaft, später vollzog er den Wechsel aus dem platt materiellen in den kulturellen Bereich. Im Abstand von einigen Wochen stellt er in dem nationalliberalen Blättchen unter der Überschrift „Neue Geräusche des Jahres“ Platten aus dem Bereich der Popmusik vor, besonders häufig und liebevoll die aus dem DarkwaveBereich. „Zillo“ bedankte sich außerdem für redaktionell Werbung für das Blatt in der „Jungen Freiheit“ (4/96) mit dem Abdruck einer Anzeige in seiner FebruarAusgabe. Die „Junge Freiheit“, die früher „eine konservative Revolution“ sein wollte, warb jetzt, dem Publikum angemessen, damit, „romantisch, anders, frei“ zu sein. Damit platzte Teilen der Szene der Kragen. Mehr als dreißig Labels verlangten eine Distanzierung von den rechtsextremen Verbindungen durch Blattmacher Ettler. Dieser sieht dafür allerdings keinerlei Anlaß.

Eigentlich kann ich ihm dabei nur zustimmen. Schließlich bestehen diese Zusammenhänge ja tatsächlich. Warum also etwas leugnen, was tatsächlich vorhanden ist? Nicht alle verhalten sich allerdings derart offen wie der den Traditionen des musikalischen Futurismus verpflichtete Franzose JeanMarc Vivenza, der bei einem Happening am 3. Mai 1990 in Paris an einer öffentlichung Zerstörung der Deklaration der Menschenrechte und von Werken Andy Warhols beteiligt war sowie anschließend als Vortragender bei einem Kolloquium des „Reseau Mafarka“ neben den beiden Exponenten der Nouvelle Droite Michel Marmin und Robert Steuckers wirkte.

Die Namensgebung „Reseau Mafarka“ geht zurück auf den Roman „Mafarka le futuriste“ des Mitbegründers des Faschismus Filippo Marinetti. Zur Verdeutlichung, was diese Namensgebung bedeutet, ein Zitat: „Als ich ihnen sagte: ‚Verachtet die Frau!‘, gebärdeten sich alle wie von einer Polizeirazzia aufgebrachte Bordellbesitzer und warfen mir triviale Beschimpfungen an den Kopf! Dabei bezweifle ich überhaupt nicht den animalischen Wert der Frau, sondern nur die ihr zugeschriebene Bedeutung der Gefühle. (…) Ich rief ihnen zu: ‚Laßt uns den Krieg verherrlichen!‘; seitdem malträtiert eine wahnsinnige Eishand des Grauens ihre Milz und schiebt sich geschickt in den klammen Magen und zwischen die dürren Rippen vor. Welcher Maler wüßte das blendende Grüngelb auf die Leinwand zu bannen, das ihre Wangen beseelt, wenn sie die Litaneien von der Weisheit der Nationen und der allgemeinen Abrüstung stammeln?“ Das, was Marinetti in seinem Roman propagiert, könnte er durchaus auch wie „Blood Axis“ den „Gospel of Inhumanity“ nennen.

So bezieht sich Vivenza zwar ganz und gar nicht auf das Mittelalter, sondern im Gegenteil auf die Moderne, ihre Geschwindigkeit und Industrialisierung, kommt aber ideologisch wie seine futuristischen Vorbilder zu den gleichen Schlußfolgerungen. Seine Musik nennt er auf gut französisch „Bruitismus“ . Bruitismus könnte als eine Mischung aus Ambient und Industrial bezeichnet werden. Für die unwissenden Alt68er unter den LeserInnen: Ambient ist in den (häufigeren) schlechten Momenten diejenige New AgeMusik, die der Psychotherapeut zur Unterstützung seiner Anweisung „Nun stellen wir uns mal eine grüne Wiese vor.“ benutzt, in den guten dagegen entstehen Werke wie Brian Eno’s „Music for Airports“. Jede Person, die einmal in der Werkhalle eines Industriebetriebes gearbeitet hat, weiß, daß die Maschinen dort eine sehr intensive Musik spielen können. In Deutschland griffen dies zuerst „Die Krupps“ mit ihrer Stahlwerksymphonie auf. Auch für den Industrial können durchaus die musikalischen Experimente des Futurismus als Vorbild gelten.

Diesen propagiert Vivenza denn auch unentwegt in seiner Zeitschrift „Volonté futuriste“, wobei der „Willen“ ein futuristisches Schlüsselwort ist, und als Referent bei den diversen „neu“rechten Gruppierungen wie den „Synergies Européennes“. Dafür, daß sein Wirken auch in Deutschland nicht völlig unbemerkt bleibt, sorgt wiederum der Willicher Vertrieb „Discordia“, der auch diese ideologischen Mißklänge zu schätzen weiß. Für Zwietracht/Discordia hat er damit unter den Musikfans bisher noch nicht gesorgt. Aktionen, wie die gegen die NaziskinBands vor einigen Jahren, sind ausgeblieben. Die CDs sind in fast jedem größeren Plattenladen mit IndependentAbteilung ohne Schwierigkeiten zu erhalten. Die deutsche, nationale Borniertheit führt wieder einmal dazu, daß als faschistisch nur das registriert wird, was dem Nationalsozialismus entspricht. So wird es wohl weiterhin Mißklänge/Discordia im DarkwaveBereich reichlich geben.

Anmerkung von Grufties gegen Rechts Bremen:

Trotz grundsätzlicher Übereinstimmung mit Jean Cremets Analyse müssen wir seinem pauschalen Urteil „daß der Stil der Subkultur der Darkwave Szene eine enge Verbindung zu Elementen der faschistischen Ideologie aufweist“ vehement widersprechen. Die Beschäftigung mit Tod und Zerstörung ist ebensowenig per se faschistisch wie romantische Natursehnsucht. Die Grenzen verlaufen an anderer Stelle an der Befürwortung oder Ablehnung des Gleichheitsgrundsatzes beispielsweise. Desgleichen sind heidnische Kulte desöfteren, aber nicht zwingend antiegalitär. Und schließlich sehen wir uns durchaus und nach wie vor in der Tradition des Punk, wobei wir die Frage, ob Punx grundsätzlich frei von elitärem Selbstverständnis sind, an dieser Stelle mal dahingestellt sein lassen wollen.

Quelle: Grufties gegen Rechts Bremen